November 2007 (Die Bahnfahrten sind reine Nord-Süd-Versetzungen. Die gelaufene Strecke ist jetzt schon weiter als die direkte Verbindung St. Petersburg-Berlin!)
                              Gesamtkilometer im November:350)

November 117. Tag:            Jakubow(Jakobskirch) – Polkowice (Polkowitz, Heerstrassen)                                       25 km

November 118. Tag:            Polkowice – Legnica (Liegnitz) – Kassel- Brilon -Altenbüren                                           11 km

November 119. Tag:            Kassel-Wilhelmshöhe  – Brilon-Altenbüren (Bahn )                                                            0  km

November 120.Tag:             Altenbüren                                                                                                                                    0km

November 121. Tag:            Altenbüren – Duisburg                                                                                                                0 km

November 122. Tag:            Duisburg                                                                                                                                        0 km   

November 123. Tag:            Sevelen  ( Trauerfeier) – Altenbüren                                                                                        0 km

November 124. Tag:            Altenbüren, daheim                                                                                                                      0 km
November 125. Tag:            Altenbüren – Hagen – Altenbüren                                                                                              0 km

November 126. Tag:            Altenbüren, daheim ( Freitag, 9.11.2007)                                                                                0 km

November 127. Tag:            Altenbüren – Legnica                                                                                                                   0 km

November 128. Tag:            Legnica – Polkowice                                                                                                                     8 km

November 129. Tag:            Polkowice – Gromadka                                                                                                                44 km  (bisheriger Rekord)

November 130. Tag:            Gromadka – Boleslawiec (Bunzlau)                                                                                          27 km
November 131. Tag:            Boleslawiec (Bunzlau)  Stadtbesichtigung,  Manufaktur                                                    14 km

November 132. Tag:            Boleslawiec (Bunzlau) – Nowogrodziec (Naumburg an der  ?)                                            20 km

November 133. Tag:            Nowogrodziec – Luban (Lauban)  Bahnfahrt zurueck nach Bunzlau                                 22 km

November 134. Tag:            Bunzlau – Weglienec-Luban weiter bis Görlitz zu Fuss, Bahn bis Peitz                          28 km

November 135. Tag:             (Peitz in Kurt´s Auto bis vor Burg/Spreewald – nach Burg,  Therme, Waldbiwak        15 km

November 136. Tag:             Nach Burg im Walde – Ragow                                                                                                   25 km

November 137. Tag:             Ragow – Krausnick                                                                                                                      24 km

November 138. Tag:             Krausnick – Gross-Köris (8 km mit Peters Polizeiwagen)                                                 23 km

November 139. Tag:             Gross-Köris-kurz vor Köpenik (S-Bahn bis Schlachtensee, Besuch Fam. Giemulla)  28 km
November 140. Tag:             Bahnfahrt nach Hause. Dortmunder Weihnachtsmarkt. Solebad Wischlingen            12 km

November 141. Tag:             Vortrag über den Weg nach Santiago in Wehrstapel (25.11.2007, 16 h)                           0 km

November 142. Tag:             Daheim, Arbeitstag                                                                                                                         0 km

November 143. Tag:             Daheim. Abend: Vortrag „Erziehung zur Konzentrationsfähigkeit“, Schule                    0 km

November 144. Tag:             Daheim. Gammeltag                                                                                                                        0 km

November 145. Tag:             Daheim. Neue Fotos an Dominik zum Einscannen vorbereitet                                               0 km

November 146. Tag:             Fahrt von Paderborn nach Berlin-Köpenick. Zu Fuss: Köpenick-Brandenburger Tor   24 km 



117. Tag

Donnerstag, 1.11.2007 (Allerheiligen), 25 km
Jakubow (Jakobskirch) – Polkowice ( Polkowitz, Heerstrassen)

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Viel Werbung wird für den polnischen Jakobsweg gemacht. Aber ohne Karte kommt man nicht klar. Sporadisch
ist die Beschilderung vorbildlich. In Luban muss es Quartiere geben! Manche Parrer wissen über die Pilgerei noch nicht Bescheid.



Am Vorabend erreichte mich noch die Nachricht vom Tode eines guten Freundes, Ferdi van Eymeren, viel jünger als ich,
wir kennen uns seit 47 Jahren. Beerdigung ist am Dienstag, mailt Axel. Ich muss eine Heimfahrt organisieren,  nur für ein paar Tage.
Doch nun  auf den Jakobusweg, Polska!:  Der Pfarrherr zeigt mir stolz die uralte Kirche, auch ein Reliquiar-Kreuz mit einem Partikel
des Hl. Jakobus! Die haben hier wirklich an alles gedacht! Ein altes Deckengemälde, St. Jokob kämpfend hoch zu Ross., ist über der
Empore zu sehen. Ich werde mit Geschenken überhäuft! Neue Jakobsmuschel am Bande, Rosenkranz, Anstecker, Aufkleber,
Landkarte und dem Pilgersegen! So laufe ich frohen Mutes aus Jakobskirch hinaus. Der Weg ist bestens beschildert ( später werden
die Schilder rarer!) und führt durch herrliche Herbstwälder. Strahlender Sonnenschein, und ich kann endlich leuchtende Herbstbilder schießen. Demnächst
zu bewundern. 
Am frühen Nachmittag lande ich in Polkowice. Kupferbergbau. Kupferpreis in schwindelnder Höhe. ( Keine Kupferrinnen mehr
anbringen, Häuslebauer, zu teuer!)  Mehr Wohlstand. Parkanlagen, neue Kirche, Schwimmbad. Nur e i n e Pizzeria ist auszumachen ;
esse lieber meinen Vorrat auf.  Gottesdienst und Gräbersegnung. Volksmassen! Nach der Messe, die Kirche ist voll von unzerstörten
deutschen Inschriften, spricht mich ein Herr an. Darek Boron. Ah, von Peterburgo! Wo schlafen? Sie bei mir schlafen! Ich nur Polski
und Ruski! Er fährt mich heim, macht mir Essen, fährt mich zum Pfarrer; der freut sich und gibt mir den Stempel und den Pilgersegen,
spricht Deutsch.Wo bin ich schon wieder gelandet?Es wird ein netter Abend. Wir verstehen uns, obwohl keiner die Sprache des
anderen spricht. Ab und zu wird ein Stift und Papier herangezogen. Seine Vorfahren kamen aus der Ukraina. Vorfahren Österreicher.
Galizien, klar! Da ich die Rückfahrt organisieren muss, darf ich an den PC der Tochter Lila und finde eine Busverbindung nach Kassel.
Morgen geht es für ein paar Tage heim! Einige Sachen werde ich hier lassen. Dafür bringe ich Darek deutsches Bier mit und Pralinen für
die Damen.- Europa ist zusammengewachsen. Mein Verfahren stelle man sich einmal vor 20 Jahren vor!!! Visum. Stempel.
Endlose Wartezeiten an der Grenze. Willkür und … und …und. Polen ist nett und hilfsbereit. Schnell  die Pfarrer von Ostroda und
Olesnica abhaken! Komisch, beide Orte mit „0“.


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Gepflegt, aber ohne Kerzen, dt. Pfarrergrab, Erzpriester Paul Schubert.  Darek gibt mir eine Kerze.

 


ZU GAST BEI WILDFREMDEN ME NSCHEN

Da steht man in Polkowice als Wanderexote in der Gegend herum, auffällig gekleidet und ausgerüstet. Da kommt ein wildfremder
Mann auf mich zu und lädt mich zu sich nach Hause ein. Darek fühlt sich ein wenig als Russe, ist aber natürlich Pole. Diese
Identiätsmischung findet man in Schlesien häufig. Es kann ja auch nicht anders sein, wenn man ganze Völkerschaften verfrachtet hat.
Wie hiess es doch, sinngemäss vorsichtig formuliert,  in einem Prospekt von Olesnica:  „… Olesnica  erlebte dramatische Momente am
Ende des 2. Weltkrieges. Die Stadt erlitt erhebliche Verheerungen und nach der Evakuierung der deutschen Bevölkerung war sie
menschenleer. Die neuen Einwohner der Stadt, die hier allmählich aus verschiedenen Gegenden Polens ankamen, gaben der Stadt eine
neue Gestalt …“Polens? Evakuierung? Das ist alles sehr diplomatisch ausgedrückt. Die Sowjets gaben die Drohung heraus: Alles, was
sich hinter der Oder bewegt, wird erschossen! Sie wollten eine von Deutschen gereinigte Zone entlang der „Slawengrenze“ schaffen. 
So in Kreuzburg ein Mann. Potsdam versuchte die Flüchtlinge wieder in Ihre Heimat zurückzuführen. Die es taten, wurden dann
zwangsausgesiedelt: Morgen früh, Deutsche, mit Köfferchen am Bahnhof antreten!  Und dort wurden sie dann auch noch gefilzt. Mein
80jähriger Opa, Schreinermeister, durfte seinen Koffer mit Werkzeugen mitnehmen, der Nähmaschinenkopf meiner Mutter blieb auf der
Strecke. So war es! Ich habe es am eigenen Leibe erfahren. „Evakuierung“ ist wohl das Political-Correctness-Word.  Ein völliges
Versagen der westallierten Diplomatie. Ganz zu schweigen von der Glatzer und der Lausitzer Neisse als Grenzlinie und der Grenzziehung
in Stettin! Stalin hat sie alle über den Tisch gezogen! – Die so in den Raum hineingeworfenen Menschen aus den von den Sowjets
annektierten Gebieten Weissrusslands, der Ukraine, usw., versuchen natürlich eine neue Identität zu finden. Es ist ihr gutes Recht! Und
keiner wird es ihnen im vereinten Europa streitig machen wollen.“Wenn ich nicht weiss wo ich herkomme, weiss ich nicht wo ich hingehe!“,  
heisst es in einem mittelalterlichen Spruch. Nur stelle ich mir die Schaffung dieser neuen Identität ungeheuer schwer vor. Deshalb  bleibt
das Herumfuhrwerken von Menschen ein Verbrechen. Zwei Generationen sind inzwischen ins Land gegangen!  Geschichtsklitterei sollte
gebrandmarkt werden. Polkowice macht einen  hoffnungsvollen Anfang; vielleicht sogar dieser neugeschaffene Jakobusweg von Posen der
Grenze entlang bis Görlitz und Prag. 
Darek ist Steiger in den Kupfergruben des Ortes Polkowice, der Heerwegen in deutscher Vergangenheit
hieß. Hier habe ich keine zerstörten deutschen Gräber und Inschriften gesehen. In der Friedhofmauer sind sogar die deutschen Tafeln restauriert.
Als wir den Friedhof besuchen, gibt er mir eine Kerze und führt mich zu einem Grab auf dem keine Kerze brennt. Ich soll sie hier anzünden.
Ich schaue auf den Grabstein: Erzpriester Paul Schubert. Auf den andern Gräbern ist ein Geflimmer von Lampen. Nun brennt wenigstens eine
hier. Müssten das eigentlich nicht seine Pfarrerkollegen machen?! Dareks Frau und deren Mutter warten am Familiengrab. Ich zähle 21
Kerze.- Nach Hause geht es in die kleine, nett und sauber eingerichtete Wohnung in einem Hochhaus. Ich werde in Omas Wohnung
einquartiert. Das geht hier alles problemlos. Was wäre das bei uns ein Theater!! Ich gehöre zur Familie! Mein Bett ist schon gemacht.
Es gibt Kohlrouladen. Kartoffeln. Und immer wieder Tee. Die nach Schlesien versetzten (deportierten?) Menschen hängen immer noch an 
der östlicheren Heimat. Hier geht es auch ohne Vodka!!  Darek liebt Bier. Ich werde ihm einige Flaschen von zuhause mitbringen! Währende
ich am PC schreibe, spielt seine  geliebte Musik aus Armenien. Offensichtlich kann man Menschen nicht einfach so herumschieben wie
Schachfiguren. Und was soll das mit der Slawengrenze Stettin – Triest in einem vereinten Europa?  Palacki, Panslawistenkongress Prag, um
1848, heizte damals die Diskussion an, was langfristig  zum Untergang der Donaumonarchie und zum 1. Weltkrieg führte. Serbien!! Die
Österreicher haben in Polen wieder einen guten Ruf.  So schlimm müssen sie damals nicht regiert haben. Man bedenke, dass Krakau,
Galizien usw. österreichisch waren! Deshalb bekennen sich in Schlesien häufig  Polen zu ihren österreichischen Vorfahren, und das mit einem
gewissen Stolz. Wenn das alles nicht wäre, wie könnte man dann  zur Zeit ein polnisches Mineralwasser als „Kaiser -Franz-Josef-Quelle“,
darauf das farbige Bildnis des Monarchen,  mit grossem Erfolg verkaufen!? Verstreute Bauernsiedlungen markierten Anno 900 die „Grenze“.
Es wird  höchste Zeit, dass sich die letzten Kelten Europas in der Bretagne, in Wales und in Irland wieder aufrappeln und ihre Ansprüche auf
Mitteleuropa artikulieren! Woll!

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Darek und Tochter Lila. Kreuz und Muttergottes von Tschenstochau im Hintergrund.



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Pilgersegen – kann ich gebrauchen wenn der Winter naht.

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Jakubow, die Jakobusrelique. Ganzer Stolz des Pfarrers. Mit Recht!


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St. Jakobus zu Pferde als Streiter mit dem Kreuz. Deckengemälde auf Holz in Jakubow^



118. Tag
Freitag, 2.11.2007

Polkowice – Legnica (Liegnitz) – Kassel- Brilon 11 km

Da der Bus nach Deutschland erst am Abend um 23 Uhr aus Legnica startet, machen wir noch einen Spaziergang durch Polkowice.
Darek hat Nachtschicht. Auch darf ich an den PC, um an Dominik die restlichen Berichte zu schicken. Polkowice hat wirklich Geld durch
den boomenden Kupferpreis bekommen. Die Gemeinde hat sogar ein Freizeitbad, was für Polen schon etwas heißen will. Da Darek noch
Zeit hat,  fährt er mich um 17 Uhr nach Lubin, wo laufend Busse nach Liegnitz abfahren. Herzlicher Abschied. Einen Teil des Gepäcks habe
ich bei ihm gelassen: Gitarre und Zelt, Mundharmonika und Kartenmaterial, Pilgerstock. Nach Ferdis Beerdigung werde ich schnell wieder
hierher zurückkommen. Das gute Wetter vor dem Schnee muss ausgenutzt werden! (Manchmal habe ich den Eindruck, dass es mich
regelrecht reizt,  im Schnee zu wandern und zu übernachten. Einer mag das als Herausforderung bezeichnen,  der andere als Spinnerei.
Habt keine Sorge, ich bin es doch der  outdoor üebernachtet! Wie arm ist unsre Welt an noch echten Abenteuern? Ich bekomme sie 
stündlich gratis geliefert!) Nun habe ich lange Zeit um  mir Liegnitz anzusehen.  Das Schloss ist recht heruntergekommen. Einen blöden
Flachbau hat man mitten auf den Schlosshof gestellt, überall blättert der Putz ab. Die EG-Mittel werden es richten! Darek hatte es mir schon
gesagt: Heute sei  Herz-Jesu-Freitag  und in Liegnitz  m üs s e  ich in die Messe.! Basta! Nun, einen Stempel wollte ich sowieso.
Bischofsmesse im Dom, Backsteingotik, Ausstattung Barock. Noch viele deutsche Inschriften. Der Dom muss protestantisch gewesen sein,
denn viele Bilder zeigen protestantische Pfarrer mit Beffchen.. Sie sind nicht entfernt  oder zerstört worden. Den obligatorischen Luther 
einer evamngelischen Kirche entdecke ich nicht. Bestimmt nahm er einen der nun leeren Sockel ein. Luther in einer nun katholischen Kirche,
nein, so etwas ginge wirklich nicht!

 

119. Tag

Samstag, 3.11.2007, 0km

An der Grenze in Görlitz gab es gegen Mitternacht einen längeren Aufenthalt. Zwei Stunden! Bei einem Passagier stimmt wohl etwas nicht.
Eigentlich müsste der Fahrer ohne ihn weiter fahren. Aber nichts ist passiert. Es geht wohl um einen Hund der an Bord ist. Mit gut 2 Stunden
Verspätung erreichen wir auch erst Kassel.
SMS an Marcel. Er holt mich in Brilon -Wald ab. Ausschlafen zu Hause.



120. Tag

Sonntag, 4.11.2007, 0 km
Fahrt nach Duisburg

Ich werde schon erwartet und bei Axel machen wir uns mit Klaus Stukovnik Gedanken über den Ablauf der Feier. Der relativ große
Freundeskreis der ehemaligen Pfadfinder des Duisburger Stammes „St. Elisabeth“, wird präsent sein und da müssen organisatorische Fragen
geklärt werden. Sargträger, Bannerträger, Kleiderordnung usw. Axel, als Fachmann für Messegestaltung und Marketing, hat alles bereits
bestens organisiert, so dass es  unsere einzige Leistung ist, ein Diebels-Alt zu trinken. Es wird eine Trauerfeier mit viel ehrlicher Anteilnahme 
werden. Aus der Unehrlichkeit an Gräbern entspringt offensichtlich die heute leider häufig zu beobachtende Haltung der Betroffenen, sich
Beileidsbekundungen am Grabe zu verbitten. Stösst man da aber nicht auch die Ehrlichen vor den Kopf? Man kann doch sortieren! Und beim
Tode fallen  doch nach christlicher Haltung alle Barrieren. In  keinem Fall ist der Händedruck eines Freundes lästig. Im Gegenteil! Wieder ein
Fall unserer Tage für Psychologen, Soziologen und Theologen.- Meinen Schülern versuchte ich immer darzustellen, dass man die Kultur eines
Volkes daran ablesen konnte und kann, wie sie ihre Toten behandelten. Da liegen wir offenkundig völlig wieder im Trend des Kulturbruchs:
Kinder, verstreut meine Asche irgendwohin (…damit erspare ich euch die Kosten der Beerdigung , der Grabpflege und nehme euch die Mühe ab, 
sich an mich zu erinnern !). Christlich? Bestimmt nicht! Das Unchristlichste sind allerdings die nicht gerechtfertigten hohen Bestattungskosten.
Von der Blume bis zur Kommune! Da wäre noch eine Lücke für Marktwirtschaftler!


121. Tag

Montag, 5.11.2007, 0 km
Duisburg

PC-Arbeit und am Abend dann, als Elmar Giemulla mit Andrea eintreffen, geht es an die Rollenverteilung im einzelnen. Für die Gruppe ist das
immer eine Gratwanderung zwischen Trauerbekundung und Selbstdarstellung. Wie es aussieht, sind wir auf dem Grat geblieben.


122. Tag
Dienstag, 6.11.2007, 0 km

Duisburg – Sevelen – Altenbüren. Ferdinand van  Eymerens Beerdigung

Ich nehme Wolfgang Paetsch, einen treuen Pfadfinderfreund, im Wagen nach Sevelen mit. Die Messfeier wird vom Pfarrrer sehr würdig gestaltet.
Wir Pfadfinderfreunde warten bis alle anderen Trauergäste den Friedhof verlassen haben, bilden  um das Grab einen grossen Kreis und
singen: „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss  ist alle Wiederkehr, /die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer.
/Der Himmel wölbt sich übers Land, leb wohl, auf Wiedersehn!/Wir ruhen all´ in Gottes Hand , leb wohl auf Wiedersehn!“  
Unmittelbar vor der Raue hält Elmar Giemulla, einer der engsten Freund Ferdis, eine Gedenkrede besonderer Art, der das heute so oft
vermisste „Herz“ nicht fehlt. Heimfahrt über Duisburg  nach Altenbüren. Mein Kommen von Liegnitz war  zwar eine nicht ganz einfache
Aktion; aber, was sagt der Ruhrgebietler: Watt muss – datt muss!

123. Tag
Mittwoch, 7.11.2007, 0 km

Altenbüren, Wellness umd Fitness im Briloner Fitnessstudio bei Lothar Siewers. Die beste Anlage im weiten Umkreis. Fuer diese
Bemerkung bekomme ich keinen Preisnachlas!!! Schon mal ein Weizenbier. Es lebe das No Sponsoring!

124. Tag

Donnerstag, 8.11.2007, 0 km

Altenbüren, Schlaraffia Hagena. Mit Freunden nach Hagen zu Freunden gefahren. Ritter Steinreich wird eine grosse Ehrung zuteil. Ich
dichte und singe ihm ein Lied. Ritter Granada begleitet am Fluegel. Meine Stimme ist wieder bestens. Alle freuen sich. besonders der Jubilar.

125. Tag

Freitag, 9.11.2007, 0 km

PC-Arbeit

126. Tag

Samstag, 10.11.2007, 0 km

Wellnesstag, „Nass“ in Arnsberg

127. Tag

Sonntag, 11.11.2007, 0 km

Altenbüren – Kassel – Legnica (Liegnitz)

Marcel bringt mich nach Willingen, weil ich von dort aus fast 6 Euro auf der Fahrt nach Kassel sparen kann. Umsteigen in Korbach, sonst
muss man nichts machen. Es schneit und regnet. Der Fahrkartenautomat steht draußen. Ohne Schutzdach!! Nach dreimaligem Auswechseln
der inzwischen nassen Geldscheine, bekomme ich endlich die Fahrkarte. Das stelle man sich einmal vor: Eine der teuersten Eisenbahnen der
Welt stellt seine Automaten in den Regen. Mir stinkt bald die Privatisierung von Volksvermögen. Was unsere Altvorderen mit Ihrer
Knochenarbeit geschaffen haben, werfen unsere Volksvertreter den Aktionären zum Frass vor. Wie dumm sind wir eigentlich schon gemacht
worden? Demnächst schließen sie die unrentablen Strecken und schiessen den Spritpreis in astronomische Höhen. Das ganze Spiel ist ein
Schlag ins Gesicht der nichtstädtischen Bevölkerung. Hier waren wir wieder bei der Zuteilenden Gerechtigkeit.

Die Fahrt von Kassel mit einem polnischen Reisebus geht problemlos. Ich habe eine Doppelbank mit Tisch fuer mich allein. Um Mitternacht
sind wir an der Grenze in Goerlitz und gegen 4 Uhr in Liegnitz.

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Wolfgang hat es sogar als Pilger-Prototyp bis ins druckfrische „Sauerland Magazin 2008“ gebracht.! (die Redaktion).

128. Tag

Montag, 12.11.2007, 8 km ( per SMS am 13.11. um 22.30h gesendet).

Polkowice,

Am Abend mit Darek eine Tour durch 4 Bergmannskneipen gemacht. 2 ½ Liter Bier getrunken. Er kann jetzt das Lied: „Glück auf, Glück auf.
Der Steiger kommt!“ Hat er sehr schnell gelernt.

Email am 14.11.: Also um 4 Uhr in Liegnitz. Wass macht man da? Die drei Km bis in die Innenstadt, wo der Busbahnhof ist, will ich wieder laufen.
Als ich zur Kontrolle meines Weges einen Mann frage, konnte ich leider nicht wissen, dass er leicht angetrunken ist. Ich wäre falsch.
Umarmung, das übliche Geliebkose Angetrunkener. Er hält das nächste Taxi an. Das will uns nicht mitnehmen. Das zweite wohl, aber ich
wollte doch gar nicht!! Er zahle. Schliesslich zahle ich: 5 Euro. Am Busbahnhof habe ich alle Mühe den Typ los zu werden. Der wollte wohl
nur gratis in die Innenstadt! Es ist 4.20h!! Verstecke mich im Wartessaal und unterhalte mich mit einer einer netten Dame, die auch Richtung
Polkowice will. Der Typ findet uns. Wird agressiv. Ob die Dame Deutsche mag…? Dann folgt Auschwitz. Mit toller diplomatischer Leistung
erdet die Dame meinen „Kumpel“.  Bald kommt der
Bus. Um 7 Uhr bin ich in P. Oma hat schon Frühstück gemacht und das Bett und ich schlafe
bis 12.30 Uhr. Um 13 Uhr kommt Darek aus der Arbeit.
Darek zeigt mir Polkowice. Die Stadt macht einen sauberen Eindruck. Die Häuser sind
frisch gestrichen, es liegt kein Unrat herum. Erstaunlich. Offensichtlich macht es das Kapital von Kupfer und EG. Darek ist Bierliebhaber und
führt mich in 4 Bergmannskneipen. Bergleute nach der Schicht. Wie früher in Gelsenkirchen! Nette Gemütlichkeit müder Männer. Nur ein Tisch
hat Vodkaflaschen. Nach Hause nehmen wir etwas Drachenfutter mit.

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Gruppenbild in Omas Wohnung

129. Tag

Dienstag, 13.11.2007 (per SMS am 13.11. um 22.30h gesendet).
Polkowice – Gromatka, 44 km

Schneetreiben und Sonnenschein. Der erste 40er!! Liege nicht mit dem Zelt im Schnee!

Per Email am 14.11.:Früh wird bei Borons aufgestanden. Passt mir. Um 7.45 Uhr bin ich aus dem Haus. Geldautomat. Friseur, tatsächlich hat einer
schon auf. Mein letzter Haarschnitt war in Masuren. Schneetreiben setzt ein, was später durch Sonneschein abgelöst wird.  Kalt ist es , aber
wunderbar zum Wandern. Wähle auch wieder einen Wanderweg, der aber nach kurzer Zeit in einer Schlammwüste endet die Rückfahrzeuge
gnadenlos geschaffen haben. Zu allem Überfluss steht da auch noch ein Schild: Den Wald bitte nicht betreten!! Es geht nicht anders. Ein anderer
Wanderweg führt mich nach Modla, wunderbar. Doch jetzt wird es dunkel. Bis Gromadka muss ich eine kleine Strasse laufen. Ich schalte
meine roten Blinkleuchten an und stelle fest, dass die Autofahrer hier sehr rücksichtsvoll sind. Das Pfarrhaus von G. ist versteckt und nicht besetzt.
Eine Dame merkt es und nimmt mich zur Kirche mit. Hl. Messe. Danach in die Sakristei. Der Pfarrer spricht kein Deutsch,  ist aber sehr nett
und da er keinen Stempel hat, signiert er meinen Pass. Der Küster wird aufgefordert mich in die Herberge zu bringen, spricht Deutsch. In
der Herberge werde ich herzlich aufgenommen, erhalte ein Einzelzimmer und darf die Küche benutzen, einschliesslich der Lebensmittel…
Meine Knochen spüre ich heute. Das kenne ich ja. Nach der Nacht ist das wieder vorbei. Wolfgang P. ruft an und teilt mir mit, dass das
Kreisau des Kreisauer Kreises nicht das Kryszow bei Gromadka ist. Danke. Super geschlafen.

FUNDSACHE: DER HANDSCHUH DES HL. JAKOBUS

 Als ich Polkowice verlasse, stelle ich fest, dass es kalt ist und dass ich eigentlich Handschuhe haben müsse. Eigentlich nur einen. Einen
rechten, weil die rechte Hand den Pilgerstab führt und die ist immer „draussen“. Die linke kann ich ab und an in die Tasche stecken,  und
das lästige Ausziehen entfällt. Also im nächsten Ort Handschuhe kaufen. Soll ich den einen dann im Geschäft lassen? Nein, mit der
nächsten Post  heimschicken!  Faust-oder Fingerhandschuh? Fingerhandschuhe klar. Nach einem Kilometer liegt vor mir auf der Strasse
ein wunderschöner  rechter,schwarzer, zu meiner Jacke passender, auf meine Hand passender Fingerhandschuh, nur wenig beschmutzt.
Foto gemacht ( demnächst in diesem Theater!) und angezogen. Keine Fundbüro aufgesucht….! Danke St. Jakob! es gibt doch noch Wunder!

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Der Handschuh des Hl. Jakobus


130. Tag

Mittwoch 14.11.2007, 28 km
Gromadka – Boleslawiec (Bunzlau), Schneetreiben die  
ganze Strecke, gut zu marschieren

Der freundliche Wirt gibt mir noch drei Eier und ich bekomme Rührei zum Frühstück. Dann mache ich mich schnee- und regensicher:
Füsslinge aus Goretex, warme Strümpfe und Poncho. Das Schneetreiben hält den ganzenTag an. Es marschiert sich aber wunderbar.
Autobahnbruecke. Totalsperrung fuer Fahrzeuge.  Zwei haben es dennoch uebers Feld versucht und stecken hoffnungslos im Schlamm
fest. Spaeter begegnet mir ein Abschleppwagen mit Seilwinde…Sechs Kilometer vor Bunzlau kann man schon die markanten Türme sehen.
Die Bunzeltöpfe waren früher Weltexportartikel. Das berühmte „Pfauenauge“! Schmalz  und Quark gehörten in einen Bunzeltopf, Soleier,
Sauerkraut usw.! Mein Opa redete immer von seinem  „Bunzlquarktippla“ (das war Schlesisch!). Mal sehen was die Polen aus der Tradition
gemacht haben?  Die Stadt empfängt mich schon mit Keramik im Kreisverkehr. Riesenpötte. Ich halte bei der Touristinformation an und finde
eine lustige Schar hübscher Damen vor, die mir im Laufe des Gesprächs mitteilen, dass sie alle verheiratet sind… Spaß beiseite!
Man ist mir sehr behilflich und bald wird ein Nonnenkloster für den Pilger angerufen. Ja, ich könne kommen. 30 plus 10 für Frühstück!
Einen Kilometer entfernt – kein Problem. Doch nach mehrmaligem Schellen und Sprechen in die Sprechanlage und unverstaendlichem
Polnisch gebe ich auf. Die Infodame hatte doch angerufen!! Nach 15 Minuten gebe ich auf und gehe ich den Kilometer wieder zurück. Vielleicht besser so,
denn wenn ich nicht ins  Kloster komme, komme ich am Abend vielleicht  auch nicht raus und nach dem Stadtbummel bestimmt nicht mehr – rein! Es muss heute
kein Kloster sein!  Die Damen in der Info, denen die Sache sichtlich peinlich ist, finden eine Pension, zwar etwas außerhalb gelegen, aber nett
und freundlich eingerichtet. U. Janiny.Nach dem Frischmachen versuche ich einen PC-Platz in der Bibliothek zu ergattern, alles besetzt durch spielende
Kinder und Studenten. Die Touristinfo hatte vorher schon gesagt, dass ich auch zu ihnen kommen könne. Das tat ich auch, schreibe und bekomme
sogar ein Leberwurstbutter und Tee. Gleich gehts zum Abendessen. Alles klar!?

Empfohlen wurde mir Kurna Chata und Sawanna. In Curna C. stehen gerade Leute an einem Ecktisch auf und ich räume die 3 Gläser auf den
Nachbartisch. Idealer Platz zum Schreiben. Bedienung räumt die Gläser weg und ich warte, während die anderen Gaeste bedient werden, auf die
Aufgabe meiner Bestellung. 20 Minuten. Dannn frage ich Leute ob hier Selfservice wäre und gehe zur Theke. Deutsch, English, Francaise, Ita…
Nix davon. Sage auf Deutsch, dass ich nun schon 20 Minuten warte…er schiesst mir die laminierte Speisekarte über die Theke und ich aus dem
Lokal… Im Rathauskeller  Sawanna werde ich sofort bedient und das Essen ist gut. Ein Dummer findet sich doch immer!

Am Nachhauseweg gehe ich noch einmal um die angestrahlte Hauptkirche. Auch hier, wie an vielen bisherigen Orten, haben nur die lateinischen
Steintafeln überlebt. Anno 1500 lese ich. Zum Glück sind die deutschsprachigen Tafeln nur wenig zerhackt und mit Mörtel oder Asphalt (?) zugeschmiert,
man kann sie leicht restaurieren. Die hatten hier Glück! Denn die vielen Tafeln sind für den Tourismus Gold wert. Man soll sie schleunigst reinigen!! 
Denn nach den physikalischen Gesetzen erzeugt Druck Gegendruck und wir wollen doch alle Anstössigkeiten im neuen Europa beseitigen.
Was können Bunzlauer Bürger von 1500 dafür, dass Deutschland von Nazis regiert wurde? Oder wollte man damit zeigen, dass Buzlau ewig polnisch war? Das wäre
ja noch schlimmer!! Morgen soll es kalt aber schneefrei werden. Nun, Schnee liegt genug herum! 
!

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Bunzlau, Boleslawiec, Manufaktur: Mit Iwona an der Drehscheibe, Sonderführung

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Bunzlau, Boleslawiec: Grabplatten, um 1500, zugeschmiert; nur die lateinischen durften lesbar sein.

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Bunzlau, Boleslawiec: Nun, legt endlich die Tafeln von 1517 wieder frei!! Hier kann wirklich nichts polnisch sein!

ANLAUFSTELLE „TOURIST-INFORMATION“ ODER  „TURIST INFORMACIA“

Wollte ich in einer Stadt übernachten, führte mich mein Weg zuerst in die Touristeninformationsbüros. Sie sind im Zentrum plaziert und deutlich an einem dickbepunkteten
„i“ in Druck- oder Schreibschrift zu erkennen. Entscheidend ist, dass sie lange Öffnungszeiten haben. Was nutzt die Infostelle, wenn sie frühzeitig schliesst?! In Deutschland
war das häufig so. Nach den ersten Schrecksekunden und nachdem ich mich mit meiner Karte als normalen Menschen vorgestellt hatte, waren alle ungeheuer freundlich und
hilfsbereit. Die Büros von Siauliai, Bauska,  Augustow, Torun (Thorn) und Boleslawiec (Bunzlau) habe ich in bester Erinnerung: Nett, hilfsbereit und kompetent. Die Bunzlauer überschlugen
sich an Hilfsbereitschaft und haben mir mit Sicherheit wichtige Personen zugeführt und Türen geöffnet. So holte man die Weitwanderin Teres Banciewic und Boguslaw von der
Villa Ambassada ins Büro und in der Manufaktur bekam ich eine Sonderführung durch Iwona. Gut gemacht, ihr netten Damen!!
Wichtig war für mich immer ein bezahlbares Quartier. Die hohen Touristenpreise zu bezahlen hätte ich sechseinhalb Monate nicht durchstehen können. Alle INFOS hatten das
sehr schnell begriffen und mich in dementsprechende Quartiere eingewiesen. Dies waren Quartiere, die die Polen belegen. Wenig Comfort, dafür preiswert. Ich brauche doch keine
Kuckucksuhr im Zimmer. Die Dusche und die Toilette können ruhig draussen vor der Tür sein. Ständig vornehm, geht die Welt sowieso zugrunde… Durch meine bescheidenes
Auftreten hatte ich die Menschen  immer schnell auf meiner Seite – bis auf die beiden Pfarrer in Ostroda und Olesnica. Besonders gut war es, wenn die INFOS einen Stadtplanblock
hatten, auf dem sie mir sofort die Informationen eintragen konnten. Ausgerüstet mit vielen Prospekten verliess ich manches Büro. Wenn ich File heimschickte, kamen sie immer in den
Brief als Anlage.

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Bunzlau, Tourist-Info-Mannschaft: Prächtiges Klima

SPRACHLICHE VERSTÄNDIGUNG AUF MEINER GESAMTEN PILGERREISE

Gut, ich spreche Englisch, kann dem Franzosen alles erklären was ich möchte, spreche etwas Italienisch, noch weniger Polnisch und fast gar nicht
Russisch und noch ganz gut Bayerisch… die Österäicccher versteh i a. Einem  Kind, das einmal Schlesisch, Sächsisch, Schwäbisch, perfekt Oberbayerisch redete,
im Ruhrgebiet sprachlich neutralisiert wurde und mit 25 Jahren im Sauerländer Platt endete, kann man keine sprachliche Heimt anmerken. Meine musikalische Begabung war
schuld daran, dass ich die Dialekte annahm und auch blitzschnell wechseln konnte. So machen mir andere Sprachen wenig Sorgen. Wer eine Grundlage in Latein hat,
kommt in Westeuropa und seltsamerweise auch in Polen gut klar. Deutsch ist weiter verbreitet als man meint. Ein kleiner Block und ein Schreiber greifbar in der Tasche sind
besonders hilfreich. Viel wichtiger als das Kennen anderer Sprachen ist die Art und Weise wie man den fremden Menschen gegenübertritt und wie man Beobachtungsgabe und
Logik einsetzt.
1. Zeige deinem Gegenüber mit Gesten was du sagen willst, spreche ruhig und langsam deutsch. Radebreche mit Worten die du aus der fremden Sprache vielleicht kennst!
    Schlimm sind jene Menschen dran die weder Gestik noch Mimik beherrschen und keinerlei schauspielerische Fähigkeiten haben.
2. Trete bescheiden auf. Das fiel mir als Fernwanderer leicht, einem Daimlerfahrer nicht.
3. Pass gut auf, wie der andere sich verhält: ruhige Sprechweise, Zornesröte, erregt.  Wo zeigt er hin?
4. Setze deine Logik ein und überlege, was der andere dir sagen könnte. Wo blickt er hin?
5. In Skandinavien sprechen viele Menschen  Deutsch und Englisch. In Italien findet sich auch immer schnell ein ehemaliger Gastarbeiter.
6. In Russland zeigt man was man will oder malt es auf.
7..Das Baltikum – ausgenommen das südliches Litauen – spricht Englisch und Deutsch und Russisch.
8. Die jungen Polen sprechen Englisch, die älteren vielfach Deutsch. Um Oppeln herum kann man getrost sofort mit Deutsch anfangen.

Man kann daraus lesen: Keine Angst vor der sprachlichen Verständigung!!! Es regelt sich alles sehr schnell, wenn man auf die Leute zu geht und etwas bescheiden auftritt.




131. Tag

Donnerstag, 15.11.2007
Bunzlau, 14 km

Es ist doch Schneetreiben draußen! Ich darf in meiner Pension Janiny noch an den PC und als ich die Übernachtung bezahlen will, meint die Dame,
dass ich nichts bezahlen müsse… na sowas!? Ich muss doch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben! Fotos vor der Tür und ab geht es im
Schneetreiben. Ich sollte noch bei der Touristinfo vorbeikommen. Dort berichte ich vom gestrigen Abend und den zugeschmierten deutschen
Grabplatten, bekomme sofort einen guten Kaffee vorgesetzt. Gutes Infomaterial über B. wird mir auch noch zugesteckt. Man könne auch die
Manufaktur besichtigen und in die Fabrikation hineinschauen…
Draußen schneit es immer heftiger und es ist schon 12 Uhr. Ich bitte die Chefin der Info, Frau Krystyna Juszkiewicz, meine Pension anzurufen:
Wenn ich diesmal bezahlen dürfe, bliebe ich noch eine Nacht. Antwort: Man freue sich auf mich! Noch eine Nacht im immer sympathischeren Bunzlau.
Wenn hier die Touristenmafia nicht ihre Hände im Spiel hat!! Mein Gepäck darf ich im Büro lassen, gehe Mittagessen in die Savanne und suche dann
die Manufaktur auf. Werde ich schon von Iwona erwartet, einer hübschen Dame, die mich durch die Produktionsräume führt. Ich bin der einzige Tourist.
Hier wird keine Maschinenarbeit betrieben, alles Handarbeit. In der Abteilung der „Malerinnen“ ist eine Künstlerin gerade dabei von einer Fotografie
ein Kinderbild auf eine Vase zu zeichnen. Phantastisch! Beim Abschied gibt es noch ein Geschenk: Grosse Bunzlauer Tasse. Ich muss ein Päckchen
packen! Als ich in die Info komme -wird langsam meine Heimat – erwartet mich Teresa Banciwicz. Weltenbummlerin aus B., 74 Jahre alt. Letztes Jahr
noch in Cuba. Alles per Anhalter. Sie hat Bilder mitgebracht. Gleich darauf erscheint Boguslaw Nowak. Schauspieler , Schüler von Marcel Marceau
und Besitzer des Restaurants  und Hotels Villa Ambasada und lädt mich zum Abendessen ein. Das gibt ja was. Eine Dame warnt mich. Wenn ich dort
war, habe ich morgen einen Durchhänger! Man muss trinkfest sein. Seltsam! Ich glaube hier hat sich alles zu meinem Wohl verschworen. Jetzt werde
ich zuerst einmal wieder meine Pension aufsuchen und das Gepäck abladen.

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Boguslaw und Freunde in seiner „Villa Ambasada“: Jede Ecke birgt Kunstschätze. Er sollte sie anschrauben!

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Bunzlau, an Beleuchtung wird nicht gespart

Die Schneedecke bleibt liegen. Komme an einem Denkmal vorbei. Form Obelisk. Deutsch und Russisch. Nachnapoleonisch. Ein General muss hier in
Bunzlau gestorben sein. 1813. Der Name und eine roemisches Datum- C  ist entfernt. Gestiftet von Koenig Fr. Wilh. III., das steht noch dran.
Restauriert – aber nicht das Wichtigste, der Name.

Die Villa Ambasada ist eine restaurierte neoklassizistische Villa mit Jugendstilelementen. Riesige Blechfiguren vor dem Haus. Hätte ich nicht die
Hausnummer gehabt, würde ich auf Museum getippt haben. Kein Hotel-und Restaurantschild.  So sind sie eben die Künstler. Ich bin ich und wer mich
nicht kennt, soll draußen bleiben! Als ich die Räume betrete, bin ich bass erstaunt. Soetwas in Boleslawiec!!! Boguslaw ist ein Freigeist und hat etwas
Paris an die Bober gebracht. Seine „Schlammschlachten“, Personen beschmiert mit dem weissen Bunzlauer Ton, sind d a s  jährliche Ereignis.  Für
Bunzlau bestimmt eine Provokation aber für das vor Jahren noch grau in graue Stadtbild ein wichtiger Farbtupfer. Die verwinkelten Räumlichkeiten
atmen die Atmosphäre eines Künstlers und haben mit einem Atelier manches gemeinsam. Französische und internationale Küche. Ich war eingeladen,
spendiere aber den Beaujolais Primeur. Es wird 2 Uhr.  Martin bringt mich nach Hause.  Er spricht gut Deutsch und er erzählt mir viele Dinge mit
Sachverstand. Hartnäckig frage ich ihn im Vorübergehen, was denn einmal auf dem parkbeherrschenden Hügel gestanden habe. Doch nicht so ein
blödes brettriges „Amphitheater“. Dreimal hake ich nach. “ Ja, da stand früher das Martin-Opitz-Denkmal“.  Opitz,wohl der berühmteste Sohn Bunzlaus.
Man schlage im Internet nach. Machte die deutsche Sprache literaturfähig. Und wo blieb das Denkmal? Achselzucken. Man merkt aber, dass es ihm
peinlich ist. Wenn es nicht mehr weiter geht, werden meist immer die Russen ins Spiel gebracht, die hier schwer gehaust hätten…Der Wein macht fröhlich,
nicht betrunken. Logo, wem sag ich das? Heute früh kein Durchhhänger.

PS: Erfahre gerade im Internet, dass es sich bei dem Denkmal-Obelisken um das Kutonow-Denkmal handelt. Russischer General, auch Befehlshaber
der preuss. Truppen in den Befreiungskriegen. Wichtige Schlacht bei Katzbach. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wer den Namen entfernt hat:
die Nazis, die Russen oder die Polen! Europa, Deine Denkmäler!

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Gutshof vor Lauban, einst wertvolle Produktionsstätte

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Seit kurzer Zeit darf auch eine Straße nach Martin Opitz benannt werden!


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Teresa Banciwicz, Tramperin mit 74 durch die Welt. Zuletzt Kuba!

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Gemütlich war es in der „Villa Ambasada“ Matin, Boguslaw, ich…

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Bunzlau, Manufaktur. In der Abteilung der Malerinnen, Kinderbild vom Foto auf die Vase.




132. Tag
Freitag, 16.11.2007, 20 km
Boleslawiec (Bunzlau) – Nowogrodiec (Naumburg)
Wen ich heute wieder zur Touristinfo gehe, haben die wieder irgendetwas was mich in Bunzlau festhält. Also, großer Bogen und in die Richtung
Novogrodziec! Es schneit etwas und später geht es in leichten Regen über. Als ich die Karte studiere, sehe ich das blaue Muschelschild des
polnischen Jakobweges. Ein herrlicher Weg wartet auf mich. Ganz abseits der großen Straßen. Viele Feldpartien. Von ferne grüßen schon im Nebel
die Türme von Nowogrodiec. Barock. Ich frage gleich nach der Paraffia und als ich schelle, werde ich von einem Auto aus angesprochen. Der Pfarrer
persönlich. Er freut sich richtig über einen Pilger. Und als ich auf die Uhr schaue, wird es auch schon bald dunkel. Gut, dass ich nicht bis Luban
weiterging! Der nächste Tag wird es zeigen!
Sofort geht der Pfarrer mit mir in eine Drogerie, über der das neue Gästehaus der Stadt ist. Ich erhalte ein Einzelzimmer, fast so teuer wie das
Komfortzimmer in Bunzlau. Doch wir nähern uns der Eurozone!! Das zeigt sich auch in der Pizzeria, die für Polen Apothekenpreise hat. Die
Abendmesse findet in der herrlichen Barockkirche statt. Der Ort macht gar nicht einen solch großen Eindruck, dass man solche Kirchen baute.
Die Emporen zeugen von evangelischer Vergangenheit. Auch die Bänke, die zum Knien nachgerüstet wurden und auf denen man nur im Sitzen knien
kann. Praktisch…Pizzeria ist hier alles was sich als modernes Restaurant zeigen möchte. Selten Italiener die sie betreiben. Esse Lasagne und bin bald
in der Falle.

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Verpackt! Der neue Poncho. Den ganzen Tag im Regen.

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Jetzt geht´s lohoos!


 

133. Tag
Samstag, 17.11.2007, 19 km
 
Nowogrodiec – Luban (Bahnfahrt zurück nach Bunzlau)

Auch der heute ausgeschilderte Jakobsweg ist herrlich zu gehen. Seitab am Fluss entlang. An vielen zerfallenden Gehöften komme ich vorbei. Ein Feld
ist noch  ungeerntet voll mit Rosenkohl, Kappes, Rotkohl und Paprika. Der Schnee deckt alles langsam zu und macht alles zu bestem Duenger…. Es
marschiert sich wunderbar in dieser frischen Luft! Wenn man die richtige Ausrüstung hat, ist das Laufen in dieser Jahreszeit angenehmer und gesünder
als in der Bullenhitze im Sommer. Siehe Baltikum. Zig Tage über 30 Grad!!! Luban macht einen dunklen duesteren  Eindruck.  So ungefaehr wie Bunzlau
vor 15 Jahren. Ein freundlicher Kaplanek gibt mir den Stempel, weiss aber nicht wo ich hier uebernachten kann. Wenn demnaechst die Pilger stroemen,
ist dies die wichtigste Leistung die die Orte am Pilgerweg leisten muessen. Gerade in dem zurueckgebliebenen Luban!  Hilfe warin diesem Fall immer
die Touristinformation. Natürlich hat diese zu. Das ist immer bei den städtischen Büros. Man denke nur an Ostroda!!! 
Da lobe ich mir Bunzlau. Die Damen  arbeiteten oft bis 20 Uhr, eben dann, wenn auch Touristen einliefen!  Sie hatten  an die Info noch ein Reisebüro
angeschlossenund trugen sich selbst wie meine. Jetzt will die Stadt die Touristeninfo selbst betreiben. Das heißt, wenn die Touristen Infos brauchen
ist der Laden zu. Wir kennen das doch  das Arbeitsverhalten von  versorgten Beamten. Buecherei offen wenn die Leute keine Zeit haben , Buecherei
geschlossen wenn sie Zeit haben. Viel Vergnügen ihr Bunzlauer. Da schaffen Politiker wieder ein paar Posten für ihren Kluengel und zerschlagen eine
funktionierende billige Institution.
Mittagessen im Rathausrestaurant. Gut und preiswert. Als ich nach einem Hotel frage: Ja, sie hätten e i n s. Der Ober ruft an. 100 Zloty. Wir sind nahe
der Grenze!! Welcher Pole will da uebernachten? Oder gibt es hier schon die doppelte Preisliste? Das beste ist zurueck! Wie komme ich nach
Boleslawiec? Dort habe ich preiswerte Unterkuenfte und Freunde. Frage den Ober. Heute ginge das  nicht mehr!  Kein Bus! Hier bin ich am A… der
Welt. Nur über Weglienec mit der Bahn ziehe ich ihm aus der Nase. (An die PKS denken die Polen eben nicht!!). Schnell habe ich bezahlt und sause
zum  Bahnhof. Grade kommt der Zug nach Weglienec, dort bin ich an der Hauptstrecke Goerlitz – Breslau und daran liegt Bunzlau! Ohne Fahrkarte 
springe ich auf.  Ab geht es. 13 Zloty. Und in Bunzlau wartet „meine Pension“. Beweglich muss man sein. Hält jung!

In Bunzlau gehe ich in die Villa Ambasada und esse endlich wieder einmal Escargots. Boguslaw hat sie! Schön in Knoblauchkräuterbutter geschmort!
Rufe bei Daniny an. Ja, sie hat noch ein Zimmer frei. Zum Abendessen gehe ich  in die Villa, wo ich wieder nette Leute treffe. Axel, ein deutscher
Bundeswehrkoch, ist Freund des Hauses. Hat hier Haus, Garten und eine polnische Frau. Fühlt sich sauwohl in B.. Da die Küche geschlossen hat,
brötschelt er mir etwas mit Pilzen, Schwein und Nudeln. Super geschmeckt. Ich brauche nur das Bier bezahlen meint Boguslaw. Irgendwie schützt der
Hl. Jakobus auch meine Kasse. Ich werde wiederkommen!

In meiner Nachbarschaft, erfahre ich, ist eine Pension nur mit Deutschen belegt, die hier in Bunzlau ihren Führerschein machen um dem Idiotentest zu
entkommen. Ach, was ist das gewissen  Leuten wieder ein Dorn im Auge. Tag und Nacht arbeiten die bestimmt an einem Riegel.  Seitdem ich einmal im
Verkehrsinstitut Bielefeld ein Gespräch unter den dafür zuständigen Berufsgruppen belauscht habe ( Fahrlehrer und Psychioten…), sehe ich die
Angelegenheit von einer ganz anderen Seite. Richtig, Sie haben es verstanden! Abzockereimentalität und Pöstchenschafferei. Alles unter dem
Deckmantel der Verkehrssicherheit. Wie willkürlich sind die Urteile! Man schau sich doch nur die Wissenschaft der Psychologie an. Pardon, den
wirklich guten der Branche. Entschuldigen Sie, kennen Sie den Weg zum Bahnhof??  Nein, aber schön, dass wir darüber gesprochen haben!! —
Wie,  Sie machen in die Hose? Müssen Sie zum Psychologen gehen! Nach 14 Tagen: Na, waren Sie dort? Ja! Und machen Sie noch in  die Hose?
Ja, aber es macht mir nichts mehr aus….!
Jedenfalls, die Nachbarpension macht ihr Geschä
ft mit den deutschen Sündern. 1200 Euro alles inbegriffen. Führerschein, Unterkunft und
Verpflegung.( PS: Damit hier keine falschen Zwischentöne erspürbar sind: Ich musste noch nie den Lappen abgeben! Über 40 Jahre unfallfrei!
Tiefer geht die Prämie nicht!).

134. Tag
Sonntag, 18.11.2007,28 km

von Bunzlau mit Bus nach Luban, Luban-Görlitz, Görlitz – Peitz mit der Bahn

Frühzeitig fahre ich mit dem Bus wieder nach Luban zurück und das diesige Wetter ist gut zum Wandern. Über kleine Dörfer, an Bergwerken vorbei
nach Zgorzelec (sprich: SSGORSCHELLECK), dem östlich der Neisse liegenden polnischen Teil von Görlitz. Die Grenzer winken mich durch und eine
Tafel sagt mir, dass Görlitz zu Niederschlesien im Freistaat Sachsen gehört. Görlitz ist nicht wiederzuerkennen, wenn ich das Bild vor Jahren vor
Augen sehe, wenn man stundenlang in einer Schlange auf die Abfertigung an der Brücke warten musste.

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Bunzlau, Hydrantologie

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Wegweiser auf dem polnischen Jakobsweg bei Jakubow


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Peitz: Bald 400 Jahre alt. Ein herrliches Geläut  hat die Peitzer Kirche. Dirk liess es läuten – doch nur kurz! 23 Uhr!

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Peitz: Dirk an der von ihm restaurierten Orgel. 24 Uhr..

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Bei „Pfarrers“ oben

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Polen: Eispeperoni, nebenan Eisrosenkohl und Eiskappes. Guter Dünger für nächstes Jahr!




                                                                                               Die Wege sind das Ziel!

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rascheln…,                                stampfen…,                              kurven…,                                                                          waten!
Alles eine Sache des Schuhwerks!


 

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Um durch den Spreewald zu laufen, könnte ich in Peitz beginnen, wo mein Vetter Horst einmal  kath. Pfarrer war. Der Nachfolger wird bestimmt einen
Übernachtungsplatz haben. Spät komme ich in Peitz-Ost an. Der Ort liege ungefähr 5 km vom Bahnhof entfernt.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, denn Christian H. ist der fünfte den ich nach der Lage von Peitz frage. Er nimmt mich mit. Die katholische Kirche sieht
verwaist aus. Die Pfarrei wird von Cottbus verwaltet, sagt mir ein Nachbar, der nur einen kleinen Spalt die Tür öffnet. Dann fahren wir eben zum
evangelischen Pastor, sagt mein Fahrer. Sagenhaft, er hätte mich ja auch hier entlassen können. Mein erstes Anklopfen an einem evangelischen
Pfarrhaus auf dieser Reise. Kurt Malk öffnet, und ich darf im Gemeinderaum zwischen überwinternden Blumen mein Lager aufschlagen. Frau Pastor
will mich zwar in einem Bett unterbringen, aber ich überzeuge sie, dass ich gerne hart und flach liege.
Oben erwartet mich eine gemütliche Runde, und die erste Frage von Schwager und Orgelbauer Dirk war: „Sind Sie katholisch?“ Mein Vetter ist der
Runde noch wohlbekannt und hier wohl auch gelitten gewesen. Ich muss von meiner Reise erzählen. – Gegen 23 Uhr wird mir noch die Kirche gezeigt:
Dirk betätigt die Orgel und Kurt schlört mich an uralten Glocken vorbei bis in die letzte Spitze des Kirchturmes, wo uns der eisige Wind um die Ohren
pfeift. Hier ginge er auch mit seinen Konfirmanden hin! Herrlich! Ich werde an Böll´s Dr. Murke erinnert, der sich jeden Morgen eine Rundfahrt mit
dem Paternoster gönnt. Dirk schenkt mir noch eine echte ausgemusterte Orgelpfeife und mein schlechte Gewissen will ich dadurch entlasten, dass
ich Kurt und Dirk noch zu einem Glas Bier einlade. Das erste Haus am Platze hat schon geschlossen, Dirk findet jedoch noch eine kleine offene
Gaststätte. Es wird 00.30 Uhr. Schlafe herrlich. Dank den unkompliziert helfenden Menschen!!


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Polen vor Luban: Stallgebäude eines ehemaligen Gutes. Warum man sowas nicht nutzen konnte?

135. Tag

Montag 19.11.2007, 15 km
Besichtigungsfahrt, vor Burg – nach Burg

Kurt hat heute Vormittag frei, besser, er opfert sich dem Gast…Die Brennpunkte von Peitz sind mir nun bekannt: Durch Teiche geschützte
uneinnehmbare Festung, Kirche, dicker Wehrturm, Braunkohletagebau und ein Riesenkraftwerk. Mir wird alles gezeigt. Kurt fährt mich schon ein
Stück meines Weges Richtung Spreewald und ich lade ihn zum Mittagessen (Eisbein) in einen berühmten Imbiss ein. Altkanzler Schröder habe hier
auch schon gegessen. Ein Stück vor dem Bismarckturm werde ich ausgesetzt. Wunderschönes Wanderwetter! Doch ich komme nicht weit, denn die
Spreewaldtherme (teurer Eintritt und teures Leih-Handtuch!) in Burg hat eine magische Anziehungskraft für den Weitwanderer. Ich bleibe mehrere
Stunden, laufe dann noch lange in die Dunkelheit hinein und schlage auf einsamer Wiese mein Zelt auf. Der Boden ist schon gefroren und am
Morgen werde ich etwas Schnee und Eis vom Zelt abschlagen müssen. Gut geschlafen.

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Vor Burg/ Spreewald: Abschied von Pfarrer Kurt Malk. Danke!

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Bismarckturm bei Burg. Der letzte meiner Reise stand  in Osterode/Ostpreussen, der Tafeln beraubt.

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Interessante Infotafeln am Wegesrand. Da bleibt man gerne stehen. Nachahmenswert! „Wenn man nicht weiss
wo man herkommt, weiss man auch nicht wo man hingeht!“(Mittelalterlicher Spruch)

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„In klarer Luft die seidnen Fäden blitzen, in Gold und Purpur glüht die Welt…“(Agnes Miegel)



136. Tag

Dienstag, 20.11.2007, 25 km
Im Wald nach Burg – Ragow

Ich möchte gerne noch eingepackt liegen bleiben, aber Berlin ruft. Es wird ja schon um 16 Uhr dunkel!! Wenn ich morgens zu lange liegenbleibe,
schaffe ich keine 20 km. Ich klopfe Eis und Schnee vom Zelt und mache mich auf den Weg. Bei dieser ausgeprägten Gastronomielandschaft werde
ich schnell ein Frühstück bekommen! Denkste. Alles geschlossen und Wanderwege haben die Eigenschaft nur touristische Gastronomie zu  
streifen. Früher stand man hier um 5 Uhr auf, heute noch nicht einmal um 11 Uhr! Im Wald treffe ich 2 nette Arbeiter, die mit einer Spezialmaschine
die Kahnwege freisaugen. Leider, sie hätten schon ihre Butterbrote hinter sich. Erst in Lübbenau finde ich ein offenes Lokal. Auch gleich das teuerste,
wie ich leider erst später sehe. Hier ist Hochtourismus! Doch weiter! Ich laufe den Spree-Radweg, der im Zick-Zack durch Auen, Wälder und Kanäle
führt. Das muss nicht sein!  
In Ragow treffe ich wieder auf die Hauptstrasse nach Lübben. Im Motorradtrefflokal „Walnuss“ bleibe ich beim Radler hängen und als ich ein
Zimmer heruntergehandelt habe, steige ich auf Bier um. Es geht hier familiär zu und ich bekomme das traditionelle Spreewaldgericht: Pellkartoffeln mit
Quark und Leinöl. Da ich das Foto ins Netz stellen werde, muss ich das Essen nicht bezahlen.

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Selbstschuß mit rechts!

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Peitz:  Rathaus, evangelische Kirche. Um 23 Uhr mit dem Pfarrer in der Turm- Spitze. Das war Spitze!
Es war sehr eng dort oben! Danke, es war ein tolles Erlebnis!

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Das erste Eis auf den Kanälen

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„Mancher hinterm Ofen sitzt und gar fein die Ohren spitzt…“

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Kanäle und Wald. Im Sommer wäre alles grün zugehangen, die Weitssicht oft versperrt.

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Pellkartoffeln, Quark und Leinöl. Spreewälder Traditionsgericht, Motorradtreffhotel „Walnuss“.

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Auf der Spree: Wasser, Schilf, Wald

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…morgendliche Überraschung. Unterm Schnee ist es war. Wußte ich doch immer schon!
 

137. Tag

Mittwoch, 21.11.2007, 24 km
Ragow – Krausnick , Sonnentag

So viele Fotos habe bisher an keinem Tag  gemacht. Es sind ideale Wanderbedingungen. Frisch, sonnig. Typische Spreewaldlandschaft.
Über die Strasse kommt einer mit (nicht laufender) Motorsäge auf mich zu gelaufen: „Hör mal! Biste auf der Flucht? Ich hab dir jestern schon im Wald
jesehn!“  Wir lachen herzlich. Meine Karte kürzt die Fragerei ab.
Die Paul-Gerhard-Kirche in Lübben ist geschlossen, und das Pfarramt weit zurück. Ich hole mir vom katholischen Pfarramt den Stempel. Schade, hätte

gerne mal die Kirche gesehen, wo der grosse Liederdichter gewirkt hatte. Nun geht es im Zick-Zack durch die
typische Spreewaldlandschaft: Wasser, Schilf, Kanäle, Teiche, Seen. Gegen 16 Uhr laufe ich in Schlepzig ein. Die Szene beherrscht ein Gasthof.  Kategorie:
Allseits-bekannter-Landgasthof -mit – Bierbrauerei. Endlose Wiese dahinter mit einem herrlichem Weidenhaus. Bei solch´ einem Event schmecken Biere
besonders gut.
An der Tischlampe vor jedem Fenster hätte ich ja alles schon draussen erahnen müssen! Essen und trinken könne ich schon, aber das Zelt(chen)
aufschlagen…nein, was würde der Besitzer sagen, sagt der rundum  zufrieden aussehende Geschäftsführer. 50 € Einzelzimmer. Na also, muss auch
sein.  Danke, ich weiß
schon! Rückwärts verlasse ich das Lokal, denn wenn ich mich mit dem Rucksack umdrehe, bekomme ich schon einmal bei
Nippesläden wie diesem hier Probleme, denn da
bimmelt und bammelt ja überall etwas herum, was dann von meinem Rucksack gestört wird. Also
rückwärts wie beim König, aber ohne Kratzfuss. Und nur schnell wieder hier weg!

Hier fehlt die Bodenhaftung zum Volk. Solche Leute hätten auch Maria und Josef nicht einmal im Stall übernachten lassen! Also heute gibt es wieder
ein Waldbiwak. Ich schalte
meine Blitzstrahler am Hut an und weiter geht es. Nach kurzer Zeit hält ein Wagen neben mir: Peter Schäfer, PHM –
ohne Uniform! War nach der Wende Bürgermeister in Krausnick. Wo ich
denn hin wolle? Mitfahren wolle ich ja nicht, das sähe er mir an, er sei auch Läufer,  aber nach
3 km erwarte er mich. Ich könne bei ihm übernachten.Ich spreche vom Zelten. Er habe auch eine Gartenlaube…Abendbrottisch ist gedeckt, Rosi,

seine Frau will mir ein Bett machen aber ich gehe in die Laube! Ich erfahre viel von dem kleinen Spreewaldort. Seine Nähe zum Cargolifterbauort
usw. Peters grosses Werk
als Bürgermeister war wohl der Bau des Aussichtsturmes auf dem Wehlaberg, den ich morgen besteigen werde.  Jedes
Jahr organisiert er den „Krausnicker Berge-Pokallauf“
(Start 17.2.2008, 10h),  denn Berge gibt es hier wirkliche! Butterbrote und den Marschplan
für morgen bekomme ich überreicht und dann bringt mich P. in die Gartenlaube mit
grossem Doppelsofa.. Er muss um 4h aufstehen. Objektschutz
Soldatenfriedhof Halbe. Drei Decken werden auf mich gepackt und nach 10 Mintuen bringt mir P. noch eine Pudelmütze. Der Kopf muss warm sein!
Mein Handy weist auf -2 Grad. Wunderbar geschlafen.

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Gleich bringt mir Peter noch die Pudelmütze ins Gartenhaus. Es war mollig warm. Schlafsack blieb im Rucksack.

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„…und nach 3 km sind Sie mein Gast!“. Das Essen stand schon auf dem Tisch. (Rosi und Peter Schäfer)

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Schlammabsauger (Schwimmbagger) und Mannschaft. Damit die Paddler im Sommer nicht auflaufen.


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Postsäule in Lübben, Reisezeiten. Carlsbad 59 Stunden, Chemnitz 39.

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Spreewald im November, berauschende Stille und Schönheit – auch, oder gerade auch im Winter. ff.

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Kiefern, Birken, Wasser; Durchsichten ohne Blätter

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Winter im Spreewald, Paradies für Tiere

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Abend im Spreewald

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An jedem Kreuz ein Vaterunser…es waren viele Kreuze auf meinem Weg

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Tödlich verunglückte Geschwister: Unendliches Leid für die Eltern. Orate pro nobis!

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Lübben, Paul-Gerhard-Denkmal, die zerstörte Kanone hinter sich.  Darunter der Spruch…

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„Gottlob, nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort, dass nunmehr ruhen sollen, die Spiess, die Schwerter …“

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Keinen besseren Spruch konnte mir der große Lieddichter mit auf meinen Pilgerweg geben!:
Befiehl Du Deine Wegeund was Dein Herze kränkt, /der allertreusten Pflege des der den Himmel lenkt./

Der Wolken, Luft und Winden gibtWege, Lauf und Bahn,/ der wird auch Wege finden da Dein Fuss gehen kann./


138. Tag

Donnerstag, 22.11.2007, 23 km
Krausnick – Gross-Köris

Gefrühstückt wird in der Fleischerei des Ortes und ich bekomme neben Brötchen auch noch Kaffee gereicht. Den Wehlaturm habe ich bald erreicht
und genieße den herrlichen Ausblick. Zum Greifen nahe ist die gewaltige Cargolifterhalle, in der nun ein Freizeitbad eingerichtet ist. Schade, denn die Idee war grossartig!

Als ich ahnungslos durch den Wald marschiere, höre ich plötzlich ein Megafon: Gehen Sie bitte mehr rechts…! Peter mit dem Streifenbulli nebst Kollegin fahren mich zum
Soldatenfriedhof  Halbe. Ewiggestrige machen hier mit Nazisymbolen Aufmärsche, deshalb die präsente Polizei. Peter führt mich über den Friedhof, auf
dem 25000 Gefallene der letzten Kesselschlacht um Berlin liegen. Dazugekommen sind in letzter Zeit die gestorbenen Gefangenen aus den sowjetischen
Internierungslagern. Von wegen gestorben! Man lese einmal die Berichte über das, was man nach der Wende hinter Buchenwald gefunden hat!!!
Herzlicher Abschied von den Polizisten.

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Nette Unterhaltung mit den „Objektschützern“ am russischen Ehrenmal in Teltow.

Die große Richtung heißt Königswusterhausen, von den Leuten hier nur KWH genannt. Ich laufe den Radwanderweg und den Fontaneweg. Kurz
vor der Dämmerung sehe ich ein Schild „Übernachtung ab 13 € „. Nichts wie hin! Das „Schwalbennest“ empfängt mich herzlich. Und Brunhilde
hat mit ihrem Team hier alles im Griff. Ich wähle natürlich das einfachste Zimmer und das beste Essen. Das  tschechische Bier schmeckt auch, ich
darf an den PC, mich heiß duschen und am nächsten Tag nichts bezahlen. Nur das Bier und das Essen. Da hat wieder einmal der Schützer meines
Geldbeutels zugeschlagen! St. Jakobus! „Weil Sie so schön gelaufen sind.“Die ehmalsche Dedeärr is voller netter Menschn!“

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Soldatenfriedhof Halbe, 25.000 Tote, Kesselschlacht südlich von Berlin.  Rundgang mit Peter Schäfer.

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Wehlaberg mit Aussichtsturm; als er gebaut wurde, war Peter Schäfer Bürgermeister. Kann stolz sein!

Eine grossartige  Aussicht bietet sich dem Besteiger. Der Trum steht genau an der richtigen Stelle!

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…welch ein winterliches Farbenspiel! Ausblick vom Wehlaturm. Im Hintergrund irgendwo die „Cargolifterhalle“.

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Hooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooolz, Spreewald

139. Tag

Freitag, 23.11.2007, 28 km
Gross-Köris – kurz vor Köpenick. S-Bahn bis nach Schlachtensee

Es regnet zwar aber der Weg aus dem Schwalbennest führt kilometerlang durch den Wald. Düster und herrlich. Nass werde ich ja nicht. Mein
Material hat sich bewährt, nur der Filzhut wird immer schwerer. Der „Gran Lusso“ aus Italien, Geschenk von Freund Josef Slominski (Slomi), muss

eine sagehafte Qualität haben. Nun hat er bald 12 00 Kilometer  hinter sich und hält immer noch die Form!! Nach KWH nimmt der Stadtcharakter zu. Berlin

naht. Ich laufe so lange bis es dunkel wird. Finde auch eine S-Bahnhaltestelle, deren Namen ich sogar nicht mehr weiß. Köpenick ist die nächste Station. Heute,

ab 24 Uhr will ich mit dem Wochenendticket nach Hause fahren. Da ich ja November schon zu Hause sein wollte, hatte ich 3 Vorträge in der kommenden Woche
angenommen. Die kann ich nicht absagen. Bei Familie Giemulla finde ich herzliche Aufnahme bis kurz vor Mitternacht, wobei die Stunden am
Kamin mit Andrea, Elmar, Anselm, Rotwein und Gitarrenspiel den Tag herrlich ausklingen lassen. Mitternacht geht es Richtung Brilon.

 
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„Stöckchenstativ“ –  wenn der Pilgerstock mit aufs Bild sollte, musste ein Sonderstativ gebastelt werden.

140. Tag

Samstag, 24.11.2007, 12 km
Bahnfahrt Berlin – Brilon. Weihnachtsmarkt Dortmund, Solebad Wischlingen – Brilon  

Der Zug war pünktlich, nicht der von Böll! Doch in das Abteil stürmen halbechte Punker. Jetzt ist der Teufel los. Die arme Schaffnerin kommt kontrollieren und ward
dann nicht mehr gesehen. Eine der „Damen“  zupft solange an den Reflektoren einer Deckenlampe herum bis diese herunterhängen. Den Rest besorgt
dann nach einer ganzen Weile – Täter kehren immer wieder an den Tatort zurück….- ein anderer Halbstarker. Dieser zerlegt den Reflektor langsam aber sicher
und bewirft mit den Alulamellen nun seine heimlichen Liebchen. Ach, ist das lustig! Als der Typ sich dann versucht ins Gepäcknetz zu legen und empfindlich herunterkracht,
ist erst einmal für eine Weile Ruhe. Man leckt sich gegenseitig die Wunden. Ich sitze mitten in der Horde und werde argwöhnisch wie einer von einem 
anderen Stern beäugt. Dass sie mich noch nicht wegekeln konnten, imponiert ihnen offenbar. Aus Prinzip räume ich in solchen Fällen nie das Feld wie die Schaffnerin es tat!!  Ich kenne die Spezies . 30 Jahre
Berufsschulerfahrung haben mich abegehärtet. Doch bevor
ich dem Typen  sage, dass ich und er demnächst mit höheren Fahrpreisen die kaputte Lampe bezahlen müsse, hole ich meinen Pilgerstock aus dem Gepäcknetz.
Ihr wisst schon, widiabespitzt! 
Offensichtlich ist aber  meine Bemerkung zu hoch für ihn.

Als man in Halle aussteigt, fragt mich die Lampendame: „Wo kommen Sie denn her???“ Ich sah für sie irgenwie cool aus. Ich wollte eigentlich sagen, dass ich das eigentlich sie schon die ganze Zeit fragen wollte,
verkneife es mir aber
dann und gehe schweigend aus dem Zug. Und vor diesem Hintergrund wird ein ehemaliger Kollege vor kurzem zum Chef zitiert, weil er vor der Klasse sagte, dass für solche Typen

ein Arbeitslager nicht schlecht wäre. Wenn schon, dann aber bitte verbunden mit einer Reise nach Namibia und Ausflügen in den Etoscha -Nationalpark!! Ich habe diese Massnahmen im ehemaligen

Deutsch-Südwest-Afrika selbst erlebt. Wenn das alles der Steuerzahler wüsste, was sich da Sozialarbeiter mit Tränen in den Augen nicht alles ausdenken!! – Was da helfen würde? ORA ET LABORA! Aber wer mit Neid
und Mitleid von der Psychoanalytischen Pädagogik
aufgepäppelt wurde, kommt ohne massive Hilfe nicht mehr ins normale Fahrwasser zurück!  Und massive Hilfe heisst nicht Mitleid und Neid, sondern eben s.o.! Man wird
schon einen hübschen Namen
für das Wort „Arbeitslager“ ein hübsches anderes Wort finden; denn mit der KZ-Nähe dieses Wortes wird im Moment von den Gegnern  Stimmung gemacht. Ein Tag Hospitation in einer Berufsschule genügt für die
pädagogischen Traumtänzer!— 
Nie wieder möchte ich auf dem Haupt-Bahnhof  Halle warten müssen!! Ein blauweisses Lichtermeer empfängt den Reisenden um 2 Uhr. So kalt wie das Licht, ist auch der Bahnhof. Wenn sie nur einen

Bruchteil dieser verpulverten Kilowattstunden für die Heizung eines normalgrossen Warteraums einsetzen würden…! Eisige Zugluft. Die beiden Security-Komparsen wärmen sich im Servicebüro auf.

Die Getränke- Automaten melden Störung. Rufen Sie Nummer…..Wir kennen diese unverschämten Ratschläge an den Kunden, wenn man wegen Gewinnmaximierung Personalkosten, etc. einsparten will. 
Und dann prangt zum Überfluss über
allem noch das riesengrosse Transparent:

                                         7 TAGE SHOPPEN & GEMEINSAM GENIESSEN. DIE WERBEGEMEINSCHAFT HALLE/SAALE HBF LÄDT SIE EIN.

Einige Fahrgäste drücken sich in die Nische der vergitterten Shoppingpassage, weil da keine Zugluft und ein Hauch von Wärme herausströmt. Nach langem Suchen finde ich ein Schildchen, 25 x 2 cm grosse Schrift:  Warteraum.
Darin liegen 3 Penner auf den Bänken mit entsprechendem Material. Der Boden klebt und süsslicher Fuselgeruch erfüllt den kleinen Raum. Einer Dame und einem jungen Laptopper, die schon lange frierend draußen sitzen, biete

ich an, mit ihnen in die Höhle zu gehen. Denn hier draussen würden sie sich
garantiert einen Pieps holen.  Sie gehen mit. Zuerst lüften wir. Das stört zwar den Schlaf der Schläfer aber
man kann es dann wenigstens aushalten. Gemeinsam ist man auch stark, nicht nur die Erpresser der Lokführergewerkschaft!

Denn bezahlen tut der Bahnkunde die 30prozentige Lohnerhöhung. Das weiss schon ein Schüler nach der
zweiten Wirtschaftlehrestunde! Demnächst lassen die Weichenschmierer ihre Muskeln spielen usw.!
Die beiden „Security-Gardisten“ kommen ab und wann aus ihrem warmen Servicehäuschen und stolzieren über den eisigen Bahnhof. Vorher hatte ich sie wegen des nicht betretbaren Warteraumes

angesprochen. Sie antworteten mir nicht einmal. Stimmt. So eine schöne Uniform wie die beiden Komparsen tragen,  habe ich allerdings nicht! Kleider machen Leute und bei uns Deutschen besonders die Uniform…
Vor Nordhausen kommt eine Gruppe Fußballfans in den Zug. Die zerstören zwar nichts, hinterlassen aber eine Müllhalde. Sie steigen mit mir in Kassel um. Zug nach Hagen. Eine Dame und ich meinen schlau zu sein und rennen

ganz nach vorne in die Zugspitze. Die Horde kommt uns hinterher. Klar, vorne  ist ja immer noch Platz. Trägheit der Leute. Am besten bis den Supermarkt hinein mit dem Auto fahren! Die Dame flüchtet wieder nach hinten, ich in das

kleinere Abteil hinter dem nicht streikenden Lokführer. Bis dahin traut sich die Horde nicht, und ich habe eine ruhige Fahrt. 10 Uhr zu Hause, Marcel,  Inga und Jule holen mich am Bahnhof  Olsberg ab.

Der Wochenendfahrschein ist noch gültig. Nach dem Frischmachen, ab zum Weihnachtsmarkt nach Dortmund und dann in das Solebad Wischlingen. Die Knochen sind wieder sortiert. Um Mitternacht nach Hause gekommen.

 

ERKENNTINS:  DEUTSCHLAND – DU HAST AUCH DEINEN (GEWOLLTEN!) KULTURBRUCH!

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.“..macht kaputt, was Euch kaputt macht“. Gut gelernt von den 68ern! Zerstörte Abteil-Lampe. Ach, wie
war das lustig!

141. Tag
Sonntag, den 25.11.2007, 0 km

Daheim
Vortrag in Wehrstapel über meinen Weg nach Santiago. Über 40 Leute waren da. Ich mache das kostenlos. Im Wesentlichen zeige ich die Dias, die hier in der HP zu finden sind (s. Weg nach Santiago!
linker Balken des Andreaskreuzes. Die Leute sind dankbar und stellen mir viele Fragen: Kondition? Ausrüstung? Wichtige Themen meines Buches.

142. Tag
Montag, 26.11.2007, 0 km
  
Zivilisationsarbeiten zu Hause

143. Tag
Dienstag, 27.11.2007, 0 km
Vortrag in der Schule in Altenbüren: Erziehung zur Konzentrationsfähigkeit. ca. 30 Zuhörer.

144. Tag
Mittwoch, 27.11.2007, 0 km

Zivilisationsarbeiten ….  

145. Tag
Donnerstag, 28.11.2007, 0 km
                             
dito

146. Tag
Freitag, 29.11.2007, 23 km
Fahrt nach Berlin, Köpenick – Brandenburger Tor

Wie man schnell und billig nach Berlin kommt? Einfach! Man klickt „mitfahrgelegenheit.de“ an und sucht sich das Fahrzeug aus. Drei nette junge Leute im Wagen. Frau Migula fährt.
Domi bringt mich um 9 Uhr nach Paderborn und um 13 Uhr sind wir bereits in Berlin-Köpenick. 15 €, kann man nichts dagegen sagen. Es regnet. Ich marschiere sofort los und komme in
der Dämmerung am Brandenburger Tor an. Vorher habe ich das gewaltige sowjetische Ehrenmal im Treptower Park besucht. Polizisten. Objektschutz wie in Halbe. Schenke ihnen meine
Karte. Kommen mit dem Wagen zurück und lassen sich die Karte von mir unterschreiben. Nettes Gespräch. Gruppenfoto. Beim Auspacken der Filme aus dem Rucksack,  zerschellt die Flasche Merlot, die
ich mir als Gastgeschenk mitgenommen hatte und der gute Tropfen färbt den Boden rot. Scherben penibel beseitigt. Den Merlot wäscht der Regen weg. –

Danni kann mich erst um 19.30 Uhr erwarten, ist noch in der Uni und ich lade sie zum Essen in das Restaurant „Zum Ritter“ ein, das ich seit 18 Uhr belege. Es wird ein netter Abend bei Kadarka,

Grillereien und Palatschinken. Der kroatische Koch beherrscht noch die Wiener Küche.


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Pariser Platz. Feine Stube. Mit Teppich und so…! Olli hat als Oberbauleiter die Genossenschaftsbank gebaut.

Müller- Altvater. Stuttgart. Der alte Schwiegervatter is stolz!

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Ankunft im Dunkeln. Deutsches Schicksalstor. 30.Januar 1933: Fackelzug, „… denn wir fahren gegen Engeland.“


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Dani zum Essen eingeladen. Stress mit der Doktorarbeit: Es geht um Blutgerinsel im Hirn. Hier war es Kadarka!Auch rot!


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Unter den Linden. Friedrich der Grosse. Leica M3, Summaron, ca. 10 sec., Stativ war die Jugenstilgaslaterne.

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Teltow, russisches Ehrenmal

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Vor dem trauernden Kameraden fiel mir eine Flasche Merlot aus dem Rucksack. Geschenk von den Frauen aus

Wehrstapel für meinen Vortrag. Alles rot! Unfreiwillige Opfergabe.Der Merlotduft war berauschend. Arbeit mit den Scherben.

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„Weihnachtswies`n“ am Alex. Unweihnachtlicher kann es gar nicht zugehen! Einen kleinen Weihnachtsmarkt seitwärts versteckt, nennt
unsere Hauptstadt „Nostalgischer Weihnachtsmarkt“. Dann sollen sie Weihnachten auch nostalgisch nennen oder gleich abschaffen! Der

protestantische  Dom ist sowieso in jeder Beziehung in den Schatten gestellt:  Schönes Museum und schöne Konzerte und ein schöner Souvenirladen im
Fundament … ohne Stempel. Evangelische Kirchen sind nicht mehr zum Beten!? Sie sind geschlossen, Museen, Ausstellungsräume oder Konzertsäle. Man zahlt
Eintrittsgeld! Rückbesinnung tut Not! Da sag´ mal einer was dagegen!?Ich muss doch doch hier das Sonett von Reinhold Schneider anhängen:

ALLEIN DEN BETERN KANN ES NOCH GELINGEN
                               ( Sonett)

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten

Und diese Welt den richtenden Gewalten

Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:

Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

Was sie erneuern über Nacht veralten,

Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, und

Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

Indes im Dom die Beter sich verhüllen.

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt

Und in den Tiefen, die kein Aug´entschleiert,

Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.

                           Reinhold Schneider (1941)


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