
169. Tag
Montag, 1. November 2004
Greve in Chianti > Castellina in Chianti
28 km (4.701 km)
31.10.2004 22:45 h(SMS)
Italien hat Berge. Vor allem, wenn man mitten durch den Stiefel geht. Am Meer ging es einfacher! Damit meine Wanderung kein permanentes Teuergejammer wird, teil ich nur noch die wirklich unverschämten Preise kommentarlos mit. 1/4 kg Butter 2,30 , 1 l Milch 1,60 . Die billigste Flasche Wein 4,50 . Italien, dass bisher teuerste Land auf meiner Tour!!! Wolfgang.

442. Vor Siena: Oma gibt sich solche Mühe damit und hier ist es Unkraut

1.11.2004 06:45 h(SMS)
Wenn man von Norwegen absieht, bin ich noch nicht hinter diese Lohnpreisspirale gekommen. Habe mein Zelt auf einem offiziellen kostenlosen (!) Stellplatz für Wohnmobile aufgeschlagen. Wurde von einem netten Pärchen, LISA & GREGOR, Neuseeland England, eingeladen. Stifte drei Flaschen Wein. Sie tingeln ein halbes Jahr durch Europa. Finanzierung erst durch Weinlese, jetzt durch Oliven. Spät wirds! Es fiel mir nicht nur das Lied ich fahr min meiner Lisa zum schiefen Turm von Pisa ein. Castellina liegt malerisch. Doch ich liebe keine Drosselgassen. Wolfgang.

444. Castellina, Zelt mit Toskana-Ausblick 445. GREGOR und LISA, Neuseeland und England, 6 Monate durch
Europa. Geld kommt durch Arbeit: Wein, Oliven, Maronen.
170. Tag
Dienstag, 2. November 2004
Castellina in Chianti > Siena
25 km (4.726 km)
03.11.2004 06:10 h (SMS)
Heute gehe ich in die Jugendherberge. Reinigungstag! Am Stadtrand nehme ich den Linienbus. Fahrkarten gibt es nicht beim Fahrer, sondern im Tabakladen im vorigen Ort… Ich wage die 4 Stationen bis ins Zentrum ohne Fahrkarte zu fahren. An der nächsten Station kommt der Kontrolleur. Jetzt bin ich reif! Da steckt mir eine Dame heimlich einen Fahrschein zu. Der Kontrolleur wäre gnadenlos gewesen. Tief durchatmen – Schwarzfahrer! Gruß Wolfgang.
446. Siena, Campo
447. Sie wollte mir aus Montreal etwas ins Gästebuch schreiben
(05.11.2004 Nachtrag per Fax)
Ostello della Gioventú Jugendherbergen, italienisch
Bis auf die beiden Häuser in Brixen und Salurn scheinen sie alle gleich zu sein: Reine Übernachtungsplätze. Möglichst schnell den Gast aus Zimmer und Haus vertreiben (meist 9:00 h), absperren auch wenn man länger bleibt und um 17:00 h wieder aufschließen. Kein Tisch, kein Stuhl auf dem Mehrbettzimmer, zwischen Rezeption und Straße ist dann so etwas wie ein Warteraum. Kurz: Zum gemütlichen Sitzen, Briefe schreiben, selbst etwas essen (vom Kochen ganz zu schweigen!), kein Platz. Der Preis liegt zwischen 13,00 und 20,00.
Von Roms Jugendherberge wurde schlimmes erzählt, da gehe ich dann sowieso auf einen Campingplatz. FLAMINIA, wo ich immer war. Zusammenfassend: Eng, geschlossen, unpersönlich, Abfertigungsatmosphäre, dafür ist das teuer. Dass mit großen Plakaten geworben wird: Wir sind ein Haus und kein Gasthaus! schlägt bei dieser Situation dem Fass den Boden aus.
(19.11.2004 eMail mit Fotos von Oron Vexler, Israel)
Greetings from Israel
Hi Andreas,
I (me and my wife) have met you in Siena Italy on November the 3rd. We have chatted for few minutes. I was really impressed with the journey you took. It brought back memories from the Appalachian Trail I have partly walked (only 1000 Km) about two years ago. But yes Im ready for my next trip … I have just need to peek a destination …
I have tried to read your site … unfortunately I could not read it … I do not read German. (And English in not my main language as well) anyhow I have tried the Google Web translator and I could at get the idea of what you wrote. Tough the Google translator did many funny translation mistakes.
Hope you have fun in your trip. I have a picture of you that I will mail to your email. Have fun and write the book about your trip … I would love to read its translation into English. Have Fun !!! Oron.
448. Oron Vexler aus Israel 449. Sieht schon professionell aus!
171. Tag
Mittwoch, 3. November 2004
Siena > Terme di Petriolo
34 km (4.760 km)
04.11.2004 06:40 h (SMS)
Glücksfall: 30-42° heiße Schwefelquellen. Das fehlte mir schon lange. Naturbelassen. Seit Menschengedenken ein Gesundbrunnen der Bevölkerung. Man wehrt sich gegen die Kommerzialisierung der freien Therme. Ein Hotelclan betreibt Salamitaktik. Treffe hier WOLFGANG aus Eichstätt: Schreinergeselle auf Wanderschaft. Mit Fendt-Trecker, Baujahr 1961 und Bauwagen mit Hobelbank… Bericht und Fotos folgen! Liege nachts in der Therme. Tut Muskeln und Knochen gut. Hoffentlich bleibt das hier erhalten!!! Bin noch im Zelt, Wolfgang.

450. Der Fußgänger kommt noch durch zur… 451. …freien Schwefelrepublik Petriolo, Thermen noch gratis,
ein Paradies
(05.11.2004 Nachtrag per Fax)
Freie Schwefelrepublik Petriolo
Nähert man sich von Siena kommend der Therme (italienisch Terme) Petriolo, so wird die Landschaft stark zerklüftet. Verwinkelte Straßen, steil bergauf, bergab. Plötzlich Ruinen, ein Badehotel, uralte Kirche, von Papst PIUS II (!) eingeweiht, reißender Bergfluss, Wohnmobilansammlung der Kategorie angemietet bis ständiger Wohnsitz. Dampfwolken steigen auf, man tastet sich heran, lugt den Abhang hinab und sieht sie dann: Männlein und Weiblein, all streng zugeknöpft, sogar nachts(!), in Felswannen sitzend, in welche das 42° C heiße Schwefelwasser plätschert. Ab und wann verlässt jemand krebsrot die Wannen, kriecht vorsichtig über die sulfatbeschichteten Felsen zum kühlen Fluss hinunter und taucht ein. Das Zischen kann man fast hören
452. 4 Tage lang roch alles nach Schwefel, 453. Petriolo ein Ort guter Erinnerung,
rechts die Naturwannen die Badewannen, Natursteine schwefelbeschichtet
Petriolo ist ein Gesundbrunnen für die Bevölkerung, deshalb lässt sie sich diesen auch nicht nehmen. Ein Italiener sagte mir: Wenn sie uns das Wasser in ihre Hotels umleiten, wird hier geschossen. Ein Hotel neben der Therme, das jahrelang nach einem Baustopp als Bauruine dahingammelte, sei jetzt fertig gestellt, wirkt aber wie eine belagerte Burg mit hochgeklappter Zugbrücke. Dass sich an einem solchen Platz auch eine gewisse Szene trifft, ist doch normal in einer Welt, die den Menschen in erster Linie als Abzockobjekt betrachtet. Alles friedliche Leute, man verträgt sich. Die heißgefüllten Felswannen verbinden hier Generationen und Schichten. Auf dem Berg über der Quelle wird jetzt wohl richtig zugeschlagen. Das alte Thermenhotel wird erneuert. Berge von alten Klos und Waschbecken liegen im Garten. Das Haus braucht dann richtig Quellwasser. Hoffentlich lässt man denen im Tal noch etwas. Wenn nicht, wie gesagt, wird hier geschossen
454. Petriolo: Das Thermenhotel wird renoviert
Schon in Castellina Begegnungen X – sah ich ihn, konnte ihn nur nicht sprechen, da er lange schläft WOLFGANG aus Eichstätt mit Trecker und Bauwagen, 25 km Höchstgeschwindigkeit. Jetzt steht er auf einmal in Petriolo. Der Fendt, Baujahr 1961, könnte 10 solcher Holzwagen ziehen, aber er zieht nur WOLFGANG, Schreinergeselle auf Wanderschaft mit Gesellenstück (Holztruhe aus Wallnussholz mit Kienspanspalter), Hobelbank, Bett und sonstigem Lebensmaterial. Der durstige Trecker wird momentan mit Speiseöl betrieben. Das Gespann sieht lustig aus. Die Ofenrohrpfeife unterstreicht dies. Er hat einen richtigen Ofen mit Sichtfenster drinnen.
Wolfgang, sagt er mir, wenn du irgendwas brauchst, ich habe alles bei mir! Zweimal habe ihn die Polizei angehalten und alles kontrolliert, sogar seinen Gesellenbrief, nicht nur die Blinker! WOLFGANGs Problem wird wohl das Geld werden, wenn er nicht irgendwie ans Arbeiten kommt. Denn auch Gesellen auf Wanderschaft müssen essen und der Fendt schluckt 20 l; halten wird das Urtier schon! Es könnte schon mal eine SMS nach Hause abgehen: Ich sitze hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr. Ich wünsche dem netten Kerl, der, wie ich, nur das Gute im Mitmenschen sieht, dass er heile wieder in sein braves Eichstätt kommt und vielleicht auch noch neben seinem Hund POGO eine Frau im Bauwagen hinterher schleppt. Ich habe ihm etwas Nettes in sein Fahrtenbuch geschrieben. Wie heißt es in dem alten Lied: Die Wanderschaft ist schönen noch, als sitzen still zu Haus! Und pfeift der Wind durchs Ärmelloch, er pfeift auch wieder raus
455. Abschied von Petriolo, Trecker-WOLFGANG jongliert
172. Tag
Donnerstag, 4. November 2004
Terme di Petriolo > Paganico (Pòrto Ferráio) auf der Insel Elba
32 km (4.792 km)
(05.11.2004 Fax)
Abschied von Petriolo, den lieben Menschen, die mich mit Mineralwasser versorgten und von Trecker-WOLFGANG, der mir meinen Messerstiel mit Zwei-Komponenten-Kleber fixiert.
456. Frühstück im Flussbett, Tisch aus Wackersteinen, der Selbstauslöser klickte etwas zu früh
Umwege oder wie man auf die Insel Elba kommt
Stark hügeliger Weg über die Dörfer. Nach Paganico komme ich mit einem Italiener ins Gespräch, der nach Piombino, also fast westlich ans Meer fährt. Piombino? Das ist doch der Fährhafen nach Elba! Die Hütte von NAPOLEON wollte ich mir doch immer mal ansehen! Keine Frage, MARIO, nimmt mich mit. Ich könne ja mit der Bahn dann bis Grosseto wieder zurückfahren!
Er fährt auf die Autobahn und setzt mich direkt an der Fähre TOREMAR ab. Er musste sowieso hierher. Das glaube ich ihm nicht. Danke. Hin und her kostet 11,90 und eine Fahrt dauert eine Stunde. Das wird wohl NAPOLEONs Gefangenenlager in der Dämmerung werden! Also zuerst zu Bonaparte. Das Kreuzfahrschiff NAUTICA spuckt seine Passagiere gerade auch aus. Gut, dann wird es auch noch eine Führung geben. 3,00. Es scheint, dass alles natur belassen wurde: Bibliothek, Schlafgemach usw. Französische Führung, man sieht es an der Ehrfürchtigkeit der Gesichter. Dass jemand weint, fehlt noch. Es ist dunkel. Porto Ferrário ist dicht bebaut. Das Touristenbüro will mich über die halbe Insel jagen mit dem Autobus! Preis können sie mir nicht nennen. Also, mit der Fähre um 20:15 h wieder zurück.
Zuerst kaufe ich ein und stelle fest: Billiger. 1 Cola, 1 Brot, 1 l Frischmilch, 200 g Aufschnitt, 100 g Schweizerkäse 6,65. Na also! Out of Toskana?! Hungern muss ich nicht! Da, mitten vor dem Hafen: Hotel MASSIMO einige Sterne! Einzelzimmer? Ja, 40,00 mit Frühstück. Ich frage extra noch einmal nach. Ich schlage zu, so bekomme ich wenigsten meinen Schwefelgeruch weg und kann Axel ein Fax senden. Herrliches Zimmer mit Dusche und WC, freundlicher Service. Italien du hast noch nicht verloren!
457. Nach Elba mit der Fähre

458. Kreuzfahrschiff NAUTICA vor der Abfahrt . 459. Napoleons Himmelbett noch nicht von Ikea!
Besichtigungs-Trupps sind an Bord – gegessen wird gleich auf See
173. Tag
Freitag, 5. November 2004
Piombino > Terme dell Osa
24 km (4.816 km)
05.11.2004 20:40 h (SMS)
Vor Mittag Elba verlassen. Beinahe Axels Tochter SONJA getroffen, sagt er mir heute. Mit der Bahn nach Grosetto. Nun immer westlich an der Bahn entlang. Man macht Kilometer ohne Ende. Wenn es nicht immer weiter geht zu den nächsten Häusern laufen, da ist sicher eine Straße! Zelt dans la montagne. A guats Nächtle! Wolfgang.

460. Abschied von Elba, Hafen
06.11.2004 15:30 h (weitergeleitete SMS)
Hi SONJA! Es gibt Telepathie! Irgendwas sagte mir ich müsse NAPOLEONs Haus auf Elba ansehen. Dort lag die NAUTICA. Da dachte ich an Dich! Aber auf der isse nich… Gruß Wolfgang.
06.11.2004 15:30 h (weitergeleitete SMS von Sonja, derzeitig Kreuzfahrschiff Vistamar)
Hallo Wolfgang, bin gerade auf Sizilien und schaue vom griechischen Theater TAORMINAs auf den Ätna. Liebe Grüße SONJA.
174. Tag
Samstag, 6. November 2004
Terme dell Osa > Montalto di Castro
36 km (4.852 km)
06.11.2004 20:30 h (SMS)
BABY DONALD hat mich enttäuscht. Esse seine halbe Pizzeria leer und dann sagt er mir erst nach 1,5 Std., dass er keine 2 m³ Wiese für mein Zelt wisse. Beim Abflug kommt mir ein netter deutsch sprechender Carabinieri entgegen: Woher kommen sie? Schlafen? Dort im Stadtpark! Oder laufen sie noch 4 km bis Marina… Schlafe selig unter Pinien zwischen einem dreischaligen römischen Brunnen und einem einbetonierten deutschen Pakgeschütz. Werde nie wieder ohne Schlafzusage essen!!! Wolfgang.
461. Frühstück
175. Tag
Sonntag, 7. November 2004
Montalto di Castro > Tarquinia Lido
27 km (4.879 km)
07.11.2004 18:10 h (SMS)
Wollte von Montalto Lido eine Strandstraße bis Tarquinia Lido gehen, denn die Via Aurelia ist mörderisch! Fragte beim Kaffee in Montalto einen jungen unfreundlichen dunkel bebrillten Schnösel, ob man auf dieser Straße durchkäme. Als Erster auf meiner Tour antwortete der gar nicht, sondern schaute einfach weg!! Ich ging und musste 5 km wieder zurück und auf die Via Aurelia. Grund: Sackgasse wegen des Arrone-Flusses. Der herrliche Campingplatz hat geschlossen. Dennoch darf ich allein auf den riesigen Platz. Kalte Dusche. Regen. Windig. Gruß Wolfgang.
07.11.2004 20:20 h (SMS)
An den Lidos ist jetzt tote Hose. Soll ich jetzt schon in den Schlafsack kriechen? Von ca. 20 Pizzerias hat eine auf. Mal sehen: Bestelle Antipasto Insalata di Mare Vorspeise reicht! 8,00 . Vino alla spina. Bringt von selbst bianco. 1/4 l 1,60 . Brot ist frisch aus dem Ofen! Wunderbar! Guten Hunger! Wolfgang.
176. Tag
Montag, 8. November 2004
Tarquinia Lido > vor Santa Severa
40 km (4.819 km)
08.11.2004 19:00 h (SMS)
Endlich wieder ein 40iger! Kam früh weg, das merkt man bei den kurzen Tagen! Sonne, doch starker Landabwind. Laufe fast nur am Mittelmeer entlang. Müde! Morgen erreiche ich Rom! Wolfgang.
462. Immer der Küste entlang, Mar Tirreno
09.11.2004 07:20 h (SMS)
Klarer Himmel heißt auch kalt! Axel fragte mich, wie ich mit der kurzen Lederhose klar käme. Gestern Abend sah ich meinen Hauch und floh ins Zelt. Wie in Lappland. Doch habe ich seit Deutschland nur den 1-Kilo-Schlafsack mitgenommen. Da musste ich trixen: Beine wieder in den Rucksack, Lederweste über den Oberkörper, Poncho über alles. Es war mollig war. Nur wenn sich die Zudecken verschoben, spürte ich die Löcher sofort. Jetzt kommt wieder die Sonne! Wolfgang.
463. Santa Severa, Zeltplatz mit Meerblick
177. Tag
Dienstag, 9. November 2004
vor Santa Severa > Rom, Ponte Galeria
51 km (4.870 km)
09.11.2004 22:00 h (SMS)
Hätte das nie gemacht, wenn mir in Rom nicht Pater DOMINIK HÖFER ein Zimmer besorgt hätte. 15 km im strömenden Regen. Dazu schlechte Straße und die brutalen Autofahrer!! Um 18:30 h erreiche ich mein Quartier, Zimmer 10,50 . Abhängen, bei Blitz und Donner! 19:30 h Anruf von Radio VATICANA: Morgen 9:30 h am Obelisk ein Interview. Nette Dame schon wieder! Ein Arbeitsbericht folgt: Der Marsch auf Rom. Wolfgang.
(15.11.2004 Nachtrag per Post)
Der Marsch auf Rom
Hätte ich das alles mit der Audienz gewusst, ich wäre nicht die 51 km an diesem Tag gelatscht. Radio VATICANA hätte auch am Donnerstag ein Interview machen können! Jedenfalls hat mir mein Übernachten im Jobstgreuth eine Schlafstelle in Rom besorgt, nicht als Pilger umsonst, und für die spartanische Ausstattung auch ausreichend bezahlt. Warum ich dankbar bin, wird gleich klar:
Der Kälteeinbruch letzte Nacht, war ja bis Deutschland zu spüren. DOMINIK redet von Schneefall, einen Tag später Axel auch. Der sternklare Himmel war das Zeichen für Kälte, nur dass dann am Morgen Regenwolken aufzogen hatte ich nicht erwartet. Gegen 7:00 h war ich schon auf der Straße und ich wollte heute nach Rom kommen. Morgen ist Audienz! Meine Verbindung zu Radio VATICANA habe ich nicht bekommen. Dafür die Verbindung zu Pater DOMINIK HÖFER, der hier in Rom für seinen Orden SJM ein Weiterstudium absolviert. Er hat eine Art Jugendherberge ausfindig gemacht, die im Stadtteil Eur liegt, also ganz weit im Westen. U-Bahn-Endstation. Man kommt also relativ schnell ins Zentrum. Wenn ich nahe der Stadt bin, wollen wir uns verständigen. Pater HÖFER hat ein Auto.
Stramm laufe ich die Via Aurelia. Ohne Angriffe, was sich später dramatisch ändern soll. In Cerendva mache ich zum zweiten Mal Rast und freue mich schon, nach Palidoro auf eine kleine Nebenstraße ausweichen zu können. Im Supermarkt empfängt mich gleich der Chef! Wo kommen Sie her? Darauf erzählt er das jedem Kunden, ich bekomme die ersten Geschenke in Italien wenn man von Südtirol absieht einen Café-Latte und eine extra gute Flasche Wein. Das stimmte. Die kleine Straße entpuppt sich als die Hölle. Sie verläuft parallel der Autobahn und ich dachte, sie wäre deshalb frei. Anfangs stimmt das auch. Als jedoch nach Accarese auch noch starker Regen einsetzt und die Straße völlig ohne Randstreifen ist, werden die letzten Kilometer zum Horrortrip. Als es wegen des Regens auch noch früher dunkel wird, verzweifle ich fast.
Die parallel verlaufende Bahnlinie betrachte ich sehnsüchtig aber es gibt keine Haltestellen. Ich wäre gefahren!! Etwas feucht und im Regen marschieren bin ich ja gewohnt aber hier kommt einfach zuviel Bösartiges zusammen. Von wegen, die kleine Straße ist leer, wenn die Autobahn nebenher läuft! Sie donnern hier entlang, hier ist es gratis!! SMS vom Pater, ob ich mich auf der Muratella bewege? Antworten Sie mal im strömenden Regen mit permanent angreifenden Autos und inzwischen tun das auch die Lastwagen. Nach einigen Kilometern kommt ein Anruf von Pater HÖFER. Er kommt mir entgegen! Ich hätte noch einen Kilometer bis zum Ziel laufen müssen.
466. Rom voll gepackt. Solch eine Aufnahme wollte ich immer
schon einmal machen. Blende 22, 6 Sekunden.
Rein in den Wagen und durch das triefende, hupende, schlangenvolle Rom. Die Jugendherberge ist durch hohe Zäune abgesichert: Toskana in der Stadt! Man kommt nur über die Sprechanlage hinein. Die werden schon wissen warum. Das Zimmer ist spartanisch. Keine Seife, kein Handtuch, das Spülbecken entleert sich in den Abfalleimer. Ich schütte ihn ins Klo auf der Etage. Ich zahle 10,50 pro Nacht, was für Rom wahrscheinlich billig ist. Vor allem habe ich ein Einzelzimmer, das warm ist, und die Duschen sind heiß. Pater HÖFER lädt mich ab und schenkt mir noch ein Tagesticket für Rom Danke.
Ich esse aus dem Sack und stelle fest, dass rohe Auberginen mit Salami oder Schweizerkäse, gesalzen und gepfeffert, gut schmecken. Kochgelegenheit gibt es hier nicht. Schon vermisse ich mein Kochgeschirr.
Pater HÖFER hat mir freundlicherweise den Weg zu Radio VATICANA freigemacht und um 18:00 h ruft eine Dame mit angenehmer Stimme an: Interview morgen um 9:30 h am Obelisken, Petersplatz. Audienz ist um 10:30 h, das schaffe ich gut! Ich nehme eine zweite heiße Dusche und lege mich ins Bett, irgendwas habe ich in den Knochen. Ich erhole mich gut. Als ich um 4:00 h wach werde, merke ich, dass ich noch keine Wäsche gewaschen habe. Mit den verschwitzten Sachen in die U-Bahn, zum Interview, zur Audienz? Ich belege sämtliche Heizkörper im langen Flur.
178. Tag
Mittwoch, 10. November 2004
Rom
12 römische km (4.882 km)
11.11.2004 20:10 h (SMS)
Interview Radio VATICANA. Bummeln. Ausschlafen. Bericht und zwei Filme folgen per Post.
467. Petersdom, Blitz, Regen, Donnerwetter!
468. Petersplatz, man ist ziemlich allein bei diesem Wetter
(15.11.2004 Nachtrag per Post)
Rom, Radio VATICANA, Audienz im Petersdom, Bett
Das Handy weckt um 6:30 h. Die Sachen sind fast trocken. Noch etwas wenden, placieren. Um 7:45 h gehe ich aus dem Haus, vorher hatte ich festgestellt, dass mein Zweithandy, das mir MARCEL zugesteckt hatte, nicht mehr aufzufinden ist. Ich weiß nicht, was für Leute hier wohnen. Ich hatte die Tür nie abgeschlossen. Es wird also doch geklaut. Nun geht die schwedische Karte auch nicht mehr. Verloren habe ich es nicht! Vielleicht taucht das Handy heute Abend doch wieder auf (Nein, es tauchte nicht…).
469. Rom, Piazza Venezia mit Capitol
Die U-Bahn-Station ist 10 min. entfernt. Solch einen Ansturm kenne ich nur von Bildern aus Tokio! Obwohl ich nur in Termini umsteigen muss, bis ich erst um 9:28 h am Obelisken. Ich lese: Die Audienz findet man sagt zum ersten Male im Petersdom statt. Die Reporterin naht, man erkennt sich sofort. GUDRUN SAILER hat nur ein keines Täschchen in dem das Aufnahmegerät ist und ein zierliches Mikro, zierlich wie die Dame selbst.
470. GUDRUN SAILER interviewt für Radio VATICANA
Wir verstehen uns sofort gut und an der Frage, wo ich denn mein durch Europa geschlepptes Andreas-Kreuz habe, merke ich, dass sie noch keine Zeit hatte meine Homepage zu besuchen. Meine Ausrüstung habe ich mitgebracht und muss sie den Hörern vorstellen. Da ich ja von Radio SVERIGE weiß, dass die Radioleute dankbar für musikalische Töne sind, spiele ich der Dame mit Gitarre und Mundharmonika einige Melodien vor. Dazwischen läuten die Glocken vom Petersdom und der Lautsprecher kanalisiert die Besucherströme in den Dom. Sie wirds schon rausfiltern! Das erste Mal erzähle ich von meinem kleinen Ziegelstein aus Auschwitz-Birkenau, den ich quer durch Europa trage. Als kleine Sühne für die große Schuld unseres Volkes. Ich war dreimal mit meinen Schülern in Birkenau gewesen. Wir hatten jedes Mal einen Kranz dort niedergelegt. Die Schleife dafür druckte uns der Gärtner in Olsberg immer gratis: Allen Opfern der Gewalt.
Ein erster Stein liegt schon auf dem Steinberg mit dem eisernen Kreuz am Camino in Spanien.
471. Link zu Manjarin (28. Juli 2000)
(eMail an Wolfgang am 10.11.2004)
Name: Radio Vatikan www.gudrunsailer.com
Telefonnummer: +39 / 06 / 698 84 101
Mitteilung:
Liebe Leute,
wir bringen heute im Nachrichtenmagazin um 16:00 h einen kurzen O-Ton von & mit Wolfgang Andreas. Die Langversion kommt heute Abend bei uns um 20:20 h sowie morgen um 6:20 h und außerdem heute Abend um 18:00 h u. a. bei Radio HOREB und DOMRADIO Köln.
Gudrun Sailer
mit vielen Grüßen aus Rom!
Link zum Interview-Mitschnitt Radio VATICANA 4:30 min.
472. Audienz, der Poncho verdeckte meine nackten Knie im Petersdom
473. Audienz für deutsch- und englisch sprechende Besucher. Ganz vorne der Papst.
Das erste Mal findet die Audienz im Petersdom statt.
Die Reporterin schleust mich ohne Karte mit ihrem Dienstausweis in den Petersdom und ich erlebe die Audienz des großartigen Papstes, der mit dem Tragen seines Leidens der ganzen Welt ein Vorbild ist und unbeirrbar den Weg des Glaubens geht. Wenn ich auch keine rote Privelegierten-Karte besitze, damit ich noch 10 m weiter vorne hocken darf, ist die Atmosphäre feierlich und zugleich fröhlich. Als eine junge Amerikanerin fast weint, weil sie nichts sieht und kein Foto schießen kann, erinnere ich mich an das Oktoberfest und nehme sie zur großen Freude auf die Schulter. Kaum war sie oben, ging es los. Ihr wurden bestimmt 20 Fotoapparate aus der Umgebung angereicht. Ein Klick nach dem anderen war zu hören.
474. Girl aus USA, sie sah nichts, weinte fast, ich nahm sie Huckepack
Da ich ja Rom in- und auswendig kenne, begnügte ich mich mit einem Spaziergang bis St. Paul vor den Toren, wo ich meine Metro bestieg und in mein Spartakusheim fuhr und mich wieder ins Bett legte. Am Abend spielten mir DOMINIK und später auch noch SCHIME die Sendungen von Radio HOREB und Radio VATICANA übers Handy vor. Sie sind gleich und beide meinen, ich habe mich gut verkauft. Herzlichen Dank für Eure Mühe. Morgen will ich wohl noch einen Tag durch Rom tingeln und übermorgen gehts dann die Via Appia, die Mutter aller Straßen, gen Süden Richtung Neapel.
Zeit um Berichte zu schreiben habe ich nun, aber das Theater mit dem Faxen setzt sich jetzt fort. Obwohl auf der Hausadresse eine Faxnummer steht, sagt die Hausdame es ginge nicht, ich soll nach Termini, das ist der Hauptbahnhof und liegt eine Stunde von hier weg. Es sind doch immer nur Telefonkosten die entstehen!! Mit Faxen verdienen die ab Florenz richtig Geld. Eine Seite 3,00 – 4,00 ist gar nichts. Das ärgert einen schon ein bisschen. Also muss wieder die gute alte Post herhalten, aber die ist ja wirklich schneller geworden. Denn vor Jahren dauerte und dauerte und ein Brief aus Italien. Vielleicht hat Ferrari für Rückenwind gesorgt
Fußgänger du bist ein Nichts
Wäre ich von Sizilien zum Nordkap gelaufen, hätte ich jeden Tag aufatmen können. Nun denke ich mit Sehnsucht meiner nordwärts liegenden Strecken. In Italien ist nur der etwas, der etwas Brummendes lenkt und seien es auch nur 50 Kubik! Möglichst schnell und möglichst laut muß es sein. Hört ihr mich, seht ihr mich! VIP. Weil das so ist, gilt der Fußgänger absolut nichts. Ja, was hat der überhaupt auf der Straße verloren?? Die Bankette fallen oft schroff ab und sind ein Depot für Müll aller Art. Tote Tiere verwesen vor sich hin. Abdeckerdienste wie bei uns? Dass ich mich der Millionenstadt Rom nähere, signalisieren nur die sich häufenden platt gefahrenen Ratten. Ihr wißt schon: Eine Stadt hat so viele Ratten wie Einwohner. In Fernost filetiert man sie… Es scheint aber auch sehr lange das liegen zu bleiben, was den Straßenrand bepflastert. Dagegen die paar Dosen in Schweden !

475.CANTINA NOVA, das waren wohl die Innereien der alten Kantine
Hier hat einer wohl die Sanitärkeramik seines überholten 10-Familienhauses abgekippt, geschickt hinter eine Mauer, vom PKW aus nicht sichtbar dem Fußgänger bleibt nichts verborgen. Auch nicht, dass das Gestrüpp oft Dornen das in die Straße hängt und ich meinen Radstreifen oft verlassen muss. Wenn es den wie oft gar nicht gibt, muss ich fast auf die Fahrbahnmitte ausweichen.

476. Slalom-Walking Fußgänger, du bist ein Nichts!
Nach Vorschrift gehe ich links. So kann ich wenigsten den potentiellen Mördern ins Auge sehen. Auch kann ich hervorragend das Fahrverhalten analysieren und gegebenenfalls auch blitzschnell reagieren. Einmal half mir vor Trient nur noch ein Sprung in den Graben. Meine besonders rücksichtsvollen Freunde durch sechs Länder Europas, die LKW-Fahrer, sind hier im 7. Land die rücksichtslosesten. Auffallend ist besonders wie bisher nie erlebt die sehr späte Reaktion der Lenker, die oft erst 8 10 m vor mir einen Schlenker um mich machen. Sind die so abgelenkt? Bei den Geschädigten, die da mit 2 x 50 Watt wuffta-wuffta durch die Gegend fahren, kann man das verstehen, aber halbwegs Normale? Dass Italien die Wohnmobile mit rot-weiß gestreiften Quadraten hinten bepflastert, wenn sie nur ein kleines Radl angehängt haben, mag eine Reaktion des Verkehrsministers auf die mangelnde Reaktionsfähigkeit seiner Landsleute sein.
Wenn bei uns von Sicherheits-Experten das Fahren mit Licht bei Sonnenschein gefordert wird, sind die Italiener die ersten, die mit Blaulicht fahren müssen. Ein Wahnsinn, obwohl die Medizin und Psychologie schlagkräftige Gegenargumente der Reizforschung einsetzt, nein, man soll tagsüber mit Licht Blaulicht fahren. Eine Aktion der Lampen und Kranken und nicht zu vergessen: der Mineralstoff- und Batterieindustrie. Mehr zu dem Fußgängerthema gibt es dann kurz vor dem Ziel, wenn ich mir ein umfassendes Urteil bilden kann. Nur eines kann man jetzt schon sagen: Der Typus Autofahrer ist gleich nur die Nuancen verschoben sich auf meinem 7-Länder-Trip. Also, drückt mit die Daumen, dass ich heile da unten ankomme!
Gedankenlosigkeit
Friedrich Dürenmatt schrieb an irgendeiner Stelle, dass die Gedankenlosigkeit eines der größten Übel unserer Zeit sei. Und er setzt noch einen drauf: Bertolt Brecht dachte deshalb so unerbittlich, weil er unerbittlich an Vieles nicht dachte. Man sortiert also sein Denken in Schubladen. Eine macht man immer wieder auf, die anderen lässt man gefälligst zu! Als Altbundespräsident Roman Herzog, der in Berlin zwei der wesentlichsten Reden der letzten 10 Jahre hielt, eine ist als Ruck-Rede bekannt, klatschte alles Beifall. Recht hat er! Denn ein Teilchen passte auch in seine Lieblingsschublade . und nichts änderte sich! Ein mir gut bekannter Jurist, der seit Jahrzehnten mit höchsten russischen Stellen zusammenarbeitet, erzählte mir einmal: Wenn ich vor 20 Jahren nach Russland kam, schauten die Sowjets voll Ehrfurcht auf unser Wissen, unsere Technologie. Heute merken sie langsam aber sicher, wie blöd wir geworden sind.
Ich schließe gern von kleinen und kleinsten Dingen auf die Großen: Da kaufe ich einen Schritt- und Kilometerzähler, digital, für meinen Marsch. Hübsch! Man kann ihn an den Gürtel stecken. Toll! Ich bücke mich einmal, da bricht die Klammer ab mit einem Band vom Straßenrand und Spachtel aus der Karosseriewerkstatt pfriemle ich nur eine Notlösung. Sie hält jetzt bald 10.000 km! Freund JÜRGEN WREDE schickt mir ein Briloner Wappenschild für meinen Pilgerstock. Das Wappen ist aus Pappe. Beim zweiten Regen löste sich der Petrusbrunnen und das halbe Rathaus ab welche gedankenlosen Trottel müssen das konstruiert haben?!
Wolfgang, das erste was ein Manager lernen muss ist das Delegieren, sagte mir ein Freund, Topmanager einer der größten Brauereien der Republik. Jau, jau! Das kann man mit Lohn- und Postenabhängigen machen, aber doch nicht mit einem Freund! Praktisch sieht das dann so aus: Da läuft man 30-40-50 km bei Regen oder Sonne, sieht außer Schilf und Straße nichts. Da bittet man einen Freund mit Managerschulung um einen Gefallen. Der Rückruf kommt so schnell, wie geschwind sich die Web-Seite öffnet. Also, Wolfgang, da gebe ich dir jetzt mal eine Nummer und wenn du dann in Verona bist Herrgottnochmal! Wo ist der Kuli, wo ist Papier, wie bitte, ich kann dich nicht hören. Also ich rate dir, wenn du dann dort bist Ich möchte fast maulen: Hilf mir erst aus meinen Nöten, Freund, die Rede kannst du nachher halten (Das war nicht von mir, das hat irgendein Großer mal gesagt!) Es ist klar, warum diese Typen das so machen: Stellen sie die Verbindung selbst her, kostet das Zeit = Money und sie sind dem anderen von nun an etwas schuldig, was sich bei den nächsten Verhandlungen auf den Preis auswirken kann.
Ich habe versucht, mich im Leben auf die Bitte eines Freundes immer selbst einzubringen, oft auch zu meinem Nachteil. Freund soll Freund und nicht Geschäftspartner sein! Siehst du, Axel, bin ich doch wieder ans Philosophieren geraten, nachdem ich meine Preis-Schublade nur noch selten öffne! Und ich habe das Verlangen, Dir als ersten Managertyp zu danken, der mich als Freund behandelt: Du hat dir Gedanken gemacht und gemerkt, dass man den Wolfgang auf solch einem Marsch nicht von Internet-Café zu www-Point jagen kann, sondern Du tippst meine Post-Fax-SMS-Berichte in die Homepage, obwohl Du wirklich genug andere Arbeit hast. CHRISTEL vergesse ich dabei nicht!
WERNER SCHIMION war immer ein Freund manchmal erschreckend selbstlos! Er dachte nach und handelte: Wolfgang, du kommst schwer an einen PC. Weißt du, ich lese dir am Telefon regelmäßig deine Gästebucheinträge vor. Danke, danke ihr lieben Freunde!
179. Tag
Donnerstag, 11. November 2004
Rom
14 römische km (4.896 km)
11.11.2004 20:10 h (SMS)
Bin jetzt das 27. Mal in Rom. Das erste mal ohne Schüler!! Kein Planen, keine Sorgen, kein abendlicher Fetenstress! Als THEO nach dem Sekt in Flaminia auf dem Tisch tanzte und UNS FERDI mir mit seinen Schmiedepranken immer auf die Oberschenkel haute. Es waren schöne Zeiten. Doch jetzt merke ich, wie schön Rom eigentlich sein kann. Und nun hat das spartanische Zimmer auf einmal einen ganz anderen Stellenwert. Gruß Wolfgang.

477. Capitol, Demo gegen ? 478. Russischer Kramstand: Alle Ditatoren der Welt gibt es zu kaufen
(15.11.2004 Nachtrag per Post)
Es regnet den ganzen Vormittag und ich bin dankbar, hier einige Berichte schreiben zu können; auf der Strecke käme ich nicht dazu. Zuviel wird dann vergessen. Ich sitze hier im Faschisten-Rom. Mussolini ließ diese Pompbauten errichten: Antike Säulenkollonaden viel Steine und wenig Zweck. Ein Steinwurf weit, schimmert das Denkmal von Benito Juarez durch die Bäume. Wer einmal das Rondell betreten hat, muss an ihm vorbei. Jetzt um 12:00 h hat der Regen aufgehört und ich rüste mich für einen Marsch durch Rom Vorher will ich doch mal durch die Prachtbauten vor der Jugendherberge klettern. Dann die Post mit neuen Filmen abschicken. Morgen geht es weiter. Wie gesagt. Via Appia antica, go south!
P.S. Wie macht man in einem Haus ohne Kochgeschirr etwas Kaffee? Man schneide eine Plastikflasche zur Hälfte durch (siehe Abfalleimer), spüle sie gehörig aus, fülle Nescafé, classic, ein und fülle das Gefäß mit kochend heißem Wasser aus dem Kran. Plätzchen habe ich gestern gekauft. Buon Apetito!

479. die Brücken von Rom ganz nahe an der Engelsburg
180. Tag
Freitag, 12. November 2004
Rom
18 römische km (4.914 km)
13.11.2004 19:30 h (SMS)
Bericht folgt per Post.
(16.11.2004 Nachtrag per Post)
Rom ist schön braucht man nicht zu sagen. Ich sag es dennoch, denn mit meinen deutschen Augen muss man erst einmal den Dreck wegdenken, der da überall herumliegt. Blickt man dann nach oben in die Fenster des 1. oder 2. Stocks, so sieht man die vergoldeten Kassettendecken, die Lüster und da drinnen ist es dann eben sauber. Die Straße ist eben ein Nichts, einschließlich des darauf laufenden Fußgängers. Im Haus zieht man sich gefälligst die Schuhe aus. In Polen gibt es eine ähnliche Einstellung.
Also, heute noch einmal Rom! Tagesticket gekauft, 4,00, gilt für alles, nicht wie in München mit den blöden Kreisen. Das ist ausgesprochen billig hier, generell die öffentlichen Verkehrsmittel. Auf den deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico im Vatikan, darf man nur von 7:00 12:00 h, das ist schon eine Einengung gegenüber früher. Die Schweizer Garde lässt in den Vatikan keinen rein, außer er sagt das magische Wort Deutscher Friedhof. Das ist seit Karl dem Großen so. Pilger, die in Rom sterben, haben das Recht in deutsche Erde begraben zu werden. Wie gerne würde man dieses Privileg wegen der Sicherheit kippen aber das darf nicht sein, ein altes Recht. Ein krakelender Stadtpolizist kommt hinter mir her. Doppelte Kontrolle. Ich verstehe ihn nicht und reiche ihm die Hand Deutscher Friedhof. Ich darf gehen und lege bei Stefan Andres eine Rose nieder. Ein herrlicher Ort der Stille im Schatten des Peterdomes. Dann zu den Katakomben auf der Via Appia, die ich morgen laufen werde.

480. Campo Santo Teutonico, eine Rose für STEFAN ANDRES
Mittagessen gut und teuer ein einem Restaurant HISTORIA ANTICA ROMA. Errichtet am Grabmal, wo man früher die Urnen der gestorbenen freigelassenen Sklaven des Kaisers Augustus deponierte. So was lieben die Römer: Altes Gemäuer mit antiker Geschichte, begehbar und beessbar gemacht. Das darf nicht glatt verputzt sein, und die Urnennischen muss man auch noch sehen. Die zu bratende Scholle wird zappelnd den Gästen gezeigt. Prego! Die Familie zeigt sich als Karikatur beim römischen Schlemmermahl.

481. Mittagessen, der Sankt Petrusfisch zappelt noch 482.
483. Familienbetrieb alle karrikaturisiert mit diesem Lebensstil soll Rom untergegangen sein…
Bei Quo Vadis vorbei, S. Giovanni im Lateran, S. Pietro in Vincoli, noch mal den Moses ansehen, Piazza Navona und Sit-in auf der spanischen Treppe. Irgendwo in einer Straße von der Treppe aus hat Goethe gewohnt. Ich finde die Tafel nicht mehr. Die Leute schauen schon blöd, weil ich nicht auf die Geschäfte sondern immer nach oben gucke. Ich muss mich informieren. Das nächste Mal. Nur zweimal taucht Garibaldi auf. Heimfahrt mit der Metro und früh ins Bett. Morgen wird marschiert!
484. Rummel bis spät in die Nacht. Straße zum Trevi-Brunnen.
Touristischer Hauptkampfplatz. Three coins in a fountain!
181. Tag
Samstag, 13. November 2004
Rom > Fontane de Papa
34 km (4.948 km)
13.11.2004 19:30 h (SMS)
Komme zufällig an der Gedenkstätte für die 335 Naziopfer vorbei. Würdig gestaltet. Bin fast 20 km über die Via Appia Antica geholpert, die Mutter aller Straßen. Rent-a-bike, so ein Quatsch! Vor lauter Umfahren der Schlaglöcher kann man nichts sehen. Die beiden deutschen Lehrerinnen schoben dann ihr rent-Radl. Viele Grabmäler stehen noch. Ist Italien nach Rom anders? Die Leute gehen auf mich zu. Bekomme Weintrauben geschenkt. Man führt mich zu einer Mineralquelle. Toskana ade! So habe ich mir Italien vorgestellt. Liege im Weinberg. Wolfgang.

so war sie einst wirklich und jetzt nur noch die Hunde
182. Tag
Sonntag, 14. November 2004
Fontane de Papa > vor Sezze
39 km (4.987 km)
14.11.2004 20:30 h (SMS)
Seit letzter Nacht weiß ich, warum die Apeninnen-Halbinsel so viel Wasser hat. 12 Stunden Dauertrommelregen. Wer gab mir nur ein, das Zelt auf den schon abgeschnittenen Weinranken aufzubauen? Wäre sonst mit samt dem Schlamm weg geschwommen. Das war die härteste Nacht der bisherigen Tour! Wie kalauerte Kollege GEROLD KÜHNL immer auf unseren nie einfachen Klassenfahrten: Was uns nicht tötet, macht uns nur noch härter. Wollte mir ein Zimmer nehmen, fand aber keins. Der Regen kam den ganzen Tag über Tröpfeln nicht hinaus. Liege jetzt unter Ölbäumen und hoffe auf eine trockene Nacht. Wolfgang.
183. Tag
Montag, 15. November 2004
vor Sezze > Gaeta
28 km (5.015 km)
16.11.2004 08:30 h (SMS)
Festungszimmer gemietet, 20,00, 2 m dicke Mauern, Tonnengewölbe. Nichts geht mehr. Sende morgen ausführlichen Bericht per Brief oder Fax. Heute ist ein Sonnentag mit 22° C gewesen. Gruß Wolfgang.
487. Von oben konnte man den Angreifern Steine auf den Kopf werfen Sezze
488. Gaeta
(22.11.2004 Nachtrag per Post)
Wo schlafen Sie?
Man braucht gar nicht die Sprache des Landes zu sprechen, denn man wird eh immer das Gleiche gefragt. Die Reihenfolge der Fragen zeigt deutlich an, was hier zählt. Im Kommunismus-Osteuropa kam, wie das Amen in der Kirche, immer folgende Fragenkonstellation an den Westler heran. Als erstes wurde die Himmelsrichtung geklärt: Bonn oder Berlin? Kam man aus Berlin, wurde man schnell abgehakt, das war mit kleinen Unterschieden gleich. Man kannte die Tauschobjekt: Kaviar, Bernstein, Silberschmuck, Schinken, Briefmarken etc.! Kam man aus Bonn kam fast immer:
Klar, wie immer im Leben: Die Frage nach der freien Spitze: Was bleibt Dir, wenn Du alles Lebensnotwendige abziehst, für den Luxus. Danach wurde die Lebensqualität statuiert. Die Polen fragten gar nicht nach den Lebenskosten, sondern rechneten gleich DM in Zloty um. In Polen war ich stets der reiche Onkel aus Amerika Ich amüsierte mich immer, wie meine so genannten linken Freunde und deren habe ich einige mit dem Geld der Kapitalisten strunzten und eine Runde nach der anderen schmissen. Hätten sie das was sie wollten, säßen sie auf der anderen Seite. Da konnte man ja eigentlich nur schizophren werden
Hier in Italien ist die Fragenstellung ebenfalls genormt:
Die Frage nach der Nahrung wie in Schweden -, entfällt hier. Überall steht ja hier eine Fressbude herum! Jeden Tag ein Zimmer zu nehmen, wäre für mich nicht bezahlbar, nicht, weil ich es nicht könnte, sondern weil ich es nicht will. Was wäre mein Weg ohne Quälerei (siehe meine vorigen Berichte)? Laufen vom 4-Sterne-Hotel zum anderen, möglichst mit Gepäcktransfer, Wellness-Programm am Abend und Diätenkoch. So was könnte sogar TUI verkaufen! (Bezahlt muss dann natürlich vorher werden, wie bei den Rafting-Fahrten durch den Grand Canyon )
In Italien ist das freie Zelten eigentlich nicht erlaubt, aber wie so viele Verbote hier, wird auch dieses nicht so genau genommen. Wenn man den Eigentümer fragt, ist es sowieso erlaubt. Also fragt man, oder man hat eben immer gefragt. Was wertvoll ist, ist sowieso eingezäunt und von Hunden oder Elektrozaun abgesichert. Was soll ein Bauer schon sagen, wenn mein Winzlingzelt unter einem Olivenbaum steht? Man verschwindet einfach in der Dunkelheit. Das Beste ist, dass keiner weiß, wo man ist. Mein Schnarchen muss ich bei diesem Vorgang einberechnen. Ich schlafe grundsätzlich nicht in der Nähe von Parkplätzen und Häusern. Natürlich, wenn ich gefragt habe, schlafe ich auch im Garten der Pizzeria. Am liebsten, wie gesagt, ist es mir, dass keiner weiß wo ich bin. Ich habe bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Menschen Europas sind nett.
Die Kirchenleute habe ich bisher immer reserviert angetroffen. Im ersten Moment denken sie halt, dass ich sie anpumpen will. Aber so sehe ich eigentlich nicht aus. In Cisterna schirmte mich der Kirchenküster vom Pfarrer ab und schickte mich am Sonntagnachmittag zum Sozialamt GIASOLE CORSO REPUBLICA No. 217, den Zettel habe ich mir aufgehoben. Ich will doch nicht mehr als zwei Quadratmeter ebenen Boden in einem privaten, in diesem Fall im kirchlichen Bereich. Ich werde es noch praktizieren und in dem direkten Bereich der Kirchen mein Zelt aufschlagen, wie es die Pilger jahrhundertelang taten. Die meisten Pilgerkirchen haben einen Vorbau. Eben deswegen.
Wasseradern hin, Erdstrahlen her, ich schlafe an verschiedenen Stellen unterschiedlich gut. Das habe ich nun oft beobachtet. Der Beweis wäre erbracht, wenn man ein zweites und drittes Mal an der gleichen Stelle gut schläft. Ich las einmal, dass die Bauern ihre Häuser dort hinstellten, wo sich Hunde wohl fühlten. Katzenplätze mieden sie. Zurzeit habe ich ausgiebig Schlafenszeiten: 11 bis 12 Stunden, da es schon früh dunkel wird. Da ich im Durchschnitt 5,5 km pro Stunde gehe, muss ich schon um 7:00 h auf der Straße sein, denn Pausen müssen auch gemacht werden! Und ansehen möchte ich mir auch viele Dinge. Ich bin kein Europaraser! Die längsten Aus-Zeiten verbringe ich im Gespräch mit Menschen. Also: Ausschlafen kann ich in Italien am meisten.
(22.11.2004 Nachtrag per Post)
Mit 28 km kommt man nicht von vor Sezze nach Gaeta, aber ich bin rund 20 km mit der Bahn gefahren und zwar von Fossanova bis Fondi. Grund war ein fast 8 km langer Tunnel, der mir eine große Strecke ersparte, den aber nur die Bahn befuhr. Das Bahnfahren ist spottbillig. Die Fahrkarten kauft man wenn kein Schalter da ist in den Tabakgeschäften. Man kann nur volle 10ner-km-Karten lösen. Ich musste 20 km lösen. Wer ohne Fahrschein erwischt wird, zahlt 100,00 Strafe, sagte mir ein deutsch sprechender Kontrolleur. Dieser schwärmte mir auch etwas von Sperlonga und Gaeta vor, weshalb ich einen Umweg einlegte und ans Meer lief.
Wer hat schon einmal etwas über Gaeta gehört? Man donnert nach Monte Cassino, Napoli, Vesuvio und Pompeji. Aber wie herrlich sind die Orte hier an der Küste!! Vielleicht meiden wir Deutsche die Strände südlich von Nettuno, weil hier die Alliierten nach Paestum den Hauptbrückenkopf errichtet hatten. Wie ein rundes Tablett liegt die Invasionsfläche unter mir, denn ich marschiere etwas erhöht landeinwärts. Die alten Männer braucht man nur antippen, schon sprudelt der ganze Kriegsbericht heraus: Ja, die Americanos! Freund PAUL HOFMANN aus Eslohe, der Heinz Rühmann in Quax der Bruchpilot doubelte, kurvte damals hier mit seiner Maschine herum und griff die endlose Kette von Invasionsschiffen an; er erzählt oft davon, klar.
Ich latsche hier durch den hellen Sonnentag. Über 20° C, während ihr bei 0° – 5° C herumschnattert. Gaeta ist eine Bilderbuch-Seefestung mit Castello und einem Haufen kostbarer Kirchen. Am Kiosk frage ich nach einem Pensionszimmer. Mehrere Hilfsbereite nennen DA CIVITINA, Leone 8. Mitten in alten Häuern. Erreichbar nur über eine enge, steile Stiegengasse, wie sie den Bergstädten eigen sind. Empfangen werde ich von zwei alten Damen. Die eine redet, die andere handelt. Also 20,00. Sie zeigt mir offensichtlich das einfachste Zimmer des Hauses. Vergittertes Fenster in 2 m Höhe, 80 x 80 cm. Toilette und Dusche draußen. Ich sage zu. Ich will zwei Tage bleiben. Wenn sie mir die zwei Tage nicht für 30,00 gibt, fahr ich nach Sperlonga zurück in die Jugendherberge. Der Kioskmann hatte mich darauf aufmerksam gemacht.
Viel Zeit bleibt wieder nicht zum Stadtansehen. Es gibt eben wieder ein paar Nachtstimmungsbilder mit der Leica M. Sehen wir mal morgen. Gegessen wird aus dem Sack! Was ich bisher von der Stadt sah: Traumhafte Kulisse, voll gestopft mit Kunstschätzen und das alles in einer nach Süden offenen Bucht, also warm. Selbstverständlich grünblaues Wasser! Am Morgen des 16.11. habe ich noch einmal alles überschlagen und bin zum Schluss gekommen, dass ich abreise. Auch für 30,00 bleibe ich nicht. So was finde ich immer wieder.
Das Wetter ist super zum Laufen. Es geht den Golf di Gaeta entlang bis Formia. Dort finde ich einen Internet-Point. Langsam erkennen die, dass man damit Geld machen kann. 30 Min. 2,00. Nach 9 km halte ich an einem Supermarkt und kaufe mir an der Theke ein paar Antipastisachen. Dazu Brot, Milch, Bananen wie immer seit dem Nordkap. Das Verpflegen ist hier einfach.
An einer Blechschmiede halte ich an und bitte um etwas Eisen auf meine Pilgerstockspitze. Bereitwillig schweiß man mir einige Perlen drauf. Das wird jetzt bis Sizilien halten! Doch das hält nur wenige Kilometer. Wir hatten nicht bedacht, dass das glühende Metall das darunter befindliche Holz verkohlte. Die Spitze wird nach innen gedrückt. Ende. Bald finde ich einen starken Gummischlauch, der wird übergestülpt und als Kern ein Stück hartes Holz. Wunderbar. Es klappert und rutscht nicht mehr so auf dem Asphalt.
Doch man macht hier am Golf wenige Kilometer. Der Bürgersteig ist ständig mit Autos zugestellt und die Hauseinfahrten, nicht der Bürgersteig, haben die Fahrbahnebene. Das hat ein dauerndes Gekurve und Gehüpfe zur Folge, denn die Bürgersteige sind oft mehr als 30 cm hoch! Also gehe ich lieber am Straßenrand ebenso wie die Behinderten, was wiederum zur Folge hat, dass man ständig angehupt wird: Geh gefälligst auf den Bürgersteig und kurve und hopse! Auf die Straße gehört nur was brummt und knattert! So bin ich froh, bei Minturno auf einen schönen Strandweg ausweichen zu können. Dort bin ich fast allein. Ich hoffte auf einen offenen Campingplatz, aber alles ist verriegelt und verrammelt. Dafür finde ich einen herrlichen Zeltplatz und einen ebensolchen Sonnenuntergang. Der Sonnenuntergang war schuld, dass ich den Zeltplatz räumen muss. Während ich Fotos mache, kommt ein Biker. Wir grüßen uns. Doch ich bleibe nie, wo man mich in der Dämmerung gesehen hat. Also wieder starten. Nach einigen Kilometern finde ich einen guten Platz auf einer Wiese. Auch gut. Doch das Abendrot signalisierte schon: sternklarer Himmel. Das heißt: es wird kalt und am Morgen und feucht. Die Entschädigung dafür: morgen scheint die Sonne. Napoli lässt grüßen.
489. Eine hintere Stoßstange als Tisch. Am Strand bis du im November alleine.
Nachts muss ich nachrüsten. Das werde ich demnächst auch nicht mehr müssen, denn ich werde um diese Jahreszeit immer gleich beim Schlafengehen die wärmste Version schaffen: Mit dem Schlafsack in den Rucksack, und alles, was noch an Sachen übrig ist in den Schlafsack hinein. Über alles dann den Poncho gelegt. Mehr habe ich nicht. Dann kann nur noch gefroren oder ein wärmerer Schlafsack gekauft werden. Ich bin aber sicher: Kälter wirds nicht mehr, denn es geht weiter Richtung Afrika!
490. Hier wollte ich bleiben. Leider kam dann der Radfahrer. Zwangsstellungswechsel!
Wer sponsert Sie?
Verbunden mit der Frage, wo ich schlafe ist die Frage Wer sponsert Sie?. Die täglichen Eine-Nacht-Einzelzimmer müssen ja ein Heidengeld kosten Wenn ich sage, dass keiner mich sponsert, werde ich zuerst als Lügner angesehen. Erst nach einem Gespräch revidieren die Leute. Ich fühle mich in meiner Rolle sauwohl. In dieser Lage kann ich nämlich schreiben was ich will! Nach Häufigkeit der Frage zu schließen, muss wohl in unserer Umgebung alles so laufen: Wenn der Trainer tönt, warum sein Stürmerass MAIKOLOLOPILLU heute keine Lust hatte ein Tor zu schießen und dass daran natürlich wieder der Schiedsrichter schuld sei, muss völlig deplatziert am Hemdkragen irgendein Logo blinken
Mein Homepage-Künstler Axel (das ist ja auch Werbung, fällt mir ein ) hat einige Zeitungen und Journale wegen meines Laufes angeschrieben und kaum Antworten bekommen. Axel, ich gebe absolut nichts her!! Läuft mit Lederkleidung 6 Monate, rasiert sich (das wisst ihr noch gar nicht) fast täglich seit 6 Monaten mit einem Einmalrasierer, den ich nach Gebrauch über meinen Lederriemen ziehe, ich laufe mit einem Paar (!) Strümpfen (die Dinger lasse ich nach der Reise untersuchen, sagenhaft!), das eine Paar Schuhe hätte von der Sohle auch gehalten, wenn die Wülste an der Ferse nicht gewesen wären und ich kann mich in jedem Restaurant noch sehen lassen. Keiner nimmt Reißaus. Im Gegenteil: Mit dem Abenteurer wollen sie sprechen, denn als solcher gelte ich hier in Italien. Besonders Frauen gehen auf mich zu. Und wenn ich gehe, sagen die Männer meistens: Ja, bei solchen Waden
Also Freunde lasst das! Der Kommerz und wo ist keiner? kann mit mir absolut nichts anfangen! Noch nicht einmal mit zwei Stöcken tickelt er durch die Gegend. Außerdem bin ich political-uncorrect! Ich schreibe halt was ich will! Und dann noch dieser christlich-katholische Tatsch! Igittegitt! Der betet den Rosenkranz, wenn er 7 km unterm Eismeer durch den Tunnel latscht! Und kehrt bei Pfaffen ein die reichen Pächter (siehe Friedrich Schiller!) haben mir noch keine Tür geöffnet. In Frankreich war es so! Bezahlen kann ich das bisschen selbst und wenn mir die Firmen von sich aus nach dem Marsch ein Hemd oder Schuhe schenken so nehme ich sie an. Mit Dankeschön! Aber es muss nicht sein

491. Wo ist die nächste Brücke? So manche Flussmündung musste umgangen werden.
184. Tag
Dienstag, 16. November 2004
Gaeta > vor Cellole am Meer
29 km (5.044 km)
16.11.2004 19:20 h (SMS)
Den ganzen Tag am Golf von Gaeta lang gelaufen. Dicht bebaut, kaum Lücken. Das wird wohl bis Neapel so bleiben! Herrlichen Sonnenuntergang erlebt. Sternenklar. Heute wird es kalt alles nach hiesigen Verhältnissen! Werde nach Ischia zu den heißen Quellen übersetzen. Dann nach Capri und von Sorrento weiterlaufen. Super Plan was? Habe ich heute Morgen beim Café-Latte mit der Dame hinter der Theke ausklamüsert. Da ist es am Schönsten. Neapel, die hohe Schule der Taschendiebe, interessiert mich auch nur aus der Ferne. Gute Nacht! Wolfgang.
185. Tag
Mittwoch, 17. November 2004
vor Cellole > Madragone
24 km (5.068 km)
18.11.2004 13:50 h (SMS)
Deshalb so spät, weil ich vom Hotel ein Fax senden wollte. Aber wie fast immer… geht nicht also per Post: Mozarella, Ricotta, Ratten und Knöpfe… Sonnen und Baden. Wolfgang.
(22.11.2004 Nachtrag per Post)
Früh ist heute Schluss! Ich liege in der strahlenden Sonne am Meer, habe dreimal kurz gebadet (ich schätze 18° C) und habe ein Zimmer in einem 3-Sterne-Kasten für 30,00 genommen. Eigentlich zog mich das Wellness-Schild mit Massagen und Sauna an, doch ich bin fast der einzige in dem Riesenkasten und alles läuft auf Sparflamme. Das macht aber nichts!
492. Kurz ins Wasser. Lange sonnen. Die Steine waren warm.
Es lief gut auf der Straße. Das Zelt wurde nass eingepackt (Tau!) und gefrühstückt (3 x Kaffee-Latte und 2 Teilchen plus eigene Sackverpflegung) wurde in der nächsten Fernfahrerkneipe. Ich muss hier in der Mozarella-Gegend sein, denn eine Käserei folgt auf die andere! Mittags halte ich an der kleinsten Verkaufsbude. Der Mann spricht deutsch, Alter 55, hat in der Schweiz gearbeitet. Ich bestelle zwei gänseeigroße Kugeln und einen Topf mit einer Art Quark. So esse ich das erste Mal bewusst Ricotta. Dazu mein Brot und Salz und Pfeffer. Es schmeckt. 3,00 kostet der Spaß und der Mann bringt mir noch gratis eine Handvoll kleinerer Mozarella-Kugeln: CASEIFICIO S. ANTONIO, FERNANDI GINO. Das war nett und kein Nepp.

493. 1 km Knöppe hätte sie für AARON sammeln sollen zu spät 494.
Der lässt aber nicht lange auf sich warten, denn für 100 g Schinken, 1 l Milch und 50 g getrocknete Öltomaten zahlte ich 6,50. Plötzlich denke ich, ich laufe im Goldregen. Der Ganze Straßenrand ist mit schönen Knöpfen belegt. Das muss ein Geriesel vom Laster gewesen sein. 4 km. Dass die 5,6-Mio.-Stadt Neapel naht, erkenne ich auch an der sich häufenden Anzahl platt gefahrener Ratten
Also im Hotel gehts mir gut, wenn auch alles abhängt, einschließlich der ertrunkenen Katze im Swimmingpool. Werde ichs heute bis Ischia schaffen?
495. Schinken, Schinken über alles. Mezzo Kilo ist ein halbes Kilo!
Normaler Preis: 100 g – 2,50 bis ins Unendliche
186. Tag
Donnerstag, 18. November 2004
Madragone > Quarto (Insel Ischia)
26 km (5.094 km)
19.11.2004 09:40 h (SMS)
In Quarto ist Schluss! Die letzten 5 km bis Pozzuoli mit der Stadtbahn. 3,20 für die einstündige Überfahrt nach Ischia. Hier ist es ruhiger. In Napoli tobt momentan ein Bandenkrieg. Frau RODENSTEIN in der Touristinformation hilft und ich wähle das Hotel ORIENTE, 43,00 mit eigenen Thermen. Massage im Haus, alles Paletti. Gruß Wolfgang.
496. Vino Rosso und Bianco fließen aus dem Kran, nur kein KROMBACHER
497. Nach dem Essen musste ich mit der Truppe einen Kneipenrundgang machen.
Bezahlt wurde aus gebündelten Paketen.
187. 189. Tag
Freitag, 19. November bis Sonntag, 21. November 2004
Inseln Ischia > Insel Capri
1 km (5.095 km)
20.11.2004 07:00 h (SMS)
Ein Inselkilometer bis zum Hafenrestaurant DA EMIDIO und zurück. Wellnesstag in meinem Hotel ORIENTE, 3 Thermen, 2 Mineralbecken und ein stark eisenhaltiges, tag und nachts geöffnet. Super. Wolfgang.

498. MONIKA aus Stuttgart und TINE aus Berlin. 499. Spätestens jetzt weiß man wo man ist
Der Mutter die Reise an den Golf von Neapel geschenkt.
Super.
(21.11.2004 Nachtrag per Fax)
Reif für die Inseln
Neapel habe ich auf unseren Studienfahrten mit meinen Schülern immer gemieden. Phlegräische Felder, Vesuv, Pompeji und dann zum Ausruhen nach Paestum! Das war auch dringend notwendig, denn der Hexenkessel Napoli macht müde. Auch schon, wenn man sich nur an der Peripherie bewegt. Die Autobahn verengte sich schlagartig und der Verkehr verdreifachte sich ebenso plötzlich. Mein Busfahrer GÜNTHER STEIN aus Borgholz, mit dem ich schon über 200.000 Buskilometer zurückgelegt habe, meisterte das zwar, aber die Ausspannung war ihm anzusehen. Der Vesuv war schuld daran, dass ich immer bei GÜNTHER blieb. Er musste mit dem 12-m-Bus auf der Serpentinenstraße nur einmal zurücksetzen andere Fahrer 4 5 Mal.
Als ich mich Neapel näherte, erinnerte ich mich assoziativ an die damalige Zeit: Verkehr, Dreck, Getöse, tote Ratten und als nette Abwechslung: einen Kilometer lang Knöpfe jeder Sorte. Bunt, schillernd, lustig. Einem Lastwagen sind wohl ein paar Kartons aufgegangen
500. Alles für die Katz
In Quarto rettet mich dann die Bahn von der Straße und nach ein paar Minuten bin ich in Pozzuoli. Der Hafen kann ja nur unten liegen und so laufe ich ohne zu fragen bergab, südlich. Nach 10 Min. bin ich am Hafen. Man muss nur den Gesetzen der Logik folgen! Wohin wollen hier im Fährhafen die Leute? Nach Ischia und Procida, Inseln die vor der Haustüre liegen. Alles andere geht von Neapel weg. Schön sind diese kurzen Seereisen! Denn auf so einem Dampfer kann es ganz schön langweilig werden. Die Kreuzschiffanbieter fangen diese Langeweile mit Fress- und Umziehevents auf: erlesenes Eßambiente und rin in die Klamotten, raus aus den Klamotten. Stimmts SONJA!? Seekrank werde ich nicht mehr, ich habe auf der ersten Seereise mit meinem Kapitänbruder genug geko Und als es nur dann besser ging und ich bei WERNER auf der Brücke auftauchte: Ein Wink meines Bruders und Smutje brachte ein schwabbeliges, gekochtes, fettes Stück Schweinefleisch an der Reling hing ich wieder. Seeleute können ganz schön schadenfroh mit Landratten umgehen!
Also, der malerische Hafen von Ischia taucht nach 1:15 Std. auf. Ich wollte schon in Procida von Bord. Eine Dame klärt mich mit einem verständnisvollen Lächeln auf: Procida! Da ich ja noch kein Quartier habe, stehe ich zuerst einmal verloren am Kai. Ich suche das i der Touristinformation. Doch ich ziehe eine Person an, die nach meinem Radebrechen jovial vermerkt, dass ich mit ihr deutsch reden könne. Warum ich zur Information will? Er sei auch eine. Er könne mich auf die andere Seite nach Forio fahren, da bekäme ich ein Zimmer für 20,00 35,00! Also nicht nur in Polen gibt es sie: Schlepper Nepper Bauernfänger! Wäre ich nicht allein, würde ich mich ihm anvertrauen.
Als er mal kurz über die Straße muss, bin ich verschwunden und finde in der Information eine nette Dame aus Hamburg hinter dem Schreibtisch: CHRISTA RODENSTEIN. Das von hätte sie wohl einmal verkauft! Wir lachen. Mit ihrer Hilfe lande ich im Thermenhotel ORIENTE, wo ich für 43,00 ein herrliches Zimmer beziehe. Das brauchen jetzt meine Knochen! Ich bin fast der einzige Gast in dem Riesenhaus.
Am Wochenende kommt eine Tagung, 140 Leute ich nutze fleißig die Bäder. Nach 1 ½ Tagen bin ich wieder fit und wenn ich so zur Nachbarinsel mit der Blauen Grotte und dem Tiberius-Palast, Capri, schaue, wächst die Sehnsucht. Da war ich noch nie. Das Auto war immer das Problem! Schneller Entschluss: Capri! Leider ist um diese Zeit keine Direktverbindung und ich muss über Napoli fahren. Capri ist die Steigerung von Ischia. Auch der Fahrpreis ist doppelt so hoch! Laufend fahren Fähren, man braucht sich also keinen Stress machen. Capri ist strahlender. Keine Schlepper zu sehen. Am Ausgang steht ein Polizist, der kennt seine Pappenheimer! In der Information handle ich ein Zimmer auf 35,00 herunter. Passt! Für Capri ganz sicher!
501. Hier kann ich die Leica nicht einpacken
Beim deutsch sprechenden FALCO bleibe ich zwei Tage im LA REGINELLA. Einen Tag ist absolutes Minimum! Also, am Montag nach Sorrento übersetzen und Richtung Amalfi Salerno! Doch es soll alles anders kommen!
LA REGINELLA ist ein angenehmes Haus. Es läuft zwar jetzt auf Sparflamme, aber das kenne ich ja schon. Die Ruhe hat auch ihren Reiz! Liebevoll hat Herr FALCO Dinge platziert, die (alles Originale) von der Geschichte des Hauses erzählen. Büsten, Bilder, Exponate. Die Aussicht ist traumhaft. Die Sonne sinkt noch vor dem Anacapri-Felsen ins Meer Wenn bei Capri die rote Sonne ins Meer versinkt Ich bekomme noch einen großen Teller Spaghetti am nächsten Abend ist er schon kleiner. Doch ich fühle mich hier wohl.

502. Selbstbildnis mit Capri. Wolfgang was here!
503. Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Schon vom Nachbarhaus aus versinkt sie im Felsen von Anacapri.
Den Tag will ich nutzen! 7:00 h aus den Federn, 8:00 h Messe am Hauptplatz, Frühstück und hinauf zum Palast des Kaisers Tiberius. Ein einstündiger Weg bergauf. Ganz oben hat er seine Hauptvilla gebaut ( es war im 15. Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius die Bibelfesten wissen Bescheid!) Noch sehr viel ist erhalten. Und Kaiser Friedrich II. soll hier noch unter Gewölben einhergegangen sein. Wo der Kaiser gewohnt hat, steht eine Kirche. Logo, ganz oben! Atemberaubend sind die Blicke 300 m steil in die Tiefe, wo das Meer anspült. Hier soll er seine unliebsamen Gäste hinuntergeschubst haben.
504. Des Kaisers Palast-Fundament. Ganz oben. 505. Hier schubste der Kaiser seine
unsympathischen Gäste runter. 300 m
Ich bin ganz allein, hole Gitarre und Mundharmonika heraus und spiele das Lied an die Freude. Da geht die verschlossene Tür der Kirche auf und ein Maurer bringt mir eine Dose Bier. Ich solle noch ein religiöses Lied spielen. Spontan fällt mir das Titanic-Lied ein: Näher mein Gott zu dir
506. Deshalb kamen und kommen sie alle
10 Min. später, beim Abstieg, sagt mir mein Sohn MARCEL am Handy, dass sein Schwiegervater JOHANNES NIEDER, im Sterben läge, ganz plötzlich. Ein lieber Mensch. Ich werde wohl morgen nach Altenbüren fahren. Um 16:00 h weiß ich es dann ganz genau. INGA wird geboren Opa HANNES muss gehen. Lauf der Welt, sagt noch MARCEL, dann legt er auf. Der Weg zur Blauen Grotte ist nicht mehr schön. Sie ist auch bei dem Seegang nicht befahrbar. Es hätte mir auch nicht gefallen. CLAUDI bucht ein Flugticket: Dienstag hin Montag wieder zurück.
507. Die geplanten Irrfahrten durch den Golf von Neapel
190. Tag
Montag, 22. November 2004
Insel Capri > Rom
11 (Rück-) km (5.106 km)
22.11.2004 20:30 h (SMS)
Um 5:30 h aufgestanden. Erste Fähre 6:55 h. Einheimische 3,20, Touristen 12,00. Tochter CLAUDIA hat gestern Abend Flug gebucht: Rom > Dortmund > Rom. Dienstag, ein Glück. Donnerstag ist die Beerdigung. In Rom hat Pater DOMINIK wieder mein Zimmer bestellt und in Dortmund erwartet mich Ritter Sir DIDIMUS, um mich nach Altenbüren zu fahren. Alle drei haben geholfen! Keiner hat delegiert: Also, Wolfgang, ich gebe dir jetzt mal eine Nummer… So sieht echte Freundschaft aus! Am 29. geht es den gleichen Weg zurück. Etwas Gepäck bleibt in Rom. Bitte um ein Gebet für JOHANNES NIEDER. Danke.

508. Kontinuierliche Eintragungen im Tagebuch werden mit den Onlinedaten abgeglichen.
191. Tag
Dienstag, 23. November 2004
Rom > Dortmund > Altenbüren
8 (Rück-) km (5.114 km)
(26.11.2004 Diktat)
Um 9:00 h fahre ich von Laurentina mit der Metro zum Bahnhof Termini, dem großen römischen Schaltkreuz. Von da aus mit dem Zug nach Ciampino. Es gilt das -1,00-Ticket, wenn man 75 Min. nicht überschreitet. Der Bahnsteig 15 ist einen halben Kilometer vom Bahnhof entfernt. Das hatte ich nicht bedacht! Ich muss mich also im Laufschritt bewegen, mit Rucksack ist das nicht angenehm. Es lohnte nicht, denn der Zug fährt 10 Min. später ab.
In Ciampino (auch Schlachtfeld im Zweiten Weltkrieg) weist ein Flughafenzeichen nach rechts. Dort ist nur ein Parkplatz. Ein Mann schickt mich auf die andere Bahnhofseite. Der Flughafenbus fährt mir vor der Nase weg. Ich will zu Fuß gehen. Das kann niemand verstehen. Es wäre endlos weit, ca. eine Stunde. Die Gefragte geht lachend weg, ohne mir den Weg zu sagen. Im Städtchen frage ich zwei junge Männer. Als der eine erklärt, weist ihn der Andere zurück: A piedi, der Mann hat kein Auto! Er zeigt nun in die entgegengesetzte Richtung. Immer geradeaus und beschreibt dann mit dem Arm einen großen Rechtsbogen. Ich brauche 35 Min. und mache es mir im Flughafenrestaurant bequem (3 Kartoffeln und 2 kleine Würstchen 11,00). Durch Schreiben vergeht die Zeit.
Das Einchecken geht mit Code-Namen und Personalausweis von statten. Im Flieger sitze ich neben MICHAEL SKIBBE. Ritter SIR DIDIMUS steht in Dortmund bereit, hat natürlich schon den ehemaligen Bundestrainer angequatscht und nach dem bekloppten Nordkap-Läufer in Lederhose befragt. Dieser ist ohne Gepäck, ich warte auf meinen Rucksack. Zu Hause hat BARBARA Rinderleber gebraten. Anschließend fährt mich der Ritter nach Altenbüren. Schlafe seelig im eigenen Bett, morgens will ich den Reißverschluss aufmachen…
192. Tag
Mittwoch, 24. November 2004
Altenbüren
0 km (5.1214 km)
(26.11.2004 Diktat)
Heimarbeit, 19:00 h Totengebet in einer vollen Kirche.
193. 195. Tag
Donnerstag, 25. November 2004 Samstag, 27. November 2004
Altenbüren > Duisburg > Altenbüren
0 km (5.114 km)
(26.11.2004 Diktat)
JOHANNES NIEDER wird mit großer Anteilnahme zu Grab getragen, über 300 Trauergäste. Bei KIEVEL ist die Raue. Ich bin rasch verschwunden. Da Axel noch an der Homepage arbeiten will, fahre ich noch am Abend nach Duisburg. Statt Online-Arbeit Absacker bei Frankenheimer-Alt und Vollmond. CHRISTEL bereitet das Gästebett, eine geschwungene Spielwiese. Vor lauter Ecken und Kissen, weiß ich nicht wo ich mich hin kuschele.

509. Du wirst wach, bist umzingelt, wo ist der Ausgang?
(Anmerkung der Redaktion: Wolfgangs 3. Tag over dresssed im schwarzen Zwirn!)
Den gesamten Freitag verbringe ich vor den PCs. Unter den Bildern finde ich ein passendes für Opa HANNES. Unter einem Südtiroler Wegekreuz steht: Das einzig wichtige im Leben sind die Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen. Kein anderes Bild würde besser passen.

510. Wegkreuz in Südtirol
196. 197. Tag
Sonntag, 28. November 2004 Montag, 29. November 2004
Altenbüren > Dortmund > Rom > Sorrento
0 km (5.114 km)
(03.12.2004 Nachtrag per Post)
Bis in den Nachmittag arbeiten wir an der Homepage und prompt komme ich in die üblichen Staus auf dem Ruhrschleichweg. Am Abend gehe ich noch zu KIEVEL und sitze bei frischen Veltins für 1,00 und 2 Teller Graupensuppe wo gibts die noch!? bis 2:00 h morgens. Nach dem 8-Uhr-Gottesdienst im Krankenhaus mache ich wieder meine Brötchen-Tournee: NIEDER > MARCEL > DOMINIK. Bei NIEDER muss jetzt ein Brötchen weniger in die Tüte. Das Leben geht weiter. In Bad Arolsen gibt es Relax und Massagen.
Am Montagmorgen steht MARCEL um 5:00 h vor der Tür, um mich abzuholen. Er muss nach Düsseldorf und setzt mich am Flughafen Dortmund ab. Dort merke ich um 9:00 h, dass ich meine italienische Handykarte in DOMINIKs Ersatzhandy stecken ließ. Sch ! Helfen kann eigentlich nur Rentner SCHIMION. Um 10:00 h ist er am Flugplatz (von Dorsten kommend), um 11:00 h sind wir in Altenbüren und um 12:10 h wieder in Dortmund. Es ist gut, wenn man Freunde hat. Handys nerven mich langsam!
An Ausrüstung habe ich in Altenbüren nur die Lederhose gewechselt: Kniebundhose wie am Nordkap. Weiterhin habe ich bei ALDI Filme eingekauft und das Nivea-Döschen aufgefüllt. Natürlich ist alles gewaschen
Die Kontrollen auf dem Dortmunder Flughafen sind außergewöhnlich intensiv. Und sie finden in meinem Handgepäck bei den Butterbroten mein Schweizermesser. Vor lauter Handy-Theater hatte ich es bei der Verpflegung gelassen. Das Gepäck ist schon weg. Ich gehe zurück durch alle Schleusen und finde zwei Herren am Schalter, der eine ist so nett, mein Messer in sein gerade eingechecktes Gepäck zu schieben. Herzlichen Dank. Merken brauche ich mir das Gesicht nicht, beide sind bei weitem die overdressten im ganzen Flieger.
Mit großer Verspätung heben wir ab und sind auch erst bei Einbruch der Dunkelheit in Rom. Pater HÖFER hat heute keine Zeit für sein vorgeschlagenes Französisches Essen und mir ist es auch ganz recht. Ich bekomme wieder mein Zimmer 3 und verpflege mich selbst. Wolkenbrüche, Blitz und Donner die ganze Nacht.
(4.12.2004 Nachtrag per Fax)
Wie kommt man eben mal von Capri nach Brilon und zurück?
Die Todesnachricht erreichte mich gegen 17:00 h. Wie komme ich nach Hause? Anruf bei CLAUDIA in München, sie soll mal ins Netz gehen und Flüge von Neapel oder Rom suchen. Der Wirt gibt mir einen Tipp: EASY JET. Um 20:00 h ist der Flug perfekt und CLAUDIA sendet ein Fax mit dem Buchungs-Code. Rom > Dortmund > Rom. Alles weitere kennt der Leser. So klein und zusammengerückt ist Europa mit den Fliegern. Lediglich 222,10 an Gesamtkosten inklusive aller Zugtickets. Kaum zu glauben, und da haut mancher Kegelbruder 1.000,00 am BALLERMANN in zwei Tagen auf den Kopf!
198. Tag
Dienstag, 30. November 2004
Rom > Sorrento
0 km (5.114 km)
30.11.2004 22:50 h (SMS)
Dem Streik gerade entkommen. Berichte folgen per Post. Wolfgang.
(03.12.2004 Nachtrag per Post)
Um 8:00 h erreicht mich eine SMS: „Streik in Italien. Hoffentlich bist du am Ziel! MARCEL.“ Also schnell gemacht, noch sehe ich Busse fahren. In Laurentina jagt mich der Streikwächter in die letzte METRO zum Bahnhof Termini. Habe keine Zeit, mein Ticket zu entwerten. In der METRO hole ich das mit dem Kuli nach, auf der Rückseite ist Platz dafür. Seltsam wenige Menschen sind unterwegs und die Schalterschlange ist 25 Personen lang. Ich habe Zeit zum Zählen. Immer wieder Hinweise Protest.
Ich kann die Kameraden Bahner gut verstehen. Doch sollten sie entschiedener gegen die eindeutig kriminellen Preistreiber in ihrem Bella Italia vorgehen! Während diese bei der Euro-Umstellung zugeschlagen haben, ging der kleine Mann leer aus. Denken wir nur daran, wie sie uns Deutschen vor 2 bis 3 Jahren die horrenden Obst und Gemüsepreise aufs Auge gedrückt haben. Generell sind hier Molkereiprodukte 200 300 % teuerer als in Deutschland, der Bauer bekommt aber nicht mehr wo bleibt es? Auf unsere hohen Gastronomiepreise setzen die Italiener auch noch 100 200 % drauf. Die Abgezockten wehren sich nicht, sondern geben die Kosten an den Kunden weiter. Übers Essengehen in Italien lass ich mich noch einmal in einen Extrablatt aus. Die Fahrkarte bis Neapel kostet im besten Zug EUROSTRA 22,21. Sehr preiswert. Hier stecken die Typen wohl noch nicht drin. Die Bahn schützt sich noch selbst Wie lange noch?
Pünktlich verlässt mein Zug Rom um dann in Monte S. Biagnio, einem kleinen Kaff, aus Protest eine Stunde stehen zu bleiben. Wenn er jetzt bis Napoli durchfährt, bin ich den Streikklauen entschlüpft. Viele Orte und Straßen erkenne ich aus dem Zug wieder. Ein komisches Gefühl: Da bist du gelaufen. Der Wasserturm begleitete mich zwei Stunden jetzt ist er in zwei Minuten verschwunden. Das Wetter ist die ganze Fahrt bedeckt, hoffentlich regnet es nicht in Sorrento. Die Fahrkarte bekam ich nur bis Napoli. Vielleicht muss ich doch wieder über Capri nach Sorrento. Je näher wir Napoli kommen, desto überschwemmter sind die Wiesen und Plantagen. Was muss das hier geregnet haben!! In den Furchen steht voll, jetzt um 13:15 h, das Wasser. Ich bin mal gespannt. Gegen 15:00 h bin ich im Zug von Neapel nach Sorrent. Der Fahrschein kostet 3,20. Die Bahnlinie fährt den ganzen Golf von Neapel ab. Endstation ist Sorrent. Gegen 17:00 h bin ich dort. Da es bald dunkel wird, muss ich mir hier etwas suchen: Campingplatz oder?? Ich finde eine freie Jugendherberge für 16,00 einschließlich Frühstück. Draußen plästert es weiter. Auf meinem Zimmer ist ein junger Mann aus München, BENJAMIN RENNER. Wir verstehen uns gut und gehen in die Pizzeria etwas essen. Die Preise sind moderat meint der Münchner. Gegenüber München bestimmt.
511.Bei den italienischen Kurvenschnibblern in Linkskurven unbedingt rechts gehen!
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