Übersicht August: (gesamt 651 km)

August 25. Tag: Dzeni – südlich von Laudi                                                  25 km

August 26. Tag: Laudi – Riga                                                                         34 km

August 27. Tag: Riga                                                                                       12 km

August 28. Tag: Riga                                                                                       14 km

August 29. Tag: Riga – Bauska                                                                      17 km

August 30. Tag: Bauska – Iecava – Bauska                                                  29 km

August 31. Tag: Bauska – Riga – Bauska                                                       2 km
August 32. Tag: Bauska – Grenze Litauen – vor Raubonys                       42 km         Beginn Litauen

August 33. Tag: vor Raubonys – Pasvalys                                                     18 km

August 34. Tag: Pasvalys – bei Geguzine,                                                     27 km

August 35. Tag: Bei Geguzine -Panevezys,                                                  28 km
August 36. Tag: Panevezys – Stadt                                                                  16 km
August 37. Tag: Panevezys – Kedainiai                                                          31 km
August 38. Tag: Kedainiai – Siauliai (100 km mit dem Bus zurück)       12 km

August 39. Tag: Siauliai – Kreuzberg – und zurück                                    21 km

August 40. Tag: Siauliai – Benediktinerkloster Palendriai                      31 km

August 41. Tag: Kloster Palendriai                                                                  8 km

August 42. Tag: Palendriai – Kelme – Kaunas                                                25 km

August 43. Tag: Kaunas                                                                                    16 km

August 44. Tag: Karmeliterinnenkloster Pastuva                                         7 km

August 45. Tag: Kaunas – vor Viskio Ruda                                                   31 km

August 46. Tag: vor Viskio Ruda – Marijampole                                          39 km
August 47. Tag: Marijampole                                                                           11 km

August 48. Tag: Marijampole – Mockai-Trakitzki (PL) -Kaletnik            30 km          Beginn Polen

August 49. Tag: vor Kaletnik – Suwalki (Augustow)                                    21 km

August 50. Tag: Augustow                                                                                 18 km
August 51. Tag: Augustow – Elk                                                                       36 km

August 51./52.Tag: Bahnfahrt Elk – Grotniki  12+13=                                25 km

August 53. Tag: Grotniki                                                                                      6 km

August 54. Tag: Lodz-Kaliska – Gleiwitz                                                         14 km

August 55. Tag: Gleiwitz (heute: Gliwice) – Zagorz – Wolkowyja                15 km

                                                                                    

 

25. Tag

Mittwoch, 1.August 2007, 28 km

Dzeni – südlich von Laudi, heisser Tag,

Marschiere gegen 9 h los, Frühstück gibt es erst ab 9.30h! Rentnergang! Also am Meer entlang den Weg. Denkste! Die Picknickplätze sind super ausgebaut, aber Hinweisschilder fehlen gänzlich, ich kann nur nach den Kilometer schätzen wo ich bin. Wenn die EG schon Gelder für diese Infrastruktur gibt, wie überall steht, sollte sie Wert darauf legen, einen durchgehenden Weg zu kennzeichnen. Ich jedenfalls lande nach 14 km wieder auf der Strasse, 3,5 km zu meinem gestrigen Campingplatz. Da kann ich auch mal ordentlich fluchen! 5 Wege bin ich falsch hineingelaufen, die immer zu irgendeiner Privatdatscha führten. Jetzt bleib ich auf der Strasse und mach ein paar Kilometer. Da kommt Martin aus Rheine, Lehrer hier in Tallin. Wir kommen ins Gespräch. Kann ich sie mitnehmen? Nein, natürlich nicht…aber halt, doch! Genau 10 km, und keinen mehr. So wird es auch gemacht. Und Martin nimmt meinen  Brief nach D mit. Glück muss man haben.                                                                                                     

Der Campingplatz Laudi liegt 2 km von der Strasse entfernt. Den ganzen Tag musste ich aus meinem Hafersack, plus Rosinen und Zucker leben, die 2 Tankstellen hatten nur Sprudel und Alkoholika und Chips. Nichts für mich. Der Platz soll ein Cafe haben. Ich bin erst einmal der einzige Gast auf dem herrlich gebauten Platz – am Meer, versteht sich. Ich esse ersteinmal. Irgendsoetwas wie ein Steak mit Kartoffeln. Bier. Wenn ich allein bleibe, schlafe ich hier unter der Überdachung und nicht auf der riesigen Wiese!! Doch es trudeln noch 3 deutsche Wohnmobile ein. Ein Pärchen setzt sich zu mir, gibt mir 2 Bier aus und entpuppt sich als Campingplatzkontrolle des DCC. Solche  Typen wollt ich immer schon mal kennenlernen. Schnüffler zum Wohl der Verbraucher. Ein netter Abend mit vielen Tipps der Beiden schliesst sich an und als ich dann um 21.30 h duschen will, erhalten die Schnueffler eine Neuigkeit mehr: warme Dusche ist nur für Damen, die einzige für Männer wäre auf der Behindertentoilette und die sei zu. Draussen wäre eine Freilanddusche. Auch für die Nacht sei das Sanitärhaus unzugänglich, draussen sei ein Plumpsklo…Mit Sauna werben sie auch, 15 Lats 1 Stunde und ich hätte sie für deren Party vorgeheizt, denn noch um 20 h werden die vollen Fleischplatten in die Sauna geschleppt…Nach Sauna frage ich ab sofort nicht mehr. Das sind Privatsaunen. Somit war das der herrlichste Privatcampingplatz meines ausgedehnten Camperlebens. Privat- für die Besitzer. Morgen früh haue ich hier ganz schnell ab,  zum Frühstück in den nächst grösseren Ort!

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Campingplatztester: Deutscher Camping Club

26. Tag

Donnerstag, 2.August 2007, 34 km 

Laudi – Riga, heiss

Um 5.30 h aufgestanden, kalt geduscht, nackt unter der Freilanddusche. Dann suche ich einen Weg am Meer entlang bis Saulkrasti. Drei Fehlversuche.  Ich will nicht wieder 2 km auf die Hauptstrasse zurück!! Durch das letzte Grundstück gehe ich brutal hindurch, trotz Hund. (Mike hätte ich hier zurücklassen müssen…) erreiche den Strand und vor mir liegt eine wunderbare Wanderung von 10 km nur am Strand entlang. Herrliche Blicke, kugelförmige Findling, Sand und Kiefern. Einige Nacktbader scheuche ich ins Wasser bis ich auch an einsamer Stelle ins Wasser springe. Mit Kaffee war aber immer noch nichts! Also: Feuer machen, letzte Suppe aus Polen kochen, Haferflocken rein, leider habe ich kein reines Wasser, sondern nur Cola mit Wasser stark verdünnt. Die Suppe schmeckt super. Wie sagte mir einst ein Meisterkoch: Zucker muss eigentlich in jedes Gericht! Nun ja, im Brot haben es die Balten sowieso.  Ich lande im Hafen von  Saulkastri, frage nach der Bibliothek und stehe davor!! Leider ist diese geschlossen. Liga, hier im Kulturhaus beschäftigt, steht mit Zigarette vor der Tür, Pausenzeit. Internet? Kommen Sie zu mir ins Büro. Sofort steht eine Tasse Tee neben mir, während Ihr meine Berichte zu lesen bekommt. Doch Ultreia, Riga ruft. So geht es halt hier. Bekommt eigentlich keiner Lust mitzulaufen? Riga kann man schon für paar Euro mit Ryanair anfliegen, wenn die deutschen Monopolisten den cleveren Iren inzwischen keinen Sand – auch mit Hilfe unserer Volksvertreter!!- in die Düsen geschmissen haben. Weiter aus Riga, bis dann, es ist nicht mehr weit und den Rest fahr ich mit der Strassenbahn…

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Am Meer und Strandgut entlang. Kommt ein Fluss, muss man halt einen Bogen übers Meer laufen.
Ist nur knietief.


Das ist immer so, wie damals mit Mike vor Narva: Ist eine Stadt in der Nähe wird irgendwie Gas gegeben, was mir überhaupt nicht zusagt. Mein Stil ist möglichst  Stress zu vermeiden. Aber: Ich habe vom PC aus die Unterkunft in Riga gebucht und das verpflichtet. Ein schöner  Rad/Fussgängerweg bringt Kilometer. Ab Badelens laufe ich an der Bahn entlang. Das ist nicht schön, aber schliesslich habe ich die Nase voll, springe ins Meer Meziems, wo ich im  Januar 2006 mit Theo Homann und Günter Kievel war und fahre dann mit der Vorortbahn für ein paar Pfennige bis in das Stadtzentrum von Riga. Es gibt hier praktisch keine Eisenbahn. Hätten die den Kaiser Franz-Josef, wie die Polen, gehabt, dann hätten auch die Letten ein wunderbares Schienennetz. Die Donaumonarchie war in dieser Sache fleissig. Fünf Leute frage ich nach meiner Strasse, keiner weiss Bescheid. Sogar ein Parkwächter für die Altstadtzufahrt, der 30 m davon Dienst tut, weiss es nicht. Ich laufe praktisch in der Rigaer Altstadt direkt auf das Strassenschild zu. Glück für einen müden Wanderer. Das Hostel ist ok. Ich könnte ja auch wie der Herr Kerkeling ins Parador ziehen und bis Mittag pennen, aber lassen wir diese Art zu pilgern… Im Supermarkt, wo es alles gibt, kaufe ich mir meine Grundausstattung, denn ich war bis auf Haferflocken total blank, Wein, Schinken, Milch, Gorgonzola, Lachs, Möhren…- Deutscher Soldatenfriedhof Riga: Eine lange Liste am Eingang, abgegriffen. Wo das waere? Denn der Friedhof ist ein ganz normaler.Die Dame schickt mich zu einem Monument, langgestreckter Huegel, bestimmt 100 m lang, ueberbettete Soldaten, ist das die Bezeichnung fuer ein Massengrab, wo man die Leichen – wie in Sinnemae, auf einen Haufen  gebracht hat??

 

KILOMETERBESTIMMUNG

Es ist häufig zu sehen: Auf der rechten Seite meines Hosenträgers kann man ein kleines grünes Kästchen sehen. Es ist ein digitaler Kilometerzähler mit folgenden Funktionen: Schritt- und Kilometerregistration, Kalorienzähler, Uhr, Stoppuhr, Pulsschlagmesser. Wirklich gebraucht habe ich nur die Uhr und den Schritt- bzw. Kilometerzähler. Er wird mit Knopfbatterien betrieben, der Stromverbrauch ist sehr gering und zählt die Erschütterungen die beim Gehen entstehen.  Seit 2000 musste ich die Batterien nur einmal wechseln. Nach Gebrauchsanweisung sollte man den Schrittzähler an den Gürtel stecken, was zur Folge hatte, dass nach dem zweiten Bücken die Befestigungslasche abbrach. Mit einem Band und Autospachtel bastelte ich eine Lasche an das Gerät, sodass ich es am Hosenträger tragen konnte. Das hat jetzt 12000 km gehalten!- Zuerst muss man seine Schrittlänge eingeben. Das Gerät rechnet dann die Kilometer selbst aus. Mein Schritt war bis Sizilien 72 cm, von Petersburg 69cm, man wird halt älter…Zum ersten Mal kontrollierte ich das Gerät an den Kilometertafeln des Rheins bei Linz iund später laufend an den Kilometersteinen an den Strassen. Es stimmte immer . Plus – minus 5-6 Schritte. Sehr erstaunlich wie gleichmässig man geht. Da das Gerät fest mit meinem Hosenträger verbunden war, zählte es auch die Kilometer in den Städten. Das ist ebenso erstaunlich, was da an Kilometer zusammenkommt! 


 

27. Tag

Freitag, 3.August 2007, 12 km in der Stadt

Riga, , strahlender Tag

Seit meinem letzten Aufenthalt in Riga hat sich hier viel getan, das ist eineinhalb Jahre her. Die Aufarbeitung der kommunistischen Häuserverkommenheit wird zwar noch dauern, aber die Altstadt und der nächste Stadtring sind saniert, nicht nur die Jugendstilhäuser auch drumherum machen sich Sauberkeit und Farbe breit. Ich schlafe in einem Hostel mitten in der Altstadt in einem gemischten Schlafsaal mit 8 Personen. Wie die mit meinem Schnarchen fertig werden kann ich nicht an den Gesichtern ablesen, vielleicht hatte ich ja auch einmal schnarchfreie Tage… Das Hostel ist blitzsauber, Kaffee und Tee ist frei, herrenlose Lebensmittel in den Kühlschränken gehören der Allgemeinheit. Also wer da seinen Kaviar ablegt, sollte tunlichst den Namen auf das Glas schreiben. Prima System. Der Preis ist 16 Euro. Auch der PC ist frei, was aber bei rücksichtslosen Leuten zu Staus führt. Da sitzt ein Ami – immer mit Cowboyhut – eineinviertel Stunden vor der Station, 5 Leute warten hinter ihm, das juckt den gar nicht. Schließlich stelle ich mich direkt neben ihn, dann merkt er langsam was bestimmt den Geruch der Lederhose. Leute gibt es! Wie goldrichtig lag ich in meinen letzten Lehrerjahren, meinen Schülern die einzelnen „Sichten“ darzustellen: V o r sicht, R u e c k sicht, N a c hsicht etc.. Gedankenlosigkeit ist einer unserer Hauptfehler unseres Zusammenlebens. Der Typ jedenfalls nervte nicht nur mich.

Irgendwie bin ich sehr müde – hört, hört! Jedenfalls komme ich nicht in die Gänge, und Gammel im Hostel herum, schreibe mal ab und zu was, die Knochen tun weh…also am besten eine Massage. Vor mir liegt ein Rigaer Werbebuch. Mein Gott, was gibt es hier viele Masseure…die Leute müssen alle so viel gelaufen haben wie ich! Doch stopp!

Thaimassage, andere mit Räucherstäbchen… ich frage die Dame an der Rezeption. Die lacht, nein, nein! Da nicht hingehen… Sie weist mir den Weg zu einer Praxis. Die Masseurin spricht deutsch und man hat für meine Muskelpakete nicht die schmächtigste ausgesucht. 24 Lats. Während die Cashmaschine versagt, werde ich mit Milchkaffee gefüttert.

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Strahlen kommen aus dem Schirm und aus dem Herzen – fragt mich nicht wo das Ding steht –
passen würde es zu Tartu

 

Die Rigaer Altstadt ist mega dass was ich über Paernu geschrieben habe. Hier werden die Touristen gemolken. Wer kann sich das hier in Lettland schon leisten! Ich gehe in ein Backpackerlokal und treffe K. aus der Freiburger Ecke. Arbeitet im Sozialdienst. Wir kommen ins Gespräch und beschliessen am Abend der Logik zu folgen: Da sich das hier in der Altstadt kein normaler Lette leisten kann, findet man hier auch keine normalen Letten… also gehen wir strahlenförmig von der Altstadt 3 km fort und werden dann sehen. K. ist schon mehrere Tage hier und kennt sich mit manchen Gewohnheiten aus. Nach einem Kilometer kostet das Bier schon weniger als die Hälfte, es sollte noch tiefer sinken. Aber beim Rigaer Balsam – das hiesige Likörchen – hat sie uns dann doch betrogen. Der Preis galt für den Doppelten und wir haben nur einen Kleinen bekommen. Wir schlendern weiter. Nächste Kneipe in einer Querstrasse. Hier sind wir richtig. Klavier, nette normale Leute, Frau Wirtin hinter der Theke könnte es auch so in D geben. Da ich die Gitarre im Rucksack habe – Wertsachen lasse ich im Hostel nie zurück – singe ich schwarzwäldisch und cash-sich „My Grandfathers clock“. Der Junge am Klavier verschönt meine verstimmte Gitarre. Die ist bereits so geflickt, dass ich sie demnächst in die Tonne kloppe. Interessante Gespräche kommen auf und K. sagt mir mit dickem Kopf endlich, dass er Probleme mit der katholischen Kirche habe. Hat er gerochen dass ich katholisch bin? Wir verstehen uns jedenfalls gut! Riechen tut er es wohl auch, als er zielstrebig nach Mitternacht an einem Gartenzaun einige gewisse Zigaretten schnorrt. Ich bleibe noch einen Tag und werde wegen der Sichtweise das Hostel wechseln.

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In Riga in der auswärtigen Musikkneipe, tiefe Gespräche über Litauens Geschichte, das beschäftigt
die einfachsten Leute hier.

 

 

28. Tag
Samstag, 04. August 2007, 14 km

Riga, Altstadt, Konzert, warmer Tag

Wechsele heute in das Old Riga Town Hostel um. Es kostet nur 8 Lats und obwohl es ein 12-Bett-Zimmer ist, ist die Luft besser. Um 13h kann ich einchecken, mich ausruhen und dann einen Spaziergang durch die Stadt machen. Erstaunlicherweise ist der PC hier fast immer frei. Doch nicht erstaunlich, den er steht im 5. Stock auf einem Podest mit 6 Stufen. Ich kenne doch meine Pappenheimer! Leute, die nie im Leben Milch tranken, wurden auf unseren früheren Fahrten zu grossen Milchtrinkern. Warum? So eine Tüte öffnen macht viel weniger Arbeit als Wasser holen, aufsetzen, Kaffee holen… Da ich damals im Bus nur 500 Liter Milch mitnehmen konnte und die auch in 3 Woche gebraucht wurden, hatte ich einen Trick: Milch wird nur warm getrunken… aus die Bequemlichkeit! Sie tranken wieder Tee und Kaffee. Ich bitte um Verzeihung!
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So schnorrt man hier Geld für den Junggesellenabschied. Freundin heiratet. Tolle Mädels.

Alt-Riga ist inzwischen eine wunderschöne Stadt geworden. Doch ich suche für meinen Rucksack noch eine lettische Fahne. Die österreichische ist zwar fast gleich, aber der Kenner sieht sofort die Unterschiede. Aber suchen sie mal in Lettlands Hauptstadt ein Fähnchen. In den riesigen Markthallen nichts, beim Textilwortmann nichts, alles schüttelt den Kopf. Sie wissen auch nicht wo ich suchen könnte… Ich gab auf. Durch Zufall finde ich eine Fahne auf einem Tingetangelstand mitten auf der Strasse. Sie ist zwar kleiner aber es geht schon. Der Nationalstolz ist hier riesengross, wie anders haetten sie auch die vielen Besetzungen überleben können? Mitten in der Altstadt ein Okkupationsmuseum und… am Eingang eine riesengrosse Wand und darauf eine Originalkopie des Hitler-Stalin=Paktes mit Ribbentrops Unterschrift.  23.8.39. Wir Deutsche haben damals gegenüber den Baltischen Staaten eine grosse Schuld auf uns geladen. Deshalb war es nur recht und billig, dass wir die Beitrittsbemühungen zur Europaeischen Gemeinschaft  forcierten. Doch was ist mit Moldawien!!?? Das gehörte auch in die Spielerei der beiden Diktatoren! Hier ist noch Nachholbedarf. Mea culpa!

Das Faehnchen hab ich jedenfalls. Und heute abend gibt es um 19h im Dom ein Konzert von besonderer Güte. Bis spaeter!

Konzert im Rigaer Dom
Ich las nur Mozart, Händel, Mendelsohn, Monteverdi, Bach usw. und da ich die Barockmusik liebe, ahnte ich nicht, dass mir neben einer Weltpremiere eine grosse Seltenheit geboten wurde: Ein Sopranist und ein Countertenor, Brian Asawa und Oleg Ryabets, USA und Russland, Weltstars ihrer Branche. Da es heute keine Kastratensänger mehr gibt, geben darf, die Musik der Barockzeit aber viele Stücke für diese Sänger aufweist, haben ihre Plätze heute die recht seltenen und gefragten Countertenöre übernommen, bzw. Sopranisten. Das klingt zwar nicht wie eine konservierte Knabenstimme, hat aber in etwa den Charakter der Kastratensänger. Zwei Stunden im vollbesetzten Dom mit hervorragender Akustik. Den ersten Teil sangen die Sänger von der Orgelbühne, den zweiten Teil vom Altarraum mit Barockquintett und Orgel. Von Alexander Manotskov wurde Trisagion, eine Weltpremiere gesungen. Der Eintritt war 5 Lats. Ein schöner Abschluss dieses Samstags.

MIT DEM HANDY UNTERWEGS

In einem dümmlichen Bericht über den Jakobsweg las ich einmal, dass man das Handy gefälligst zu Hause lassen solle. Auf meinen Touren war das Mobiltelefon eines meiner wichitgsten Utensilien. Ich sparte eine Taschenlampe, einen Kompass, ich vergass keinen Geburtstag, war immer in der Welt, konnte fotografieren etc. etc. Wenn etwas passierte, hatte ich die Notfallnummer mit Knopfdruck parat, und wenn kein PC für meine Berichte zur Verfügung stand, wie es noch häufig vom Nordkap nach Sizilien und im Jahr 2000 nach Santiago war, schickte ich SMS auf Handy´s oder Faxgeräte. Von Petersburg bis nach Hause,  stand an jeder Ecke ein PC.  Erst in Deutschland wuirde das mit den Internetcafes dünner – klar, die haben alle einen Anschluss daheim. Fazit: Keine Tour dieser Art ohne Handy! Die es ablehnen, sollen den Umgang damit lernen, darin liegt wohl der Grund der Ablehnung. –
Der Empfang ist inzwischen überall perfekt. Wenn es 2000 noch Probleme gab, sind sie inzwischen europaweit behoben – bis auf Deutschland selbst. Hier gab es noch einige Funklöcher. Erklärlich ist der gute Empfang in den ehemaligen Ostblockstaaten: die konnten problemlos die KGB-Antennen übernehmen…
Über das Aufladen muss man sich keine Gedanken machen. Man muss nur ein Handy mit den besten Akkus kaufen. Steckdosen gibt es überall: Meistens habe ich beim Kaffetrinken aufgeladen und da die Ladung über eine Woche hielt, war die Stromversorgung zu keiner Zeit ein Thema. 2007 hat die Telekom endlich auf Intervention der Kanzlerin ihr Abzocke im Ausland eingestellt. Dennoch habe ich mir sofort eine polnische, schwedische oder italienische Karte gekauft! Da kann man sogar von Deutschland aus günstiger telefonieren. Meine Korrespondenz  erledigte ich zu 95% über SMS.  Negativ war einzig und allein, dass das Handy Ziel eines Überfalls in Russland war (s. erste Tage im Juli). Es ist halt schnell zu Geld zu machen. Man kann die Jungs verstehen. Doch ging ja gut aus: Ich habe es immer noch! 

29. Tag

Sonntag, 5.8.2007, Riga bis Bauska dennoch 17 km

Vorwärts Wolfgang – du musst zurück

Wer meine Fähigkeit kennt innerhalb von 30 Sekunden fest zu schlafen (Autogenes Training…!), kann folgendes verstehen. Da ich ja nun in Riga insgesamt 24 Kilometer herumgelaufen bin, finde ich es erlaubt, durch die Industrievororte ins freie Land mit dem Linienbus zu fahren. Kostet nur 0,8 Lats. Doch ich bin eingeschlafen und wache vor Bauska wieder auf. Eine Dame sagte mir dass ich so schön geschnarcht hätte…Keine Angst ich werde die Kilometer laufen!! In Bauska suche ich mir erst mal eine Unterkunft über das Touristenbüro. Das preiswerte Hotel liegt allerdings 2 1/2 km ausserhalb, macht nichts! Bauska ist ländlich und besitzt als grosse Attraktion eine kleine bullige Wehrburg an der Memele, wie sie sie hier nennen. Die Infodame ist sehr freundlich und erstaunt über mein Vorhaben und ich muss sofort einen Fragebogen ausfüllen: Wieviel Geld sind Sie gewillt hier zu lassen, etc… Ich gehe stramm zu meinem Hotel. Neu. Leer. Das Restaurant freut sich auf mich und ich bekomme ein Bombensteak für einen Appel unnen Ei. Der Köchin gebe ich einen Drink ihrer Wahl aus und die clevere Bardame schwatzt ihr natürlich das teuerste Getränk auf, was sie dann letztlich nicht richtig mag. Na ja, ich werde auch nicht klug.

Der Ort hat auch eine kath. Kirche und ich treffe den Pfarrer – am nächsten Morgen entpuppt er sich als Monsignore – im Pfarrgarten. Ja, morgen um 8 ist Messe. Ich werde da sein. Mein Plan lautet so: Aufstehen   6.30 h, Frühstück, 8 h Messe, Fahrt zurück mit dem Bus, 28 km und Marsch nach Bauska zurück, wo ich am  Nachmittag eintrudeln werde. Alle zufrieden? Ich am meisten!

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Monsignore Zwiedrans in Bauska, Messe und Frühstück für den Pilger 

 

30. Tag

Montag, 6.8.2007, 29 km
Bauska mit Bus bis nach Iecava, von dort nach Bauska

Der Monsignore beginnt die Messe 8 Minuten früher. Er weiss bestimmt, dass alle da sind. Ein Mann, 12 Frauen und ich. Mit grosser Würde wird die Messe in der kleinen einfachen Kirche gefeiert. Nach der Messe bittet der Pfarrer mich ins Haus. Sofort habe ich Kaffee und Schnittchen vor mir und einen der bisher schönsten Stempel in meinem Pilgerpass. Die Rückfahrt mit dem Bus kostet 1,30 Lats und nach dem Tanken von Buttermilch mache ich mich sofort auf den Rückweg. Nach 15 km wird Mittag gegessen und 1 Liter Bier nachgefüllt… Um 15.30 h bin ich wieder in Bauska. Im grossen Spiegel im Hotelzimmer entdecke ich eine riesig aufgepumpte Zecke am Rücken. Ich werde die rote Stelle im Auge behalten, wg. der Ringe…Die Zecke lies sich so abstreifen, war grau und ich dachte beim Zerdrücken spritze das Blut… nein, nur eine dickflüssige rote Flüssigkeit. Das Hotelzimmer habe ich behalten. Morgen geht es nach Litauen.

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Viele Kreuze am Wegesrand – Erinnerungen an die Unabhängigkeitskämpfe

Der Tag war brüllendheiss und der Seitenstreifen für die Fussgänger war Schotter!! Das strengt an und ruiniert die Schuhe. Bis Kaunas werde ich gerade noch kommen, dann müssen neue gekauft werden. Nun, unsere gängigen Marken werden sie schon haben. Denkt ja nicht, dass die Schuhe in Petersburg neu waren, sie haben schon München – Sizilien hinter sich! Nachzulesen auf dem Weg vom Nordkap, Oktoberfestzeit… Nach dem Duschen bin ich erst einmal platt und bewege mich langsam ins Restaurant. Gemütlich ein Bier. Speisekarte und Weinkarte geholt. Da erfahre ich über 3 hungrige Berliner, die gerade ankamen, dass das Restaurant eigentlich schon geschlossen habe, ihnen mache man aber noch etwas. Nichts für meine gemütlich Tour, die ich heute vorhatte. Also, wenn ich Hunger habe, hole ich den Hafersack heraus…

Gute Nacht! Euer Wolfgang

 

FOTOGRAFIEREN MIT DER ALTMODISCHEN LEICA M3

 

Welchen  Fotoapparat nehme ich auf eine solche Tour mit? Josef Albert Slominski, Slomi, bei dem ich 1964 in Essen Fotografie studiert habe, riet mir, ruhig meine Leica mitzunehmen, die ich mir als 16jähriger Junge von meinem bitter gesparten Geld gekauft hatt. Sie hat niemals versagt, braucht keine Batterie und hat phantastische Objektive, von denen heute die Fachleute noch träumen. Made in Germany 1956!!Ich wähle das Summaron, Weitwinkel, „Brillenobjektiv“, weil es noch 2 Ausgleichslinsen für Sucher und Entfernungsmesser hat. Die Leica ist schwer, aber das muss verkraftet werden! Dann brauche ich noch eine kleine Kamera für Momentaufnahmen. Ich entschliesse mich für die Minileica, sie hat auch einen Blitz. Da ich kein Liebhaber vom Blitzen bin, aber ihn für gewisse Dokumentaufnahmen brauche,ist der Weg für meine Bilder. Die Minileica habe ich an der Seite in einer Ledertasche hängen und immer zur Hand. Die Objektivleistung ist hevorragend, wie man an den Bilder sehen kann. Sie benötigt halt eine Batterie, die nach ca. 10 Filmen leer ist und 10 € kostet. Schweinerei!!(Mit den Staubsaugermüllbeuteln fing das System an, bei den Druckerpatronen sind wir angelangt!). Diese Ausrüstung hat mich nun ohne eine Störung 12000 Kilometer  kreuz und quer durch Europa begleitet und an ihr kann man sehen, dass ich Zeit habe und für einen Sponsor uninteressant bin. Wichtig waren die Selbstauslöser der Kameras. Ein Stativ fand sich immer. Ob Wohnzimmerschrank, ob Stuhlkante, ob Leitplanke, ob…auch meinen Pilgerstock konnte mit hilfe einer kleinen Schraube als Stativ umfunktionieren, und wenn er auf das Bild musste, ersetzte das Stativ auch ein zugespitzter Stock. Das Ergebnis der herrlichen Bilder gab mir recht. Was hätte ich mit Aufladen und elektrischen Störungen ein Theater gehabt! (Das zeigt erneut, dass ich kein Sponsoring machen kann!). Natürlich werde ich auf digitale Fotografie umsteigen, wenn ich mir den Leica-Body leisten kann und die alten Objektive benutzen kann.

 

 

STRÜMPFE UND SCHUHE

 

Eine der häufigsten Fragen der mir Begegnenden war: Wieviele Paar Strümpfe und wieviele Paar Schuhe haben Sie verschlissen? Ich musste die Frager enttäuschen. Auch hierbei bin ich kein Objekt für Sponsoren und für den Konsumterrorvöllig unbrauchbar! Meine Antwort war herzlich wenig. Euch Interessierten erkläre ich es genauer. Klar, ohne die Marken zu nennen, denn ich habe mir alles selber gekauft. Die Markendetektive können ja die Fussbekleidungen anhand der Bilder identifizieren! No Problem!

 

STRÜMPFE: Durch den festen  Sitz in den modernen Trekking-Schuhen, durch den den die Reibung weitestgehend entfällt, ist der Verschleiss äusserst gering. Es ist fast lachhaft. Die Kniestrümpfe sind nach 12000 km immer noch nicht kaputt und die drei Paar Socken  Socken habe ich nur gewechselt , weil sie dünn geworden waren. Wenn ich bei Regen Sandalen trug, hatte ich natürlich keine Strümpfe oder Socken an, so dass ein paar hundert Kilometer abzuziehen sind. Selten hatte ich also nasse Strümpfe an; nur wenn ich vom Regen überrascht wurde und keine Zeit hatte die Sandalen anzulegen. Strümpfe wie Socken bestanden aus Mischmaterial Wolle/ Synthetic. Also, man kann die Vorstellung von  Bergen von durchgelatschter Socken und Strümpfen getrost beerdigen!

 

SANDALEN: Wie schon gesagt:  Bei Regen trug ich wasserbeständige Sandalen mit weichem Fussbett. Diese soll man nicht länger als 20 Kilometer tragen. Ich trug sie häufig längere Strecken und hatte keine Probleme. Das erste Paar Sandalen reichte für die Strecke nach Santiago und vom Nordkap bis Paderborn, dann war die erste Sohle durch. Das waren rund 6000 Kilometer. Wie viele Kilometer ich sie getragen habe, kann ich nicht sagen. Man hätte noch weiter laufen können. Nur hatte der Outdorladen in Paderborn gerade ein Sonderangebot.

 

SCHUHE: Für die Strecke  Paderborn – Santiago benötigte ich ein Paar halbhohe Trekkingschuhe. Die Sohle ist noch nicht durch. Die Verbindung Schuhleder (!) zur Sohle löste sich an drei Stellen von einem Zentimeter Länge. Mit diesen Schuhen wollte ich nicht mehr vom Nordkapp starten, obwohl sie sicher noch ein paar Hundert Kilometer gehalten hätte. Wo hätte ich in den Weiten Lapplands auch neue Schuhe finden können? Das war dann sogar in Riga ein Problem, wie man nachlesen kann. Für die Strecke Nordkap-Sizilien kaufte ich also neue, etwas höhere Trekkingschuhe ( Goretex/ Plastik). Diese musste ich, obwohl sie noch völlig intakt waren, in München wechseln, weil mir die Höhe der Schuhe die Archillessehne gereizt hatte. Ich tauschte gegen leichte Halbtrekkingschuhe aus, die bis Sizilien und von St. Petersburg bis Riga hielten. Das letzte Paar kaufte ich in Riga. An einigen Stellen löste ich sehr schnell das Goretex von dem Festmaterial, da das aber Stellen waren, die die Schuhstabilität nicht minderten, hielten die Schuhe bis nach Hause und sind weiter einsetzbar. Also die Legende von Haufen durchlatschter Wanderschuhe auf den 12000 Kilometer, kann man auch getrost begraben. Das Material ist einfach phantastisch: leicht, fest sich dem Fuss anpassend und haltbar. Wer nicht extrem umknickfreudig ist, sollte sowieso zu den niedrigen Schuhe greifen. Die Orthopäden sind auch am Umdenken: das Fussgelenk nicht durch mordshohe Schuhe „schienen“, sondern die Beweg,ichkeit trainieren, um so die Bänder elastischer zu machen.   

 

 

 

 

 31. Tag

Dienstag, 7.8.2007,

Bauska – Riga – Bauska mit dem Bus, Schuhe kaufen.

Bauska will mich nicht loslassen. Als ich 2 km gelaufen war, zerlegte sich mein linker Schuh. Die Steine drückten durch. Loch. Der Schotter von gestern hatte ganze Arbeit geleistet. Blick auf die Karte. In Litauen bis Kaunas tote Hose. Kaum Chancen einen vernünftigen Schuh zu kaufen. Zurück zum Hotel. Ziehen Sie das Bett noch nicht ab, ich bleibe noch eine Nacht. So komme ich doch noch zu meiner Sause…Im Ort gibt es einen Schuhladen. Und tatsächlich auch einen Treckingschuh von Adidas. Sagenhaft. Und nur einen. Und in meiner Grösse 43. Dass macht alles der Hl. Jakobus!!! 58 Lats. Ich probiere sie aus. Gutes Fussbett. Will sie gleich anlassen und die anderen fotografieren und dann entsorgen. Ich schnüre sie zu, da reisst die oberste Öse aus dem Leder. Ich schaue hinein: Made in Indonesia. Also auf nach Riga. Denn die Schuhe müssen stimmen. Wie sagte ich meinen linkspädagogisch geschädigten Schülern der Technischen Assistenten in Olsberg immer: Einen Automaten für Schuhe kann ich überall auf der Welt aufstellen und das Knöpfchendrücken lernt auch jeder, und einen Dampfer mit Turnschuhe vollpacken ist auch kein Problem. Nur den Automaten bauen und die Schnürsenkel konstruieren, die sich wegen falscher Reibungsberechnungen nicht immer von alleine öffnen… das ist eben die Kunst und die Nase die ihr vorn haben müsst. Aber man weiss ja: Jugendlichen Ratschläge zu geben, heisst soviel wie Goldfische baden. Wir werden noch lange zu knacken haben.

 

Die Fahrt nach Riga kostet 1,50 hin, 1,50 zurück. Hier fahren alle ausrangierten deutschen Reisebusse, einschliesslich der Bundeswehrbusse in Natooliv herum. Das Bussystem klappt hervorragend in Lettland. Superpünktlich und billig. In Riga sehe ich wieder das bekannte Bild der riesigen Markthallen. Wir können uns das nicht vorstellen, was da unter den Halbbogenkuppeln alles angeboten wird!! Also: Kauf der Trekkingschuhe. Als ich in Bauska am Computer saß, schrieb ich, um Suchzeiten in Riga zu mindern die Fa. Meindl an, mit deren Schuhen ich nun von München bis Sizilien und von St. Petersburg bis Bauska gelaufen bin. Wo gibt es Meindlschuhe in Riga zu kaufen? Ich wollte wieder die Marke kaufen, ich hatte sie liebgelatscht!
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Meindlschuhe, nach 2600 km kaputt. Alle Achtung!  Kommentar von Aaron im Gaestebuch: Opa, die sind cool!
Musst du jetzt ohne Schuhe laufen…? Auf der Schptterstrecke vor Bauska bekamen sie den Rest!

Sie möchten mir bitte auf mein Handy eine SMS schicken, nach 2 Stunden sei das dann nicht mehr nötig, ich hätte mich dann versorgt. Es kommt nichts. Ich sitze im Bus und warte auf die Weltfirma, die sich mit solch einem dummen Wanderer nicht abgibt. Ich finde nach langem Suchen Timberland-Schuhe. (Am Abend lese ich dann im Hotel die Nachricht von Meindl: In Rigas gibt es keine Meindl-Schuhe zu kaufen… Dachten die etwa, dass ein Weitwanderer mit einem PC durch die Gegend läuft? Gedankenlosigkeit – da haben wir sie wieder!! Siehe Vortage. Da wollten die doch 24 Cent für eine SMS sparen. Glauben Sie, dass ich noch einmal Meindl kaufe? Ich warte ab wie sich die Timberlands laufen. Gut fand ich es doch, dass Meindl wenigstens geantwortet hat. Das wird nämlich auch immer seltener!! Die kurzlebige, schnell wegklickbare Email – wetten, dass wir wieder handfeste Briefe schreiben werden! Nach dem Kauf will ich noch einen  Travellercheck von AE umtauschen: 

 

Nachdem in Narva das Wechseln eines American -Express -Travellerchecks zweieinhalb Stunden dauerte, ich drei Banken abgeklappert, Direktorin aus dem Büro geholt, meinen Pass mit russ. Visum kopiert, Personalausweis beidseitig kopiert, meine Pilgerkarte beidseitig kopiert, 5 Unterschriften geleistet – dann hatte ich 200 Dollar, versuche ich es nun in Riga. Parex Bank im Centro. Nummer ziehen. Vor mir zehn Leute. Ein Ami vor dem Schalter, andauernd auf seinem Taschenrechner herumstichelnd, Aufregung hinter der Theke. Nach v i e r z i g Minuten des Wartens mache ich mich unter dem Beifall der Wartenden bemerkbar, dass die hier ein Bankhaus und keine Playstation wäre und dass man für solche Leute ein Extrabüro haben müsse. Wieder Beifall. Einem wartenden Inder schenke ich meine gute Nummer, verlasse den Raum, gehe um die Ecke finde eine SEB Bank und bekomme innerhalb von 5 Minuten mein Geld. Der Staatler, diesmal ohne Cowboyhut, war wieder einmal rücksichtslos. Der 2.Fall innerhalb weniger Tage. Aber so kenne ich die ja gar nicht aus den Staaten her! Müssen die sich hier in Europa vielleicht so aufführen?
Schnell zurück in mein beschauliches Bauska.!Für 1,50 bin ich wieder da. Die Sause wartet. Grosses Abendessen, mit Muschelcremesuppe, Steak, 2 Bier, eine Flasche Ergi Bukaver von 2004, einer Fanta, macht zusammen 13,60 Lats. Die Küche ist prima, das Personal freundlich. Ich kann noch spät schwimmen und an den PC. Morgen gehts mit neuen Schuhen gen Sueden.

 

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Von der EG gefördert – überall  Dankeschoen-Schilder!

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Grenze nach Litauen

32. Tag

Mittwoch, 8.8.2007, 41 km

Bauska – Grenze nach Litauen – vor Raubonys, 41km, über 30 Grad  


Keiner wusste wie weit die Grenze entfernt ist, schliesslich waren es nicht 8 und nicht 12, sondern 20km. Kurzer Blick in meinen Personalausweis und ich werde vor den Ausos abgefertigt. Jeder Historiker weiss das Datum 8.8. …1918, schwarzer Tag des deutschen Heeres, meiner auch. Nicht dass ich zusammenbrach oder schlechtes erfuhr, es war brüllend heiss und ich hatte im 3 Sternehotel zu lange gefaulenzt. Da will man wieder mal was geben…
Die Strecke ist eben Litauen! Korn, Korn, Korn, dazwischen die Holzhäuser hervorlugend. Ich gehe, so sagten mir mehrere lieber die grosse Strasse, da wäre man sicherer. Die hat aber keine Bäume. Sie ist neu und kannte nicht Napoleon, der für seine Soldaten die Gemeinden bei Todesstrafe verpflichtete Alleen anzulegen. Des Weiteren zeichnet sich diese Strasse dadurch aus, dass sie keinerlei Versorgungseinrichtungen wie in Est- oder Lettland hat. Sie ist eine Rennstrecke nach Riga und Tallin. Morgen wird das anders!!
Als es gar nicht mehr geht, biege ich in ein Dorf ein. Kartoffelschälende Frauen. Ich werde sofort mit Voda? versorgt, aus dem Brunnen. Das wäre karrascho, man spricht hier russisch. Wäre ich auf der Strasse 200m weiter gelaufen, wäre ich an den Lebensmittelladen gestoßen, wohin mich die Kinder der Leute mit dem Fahrrad begleiten. 1 Liter Milch, 1 Liter Yogurt und eine Sprite. Die Verkaufsdame ist ganz aus dem Häuschen: Aus Petersburg. Draußen wird sich hingesetzt und getrunken, der Mann wird geholt und erzählt von Ischgl, wohin er im Winter als Reisebegleiter ist.
Vielleicht kennt er unseren Altenbürener Sportverein. Bleibe eine Stunde sitzen  und wäre froh gewesen, wenn die Leute mir irgendein Quartier angeboten hätten. Die nächste Stadt ist noch 16 km entfernt. Heute wird es wohl ein Biwak geben. Regen gibts nicht, also weiter. Ich bin nass – vom Schweiss. Das Funktionshemd funktioniert bei diesen Mengen Schweiss auch nicht mehr und das Leder ist auch feucht. Als eine schöne Stelle kommt und niemand in Sicht ist, bin ich in den Karpaten verschwunden. Am herrlichen Waldrand baue ich schnell das Zelt auf und verschwinde nackt darin. 1 Stunde brauche ich zum Abkühlen. Dan erst wird alles geordnet. Wunderbar geschlafen.


33. Tag
Donnerstag, 9.8.2007, 18 km

vor Raubonys bis wahrscheinlich Pasvalys,  genauso heiss

Sehr früh aus dem Bett. Wege die zu einem Fluss führen, landen meist an einer Stelle wo man auch baden kann. Es ist so. Ich springe ins Wasser. Hier wäre natürlich ein schönerer Platz fürs Lager gewesen, aber das weiß man ja erst am anderen Tag. Nach ein paar Kilometern kommt tatsächlich eine Raststätte. Super ausgebaut. Nach dem Stil des Landes: Massig in Holz mit grossen Bauernfiguren: Holz-Blut-Boden-Stil. Hier bleibe ich ersteinmal eine Stunde sitzen.  Frühstück heißt ja hier: Bratkartoffeln und Wurst und Schnitzel  und.. und..  Aber Bier gibt es . Ich mische mir immer Radler, zum großen Erstaunen der Leute. Kurz vor Pasvalys lande ich im Forsthaus, wo mir Indra, als ich nach einem Internet frage, sofort Ihren Schreibtischsessel räumt. Gleich steht auch eine Tasse Kaffee vor mir, die ich zur Hälfte gleich über Ihren Schreibtisch kippe, da meine schweissnassen Ellenbogen am Papier festkleben. Macht nichts! Schnell wird geputzt und ich kann weiterschreiben. Jetzt geht es in den Ort. Wollen mal sehen.

Der Weg nach Pasvalies  hineine führt an einer Figurengruppe aus Holz vorbei. Kreuze Figuren. Ein Mann klärt mich auf: In allen Baltischen Staaten sind diese Plätze zu finden. Sie erinnern an die Menschenkette, die die Balten bildeten, als es um Ihre Unabhängigkeit 1991 ging. Jetzt weiß ich endlich Bescheid. Indra vom Forstamt gab mir eine Adresse vom Touristenbüro und ich frage drei Leute, keiner weiß Bescheid. Wahrscheinlich können sie nur russisch lesen. Da sehe ich das Hotel. Es ist etwas heruntergekommen, der Preis geht und das Abendessen ist billig. Alter Stil sagt mir eine Litauerin, was das immer sein mag.
Um 18 h ist Messe. Und wenn ich geschlafen hätte, sagt eine Frau auf russisch, und legt dabei den Kopf seitlich auf beide Hände, wäre wieder eine um ?. Das malt sie mit dem Finger auf den Handrücken. Die Kirche wird renoviert, total. Alles ist herausgerissen. Im Nebenschiff feiert die Gemeinde andächtig den Gottesdienst. Das ist und bleibt Europa. Der Pfarrer gibt mir den zweitschönsten Stempel in mein Buch.

Der Marktplatz mit seinen 2 Kneipen, der Kirche, Bank und Bibliothek ist ruhig geworden. Einen schönen romantischen Platz besitzen sie hier an dem Fluss. 1497-1997. 500 Jahre alt. Die Leute sind stolz auf Ihren Ort.
Ich hatte mir ein paar kleine Dollarnoten mitgenommen, sind nicht mehr nötig, ein Freund hatte mir dazu geraten. Hier läuft alles über die Landeswährung  bzw. über die Kreditkarte. In Estland und Lettland konnte ich praktisch an jeder Pommesbude mit der Karte bezahlen, in Litauen – bisher- hat das abgenommen, deshalb wechsele ich die Dollar um. Bin bald im Bett in meinem altkommunistischen Hotel mit abgewetztem Plüsch, Lysolgeruch… ihr wisst schon Bescheid….


 

34. Tag

Freitag, 10.8.2007, 27 km
Pasvalys – bei Geguzine, ueber 30 Grad,


Um 6.30 h aufgestanden. Im Pavillon vor der Kirche frühstücke ich aus dem Esssack. Alles drin. Um 8 h beginnt die Messe. Dem Pfarrer gebe ich, da heute der Todestag meiner Mutter ist, einen Zettel mit ihrem Namen. Er wird für sie die Messe feiern. Der Gemeinde erzählt er wer ich sei und welche Idee hinter meiner Lauferei steht. Prompt, als ich in der Touristeninformation bin, um mir eine Karte zu holen, steht eine hübsche Dame von der Presse mit Fotografin da. Wolfgang, das dauert wieder 2 Stunden.  Und der Stern brennt gnadenlos herab! Heute soll es die Steigerung geben. Bis Panevezys werde ich es unter diesen Umständen wohl nicht mehr schaffen. Die Dame verspricht mir, den Artikel an  Dominik zu mailen. Aber das haben schon andere versprochen. Wir werden sehen.

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Zeitung aus Tallin. Foto vor Kabli

Da habe ich vielleicht eine komische Tastatur erwischt. Falsche Zeichen und so manches anders offensichtlich russisch. Ich kann also nicht so viel schreiben. Jedenfalls sind die Leute hier in der Infozentrale sehr nett. Wir bekommen Tee und die Reporterin fragt mich Löcher in den Bauch. Schliesslich suche ich noch eine litauische Fahne. Keine da. Da hat die Dame von der Tourist-Info eine Idee. Eine Papierfahne wird laminiert. Das ist immerhin eine Lösung. Doch nun hinaus in den Sonnenbrand!

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Reporterin in Pasvalis, Artikel noch nicht geschickt

Nach dem Interview gehe ich zur Post um die restlichen Filme und mein Tagebuch los zu werden. Die Postdame empfiehlt Eilzustellung und Einschreiben. 21 Lit.. Erstaunlich billig für so einen Haufen Material und, dass sie nicht Dicke misst und fuer die Farbe auch noch einen Aufschlag nimmt…, die müssen wohl erst privatisiert werden um unsere deutschen Preise fordern zu können. Wann verkauft unsere Regierung das nächste Tafelsilber der Bürger. Wie wäre es mit der PKW-Maut. Geht ganz einfach, die LKWs haben es schon zum Schaden des Verbrauchers. Die Preiserhöhung ist schon angekommen. Um 14.30 h komme ich erst weg. Noch etwas gegessen und mit mir gerungen in dieser mörderischen Hitze nicht loszulaufen. Der Preis des Motels scheucht mich wieder auf die Strasse zurück. Also weiter. Es wird wohl ein Biwak geben. Unterwegs hält ein Schotte mit seiner African Twin, er hat sie tiefer gelegt. Bei Marcels komme ich ja gerade mit den Zehenspitzen auf den Boden und das heißt was, wenn die Maschine im Stehen leichte Schräglage hat… Jedenfalls freut er sich einen Santiagopilger getroffen zu haben, sieht mein schottisches Andreaskreuzwappen am Hosenträger, blau weiß und greift spontan in seine Packtasche: eine Flasche russisches Bier. Lauwarm. Ich kippe sie dennoch in einem Zug weg. Alle sagen, dass die nächste Versorgung erst in 16 km sei. Also suche ich mir ein Wäldchen ohne Haus und bin im Gebüsch verschwunden.

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Gedenkstätte an die baltische Menschenkette. An vielen vorbeimarschiert. Meine Strecke.

Hier ist die Getreideernte in vollem Gange. Mähdrescher verstauben die Landschaft. Diese ist flach… ab und zu eine Baumansammlung, da versteckt sich in 90 Prozent der Fälle ein Haus mit Köter usw. Verlassenen Baumgruppen gilt mein Augenmerk. Dort ist es ruhig und man hat am Waldesrand eine schöne Aussicht. Heute brauche ich wieder 2 Stunden um abzukühlen. Mein  österreichisches Gebirgsjägerbiwakzeltchen, welch eine Wortschöpfung!, wird mir immer sympathischer. Ich habe noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Nein, schießen muss ich nicht da heraus. Doch keine Mücke kommt herein und draußen – es ist Sumpfgegend schwirrt es nur von diesen Biestern. Jedenfalls sind die Reißverschlüsse super. Kein Verhaken, Hemmen, Bremsen… sagenhaft. Aussicht durch die Fliegengitter nach allen Seiten. Schlafe ausgezeichnet. Besser als letzte Nacht in dem Alt-Plüsch-Hotel. Warum nehme ich mir eigentlich Zimmer?
Vor dem Einschlafen deute ich noch die Silhouetten von Lindenblättern: toll was man da als nicht Fernsehgeschädigter alles erblicken kann: Napoleon, Balduin Bählamm, den braven Soldaten Schwejk … dann ist man irgendwann weg und wacht um 6.25 h wieder auf…

 

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Donnerbalken mit Polsterung eines findigen Zeltlagerleiters, Hinternrichtung Meer!



35. Tag

Samstag, 11.8.2007, 28 km
bei Geguzine – Panevezyz, brüllend heiß

Unter Mückenschwärmen frühstückt es sich nicht gut, an der Strasse wo die Autos sausen, halten sich wenige Mücken auf, besonders günstig die Bushaltehäuschen. Ich marschiere um 7 Uhr los. Vor einer Denkmalanlage, die an die Menschenkette der baltischen Revolution erinnert, frühstücke ich auf einem Findling sitzend. Die Anlage ist etwas vernachlässigt, Gras sprießt aus den Platten. Ich sprach von Sumpfland, wodurch sie mit Unterstützung der EG die Via Baltica gebaut haben. Muss viel Untergrundmaterial gekostet haben, denn sie liegt manchmal 5-6 m über dem Level des Landes. Ein paar hundert Meter neben der Strasse taucht ein Flugplatz mit ausrangierten russischen Kriegsmaschinen auf. Früher mit Sicherheit Militärflughafen hier in der Pampa, heute Museum und Aerodrom für Sportflieger, nur wer kann sich hier so etwas leisten? Ein paar Maschinen stehen herum. Wieder muss ich erahnen, dass dort auch ein Cafe zu finden sei. Drei Damen und ich der einzige Gast. Bestelle Kaffee und erfahre, dass die Übernachtung hier 40 Euro – ich frage nochmal nach- gekostet hätte. Ein Glück dass diese Stelle nicht früher kam. Die hübsche Dame hinter dem Tresen erhält Netto rd. 260 Euro im Monat. Der Leser möge bitte urteilen. Wie oft kann sich ein Deutscher eine Übernachtung dort leisten und wie oft ein Litauer…sie kriegt ein ordentliches Trinkgeld, denn der Kaffee war obendrein gut.
Man kommt da auf folgende Gedanken wie sich die Angleichung Europas abspielt: Die Alten lässt man hängen, oder werden abgehängt, den jungen Arbeitenden gibt man gerade soviel, dass sie über die Runden kommen und gewisse Noch – Könnern, die wissen wo es mit Haken und Ösen längs geht fahren die dunklen Audis und BMWs, natürlich mit dunkel getönten Scheiben, rasen bei Regen mit 80 durch die engen Strassen von Paernu und scheren sich einen  Dreck darüber mit welchem Dreck sie Passanten besudeln. Ich habe noch vergessen: Natürlich mit zweimal fünfzig Watt auf voller Pulle. Wie sagt ein echter Kohlenpöttler: Jau, datsinse!

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Fehlt nur noch der Giebel irgendeines Bauernhauses

Doch es geht weiter. Mittag will ich in Panevezys sein!

Auf der Strasse wundere ich mich, wie viele Leute mich anhupen und zuwinken. Soviel waren es noch nie. Gut mancher Lastwagenfahrer, der mich vor 4 Wochen in Russland sah und hier wieder … aber heute! Der Artikel scheint wohl erschienen zu sein. Es ist sehr, sehr heiß heute. Ich merke die Temperatur an dem Klang der Stockspitze, wie sie in den Asphalt dringt. Am leisesten ist sie, wenn sie in die weisse Markierungsfarbe stößt…mit was man sich alles befasst?! 
Die Stadt empfängt mich gleich mit einer Hochzeitsfeier in der St. Peter-Paul-Kirche. Der strahlende Lichterschein zieht mich an. Wie alle herrlich gekleidet sind! Vor mir ein Pärchen, das wohl mit der Zeremonie wenig anfangen kann. Er hat die Hände auf dem Rücken, in der einen das Handy, in der andern den Audischlüssel. Die Dame mit leichtem Tüll fast durchsichtig. Am Kirchentor eine alte Frau am Boden sitzend, Plastikschälchen vor sich: ich werfe ihr 5 Litva hinein – ein Zucken ging durch ihren Körper.  
Die Touristeninformation hat gerade noch offen, war wieder nicht ausgeschildert und ich beginne jetzt demonstrativ immer in Deutsch. Es kommt natürlich: „please English!“ Aber warum sollen wir denen zeigen, dass wir lieber Englisch als unsere Muttersprache sprechen…  80 Prozent der Touristen hier sind Deutsche!! Ich sage der Dame gleich, dass ich nicht gewillt bin, die Preise für die Unterkunft durchreisender Touristen zu zahlen, ich möchte die Litauer treffen! Zuerst nennt sie ein 25 Euro-Hotel, dann , als ich ihr meine Boxbergkarte zeige und schenke, habe ich sofort das Zimmer im Sporthotel, 30 Litva die Nacht. Dusche und Klo auf dem Flur. Wunderbar! Ich bleibe 2 Nächte, denn die Stadt macht einen interessanten Eindruck. Sie liegt romantisch an einem toten Flussarm und ist geschmückt mit vielen bildhauerischen Werken. Da müssen sie hier einen Sinn haben. Im Hotel wird geduscht und ausgeruht, dann hole ich mir einen Stempel in der vorgenannten Kirche und gehe dann gemütlich essen. Im Dunkel merke ich allerdings, dass ich fast 2 km durch dunkle Gegenden gehen muss. Ein Polizeiwagen kommt mir entgegen, verlangsamt seine Fahrt, bleibt stehen, fährt weiter. Die Jungs müssen hier schon gut aufpassen, das sagen mir manche Handlungen die man hier beobachten kann. Also immer strammer Schritt und immer dabei die Hand an der rechten Seitentasche…Gute Nacht! Doch um 24 Uhr hat es noch 25 Grad.

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Die Bücherei hat in den Ferien geschlossen, kommen sie einfach in mein Büro!

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Kaschube am Bass

36. Tag

Sonntag, 12.8.2007, 16 km

Panevezys – Stadt 

Heute lasse ich ruhig gehen und klapper die Stadt ab. Von einem Monument zum anderen! Da mal sitzen und ein Bierchen. In der Messe war ich ja schon gestern, aber hier kann man keine Kirche besuchen ohne eine Messe mitzubekommen. Ich kenne das aus Polen. Also in der Dreifaltigkeitskirche wird so schön gesungen, dass ich noch eine Messe mitbekomme. Zum Internetpoint, 2 Lit die Stunde, schreibe ich Berichte und merke, dass mein Sohn  zu gleicher Zeit am PC sitzt, denn fast zeitgleich erscheint mein Bericht.

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Trauung: Handy und Audischlüssel – die Jungen Reichen. In der Kirche bleibt man hinten.

Der Bahnhof von P. ist etwas  heruntergekommen. Schmalspurbahn. Schöne Lok aus Charkow davor – gefördert von der EG. Sobald man das Zentrum verlassen hat, verliert die Stadt an Glanz. Am Abend gönne ich mir zum Sonntagabend ein Essen im Romantica Hotel. Als ich nach der Weinkarte frage, kommt von links auf deutsch: Die haben einen Weinkeller… Deutscher? Wollen Sie alleine sitzen? Nein, sie können ruhig zu mir rüber kommen. Klaus, Spediteur aus Lübeck hat hier geschäftlich zu tun und wir feiern einen netten Abend.
Als es ans Bezahlen geht, will er den Wein ausgeben. Leider hat die Cashmaschine unser beider Essen schon abgebucht… bei Klaus. Nun, Klaus ich werde das nachreichen! Als wir alleine auf der Terrasse sitzen hole ich die Gitarre und Mundharmonika heraus und spiele Klaus das Lied von den Hausherrnsöhndl vor,  weanerisch, da wir vorher über manche Dinge der Erziehung gesprochen hatten. Wir erhalten Beifall aus dem Kurpark und vom Personal. Morgen will ich mich hier einquartieren, 60 Euro, man gönnt sich ja sonst  nichts. Der Heimweg ist wie am Vorabend – noch später
.

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Weinkeller, Klaus B. sucht aus. Hat Ahnung!
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Klaus aus Lübeck – ein schöner Abend


Mein Pilgerstock

Im Jahr 2000 hat ihn Bruno Gödde gedrechselt. Esche. Wie bei Tronje Hagen…die Technologie… verfeinerte in der Fa. Witte Theo Reemann, indem er eine Messinghülse als Verbindungselement drehte, die der gutgemeinten Auseinandernehmbarkeit ein Ende bereitete. Doch was sich jetzt Theo hat einfallen lassen ist grandios: die vorherigen Spitzen hielten einig Hundert Kilometer und waren dann verschwunden. Nun, sagte mir Theo, ich glaubte ihm nicht!, einen Stahl benutzt, den man für Baggerschaufelzähne nimmt…und tatsächlich: An der Spitze ist noch kein Abrieb festzustellen. Danke ihr Technologen! Das macht eben unser Land aus! Siehe nach bei einem Schraubenschlüssel aus Pusemuckel und einem aus ordentlichem Chrom-Vanadium aus Witten! Dass der Stock mir wahnsinnig hilft durch die dunkelsten Ecken meiner Reise zu kommen, dürfte allen klar sein. Er besitzt noch etwas Mystisches: Er ist geweiht durch den Pfarrer Freyaldenhoven in Duisburg,auch hat er eingelassen die Medaillen der Muttergottes von Tschenstochau und ein Bildnis von  Paul-Johannes II. Oben hat er ein Gewinde und da kann man eine Eisenspitze gegen Hunde.. oder eine Stativschraube für meine Kamera einschrauben….
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Pilgerstock mit Medaillen und Isolierbandkollektion und  Hund-, Fuchs-,Wolf-, Bär-, Kaninchen-
oder Storchpfote…?



37. Tag
Montag, 13.8.2007, 31 km

Panevecys – Kedainiai, wieder so heiß

Was ich bisher nicht schrieb: Ich habe komische Schmerzen, fast seit Petersburg. Ein Brennen – so als ob man durch Brennnessel gelaufen war – am linken Oberschenkel außen. Dr. Schley von der Elisabethklinik in Olsberg- Bigge, dem ich einen Brief geschrieben hatte und der mich auf Handy erreichte, meinte, dass das eine Ausstrahlung vom Rücken sei. Ich kann mich nochmal melden. In den letzten Tagen wurde das Brennen stärker und länger, also ging ich erst ins Hotel Romantica und bat die nette Dame an der Rezeption das Krankenhaus anzurufen, ob da ein Arzt sei, der Deutsch spräche. Ja, wurde sofort empfangen, sehr früh am Morgen!! Das käme vom Rücken, man kann da kurzfristig nichts machen, wenns schlimmer wird heimfahren und CT. Er verschreibt mir noch eine Massage, die ich auch sofort verabreicht bekomme. Was war das für eine Frau!!! Was hat die auf mir herumgeklopft… sehr wirkungsvoll. Weder der Arzt noch sie wollten Geld, sie bekamen natürlich reichlich. Schwimmen und Fitnessübungen, im Hotel hätten sie sowas. Während ich wartete, beschäftigte sich eine Physiotherapeutin mit mir. Ähnliche Übungen wie Sie Katrin im Briloner Fitnessstudion mit unserer Gruppe betreibt. Jedenfalls geht es mir gut. Nein Loslaufen dürfe ich erst nicht.
Zum Hotel. Nein das Zimmer koste 70 Euro und das Schwimmbad sei im Umbau und auch das Fitnesscenter. Danke, buche wieder aus und wende mich nach Süden. Da kommt die Masseurin im Auto vorbei. Sie sollen doch noch nicht laufen! Ich nehme sie erst mal  bis Uypte mit. Keine Widerrede.
Das sind ungefähr 8 km. Von hier laufe ich die Nebenstrecke nach Kedainiai. Es ist wieder brüllend heiß. Die Strasse ist aber ruhig. Die Laster fahren alle auf der Via Baltica.
Einige km vor Kedainiai suche ich mir einen Lagerplatz, werde aber entdeckt, es ist einfach zu früh! Ich tue so als ob ich mich ausruhen wollte und gehe weiter nach K. Den ersten Polizeiwagen kralle ich mir.  Die sprechen nur die Landessprache und russisch. Aber Hotel verstehen sie doch. Der eine Polizist zeigt auf mein schottisches Andreaskreuz, lädt mich ein mitzufahren. Ich lande vor einem Hotel wo die schottische, die litauische und die europäische Flagge flattern.  Schottisches Hotel. Die Polizisten sind sichtlich stolz , dass sie mich hier abliefern konnten. Einzelzimmer 35 Euro. Na ja. Das Essen ist super und die Einrichtung erste Klasse, nur, die Hitze!

Im Schottenhotel liegt ein Prospekt aus: Pilgerweg durch Litauen…da laufe ich als Pilger neben der eigentlichen Pilgerstrecke einher! Siauliai – es soll mal deutsch SCHUBEN geheißen haben… ist ein Zentrum. Kathedrale, der Papst war dort. Da gibt es einen Kreuzberg ohne Bierbrauerei wie in der Rhön. Also, es bleibt mir nichts anderes übrig: Ich muss 100 km zurück mit dem Bus. Aus dem Hotel schreibe ich noch eine SMS an Katrin, die in Lothars Muckibude in Brilon eine tolle Rückenschule mit erlesenen Rückenschulwilligen jeden Montag um 19.30 h betreibt: Hallo Katrin. Seit St. Petersburg verspüre ich im linken Oberschenkel ein Brennen, nicht immer, gelegentlich, so als wenn ich durch Brennnesseln gelaufen wäre. Am Laufen hindert mich das nicht. Was kann ich tun?
Die Antwort kommt prompt: Hallo Wolfgang. Das ist aber ne schwere Frage…so per Ferndiagnose. Das hört sich an als wären das Schmerzen, ausstrahlend aus dem Bereich L 3-4. In Seitenlage…die Beine leicht angewinkelt…je nachdem wie es dir am Angenehmsten ist. Eventuell mit nem Kissen zwischen den Beinen und jetzt müsste jemand anderes dein Becken leicht vor und zurückbewegen…sanftes Schwingen…Rotationsbewegung im LWS Bereich…probiers mal aus… viel Glück und gutes Wandern und pass auf Dich auf!
20 Minuten später eine weitere SMS: Ach ja noch ne kleine Info: Seitenlage auf rechts, damit die schmerzhafte Seite oben liegt… gutes Gelingen. Ja, liebe Freunde, wohl dem der eine solche Physiotherapeutin kennt!! Arbeitet in irgendeiner Klinik in Wünnenberg. Ich habe es ausprobiert. Zwei Nächte. Dazu den Tipp der russ. Therapeutin: harte Schlafunterlage!!! Es geht mir wieder besser. Das Brennen hat nachgelassen, ist aber immer noch vorhanden. Ich werde fleissig trainieren. Wie ich es bloß bei meiner unruhigen Schlaflage geschafft habe das Kissen die ganze Nacht zwischen den Beinen zu behalten, ist mir nicht ganz klar. Einziges Problem: Wo bekomme ich die Person her, die mein Becken bewegt…

Jetzt habe ich also 4 aehnliche Diagnosen und Ratschlaege: Dr. Schley: schoen warm halten , eventuell Schmerztabletten/ Dr. Burbai: Kann man nichts machen, wenns schlimmer wird nachhause fahren und CT. Russische Physioteherapeutin: Harte Schlafunterlage, Abrolluebungen  Katrin:s. oben. Auf gehts beim Schichtl!


 

38. Tag
Dienstag, 14.8.2007, 100 km zurück mit dem Bus nach Siauliai,  12 km
Kedainiai – Siauliai

Um 7 Uhr bin ich schon am Busbahnhof, nach 2 Stunden in Siauliai. Die Infostelle macht gerade auf. Ich rolle mein Sprüchlein ab. Sie kapieren sofort. Nette Leute! Sie hätten da ein Hostel. 35 Lit. Super. Sie ruft an. Ich kann kommen! Blitzsaubere Jugendherberge in einem Universitätsteil. Jetzt machen sie das Licht aus und ich muss aufhören…

Wie gesagt, nach meinem Sprüchlein in der Touristikzentrale von Siauliai bekomme ich ein schönes Zimmer in einem Jugendhotel gegenüber der Kathedrale. Alles super, sauber, neu .. die EG macht sich bemerkbar. 35 Lit nicht 35 Euro. Mache sofort nach dem Duschen Stadtbummel: Jesuitenkirche, Kathedrale, Vilniusstrasse. Die erste Stadt ohne Internetpoints in der City. Die Tipps von Katrin für meine Hüfte wirken schon! Danke! Habe für 2 Nächte die Herberge gebucht. Die Tochter der Herbergsmutter will mir einen Internetpoint zeigen, damit Dominik Futter bekommt. Doch alle sind geschlossen, so dass wir im Restaurant Arkos landen, wo ich von der Dame viele Infos über Litauen erhalte. Sie will Litauisch studieren! Zurück in der Herberge hole ich dann noch eine Flasche Wein und die Musikinstrumente heraus und die beiden Damen haben rechten Spass, als ich auch noch ein russisches Lied kann. Mutter meinte, ich wäre ein sehr kommunikativer Mensch. Nun, das hat ja mein langjähriger Wanderfreund Diethelm Textoris schon über mich berichtet ( s. im Netz – wandern mit Tex- !!!), nachdem ich keine Zuhörer hatte, habe ich mir eben die Kühe zu solchen gemacht, schwedische Kühe!!). Die weitere Analyse meines Wesens in Diethelms Homepage nur bedingt richtig. Ein bisschen stur? W.Busch: Denn was man sicher weiss zu glauben, darf sich ein jeder wohl erlauben… Und Funktionswaesche von Odlo trag ich schon seitdem sie rauskam!! Ab jetzt Schoeffel, da die Odlos auf 2 meiner Briefe nicht einmal geantwortet haben. Ich wollte gar kein Gratishemd. Und Sonsoring liegt mir fern, sonst koennte ich ja gar nicht frei schreiben!! Morgen geht es früh zum Kreuzberg. Stur, klar!

 

 

39. Tag

Mittwoch 15.8.2007, 21 km
Siauliai- Kreuzberg und zurück, heißer Tag

Um 8 h rufen die Glocken der Kathedrale. Ich gehe hin und erlebe eine brechend volle Kirche. Marienfest. Feiertag. Wie sich die Leute in die Bänke quetschen! Der starke Glaube hat die Litauer zusammengehalten, das wird mir hier klar. Johannes Paul II hat diese Kirche besucht, steht auf einer Einganstafel. Nach der Messe hole ich mir den Stempel in der Sakristei. Immer erst die Frage nach der Sprache die ich sprechen kann: Deutsch, English, Francaise, un poco Italiano? Diesmal geht es mit Deutsch. Der Pfarrer ist in Eile. Die 14 km laufe ich nun nach Norden zum Kreuzberg, einem mythischen Berg Litauens. Über hunderttausend Kreuze sind da in den Boden gerammt, Rosenkränze hängen daran, enge Gassen für die Besucher! Jedes Kreuz für einen Deportierten nach Sibirien. Man kann sich nicht vorstellen, wie hier die Kommunisten gehaust haben. Auch ein Kreuz für ermordete deutsche Soldaten. Die Malteserjugend aus Hamburg hat auch eines aufgestellt, sehr groß, helles Kiefernholz. Die sollten mal lieber schauen, dass in Hamburg und Schleswig-Holstein nicht die Kreuze aus den Schulen entfernt werden…
Tschuldigung, aber sowas muss man doch sagen! Da bringen sie hier in das tiefgläubige Litauen ihr Kreuz und zuhause werden sie abmontiert…

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Tourismus und Kreuze. Die Kommunisten waren schon mehrmals mit der Raupe dagewesen. Umsonst.

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Deutsche Gedenktafel am Kreuzberg

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Malteserjugendkreuz aus Hamburg. Sollten lieber die Kreuze in den norddeutschen Schulen belassen!!

Nahe des Kreuzberges ist ein Franziskanerkloster errichtet. Menschengedränge in der Kirche. Ein Pater gibt mir den Stempel und den Segen. Danke.
Zurück fahre ich mit dem Bus. An der Haltestelle Japanerin, Florentiner, Florentinerin, Akan Dezaki, Elisa Guerri und Matteo Regini. Wir kommen nett ins Gespräch, ich gebe ihnen Tipps für Tartu und Riga und vergesse beim Aussteigen meinen Hut. Matteo fällt das sofort auf und ich rase dem Bus hinterher. Der stoppt auf der Kreuzung, ich habe meinen Hut wieder. Dafür gebe ich der Gesellschaft ein Bier aus. Ist da etwa Alzheimer im Anflug? Zurück aufs Zimmer zu meinen Übungen für das LWS 3-4.


40. Tag

Donnerstag, 16.8.2007, 31 km
Siauliai – Benediktinerkloster Palendriai, heiß, 

5.30 h aufgestanden, nur so ist es zu schaffen!! Will die Hitze denn hier gar nicht aufhören? Mein Hut wird gar nicht mehr trocken. 5-6 Liter Flüssigkeit braucht man an solchen Tagen. Ich halte einfach an den Bauernhäusern. Sagen brauch man nichts, die sehen schon was ich will, wenn ich mit der Flasche ankomme. Einmal bekomme ich eiskalte Milch. Kein Geld, nein! Ich laufe Richtung Kelme und will zu der Benediktinerabtei Palendriai, die sollen meine schlechten Erinnerungen an die Maria-Laach-Holding ( s. Santiagoweg ca. 8. Tag) verwischen…Nach Bubai wechsle ich auf die linke Nebenstrasse der Via Königsberg und laufe nun ständig im Schatten. Wunderbar. Verkehrsarm und immer durch den Wald. Nach Vijurkai biege ich westlich ab und frage mich zu dem Kloster durch. Die Strasse ist nicht durchgehend geteert aber die Autos fahren rücksichtsvoll an mir vorbei. Schon von weitem kann man die Abtei sehen. Sie ist neu. 2002 konsekriert. Wege zu Türmen, die man weit sehen kann sind immer länger. Ich erinnere nur an den Festungsturm von Narva! 20 Km. Hier geht es etwas schneller.  

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Pater Gerard – mein Fürsorger. Benediktiner. Mein Jahrgang.

Zuerst in die Kirche. Ein herrlicher Raum: Beton -Holz- Marmor. An der Pforte kommt mir mit einem Lachen und ausgebreiteten Händen Pater Gerard entgegen. Sind Sie zu Fuss?? Ich schwitze wie ein Schw….Sofort steht eine große Schale kalter Milch vor mir. Sie Engel! Was ist das ein Unterschied zu unseren verwalteten Klöstern auf meiner Reise. Sie bleiben doch hier, nicht? Ich komme auf ein kleines hübsches Zimmer. Schwimmen könne ich im kleinen See hinter dem Kloster. Nur nicht zwischen 4 und 5 h. Gegen 13.30 h sei Mittagessen. Von Stunde an bin ich in dem benediktinischen Zeitplan gewickelt:

5.30 h Vigil ( ich könne schlafen! Werd ich natürlich nicht!)
7.15. Laudes, danach Frühstück
10.00 Hl. Messe
13.00 Angelus, danach Mittagessen
17.30 Vesper
19.30 Abendessen
20.30 Komplet

und dann „is a Rua!!“

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Putz- und Flickstunde. Estlands Fahne wird der Kollektion beigefügt

Ora et labora! Das ist es ! Das hat unser christliches Abendland groß gemacht! P. Gerard gibt mir die Codenummern für die Türen und dann kann ich tun und lassen was ich will. Ich genieße den See mit RÜCKENSCHWIMMEN (Katrin), gehe in dem Riesenpark spazieren und gehe zu den Gebetszeiten in die Kirche. Mein  Nerv 4-5 nervt mich zwar immer noch, ist aber besser geworden. Wie gesagt, ich spüre nichts im Rücken, nur im Muskel am Oberschenkel!

 

Was habe ich mit dem Entschluss 100 km mit dem Bus zurückzufahren meinen Horizont über die baltischen Staaten erweitert! Diese sture Rennerei, wie ich sie noch nach Santiago pflegte, habe ich abgelegt. Na klar, wegen der 67 und LWS 3/4… Stress habe ich mir selten auf allen Reisen gemacht, aber dieser Stil ist besser als alles Bisherige.
In der Abtei wird viel französisch gesprochen, ich bin etwas irritiert, doch P. Gerard klärt mich auf: Das Kloster wurde von der franz. Abtei Solesmes gegründet. A l l e s strahlt hier große Würde und Gelassenheit aus: Die Architektur, die Stille, die Gesänge, die Zeremonien. Der Altar ist der Mittelpunkt, was man in unseren Gottesdiensten immer häufiger vermisst. Es gibt keine schöne Messe! Messe ist Messe! Sicher haben die Jesuiten nach der Reformation viel Spielerisches und Künstlerisches eingeführt, bei ihnen blieb der Altar aber immer im Mittelpunkt! Und nicht igendwelches – Entschuldigung – Tralala, welches vom eigentlichen Sinn der Messfeier wegzog. Das hier bei den Benediktinern hält schon 1500 Jahre…! Ich fühle mich in jeder Beziehung geborgen. P. Gerard sorgt für mich, den Gleichaltrigen, wie ein Vater. Nur das Internet sei kaputt, der Blitz habe heute Nacht eingeschlagen. Macht nichts, Morgen kriege ich schon wieder eine solche Kiste unter die Finger. Gute Nacht!


41. Tag
Freitag, 17.8.2007, 8 km
Im Kloster Palendriai


Gammeltag oder nicht? Ich versäume keine benediktinische Zeit, lasse es aber langsam angehen mit dem Verbeugen und Knien und Aufstehen und Setzen. Um 10 h ist Hl. Messe. Mit großer Würde feiern die 10 Mönche die Eucharistie. P. Gerard ist der Zelebrant. Dann gehe ich wieder zu meinem Rückenschwimmen. Therapietage im Kloster!! Nach dem Schwimmen setze ich mich auf meine Brille, die unter meiner Lederweste lag und habe dann erst einmal 2 Stunden Arbeit, das Ding wieder hinzukriegen. Ein Glück, dass ich Sekundenkleber mitgenommen hatte. Alles wieder sichtbar!
Das Essen findet im Speisesaal mit den Mönche statt. Gesunde Kost! Freitags Fisch und Obst. Alles schmackhaft. Frage mich nur, wie bei 7 Franzosen die Sache ohne Croissants abgeht, die schüttelten sich doch noch vor 20 Jahren vor jeder Schwarzbrotschnitte. Nun, sie sind eben litauisiert. Einer sagte mir, er sei kein Franzose! Bretone. Hoffentlich fangen die nicht auch mit ihrer Unabhängigkeit an, wie die Basken…
Die eineinhalb Tage Ruhe tun gut, doch länger hält es meine Seele für dieses Mal nicht aus.

On the Road again, you´ll never walk alone.. morgen 5 h Aufstehen, Vigil, Abmarsch.

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Palandriai. Bei der Hitze war es im See herrlich. Ab und zu kam auch ein Pater.


42. Tag
Samstag, 18.8.2007, 25 km

Abtei Palendriai – Kelme, mit dem Bus nach Kaunas,  

Ausnahmsweise morgens bedeckter Himmel, mittags die alte Hitze Vigil 5.30 h, Ende 6.15 h. Pater Gerard bringt meinen Esssack aus der Kühlung und geleitet mich vor die Pforte. Warum er mir nicht wenigstens eine Tasse Kaffee aus der Küche holt und mich so einfach weggehen läßt, steht bestimmt in den Regeln des Hl. Benedikt. Wenn man total in einen Plan eingebunden ist, kann man auch gedankenlos werden. Jedenfalls war bei P.G. nichts Böses, da bin ich mir sicher. Ich muss mit meinen Vorwürfen etwas vorsichtiger sein, mich nicht zu  
wichtig nehmen. Es menschelt halt überall! Da ist das, was mich in Kaunas erwartet schon negativer einzuordnen. P.G. hat mir die Adresse eines Karmel gegeben, das liegt aber 25 km von Kaunas entfernt. Ich möchte ja gerne die schöne Stadt erleben. Doch es sollte anders kommen.
Also, nun ersteinmal die 14 km nach Kelme. Ein Frischer Morgen. Wunderbar. Ich laufe über die kleinen Dörfer und Ansiedlungen auf teilweiser Sandtrasse. Da kommt mir plötzlich ein pubertierender Spinner mit mindestens 100 Sachen auf Sand entgegen. Verliert 150 m vor mir irgendwelche größeren Trümmer, was sich beim Vorbeigehen als komplette Hinterstossstange und V2A-Doppelauspuff entpuppt. Er habe etwas verloren, deute ich ihm an, der aber röhrt weiter plus 2×50 Watt auf voller Pulle. Er wirds schon merken. Richtig. Kaum habe ich die Trümmer identifiziert, kommt er auch schon merklich gebremst angerollt und sammelt seinen Schrott ein. Hi! Guten Morgen! Spricht russisch.
Von meinem zurückgelassenen Kedainiai sind es 30 km nach Kaunas. Da habe ich nun schon 65 km mehr gelaufen, so dass ich getrost mit dem Bus nach Kaunas, auf meine alte Linie fahren kann. Hätte ich es mal lieber nicht getan! So bekommt die katholische Kirche Litauens nun einige Minuspunkte.

Ich erreiche Kelme und schon steht der Bus nach Kaunas abfahrbereit. 23 Lit. Es ist ein Bummelbus, weswegen es einige Leute vorziehen und auf den Expressbus warten. Das erfahre ich aber erst später. Auf diese Art sehe ich aber sehr viele kleine Dörfer am Wegesrad der Autobahn. Gegen 12 h sind wir in Kaunas. Die Touristinformation ist zu, obwohl sie nach Plan geöffnet hat. Bestimmt ist man eben einen Kaffee trinken. Ja, der Kommunismus steckt hier noch viel tiefer drin als in den anderen beiden baltischen Staaten! Ich warte 10 Minuten. Was tun? Kaufe einen Stadtführer und finde als eines der wenigen Hostels das vom Erzbischof. Super. Echter Pilger, katholisch, zu Fuss von Sankt Peterburg…Also hin. Komme an einer weiteren Touristinfo vorbei. Hilfsbereites nettes Mädchen. Ja, das Hostel sei gut und preiswert. Dort ist man offensichtlich auch einen Kaffee trinken. Zurück zur Info. Telefonat. Ja, jetzt sei man da, habe aber (um 13h!) nichts mehr frei…das will ich testen. Schweissnasser Fusswanderer zwischen Ryanairtouristen. Ob die mich wegschicken. „Nichts frei“ sagt das Girl. Sie hätten aber noch ein Haus. Adresse. Ich hin. Nichts rührt sich dort. Zurück zur Info. Die Dame lacht schon. Telefoniert. Ab 17 h könne man erst sagen ob etwas frei sei…zur Sicherheit lasse ich mir den Weg zum Campingplatz aufmalen, im Yachtclub, denn ich habe da schon meine durch reichliche Erfahrungen genährte Befürchtungen. Bummle durch die hübsche Altstadt, und werde im Internetcafe einige Berichte los. Um 17 h stehe ich vor dem Bischofhostel. Nichts rührt sich. Ich warte. Fensterläden zu. Danach haben die bestimmt 20-30 Betten. Warte 10 Minuten. Zurück zur Infodame, die hinterher Trinkgeld bekommt! Telefonat. Ja man wäre jetzt da. Ich wieder hin. Ich sei der einzige Gast. Nur 3-Bett-Zimmer frei…? Preis 90 Litas – das darf doch nicht wahr sein! 30 Lit mehr und ich hätte ein Hotelzimmer gehabt, natürlich nicht mehr um 18 h. Ich schreibe mir die Adresse des Erzbischofs auf und verlasse unter Protest – man spricht nur noch russisch – das Erzhaus, zahle 1 lit für den Trolleybus und bekomme für 50 Lit im feinen Yachtclub ein Doppelzimmer mit Bad, Fernseher und Seeblick, dazu das angeschlossene Restaurant, das mich gut versorgt. Der Campingplatz hätte 15 Lit gekostet. Ergo: Erst nach dem Camping fragen und nach dem Zimmerpreis, das haut immer die Preise runter. Nach einem Netten Abend mit einem litauischen Schriftsteller, Midas Urbonavicus – ich muss mal nachsehen, was der Typ schreibt, schlafe ich selig in Rechtslage mit Kissen zwischen den Beinen.

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Wer nett war, darf auf meiner Seite auch werben…

43.Tag
Sonntag, 19.8.2007, 16 km

Kaunas

Früher Aufbruch im Yachtclub. Milch und Butter gekauft und dann in der Innenstadt in ein Internetcafe gesetzt. Hier haben sie kein Frühstück und ich kann zum Kaffee meine vernünftigen Sachen essen. Schwarzbrot, Käse, Schinken, Milch. Als ich die Berichte schreibe, tippt neben mir ein ähnlicher Typ, jedenfalls von der Kleidung her. Plötzlich kommt er mit einer Limonade zu mir: Charles Hamm aus Frankreich. Sein Sohn fährt gerade einen Citröen von 1924 von Peking nach Paris. Hat grade die Wüste Gobi hinter sich gelassen. Der Sand knirsche noch in den Lagern… Charles schreibt mir ins Gästebuch und ihr könnt dann die Tour seines Sohnes anklicken. Oder sucht mal über Google. Jedenfalls sitzen wir hier lange vor dem Kaffee, neben einem Österreicher, als sich plötzlich ein Betrunkener zu uns setzt und uns Zigarettenrauch ins Gesicht bläst und nicht weggehen will. So etwas – Erfahrung – endet oft gewalttätig, so harmlos es klingt. Wie sagte mir einmal ein für die Caritas sammelnder Jesuit auf dem Oktoberfest: Von besoffenen Randalierern musst du nur 5 m Abstand haben, dann nehmen sie dich nicht mehr war. Das konnten wir hier nur nicht… aber er ging dann doch. Heute will ich aus der Stadt raus ins Carmel ziehen, Kaunas interessiert mich einfach nicht mehr. So ist das mit den Umwelterlebnissen…bis bald!

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Seit dem Nordkp zum xten Male geleimt, diesmal der Hals – lange macht sie es nicht mehr. Meine 60ige Gitarre.

Laufe durch Kaunas zum Busbahnhof, denn das Karmeliterinnenkloster, das mir P. Gerard empfahl, liegt ca. 30 km zurück am Njemen, Neman, Memel…Ich frage nach einem Bus in einen klosternahen Ort. Bubia. Niemand kennt den Ort, bis auf einmal Lukas ein junger Bursche sich auf Deutsch einmischt. Er wisse wo das sei. Er führe auch. Da noch eine halbe Stunde Zeit ist, gebe ich ihm ein Bier aus, dafür bezahlt er dann mein Ticket… keine Widerrede. Mitten in der Pampa hält der Bus extra für mich und ich gehe noch ein paar Kilometer Richtung Pastuva, wo das Kloster sein soll. Als ich das Kloster schon sehe, spricht mich ein arbeitender Mann an, das Übliche. Daraufhin pfeift er seinen Sohn (16) herbei, gibt ihm die Autoschlüssel und sagt mir, ich müsse sein Haus sehen und sei heute Nacht sein Gast! Basta! Aber ich… es hilft nichts. Wir holpern am Kloster vorbei und erreichen ein herrliches Anwesen 100 x 80 Meter groß, direkt am Fluss gelegen, der hier eine Breite von ca. 400m hat und träge dahinfließt.
Beachvolleyballfeld, Basketballfläche, Sauna, schwedischer Badebottich viele lauschige Sitzecken verstreut über die ganze Fläche. Alles in litauischer Kiefer. Countryside wird das Anwesen genannt. Ich werde aufs Zimmer geführt, hole, da Abendessen angesagt wird, mit dem führerscheinlosen Sohn ein paar Flaschen Bier, eine Flasche Kadarka für die Damen und einen Kräuterlikör 999. Das erste Mal esse ich als Beispeise geräucherte Schweinsohren und stelle fest, dass sie schmackhafter als Chips sind…NB: Nachdem mir einmal ein Indonesier vorhielt, dass sie wohl geschlossene verfaulte Eier essen, wir Deutsche aber angerührten Käse, der wie … stinke, esse ich alle Speisen, die andere Völker auch essen. (Er spielte dabei wohl auf Harzer Roller an!) Jedenfalls war der Abend nett. Ich war wohl bei Sportsleuten gelandet: Hand- und Basketball. Der Sohn fährt zu einem Turnier nach Augustdorf und Dirk Nowitzki ist für ihn ein ein Halbgott. Zu später Stunde holte ich meine Instrumente heraus und es wurde Walzer und RocknRoll getanzt…


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Auf Countryside in Pastuva: Sie sind unser Gast!

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Gruppenbild mit 2. Dame, Tanzveranda im Hintergrund

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Nach der Abreise der Damen: Männer unter sich. Die geräucherten Schweinsohrschnippel  in der kleinen Schale…

44.Tag

Montag, 20.8.2007, 7 km

Karmeliterinnenkloster Pastuva

Das Frühstück ist recht für einen Weitwanderer bestimmt, dass es anders kommen sollte, konnten meine Gastgeber nicht wissen. Richtung Marijampole. Einfach wäre es, man hätte einen Kahn und führe über den Fluss. Über diesen muss ich. Jedoch ist die nächste Fähre 10 km nördlich und die Brücke von Kaunas fast 30 km südöstlich. Ich werde wieder den Bus nach Kaunas nehmen und dort meine Linie wieder aufnehmen. Was hat mich diese Gegend hier aufgehalten! Schön. Als ich am Kloster vorbeikomme, kommt mir eine Schwester entgegen: Sind Sie Herr Wolfgang? Wir haben sie schon erwartet. Hat doch der Pater Gerard telefoniert…! Kommen Sie. Hier ist ihr Zimmer, hier die Dusche und wollen sie etwas essen? Nein, gut, um 13 h ist Mittagessen. Unten im Keller. Die Priorin Marija Jouspa, aus Schottland, empfängt mich zu einem Halbstundengespräch und wir verstehen uns gut. Herzlich willkommen!

Ich atme erst einmal tief durch. Ich wollte doch heute nach…da ist vielleicht eine bequeme Pilgerfahrt! Wenn man Zeit hat. Geld braucht man offenkundig nicht viel. Ich lasse mich einbinden in den karmelitischen Tagesablauf, der ähnlich dem der Benediktiner ist,  nur von den Nonnen sieht man nichts. Die Kirche hat einen Winkel, dort sitzen, beten und singen sie. Gelegentlich sieht man eine an der Wäscheleine hantieren oder in voller Imkerkampfkleidung bei ungefähr 15 Beuten. 20 sind sie hier, sagte die Oberin. Zum großen Teil junge Frauen und Mädchen. Bitteschön, keine Nachwuchssorgen! Würden sich unsere Orden etwas traditioneller verhalten, ruhig streng, „ora et labora“, hätten sie auch keine Probleme! Das zieht die jungen Leute an, nachdem sie das laute Trallala satt haben. Man wirds langsam merken. Veränderungen laufen meistens über den Untergang, formulierte einmal ein Philosoph. Wohldem, der die Kurve vor dem Zusammenbruch kriegt. Es gibt genügend Beispiele für meine Gedanken.

Ich nehme nicht so konsequent am Gebetsleben teil sondern bewältige ein Problem: Meine rechte, stark geflickte Hosentasche hat sich total aufgelöst. Ich wage mich an die Operation: Neue Hosentasche für die Lederhose! Von den Schwestern erbitte ich Leinen und Zwirn und Schere. Trenne die alte Tasche heraus und schneidere eine neue. Ich bin sicher, dass sie mich überleben wird! Das Vorhaben und das Ergebnis ist natürlich das Gespräch im Kloster. Ich muss die Tasche öfter vorführen.
Nun mache ich einige Spaziergänge bis an den Strom hinab, helfe Holz aufladen und bin pünktlich zum Abendessen wieder auf der Matte. Es sind mehrere Gäste im Kloster. Junge Leute, andere die hier helfen. Aber um 21.30 h ist abgeschlossen. Im Hof röhrt einer der Jugendlichen Gäste mit seinem offenkundig verstopften Vergaser herum, der auch am nächsten Tag während der Hl. Messe noch nicht frei ist. Ich hätte ihm ja gerne geholfen – nur komme ich nicht hinaus.


 

45. Tag

Dienstag, 21.8.2007, 31 km
Kaunas –

Wo werde ich heute wohl wieder kleben bleiben? Komme ich endlich an die polnische Grenze? 6.30 h aus den Federn. Packen. 8.15 h Messe. Frühstück. Eine Schwester muss nach Kaunas – wunderbar trifft sich das! Die Priorin übergibt mir eine Medaille von Johannes Paul II und Christopherus und der Priester gibt mir eine Adresse wo ich in Marjampole übernachten kann. Der Pfarrer kannte den Paderborner Erzbischof Degenhart! Endlich los von dieser gastfreundlichen Gegend! Aufhalten tut mich nur noch das Internetcafe, denn der PC des  Klosters stand in der Klausur…bis bald wieder.

Als ich das Internetcafe verlasse, kommt mir schon wieder Charles entgegen und wir trinken noch ein Bier zusammen. Dann wieder durch die Stadt zum Busbahnhof. Auf der Karte suche ich Kluonskai, das ungefähr gegenüber am Njemen vom Karmelkloster liegt. Eng ist es in dem kleinen Bus, und ich muss noch meinen Rucksack auf den Schoss nehmen, da einige Leute sogar stehen. Den Weg nach Ezerelis finde ich schnell. Aber dann. 2 junge Burschen sprechen mich an, wagen aber nicht, mir den Weg durch den sich anschließenden 20 km breiten Forst zu beschreiben. Zuviele Wege, sagt einer. Ich merke es auch hinterher. Keine Schilder und Sumpfgegend.
Ich halte mich nach der Karte und der Sonne. Den Kompass im Handy schalte ich erst später ein. Richtung Südost liegt der Ort Viskio Ruda. Dann man los. Ich wähle immer die Wege, die ungefähr Richtung SO gehen und lande mitten im Forst auf einer Produktionsstätte für Torfbriketts, Riesig. Kein Weg geht weiter. Ich über das Feld über Gräben, immer SO! Und siehe da: Endlich ein breiterer Weg, der irgendwo auch an einem Bauernhöfchen vorbeiführt. Erst sind die Leute erschreckt, dann werde ich innerhalb des Zaunes gebeten und darf an einem Tisch Platz nehmen. Russisch. Minimal ponemai… Ich bitte um Milch. Mleko. Ob ich Pole wäre? Ich werde meine Karte los. Und werde nun ehrfurchtsvoll behandelt. 3 groooße Tassen Milch. Geld, nein. Ich stecke dem kleinen Mädchen ordentlich etwas zu. Das lässt man geschehen. Sie unterhalten sich, wo ich wohl übernachten werde usw. kommen aber zu keinem Entschluss. Ich verabschiede mich. Liebe Leute.

Hier herrscht große Armut. Der jungen Frau fehlen alle vorderen Zähne. Bei uns undenkbar. Ich marschiere los und werde natürlich in dieser einsamen Gegend unsichtbar verfolgt. Eine Frau schneidet die Hecke. Super gerade, sollte das mal bei mir machen. Unterhalte mich in meinem Kauderwelsch. Das klappt! Da kommt ein 30 jähriger Mann vorbei. Hund im vorderen Fahrradkorb. Dass da noch 2 Dosen eiskaltes Bier drinstecken, weiß ich erst später. Er will mich begleiten, denn zu zweit marschiert es sich besser. Es sind noch 10 km bis Viskio Ruda und ich lege, obwohl ich kaputt bin, einen 5,5er hin. Er auf dem Radel neben mir. Bei ihm kommt alles immer stückchenweise. Er lebt in Kaunas, das hier sei sein Sommersitz. Ich soll bis Ruda laufen und dann den Förster, erstes Haus links, fragen ,ob ich in seinem Garten zelten darf. Dann kommt die erst Dose Bier und beim Abschied die zweite. Er macht ein Foto, das er Domi zuschicken will. Es ist schon im Netz!!

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Agurkiskes: Erschöpft, aber glücklich , mit der 2. eiskalten Bierdose, kampfmässig ausgetrunken…Landkarte in der Lederhose.
 
Dunkel ist es auch schon. Schaurig schön, so ganz allein im tiefen Wald von Paganowo… Ich habe nicht mehr vor bis zum Förster zu laufen. Der schläft schon und ich im Garten? Heute Biwak, morgen in Marijampole,  habe ich ja ein Bett. Der Tag war einer der heißesten. 35 Grad im Schatten sagt mir mein Outdoorhandy. Morgen wieder, signalisiert mir das Abendrot. Getrunken habe ich heute fünf Liter: Wasser, Milch, Kefir, Bier mit Sprite. Die Sachen sind nass, das Funktionsmaterial hatte es nicht mehr geschafft! Auch das Leder ist feucht. Ich finde einen schönen Platz abseits der Strasse. Moosuntergrund. Kann aber lange nicht einschlafen, fühle mich wie aufgedreht.


 

46.Tag

Mittwoch, 22. August 2007, 39 km

vor Viskio Ruda – Marijampole

Fast ebenso heiß. Früh bin ich draußen. Schlechte Nacht. Das hängt wohl mit den komischen Wege durch den Sumpf zusammen. Ungewissheit. Ich darf nicht in Stress verfallen. Aber diese gnadenlose Hitze!! Marijampole ist nur mit Frühaufstehen zu schaffen. Der Förster mäht schon um 7 Uhr herum. Ich grüße ihn von ferne. In Viskio Ruda finde ich den Lebensmittelladen. Tisch davor. Alkoholtrinkende russische Litauer. Ein Mann mit Pekinese spricht mich auf Deutsch an und ist froh wieder einmal diese Sprache sprechen zu können. Ich frühstücke ausgiebig.  
Weiter nach Kazlu Ruda. Im Waldgebiet stoppen 2 Soldaten. Truppenübungsplatz. Unsere Konkurrenz wollen wir doch einmal ausfragen. Nettes Gespräch unter Natopartnern… Aber sowas! Sie müssen gleich einmal in meine HP. In Kazlu Ruda kommt plötzlich ein Reporter, fotografiert mich und fragt mich aus. Er sei von der größten- nun, das sagen viele -Zeitung Litauens, Lietva Ria , oder so. Morgen könne ich den Artikel lesen. Weg ist er.

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Um 14.30 h zeigt mein Thermometer 35 Grad und aus irgendeinem Grund komme ich doch auf die Via Baltica. Ich schwöre niemals wieder!!! Da sich ja hier die jetzt  russische  Enklave Ostpreußen hereinschiebt, donnert der ganze Verkehr nach Suwalki auf der Europasstrasse über die Grenze. Es ist lebensgefährlich  hier zu laufgen und ich überlege einen weiten Umweg . Hier vor der Grenze herrscht Rücksichtslosigkeit. Die Strasse ist dazu auch noch auf minimale Breite gebaut. Ich muss durch den weichen Schotter laufen. Lastwagen überholen Lastwagen bei durchgezogenen Strichen, um eher an der Grenze zu sein… es ist der reinste Horror.
Da gibt die EG Gelder für die Infrastruktur  Litauens aus und die Litauer bauen sich ihre süßen Autobahnen im Inneren, um Kaunas und Vilnius und zum Hafen, aber diese Wahnsinnstrecke hat man vergessen… Ich bin fast am Verzweifeln. Dann diese Hitze, 35 Grad zeigt mein Handy. Ungefähr 6 km vor M.  braut sich vor mir etwas  
zusammen. Blitz und Donner. Das auch noch! Ich käme genauso spät nach Marijampole wie zum Förster! Als es gerade zu Plästern anfängt- und frag nicht wie- hält gegenüber von mir ein Kleinbus: Einige Leute steigen aus. Nach M.?? Ja, steigen sie ein. Bezahlen nein, paar Kilometer. Ich gebe reichlich Trinkgeld. Und die Wassermassen stürzen hernieder…
Es ist unbeschreiblich, was da in kurzer Zeit an Wasser herunterkommt. Jetzt das Zelt aufschlagen  ?- das würden nicht einmal die Gebirgsjäger bringen! Als ich dem Fahrer meinen Zettel mit der Adresse bei der Basilika zeige, fährt er mich direkt vor das Portal. Extrabakschisch. Er freut sich und ich wate über die Knöchel tief  im  Wasser. In der Basilika beginnt gerade die Messe. Danach in die Sakristei. Der Pfarrer sei nicht da, aber Priester Linas und Bruder Rokas beratschlagen was mit mir zu tun sei. Erst einmal zum Essen im nahen Kloster, dass das dann immer so sein soll, sagt man mir nicht, es ist selbstverständlich… Dann auf mein Zimmer in Linas Haus. Groß und licht. Breites Bett, gut für meine Knierolle. Darf sofort an den  PC. Bin hundehundemüde.
Morgen wird hier noch ein Tag geblieben, dann Richtung Polen.

47. Tag

Donnerstag, 23.8.2007, 11km in der Stadt und zum Schwimmen,

Marijampole, 32 Grad


Messe ist klar, Frühstück ist klar, nur einen Schlüssel haben sie für mich nicht. Ich soll mich melden. Rokas und Pfarrer Linas haben zu tun. Der Pastor, auch Andreas mit Namen, empfängt mich und wir sprechen lange über meine Idee, bis ihn der Publikumsverkehr ruft. Mittagessen sei um 14 h, sagen mir meine Mitbrüder. Es ist um 13 h und ich komme um 14 h nicht aus dem Haus. Alles zu. Rokas nimmt das Handy nicht ab und mir bleibt nur noch der Weg aus dem Fenster über das Schuppendach. Pfarrer Andreas eröffnet mir, dass das Essen um 13 h war und ich bekäme nun eine Extraportion in der Küche. Als ich durch die Stadt schlendere, fallen mir die vielen Fahnen auf, die einen Trauerflor tragen. Ist da eine bedeutende Person Litauens gestorben?? Schließlich fällt bei mir der Groschen: Ich habe das Datum 23. August 1939 doch riesengroß im Rigaer Museum gesehen. Hitler-Stalin-Pakt. Aufteilung Europas. Überlassung der Baltischen Staaten dem Einfluss Russlands…diplomatisch, hört sich ganz locker an. Woll? Geheimes Zusatzprotokoll zum Nichtangriffspakt. Ribbentrops Unterschrift. Heute trauert das ganze Baltikum!! Ich habe es erst jetzt gemerkt! Am Abend treten das Militär und die Veteranenverbände mit Fahnen und Trachten zum Gottesdienst an. Nach der Messe Schweigemarsch zum Ehrenmal. Eine lange Prozession. Ich komme verspätet zum Abendessen und werde wieder abgefüttert. Linas eröffnet mir, dass wir nun an einen See schwimmen fahren.  Der Tag war mörderisch heiß.

Wir fahren mit einem 6er BMW – woher die die teueren Autos haben!! – zu einem See vor der Stadt, wo wir ausgiebig schwimmen. Ich auf dem Rücken… Dann lade ich zu einem Umtrunk ein, kaufe ein paar Flaschen Bier, drei Warsteiner dabei und im Pfarrgarten unter einem  Zeltdach gibt es bei Kerzenschein eine Session, die ihr ja schon kennt. Ein Freund des Pfarrer bringt eine stimmbare Gitarre und ich höre viele litauische Lieder. Bitte, bitte Hl. Jakobus, morgen soll der Stern nicht so brennen…!



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Gedenken an den Hitler-Stalin-Pakt. Alles mit Kirche und Stil. Danach zumEhrenmal am Friedhof.


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Nach dem Schwimmen mit dem Pfarrer (mit Pfeife) im Garten des Pfarrhauses.


48. Tag

Freitag, 24.8.2007, 30 km

Marijampolis – Mockai, 22 km, über die Grenze mit  
der Bahn bis Trakitzki, dann noch 8 km

Pfarrer Linas und Rokas schon aus dem Haus, ich muss wieder mit dem Rucksack aus dem Fenster springen. Messe, Frühstück, ohne Wurst, katholisch, es schüttet wie aus Eimern, aber nur eine halbe Stunde lang. In der Nacht gab es ein Gewitter, das man selbst in den Alpen nicht erlebt. Herzlicher Abschied. Rokas will den Zeitungsartikel, der heute in der Zeitung sein soll, an Dominik senden. Wie ich sehe, hat das ja auch geklappt. Dass er nicht so gut lesbar ist, werden wir abstellen, ich sende den Artikel per Post. Alle kennen mich nun und das Gehupe hört überhaupt nicht mehr auf. Nachdem ich den Verkehr auch auf der kleinen Nebenstrecke Richtung Kalvarias sehe, rät mir ein Marijampoler bis Mockai zu laufen und dann mit der Bahn über die Grenze zu fahren, denn dort sei kein Grenzübergang. Trakitzki heißt der polnische Ort. Er fährt mich noch bis Svetlica und zeigt mir die kleine Strasse. Der Weg ist – so wie immer- schlecht ausgeschildert und so laufe ich doch die 201. Dann links ab nach Mockai.

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Herrlich ist es jetzt zu laufen – aber die Sonne ist wieder da! Was ich für die Fahrkarte bezahle, wage ich gar nicht zu schreiben. Ein abenteuerliches Ungetüm von Lok naht. Der Schienenstrang hat 4 Schienen. Kleinbahn dazu oder Russenspur? Kurswagen nach Warschau. Der Zug kommt von Vilnius. Die Grenzbeamten stiegen schon in Mockai ein und die Abfertigung geht schnell. Trakitzki ist …ein Kaff. Paar Häuser sind sichtbar. Ich laufe noch 8 km und baue dann an einem kleinen See mein Biwak. Gegen die Mücken hilft mein Zelt bei geschlossener Schiessscharte. Das war ein Grenzübergang besonderer Güte: Mit der Bahn über die Grenze gehüpft. Die Eisenbahnfreaks werden mich beneiden.

49. Tag

Samstag, 25.8.2007, 21 km

vor Kaletnik – Suwalki (Augustow)

In Kaletnik frühstücke ich. Die Polen sind noch irritierter als die Litauer, wenn sie mich sehen. Polnisches Geld habe ich noch von der Anreise und in Suwalki erhalte ich hoffentlich neue Karten von Boxberger. Das wird nicht sein, denn als ich das Hotel DOM N. betrete, gibt der livrierte Kofferträger der Rezeptionsdame ein, dass ich kein Zimmer kriege. War wohl etwas verschwitzt und er schaute sich meinen Pilgerstock ganz aus der Nähe an. Ich merke das alles und sage der Dame meine Meinung. Darauf lässt sie sich sogar die Direktorin geben und die sagt mir auch, dass kein Zimmer frei sei. Liebe Leute ich will doch nur meine Post!! Doch Post für mich ist nicht da, was ich erst glaube, wenn Boxberger sagen, sie hätten den Brief nicht abgeschickt. SMS an Dominik hilft auch nicht, denn er bekommt am Samstagmorgen keine Verbindung.
Hinterher bin ich doch ganz froh, denn das Hotel hätte 140 Zloty gekostet. Das zweite Hotel ist auch ausgebucht. Ein Passant rät mir – Schlepper, Nepper, Bauernfänger ? – nach Augustow zu fahren. Günstige Preise, direkt am Wasser, Schwimmen, Kanufahren, etwas Flair. Hotel Karmel. 9 Zloty und ich bin in Augustow. Das liegt zwar nicht auf meiner Route, sogar etwas rückwärts, aber ich kann ja wieder zurückfahren. Ich brauche Ruhe, mein Bein meldet sich wieder.

Augustow hat eine „Strandpromenade“ von der EG finanziert bekommen, die will ich mir mal ansehen und ich bin  überrascht. Das Hotel Karmel liegt direkt an dieser Promenade

und leider kein Zimmer mehr frei. Klar. Samstag   Als Einstieg wird erst einmal ein Bier bestellt.Als die Wirtsleute hoeren, dass ich von Peterburg komme, findet sich bald ein leerer Wohnwagen auf dem grossen Gelaende. Zwei Maedchen  reinigen ihn sofortund ich kann einziehen. Bezahlen brauche ich natuerlich nichts! Wunderbar! Endlich Ruhe. Hier kann man es aushalten   Doch da naht das Unheil mit Bufftata. Drei starke Autos und 8 Halbstarke. Als ich kurz weg bin, liegen meine Kerzen auf dem Boden und Tisch und Stuhl sind bei ihnen. Macht nichts, man hätte nur fragen sollen, ich bin im Restaurant. Die Frage stellt sich jedoch dann den ganzen Abend, warum die gerade 2 Meter neben meinem Wohnwagen parken!
Die Anlagen haben sie in den Kofferräumen installiert. Man füllt sich ab und dreht die Anlage auf. Irgendwie haben sie es auch noch geschafft die beiden Anlagen  zu verbinden, so dass 2 x 2 x 50 Watt herumdröhnen. Techno. So was bringen ja unsere sauerländer Burschen auch fertig, aber nicht 2m neben Schlafwilligen.  
Gelegentlich werden die Motoren auf volle Pulle hochgejagt, wegen nachlassender Kapazität der Batterien. Heiliger Jakobus,  sauge ihre Akkus leer und gib ihnen auch kein Überstromkabel! Um 3.06 ist der Spuk vorbei und alles liegt irgendwo herum.

Kleine Einführung in die Technomusik
Nachdem 90 Minuten das gleiche Stück gehackt wurde, musste ich eine Analyse vornehmen, um nich ganz zu verblöden.

Also, 6 Teile lassen sich unterscheiden

1.
Bufftata, Bufftata, Bufftata, Buff
2. dito
3. dito
4. dito
5.
Bum, bum , bum… ca. 100 mal
6. Nichts, ca. 10 Sekunden
Dann wieder weiter mit 1.

Ich werde fragen, ob die Typen noch eine Nacht bleiben. Dazu fallen mir noch nette Dinge ein, da ich ja hier nur wenige Kilometer von Kants Geburtsstadt Königsberg entfernt schreibe:
Auf einem Klo in Avignon las ich vor 20 Jahren die bemerkenswerte Inschrift:
Kant:      To be is to do
Marx:      To do is to be
Sinatra:   Do be do do do

Ein abgewrackter 68er bekam durch Protektion eine Professorenstelle an einer renommierten amerikanischen Universität. Er prüft seinen hoffnungsvollen ersten Studenten:
Prof.: Please, can u tell me a German philosopher? 
Stud.: I can’t!
Prof.: Kant, Kant, right, right!!

Jedenfalls ist Polen ganz anders als die bisherigen Staaten.
Wir werden sehen.



50.Tag

Sonntag, 26.8.2007, 18 km

Augustow,

Die Technoleute bleiben nicht mehr, deshalb bleibe ich. Es geht mir ja nicht um die Musik als solche, da habe ich seit meinen Studienreisen ein großes Herz, sondern um die Nachtruhe. Das große Herz erwarte ich natürlich auch von den anderen, denn wenn auf den langen Busreisen eine Kassette nach vorne gereicht wurde, dann wurde sie auch gespielt, ganz, und wenn es Heino war, was bei den sonst  Toleranzfordernden zu großer Intoleranz führte. Die Kassetten wurden durchgespielt.
Jedenfalls werde ich heute in Augustow bleiben, denn die Stadt, die inmitten Seen liegt, hat nette Stellen zu bieten. Die erstaunlich lang besetzte Touristinformation ist zuvorkommend wie noch keine. Das sage ich auch, worauf der Leiter auf ein Diplom an der Wand verweist: Das hat man in Warschau auch schon festgestellt. Ich bekomme von ihnen einen Rundwanderweg, der an interessanten Stellen vorbeiführt. Da kommen ja Kilometer zusammen!! Man müsste sich solch einen  Schrittzähler einmal zu Hause anhängen. Was da am Tag zusammenkommt, wenn man nicht schon zum Brotholen um die Ecke, die Kiste anschmeißt.

Die Sonntagsmesse ist so voll, dass die Leute draußen auf dem Kirchvorplatz stehen, brutal zwänge ich mich durch und finde drinnen noch Platz. Den Stempel in meinem Pass gibt mir ein junger englischsprechender Priester, der sich bald nicht mehr einkriegt als ich erzähle, dass ich durch Russland gelaufen bin. Vor dem Rundgang  leihe ich mir für eine Stunde ein Kanu und fahre auf dem See herum, aber allein ist das auch nichts. Flusswandern ist schöner. Was haben wir nicht schon an Flüssen mit den Kanus in Deutschland  befahren. Am schönsten war die Lahn mit ihren Kurbelschleusen.

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Basilika in Augustow


An 2 Denkmälern führt der Weg vorbei. Einem für die deportierten  Juden der Stadt und einem sowjetischen – das nicht im Führer ausgewiesen ist –  für die polnischen Faschistengegner. Das jüdische ist beschmiert, das andere ghettomässig abgegrenzt und vom Friedhof nicht zugängig. Augustow wird bestimmt einmal ein großes Wassersportzentrum werden. Die Anzeichen sind unverkennbar. Großes Thema auf den Postkarten ist immer wieder der Besuch von Papst Johannes Paul II, der hier mit einem Touristenboot durch die Kanäle geschippert ist. Im Restaurant, wo ich fleißig Geld lasse, stellt mich der Wirt jedem vor und ich hinterlasse ihm auch einen netten  Gästebucheintrag. Gemütlich, mit einer Flasche Rotwein, klingt der Tag aus.


 

51. Tag

Montag, 27.8.2007, 36 km
Augustow – Elk, dt. LYCK, Geburtsort v. Siegfried Lenz


Nach diesen Faulenzertagen um 4.30 h aufgestanden. Der frühe Vogel fängt den Wurm…! Es ist gut zu marschieren. Ich brauche ja gar nicht bis nach Suwalki zurück und mir den Verteilerkampf der Lastwagen gönnen, die durch das Nadelöhr geschlüpft sind und nun sich nach Polen auffächern. Die Strasse ist schwach befahren und irgendwann finde ich auch eine offene Bude wo ich meinen Kaffee bekomme. Andauernd geht es an Seen vorbei, aber bei diesen Temperaturen hat man zum Baden keine Lust. Seit der Ankunft in Marijampolis habe ich Durchfall. Das ist mir auf den Reisen noch nie passiert. Ich führe dies auf Weißkäse zurück, den ich mit Blaubeerkompott gemixt habe. Oder aber auf die 2 l kalte Cola, die ich mir in Kazlu Ruda genehmigt habe. Bekämpft habe ich den Zustand mit Cola und Salzstangen, nur nicht konsequent, da ja immer die schönen Bierchen und das leckere billige Essen locken. Das periphere Brennen am linken Oberschenkel hält sich im Rahmen. Mal taucht es auf, mal ist es weg. Ganz richtig, wie mir Dr. Schley sagte: Manchmal rappelt es sich auch wieder ein. Möglich ist es bestimmt, dass es sich durch meine Lauferei und die Gewichtsabnahme für immer einrappelt…das wäre schön.
Doch ich habe einen Plan: Ich nehme eine Auszeit und fahre zu meiner Cousine Erika in die Beskiden, wo ihr  
Mann Fische fängt und sie diese sofort in Gläser einmacht, eine in Polen gängige Spezialität.

 

Nicht, dass es mir schlecht geht, nun Zipperlein sind da, aber ich habe einfach nicht mehr die Lust solch einen Streifen wie nach Santiago abzuziehen, das habt ihr ja bereits gemerkt. Ich bekomme auf diese Art viel mehr von Land und Leuten mit, während ich nach Santiago immer „auf dem Strich lief“. Natürlich machte ich auf diese Art Kilometer, aber was blieb da nicht alles auf der Strecke! Das merke ich jetzt erst. Santiago hätte noch viel reicher sein können!! Einen  94-km-Marsch Tag und Nacht wird es nicht mehr geben!
Also, in Elk wird ein Zug genommen, über Lodz nach Zagorz gefahren und  dann wieder zurück nach Elk. In Lodz nehme ich die dort lagernden restlich Karten mit, denn ohne meine Karte habe ich viel mehr Probleme. Die Karte öffnete mir Herzen und Türen. Natürlich werde ich weiter berichten, wenn ich an einen PC komme. Aber in Bieszady, wie die Polen die Beskiden nennen, sagen sich wirklich die Füchse und auch die Wölfe und Bären richtig noch „Gute Nacht“.
Noch einmal:  Wolfgang ist nicht zusammengebrochen… als alter Volleyballer nimmt er sich nur ein wenig Auszeit. Wie lange? Das ist wieder eine Frage der arbeitenden Rasse – schaut einfach mal wieder rein. In ein paar Tagen bin ich wieder in Elk.

51. + 52. Tag

Montag/Dienstag, 27./28.8.2007, 12 km und 13km =25km

Bahnfahrt Elk-Grotniki,

So mancher mag sich fragen, wie ich auf 12 Fußkilometer mit der Bahn komme…aber immer langsam, ihr werdet es gleich erfahren.

Es gibt einen fast durchgehenden Zug von Elk nach Lodz. Preis 55 Zloty. Er hat nur eine 4 stündige Wartezeit (1.30h bis 5.38h) in Torun, dem alten Thorn, Backsteingotik etc.,  herrliche Stadt! Die Altstadt liegt östlich der Weichsel. Der Bahnhof Maisto auch, der andere Bahnhof,  der neuere, westlich der Weichsel. Schwimmen geht nicht, der Umweg über die Brücke ist ungefähr 5 km. Ihr ahnt schon, dass ich schlaftrunken in Maisto ausgestiegen bin und nun über die Brücke zum Bahnhof Glonwny laufen musste. Dabei bin ich aber um diese Zeit durch die Altstadt gelaufen, ein kleiner Umweg, der sich lohnte, wenn auch nichts mehr los war. Alles strahlte eine Gediegenheit besonderer Art aus. Am Dienstag bin ich dann bei meinen Freunden, wo ich schon mit Michael war, der Familie Soska, nehme meinen Brief in Empfang und werde sehen, wann ich nach Zagorz und dem Solinastausee weiterfahre. Es wird jedenfalls heute Abend sehr gemütlich werden, dafür sind Woitek  
und Monika und Kascha und Simon und der Hund bekannt…Seid nicht neidisch!

Herzliche Aufnahme in Grotniki bei Familie Soska, wie erwartet. Nur hielt der Zug in Zgierz, was noch einmal 13 km Fussmarsch bedeutete. Von Kutno gibt es 2 Strecken nach Lodz. Es wird ein gemuetlicher Tag und Abend bei den ueblichen polnischen  Getraenken…

 

53. Tag

Mittwoch, 29.08.2007, 6 km
Faulenzertag

Es ist schön und gemütlich bei Soskas, weshalb ich noch einen Tag bleibe. Kinga, die Tochter, die ich schon seit 20 Jahren kenne, kommt mit ihrem australischen Freund aus England zu Besuch. Sie wollen zurück nach Perth. Der Tag geht locker vor sich und Woitek hat immer neue Ideen. Morgen Mittag geht es nach Gleiwitz und weiter nach Bieszady(Beskiden).


 

54. Tag

Donnerstag, 30.08.2007,14 km

Lodz-Kaliska – Gleiwitz


Woitek bringt mich mit dem Auto zum Bahnhof Lodz-Kaliska, wo ich eine Fahrkarte nach Gleiwitz löse. Dort mache ich in Erikas Wohnung Station, ich soll einige Sachen in die Beskiden mitbringen. Familie Johan, die Nachbarn betreuen meinen immer noch nervoesen Magen und Eva kocht mir Haferschleimsuppe.Um 0.07 h soll der Zug nach Zagorz, in der suedoestlichsten Ecke Polens, gehen. Familie Johan bringt mich zum Bahnhof, ich nehme fuer die Nachtfahrt die 1.Klasse (75 Zloty)und daqnn hat der Zug ueber eine Stunde Verspaetung. Im Gleiwitzer Bahnhofsrestaurant herrscht noch Kommunismus: zwei alte Tanten machen das was sie das ganze Leben machten: Auf einer schoenen Tafel, wie bei Mc D ist ein Menue aufgemalt. Schnitzel, Fritten, Cola, alles fuer 9,80 . Ich zeige auf das Bild und sie macht die Fritten und das Schnitzel in der Mikrowelle heiss, was dann lauwarm heisst, die Cola wird nicht aus der Kuehlung genommen, sondern aus der Kiste, lauwarm, die war wahrscheinlich schon vorher in der Mikrowelle… Und der Preis ist auf einmal fast 16 Zloty. Als ich auf das Bild zeige, kommt „Njemma “ aus ihrem Mund, was soviel heisst wie“hammanich“ Es fehlten eigendlich auf dreiviertel der Tische noch die Reserviertschildchen. Solche Leute aenderst du nicht mehr! Da lohnt sich auch nicht einen Lauten zu machen. Abhaken und juengere ins Rennen schicken. Im Zug habe ich ein Abteil fuer mich alleine und kann ausgestreckt schoen schlafen. In die Beskiden hinein quaelt sich der Zug mit einer alten Diesellok den Berg hinauf. Ob der Schienenweg so schlecht war oder die Lok es nicht brachte, kann ich nicht feststellen. Jedenfalls kann man Blumen waehrend der Fahrt pfluecken.


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Dt.-franz. Pärchen zu Gast am Feuer


Zagorz liegt an der slowakischen Grenze. Eine alte Kaiser-Franz-Josef-Strecke liegt  noch über die Grenze zum Geburtsort Andy Warhols, ob sie inzwischen befahrbar ist, weiß ich nicht. Jedenfalls vor 13 Jahren, als ich mit den Fußballjungen von Antfeld und Altenbüren hier war, versuchten wir diese Strecke zu fahren.  Kamen auch ein paar Kilometer ins Gebirge hinauf, dann sah man aber nur Soldaten mit Kalaschnikoffs herumlaufen. Wir fuhren dann wieder zurück. Nun suche ich einen Bus nach Wolkowyja, einem kleinen Dorf am Solina. Keine Verbindung. Ich frage überall herum. So etwas hilft in diesem Land!! Die Leute sind hilfsbereit und irgendein Deutschsprechender kommt auf mich zu: Der Bus da vorne fährt sie hin.
Na also! Wolkowyja hat sich seit 13 Jahren total verändert, vor allem finde ich den Campingplatz nur mit größter Mühe, denn er ist nun zugewachsen… Großes Hallo und große Überraschung. Hier kann ich 3 Tage gut ausruhen. Richard fängt Fische, Erika brät sie, Vodka wird erstanden und jeden Abend wird es gemütlich werden. Erika beweist, dass man auch im Outdoorbereich sauber leben kann. Sie, mit ihrer gewienerten Gleiwitzer Wohnung, leben nun in ihrem Wohnwagen schon drei Monate hier.


55. Tag

Freitag, 31.August, 0 km

Wolkowyja, herrlich warm

Wie halt der Tag bei Fischermann und Fischerfrau so dahinläuft. Urlaub. Mein Geschäft wäre das Fischen nicht, aber ich bewundere die Leute.
Einem Infarktgenesenden Manager empfiehlt der Arzt auf eine Insel zu fahren und zu angeln. Nach einem Monat trifft er ihn:
Na, sind sie auf der Insel gewesen?
Ja!
Und haben sie geangelt?
Ja, die ersten  
500 Angeln habe ich schon ausgelegt!

…manche schaffen es halt nie!

Die ukrainische Grenze ist hier nur ein paar Kilometer weit. Slowakei, Polen und die Ukraine treffen hier zusammen. Die Polen hören das gar nicht gerne und vor 10 Jahren als ich eine Grenzwanderung machte, waren die ukrainischen Grenzsteine alle umgeworfen. Warum? Nun, auf der anderen Seite ist urpolnisches Gebiet, mit der Stadt Lemberg. Durch die Spielerei Stalins, erst auch Hitlers, wurde die Grenze der SU hierher verlegt und die Leute in die Gebiete der vertriebenen Schlesier deportiert. So hatte sich die SU zu jedem westlich vorgelagerten Land ein Stückchen direkte Grenze geschaffen. Bei Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968? wurde dieses kleine Grenzstück zur Einmarschschneise. Strategisches Denken! Siehe die kuriose Grenzziehung in Ostpreussen: Es ging den Sowjets nur um den noerdlichsten eisfreien Hafen – damals – der Ostsee, Koenigsberg.  Also hier wird richtig geschmuggelt, Vodka und Zigarette. Schengen wird hier einen Riegel vorschieben. Die Polen sind  hier in den Beskiden fleißig am Kontrollieren. Der Liter Vodka 15 Zloty, sagt man mir. Am Abend werden am Lagerfeuer Lieder gesungen, die Nachbarn setzen sich dazu. Es ist urgemütlich. Techno wäre hier der Hammer, das würde in dieser Stimmung auch ein „verbuffter“ Jugendlicher merken.


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…aber am Abend, da spielt der Zigeuner! Noch unberuehrte Natur hier! Im Winter Woelfe und Baeren.

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Erika und Richard . Jeden Abend wird hier Feuer gemacht und die frisch gefangenen Fische,

vor allem Zander, gebraten. Un

denkbar auf einem lackierten deutschen Campingplatz!



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Blick aus meinem Zelt auf einen Arm des Solinastausees, alles voller Fische!