Reisetagebuch Oktober 2004

 

 

138. Tag

Freitag, 1. Oktober 2004

Kirchheim bei München

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(4.10.2004 Nachtrag per eMail)

Hiermit schreibe ich mich für ein paar Tage krank.

 

1. Kann ich mit meinen gereizten Fersen keinen Schritt mehr ohne Schmerzen machen.

2. Ist es in München um diese Zeit besonders schön: Der Herbst zieht ein und es „herrscht“ noch das Oktoberfest.

 

Der Marsch zum Geburtstag meiner Tochter CLAUDIA war doch etwas zu heftig. Ich hätte in Sandalen  oder in schon neuen Schuhen laufen sollen! Meine Trekkingschuhe haben – und das dürfen sie auch nach fast 4.000 Kilometer – in Höhe der Achillessehne Wülste gebildet. Diese Wülste haben die Sehnen gereizt. Ohne Schmerzen kann ich nur mit Halbschuhen laufen. Montag gibt es endlich neue Schuhe! Ein Masseur gab mir den Tipp, unterhalb der Schmerzstellen zu massieren. Weiterhin sollte ich ein Solebad aufsuchen. In Erding soll ein schönes sein.

 

Um 15:00 h Uhr hole ich RENATE SCHNELLE und ihre Schwester ANGELA vom ICE ab. DIETHER hat letzte Woche mit uns gefeiert. Gleichberechtigung! Zuerst bringen wir das Gepäck in Tochter ALEXAs Wohnung, die bei Marc O Polo eine Ausbildung macht. Dann schleife ich die Damen auf die Wies´n. Ein Altenbürener Club hat mich angewählt: TIMO, LORD & Co. Sie sitzen „BRÄUROSL“, Reihe 8, mittig. Meine getragene Lederhose – der Fachmann weiß was das heißt – und die beiden Damen öffnen mir eine verschlossene Tür. TIMO & Co. sind nicht zu finden. Nächsten Tag erfahre ich: Um diese Zeit hätte man schon geschlafen…

 

Plötzlich eine SMS von SINA/ Sachsen: Sind mit der Firma in der „BRÄUROSL“. Du bist herzlich eingeladen! Reihe 5. Diese SMS kam vom weißblauen Himmel, denn ein so überfülltes Zelt habe ich noch nie gesehen. Sehr eng gestellte Tische. Sicherheit ist auf der Wiesn gleich Null! Wenn da mal eine Panik ausbricht… oh, Gott! Viele  Leute verhalten sich so, als ob morgen die Welt unterginge.

Schon um diese Zeit räumen die Kellnerinnen reihenweise verwaiste halbvolle Maßkrüge weg. Der Sicherheitsdienst muss ihnen den Weg zum Bierhahn  mit Gewalt freihalten. Manche „Cenzi“ geht mit ihren 10 Maß wie ein Eisbrecher durch die Menge.

 

SINA, GABI I, GABI II mit ihrer Firma werden schnell gefunden. Beide Seiten freuen sich. Danke, dass ihr für meine beiden Begleiterinnen auch einen Platz hattet. Wir wären sonst chancenlos umhergeirrt. Nette Leute sind das aus der Steuerkanzlei Dr. KLEEBERG; auch die Chefs feiern mit. Meine Homepage ist durch die  bayerisch-sächsische“ Wiesngäng“ bekannt. Doch – ehrlich – ich sehne mich nach der „OCHSENBRATEREI“!

  

 

 

345. GABI, SINA, ANDREAS WEBER aus Brilon, neu eingekleidet, brachte mir 2 Maß Bier ein

 

Hier ist es enger, die Luft ist dicker und die Musik ist schlechter. Schunkeln wird andauernd durch Rhythmenwechsel gestört. Als ich  mit Sina auf der Schulter den Bayerischen Defiliermarsch dirigieren will, und ich dafür  – wie immer – 25,00 € opfern will, lacht mich der Kapellmeister aus. Da müsse ich schon mindestens 50,00 € auf den Tisch legen. In seiner Beleibtheit füllt er fast die Treppenbreite aus. Es scheint, er hat schon lange nicht den Hals voll bekommen. Leicht verdientes Geld- wie ein Steuerfachmann an unserem Tisch später bemerkte.

 

   346. Dirigiere mit GABI auf der Schulter

 

Jedenfalls treten wir etwas bedröppelt ob dieser Maßlosigkeit, den Rückzug an. Es täte ihm leid für SINA, versucht der Dicke noch zu punkten. SINA versteht mich! Der Vorbläser wusste nicht, dass ich weder betrunken war, noch, dass ich mich vor SINA wichtig machen musste. Es sollte eine Gaudi für uns, die Firma und das ganze Zelt werden. Am Tisch zurück,  wurden mir sofort von den Steuerkollegen zwei 50iger entgegengestreckt. Klar, dass wir ablehnten. Irgendwann  wird Verschwendung zur Sünde!

 

Das alles zusammengenommen ergibt: Nie wieder „BRÄUROSL“! Es lebe BRUNO GRESS und die „OCHSENBRATEREI“!

 

 

 

139. Tag

Samstag, 2. Oktober 2004

Kirchheim bei München

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(4.10.2004 Nachtrag per eMail)

Opatag mit AARON und DAVID

 

 

      

347. Mit der Familie vor der Bavaria                           348. Oktoberfest macht müde

       AARON, CLAUDI, OLIVER mit DAVID

 

140. Tag

Sonntag, 3. Oktober 2004

München > Bad Boll > München

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(4.10.2004 Nachtrag per eMail)

Erneuter Opatag mit AARON und DAVID. Mit beiden Enkeln und CLAUDIA fahre ich nach Bad Boll bei Göppingen, zum Kinder- und Jugendzirkus MARONI. CLAUDIASs Patenkind, FRIEDER BESUCH, hat seine großen Auftritte.  

 

   349. Homepage: http://www.kinderzirkusmaroni.de

 

 

 

    350. FRIEDER steht Kopft, er ist Nummer 17

 

 

 

Der schöne Tag geht auf dem Flugplatz Straßham zu Ende, wo OLLI mit seiner Fascination seine Kunstflugschleifen dreht.

 

 

 

141. Tag

Montag, 4. Oktober 2004

München

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(7.10.2004 Nachtrag per eMail)

Die 3.000 km nach Santiago de Compostela ließ er mich nicht im Stich: Keine Schnalle brach, der Dreck fiel weitgehend ab, keine Naht ging auf, der Tragekomfort war prima, fast unzerreißbares Textil: Meine LOWE-Rucksack. Für den Weg Nordkap-Sizilien wollte ich noch einen draufsetzen. Der beste von LOWE war gerade gut. Alpine 75+20. Über 500,00DM kostete das gute Stück bei SPORT-SCHUSTER  in München, was fast 6.000 km mit mir verbunden sein sollte. Dem Laden hielt ich 54 Jahre lang die Treue, obwohl ich mit meinen Eltern gen Norden auswanderte. Hierher stammten meine ersten Skier, die Schuhe, viele Kleidungsstücke… immer, wenn ich wieder mal in München weilte, galt dem Geschäft ein Besuch. Das ist nun vorbei- wäre ich jünger, hätte man sich vielleicht anders verhalten…kulant den Jüngeren sein. Ich bin wahrhaftig keine Hipp-Hopper!

 

Schon bald nach dem Start am Nordkap zeigte der neue Rucksack eine entscheidende Schwäche: Die Haupttrageriemen ließen nach. Das steigerte sich später  bis auf 10 cm Schlupf  gemessen auf einen Kilometer. Ständig musste ich nachzurren. Das vergaß ich natürlich häufiger und wurde erst durch Hüft- und Rückenschmerzen gewarnt, sorgfältiger zu sein. Denn die Riemen gaben ungleich nach, so dass der Rucksack schief saß = Rückenschmerzen. Der Bauchgurt rutschte über die Hüfte auf den Oberschenkelbereich; nicht um die Hüfte lag die Zugspannung, sondern auf den Oberschenkeln, was nur bei O-Beinern hilfreich gewesen wäre = Hüftschmerzen. Den Hüftgurt zurrte ich nicht mehr fest und alle Kilometer zurrte ich die Haupttrageriemen nach. Brand-SMS an Axel. Er solle doch an LOWE, UK wenden und denen meine Handynummer mitteilen. Drei eMails blieben ohne Antwort.

 

Inzwischen hatte ich es mit Keilen, Isolierband und Schnur versucht, das Nachgeben zu bremsen. Bei der Arretierung wurde aber das Aufbuckeln ein Problem, weil die Gurte nun zum Überstreifen zu eng waren. Ob Schnalle, Gurtmaterial, Gurtbreite oder Schnallenlage verantwortlich sind, mögen die „Rucksacktechnologen“ (so nennen die sich tatsächlich!) entscheiden. Die Lösung bis Paderborn war, dass ich Knoten in die Riemen machte, und die Lockerung über die Topp-Straffer bewerkstelligte. In München wollte ich dann bei  SPORT-SCHUSTER  um Abhilfe bitten. In Paderborn half mir bereits der Outdoor-Laden mit Riemenstoppern, die mich nun nach der Münchener Pleite bis Sizilien begleiten werden. Dank den findigen Verkäufern in Paderborn!

 

Aber nun zu München: Das viele lockere Geld verdirbt auch hier: Bei SPORT-SCHUSTER  stellte ich meine Aktion, Situation und das Problem einem Verkäufer in der Rucksackabteilung dar. Den Kassenbon hatte ich mir extra von DOMINIK nachschicken lassen. Antwort: “Sie müssen den Rucksack hier lassen. Wir schicken ihn dann ein. Sie müssen etwa mit vier Wochen rechnen.“ Sanft fragte ich nach, ob das die einzige Lösung wäre, die SPORT-SCHUSTER  mir anbieten könnte? Ja! Also, keine Hilfe, kein Schimmer von Kulanz für meinen Sonderfall. Ich äußerte meine Enttäuschung und fragte, ob es ernst gemeint sei, mich in München hier 4 Wochen lang einzuquartieren? Achselzucken.

 

Da Diskussionen mit einem Kunden immer zur Niederlage des Verkäufers führen, diskutiert nun der Verkäufer mit mir. Erst als ich ihm sage, dass ich nun die fälligen Trekkingschuhe  nun auch nicht mehr hier kaufen werde, mischt sich ein wohl auch unerfahrener Verkäufer in die Diskussion ein. “Ich müsse ihm erst einmal sagen, um was es eigentlich ginge.“ Sehr schade, dass ich in meiner Lage vergaß zu sagen: „Ich setze mich jetzt hier auf den Stuhl und ihr jüngerer Kollege erzählt Ihnen das, was ich ihm bereits in den letzten 10 Minuten gesagt habe…“ Der neue erhält die selbe Schilderung und ich das gleiche bis zum Achselzucken.. Damit er nachlesen könne was sich hier abgespielt habe, lasse ich ihm meine Autogrammkarte mit Homepage da. Er meint, ob ich diese nicht selbst zu LOWE schicken wolle…

 

Ich bin schon draußen, quer gegenüber zu SCHECK. Schuhkauf. Da die Achillesferse immer noch schmerzt, entscheide ich mich für einen Trekking-Halbschuh von MEINDL. Wollen sehen, wie es damit bis Sizilien weitergeht. Nun bei SCHECK in die Rucksackabteilung. Der junge Verkäufer holt zuerst einmal einen anderen. Ohne Wenn und Aber nimmt man sich des Problems an, setzt das Justiersystem eine Etage höher (ich hatte alle Etagen in Schweden schon durchgespielt!). Er habe auch schon inzwischen Rucksäcke gesehen, die die Spannschnalle weiter hinten sitzen hatten. Aha! Ich solle mit der neuen Einstellung die SCHECK -Treppe belaufen…ein hoffnungslosen Test. Es bleibt bei den Paderborner Stoppern.

 

Ergo: Es bleibt wie es war und ich brauche auch nichts mehr in München kaufen, denn die in Paderborn heruntergesetzten TEVA-Sandalen kosten immer noch das Doppelte.

 

 

Teures Schweden! – ich nehme fast alles zurück!

Bräurosloberbläser, Gastronomen, Lebensmittelgeschäfte, Obst-Gemüse-Mafia, Gebührenbastler: Deutschland ist teuer geworden! Seit den Privatisierungen und dem Euro. Die können mir –zig mal mit ihrem Warenkorb um die Ecke kommen. Im Vergleich zum Einkommen, sind die Bedürfnisse für die Otto-Normal-Verbraucher  heftig im Preis gestiegen- und steigen weiter! Über die Preise in München schweigt man lieber ganz. Eigentlich müsste doch alles billiger werden! Sie bauen Postkästen ab (Oma lauf mal!), schließen Postämter, legen Strecken still, räumen Telefonhäuschen weg; schaffen Sie sich gefälligst ein Handy an! Und übers Handy wird dann abgesahnt – ganz besonders über die SMS-Mentalität der Jugend. Immer gleich: Rechte auf Deubel komm raus ergattern, den Automaten aufstellen und einschalten, die Beine hochlegen und ohne Ende kassieren. Wer hierbei auf der Strecke bleibt ist leicht auszumachen.

 

Ein Preisstopp vor der Euroeinführung- wie ihn viele Länder gemacht hatten – war in Berlin bestimmt deshalb so unbeliebt, weil man selbst zu den Größten in diesem Spiel gehörte. Einige Gaststätten jedenfalls rudern schon zurück: Es gibt wieder Essen um 10,00 DM und nicht nur in WILDMOSERs DONISL, der vielen Münchner Gastronomen ein Bratspieß im Hintern ist. Ich hab ihm bei seinen Hendl-Bratspießen auf der Wiesn die Hand gegeben, wer tat je mehr für 1860?

 

Doch weiter: Hoffentlich klappt Toll-Collect bald, damit man auch bald nach den LKW die PKW abzocken kann. Wo bleibt eigentlich das ganze Geld dieser irren Einnahmen von Sprit, Post, TÜV, Bahn und …und …? Sitzen da etwa am Ende der Schlange wieder zu viele Leute mit den Beinen hoch…? Denn der kleine Mann, der was gelernt hat, was kann und was tun will, arbeitet momentan wie ein Wilder- mit steigender Tendenz! Man sehe sich nur die Just-in-time-Fahrer an, ganz zu schweigen von den Sprintern, die einen mit 180 km/h überholen. Dazu dann das Plakat mit dem Segelschiff am Autobahnrand: „Entdeckung der Gelassenheit“. Um solch ein Schiff gelassen zu machen, waren immerhin rund 80 Mann nötig. Da ging’s ganz schön gelassen zu. Zusammen: Preise in Deutschland – so unverschämt hoch wie nie. Sollen wir auf die Kräfte des Marktes hoffen?

 

PS: Um 21:00 h Zeitaufnahmen von der „toten“ Wiesn gemacht. Wenn sie was geworden sind, sind sie interessant.

 

     

351. „…fegt die Frau Wirtin den Tanzboden aus!“                              352. 23:00 h – das Oktoberfest wird „abgebaut“

 

 

 

 

 

142. Tag

Dienstag, 5. Oktober 2004

München

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(7.10.2004 Nachtrag per eMail)

Habe mir DIETHER schnelles Auto geliehen um nach Irsee zu fahren. Ziel: GERHARD LECHNER, Pastor a. D. Er hatte meine überflüssigen Sachen vom Nordkap heimgenommen. Hündin NALA begrüßt mich ausflippend mit großer Freude. Was solch ein Stückchen Wurst  von damals ausmacht! GERHARD hat – wie damals im Wohnwagen- gut gekocht. Viel Gemüse. Er sieht gut aus. Nach dem Essen zeigt er mir das herrliche ehemalige Kloster Irsee – seit 1845 Irrenanstalt… nomen est omen. Die Barockkirche strahlt, man renoviert gerade außen.

 

In Pullach rausche ich am Abend in die Geburtstag-Grill-Fete von SIGI REINER. Gruppenfoto. Abendessen gespart!

 

 

 

353. Grillparty bei SCHORSCH REINER: GEORG, WALDI, i, JOSEFINE, SIGI, , KEVIN und PETRA.

       Abendessen für lau! 

 

 

 

143. Tag

Mittwoch, 6. Oktober 2004

München > Erding

0 Fuß-km (3.926 km)

 

(7.10.2004 Nachtrag per eMail)

Früh beginne ich mit der Zusammenstellung der Ausrüstung für den Rest meines Fußmarsches. Ich habe wieder meine Leica M3 mit Summicron 1:2/50mm und Summaron 1:2,8/35 mm eingepackt. Dazu den Belichtungsmesser Lunasix-F, dazu am Gürtel die kleinere Mini Leica 3 mit Summar 1:3,2/35 mm. Somit habe ich wenigstens eine batteriefreie Kamera! Die alten Objektive sind immer noch phantastisch. Den leichten Schlafsack behalte ich. Die Fliesjacke wechsle ich gegen die wärmere, die ich vom Nordkap nach Hause schickte, aus. Man sieht angezogener damit aus. Dazu kommt die Halogen-Stirnleuchte, die ich wegen der Mitternachtssonne nach Hause geschickt hatte. Neue Halbschuhe, kleineres Handtuch.

 

SO MANCHER WOLLTE SCHON EIN PAAR TAGE MIT MIR LAUFEN, HAT DANN ABER NICHTS MEHR VON SICH HÖREN LASSEN: BESTIMMT DER HOHEN TAGESKILOMTER WEGEN. KEINE ANGST! LÄUFT EINER MIT, PASSE ICH MICH GERNE SEINEM TEMPO AN! ICH BIN DOCH KEIN TIERISCHER RENNER! ABER EINZELGÄNGER IRREN HALT MEHR HERUM… ALSO: ZWISCHEN  20 und 30 KM SCHAFFT MAN BEQUEM: UND IMMER WIEDER: NO STRESS!! VOR MÜNCHEN WAR EINE AUSNAHME.

 

Heute steht noch ein Termin in Erding an und morgen geht’s das herrliche Isartal hinauf. Ich setze schon wieder Schlacken an. Also Handy: 0160/6423465. Gruß Wolfgang.

 

 

06.10.2004 23:20 h (SMS)

Habe umdisponiert: Werde es mir nicht entgehen lassen, durch eine Millionenstadt zu laufen! Unterschleißheim nach Pullach, über Marienplatz, Thalkirchen, Großhesselohe. Frühstück bei MONI und BERND HEINRICH. Dann Abmarsch. Gute Nacht! Wolfgang

 

 

(12.10.2004 Nachtrag per eMail)

Ich hoffe, dass die Behandlung der Achilles-Sehne und das Faulenzen in der Therme helfen. Ein gewaltiger Badepalast mit zig Saunen. Immer, wenn die römischen Kaiser die Römer zufrieden stellen wollten, bauten sie ihnen eine Therme. … Erding ist die Nr. 1 in Deutschland, privat und teuer. Man kann sich verlaufen! Jetzt bin ich wieder ohne Wagen. Dank an DIETHER und ALEXA.

 

 

 

144. Tag

Donnerstag, 7. Oktober 2004

Unterschleißheim > Pullach

31 km (3.957 km)

 

(12.10.2004 Nachtrag per eMail)

Ein besonderes Gefühl muss es sein, sich einer Millionenstadt zu Fuß zu nähern, um sie dann zu durchschneiden. Das war mein Gedanke und ich wurde nicht enttäuscht! Schon um 6:00 h in Pullach aufgestanden. Bei SEPP ZIMMERMANN, dem neuen Hausmeister der Schule, gefrühstückt und mit der S-Bahn nach Unterschleißheim gefahren. Die Blicke der Gehetzten verraten: Der hat was Größeres vor. Ansprechen tut mich keiner.

 

MONI HEINRICH erwartet mich schon. Sie hat Kaffee gekocht, die Presse verständigt, Kleber und Sternzwirn besorgt und die 81-jährige Mutter GIEMULLA heiß gemacht, mir endlich meine sieben Länderfähnchen zu einem Transparent zusammenzunähen: Nordkap > Sizilien. Das hänge ich nun an meinen Rucksack, um die fragenden Blicke der Passanten zu befriedigen. Die Fähnchen von Österreich und Italien sind noch eingeklappt! Schnell noch Fotos gemacht und MONI setzt mich auf die B 13. „Du musst immer nur geradeaus laufen!“

 

 

     

354. Mutter Giemulla näht mit 81 Jahren          355. Das Flaggenbanner wird stolz der Kamera präsentiert

 

 

Um mich sind noch Felder und Wiesen. Schloss Schleißheim ist rechts zu erahnen. Langsam wächst die Häusermasse. Schwabing naht. Das Siegestor mit der Löwenquadriga „Dem Bayerischen Heere“. An den Ampeln sprechen mich Leute an. Sonst bin ich wohl zu schnell. Bei der Feldherrnhalle versucht ein junger Mann, mit mir Schritt zu halten. „Nun warten Sie doch mal! Vom Nordkap? Wirklich? Ich war ganz wo anders! Und alles zu Fuß? Glauben Sie mir, ich würde gerne mit Ihnen gehen!“ Fort bin ich wieder. Klack, klack macht der Stock auf dem Pflaster. Ich suche mir für die Spitze immer die Lücken der Steinplatten aus. Ich bin mit dem Stock inzwischen sagenhaft zielsicher.

 

 

  

356. Verabschiedung von MONI HEINRICH    357. zum Fotografieren Japaner gefunden

 

 

Am Marienplatz werden die Fotos fürs Archiv gemacht. Dann geht’s zur Regierung von Oberbayern … zu MONIs Mann BERND. Ein alter Pfadfinderfreund aus Duisburger Zeiten! Er findet auch einen Stempel für meinen Pass: „Bezirkspersonalrat“ – eine eindrucksvolle Passspalte gleich unter der Pils-Kneipe „ZUR LUFT“ und MARIA im Weingarten.

 

 

 

 

Pullach liegt an der Isar. Also an der Isar entlang. WILDMOSERs heimlicher Biergarten  „HINTERBRÜHL“ lockt. Kaiserschmarrn und Radlermaß. 14,00 €. Noch eine Stunde Zeit bis Pullach. Für 19:00 h habe ich zu einem Umtrunk eingeladen. Ich hätte es mir in der „VILLA ANTICA“ etwas kosten lassen, aber fast alle sagen ab: JANIN macht Steuer, GABI und SINA sind überlastet, CONNY hat Ratssitzung, STEFFI schaltet gar nicht ihr Handy ein, und BERND saß sowieso mit Grippe im Büro. So sitze ich denn allein mit Tochter CLAUDIA und später mit CONNY in der „VILLA ANTICA“ und speisen fürstlich. Wahrlich, es hätte was gekostet!

 

Morgen geht’s das Isartal hinauf! Wie weit? Bitte keinen Stress! Es steht früh genug in der Homepage, pardon! Heimseite.

 

 

358. Nach der Sitzung im Sportheim Pullach: (rechts) Ratsfrau CONNY ZECHMEISTER, CSU und CLAUDIA

       BREITMAIER, meine Tochter und zweifache Mutter

 

 

 

 

145. Tag

Freitag, 8. Oktober 2004

Pullach > Kloster Schäftlarn

16 km (3.973 km)

 

08.10.2004 21:30 h (SMS)

Aus Pullach erst um 15:00 h weg. Half bei Vetter HELMUT den Goldfischteich entrümpeln. Drei Generationen sind im Einsatz. – Herrgott ist das Isartal jetzt schön! Viele Radler sind unterwegs. Um 18:05 h bin ich in der herrlichen Rokokokirche. Um 18:15 h vor der Pforte. Obwohl alles erleuchtet, öffnet keiner. Schreibe an den Abt GREGOR und schiebe die Karten unter die Tür. Wollte nur fragen, ob es für Pilger eine Unterkunft gibt. Lichtblick: das KLOSTERSTÜBERL. Super Essen, Voreuropreise. Ein Maß = € 4,80. Danke.

 

359. Generationenarbeit, total in der Sch… KURTI ZECHMEISTER (mit Bauch)

 

 

(19.10.2004 Nachtrag per eMail)

Endlich verlasse ich das schöne, gemütliche, kunstbegeisterte, teure München! Doch nach 500 m ist schon wieder Pause: Halt bei Vetter HELMUT HADAS. Man ist in Kampfkleidung und reinigt den Goldfischteich. Arbeit! Kübel, Tonnen, Pumpen, Schlamm (KURT als Fischer fühlt sich da besonders wohl!). Ich helfe mit, und als es zum Weißbier kommt, bleibe ich auch sitzen. Hätte es noch eine Karte zum „Schwanensee“ im Kulturhaus Pullach gegeben, ich wäre noch eine Nacht geblieben. So komme ich nach 15:00 h erst weg, nachdem mich Sohn DIETER, auch Malermeister, mit Kleber, Kuli und Notizbuch versorgt hat.

 

Es gibt kaum schönere Wanderwege in Deutschland als die im Isartal südlich von München. Naturbelassen immer wieder lugt die grüne (wahrhaftig!) Isar durch die Bäume, eine Au reiht sich an die andere. Plötzlich gibt das Blätterwerk den Georgenstein frei, ein mächtiger Felsklotz mitten im Flussbett. Das Binger Loch der Floßfahrer! Die Isar ist trügerisch: Hier ertrank 1955 mein Klassenkamerad EDER aus Pullach. Lange stehe ich in Erinnerungen versunken an der Lichtung.

 

 

 

 

360. Georgenstein – Schrecken aller Floßfahrer

 

 

Kurz nach 18:00 h erreiche ich das Kloster Schäftlarn. Benediktiner – unangenehme Erinnerungen an meinen Halt bei der Holding Maria Laach werden wach. Die Pforte ist zu. Bis 10 vor 7 schelle ich mehrmals. Die hell erleuchteten Fenster zeigen mehrere Personen. Obwohl die Schelle sehr laut tönt – mir wird es schon peinlich – rührt sich keine Tür. Ich wollte es doch wirklich einmal wissen, wie Klöster sich gegenüber einem Pilger verhalten – und ob sie ein Refugio haben – eine einfache Unterkunft. Denn Schäftlarn liegt direkt an einem mit Pomp publizierten „Jakobsweg“. Die Schilder sind nicht zu übersehen. Da öffnet sich eine Kellertür und eine Küchendame lässt Freunde herein. Ich frage, ob hier alles geschlossen sei. Ja, ab 18:00 h. Wirklich? Ja, wirklich.

 

Es ist jetzt dunkel, und ich schreibe an den Abt GREGOR meine Karte. Auf zigmaliges Schellen müsste man doch einmal öffnen: Vielleicht ist man auch hier zu satt, zu behäbig, zu eingebildet, zu gedankenlos geworden. Nach einer „Holding“ sah mir das Ganze aber nicht aus. Auf meinen vielen Romfahrten mit meinen Schülern habe ich es nie versäumt, Schäftlarn einen Besuch abzustatten. Die herrliche Rokokokirche! Vor einem halben Jahrhundert war ich gerade da, als Handwerker die Fresken reinigten: mit frischem Brot, das sie gegen die Gemälde drückten. Jetzt wird wieder daran gearbeitet – in 100 Jahren wieder. „Und ewig blühen die Linden!“

 

Ich ging im Regenschauer ins Klosterstüberl und fand ein gutes, preiswertes Essen, was mich etwas versöhnte. Dass ich dann für 30,00 € einem einfachen Zimmer zustimmte, lag wohl am geschenkten Birnenschnaps und dem Dauerregen vor der Tür. Lese noch bis 22:00 h in dem Buch von BOTTINEAU „Der Weg der Jakobspilger“, das in der Wirtschaft ausliegt.

 

 

 

 

146. Tag

Samstag, 9. Oktober 2004

Kloster Schäftlarn > Bichl

39 km (4.012 km)

 

09.10.2004 21:10 h (SMS)

Ganzen Tag Regen oder bedeckt. Stellenweise nebelig. Dennoch herrlicher Gestrüppweg durch die Pupplinger Au. Immer an der Isar entlang. Mittagessen in Wolfratshausen. Stramm durchgegangen. 19:00 h in Bichl. AUGUSTINER STÜBERL. Zelt im Biergarten. Noch 75 km bis Innsbruck. Morgen wieder Regen. Gute Nacht Freunde.

 

 

(19.10.2004 Nachtrag per eMail)

Dem Kloster gönne ich keinen Blick und marschiere durch die Pupplinger Au Richtung Wolfratshausen. Es regnet und ich gerate in einen Wirrwarr von Wegen und Wegelchen, die sich im Zick-Zack durch das Gestrüpp schlängeln. Endlich bin ich an einem Wehr. Der Weg wird wieder Wanderweg. An der Loisach entlang ist er unpassierbar und ich gehe die Leithe hinauf. An einem Ausblick hat der Isartal-Verein gefallenen Kameraden des 1. Weltkriegs einen Findling gewidmet. Da stelle ich fest, dass eine silberne Medaille des Pilgerstocks abgefallen war. DIETERs Kleber hat doch nicht geholfen! Soll ich zurückgehen? Mutter betete immer zum Hl. Antonius … 200 m bis zum Abstieg gehe ich mit Argusaugen zurück. Laub, Schlamm, Steine. Nichts! Auf dem Rückweg finde ich sie. Antonius, habe Dank!

 

In Wolfratshausen packen sie gerade die Floßstämme bis zum nächsten Sommer weg. Bis Königsdorf folge ich dem Radweg. Was ist aus Geretsried geworden, wo man 1946 Sudetendeutsche zwischen Munitionsfabriken ansiedelte? Ein blühendes Stadtgebilde. Eine hohe Wirtschaftskraft. Ob Wolfratshausen etwas neidisch ist?

 

In Bichl marschiere ich in der Dämmerung ein. STEFFI schickt eine SMS, wo ich wäre, sie hatte permanenten Stress. Vielleicht schafft sie es noch, einmal mitzulaufen. Die irrige Meinung ist, dass Regeneration durch Beine hochlegen geschieht. Aktiv sein ohne Stress – das ist es! In Bichl finde ich noch ein Gasthaus, der beherrschende „LÖWE“ ist schon ein ABLG (= allseits bekannter Landgasthof). Im AUGUSTINERSTÜBERL bekomme ich zu essen und darf in der Gaststube mein Lager aufschlagen. Es regne draußen. Man würde mich einschließen. Ich solle mich nicht erschrecken: SCHORSCH, der Wirt, komme morgen schon um 7:00 h. Er will Formel 1 sehen. Wir könnten dann zusammen frühstücken. Das Frühstück muss ich nicht bezahlen. Danke SCHORSCH!

 

 

361. Mahnmal in Wolfratshausen: Gedenken an den Durchmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge

 

 

 

  

 

147. Tag

Sonntag, 10. Oktober 2004

Bichl > Mittenwald

44 km (4.056 km)

 

11.10.2004 22:30 h (SMS)

Nacht auf dem Campingplatz Isarhorn verbracht.

 

 

Innsbruck ruft. Noch 78 km. Gehe erst in die Messe. Komisch: Der Volksgesang erfolgt nur von der Orgelbühne durch einige dünne Frauenstimmen. Keiner singt mit. Gerade mal das Vaterunser. Der Kenner der Szene mag mich aufklären.

 

Die Kartenrolle bis zum Brenner habe ich gestern verloren. Deswegen lief ich nicht zurück. Bis Sterzing schaffe ich es ohne Karte! In Kochel esse ich im ABLG nur Weißwürste: Teuer, die Brezn muss man extra bezahlen. Goethe was a hier! – Auf dem Weiterweg nur ABLG. Einer hängt sogar ein großes Schild heraus: Essen zu DM-Preisen. Ob man ein schlechtes Gewissen hat? Ich lese die Karte: Schnitzel Wiener Art mit Pommes 14,20 €. Es reicht!

 

In einer Mischkneipe (Café, Laden, Kneipe) zahle ich für eine Tasse Kaffee und ein Stück Käsekuchen 5,50 €. Das muss auch nicht mehr sein! Dazu diskutiert der Wirt heftig über die Preistreiberei in den Gaststätten.

 

Ich passiere einen rastenden Bus. Fröhliche Leute davor. Mache eine Bemerkung über den ausströmenden Bierduft. Mogst oans? Auf einmal habe ich ein Warsteiner in der Hand und die Westentaschen voller kleiner Schnapsflaschen. Stammgäste-Ausflug der „WURSTKUCHL“ München. Herzlichen Dank. Weiter geht es.

 

 

   

362. Dafür werbe ich gerne!

 

     

363.“ Wurstkuchl-Connection“ – reichlich Alkohol für den Pilger.         364. Plötzlich im Wald vor Walchensee:

       Rechts das Wurstkuchloriginal: Wirt „Winni“                                     Goethes Rastplatz

                                                                                                        

 

 

 

Vor Mittenwald rieche ich mitten im Wald Pommes Frites. Komisch. Ein Weg geht rückwärts: Camping „ISARHORN“. Surhaxe 8,00 € inklusive ½ l Mittenwalder Bier. Ich habe Hunger. Das Zelt brauche ich nicht aufzuschlagen. Im Jugendraum stehe ein großes Sofa. Wieder Danke! Es regnet weiter in Strömen. Es geht auch ohne Abzocken! 5,00 € kostet der Campingplatz. Noch ein Gruppenfoto mit CHRISTINA und MARTINA und dann gut geschlafen. Aufs Dach trommelt der Regen.

 

 

365. Gutes Essen, freundliche Leute am Campingplatz „ISARHORN“ vor Mittenwald – CHRISTINA und MARTINA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

148. Tag

Montag, 11. Oktober 2004

D-Mittenwald > A-Insbruck

33 km (4.089 km)

 

11.10.2004 22:30 h (SMS)

Jugendherberge aufgesucht. Bericht folgt. Bin müüüde!! Wolfgang

 

 

366. Vor Innsbruck: Schnell muss es gehen, der nächste Zug kommt bald. Schienenwechsel mit Verschweißung 

 

 

367. ANGELO aus Portugal. Bringt ALEXA in München Filme und gefundenen Knirps-Schirm zum Heimschicken

 

 

  

368. 15 km vor dem Brenner                        369. Oma GIEMULLAS Werbebanner ersparte manche Erklärung     

 

 

 

149. Tag

Dienstag, 12. Oktober 2004

A-Insbruck > A-Steinach

34 km (4.123 km)

 

13.10.2004 08:25 h (SMS)

Bin die ganz alte Brennerstraße über Igls > Patsch > Matrei gegangen. Bis Mittag bedeckt. Nachmittags Sonne. Herrliche Ausblicke. Nette Gespräche am Wegesrand. Ab Matrei die stark befahrene Brennerstraße bis zum Gasthof „WOLF“ gegangen. Kategorie „normales Gasthaus“. Darf im Wirtshausgarten mein Zelt etwa 8 km vor der Passhöhe aufschlagen. Wolfgang.

 

 

 

370. Brennergebühren – da soll ein Vorbeifahrer durchblicken!!

       Das ist eine Abzockunverschämtheit

 

 

 

371.  Links gehen. Vor Linkskurven Pilgerstock rechts raus!

 

        

372. Beim 3. Treffen der netten Straßenwachtler gab ich einen aus!     373.  Tiroler Farben vor und nach dem Brenner

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

13.10.2004 17:10 h (SMS)

Seit 12:00 h Italien betreten über den Brennerpass. Gehe jetzt im Eisacktal Richtung Brixen. FELIX AUSTRIA hat mich gar nicht wahrgenommen. Gutes Wanderwetter! Gestern Nacht 5° C. Dem Schnee entkommen. Jetzige Telefonnummer: +39 33 84 31 28 47. Am besten vom Festnetz. SMS kostet exakt so viel wie in Deutschland. Ich bezahle kein Roaming. Gruß Wolfgang.

 

374. Herrliches Eisacktal!  „Das allerschönste Stück davon ist doch die Heimat mein…“ Südtiroler Lied!

 

 

 

150. Tag

Mittwoch, 13. Oktober 2004

A-Steinach > I-Maria Trens

34 km (4.157 km)

 

13.10.2004 23:50 h (SMS)

Habe bei Familie MESSNER (auf Nachfrage der Redaktion: nicht bei dem bekannten REINHOLD!) für € 19,00 ein Zimmer mit Frühstück genommen. Alle Kinder machen Musik! Ein toller Abend in der Wohnstube. Ich kann jetzt das Südtirolerlied: Wohl ist die Welt so… Wer sich die Musik erkiest…! MATTHIAS spielt die Diatonische, ich begleite ihn. Von der Straße kommen Leute rein… Alles singt. Die JELINEK würde sich mit Grausen abwenden! Sonst bekäme man auch keinen Nobelpreis!!  Heidi, heidi, heido, heida…

 

 

375.  Bei MESSNER: Wohl ist die Welt so schön… und jede Menge Zwiefache auf der „Diatonischen“

        v.r.n.l.; IDA, MATTHIAS, SONJA, MARIA, BENJAMIN, HERMANN und i

 

 

 

376. Noch einmal ein Kissenspruch. Sehnsuchtsgedanken

 

 

 

151. Tag

Donnerstag, 14. Oktober 2004

Maria Trens > Vahrn (Vanra)

27 km (4.184 km)

 

14.10.2004 21:10 h (SMS)

Herrlicher Wandertag durchs herbstliche Eisacktal. Nur Wanderwege! Lande um 18:00 h auf dem VORDERRIGGERHOF und probiere den neuen Roten. Morgen werden die alten Fässer leer gemacht. 15,00 €, ich bleibe für zwei Nächte. Morgen ist der Hof voll!! Gruß Wolfgang.

 

 

       

377. Felssicherer für Radweg und Bahnstrecke  378. Aufatmen: Radweg im engen Eisacktal

 

 

   379. Dem Eisck entlang

 

 

 

 

152. Tag

Freitag, 15. Oktober 2004

Vahrn (Vanra) > Brixen (Bressanone), Jugendhaus KASSOANEUM

14 km (4.198 km)

 

15.10.2004 17:30 h (eMail)

Komme gerade an einen Computer in der Bibliothek von Brixen. Bin doch nicht in dem Quartier geblieben, sondern weiter nach Brixen gegangen. Das KASSEANEUM ist eine Art Jugendherberge – Jugendhotel. Sehr fein und für die Kategorie Herberge teuer. Ich bekomme sogar einen Sonderpreis 21,00 €. Das Problem ist und bleibt: Es gibt keine normalen, einfachen Herbergen. Als Fernwanderer brauchte ich sie aber, um einigermaßen über die Runden zu kommen.

 

Warum ich weiter ging? Nun Frau BAUMGARTNER hatte Stress. 120 Gäste erwartet sie heute und ich war da wohl nicht so erwünscht. Ich wollte den Tag zum Schreiben der Berichte ausnützen, aber mein Zimmer war kalt. Sie heize nicht extra an und ich sei doch wohl abgehärtet… Aber in Kälte schreiben, das passt nicht. Ich könne ja in irgendeinen Gasthof gehen, wo es warm sei… Ich glaube ich bin hier heute ein Störenfried. Es wundert mich nur, dass meine Nachbarzimmer mollig warm waren… komisch schon. Nettheit und Komischheit wechseln einander ab.

 

Meine deutsche Handykarte ist verloren. Ich hatte sie gestern gegen die schwedische einmal ausgewechselt und Axel mit den Restkronen eine SMS gesandt. Laufe von Neustift noch einmal zurück und drehe alles um. Die Karte bleibt verschwunden.

 

 

380. Vahrna Natursee

 

 

Im Kloster Neustift residieren Augustiner. Unser ehemaliger Pfadfinderkamerad WERNER LÜCKHOFF ist einer geworden: Pater MICHAEL in Berlin. Jetzt möchte ich einmal die Augustiner testen. Ein riesiges Stift!! Führung 4,50 €. Auch für die Kirche. Die Beter müssen hinter dem Gitter knien! Nein, sie dürfen keine Einzelwanderer aufnehmen, nur Gruppen ab 15 Personen. Gesetz. Die umliegenden Hotels haben was dagegen. Soweit die Dame in dem Bildungscenter. Ich gehe zur Pforte, besser:  Kasse für die Führungen. Ich hätte gute Verbindungen zu den Augustinern und möchte gerne einen Pater sprechen.

 

Pater OTTO, 80 Jahre, kommt. „Wünschen Sie eine Unterstützung?“ Ich verneine. Er merkt, dass er mich nicht im Vorraum unter den Touristen abfertigen kann und wir gehen ins Kloster. Ich stelle ihm meinen Weg und meine Idee vor und frage, ob es tatsächlich hier für echte Pilger keine Übernachtung gäbe. Er verneint, ist aber traurig über die Entwicklung des Klosters. Wahrlich: Neustift ist ein Museum geworden mit einem Touristenansturm ohnegleichen. Alles würde verwaltet, sagt der Pater enttäuscht. „Auch der Glaube?“ wage ich zu fragen. Er bekommt meine Karten. Das 20 Minuten Gespräch ist vorbei. Danke Pater OTTO!

 

Im Büro möchte ich nur ganz kurz ins Internet sehen. Nein, das ginge nicht, es dürfe nur dienstlich benutzt werden. Ich lasse der Dame meine Karte. Sie könne dann dienstlich reinschauen, was ich über das „Kloster“ Neustift schreiben werde.

 

 

381. Kloster Neustift – Christliches Museum mit dicken Mauern

 

 

   382. Kühe lieben Musik aus der Mundharmonika

 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 16.10.2004)

Über Neustift lief ich auf Umwegen nach Brixen. Hier muss man die enge Talstraße meiden! (Wegen der Telefonkarte noch einmal zurück nach Vorderrigger gelaufen!) Bozen hat keine Jugendherberge (das Kolpinghaus ist abgerissen!) sondern eine Jugendbildungsstätte „KASSIANEUM“

 bildung@jukas.net – www.jukas.net

 

Die Dame in der Tourist-Info ist sehr nett und versorgt mich gratis mit Kartenmaterial, was in dem ausgesprochen teuren Südtirol eine Seltenheit ist (Internetcafé 15 Min. = 2,50 €!) Das JUKAS ist ein Hotel. Sauber, profimäßig geleitet. Ich erhalte einen Sonderpreise: 21,00 €. Einbettzimmer mit Dusche und WC. Ich glaube den freundlichen Leuten an der „Rezeption“, dass das Haus ein Zuschussbetrieb ist und dass viel ehrenamtliche Arbeit geleistet wird. Aber – wer bezahlt den Jugendlichen, die noch keinen Cent für das Bruttosozialprodukt eingebracht haben, diesen Luxus? Natürlich die Eltern.

 

Es gibt keine einfachen Unterkünfte mehr, das ist meine Kritik (siehe Mewes: „Manipulierte Maßlosigkeit.“) Dass Geld verdient werden muss, rückt so in weite Ferne! Zurück zu einfacheren Formen! Aber da muss wohl erst ein Untergang erfolgen. Wenn wir uns zeitweise nicht mehr quälen müssen – sind wir schon verloren! (Das Quälen mit den selbst gemachten und manipulierten „Problemen“ gehört nicht hier her!!) Wir brauchen wieder so etwas wie die Turnerbewegung. Wie las ich auf einer Toilette (Verzeihung) an der Wand: Kant: TO BE IS TO DO; Marx: TO DO IS TO BE;

Sinatra: DO BE DO DO DO

 

Der Jugendherbergsgedanke wird wieder auferstehen – aus der puren Not heraus! Dann sind auch wir bald wieder auf dem Teppich!

 

 

   383. Frühstück im Jugendhaus Brixen 

  

 

384. Alles spricht vom Jakobsweg – nur Schilder sind zu wenig!! Sichere Wege, normale Unterkünfte!! 

 

 

   385. Neben der Straße durch den Weinberg

   386. Herbstweg am Eisack entlang

 

 

Pässe oder wie man über die Alpen kommt

Wer von München aus nach Italien will, geht über den Brenner. Der direkte Weg führt über Wolfratshausen > Bichl > Kochel > Mittenwald > Zirl > Innsbruck > Matrei > Sterzing. Dann ist er schon über die Alpen, und es wird mit jedem Schritt wärmer und italienischer, bis er in Bozen landet, das die Südtiroler „Dampfkessel“ nennen.

 

Auf dieser Strecke hat der Wanderer drei Pässe zu bewältigen: Den Kesselberg von Kochel nach Urfeld, den Zirlerberg nach Mittenwald-Scharnitz und den Brenner selbst. Der Kesselberg ist kurz und heftig, der Zirlerberg (übrigens der steilste Alpenpass!) brutal grade und steil, und der Brenner ist lang und sanft.

 

Johann Wolfgang von Goethe fuhr diese Strecke auf seiner „Flucht vor Amtsgeschäften und Frauen(?)…“ Sein herzoglicher Spezi in Weimar erfuhr ja erst von seiner Italienreise als Johann Wolfgang schon durch Oberbayern karrte. Ob vor Kochel, ob vor Urfeld, ob in Mittenwald – alle prahlen sich heute noch mit „Goethe was here!“ Das wird mich bis Sizilien begleiten, obwohl ich mir sagen ließ, dass die Italiener mit den „Goethe-was-here-Stationen“ semantischer umgehen. Jedenfalls: Riesenfresken (vor Kochel) an den Gasthöfen. Denkmäler (vor Urfeld) und Bronzetafeln (in Mittenwald) pflastern den Weg des berühmtesten Italienreisenden.

 

Den meisten Schweiß vergoss ich am Kesslberg. Der Zirlerberg ging abwärts und abwärts laufe ich mühelos und den Brenner selbst merkte man nur die ersten Kilometer nach Innsbruck. Es gibt drei Möglichkeiten für PKWs den Brenner zu überqueren:

1. Autobahn, Europabrücke, zuzüglich Pickerl (teuer).

2. Autobahn mit Pickerl, alte Brennerstraße rechts des Tales (preiswerter).

3. Zirlerberg, in Zirl von der Autobahn runter, durch Innsbruck, ganz alte (links des Tales) oder alte Brennerstraße. Das kostet weder Pickerl noch Brückenzoll, ist landschaftlich reizvoll, dauert leider etwas länger… Bei unserem Gehetze muss ich immer an Exypery’s Kleinen Prinzen denken, der auf durst stillende Pillen pfeift und ganz gemächlich zum Brunnen geht. Also: Keine Angst vor den Alpen!

 

 

  387. Europabrücke – 50 Jahre sprudelnde Geldquelle

 

 

    388. Viele mussten an der alten Brennerstraße schließen

 

 

 

Tirol – Tyrol

 Seit Innsbruck wurde ich immer darauf hingewiesen: Es gibt nur ein Tirol! Kunstvoll an die Häuser gemalt, als Mosaik an den Berg gelegt, unlenk an die Scheunentür gepinselt – in Hochdeutsch oder Dialekt. Der Vertrag von St. Germain zerriss 1919 Tyrol und der Riss ist bis heute noch nicht zugekittet. Das vereinigte Europa hat viel Ruhe – Gott sei Dank – gebracht und die Südtiroler werden von Rom wie rohe Eier behandelt, denn die Wirtschaftskraft dieses fleißigen Menschenschlages ist enorm. Rom scheint auch seine „Italienisierung“ aufgegeben zu haben und die Südtiroler spüren, dass es ihnen bei den Italienern gut geht. Mit Wien hat man’s nicht so! Alles läuft hier zweisprachig ab. Sogar der Aufgussmeister in der Brixener Sauna erklärte zweisprachig, dass sein Duftwasser für die eventhungrigen Nackedeis von der Edeltanne komme.

 

Europa hat aus dem Konflikt die Luft herausgenommen. Es gibt ja wirklich nur ein Tirol. Wohin sich ein kleiner Teil der Goten durchgeschlagen hatte. In der Talenge bei Salurn machte man den Sack zu und ließ nur die durch, die man mochte. Wie heißt es doch im Südtiroler Lied: „Von Sigmunds Kron die Etsch entlang – bis zur Salurner Klaus!“ Die Kraft kommt von der Eisack, männlich, wie der Menschenschlag hier.

 

 

   389. Südtirol 

 

 

  

 

153. Tag

Samstag, 16. Oktober 2004

Brixen (Bressanone),  > Kollmann (Colma)

26 km (4.224 km)

 

16.10.2004 11:40 h(SMS)

Als die Faxe weg sind und ich aus dem Jugendhaus trete, liegt 200 m höher eine geschlossene Schneedecke. Wie recht hatten die Leute am Brenner: „Gerade vor dem ersten Schnee rüber…“

 

 

   390. Ständiger Begleiter“ der Eisack

 

 

17.10.2004 06:30 h(SMS)

Ein wunderschöner Wandertag am Eisack entlang durch noch nicht abgeerntete Apfelplantagen mit riesigen Früchten. Man merkt den Verkehr des engen Tales nicht. Um 17:30 h halte ich am Gasthaus DREI BRÜCKEN. Guter „Speeeck“ und Roter, Gitarre an der Wand! Ein Gast: „Das einzige normale Gasthaus zwischen Brenner und Bozen!“ Übernachtung mit Frühstück: 18,00 €. Gruß Wolfgang.

 

391. Den ÖTZI hat sich Bozen gekrallt! Der verstorbene Finder bekam bis dato nichts

 

 

   392. Südtirol – Obstkammer Europas

 

 

    

393. Riesenapfel – Marke: EMIRAT-APFEL     394. Tonnenweise Äpfel – ganz vorsichtig einfüllen, nur mit Stiel!

       Oben liegt schon Schnee!

   

 395. Alles triff sich im engen Eisacktal: Weg und Mensch             396. Europa, du kommst am Christentum

                                                                                                        nicht vorbei!

 

 

 

154. Tag

Sonntag, 17. Oktober 2004

Kollmann (Colma) > vor Kaltern (Caldaro)

32 km (4.256 km)

 

17.10.2004 22:20 h(SMS)

War in Kollmann in der Messe! Frauen links, Männer rechts! Zurück in Drei Brücken esse ich zu Mittag. Kassler, Sauerkraut, Bratkartoffeln für 5,00 €. Der Wirt schenkt mir noch 500 g Speck. Welch‘ ein Wirtshaus! Hier darf man nicht vorbeifahren! Laufe die alte Bahntrasse bis Bozen. Immer am Eisack entlang. Demnächst wird es ein Radweg! In Bozen ist Verkehrschaos. ISABELLA und CONNY bringen mich aus der Stadt auf die Kalterner Strecke. Lauf noch 6 km. Zimmerpreise ab 35,00 € aufwärts. Liege im Weinberg. Gute Nacht, Wolfgang.

 

 

   397. Gasthof „DREI BRÜCKEN“ 

 

   398. Hier haben die Maler immer noch schöne Arbeit

 

               

399. Diese Bilder schmücken auch die Landschaft    400. Könnte auch auf Opas Kissen stehen                                   

 

 

 

 

(Nachtrag per Post 20.10.2004)

 

Normale Gasthöfe

Ich bin bequem geworden! Als im Gasthof „DREI BRÜCKEN“ der Wirt sagte, dass das Zimmer 18,00 € koste, sagte ich zu, obwohl er mir auch einen „Platz unterm Apfelbaum“ anbot. Das Zimmer mit Fernseher, Badewanne, Dusche, Toilette und Balkon war preiswert. Dass er mir den Apfelbaum ohne Murren anbot, war ausgesprochen nett. Das ganze Gasthaus war nett, bis auf die Bedienung, die nur mit ihrem G’SPUSI lachte, der zwei Stunden bei Mineralwasser vor der Theke stand und mit den Füßen scharrte, bis sie endlich Feierabend hatte.

 

Hohe Übernachtungspreise, angemessen dem Zimmerstandard sind für einen Urlauber bezahlbar, für einen Fernwanderer wie mich auf die Dauer jedoch nicht. Es fehlen generell die „einfachen Zimmer“ für Wanderer und Radler, die nicht an einem Tag in ihrem Adria-Quartier sein können: Also ohne Telefon, Fernseher, Dusche und Toilette auf dem Zimmer. Doch der Kunde hat die Gastronomie zu diesem Standard getrieben! Es schien ja alles mühelos zu laufen: Investieren, um beim Zimmerpreis richtig zuschlagen zu können. Regionen in Österreich und Italien rechen mit bis zu 25 % weniger Gästen! Dazu kommt das mangelnde Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem €uro. Die Umrechnung der Lire in €uro ist fast so einfach wie in Deutschland. 1.000 Lire = 1,00 DM, 2.000 Lire = 1,00 €.

 

 

   401. Denkmal in der Sachsenklemme. Napoleons Spuren.

 

 

Wenn also der Gasthof „SACHSENKLEMME“ mir für eine einfache Pizza 7,50 € abnahm, so sind das 15,00 DM oder 15.000 Lire. Solche Pizzen können sie sich demnächst selbst in die Haare schmieren, ich verpflege mich mittags wieder selbst! Dass man in Bayern und Österreich schon zurück rudert, muss sich erst nach Südtirol durchsprechen; was man nur hier von Italien erzählt, so werde ich wohl voll in den Teuro hineingeraten. Aber wie gesagt: Ich kann mich schützen und manchmal steckt auch viel Nord-Süd-Klatsch dahinter.

 

Ich erinnere mich noch gern einer Reisebeschreibung: Ein Deutscher fährt nach Italien. In Südtirol sagt man: Sie wollen nach Mailand? Bleiben sie hier, das ist ganz schlimm da! In Mailand: Sie wollen nach Calabrien? Bleiben sie hier! Das sind ja keine Menschen! In Calabrien: Sie wollen nach Sizilien? Bleiben Sie hier: Die sind ja ganz schlimm!! Zurück in München parkt er hinter einem Auto. Auf dem Aufkleber ist zu lesen: Heut’ auf d’ Nacht, wer’n die Preiß#n abg’schlacht’!

 

Aber das alles war nicht so in „DREI BRÜCKEN“, wo ich das erste mal spürte, hier nicht ausgenommen zu werden.

 

402. Gasthof „DREI BRÜCKEN“, v.l.n.r.: LUIS, MARIANNE, Wirtin MARTINA, MAX und i

 

Eine Pilgergeschichte

Knapp vor einem Jahr erschienen in Waidbruck  acht Pilger mit einem Pfarrer. Sie wollten in einem geschützten Raum übernachten. Jeder hatte sein Bettzeug dabei. In Kollmann hatte der Pfarrer keine Möglichkeit die Pilger unterzubringen. Oben auf dem Berg – in Barbian – war auch keine Möglichkeit. MARIANNE M., die das in die Hand genommen und telefoniert hatte, übergibt die Angelegenheit dem Pfarrhaus in Waidbruck in dem der MESSNER wohnt. Dieser hat auch keinen Raum.

 

Da wollen sich die genervten Pilger unter einem Überdach auf dem Schulhof niederlassen. Das verbietet die Polizei. Die Pilger landen auf dem Bahnhof, wo sie ihre Schlafsäcke ausbreiten dürfen. Die Messe dürfen sie dann auch am nächsten Morgen feiern, in der Kirche, nicht am Bahnhof.

 

 

  

155. Tag

Montag, 18. Oktober 2004

vor Kaltern (Caldaro) > Salurn

37 km (4.293 km)

 

(Nachtrag 19.10.2004 per Fax)

Die Nacht war feucht und kalt. Schon einen Tag schleppe ich eine leichte Erkältung mit mir herum – Schluckbeschwerden. Noch in der Dämmerung breche ich auf. Ein paar Kilometer bis Kaltern! Die Geschäfte haben (dürfen) hier keine Kaffeeecke (haben). Aus Trotz gehe ich in kein Café. Kaufe Brot, Aufschnitt und Milch. Setze mich auf eine Bank am Marktplatz.

 

Ein Wohnmobilfahrer aus Neumarkt spricht mich an. Kaffee? „Kommen Sie mit zu meinem Wagen!“ Ein Riesenpott Milchkaffee und ein Glas Orangensaft werden mir gereicht. Er  beteuert, ich mache keinen hilfsbedürftigen Eindruck. Wohnmobilfahrer unter sich. Ich hatte ihm von meinen Fahrten erzählt. Kontakte schaffen immer Vertrauen – und dann öffnen sich die Herzen und die Hände. Oma GIEMULLAs Fähnchentransparent führt dazu, dass ich laufend angesprochen werde. Ich meide schon ausgekippte Reisebusse.

 

 

   403. Mendelpasshöhe

 

 

Als ich von meinem Frühstücksplatz hoch zu den Felsen über Kaltern blicke, fallen mir zwei Sachen auf: Eine Schienenbergbahn – irre steil und auf einen unzugänglichen Felsen die Fahne Südtirols (weiß-rot) gemalt. So was kann man nur 100 m abgeseilt malen. Gibt es hier immer noch Probleme mit der Autonomie? (Vor dem italienischen Kindergarten in Salurn sah ich dann am nächsten Tag drei Fahnen hängen: Italien, Europa und eine zusammengeknotete weiß-rote.)

 

 

  

404. Drei Fahnen vor dem italienischen Kindergarten in Salurn: Italien, Europa und (geknotet) Südtirol

 

 

 

Die Bergalm reizt mich, technisch, man gönnt sich ja sonst nichts! Die Bahn zum Mendelpass hat seit 1902 eine bewegte Geschichte. Die Fahrt (Hin- und Rück-) kostet 7,50 €. Es hat sich gelohnt. Nun geht es mit Verspätung auf die Strecke.

 

 

   

405. Mendelbahn                                       406. Radweg – nur an der Etsch entlang!

 

  

 

Herrliche Wanderwege immer das Etschtal hinunter. Wald und Weingärten. Ich lande in Tramin. Bis jetzt ein von mir bevorzugter Wein. Wie kann ich hier nur nach einem Zimmer fragen! Das hielt mich eine Stunde auf, so dass ich erst nach Einbruch der Dunkelheit im Salurn einmarschiere. Ich habe zuerst ein nettes Gespräch mit Weinbauern, die mich zur Touristen-Information schicken. Wegen meiner Erkältung will ich nur heute ein Zimmer – einfach – nehmen. Krank sein wäre schlimm.

 

 

   407. Brotzeit vor Tramin – Hochsitz

 

  

Das Büro ist gut besetzt. Ich will bis 20,00 € gehen. Die Dame telefoniert. Frustriert eröffnet sie mir: Ich finde nichts! 26,00 € für eine Frühstückspension lehne ich ab. Das Problem ist, dass ich nur eine Nacht bleiben will. Inzwischen wackeln die Rentner nur so herein und kriegen ihre 40-50-60iger Zimmer serviert. Bunter Katalog, Kreuzchen hier, Kreuzchen da. Wäre das recht? Jetzt hat der Chef meine Homepage („Wir werden schon eine Lösung finden!!“) Jetzt wissen sie von meiner Riesenaktion, dann kommt als einzige Alternative. Ich finde nichts. Schade, dass ich hier gehalten habe. „Was meinen Sie, was Sie da unten (d. h. Italien) erwartet?“ Keine Angst, meine Dame, ich bin gut und preiswert durch sechs Länder gekommen, ich schaffe Italien auch noch. Mit bestem Dank für die Mühen gehe ich. Die haben hier noch gar nicht bemerkt, dass der Kunde langsam den irren T€uro begreift und handelt.

 

Durch Obstgärten laufe ich Richtung Salurn, dem letzten Zipfel Südtirols zu. Der Kanal immer rechts von mir. Wunderschön! Langes Gespräch mit Apfelpflückern. Alles noch Südtiroler. Ein paar Kilometer weiter sehe ich schon die slowakischen Autos. Slowaken, die Litauer Südtirols. Die Donaumonarchie lebt wieder auf! Kaiser Franz Josef prangt auch von einer der besten Mineralwasser Südpolens… Weil ich nicht bei einem Kanalzusammenfluss schwimmen will, muss ich 2 km zurück. Sch…, ich erreiche Salurn mit Umweg gegen 19:30 h in der Dunkelheit.

  

Vorher habe ich mir schon einen Schlafplatz in den Plantagen gesucht. Doch ich brauche Lebensmittel. Italienischen Öffnungszeiten vertrauend gehe ich ins Zentrum. Oh ja, SPAR hat noch offen. Frage Italiener. Pension SALURN, den Berg hoch! Ein Südtiroler verfolgt mich. Nach einer Zeit: Sie suchen Quartier? Da ist die Pension und hier ist die Jugendherberge! Ich hätte ihn drücken können! Herrliches Bett, 14,00 € mit Frühstück im Jugendhaus „Dr. JOSEF NOLDIN“, ein Kämpfer für die deutsche Sprache in Südtirol, den die Faschisten auf der Insel Lipari verbannten, wo er sich die Malaria holte und kein Jahr nach seiner Entlassung in Salurn daran starb. Zu einer Kur nach Karlsbad durfte er nicht ausreisen.

 

 

   408. Perspektive eines Hungrigen

 

 

Am späten Abend gehe ich in einem Internet-Café auf meine Seite (15 Min. = 1,00 €), keine Veränderung, und nach Mitternacht erhalte ich eine SMS von MARCEL, dass INGA ELISA um 22:00 h geboren worden war. Opa zum Vierten! Das muss gefeiert werden! Mit einer Frühmesse und einem – pardon – Besäufnis in Grenzen. Ich habe zu viel Glück! Ich muss mich mal wieder mit einem 50iger quälen! Aber nicht morgen.

 

P.S.: Die Erkältung ist übrigens schon bei der Ankunft in Salurn verschwunden. Also, liebe Lutschtabletten-Schlucker der Schulmedizin: Sauerstoff und Bewegung. Das ist meine private Gesundheitsreform.

 

 

 

156. Tag

Dienstag, 19. Oktober 2004

Salurn

5 km (4.298 km)

 

19.10.2004 07:10 h(weitergeleitete SMS)

Hi Papa! INGA ELISA ist da!!! 18.10.2004, 22:00 h, 3.650 g, 53 cm. Beide sind gut drauf, alles fit. MARCEL

 

  

 

   409. INGA ELISA

 

 

   410. JULE mit INGA ELISA

 

 

(Nachtrag per eMail vom 27.10.2004)

Zurück in München. Damit Wolfgang sein neues Enkelkind auch mal sieht: hier zwei Bilder. Auf einem ist sie mit ihrer Schwester Jule. Grüße CLAUDIA

 

 

 

(19.10.2004 per Fax)

Die Messe habe ich versäumt. Wer denkt schon bei unserer in der Regel verschlafenen Geistlichkeit, dass um 8:00 h eine Werkstagsmesse ist. Also, morgen vor dem Abmarsch!

 

Nun sehe ich mir dieses Salurn an. Ein herrlicher alter Ort, eingeengt durch steile Felswände, leicht beherrschbar diese Talenge. In der „SPECKSTUBE“, nahe der Kirche, finde ich auch das richtige Lokal. Mittagessen 5,00 €, 2,00 € ¼ l Roter.

 

Endlich hat die Bibliothek auf, sodass ich mich etwas über den Ort informieren kann. Auch lese ich in Goethes „Italienischer Reise“. Leider weist die Ausgabe erst die Strecke vom Gardasee aus. Irgendwo lese ich, dass er die Tiroler Berge im Fluge überquert habe. Ganz meinerseits… STEFFI hatte das auch schon mit Erstaunen in einer SMS von sich gegeben.

 

Ich erhalte übrigens laufend von alten Bekannten Botschaften, die mich immer erfreuen. Die Zugriffsdaten meiner Homepage sind doch sehr erstaunlich hoch und bei mancher Person muss ich doch lange nachdenken, wo ich sie traf. CLAUDIO TOMASINI hilft mir Literatur zu finden und lässt mich in der Bücherei auch kurz an den Computer. Mal sehen ob ich bei ihm meine Faxe loswerde. Nein, Faxen darf ich nicht! Das erste Mal nach 4.300 km. Ich melde mich für heute ab. Die richtige Flasche Roten werde ich schon finden.

 

 

 

  

 

157. Tag

Mittwoch, 20. Oktober 2004

Salurn (Salorno) > Trient (Trento)

29 km (4.327 km)

 

 

20.10.2004 12:50 h(weitergeleitete SMS)

Hi Wolfgang! Congratulations! Oh, so funny! A new Inga! For you! When do you arrive at Sicily? INGA EVELY GAUP, Norway.

 

20.10.2004 13:00 h(weitergeleitete SMS)

Du bist ja schnell! Hast Du die Alpen mit Elefanten überquert? Dann hast Du ja gar nicht mehr viel vor Dir. Läufst Du auch zurück? Steffi

 

20.10.2004 22:20 h(SMS)

Um 8:00 h Messe für meine neue Enkelin INGA ELISA besucht. Einziger Mann. Lateinischer Ritus! Sehr nett: MICHAEL FACCHINI in der Raiffeisenbank verpackt mir einen Brief an Axel und lässt mich kostenlos ins Internet. An meiner Brille (Titan, sauteuer gewesen) hat sich eine Lötstelle gelöst. Ersatzbrille gekauft. Lange gesucht. Gläser mussten passen! Herrlicher Wandertag an der Etsch entlang. In Trient starker Verkehr, keine Fußgängerwege! Fahre mit dem Stadtbus. Jugendherberge 13,00 €. Gute Nacht, Wolfgang.

 

 

 

158. Tag

Donnerstag, 21. Oktober 2004

Trient (Trento) > Albanedo, s.Rovereto (Jugendherberge VERONA)

34 km (4.361 km)

 

21.10.2004 22:25 h(SMS)

Als ich mein Nachtlager suchen will, ruft mich LEOPOLD STAFFLER, genannt POLDI an, ein Gast aus „DREI BRÜCKEN“. Er führe nach Brescia, ob wir uns treffen könnten? Brescia würde passen, westlich versetzt. Ich käme von da länger durch die Toskana. Aus Brescia wurde nur Richtung B. und POLDI macht den Vorschlag, mich in der Jugendherberge VERONA abzuliefern!! Muss man gesehen haben!! Werde hier zwei Tage bleiben und die mir geschenkten Kilometer in der Stadt ablaufen. Wolfgang.

 

 

 

159. Tag

Freitag, 22. Oktober 2004

Verona (Jugendherberge VERONA)

12 km (4.373 km)

 

23.10.2004 19:40 h(SMS)

Stadt besichtigt. Hohe Eintrittsgebühren! Fax wollte ich nicht senden. Sollte 4,00 € je Seite kosten. Gauner! In der Jugendherberge abends große Fete. NORMAN, ein Schotte, und ich heizen ein!

 

    

411. Eng ist es hier                                      412. Session mit Schotten NORMAN in der Jugendherberge

 

 

(Nachtrag per Post 28.10.2004)

Stehe um 7:45 h als erster auf. Frühstück: Maisbrötchen, Marmelade, Kaffee, Milch. Ein Glück, dass ich meinen Sack habe: Käse und Salami! In der Stadt kaufe ich einen Straßenatlas 1:275.000 von ganz Italien und befreie ihn erst einmal – zum Entsetzen des Verkäufers – vom Ortsindex: 50 % Gewicht weniger. Nun kann nichts mehr passieren.

 

 

   413. Verona – Amphitheater. Goethe was here…

 

 

Der Bummel durch die Stadt wird für einige typische Aufnahmen genutzt. Das Amphitheater wird restauriert, die Hälfte ist zugehängt. An der schönsten Stelle der Sponsor mit gigantischen Fotos. Jedenfalls gut gemacht. Es regnet in Strömen. Verirre mich in eine kleine Snack-Bar, wo ich diesen Bericht schreibe. Jetzt werde ich zahlen! Mal sehen, was da herauskommt (nach den Schildern, die draußen stehen…). Da erlebt man in Italien ja immer Überraschungen. Der Preis hielt sich im Rahmen. Nur für ein Fax wollte er 4,00 € haben. Nein, danke!

 

 

   414. Die sollten schnell die Bilder hereinholen!

 

 

Nun Stadtrundgang! Ich mache mir da keinen Stress! Das Schöne liegt sowieso nach 1.000 Jahren im heutigen Zentrum, man passiert es unweigerlich: Hauptplatz, Dom, Theater, Regierungspaläste, Denkmäler. Alles im Mauerkreis – man musste sich ja verteidigen! Die Städte hier in Veneto und der folgenden Emilia Romagna bieten vom Kartenbild her alle das gleiche Gesicht und sind +/- 50 km auseinander: Verona, Vicenca, Mantova, Cremoria, Parma, Modena, Ferrara. Das wäre das Beste: z. B. in Mantua einquartieren und mit der Bahn alle abklappern. Muss wunderschön sein.

 

 

   415. Verona

 

 

Die Eintrittsgebühren müssen in den letzten Jahren um mehrere 100 % angehoben worden sein. 4,00 – 5,00 € für ein antikes Gemäuer ist gar nichts. Als ich in den Dom will und 2,00 € zahlen soll, platzt mir endlich der Kragen: Kostet das was? 2,00 €. Wissen sie was Fräulein, ich bin fast durch Europa gelaufen, nur in Museen zahle ich Eintritt. Ob der Dom denn ein Museum wäre? Als ich ihr meine Karte gebe: Ja, zum Beten könne ich ja rein. Das ist mir zu blöd! Ob man dann wohl auch einen kostenlosen Blick auf den Hochaltar werfen darf… ich gehe. Von außen angesehen ist der Dom auch schön…

 

Die Faxe kriege ich nicht los: 4,00 € das erste, jedes weitere 2,00 €. Faxer scheint sich hier zu einem neuen Beruf herauszubilden. Da bleibt wohl nur noch die gute alte Post.

 

 

 

Begegnungen

1. Omma und mein Hut:

Der Redakteur hatte es schon richtig formuliert: „angesichts seiner auffälligen Erscheinung“ wird er vor Einsamkeit nicht vergehen! Für viele Leute bin ich eben ein Event in ihrem (tristen?) Alltag und sie reden mit mir, wenn ihnen mein Marschschritt Gelegenheit dazu gibt. Im Etschtal beschäftigt sich ein junges Mädchen, rot gefärbtes Haar, mit Oma, die sich mit zwei Krücken auf die Straße gewagt hat. Ich halte ungewöhnlich lange, denn Oma interessiert mein Hut. Das Gruppenfoto zeigt Oma mit Hut, soweit hat sie’s gebracht. Der Schweiß stört sie nicht.

 

416. Begegnung: „Oma mit Krücken“. Bleiben sie doch mal stehen!

 Ich blieb! Gruppenfoto mit Damen.

 

 

 

2. Apfelpflücker:

Apfelpflücken, ein Geschäft, das auch hier schon von den „Negern der Europäer“ erledigt wird. Ihr wisst schon : Erdbeeren, Spargel, Gurken, Arktisches Moos, Blaubeeren, Pfifferlinge… und hier eben im Obstgarten Europas, Südtirol, die letzten Obstsorten. Die Technik interessiert mich. Ausnahmsweise alles Südtiroler. Sie fragen mich aus und ich bekomme dann auch zwei der schönsten Äpfeln geschenkt. Der Pflückkorb hat unten einen Textilschlauch, der beim Pflücken umgeklappt und beim Entleeren frei gegeben wird. Es darf kein Gepolter in den quadratischen Holzcontainern geben. Der Apfel wird vom Baum abgedreht. „Ein Apfel ohne Stiel ist nur noch 2. Wahl!“

417. Apfelpflücker – Einheimische, kein Osteuropa, musste ihnen meinen Weg genaus beschreiben

 

 

500 m weiter ist ein Familienbetrieb am Pflücken: Mutter, Vater, Sohn. Kurzes Gespräch über meinen Weg. Nach 1 km holt mich der Junge (ca. 11 Jahre) mit dem Fahrrad ein und fährt bestimmt 4 km neben mir her. Gezielt fragt er mich Löcher in den Bauch. Die Fragen reichen bis zu meinem Eheleben. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er nur im Auftrag der Eltern ein Zimmer anbiete aber nein! „Es gangert scho, aber die Oma hab eppwasch dagägen!“ Ich schenke ihm meine Karte und er trollt sich von dannen. Am Abend werde ich dann in Salurn Glück mit der Unterkunft haben.

 

 

3. Jugendherbergen und Zimmergenossen:

Die Jugendherbergen haben bis zu acht Betten im Zimmer. Oben und unten. Drei Stockwerke, wie manchmal auf dem Camino nach Santiago, habe ich nicht erlebt. Dort waren sie auch kostenlos! Unübertroffen in Preis und Ausstattung waren die schwedischen Herbergen. Maximal zwei Betten, dazu für 2 – 4 Zimmer eine Küche, voll eingerichtet und Aufenthaltsraum mit TV. Perfekt und billig (110 – 150 kr.). Ab Flensburg ging es dann mit den Vielbettzimmern und dem Preis von 14,00 – 18,00 bis… los. Keine Küche, nur teure Automaten. Flurbereiche als Aufenthaltsräume. Tische Mangelware. Gehen sie ins Restaurant! In Italien ist es extrem geworden: In Verona musste man das Zimmer um 9:00 h verlassen und dann wurde abgesperrt! Man kam nicht mehr an seine Sachen bis 17:00 h!! Bis auf Modena war immer Frühstück im Preis von 13,00 – 15,00 € enthalten. Ich benutze eine Jugendherberge um mich zu regenerieren, zu reinigen, Berichte zu schreiben. Waschen muss ich immer im Waschbecken. Es versteht sich von selbst, dass in solch einem System eine Wäschewaschstelle keinen Platz hat.

 

Während in Skandinavien die Zimmergenossen meistens ältere Leute, Ehrpaare auf Reisen, alles Insider waren, die das System der Vandrarheme ganz schön für sich behielten, sind es ab Flensburg alle Schichten, die Jugendherbergen bevölkern (Bayern lässt keine Erwachsenen in die Jugendherbergen!). Ich stelle mich meist mit Handschlag und Namen vor und richte mein Bett ein. Schnell spürt man, wenn Kontakt möglich ist – dies schon beim Handschlag.

 

In Modena habe ich die Empfangsdame gebeten, das 2-Bett-Zimmer wechseln zu dürfen: Die Jugendherberge ist hier einem Studentenheim angeschlossen. Super, 14,00 €, ohne Frühstück. Mitten in der Stadt. Als ich nach drei Zeltnächten gerade im Zimmer gelandet bin, erschein mein Zimmerkumpan: ca. 40 Jahre mit Rollkoffer – Dozent, der einen auf billig macht. Ausrüstung vom Feinsten – Amani, Bettenbau a la Ecole Militaire. Als ich Wäsche wusch, hat er dann demonstrativ die Fenster aufgerissen. Er hätte etwas warten sollen. Ich bekomme ein 3-Bett-Zimmer für mich und er eine Karte „With Compliments“ – „Wenn wir keinen Schweiß mehr vergießen – sind wir schon verloren…“

 

 

4. Holzhacker:

Holz machen alle Europäer. Nicht nur mein früherer Chef ERNST TERJUNG oder mein alter Kegelbruder FRITZ REERMANN, der es fast zu „industriellen“ Produktionsformen gebracht hat, alle sägen, spalten, stapeln Brennholz. Sie sind in Europa – wie gesagt – in guter Gesellschaft. Von Finnland bis Italien: Holzstapel, um dem Würgegriff des Öls zu entrinnen. Diese Holzspalter unterhalten sich gerne mit mir – und es sind durchweg nette Leute. Man kommt von „Es gibt nur ein Tirol“ bis zum Fallobst und zur Kindererziehung. Ja, ja, Europa, das Holz hält dich zusammen. Offensichtlich aber nur die “ Kohle“.

 

 

   418. Holzmacher 

 

 

 

160. Tag

Samstag, 23. Oktober 2004

Verona > vor Mantua (Mantova)

37 km (4.410 km)

 

23.10.2004 19:40 h(SMS)

Hier haben sie Andreas Hofer füsiliert! Zelt. In Italien ist der Fußgänger ein Nichts. Muss andere Wege gehen!! Wolfgang.

 

   

419. Villa Franca                                         420. Seltsame Kriegerdenkmäler. Anderes Land andere Sitten!

 

 

 

161. Tag

Sonntag, 24. Oktober 2004

vor Mantua (Mantova) > Sailetto

33 km (4.443 km)

 

24.10.2004 20:30 h(SMS)

Den ganzen Tag über stark dunstig. Nebel. Höchste Luftfeuchtigkeit! Alles klamm. Am Abend weiß ich es: Um 18:00 h überschreite ich den Po. Die Ernten hier nicht nur einmal im Jahr! Zehnscharpflüge, riesige Schollen, super Boden. Die Lombarden waren immer reich! Brechend volle Kirche. Einer kommt mir nachgelaufen: Bon Voyage! Merci, antworte ich unwillkürlich. Finde durch Zufall das Denkmal in einem kleinen Park: Andreas Hofer 20.2.1810. Die Stadt Mantua legt jährlich einen Kranz nieder, sagt mir ein Italiener. Napoleon! Danke! Gute Nacht, Wolfgang.

 

   

421. Man liebt es halt martialisch.                  422. Hier wächst einfach alles wie wild. Rabatten am Straßenrand.

       Anderes Land andere Sitten!                          Hier hat mal irgendeiner einen Rosenstock abgekippt…

 

 

 

423. „Die Hände auf dem Rücken, Andreas Hofer  stand…“ Erschießungsort vor der Zitadelle von Mantua.

       Jedes Jahr ein Kranz von der Stadt

 

 

 

162. Tag

Montag, 25. Oktober 2004

Sailetto > vor Rio Saliceto

34 km (4.477 km)

 

25.10.2004 23:50 h(SMS)

Ich habe sie gefunden. Die kleinen Straßen! Wenige Autos. Sonst aber auch nichts los. Danke KLAUS, ODO, SCHIMI und Axel für die häufigen Anrufe. Wolfgang.

 

 

424. Mit dem Feuerzeug erwärme ich die kalte Pizza. Das wirkt. Schnell wird sie heiß gemacht.

       So kann man auch italienisch sprechen, sie lieben es hier besonders theatralisch.

 

 

 

   

425. Wahnsinnsboden, Wahnsinnsschollen, Wahnsinnspflüge!        426. Aus Spilamberto kommt der berühmte

                                                                                                         Balsamico-Essig her.

 

 

 

163. Tag

Dienstag, 26. Oktober 2004

vor Rio Saliceto > Modena

25 km (4.502 km)

 

26.10.2004 17:10 h(SMS)

Bin schon früh hier. Jugendherberge ohne Frühstück 14,00 €. Studentenwohnheim! Sehr schön. 5 Min. ins Zentrum. Hygienetag! Will noch was schreiben. Berichte schicke ich mit der Post. Faxen ist sauteuer. Also, schon mal zurücksurfen! Erste Eindrücke von Modena: sehr italienisch. Was das ist? Werde heute Abend fotografieren, Report schreiben. Bella Italia?

Wolfgang.

 

 

       

427. Venezianische Masken in allen Größen.    428. Arbeitsessen

       Hätte gerne welche mitgenommen, aber…

 

 

    

429. Modena, Hauptplatz                              430. Modena, typische Gewölbegänge, Schatten und Schutz

 

 

 

 

 

164. Tag

Mittwoch, 27. Oktober 2004

Modena > Marano Sul Panaro

35 km (4.537 km)

 

(Nachtrag per Post 30.10.2004)

 

Sehr italienisch?

 

Es kann doch nicht nur die Sonne sein, die fast alle großen deutschen Geister, Lieschen und Dr. Lieschen Müller nach Italien zog und zieht. Keiner kam auf die Idee, mit seinem Kriegshaufen gen Lappland zu ziehen! Die müssen hier also etwas haben – in jeder Beziehung!

 

Am besten spürt man das, wenn es Abend geworden ist, die Laternen ihr gelbliches Licht von den Barockfarben der eigenwilligen Fassaden reflektieren lassen, wenn aus jeder Ecke die herrlichen Düfte der erwachenden italienischen Küche entgegenströmen und wenn man den Dreck am Straßenrand und die maroden Bürgersteige nicht so sieht. Von den Fassaden darf man in den romanischen Ländern sowieso nicht auf irgendetwas schließen – immer, innen muss man gesehen haben.

 

Ich geriet einmal in Venedig aus einer stinkenden Nebengasse mit stark mitgenommenen Putzwänden in ein Haus. Ich dachte mich trifft der Schlag: Das war kein Haus, das war ein Palast!! Kostbare Teppiche, Malereien, strahlendes Messing korrespondierte mit glitzernden Kristall-Lüstern. Also bitte in „Romanien“ nicht mit unserer deutschen Messlatte herumfummeln! Das ist schon an der sächsisch-fränkischen Stammesgrenze südlich Winterberg zu sehen (Frankenberg – Sachsenhausen usw.) Bei uns im Westfälischen strahlen außen die Häuser, alle Misten vor den Häusern waren versteckt worden, manche schnitten den Rasen mit der Nagelschere, man kleidet sich einfach, aß mäßig… ein paar Kilometer weiten dampften bis in die 90iger Jahre die Misten vor dem Haus, die Gebäude waren „ungepflegter“ aber man aß besser, kleidete sich verschwenderischer und fuhr die dickeren Autos.

 

Ist es unsere Sehnsucht nach dem leichteren Lebensstil der Romanen der uns nach Süden zieht? Ich empfinde das in etwa so, wenn ich hier durch die Straßen schlendere und die Italiener flanieren sehe, ihre Speisen sehe und genieße, ihre Mode bei Mann und Frau bewundere – obwohl ich eher als ein Kleidungsmuffel einzustufen bin. Also, ich freue mich schon auf heute Abend, denn jetzt (16:00 h) ist tote Hose! Unter den „Nachtbildern“ wird bestimmt eins gelingen und der Axel sucht es heraus! Danke!

 

 

   

431. Mittendurch oder über die Ränder, das ist oft die Frage.           432. Unaufhaltsam kommt der Herbst. 

       Einfacher ist die Entscheidung bei Regen: durch!              Wanderweg durch das Parano

 

 

27.10.2004 20:50 h(SMS)

Bis Spilamberto war es hart. Ab da ein herrlicher Weg am Panaro entlang. Schlafe das erste Mal in einem italienischen Restaurantgarten. Mein Italienisch kommt immer besser in Fahrt. Schaut doch mal nach, ob der europäische Fernwanderweg hier vorbeiführt! So etwas wie heute morgen mach’ ich nicht mehr mit! Das Essen in der VILLA BISBINI ist super. Wolfgang.

 

 

 

 

165. Tag

Donnerstag, 28. Oktober 2004

Marano Sul Panaro > Montese

37 km (4.574 km)

 

28.10.2004 23:15 h(SMS)

Habe das Panarotal verlassen und bin 13 km stramm bergauf gelaufen. Montese ist 840 m hoch und Skiort. Grandioses Alpeninnenpanorama! Kalt. Marschiere jetzt auf Pistoia und Leonardos Vinci zu. Touristenbüro: Billigstes Zimmer: B & B 28,00 € bei RITA STAGNI. Weiß nicht, warum sie es mir für 25,50 € gibt. Es ist sehr nett hier. Gutes Bett. Wäsche gewaschen. Alles paletti. Gute Nacht! Wolfgang.

 

 

        

433. Frühstücksplatz vor der Bar.                        434. Wie sich die Denkmäler in Ost und West gleichen:

       Venus mit Muschel oben und Pilgerstock             Unseren lieben Befreiern

 

 

 

166. Tag

Freitag, 29. Oktober 2004

Montese > Molino del Pallone

42 km (4.616 km)

 

29.10.2004 20:20 h(SMS)

Regnerischer Tag. Es regnet aber erst richtig als ich im Zelt liege. Mal sehen, wie trocken ich bleibe. Morgen werde ich Pistoia erreichen. Die Fotos von INGAELISA und JULE sind schön. Wolfgang.

 

 

(05.11.2004 Nachtrag per Post)

 

Mittendurch – oder rechts oder links?

Die Frage wie ich durch Italien nach Sizilien komme, stelle ich mir seit Trient ständig. Eigentlich wollte ich ja rechts am Mar Tirreno über Groseto, Ostia usw. laufen, bis ich dann die Adriaseite favorisierte, weil sie vom Wetter besser und gradliniger zu laufen ist. Nun habe ich mich – erst einmal – für die in jeder Beziehung herrliche Mittelroute entschieden. Sie ist bergig – bis gebirgig – und die Strecke wird entschieden länger. Der Verkehr wird – wenn man die Einfallstraßen der Großstädte ausnimmt, geringer werden und die Wanderwege nehmen zu.

 

Der Strich, den ich von Trient nach Rom zog, wies kaum geradlinige Straßen aus; schlimmer: er kreuzte die Straßen fast im rechtren Winkel. Ich musste mich also mehr westlich halten und Florenz meiden. Mit der Linie Modena – Pistoia – Rom kann ich leben. Sie führt an herrlichen Stellen Italiens vorbei und ab Rom halte ich mich dann an die Via Appia. Mancher kann hier von mangelnder Vorplanung sprechen. Aber ist es nicht genau das: Das ganze Leben war ich im Plan, Stundenplan, Lehrplan, Urlaubszeiten, Arbeitszeiten… Ist es nicht herrlich, vor Ort entscheiden zu können? So breit ist Italien ja nicht! Und wie sagte schon der alte FÜRST BISMARCK: „Nur ein Idiot ändert seine Meinung nicht!“

 

So laufe ich also jetzt westlich versetzt mitten durch Italien. Wenn auch nicht alle Wege nach Rom führen – die meisten hier schon. Ich wird’s schon richten! Zunächst bin ich erst einmal in ein hohes Bergland mit Höhen über 1.500 m geraten: Immer bergauf – und hoffentlich auch mal bergab. Nebel, Regen, etwas kühl, wenig Verkehr – die herrlichen Panoramaaussichten konnte ich bisher nur kurz genießen. Die Apeninnen unterschätzt man! Doch: Wenn der Verkehr nicht so heftig ist, macht das Laufen – auch im Regen – Spaß. Kneipen alle paar Meter, sodass man seine Spaghettis und Vinos immer bekommt. Also, gen Süden!

 

         

435. Florenz, Piazza Micheangelo                                             436. Das Original von MICHELANGELO

steht

                                                                                                          20 m rückwärts.

                                                                                                          Aber wer muss sich schon so etwas anziehen?

 

 

167. Tag

Samstag, 30. Oktober 2004

Molino del Pallone > Pistoia

27 km (4.643 km)

 

30.10.2004 21:20 h(SMS)

Ereignisreicher Tag: Leider keine Jugendherberge (Ostelle della Giovantú). Fahre östlich nach Prato. Ist voll – mit Sicherheit nicht. Wieder für 1,60 € weiter nach Florenz. Weit draußen, 20,00 €. Mach ich nicht! Gehe auf den Campingplatz MICHEANGELO. 10 Fußminuten vom Zentrum. Kenne ich noch von meinen Klassenfahrten. Der Schlamm ist auch noch da! 9,50 €. Passt! Tingeln durch die Stadt. Herrlich, ohne Ziel! Konnte doch nicht widerstehen: Menue 14,00 €. Bei ALFREDI SULL’ARNO. Di fronte al Ponte Veccio. Kein Nepp! Grüße an alle Pfadfinder am 1. November. Wolfgang.

 

 

    

437. Florenz und seine Feinde                       438. Gelegentliches Schlemmen erleichtert den Weg

 

 

    

439. Marktplatz Greve in Chianti                 440. Der geschundene Mensch gegenüber    

 

       Generalissimus                                              dem siegreichen Generalissimus                                                    

 

 

 

 

168. Tag

Sonntag, 31. Oktober 2004

Pistoia > Greve in Chianti

30 km (4.673 km)

 

31.10.2004 20:10 h(SMS)

Nach langen Überlegungen gehe ich doch nun den Weg über die Chiantigegend nach Siena. Die Preise hier in der Toskana schlagen dem Weinfass den Boden aus. Eine Mittelmäßige Weinfabrik… GIBBOLE wollte für Übernachtung mit Frühstück 70,00 € haben. Habe unterm Vordach der Kirche mein Zelt aufgeschlagen. Romanisches Gemäuer. Dank für die Namenstagglückwünsche! Wolfgang.

   

 

441. Panzano, Kirchenportal

     

442. Uraltes, verbunden mit Neuem, das lieben die Menschen hier.    443. Lager vor der Kirchentür:

       Wenn ich weiß wo ich herkomme, weiß ich aus wo ich hingehe!        „Da schlafen Sie sicher!“

 

  

 

  

 

 

444. Landschaftspark Nord, Duisburg

       Ausflug einiger proNam-Mitglieder vor dem Puffotteressen, Teil 2. – wir haben es überlebt!

 

Es gratulieren herzlich zum Namenstag und weiterhin Gut Pfad!

v. l. n. r.: JÜRGEN FREUND, BERND HEINRICH, ANDREA mit AMSELM und ELMAR GIEMULLA, STEFF HEINRICH, JOHN-PETER KRISCHBACH, KLAUS STUKOWSNIK, HELMUT und SILVIA JOST mit REBEKKA, HEINZ-DIETER SÜLTENFUSS, CHRISTEL KRISCHBACH, ANNE DIEKMANN, MONI HEINRICH, FERDI VAN EYMEREN, MIKE DOHMEN, GABY BLUME, HELGA SÜLTENFUSS

 

 

 

 

 

(05.11.2004 Nachtrag per Post)

 

Die Toskana – der Kick für die Spekulanten oder Reichen

Als mir die Besitzerin der „WEINFABRIK“ 5 bis 6 km vor Greve in Chianti den Zimmerpreis für eine Nacht, Kategorie 1-Stern, 70,00 € nannte, und ich unter Bravo-Rufen der Umstehenden die 70 in den Kies kratzt, wusste ich, wo ich gelandet war. Frau Patronin hatte eine Adlernase, war in meinem Alter und sonnengebräunt. Solche Leute bringen es zu etwas – wenn auch über die Leichen anderer. Sie sah den abgekämpften Pelegrino, der am Rucksackgurt noch etwas Schlamm vom Florentiner Campingplatz hatte, und sagte triumphierend „70“. Wahrscheinlich konnte sie gar nicht anders, denn die durchweg dicken Karossen vor dem Haus und die nobel gekleideten Herrschaften um mich herum fanden das sogar billig. Ich bedankte mich artig und ging knirschend durch den weißen Kies der Straße zu.

 

 

445. Preistafel, hier kann sich jeder ausrechnen, was er auf dem Campingplatz zahlt.

       Familie mit 3 Kindern fast DM 100,00 

 

 

Wer vor 30 Jahren den Riecher hatte hier eine Immobilie zu erstehen, ist jetzt fein raus, aber nicht in der Gesellschaft die ihn damals umgab. Herr Neureich hat Einzug in diese herrliche Landschaft gehalten und hat die Preise kaputtgemacht – und noch mehr. Die vielen Hunde, Elektro- und Stacheldrahtzäune, Sprechanlagen, Überwachungskameras,, Massen von „Betreten-Verbots-Schildern“,  lassen manches erahnen. Es gibt nur dicke Schlitten und die paar dreirädrigen Vespa-Einsitzer mit dem kleinen Koffer hintendran, die die Dicken am liebsten von der Straße pusten möchten.

 

Um die Großen auf Abstand zu halten hilft nur eins: Pilgerstock in die Waagerechte, Eisenspitze nach vorne – das hilft. Einen Meter Abstand garantiert mir die Methode. Sonst – mit 15 bis 20 cm an mir vorbei – ist gar nichts. Kleines Hirn und großes Auto – von Papa eben mal ausgeliehen. Aber einen Kratzer lässt man nicht zu!!

 

Was müssen die Menschen hier früher geschuftet haben? Steile Äcker, kleine Flächen, beschwerliche Wege. Oliven, Maronen, extrem schwieriger Weinbau. Die Bruchsteinhäuser, Mauern, Schutztürme wurden mit Knochenarbeit errichtet! Zu viele Wege nach Rom führten durch die Toskana. Und jetzt? Man hat hier seinen „Sitz“. Bisschen Weinbau, bisschen Oliven, Käse – so zum Hobby, es wird einem ja zu horrenden Preisen aus der Hand gerissen, weil es den Hauch der Toskana hat. Solch abgearbeitete Hände wie in Südtirol sieht man hier nicht mehr.

 

 

446. …und meine Seele spannte, weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus. (Eichendorff)

 

 

Hilfe mir gegenüber? Grade dass man mir mal Wasser gnädig reicht. 200 m weiter ist doch schon die nächste TROTTARIA…! Ich erinnere mich an die Worte eines großartigen römischen Stadtführers, der uns an der Via Appia das Anwesen von GINA LOLOBRIGIDA zeigte: In den 50iger Jahren kam sie selbst ans Gartentor, dann ihr Butler und später dann nur noch die Hunde… Ich möchte nicht tauschen.

 

Doch zurück zur Landschaft. Großhügelig, karg und manchmal üppig, weitsichtig. Hausgemäuer und Felsenlandschaft ergeben eine herrliche Komposition, gestört durch die Lanzetten der Zypressen. „Villa mit Zypressen“, lockt sogar manche Übernachtungsmöglichkeit. Erwachen mit Fernblick, dazu die herrlichen in kaltgepresstem Olivenöl eingelegten Pilze, Tomaten…, dazu der Chiantiwein: hoch das Leben, hoch die Liebe, hoch die Preise trallalalala! Angebot und Nachfrage – wie sollte es auch anders sein – bestimmen auch hier den Preis.

 

 

447. Toskanische Hausansammlung. Hohe Mauern und Elektrozäune.

 

 

 

Der Wegesrand 

Das mit Abstand schmutzigste Land meiner Reise muss ich nun durchlaufen. Was da ein Müll am Straßenrand liegt, wird jetzt im Herbst besonders sichtbar!! Befindet sich hinter einer Mauer ein Abhang, ist der bestimmt eine Müllhalde. Was der Fahrer nicht sehen kann, sehe ich. Nach den Kondomen zu schließen, muss sich auch ein Teil des italienischen Liebeslebens im Auto abspielen.

 

Vor Siena lag hinter einer Mauer neben zig abgekippten Klos und Waschbecken ein Riesenhaufen nagelneuer Plastikschnüre der Edelsorte. Meinen Freund GREG aus New Zealand habe ich darauf angesetzt: Das kann man zu Geld machen!! Belegschnüre – Minimum 1 t! Was er mir fast aus der Hand riss war ein Bluetooth-Stecker samt CD – neu, die ich gefunden hatte. 37,00 € stand darauf. Ich schenkte sie ihm. Die Straßen sind gut und sauber. Der Straßenrand interessiert nicht. Auch nicht – wie schon gesagt – der dort laufende Fußgänger.

 

 

448. Massenweise Motorrollerwracks an italienischen Straßenrändern. Vieles ist aus Plastik!