Übersicht September:( gesamt 454 km)

September 56. Tag: Solinastausee in Wolkowyja                                     8 km

September 57. Tag: Wolkowyja – Krakau – Bahnfahrt nach Norden     5 km

September 58. Tag: Grotniki , nach Nachtfahrt Ankunft 6h                  6 km

September 59. Tag: Grotniki                                                                         5 km               

September 60. Tag: Grotniki – Torun                                                         15 km

September 61. Tag: Torun – Elk(Bahn) -Ogonki                                      38 km

September 62. Tag: Ogonki bei Willi Tacke                                              8 km

September 63. Tag: Ogonki bei Willi Tacke                                              7 km

September 64. Tag: Ogonki – vor Parcz                                                     28 km

September 65. Tag: vor Parcz – Wolfsschanze – Ketrzyn                       24 km

September 66. Tag: Ketrzyn – Swiete Lipka (Heilige Linde)                 19 km

September 67. Tag: Swiete Lipka – Labuch                                               35 km

September 68. Tag: Labuch – Olsztyn (Allenstein)                                  37 km
September 69. Tag: Olsztyn (Allenstein)                                                   14 km
September 70. Tag: Olsztyn – Gietrzwald (Dietrichswalde)                    22 km

September 71. Tag: Gietrzwalde – Ostroda (Osterode)                            34 km

September 72. Tag: Ostroda – Klodowo                                                        30 km

September 73. Tag: Klodowo -im Wald 8km vor Ilawa                              25 km 
September 74. Tag: Torun                                                                                7 km
September 75. Tag: Torun                                                                              17 km
September 76. Tag: Torun – Grotniki bei Soska                                          5 km
September 77. Tag: Grotniki bei Soska                                                         4 km

September 78. Tag: Grotniki bei Soska                                                         3 km

September 79. Tag: Grotniki – Gliwice – Pilsen – München (Bahn-Bus) 8 km

September 80. Tag: München                                                                        12 km

September 81. Tag: München                                                                          6 km

September 82. Tag: München                                                                          9 km

September 83. Tag: München  22 Radlkilometer,                                        6 km

September 84. Tag: München                                                                           8 km

September 85. Tag: München ( So, 30.9.2007)                                            10km


  Klicken zum schliessen
Der Weg ist doch das Ziel und nicht die Urlauberei!  Freue mich schon wieder auf  Wege wie diese. Ostpreussen.

Wolfgang ist in nächster Zeit unter der folgenden  polnischen Handy-Nr. zu erreichen: 0048-512 599 683



56.Tag
Samstag, 1.9.2007, 8 km
Am Solinastausee in Wolkowyja, wechselhaftes Wetter

Langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen, denn die Nächte sind schon ganz schön frisch. Und oben im Norden, in Masuren? Ich muss zurück an meine Strecke!
Erika und Richard verstehen das natürlich nur schwer, leben sie doch hier ohne Plan völlig sorglos dahin . Mein Weg ist  jedoch ist das Ziel!
Da die polnischen Ferien beendet sind, kommt man hier aus der Ecke kaum heraus. Und man will mich unbedingt festhalten. Das Studieren der Fahrpläne bringt auch
nichts. Der Abend wird noch einmal grossartig. Feuer, Fische, Vodka, Fruchtsaft. Ein nettes junges Pärchen, das eine Nacht bleiben will, sie (Julia) Deutsche, er
(weiß ich nicht mehr) Franzose, machen eine Osteuropatour, setzen sich zu uns. Schlafen im Auto, kochen auf dem Boden, sind verliebt und glücklich. Jetzt werde ich
meinen Ignatius von Loyola endlich los, frei übersetzt: Wenn wir uns um nichts mehr quälen müssen, sind wir schon verloren…! Schaut doch unsere übersättigten Leute
an, welcher geistiger Dünnschiss für sie wichtig ist…! Glotze an und die Beweise erdrücken. Kulturbruch? Klar! Seit 68 geplant! Aber noch bist du nicht verloren, altes
Europa!!  Da gibts noch welche, die machen ora et labora und nicht do be do do do!!
Special Guest ist an diesem Abend  ist Richard, der mit mir ein polnisches Duett singt.  Das heisst natürlich, dass ich spiele und er singt, denn ich kann kein Polnisch,
summe nur die Melodie mit. Hat es noch nie gegeben – sagt Cousine Erika!  Alles ist das erste Mal! Der Franzose kennt nicht einmal seine Chevaliers de la …und seine
drei Trommler. Hat man in Frankreich auch die singbaren Lieder  versucht zu vernichten…? Keine Sorge! Und ewig blühen die Linden… ich glaube: Ingeborg Bachmann.

              

Klicken zum schliessen

…und immer wieder Abendrot, das gutes Wetter ankündigt!

 

57. Tag

Sonntag, 2.9.2007, 5 km

 
Wolkowyja – Krakau – Bahnfahrt nach Norden, Grotniki, sonnig

Ich weiß ja, dass ich noch bleiben soll, aber 1000 km Bahnfahrt sind auch kein Pappenstiel. Endlich findet sich Victor, ein junggebliebener 81jähriger, fährt nach Hause
und nimmt mich nach Lesko mit. Gottseidank! Gerne wäre ich noch geblieben, aber mein Weg ruft und der Winter naht. Victor zeigt mir noch die Anlagen des Stausees.
Trinkwasser, Regulierung und Elektrizität. Klassische Struktur. Dazu als Nebeneffekt der Fremdenverkehr.
Von Lesko an die Hauptstrecke Ukraine – Krakau mit dem Bus und dann mit der Bahn weiter. Wir haben noch etwas Zeit und Victor nimmt mich zu sich nach Hause mit.
Ein hübsches Holzhaus hat er sich gebaut – aus einem alten Haus, sagt er stolz. Ein intellektueller Mann, traemt noch vom Kommunismus, wo er Direktor irgendeines
Werkes war. In Sachen Privatisierung stimme ich mit ihm ueberein. Die Umwandlungen von Volksvermoegen in AG|s siehe Post, Bahn, sind ein Vergehen am Volk!
Verhoekern von Tafelsilber um eine schlechte Politik zu kaschieren. Bei der Wiedervereinigung konnte man das ja verstehen, aber jetzt?? Frei nach Johann Wolfgang:
Was du ererbt von deinen Vaetern hast, verklopp‘ es um wieder gewaehlt zu werden…! Victor ist der erste Pole, dem ich im Laufe eines Gespraeches folgendes Zitat
sagen kann: Gar mancher kommt trotz vielem Lesen mit dem Verstaendnis in die Brueche. Zwar hat er die Sprueche der Weisheit gelesen, doch nicht verstanden die
Weisheit der Sprueche. Wir lachen herzlich in seinem alten Sierra.
Am Busbahnhof falle ich auf eine Frau herein! Nein, nicht sowas! Nein, sagt sie, nicht nach Rzesow mit dem Bus fahren,  sondern gleich mit dem Bus nach Krakau!
Diese Abneigung der Polen gegen die Eisenbahn!!! Auto und Bus !  Bahn fahren nur die Doofen und Armen. Ich haette es wissen muessen! Hier könnte man Studien
der Mentalität betreiben. Ich wäre viel früher in Krakau gewesen!! Der Bus hält in jedem Kaff und schaufelt Leute ein . Man kann sich nicht rühren, nicht zur Toilette
gehen , kein Fenster oeffnen, usw.
Gegen 20.30 h sind wir in Krakau… Ich werde den Umweg nicht über Gleiwitz machen, sondern bei Soskas Station halten, waschen, ausruhen und dann weiter..
Halbvier in Lodz, 6 Uhr bei Soska. Will mein Zelt in Garten aufstellen, da sehe ich, dass Tochter Kascha sich schon für die Schule fertig macht. Winkt mich herein. Kaffee,
Decke und ein Sofa bis 8.30h. Phantastisch unkomplizierte nette alte Freunde! Fuer den Abend wird eingekauft – das Uebliche. Woitek  und Monika fahren mit mir noch
nach Ozorkow, wo ein deutscher Industrieller ein Jugendstilhaus grossartig restauriert hat. Gleich im Eingangsgemaelde empfaengt den Besucher: ORA ET LABORA.
Und im herrlichen Kachelofen steht schwer lesbar: “ Erst waeg, dann wag!“ Der Abend wird lustig. Woitek spielt Discjockey und wir anderen tanzen, der kleine Hund mit,
der dann mit mir im Bett schlaeft, ein suesses Tierchen.

Klicken zum schliessen
Sehnsucht nach dem Kommunismus – Victor

Klicken zum schliessen
Disco bei Soska in Grotniki: Kinga, Woitek, Monika und Simon. Woitek hat alles in der Kiste!


 
 Klicken zum schliessen
Geballte Naturkraft in den Beskiden. Beeren und Bären. Wenig Wasser momentan.

58. Tag, Grotniki, Ankunft nach Nachtbahnfahrt um  6h ,  6 km                                                                                    


59. Tag
Dienstag, 4.9.2007,  5 km

Grotniki

Monika hat meine Sachen in die Waschmaschine gesteckt, einschließlich Schlafsack. Da sie nichts von Patina versteht, wollte sie das gleiche mit meiner Lederhose machen.
Ein Glück, dass ich sie an hatte. Da hätte ich fünf Tage hier bleiben müssen, denn sie haben keinen Trockner. Die Hose wäre nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Die Polen
haben etwas gegen Lederhosen, das habe ich schon im Hotel in Suwalki gemerkt. Flitter und Goldlook ist hier beliebt. Jedenfalls kann ich erst am Mittwoch los. Dann aber
um 4.30 h aufstehen.

Click to close^
Mein Zimmer in Grotniki. Unter Palemen!


60. Tag

Mittwoch, 5.9.2007

Grotniki – Elk

Woitek macht mir Frühstück. Mittags bin ich in Torun und habe etwas Aufenthalt. Die Stadt ist so schön, dass ich beschliesse hier zu übernachten. Mein Ticket fuer Elk gilt
ja noch den nächsten Tag. Im Orange-Hostel bekomme ich für 30 Zloty ein 10-Bett-Zimmer für mich allein. Internet ist frei. Die Dame in der Touristinformation spricht kein
Deutsch. Ich frage in einem Reisebüro, wieviel % deutsche Touristen die Stadt besuchen. 70-80 %. Dann stellt sich wirklich die Frage, ob die Dame dort nicht fehl am Platze
ist. Wo ist man da eigentlich? Die Stadt ist herrlich. Backsteinbauten überall, sauber abgestrahlt oder gestrichen. Ein Türke will mich loben… hier ist viel deutsche Kultur,
nicht wahr?! Ich sage ihm, dass das die Kaufleute der Hanse erstellt hätten und da waren auch Polen und Russen dabei…Wir wären doch alles Europäer! So entschärft man.
Auf dem Flohmarkt erstehe ich eine polnische Armeekartentasche, darin werde ich auch mein Schreibheft unterbringen. Am Abend gehe ich gepflegt essen. Keiner versteht
etwas. Kein Englisch, kein Deutsch, kein Französich, kein Italienisch. So lande ich dann bei einer Schweinshaxe… es war eine grosse. Die mitternächtliche Stadt ist gemütlich,
stilvoll angestrahlt. Was waren das Baumeister! Wenn man dagegen den sowjetischen Plattenstil stellt, da kann man nur noch abreissen. Viel hilft schon ein bisschen Farbe,
was sie auch erkannt haben, denn die Plattenbauten werden mit grossflächigen Mustern bemalt wieder ansehbar.

  

 

DIE INNERE MONGOLEI NIMMT MIR MEINE ÄUSSEREN SCHMERZEN
       

Als ich  durch Torun schlendere, sehe ich eine Praxis:  Massage, Dr. B., Akupunktur, Medicyna Naturalne. Die Welt wird das nicht kosten, versuchen wir die immer noch
bestehenden peripheren Schmerzen, das Brennen am linken Oberschenkel,  zu bekämpfen, auf Polnisch. Der Masseur war kein Pole, es war ein Mongole. Erst setzte er Saugnäpfe, dann 
massierte er phantastisch und dann stecke er mir einen Haufen Nadeln in den Rücken , den Po und in die Oberschenkel. Ich schreibe diesen Bericht am 10. September.
Seit 5 Tagen und nach rund 100 km habe ich nur noch ein leichtes Brennen im linken Oberschenkel. Es war zwar nach Katrins Übungen auf ein erträgliches Mass zurückgegangen,
aber nun ist es fast weg. Der ganze Spass kostete 70 Zloty und Dr. B. hatte sich eineinhalb Stunden mit mir beschäftigt. Dank erst einmal der Inneren Mongolei und wenn ich durch
Torun laufe, gehe ich wieder  zu Dr. B.. Was ich beinahe vergessen hatte: Vor der Akkupunktur sagte ich ihm auch noch, dass ich leichten Schnupfen habe. Der war nach der
Behandlung auch weg.



MASUREN RÜSTET SICH ZUM WESENTLICHEN

Wann geht man in Westeuropa ins Restaurant zum Essen? Ab 19 h, klar! Vorher hat man ja noch zu tun. Kinder ins Bett, sich fein machen usw. In Suwalki oder in Augustow
hat man da bereits verloren. Abgedunkelte Küchen. Niemma! Nichts geht mehr! Nach dem 4. Versuch, tauche ich in einen Kebabkeller ein. Der Fleischspiess ist noch lauwarm,
den Rest macht die Mikrowelle. Jedenfalls bekomme ich etwas. Junge Leute ueberall. Was ist los? In Gegenden mit stark russischem Anteil, gibt es keine Gastlichkeit wie wir sie
kennen. Essen ist eine Grundlage vor dem Wesentlichen: Vodka – und der wird hier so getrunken wie bei uns Mineralwasser. Gleiche Gläser. Meist über 50 %. Um den Alkohol
zu eliminieren, werden Snacks gegessen, denen allen der Ruf anhaftet Alkohol zu vernichten…: Fettes Fleisch, Gurken, Speck, Zwiebeln mit Weisskäse.

Also, ab 19h wird hier nur noch getrunken. Jetzt machen die Wirte Umsatz! Man geht zur Theke und ordert auf einem Tablett flaschenweise Vodka, gelegentlich ein
Mineralwasser. Bezahlt werden muss sofort. Als die ersten Russen bei uns ins Sauerland übersiedelten, lachten sie über unsere „Pinnekes“. Die Wirte lernten schnell, von den
Tankstellen ganz zu schweigen!
Was ist denn aus der berühmten Gastlichkeit Schlesiens geworden? „…s‘ war immer a su…“, welches Dorf in Slansk hat denn noch eine Musikkapelle, die Liste wäre lang.
Man kann den von Stalin Deportierten keinen Vorwurf machen, sie taten das, was bei ihnen üblich war. In die Grenzregion an der Oder – z.B. Bunzlau – konnte man noch
vor 20 Jahren nicht gehen ohne zu weinen. Festigung der Slawengrenze Stettin-Triest, nannte das Stalin. Ich bin schon jetzt gespannt wie diese Region heute aussieht. Ergo:
Essen um 17 Uhr oder hungern.

 

POLNISCHES DUELL

Zwei Mittzwanziger betreten die Kneipe. Sprechen mit dem Ober. Dieser weiß Bescheid und bugsiert einen Beistelltisch, ca. 60 x 60, zwischen beide. Stellt daraufhin
den ganzen Tisch voller „Senfgläser“, entleert mehrere Flaschen Vodka in die Gläser (Teewagen) und spielt dann Schiedsrichter. An der rechten Ecke wird angefangen.
Keiner darf ein Glas zu wenig trinken!!! Ich musste gehen um mich nicht zu übergeben. Natürlich ging es um eine Frau, klärte man mich auf. Wer als erster unter dem Tisch
liegt, hat verloren.Und die Frau hat als Mann einen Säufer… Ganz einfach ist so ein Duell zu machen, hat aber Ähnlichkeit mit dem Russischen Roulette. Ergebnis: Die Frauen
schmeißen den Laden und die Männer leben schon um 10 h vormittags in einer anderen Welt… Ein  Glück, dass wir Deutsche das Bier als Volksgetränk haben!

 

61. Tag
Donnerstag, 6.9.2007, 38 km,

sonnig und bedeckt.

Mit dem allerersten Zug verlasse ich Torun und mache mich in Elk auf den Weg nach Gizycko, Loetzen hieß das einmal in Ostpreussen. Gehe über Stare Juchy. Hier ist
kaum Verkehr. Wunderbares Laufen. Ich habe auf meinen Bahnfahrten festgestellt, dass Bahnlinien wunderbare Wanderwege haben. Ich versuche es einmal. Tatsächlich,
man muss nur bei Brücken halt die paar Meter über die Schienen laufen, aber das kenn ich ja, nach dem ich Jack London gelesen habe… In Gizycko nehme ich den Bus
nach Norden bis Ogonki, denn meine Nichte Mariola K. soll dort eine Tagung haben. Ogonki liegt nördlich von Gizycko direkt am See. Die Nichte ist wohl noch nicht
eingetroffen und wird wohl so beschäftigt sein, dass sie einen alten Onkel in Lederhose gar nicht braucht. Aber wie der Zufall wieder spielt: Als ich meine Suppe in der
Alten Schmiede von O. schlürfe, stellt sich Willi Tacke aus Bodenwerder ein. Ein Jahr älter als ich. Wir verstehen uns sofort und als ich nach einer Unterkunft frage,
kommt: Kannst auch bei mir schlafen, ich baue zwar um aber… ihr seht an meinem Plan, ich blieb bis Sonntag und wir hatten herrliche Tage. Der Abend war bei seinen
Freunden in der Nachbarschaft Michael, Nikolai und Teresa eine erste richtige Vodkaprüfung, und mir ging es nächsten Morgen gar nicht so gut. Hatte wohl etwas
wenig für eine Grundlage gesorgt. Jedenfalls Michael ist Musiker und Nikolai der stille Genießer. Als M. seine Frau sucht und immer aufgeregter wird, räumen wir das
Feld. Es ist ja auch schon nach Mitternacht. Nette Leute hat Willi hier um sich geschart.

 

 

62. Tag
Freitag, 7.9.2007, 8 km
Ogonki bei Willi


Meine Revanche für die Unterkunft ist ein Essen, das Willi für seine Freunde geben soll. Ich koche und kaufe ein: Das Übliche meiner Küche. Kartoffelknödel halb und
halb, Fleischgemüsesuppe und Schweinebraten. Willi, der hier im Dorf berühmt ist wegen seiner Schlachterei und den Schlachtfesten, sucht ein Mordsstück aus. Und
dann kochen wir den ganzen Nachmittag und um 19 h erscheinen 8 Gäste. Wir haben nicht zu wenig gekocht. Man ist des Lobes voll und ich fühle mich wie eine
Hausfrau. Natürlich hat Willi mitgekocht!! Er rührte eine Pampe an und spritzte damit den Braten mit einer Injektionsspritze. Wieder etwas gelernt. Es schmeckte alles
sagenhaft. Nächsten Tag wird noch geblieben! Ich gehe allerdings als erster ins Bett, denn diese Vodkaexzesse sind nicht gut für meine Wanderkonstitution. Woll!
Dass die Gitarre wieder einmal auseinander war, seit Nachmittag der Leim trocknete und Michael deshalb seine holte, werde ich an anderer Stelle noch ausgiebig
würdigen. Jedenfalls gab es den ganzen Abend polnische und deutsche Musik und ich tanzte Walzer mit der Gärtnersfrau, da die andern Mannsbilder zu faul waren…

Klicken zum schliessen
Bei Willi in Ogonki. Nach dem Festmahl internationales Konzert mit den Gästen.

Klicken zum schliessen

Der Kaltleim hat gewirkt. Steg ist angeleimt.


Klicken zum schliessen

Daweissichüberhauptnichtwasichunterdiesesbildschreibensolllassenweserstmaldrininderseite

Klicken zum schliessen

Kartoffeln für die polnischen Klöße:  Rohe Kartoffeln schälen, reiben auspressen….


Klicken zum schliessen

…mit den gekochten (1/3) vermengen! Die abgesetzte Stärke im Wasser nicht vergessen!!Eier,
Salz, Knödel formen, kochendes Wasser, ziehen lassen. Wenn sie oben schwimmen sind sie gar!


Klicken zum schliessen
Einpacken in Ogonki vor Willi´s Haus. Willi sammelt im Haus Marschverpflegung. Wie bei Muttern!


 

63. Tag
Samstag, 8.9.2007, 7 km 
Ogonki bei Willi und Fahrt nach Gizycko,

Es ist einfach zu gemütlich bei dem Bodenwerdener und wir verstehen uns gut. Sein Roller muss in G. abgeholt werden. Wir fahren in die Stadt und stellen fest,
dass die Reparatur zwar 100 Zloty kosten soll aber der Fehler, weswegen sie repariert werden sollte, besteht immer noch. Ach ja, so geht es schon manchmal hier.
Er lädt seine Honda in den Bulli und er will sie, wenn ein Ersatzteil da ist, wieder hinbringen. Da Willi Räder besitzt, setzen wir diese auch in Bewegung und die
Gegend ist herrlich zum Radfahren geeignet. Überall grüssen sie  meinen Gastgeber und nicht nur die Frauen. Unser Essen ist immer noch das von Freitagabend. Und wie heißt
es bei der Witwe Bolte: „….sich hole, von welchem sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt.“  Natürlich meine ich das Sauerkraut, das hier Kapusta heißt. Es schließt
sich  ein Fußball – und  Heimatabend im Fernsehen an: Wales und Tirol. Morgen gehts endgültig weiter.


64. Tag

Sonntag, 9.9.2007, 28 km
Ogonki – vor Parcz, Regenwetter

Ich soll hier wohl nicht wegkommen: Als ich um 7 h meine geleimte Gitarre stimmen will, ist das unmöglich, da die Saitenhalterung sich gelöst hat und langsam unter dem
Zug der Saiten abhebt…Sch…! – Radikalkur. Die lässt sich nur mit und bei Willi durchführen. Mit meinem scharfen Messer schneide ich die Halterung ab und schleife
solange bis das blanke Holz hervortritt. Kaltleim und anpressen über ein tolles System! Nach dem Antrocknen meint Willi, wir sollten Schrauben setzen. Wir finden in
seinen Kisten passende. Die dünnen Stegteile bohren wir an und drücken beleimte Streichhölzer in die Löcher. Wir philosophieren über die Vierziger -Generation. Die
Jungs von heute rufen schon den Notstand aus, wenn ihnen nicht die eisgekühlte Coladose aus dem Kühlschrank fällt.
Endlich Abmarsch. Willi steckt mir noch Marschverpflegung zu: Den Rest von meinem, aus den restlichen Pellkartoffeln gemachten, Kartoffelsalat. Nach einigen
Kilometern halte ich an einem Campingplatz zum Mittagessen. Jetzt fängt es richtig an zu Plästern, dichte Regenwolken. Ich verfalle nicht der Versuchung das Zimmer
bei dem netten Wirt zu nehmen. Er hätte viele Fragen an mich, aber so gut Deutsch könne er nicht. Es ist ein herrliches Laufen – auch im Regen – durch die endlosen
Eichen – und Lindenalleen, 300-400 Jahre alte Bäume. Nun eine Pflasterstrasse über mehrere Kilometer. 40 sollen die hier fahren, 140 ist wohl das Übliche. sowas ist nicht
ungefährlich für einen Fußgänger. Die fehlenden Baurindenstuecke und Kreuze sind Zeugen einer Fahrmentalitaet , die ich auch in Italien erlebte, nur, die hatten breitere
Strassen!

Klicken zum schliessen
Herrliches Masuren!

Klicken zum schliessen
Kilometerlange Kopfstein-Landstraße. Müsste unter Denkmalschutz gestellt werden.

Mit dem Alkohol scheinen es die Polen langsam in den Griff zu bekommen, auch mit dem Restalkohol. Ich erlebte viele, die nächsten Tag kein Auto anfassten, wenn
sie am Abend getrunken hatten. Kein Wunder, bei diesen Pegeln. 0,2 Promille haben die hier als Limit. Heute gibt es wohl nichts mit einer Unterkunft, Bauernland.
Biwak ist angesagt. Der große Regen hat aufgehört und ich laufe mit nebenhängender Plane. Echte Masurenlandschaft, wie man sie aus den Beschreibungen kennt:
Hügel, Wälder, Kulturflächen riesigen Ausmaßes, dazwischen anmutig kleine Seen, Schwäne drauf. Platz genug, doch bitte auf einer Anhöhe, hier gibt es viele
Sumpfflächen und Tiefland. Was müssen die Strassen zu bauen hier Arbeit gekostet haben. Da ,50 m neben der Strasse , ein hübscher Waldhügel. Am Rande davon
könnte ein schöner Lagerplatz sein. Ich turne durch das nasse Gras, was ja kein Problem ist, denn ich trage nur Sandalen. Gleich werden die Füße abgetrocknet und
hinein in den warmen Schlafsack! Doch was muss ich feststellen, der Zufall führt mich doch immer an interessante Plätze: Ein Friedhof, alles überwachsen und
zertrümmert – auf einer polierten Platte ist noch ein Wort zu lesen: GOTT. Am Rande des Feldes gen Osten, mit dem Blick auf eine riesige Gutsanlage, schlage ich mein
Biwak auf und esse im warmen Zelt. Ein Vaterunser für die armen geschändeten Seelen hinter mir.

 

Klicken zum schliessen 
In Deutschland käme die nicht mehr über den TÜV!  Fussgängerbrücke in Bauska.


65. Tag

Montag, 10.9.2007, 29 km
vor Parcz -Wolfsschanze – Ketrzyn, regnerischer  Tag

Es wird wieder schlechtes Wetter heute geben. Nachts hatte es zwar nicht geregnet, aber das grandiose Morgenrot signalisiert den Regentag. Schnell versuche ich mit
der großen Leica mit variierenden Blenden das Schauspiel einzufangen. Hoffentlich gelingt eines der Fotos, das ist ja immer Glückssache mit dem Gegenlicht. Die Fotos
mache ich noch im Sitzen in meinem Schlafsack, denn das muss schnell gehen, die Sonne bremst nicht.
Dieses Schauspiel muss hier in Masuren eine Besonderheit sein. Das endlos weite Hügelland, dann die aufgehende Sonne. So mancher Landser mag nachdenklich
geworden sein ,immer weiter nach Osten vorstieß, und dann das Lied sang:  „Siehst du im Osten das Morgenrot!“
Ich packe schnell. Und gehe über den Friedhof. Hier muss man ja nicht gerade frühstücken, obwohl mich die Armen Seelen offensichtlich mochten, kein Spuk um
Mitternacht! Da hab ich allerdings auch geschnarcht. Der Friedhof stammt wohl von dem Gutshof, liegt an herrlicher Stelle und ist offensichtlich mutwillig zerstört.
Ich finde den Gott-Stein und fotografiere ihn. Viele Gräber sind auch geöffnet worden. Endlich ein deutscher Name auf einer Bruchplatte: 1865 – 1942. Ich muss
aufpassen, dass ich nicht in die geöffneten Gruften falle. Dicke Bäume wachsen hier schon. Ich musste beim Weggehen an unsere gut erhaltenen jüdischen Friedhöfe
im Sauerland denken: Brilon, Obermarsberg, Essentho usw.

Klicken zum schliessen
Gott ließ sich wohl nicht zerschlagen. Welch ein Scherbenwink!

Klicken zum schliessen
Ausgebuddelt! Schatzgräber? Goldzähne? Lasst doch die Toten ruhen!

Klicken zum schliessen
Hinter diesem Kreuz verbirgt sich der zerstörte deutsche Friedhof

An der Strasse, auf die ich zurückackere, steht ein herrlich geschmücktes Wegkreuz mit Blumen und Girlanden. Der Marsch in dieser Frühe ist wunderbar, auch wenn es
dann und wann regnet, man ist ja wetterfest ausgerüstet. Da kommt eine Wegkreuzung: Geradeaus nach Ketrzyn, wo ich ja hin will und links Gierloz, was ich mir als
nächsten Weg notiert habe. Ich zögere und gehe dann doch meinen Weg. Ein Glück, sonst hätte ich etwas Wesentliches versäumt. Nach wenigen Kilometern tauchen
riesige Bunkeranlagen auf: Wolfsschanze. Wohin mich der Zufall auf meiner Reise schon geführt hat. Das grenzt schon langsam an „Vorsehung“. Oder aber: Auf
meinen kleinen Wegen haben die Grossen sich versteckt!!

Es ist noch keine 9 h. Regennasser Wald. Mein Gott – sind das Bunker. Steigeisen zum Dach. Dort stand wahrscheinlich die Flak. Waldweg. Ich kann es immer noch
nicht glauben. Ein Pilzsammler erscheint. Hitleresku? Wolfsschanze?? Tak, tak! Endlich öffnet sich der Parkplatz auf den dann eine Stunde später Busse ohne Ende
anrollen werden, deutsche Busse. Ich frühstücke erst einmal: 3 Tassen Kaffee und Rührei mit Wurst. Das Restaurant ist erhalten geblieben. Hier haben die Besucher
übernachtet: Mussolini und Co.. Nun will ich mir mal das Versteck des Diktators ansehen. Überall mit Moos bedeckte Betonklötze, glatte, gerissene und gesprengte.
Da naht wieder ein Bus mit „Führer“,  ich stelle mich als Kiebitz zu der Gruppe. Der eine Führer spricht von 9 Meter Beton über Hitler, der nächste von 5,5 m, sagen wir
rund sieben. Bormann hatte nur 5 m, die Soldaten Holzdach…Eine riesige 45 Grad schräge mächtige Betonwand haben die Besucher mit Stöckchen abgestützt… Der
einzige Witz in dieser traurigen Landschaft, aber immerhin.
Von der Baracke des Attentats auf Hitler, stehen nur noch die Grundmauern. Gedenktafeln auf  Deutsch und Polnisch. Der Platz mit der Bombenaktentasche ist
bezeichnet. Richtig, wie einige Historiker sagen: Stauffenberg hätte sich opfern müssen. Aber was sagt man nicht alles aus sicherer Entfernung. Noch etwas fällt mir auf:
wenn Deutsche meine Jakobsmuschel am Hut sehen und meine Ausrüstung, sprechen sie mich häufig an; hier von den Hunderten kein einziger. Mittagessen in dem
Nazigrößenrestaurant, Touristenpreise, kaum ein Pole hier. Hohe Preise.

Klicken zum schliessen
Eingang zum „Führer“-Bunker

Klicken zum schliessen
Natürliches Denkmal für Diktatoren. Man beachte die Stöckchen unter der schiefen Wand! Siehe
auch 156. Tag bei Helmstedt. Dass von den Diktatoren immer Brocken zurückbleiben?

Nach dreieinhalb Stunden breche ich auf, komme nach Ketrzyn, dem früheren Rastenburg, treffe wieder auf eine nichtdeutschsprechende Touristeninformationsdame,
erhalte ein Hosteleinzelzimmer für 30 Zloty und wende mich einem Internetcafe zu, nichtsahnend, dass es ja ab 19 Uhr wiedereinmal kein Abendessen mehr gibt.
Supermarkt. Brot, Wurst, Käse, Milch. Kaffe habe ich noch und das Hostel hat eine nette Küche. Vor dem Schlafengehen creme ich meine wundgescheuerten Stellen mit
Nivea ein, das reicht bei mir. Die Feuchtigkeit des Tages führt zu solchen Reaktionen. Morgen geht es nach Swieta Lipka, einer grandiosen Kirchen und Klosteranlage.
Ein wahrlich ereignisreicher Tag ist zu Ende gegangen, draußen regnet es. Vorsehung, dass ich in Ketrzyn. geblieben bin.

Klicken zum schliessen
Wolfsschanze, Touristisches Ziel für Beter und Ewiggestrige


66. Tag

Dienstag, 11.9.2007, 19 km
Ketryzin – Swiete Lipka, wechselhaftes Wetter

Internetarbeit und dann zum Haareschneiden. Der letzte Friseurbesuch war vor 2 Monaten in Suwalki. Es fliegt eine ganze Menge Haar zu Boden. Erst der 4. Salon war
bereit mir die Haare zu schneiden. Da  ist etwas in Polen mit dem Haarschneiden! In Suwalki war das auch so!
Nun geht es zu der Heiligen Linde. Ich laufe mit Sandalen. Heute kam ich noch einmal  mit dem Leben davon: Schmale Strasse. Hinter mir ein Lieferwagen und ein
Überholer, der wirklich Zentimeter vor mir merkt, dass er den Lieferwagen nicht überholen kann und wieder hinter diesen zieht, streift meinen Poncho. Potenzieller
Mörder. Was mag in solch einem Hirn vor sich gehen? Ich bin wirklich nicht zu übersehen.
Swiete Lipka ist ein berühmter Wallfahrtsort, durch die polnischen Teilungen kam er zu Preußen und die verboten bei Todesstrafe(!)  den Ermländern dort zu beten.
Zur Abschreckung stellten sie einen Galgen auf. Das war  v o r  Friedrich dem Grossen!  Die Ermländer lauerten an der 200 m entfernten Grenze und schlichen sich
nachts herüber. Früher und seit 1936 betreuen diesen Wallfahrtsort die Jesuiten. Eine seltene Aufgabe der Gesellschaft Jesu.Als ich die Barockkirche betrete, lauscht
gerade eine Touristengruppe der überaus schönen, gewaltigen Orgel. Einen Ordensgeistlichen, der sich als Bruder Andreas entpuppt, spreche ich um Stempel und
Unterkunft an. Das Pilgerhaus sei voll, aber er wisse eine Privatpension. Andreas geht netterweise mit mir, wie überhaupt seine Betreuung der des Paters Gerhard in
Palandriu entsprach. Als Bruder Andreas fort ist, verlangt die Dame des Hauses für ein sehr einfaches Zimmer 50, ich will schon wieder gehen, bremse mich aber und
sage, dass ich in den kommerziellen, besseren Herbergen bisher maximal 30 zahlen musste. Also 40, einigen wir uns. Nach der Abendmesse passt mich Bruder Andreas
ab und lädt mich zum Abendessen ins Kloster ein. Ein interessantes Gespräch schließt sich an, das bis 21 h geht. Bruder Andreas ist recht bewandert in der Geschichte,
vor allem des  Ermlands und so bekomme ich viele interessante Dinge zu hören. Verfolgung, Priestermorde, Behinderung des geistlichen Lebens, Geschichte des
Wallfahrtsortes, Restaurierung der Kirche. Eine ganze Schar von Restauratoren hat sich im Kreuzgang niedergelassen. Die verrotteten Fresken sollen wieder erstrahlen.
Man stochert, kratzt, schleift, klopft und pinselt. Die Polen sind hervorragende Restauratoren, das hat sich schon bis Westeuropa durchgesprochen.
Welch eine Kraft strahlt von solch einem Ort in die ganze Gegend aus! Das höre ich immer wieder in den nächsten Tagen: Ach , in Swiete Lipka waren sie? Klatsch, hatte
ich schon einen Heiligenschein und die Türen öffneten sich. Das geht ebenso, wenn die Leute die Papstmedaille unter meinem Schrittzähler sehen, die mir die Oberin
von Pastuva anhängte. Klar, dass Johannes Paul II. hier die Persönlichkeit schlechthin ist. Wo es geht, wird er benutzt. Zum Ärger von Bruder Andreas sagen die Führer,
dass er in S. Lipka „von oben“ erfuhr, dass er Bischof  werden würde.

Im Dunkeln tappe ich mit Handybeleuchtung nach Hause in mein kaltes Zimmer, als Erika anruft und fragt, ob ich heute wieder am Waldrand schlafen würde. Man macht
sich Sorgen. Eigentlich schön zu wissen, dass Menschen an einen denken, ohne etwas von mir zu wollen. Von der polnischen Handynummer haben bisher wenige
Gebrauch gemacht, nachdem ich schon 150 Euro Roaminggebühren an die Telekom bezahlt habe. Jetzt, nachdem der Goldesel nicht mehr spuckt, senden sie mir laufend
Werbesprueche, etwas so: Telefonieren aus dem Ausland, kein Problem! Vorher schoen hoch das Handy aufladen…Was kann man den Leuten alles andrehen?! Wie
gesagt,  nun müssen meine Anrufer zahlen! Sie zahlen  zwar verschwindend gering,( 2-10 ct. /min)., aber da kann man sehen…Der Wecker wird auf 6 h gestellt.


Klicken zum schliessen 
Guten Morgen! Gerade zum Pi….. aus dem „Zelt “ gerooooooolllllt! Pilgerstock als Kleiderstaender.

Klicken zum schliessen
Welche Atmosphäre! Herr der Ringe?

67. Tag

Mittwoch, 12.9.2007, 35 km

Swiete Lipka – Labuchy (Labuch), bestes Wanderwetter

Natürlich passt mich Bruder Andreas wieder nach der Messe ab und geleitet mich zum reichgedeckten Frühstückstisch. Rührend wie er mich umsorgt, das mit den 50 Schekel hat
ihm wohl auch nicht so behagt. Einige Jesuiten kommen frühstücken und freuen sich, als sie den Namen Pullach hören, denn in der dortigen Philosophisch-Theologischen
Hochschule fanden viele polnische Jesuiten in den Kriegszeiten  und danach Aufnahme und in Pullach habe ich ja meine Jugendzeit verbracht!
Mit Bruder Andreas gehe ich den etwas komplizierten Marschplan durch, weil er quer zu den Hauptverkehrsadern verläuft: Kociborz -Leginy – Samlawki -Kabiny – Besia und von dort
auf die Eisenbahnlinie, die einen Beiweg haben soll, der bis Allenstein führt. Kürzester Weg! Herrlich ist das Wandern heute auf alten masurischen Wegen, oft mit Gras zugewachsen,
aber mit uralten Bäumen gesäumt. Ich muss Sandalen anlegen, obwohl es nicht regnet, das Gras ist aber in dieser Zeit noch nass. Die Abkuerzung lohnte sich im Grunde nicht, denn
ich streife einen grossen Klettenbusch und das dauert die Stacheln zu entfernen.!!! Ich werde noch viele Tage etwas davon haben. In Besia bin ich bald und esse Jugendfutter in einem
Schullandheim: Fritky und Pizza. Aber es gibt Bier, was hier offensichtlich nicht so als Alkohol angesehen wird. Nun an die Bahn! Auweia!!! Anfangs gibt es einen Weg, der dann im
ausgedehnten Sumpf endet. Mir bleibt nichts anderes übrig als auf den Schienen und am Bahndamm zu gehen. Die erste Möglichkeit ergreife ich den „Beiweg“ zu verlassen. Wenn
die Bahn vorbeidonnert, wackelt der Mooruntergrund in weiter Umgebung. Ich kämpfe mich durch Brennnessel und Gestrüpp. Nun brennt nicht nur ein Oberschenkel sondern alle
beide…Ich hatte es Dr. Schley und Katrin genau beschrieben: Wie als wenn ich durch Brennesseln gelaufen wäre. ..
Endlich ein Bahnwärterhäuschen. Nun halte ich mich Richtung SW, immer auf festen Wegen. Wieder so ein Hügel in der Landschaft, wieder ein Friedhof. Hier hat man aber die
Verwüstung versucht zu beseitigen. Zerschlagene Eisengusskreuze sind wieder mit
Stahlplatten geschient, Grabplatten zusammengefügt. Alles deutsche Namen. Hier haben also die
Ostpreußen ihre Toten bestattet. Ich werde also weiter diese markanten Waldchen auf Huegeln  in der Landschaft aufsuchen – nur nicht mehr zum Übernachten…

Klicken zum schliessen
Gut informiert und interessiert: Bruder Andreas, SJ

Nach dem Dorf Labuch kommen mir 2 Radler entgegen. Einer spricht deutsch. Klaus Hübner, Mutter 80,  lebt noch. Ich soll mitkommen. Da wohnen 3 Familien mit Kindern in einem
kleinen Haus. Ich beschließe sofort im Garten mein Zeltchen aufzuschlagen, denn es ist mittlerweile 19 h. Ich muss aber in die Stube zu Mutter Annemarie kommen.
Der Teekessel und das Waschwasser sind schon fertig. Wir essen Abendbrot, sie von meinen, ich von ihren Lebensmitteln. Dass mir das noch gelingt, eine echte Ostpreußin
aufzutreiben. Dank sei der Heiligen Linde…Das Gespräch werde ich noch genauer zusammenfassen. Jedenfalls gehe ich um 21.30 h in meine Hundehütte neben zwei wirklichen Hunden
und -hütten, die lange brauchen , um ihren Nachbarn zu akzeptieren. Nachts regnet es etwas.


Click to close
Restauriertes dt. Grab. Selten. Jetzt wird es wohl stehen bleiben. Geheimnisvolles Grün.

 

Annemarie Hübner eine waschechte Ostpreußin

Jahrgang 1928, blitzsauber alles, umsorgend, zahnlos, glattes Gesicht, Hochzeitsbild einer hübschen Frau an der Wand, Nippsachen in der Vitrine, immer heißes Wasser im Kessel
auf dem Küchenherd, geistig lichte, von anderen Dingen weiß ich nichts. Annemarie überwand erstaunlich schnell ihren Schock, als der Sohn ihr unangemeldet solch ein
Wanderungetüm in vollem Ornat ins Haus bugsiert. Ich hatte ihm gesagt er solle vorausfahren und seine Mutter vorbereiten, aber er liebte die Schocktherapie.

Als die Russen kamen und alle aus ihrem Heimatdorf Buchenberg flohen, war ihre Familie allein und Vater war alt, er wollte nicht von der Scholle. Für die Frauen und Mädchen hatte
Vater im Feld einen Bunker gebaut, wo sie sich verstecken konnten. Aber sie mussten ja auch etwas zu essen haben. Deutsche, die sich bei den Russen einschmeicheln wollten,
verrieten das Versteck. (Seit Hermann dem Chreusker alias Arminius, sind wir im Verraten besonders begabt!) Gottseidank war der erste Sturm schon vorbei. Die 16jährige kam an
einer Vergewaltigung vorbei, was sie fast als Wunder bezeichnete. “ Aber,  ich war ja noch klein, hatte Zöpfe und sah immer etwas jünger aus als meine Kameradinnen. Ich bin ja
heute noch klein..!“ Dabei steht sie auf. Stimmt.
Jedenfalls wurde die Familie in der Kolchose angestellt und Annemarie kam zu einem österreichisch -polnischen Offizier als Reinmachefrau. „Er sagte mir gleich, ich brauche keine
Angst zu haben!!“ 6 Kinder hat sie geboren, vier Jungen und zwei Mädchen. In Buchenberg waren Sie allein ohne Strom, dann sind sie halt nach Labuch gezogen, wo das Haus
eines geflohenen Deutschen frei stand. Von Buchenberg stehen nur noch die Treppen der Häuser. 500 Zloty Rente bekommt sie. Deutsches Fernsehen? Nein , für eine Schüssel
hätte sie kein Geld.  Deutsch spricht sie aber noch perfekt. Eines ihrer groessten Erlebnisse im Leben war, als die  gefluechteten Einwohner des Dorfes Buchenberg Annemarie vor
ueber 25 Jahren nach Moenchengladbach einluden. Was war  das ein Wiedersehen!  Ihr in Deutschland lebt ja in einer ganz anderen Welt!!!
Endlich hole ich meine Gitarre heraus und  frage Annemarie welches Lied sie sich wuensche? Sie wuenscht sich das auf der Burg von Arnsberg gedichtete Lied: Nun ade du mein
lieb Heimatland!  Disselhoff? Ich singe ihr auch noch „Annemarie, wo geht die Reise hin…??“ vor. Die Gitarre musss ich immer wieder nachstimmen. Die Operationen haben doch
ihre Spuren hinterlassen. Manchmal standen mir und Annemarie die Tränen in den Augen. Als sie mir dann am Morgen Frühstück machte, meinte sie, dass wir uns wohl nie mehr
sehen werden. Vielleicht doch, sowas weiß nur der Himmel!


Wie kommen diese Berichte zustande?

Wer den Bericht vom Nordkap bis Sizilien verfolgt hat, weiß, dass es vor 3 Jahren bedeutend schwieriger war, die Berichte in die HP zu bringen. Bei der dünnen Besiedlung und
der 3 Jahre zurückliegenden Entwicklung, war es schwierig einen Internetanschluss zu finden. Auf meiner bisherigen Reise war es dagegen leicht. Die EG hat dafür gesorgt, dass
Internetanschlüsse praktisch in jedem Dorf, dort meist in den Büchereien, vorhanden sind. Ich bedauere heute noch den Axel, der die HP vom Nordkap macht. Per Fax und SMS
gesendete Berichte. Zeit und Entzifferungsprobleme. Nocheinmal danke, danke, danke!
Nun tippe ich die Berichte und schicke sie per Email an meinen Sohn Dominik, der diese dann kurz durchsieht und ins Netz stellt. Dabei muss er die Umlaute übersetzen, denn ich
habe hier eine andere Tastatur. Ich schreibe ohne vorzuschreiben einfach also in die Maschine, weshalb ich gelegentlich um Nachsicht bitte. Grobe Fehler merzt Dominik aus, die
anderen werde ich mir nach der Heimkehr vornehmen. Also denkt immer daran: der kann die Berichte schreiben, weil die mit Computerspielen herumballernden 10jährigen mich auch
mal an das Gerät lassen. Deshalb muss alles schnell gehen. An der großen Zahl der Zugriffe auf diese Seiten, erkennt man doch auch dass die Berichte gerne gelesen werden, auch
wenn sie nicht sprachlich ausgefeilt sind. Nochmals: Ich bitte um allgemeine Nachsicht!! Dafuer bekommt ihr alles bruehwarm aus der Huefte geschossen serviert! Und ich betone
nochmal, weil ich oft gefragt werde, ich habe niemanden der mich sponsert, ich kann also alles das schreiben was ich will.


 

68. Tag

Donnerstag, 13.9.2007, 37 km

Labuch – Olsztyn (Allenstein), erster herbstlicher Tag, wunderbares Wanderwetter

Frau Hübner hatte mir mit ihren bescheidenen Mitteln ein gutes Frühstück bereitet. Erst Kaffee dann Tee. Kaffee wird russisch gemacht: Kaffeemehl in die Tasse, heißes Wasser drauf, umrühren und warten bis sich das Mehl gesetzt hat.
Ich bin schon kurz nach 7 h auf der Strecke, denn der arbeitende Sohn hatte mich schon allzufrüh geweckt: Geh rein in die warme Stube, Mutter wartet schon!!
Bis Czerwonka laufe ich den bisher schönsten meiner bisherigen Wanderwege: fester Sand und meterdicke Alleebäume, eine Weidenart, denn Wasser gibt es hier satt. Die Leute raten mir wieder neben den Schienen zu gehen. Bei den Dörfern müsse man eben durchs Dorf gehen, aber nach dem Dorf kommt der Weg bald wieder zum Schienenstrang. Es ist so. Später verlasse ich den Strang, denn das ist auch langsam langweilig und ich gehe wieder meine SW Richtung durch kleine Dörfer, bis endlich Allenstein vor mir liegt. Backstein, Backstein über alles.
Was haben die Ost-Preußen da herrliche Bauten hingesetzt!! Der Dom ist dem Hl. Jakobus geweiht und seine Statue und die des Hl. Andreas sind die größten Kunstschätze des Domes. Passt wieder!

Klicken zum schliessen
Durch ganz Europa begleiten mich liebevoll gepflegte Kreuze, vor allem in Polen

Hurra, die erste Touristeninformationsdame die deutsch spricht!! Ich lande in der Jugendherberge und meine Rechnung geht wieder auf: Billigstes 8-Bett-Zimmer wählen
und man bleibt allein mit 7 Betten. Ich bin erstaunlich frisch und mache noch einen Stadtbummel. Jetzt sind die herrlichen Bauten angestrahlt. Wunderbar. Hier ist wohl
kaum etwas zerstört worden. Spätmesse im Dom. Der Pfarrer ist in „Hansdampflaune“, rast aber bedrängt von allen Seiten – ins Pfarrhaus um mir den Stempel zu geben.
Ich schenke ihm meine Karte, aus Versehen gibt er sie mir mit dem Pilgerpass wieder zurück. Ach, Entschuldigung, schon ist er bei einem seiner Schäfchen…
Um 19.30 h frage ich die Herbergsmutter wo ich essen gehen kann. Ja, die Zeit sei ein Problem… also auch russischer Stil! Doch empfiehlt sie mir in der Touristenmeile ein
wirklich gutes normales Restaurant, das bis 22 h geöffnet hat. Super in dem 8-Bett-Zimmer geschlafen.
Morgen ist Ruhetag in Olsz…Sch…Allenstein.




69. Tag
Freitag,
14.9.2007, 14 km in der Stadt

Olsztyn                          

 

In einer solch schönen Stadt fällt es nicht schwer den Tag zu verbringen. Reibeplätzchen essen, Internet in der Bücherei, herrliche Backsteinbauten ansehen… In der Stadt
soll die Statue des Stadtpatrons, St. Jakobus, stehen. Erst der 7. weiß wo sie ist. Ich zeigte ihnen immer ein Foto aus dem Stadtprospekt. Sechsmal Njemmaaaaa…
Am Bernsteinstand sprechen mich zwei Damen an. Eine Deutsche aus Coburg und eine Polin, die in Deutschland in der Altenpflege arbeitet. Sie sollen hier die Pfleger
schulen. Offensichtlich sehr schwer  bei den festgefahrenen Abfuetterungsmethoden., sie wollen aber nicht aufgeben. Ab er im Vertrauen gesagt: Bei uns fallen zur Zeit
viele Ergotherapeuten dem Sparstift zum Opfer. Fuer was wird aber Geld herausgeworfen….!!! Am Abend treffen wir uns beim Piroggenessen. Da die Damen  morgen nach
Deutschland fahren, vertraue ich ihnen meine Aufzeichnungen und vier Filme, dazu mein Meniskusbandagenstrumpf an, der ist überflüssig geworden! In D sollen sie die
Sachen an Dominik schicken. Das ist mir sicherer als mit der polnischen Post. Bisher hat man mir empfohlen alles per Einschreiben zu schicken. Als ich mein 8-Bett-Zimmer
in der Jugendherberge betrete, habe ich einen Gast, der sofort „Leica“ ruft als er meine Kamera sieht. Amerikaner.  Endlich mal ein netter aus den  Staaten. Er fragt mich
wg. meiner Lauferei Löcher in den Bauch und ich muss im Zimmer sogar mein Zelt aufbauen. Er arbeitete mehrere Jahre als Englischlehrer in Petersburg und fährt jetzt heim.

Klicken zum schliessen
So kann man Architektur zerstören – Ring in Allenstein. Da waere doch Platz fuer Mc D. ueber der Apotheke!

Klicken zum schliessen
Katastrophenübung am Ehrenmal für die Rote Armee

Klicken zum schliessen
…und überall Kopernikus


70. Tag
Samstag, 15.9.2007, 22 km

Olsztyn – Gietrzwald (Dietrichswalde) sehr stürmisch  

Gietrzwald ist ein Wallfahrtsort aus deutscher Zeit, ca. 1870, und hieß damals Dietrichswalde. ( Wie die sich hier die neuen Namen aus den Fingern gesogen haben…? Das
grenzt schon an Virtuositaet!!) Es mussten ja 700 Jahre alte Namen ersetzt werden. Ich marschiere mit einer Pilgergruppe aus Allenstein ein und werde freundlich begrüßt.
Heute hatte ich großes Glück, als auf einer kleinen Strasse vor mir ein dicker Ast herunterfiel.  Eiche. Sonnenschein und sehr starker Wind. Der hätte mich erschlagen.
Von da an schaute ich immer mehr nach oben als nach vorne.
Das herrliche Gnadenbild in Gietrzwald soll aus Byzanz stammen, bei der Eroberung der Stadt durch die Türken soll es gerettet worden sein. Unterkunft? Ein Pater schickt
mich zu 2 Pilgerhäusern, die alle belegt sind. Ja, man quakt irgendwas in die Sprechanlage und kommt nicht einmal heraus. Die Dame in der Kanzlei, Marta, bringt mich
schließlich in ihrem Haus unter. Die Mutter macht mir sofort Tee, den ich gut gebrauchen kann. Es wird langsam kalt. Dann mache ich mich auf den Weg durch den
Wallfahrtsort. Herrlich ist er gelegen! Eine Pilgergruppe geht den Kreuzweg und betet den Rosenkranz.  Viele junge Frauen dabei. Das ist eine Froemmigkeit hier! Ich
schliesse mich der Gruppe an bis wir die Heilquelle am Ende der Allee erreichen. Unsere Kegeldamen saessen schon nach fuenf Minuten im Brauhaus. Viele Stationen 
des folgernden zweiten Kreuzweges sind durch Spendengelder von Personen aus Deutschland finanziert worden. Anfangs steht RFN später dann Niemecky hinter den
Spendernamen.  Einem gefiel EBLAG nicht, weshalb das L und A geloescht sind. Jetzt kann sich jeder Elbing oder Eblag denken.  Lebensgrosse Gestalten aus
Travertinmarmor. Carrara? Eine Station , Simon v. Cyrene, muss  boese zerstört worden sein, man sieht die Ausbesserungen. Ein Dummer findet sich in Polen immer, sagt 
bei solchen Dingen stets  meine Cousine Erika aus Gleiwitz. (Aber die Pieta Micheangelos hat auch schon einer im Petersdom mit dem Hammer bearbeitet und das war kein
Pole. Jetzt kann man sie leider nur hinter Panzerglas erahnen. Ich habe sie als junger Mann noch hautnah ansehen koennen. Dumme finden sich immer wieder und ueberall.).
Gegessen wird für wenig Geld im Pilgerhaus. In der Kirche ist immer Betrieb. Nur zieht es da ganz entsetzlich, weil zwei gegenueberliegende Tueren stets aufstehen.  Vor
der Kirche drei Graeber. Ausnahmsweisde liess man hier das “ Geb. und Gest.“ stehen.  Weichsel, der Pastor, der die Erscheinungen hier miterlebt hat und die drei Kinder
leitete und seine Eltern(?). Sonst habe ich kein deutsches Wort entdeckt, werde aber ausgesprochen freundlich und aufmerksam bedient. Ich frage mich oft, ob ich da
richtig liege, wenn ich immer an unsere deutsche Vergangenheit denke, wenn ich hier durch urdeutsches Gebiet laufe. Das waere einfacher, wenn die Polen nicht alles
Deutsche getilgt haetten. Nur die lateinischen Inschriften liess man stehen. Die Wallfahrtsfahnen!!! Die Kirchenbuecher, die Grabsteine, die … Mit Vernichtung  und
Verdraengung kann man keine Vergangenheit bewaeltigen, die jungen Leute hier fangen schon an ihre Alten zu befragen. Das habe ich oft erfahren. Wir Deutsche haben
da schon den richtigen Weg eingeschlagen. Manchmal allerdings zuviel . – Leider hat man die Architektur der Kirchen-Frontseite mit riesigen weissen Lettern bepflastert,
sodass die Linienfuehrung des schoenen Bauwerks arg gestoert oder besser:  zerschlagen wird. Gehe früh schlafen.  Ich glaube, ich habe mich erkaeltet. Hoffentlich
wirds der Sauerstoff morgen richten! Es hat  4 Wuerste gebraucht,  um den kleinen Hund  Maira fuer mich zu gewinnen. Jetzt weicht er mir nicht mehr von der Seite. Bin
allein im Haus. Hier herrscht grosses Vertrauen.



71. Tag

Sonntag 16.9.2007, 34 km

Gietrzwalde – Ostroda (Osterode) regnerisch und bedeckt

Wer auf die Karte schaut, stellt fest, dass Gietrzwalde und Ostroda nur 22 km auseinanderliegen. Wie kommt der auf 34 km? Abwarten, das soll ein Tag werden!
Auf Nebenwegen durch Kiefernwälder und weichen Boden, laufe ich nach der Morgenmesse in Gietrzwalde schnell die 22 km nach Ostroda. Die Stadt liegt so malerisch –
nicht zuletzt wg. des von EG-Geldern errichteten Landungssteges für die Schifffahrt die bis nach Elbing reicht, sondern auch die Halbrundlage am See ist herrlich.
Die Touristeninformation hat geschlossen. Super! Das ist noch Kommunismus. Man ist nicht für die Touristen da, sondern für sich selbst. Am nächsten Tag schwirren
dann dort gleich 5 in Worten: „fünf“ Damen herum, von denen eine etwas deutsch spricht und alles falsch versteht. Die sollten sich einmal ein Beispiel an Augustow
nehmen; nun, die hatten auch ein Diplom aus Warschau…
Gehe also erst einmal zum Mittagessen in ein Strandrestaurant. Dann widme ich mich der langen Liste der Pensionen und Hostels. Schreibe sie mir auf und klappere sie ab.
Das nimmt Zeit in Anspruch und bringt Kilometer! Das riesige Parkhotel hat schon seit 20 Kilometer Reklame  auf grossen Tafeln gemacht. Es ist am Bismarckturm, der aller
deutscher Tafeln  beraubt ist,man  hat aber kein Zimmer frei. Ich dachte, frag mal. Man will  offensichtlich nicht arbeiten, denn das Hotel wirkt fast verlassen.  Nur das
Restaurant ist zu haben. Danke, dass dann auch nicht. Vielleicht wäre ich der einzige Gast gewesen.

Bei mehreren Quartieren ergeht es mir ähnlich. Keiner da. Klar, Sonntagnachmittag! Ein  Mann bemüht sich rührend um mich, gegen den Willen seiner Frau schleppt  
er mich zum “ Deutschen Haus“. Tote Hose. Ich sage ihm – es isei  inzwischen schon 18 Uhr – ich ginge in die Kirche und baete den Pastor mir behilflich zu sein.  Die
werden doch keinen echten Pilger im Regen stehen lassen! Auf keinen Fall moechte ich in ein teures Touristenhotel!  Als ich an der Evangelischen Kirche vorbeikomme,
wird vom Turm ein Choral geblasen. Schön. Ich hätte lieber da mal anschellen sollen. Die katholische Kirche ist brechend voll. Errege natürlich Aufsehen. Hoffentlich  
nicht wegen meiner Verschwitztheit.

Der Hirtenbrief wird nicht als Predigt, sondern 20 Minuten lang vor dem Schlusssegen heruntergeleiert. Scheint nicht so wichtig gewesen zu sein. Ich gehe in die Sakristei.
Der übliche Spruch. Nein, kein Wort Deutsch. Englisch, Französisch, Italienisch… sagt der alte Pfarrer. Stempel beim Pastor. Zeigt auf die Tür. Da steh ich da ich
armer T… Wo ist das Pastorat? Lande beim Mütterverein. Eine Dame hilft mir, um die Ecke müsse ich gehen! Schelle. Kauende alte Haushälterin öffnet. Versteht was ich
will. Bittet mich ohne ein Wort zu sagen in den Flur. Warte. Inzwischen kommt der Zelebrant lachend herein. Aha , er versteht also doch Deutsch.  Jetzt kommt der
Pastor, etwas über 60. Ohne mir die Hand zu geben, soll ich ins Büro folgen. Drückt den Stempel in meinen Pilgerpass. Geste, er versteht nichts, zeigt mir den Ausgang.
Kein Händedruck. Nichts. Ich versuche mit Gesten meine Bitte vorzutragen. Mit beiden Haenden Abwehrhaltung. Allein stehe ich im Regen vor der Türe. Da kommt  
ein jüngerer Geistlicher direkt von den Fleischtoepfen durch den Ausgang. Etwas Englisch. Der bemüht sich. zuzuhoeren. Sage ihm, dass ich schon 3 Stunden hier
herumliefe… eine junge Dame kommt des Weges daher, er bittet sie herbei und übergibt mich ihr. Weg sind alle. Delegieren ist keine Hilfe fuer einen Bittenden. Die Dame
führt mich zum ersten Haus am Platze, wo ich nicht hinwollte und eine Stange Geld los werde.( Vergessen habe ich noch meinen Marsch zu dem an der
Touristeninformation ausgewiesenen Campingplatz, wo ich durch anpöbelnde Jugendliche laufen musste und allein, ohne Bewachung auf einer Wiese am See die Nacht
verbringen sollte. Schnell war ich dort wieder weg . ) Doch nun zurück! Das Spa Hotel ist gut eingerichtet. Restaurant und Bar geschlossen.  Zimmer super. Es brennt nur
kein Licht. Werde einen Stock hoeher in ein schlechteres Zimmer verfrachtet. Schade, dass ich schon bezahlt habe, habe somit schlechte Karten. Stimmt, gleicher
Preis…Ich gehe wieder zum meinem Seelokal. Und dort erlebe ich ein Schauspiel! Begegnung mit Napoleon persönlich. Französische Reisegruppe. Davon später.



72. Tag

Montag, 17.9.2007, 30 km
Ostrawa – Klodowo, bestes Wanderwetter

Ostrawa hat die bisher roteste Karte auf meiner Reise bekommen. Verlasse die Stadt möglichst schnell. Das ist nun mal so! Die Tourismusbranche sollte sich einmal damit
befassen, welchen finanziellen Einfluss es hat, wie man die Fremden in der Stadt behandelt. Wie man sie mit Parkgebühren abzockt und ganze Straßenzüge nur für die
eigenen Leute reserviert. Ihr wisst schon: Nur mit Parkausweis Nr. 4, grün,… Das ist ein unheimlich gastliches Verhalten den paar Fremden gegenüber, die dringend und
unwissend eine Stelle suchen, wo sie ihr Auto mal abstellen können.
Neueste Freundlichkeit ist der „Abfallfreie Parkplatz“, natürlich begründet mit Umweltschutz. Quatsch! Sparmassnahme! Streichung der unpopulärsten Arbeit der
Straßendienstleute. Fragt die mal!! Der steuerzahlende Bürger hat das Recht auf einen Abfalleimer… Am Walchensee hatte ich einen speziellen Parkplatz den ich immer mit
meinen Schülern, aus Italien kommend, anfuhr. Eines Tages gab es dort keinen Abfalleimer mehr. Wir schrieben einen Zettel und hängten ihn an das Schild. Nach Wochen
bekamen wir einen Brief von einer Sesseldame aus Bad Tölz, lang, mit der ironischen Bemerkung, dass wir den Müll dann schon irgendwo zu Hause losgeworden waeren.
Wahrlich, in dieser Zeit, wo sie den Brief schrieb, hätte sie 20 Abfalleimer leeren können… Für welche Tätigkeiten bei uns Leute nicht alles bezahlt werden! Aber für das
Leeren von Abfalleimern ist kein Geld da. Wie gesagt, nie wieder Ostrawa!

Die Wanderung geht mit meiner 12.000er Wanderkarte auf kleinsten Wegen vor sich. Man empfahl mir nach Klodowo zu gehen. Schöne Atmosphäre, hergerichtetes
Schloss. Normaler Preis. 40 Zloty. 30 km. Richtung passt in etwa. Hier laufe ich wirklich auf winzigen Wegen einher, die jedoch umsäumt von dicken Alleebäumen sind.
Früher bestimmt ein wichtiger Weg nach Osterode. Gelegentlich noch mit Kopfsteinen gepflastert. Ostbäume am Wegesrand, das erkenne ich immer am Fallobst. Plötzlich
schrecke ich auf. Kleine Jungen hängen lautlos im Apfelbaum und erwarten den einsamen Wanderer. Sie kommen mit mir und im nächsten Dorf kaufe ich ihnen ein Eis.
Es dämmert schon als ich Klodowo erreiche. Das Schloss ist nicht zu übersehen. Weiss. Turm. Fahne. Freitreppe. Ich enter hoch und lande in der Kellerbar. Keiner ein Wort
Deutsch. Eine etwas Englisch. Da wird Oma aus Hassfurt aus dem Bett geworfen, die weilt hier zu Besuch. Die Tochter ist mir ihrem Mann hier geblieben und hat das
Schloss vor dem Zerfall gerettet. Ich bekomme ein Riesenzimmer: 10 mal 5 mal 4 Meter. Sie laufen hier unter Agrartourismus. Dürfen nur 5 Zimmer betreiben, was steuerliche
Auswirkungen hat. Mir wird noch ein reichliches Abendbrot gemacht und ich bedanke mich für die freundliche Aufnahme auch noch mit Gitarrenspiel. Klingt besonders
gut in diesen hohen Räumen. Ich bin der einzige Gast im Hause.

Klicken zum schliessen
Ostroda, Ordensburg.. Gut rastauriert. Alles aufgeraeumt. Hinten links Napoleons Tafel.

Klicken zum schliessen
Muss auch mal sein: Schweinshaxe mit Sauerkraut. Nur polnische Speisekarte. Hätte ich gewusst was kommt,
hätte ich Bier bestellt!!

Klicken zum schliessen
Bonaparte – unvergessen

Klicken zum schliessen
Auf den Spuren Napoleons – Vive la France! Akademischer Club der Freunde Bonapartes. Zuerst Vodka.

Klicken zum schliessen
Mein Schloßzimmer in Klodowo. Plaaaaaaaatz!

73. Tag

Donnerstag, 18.9.2007, 25 km
Klodowo – vor Ilawa ( Deutsch Eylau) im Walde, Sonne , Regen

Netter Abschied auf der Freitreppe. Man macht Fotos und nun geht es Richtung Lubawa wieder auf Feldwegen durch Wald und Feld. Einsamer Hügel, verrostetes Gitter,
halt, deutscher Friedhof…? Richtig. Hier hat man noch einige Grabsteine stehen lassen. Schöne Inschriften in den schwarzpolierten Platten. Das war kurz vor Jogodziny.
Vor Lubawa treffe ich schon wieder auf Napoleon. Dass hier so viele Eisenkreuze stehen hänge mit der Schlacht zusammen. Loebau hieß der Ort früher, sagt mir ein Bauer.
Und immer wieder Napoleon, Napoleon. Ich könnte in Loebau bleiben, doch der Preis von 60 für ein einfachstes Zimmer ohne Frühstück im Sportlerheim, bringt mich auf
die Palme. Weiter geht es. Es fängt heftiger an zu regnen. Dieser feine Regen, den ich von Skandinavien her kenne. Nach den Erlebnissen von Ostrawa habe ich
beschlossen, meine Route zu ändern. Ich werde vom wesentlichsten Wallfahrerort Polens, Cestochowa über meinen Geburtsort und Breslau und Liegnitz wandern. Ich
möchte einmal sehen, wie Polen mit Schlesien fertig geworden ist. Außerdem soll es dort einen neu errichteten Jakobusweg Richtung Görlitz geben, der dann in den
dortigen Ökumenischen Jakobusweg übergeht. Ein schöner und sinnvoller Plan. Außerdem habe ich heute auch die Schn…. voll.

Nun stelle ich auf einer Raststätte fest, dass ich bereits die Höhe Cestochowa hinter mir habe. Die Karte sagt mir, dass Ilawa einen Bahnhof hat. Da es gerade heftig regnet,
kommt mir ein Bus gerade recht. Ich muss zwar einen Aufpreis für mein Gepäck bezahlen, dafür fährt er mich ca. 8 km  lang direkt vor den Bahnhof. Ein riesiges Waldstück
hätte vor mir gelegen. Ich habe Glück. 10 Minuten später fährt ein Zug nach Torun, meiner bisher geliebtesten Stadt Polens. Dort kann mein Dr. der Mongolei mich noch
einmal behandeln und vielleicht kann er mit seinen Nadeln auch meine Erkältung vernichten. Er konnte es!

Die Zugfahrt ist deshalb teurer (25) weil ich in einem Schnellzug sitze. Noch früh genug komme ich in meinem Orange-Hostel an. 30 Zloty. In einem der allgegenwärtigen
Schnapsläden kaufe ich eine kleine Flasche Rum, ein für Polen unübliches Getränk, zwei Dosen Bier, mache das Bier heiß, dazu einen steifen Grog und eine Aspirin.
Ich schwitze zwar wie ein Schw…. aber es hat enorm geholfen, stelle ich beim Aufwachen fest.

Napoleon 1er a Osterode
Bei der Suche nach einer Unterkunft kam ich in Ostroda auch in die Ordensritterburg, die gut erhalten ist und nun Bibliothek, Museum und Kaffeebar beherbergt. Eine
Tafel an der Wand: hier hatte Napoleon 1807 sein Hauptquartier aufgeschlagen…Darunter auf einem Stuhl platziert, ein wahrhaft kaiserliches Bouquet in den Farben der
Trikolore. Bestimmt ist es hier in Polen hergestellt worden. Die können herrliche Sachen mit Blumen anstellen. Man macht sich ja Gedanken, wenn man so etwas hier sieht.
Tilsit ist nicht weit und im Frieden von Tilsit hat der Korse nachweislich gesagt: Ich könnte Polen in 14 Tagen wieder errichten – aber  ich denke gar nicht daran!!
Und dann diese Verehrung hier. denn es brauchte  ja immerhin über 100 Jahre ehe Polen als Staat wieder existent war.  Bonaparte haette es in 14 Tagen hingekriegt…!
Doch die Lösung des Rätsels kam am Abend. Ich sitze bei einem Fischmenü im Hafen, als die Bedienungen ganz aufgeregt 10 Tische zusammenstellen. Man bittet mich
einen anderen Tisch einzunehmen und erklärt mir, dass sich plötzlich eine größere Gesellschaft angemeldet habe. Franzosen, Verehrer Napoleons, 2 Generäle und 7 Colonels,
wie ich bald erfahren werde. Der Rest Marketenderinnen und weiterer Tross.
Die polnischen Fremdenführer servieren als Entree sofort einen Vodka, was garantiert, dass die Gesellschaft munter bleibt. So ist es auch und ich unterhalte mich nett mit
dem Leiter der Gruppe. Er reicht mir eine dicke Schwarte, neu: Allain Chappet u.a. , Le Guide Napoleon, Tallandier. Hier ist präzise aufgeführt, wo sich Bonaparte (fast) immer
aufgehalten hat. Wahnsinn, dass es so etwas gibt. Es wird ein netter Abend und ich darf mich auch an den Tisch der Napoleoner setzen, denn die süddeutschen Staaten
folgten ja Napoleons Fahne und meine Lederhose sagte den Franzosen wahrscheinlich alles. Was sie nicht wussten, musste ich ihnen sagen: Von der Grande Armee kamen
nur 5000 Soldaten zurück, 2500 davon waren Bayern… die kannten Schnee und Eis. Ich bekomme einige Vodka mitserviert, sage im “Nochstehenkönnen“, mit angewinkeltem
Arm „Vive la France“ und erhalte prompt vom stehenden General ein „Vive l`Allemagne“ zurückgeschmettert. Ich kann nicht bis zum Ende bleiben, denn ich hatte vor der  
franzoesischen Erscheinung meine Erkältung schon mit einigen Grogs bekämpft. Aber ich treffe die Gesellschaft am Morgen frisch in meinem Hotel wieder. Sie wollen weiter.
Allenstein. Wohlgemerkt Allenstein und nicht Olsz… ich lerne die polnischen Wörter nie! Danke, Adenauer und De Gaulles. Im Westen haben wir echte Freunde, der Osten
kann ja folgen.

Klicken zum schliessen
Spielmannsbrunnen in Torun vor dem Rathaus. Bis jetzt meine polnische Lieblingsstadt


 

74. Tag

Mittwoch, 19.9.2007, 7 Stadtkilometer
Torun, wechselhaftes Wetter

Erst um 8 h aufgewacht. Superfrühstück und dann zu Dr. B. ins Cabinett. Er knetet, sticht seine Nadeln, setzt seine Saugnäpfe und mir geht es wieder besser.
Ich brauche eine Thermohose und einen neuen Poncho. Das war die Erfahrung der letzten Tage. Beides bekomme ich in guter Qualität in Torun. Auch sehr preiswert.
Gegessen wird zu Mittag im Oberza in der Rabianskastrasse und das kann man nur empfehlen. Das erste Mal fühle ich mich überhaupt nicht übers Ohr gehauen.
Mit dem Rest vom Grogrum eingeschlafen.

Klicken zum schliessen
Dr. Dziguur in Torun an L 3 und 4: Mit Saugnaepfen und Nadeln alle Probleme beseitigt. Danke. Danke Danke 

Click to close
Alle deutschen  Schilder weg. Bereinigt.

Klicken zum schliessen
Torun vom westlichen Weichselufer aus


75. Tag

Donnerstag, 20.9.2007, 17 Stadtkilometer
noch einmal Torun, schönes Wetter,

Das Wetter ist entscheidend, dass ich noch einen Tag hier bleibe in dieser herrlichen Stadt. Die wird jetzt systematisch auf die Hörner genommen. Dom, Kopernikus,
Stadtmauer, Ordensburg, Renaissancehäuser und und und…es kommen auch 17 km zusammen. Fast so allgegenwärtig wie Kopernikus ist Johannes Paul II., den man in
einem lebensgroßen Standbild bewundern kann, von den vielen Tafeln, wo er gestanden hat ganz zu schweigen. Er hat Thorn zur Bischofsstadt erhoben, das dankt man
ihm besonders. Aber Kopernikus hat Johannes Paul II noch nicht eingeholt. Wenigstens hat man seinen Namen auf dem Sockel seines Standbildes nicht verpolnischt,
was den Polen sonst flott von der Feder geht: Nikolaus Kopernikus steht da. Die uralten deutschen Hochwasserstände der Weichsel fielen allerdings der Schleifmaschine
zum Opfer. Nur die Ziffern haben überlebt. Eigentlich wirkt das auf mich lächerlich, auch wenn man Gedenktafeln an Häusern herausbricht oder abschleift. Die sollen doch
stolz sein, dass in dieser schönen Stadt so viele Persönlichkeiten sich wohlfühlten. Aber dieses Verfahren sieht der aufmerksame Beobachter hier auf Schritt und Tritt.
Am Rathaus der knallig-rote Adler in das dezente Rot der filigranen Backsteinarchitektur hineingeklatscht, wirkt wie die Faust aufs Auge. Die Polen sind doch sonst so
ein künstlerisch feinfühliges Volk. Muss sowas denn sein?  Wir wissen doch, dass Thorn nun Torun heisst und polnisch ist! Seit Versailles schon!
Doch nun in den Dom. Das interessiert mich. Ich ging vorhin vorbei, weil ich grundsätzlich in Kirchen keinen Eintritt bezahle, aber das interessiert mich nun doch, was
die im Dom gemacht haben. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde der Dom ökumenisch genutzt. Das ging offensichtlich nicht gut und bald übernahmen
die Jesuiten in der Gegenreformationszeit die Kirche. Ich habe kein einziges deutsches Wort entdeckt.  Da hatte einer aber eine Lebensaufgabe hier. Nur das Lateinische
hat überlebt. Mutter der Sprachen! Es ist gut, dass man immer wieder zum Ausruhen und Teetrinken ins Hostel schlüpfen kann, das im Zentrum der Altstadt liegt. Um
19 Uhr ist im Arthushof Jazzkonzert. Drei Musiker aus Danzig spielen den sanften Jazz. Der Kontrabassist ist eine Kanone! Beim Heimgehen noch einige Nachtfotos der
herrlichen Architektur gemacht. Jetzt stellt sich die Frage: Wie komme ich am besten auf die Wiesn nach München.?…wo ich einige Freunde treffen werde. Bis dann!


Click to close
März weggeschliffen. Marzec aufgemalt. Neue Guss-Platte gespart. Zahlen und m. duerfen bleiben. International…

Klicken zum schliessen
Torun – Rathaus


76. Tag + 77. Tag
Freitag, 21.9.2007 und Samstag, 22.9.2007, 11 km


Um meine Erkältung auszukurieren, halte ich noch einmal bei Soska an, die sich immer freuen wenn ich aufkreuze, und Lodz liegt auf meinem Weg nach Gleiwitz –
München. Außer dass ich einmal einen Haufen Kartoffelpuffer, Reibeplätzchen etc. backe, ist nichts Wesentliches passiert. Ich bin jedenfalls wieder voll kuriert und
freue mich auf München.

Klicken zum schliessen
„Sanatorium Soska“- Grotniki


78. Tag

Sonntag, 23.9.2007, 3 km

 
Klicken zum schliessen
„Eßbar Soska“ in Grotniki

Klicken zum schliessen
Radio Soska Grotniki

Klicken zum schliessen
Ozorkow-Jugendstil

Klicken zum schliessen
Herrlich restauriertes Haus eines dt. Unternehmers in Ozorkow „Erst wäg – dann wag!“

79. Tag

Montag, 24.9.2007, 8 km
Grotniki – Gliwice – Pilsen – München

Es ist ja so einfach heute in Europa für wenig Geld herumzugondeln. Da ich in Gleiwitz noch einige Ausrüstungsgegenstände abholen muss, kann ich nicht direkt von
Lodz nach München fahren. Also früh aus den Federn, Kascha begleitet mich bis Lodz im Bus, dann mit dem Bus nach dem Bahnhof Fabryczna – Lodz hat keinen
Hauptbahnhof, sondern mehrere kleine, – für 26 Zloty bin ich in Gleiwitz. Dort muss ich leider ein teures (last minute) Busticket bei Sindbad erstehen (204 Zloty) und bin
am nächsten Morgen um 9 h in München- Fröttmaning. Natürlich versorgt mich erst einmal meine Cousine Erika in Gleiwitz mit der nötigen Grundlagensuppe usw.
Michael brachte mich um 18.30 h zum Bus und ab ging die Fahrt im neuen Setra. Bis zum letzten Platz besetzt.



80. Tag

Dienstag, 25.9.2007, 12 km
München
 

Da ich länger bleiben will, kaufe ich mir sofort eine Wochenkarte für München, die erstaunlich billig ist:15 €. Sofort in meine Pullacher Unterkunft, wo mich der
Hausmeister Sepp noch gar nicht erwartet hat. Ratsfrau Conny Zechmeister lädt mich gleich zum Senioren Oktoberfest der Gemeinde Pullach ins Bürgerhaus ein, wo
ich einige meiner Erlebnisse los werde. Gratis bekommen alle ein halbes Brathendl und Bier… die tun was für die Alten. Der Raum ist nett mit echten Brezeln geschmückt,
die nacheinander abgeschnitten und verputzt werden.
Dann gehts auf die Wiesn, wo mich der Kapellmeister der Bruno-Gress-Festkapelle sofort entdeckt und mich aus der Ferne fragt, ob ich wieder eine Dame zum Dirigieren
auf die Schulter nehmen werde…keine Dame dabei. Mittagessen im Festzelt, Besuch bei meinem an MS erkrankten Freund und Schulkameraden Peter Czogalla; nüchtern
und spät komme ich in meine Unterkunft.

 


81. Tag

Mittwoch, 26.9.2007, 6 km
München
Wiesn, das üblich Zeremoniell, nicht ganz nüchtern nach Hause gekommen.

Click to close
…die 3 obäfrängischen Mädels. Wiesenneulinge zum Schichtl geschickt.

 

82.Tag

Donnerstag, 27.9.2007, 9 km

München

Schaue mir einmal alle… Bierzelte an. Jedes hat ja einen eigenen Charakter. Nicht nur was die Ausstattung angeht, nein, auch die Musik und die Speisen. Gemütlich
sitze ich in der Bräurosl an einem Mittelfränkisch-schwäbisch-oberbayerischem Tisch. Fast alles Musiker. Bei denen kann man sich immer wohlfühlen, das ist eine
besondere Gang!! Musik prägt Menschen enorm positiv. Eltern lasst eure Kinder Instrumente lernen, da habt ihr schon eine Menge zukünftiger Sorgen weniger!!!
Am Abend erscheint Willi, der mir in Ogonki Herberge gab. Sangesbruder! Er darf an unserem Tisch Platz nehmen, samt seinem Sohn, und das ist in diesen Zeiten ein
Glücksfall. Aussichtslos gegen 19 h einen Platz zu bekommen – ausgenommen man ist eine alleinkommende attraktive junge Dame…
Willis Sohn muss zu seiner Firma ins Hofbräuhauszelt und lädt uns ein dorthin zu kommen. Es war ein Wahnsinn dort hineinzukommen. Ein Labyrintheingang ist
schließlich die Lösung und dass ich dem Sicherheitsmann sagen muss, dass ich auf Willi aufpassen müsse. Schwupp waren wir drin.
Um diese Zeit herrscht dort der Wahnsinn… Normalerweise bin ich zu späten Zeiten nie mehr im Zelt, aber heute waren wir wirklich die letzten und noch hinreichend
nüchtern. –
 

Impressionen der „Wanderpause“ – gesammelt von Axel K. 😉

Klicken zum schliessen
Dan. Die 4 roten Rosen sind für unsere 4 Damen an unserem Tisch. Mein Hemd ist von Kurt Zechmeister geliehen…
Das Hendl zerlegt und abgefieselt!



Klicken zum schliessen
Holly aus Detroit, Michigan.  Countryroad, West Virginiaaaaa.. Dirigierte hervorragend. Die Halle tobte. Ich schwitzte.



Klicken zum schliessen
Und dass alles wieder seine Ordnung hatte: Preussens Gloria mit Locke. Die Wampe ist schon wieder da.

Klicken zum schliessen
Ern. Die Krüge hoch! Ein Prosit der Gemütlichlichkeit.

Klicken zum schliessen
Axel mit seiner Panorama-Kamera schafft den Rundblick. Ochsenbraterei gegen 14 h.


Klicken zum schliessen
Mate und Toni. Michigan – America´s High Five! Sie konnten noch andere Fingerspiele!

Click to close
Willi aus Bodenwerder und Ogonki, 1, 2, 3 – g´suffa! Dunkle Brille taeuscht, ist nicht blind!


Click to close
Logistik auf der Wiesn. Ochsenbraterei. Die Schweinshaxen sind nicht vom Ochsen…!


83. Tag

Freitag, 28.9.2007, 22 Radlkilometer, zu Fuß 6 km
München, Pullach,

Kurt Z. hat ein schönes Postradl erstanden. Gelb, mit Riesengepäckträger. Damit fahre ich frühmorgens die Stätten meiner Kindheit ab. Burg Schwaneck, unsere
Flüchtlingskellerwohnung, Hochleithe, den „Koiche“, Kalkofenberg, wo ich mindestens drei Paar Ski zu Bruch gefahren habe, den Forstenrieder Park, wo mich Mutter
eben mal zum Pilzeholen in den Wald schickte, das Gemüse für das Mittagessen, das kleine Pullacher Kirchlein mit dem Riemenschneider  (?)-Altar, wo ich zur
Erstkommunion ging und mich an die Watschen vom großartigen Pfarrer Wagner „KaWa“ erinnerte, das Bermannskolleg, wo ich mit der Pfadfinderei zusammenkam,
der Rabenwirt… 52 Jahre ist es her. Man hatte mir die schlesische Heimat genommen und eine  oberbayerische verpasst. Kehrt man nach so langer Zeit zurück – es wird
einem schon ganz anders.
Am Abend soll ich Axel Krischbach, den Konstrukteur meiner Homepage im Marriot treffen. Dort erwarten ihn 16 amerikanische Geschäftsfreunde. Doch zuvor gehe
ich noch auf die Wiesn und lerne die negativen Seiten dieses Festes kennen: Hinter der Kulisse des Volksfestcharakters versteckt sich eine knallharte Geschäftemacherei,
die von Reservierungen der Firmen geprägt ist. Das Volk steht draußen vor der Tür. In der Bräurosel, wo ich lande und endlich mit Glück einen Tisch finde, an den sich drei
obäfrängische Mädls gesellen, steht an einer Reihe groß angeschrieben, dass dies freie Plätze seien, doch alle sind reserviert, 3-400! Ich spreche den Kellner an: „Ach, da
haben sie sich vertan…“. Ach, ne! Aber an unserm Tisch wirds gmütlich: Die Mädel aus Oberfranken sind zum ersten Mal hier. Zum „Schichtl“ müssten sie gehen, da
sähen sie noch ein echtes Stück originale Wiesn, mit einer originalen Hinrichtung …einer lebenden …Person. Schmierentheater des 19. Jahrhunderts. Super gemacht. Sie
wollen mir etwas ins Gästebuch schreiben. Wir haben viel Spass. Das ist Wiesn! Das Kommerzielle muss man aussparen, wie auch viele Dinge um uns herum. Da benutzt
man also das Fest des Volkes, um daraus Profit für seinen Laden zu schlagen. Da es in den Boxen manchmal recht öde zugeht, frisst man sich langsam in die Tischreihen „
des Volkes“ hinein, natürlich mit Reservierungen. Die sollen nur aufpassen, dass das ganze Oktoberfest nicht nur noch aus eingeflogenen Japanern, Australiern und
außermünchnerischen Geschäftspartnern besteht! Was wird in der Zeit in München konferiert!!! Soviele Konferenzräume hat die Stadt doch gar nicht!
Axel verspätet sich und wir fahren zum Abendessen in den Rabenwirt, da seine Amis immer  noch über die Wiesn irren. Morgen soll es anders werden. Kein Stehbier!


84. Tag

Samstag, 29.9.2007, 8 km
München, Hinterbrühl, Wiesn

Wer im Bierzelt einen Platz haben will, muss nicht,  wie vor Jahren noch, zur Öffnungszeit vor dem Zelt sein, nein, er muss schon eine Stunde vorher dort stehen. Ganze
Busgesellschaften trifft man dort an. Die Reiseunternehmen laden ihre Leute dort schon so früh ab. Der Grund ist die Reservierungspraxis der Festwirte und … der Kellnerinnen.  
Das Italienische Wochenende ist angebrochen: Wenig trinken – viel Theater. Viele Italiener am Tisch heißt geringer Verdienst für die Bedienungen, deshalb waren sie auch dankbar,
als wir ihnen 16 trinkfeste Amerikaner anboten, denn 20 Minuten nach Öffnung der Zelte war schon fast kein Platz mehr zu haben. Axel hatte seine Amis nicht richtig vergattert
pünktlich zu sein, so mussten wir beide mit Bärenkräften und Engelszungen den uns zugeteilten Tisch verteidigen…denn die Freunde ließen sich Zeit. Aufatmen als sie kamen.
Mache ich niemals wieder!!!! Es wurde ein gemütlicher und  trinkfester Tisch und die Zenzi kam auf ihre Kosten.
Seit Jahren mache ich mir den Spaß und nehme eine nette Dame auf die Schultern und die darf dann die Kapelle Bruno Gress dirigieren. Brunos Sohn, der jetzt die Kapelle
leitet, sah mich in der Masse der 5000… winkte mir zu und machte die Bewegung des Schultertragens. Wahnsinn!
Endlich war die Zeit da und ich ging mit  Holly auf die Bühne, die sich schon Michigan darauf gefreut hatte.  Ich kenne schon viele Musiker dort oben. Das Hochheben
der Dame aus dem Stand ist das Schwierigste, aber es klappte noch! Nach so vielen Kilometern mit einem 15kg-Rucksack, dürfte das auch kein Problem bereiten. Natürlich
wird  „Westvirginia“ gespielt und Holly muss ihre Sache gut gemacht haben, denn die Halle tobt.
Danach dirigiere ich, damit wieder Ordnung in das Getöse kommt, zackig „Preissens Gloria“, was wegen meiner uralten, auf 11000 Fusskilometer getragenen Lederhose
immer zu Irritationen führte. Aber wie gesagt, ich wohne ja jetzt in Preussen, und um diese Zeit hält die Kapelle den Ball gerne flach. Auf die Bänke geht es später. An der Treppe
erwarten mich  Andreas Weber und Gabi II, s. Oktoberfest 2004!!, die sich damals  kennenlernten und nun zusammengezogen sind.  Wir warten alle auf die Hochzeit. Form: Gschlampertes Verhältnis.

Um 16 Uhr verlassen Axel und ich die netten Amerikaner und lassen uns von Axels Freunden um den Hinterbrühler See führen. Danach Palatschinken in Wildmosers
Biergarten und Abflug nach Hause. Abendmesse in Pullach und der Pfarrer gibt mir die beiden Stempel des Pfarrverbundes. Man baut ein neues Pfarrheim und das
Spendenthermometer hat bald 600.000 € erreicht…Noch ein Bier auf der Rabenwirtterrasse – einem der schönsten Fleckchen im Isartal – und ein herrlicher Wiesentag ist
vorbei.


85. Tag
Sonntag, 30.9. 30 Radlkilometer, 18 km

Kloster Schäftlarn, Damen WM,         

Früh bin ich draußen. Ein herrlicher Radweg ( nur am Ende wird er schwieriger) nach Kloster Schäftlarn. Immer an der Isar entlang. Ein Bier im Klosterstüberl und zurück.
Gerade spielt die Damennationalmannschaft gegen Brasilien. Beim alten Hausmeister Reiner, der meine Schülergruppen schon seit 30 Jahren kennt, schau ich mir das Spiel
an. Toll unsere Damen! Je mehr die Männer sich stylen und parfümieren, desto drahtiger werden unsere Frauen…Die Zeiten für Bärtchenrasur und Gelbehandlung, sollten
manche unserer Starkicker lieber ins Training stecken! Die Krise der Jungen (Buben) ist schon ein Thema der Pädagogik. Koedukation ade?
20 Jahre ist das ungefähr her, dass ich  morgens die Schultreppe mit den Schülern in Wolken von zig Deo- und Parfümsorten hochgehen musste und zusammen riechen
diese Wässerchen  nicht, sondern  sie stinken…zum Kotzen! Jedenfalls war es ein tolles Gefühl noch Sportler zu sehen, die mit Leidenschaft im Bein und Herz in der Hand…
um den Pokal kämpften. Wie lange noch…? Nach dem Spiel kommen Willi Tacke und Sohn Fred nach Pullach und wir machen eine Wanderung die Hochleithe hinauf, durchs
Tal nach Grünwald und mit der Straßenbahn zur … Wiesn. Sanfter Abschluss mit Schichtl…