Eeisetagebuch Mai 2004
13./16. Mai 2004 (Reisebericht)
Die Anreise zum Nordkap war angenehm und preiswert. Der Flug mit V-Bird von Weeze nach Helsinki ist für 49,00 zu haben, der Nachtzug nach Rovaniemi im Schlafwagen kostet 80,00, von dort mit dem Bus bis Karasjok 54,00 und von dort bis Honningsvag am Nordkapp 43,00. Die restlichen km bis zum Nordkap muss man zur Zeit selbst organisieren, Taxi nehmen oder wie ich- zum Kap laufen.

Alles ist hier teuer, in Norwegen ganz besonders ausgeprägt sind die Übernachtungspreise von 400 Kronen ( 47,00) auf ausgelegener Bettstelle. Ich frage schon gar nicht mehr, nachdem man von mir in Honningsvag ohne mit der Wimper zu zucken fast 1.200 NKr haben wollte. Billigere Anbieter sind geschlossen oder? Nun schlafe ich fast immer im Zelt. Das kostet 125 Nkr. Somit ist für mich Norwegen nahezu unbezahlbar. Die Reiseveranstalter rasen zum Kap und wieder zurück.
1. Bahnhof Helsinki, noch ist der Pilgerstab eingepackt

2. Messerfabrik Martini 3. Rovaniemie „Arktikum“, eines der schönsten Museen der Welt
14.05.2004 22:00 (SMS)
4. Alles raus zum Packen
1. Tag
Montag, 17. Mai 2004
Honningsvag > Nordkap
25 km (25 km)
16. Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Ich breche also vom Campingplatz bei Honningsvag zu Fuß zum Nordkap auf, da es keinen offiziellen Busverkehr dorthin gibt. Man rät mir, die Busse vor dem Kreuzfahrtschiff zu fragen, ob sie mich mitnehmen würden. Das ist mir zu blöd. Ich laufe, Warm-up.
Zwei nette junge Männer, ein Engländer und ein Norweger verkürzen meine Aufwärmphase und nehmen mich die letzten Kilometer mit, denn das Nordkap schließt um 16:00 h. Danke! So waren es nur 21 km, die ich gelaufen bin. Sie waren schon auf der Rückfahrt gewesen. Das merkte ich allerdings erst, als sie mich am Kap absetzten und wieder umkehrten.
5. Fotografen fahren mich den Rest zum Kap
Der Eintrittspreis ist stolz: 190 NKr. Obligatorisches Foto an der Weltkugel und um 16:00 h trete ich den Rückweg bei Sonnenschein, geschlossener Schneedecke nach Honningsvag an. Es marschiert sich wunderbar, meist bergab. Zwei junge Burschen aus Stuttgart – bemerkenswert einfach lebend im Vergleich zu ihren Artgenossen – suchen auch meinen Campinglatz und nehmen mich die letzten 6 km mit. Es ist auch schon spät. Bin heute über 30 km gelaufen. Warm-up ist gelungen.
6. langer Aufstieg
7. Rastplatz nahe dem Kap
8. Nordkap Civic-Center
9. Das „Mussbild“ am Nordkap 10. 13:00 h

11. Königlicher Besucher aus Asien (SIAM) 12. Königlicher Gedenkstein

13. Nordkap – irgendwas muss man ja hinstellen 14. näher dran!
15. Da ist wirklich nichts!

16. Gar nicht so leicht ein solches Foto zu 17. Froschperspektive, die ersten Schritte vom Kap weg
schießen. Ich winke nicht, ich halte die
Kamera
18.05.2004 8:15 (SMS)
Um 16:00 bin ich bei Sonnenschein am Nordkap losgegangen. Es liegt hier noch eine geschlossene Schneedecke. Temperatur etwa 3°C, starker Wind. Wie die Straße auch verläuft, er kommt immer von vorne. Gestern war ein Feiertag in Norwegen und es fuhr kein Bus. Ich musste dann zum Kap laufen.16 km! Dann wieder zurück. Habe im Zelt übernachtet. Auf einem Campingplatz, ca. 10 km vor Honningsvag. In der Nacht starker Sturm,ich musste mein Zelt abbauen. Es ergab sich die Möglichkeit im Essraum weiter zu schlafen. Nun scheint die Sonne. Gruß Wolfgang.

18. Zur Mittagszeit geht es immer ans Meer den Abhang 19. Kaltes Mittagsmenue
hinunter

20. windgeschützter Rastplatz, umgeben von Treibholz
21. Nordkaptunnel, 7 km lang, 300 m unter dem Meer. Einen Rosenkranz gebetet.
2. Tag
Dienstag, 18. Mai 2004
Nordkap > Kafjord
37 km (62 km)
18. Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Heute werden es 37 km werden. Irgendwo bei Kafjord. Zwei große Tunnel sind zu durchqueren. Honningsvagtunnel, fast 5 km und den Nordkaptunnel, fast 7 km. Ein komisches Gefühl. Letzterer verläuft 300 m unter NN. Nach diesem Tunnel bin ich fix und fertig, was auch meine Tochter Claudia am Telefon bemerkt. Handy funktioniert hier fast überall, kein Wunder bei dieser Abzocke!
22. Kafjord – nächtlicher Fuchsbesuch
Am Meer finde ich ein hübsches Plätzchen. Um 2:00 h morgens es ist ja noch taghell – weckt mich ein helles Bellen. Als ich das Zelt öffne, schaue ich auf einen Meter einem Jungfuchs in die Augen. Wer mehr erstaunt war, kann ich nicht sagen. Jedenfalls hatte ihn mein Jausenspeck angezogen. Ich werde, wegen der Wölfe und Bären meine Lebensmittel nicht mehr im Zelt deponieren. Hinauf auf die Birken, die man leicht herunter biegen kann!
19.05.2004 7:40 (SMS)
Liege noch im Zelt, 5 m entfernt vom Wasser: Kafjord. Nachts war ein Fuchs vor dem Zelt und der ließ sich nur schwer vertreiben. Bin gestern 37 km gewandert und habe dabei zwei Tunnel durchlaufen. Nordcap-Tunnel 7 km und ein anderer von 5 km Länge. Bin kaputt. Jetzt regnet’s. Gruß Wolfgang.
23. Strandgut
24. Brandung im Fjord 25. Frühling
26. Mittagessen – meist parterre
3. Tag
Mittwoch, 19. Mai 2004
Kafjord > Repvag
35 km (97 km)
19. Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Ich fühle mich noch etwas daneben, aber nicht unfähig zu laufen. Der Tag ist wechselhaft. Herrliche Küstenlandschaft. Nach 32 km beschließe ich, ein Zimmer zu nehmen. 4 km abseits der Straße lande ich bei einem gerade einsetzenden Wolkenbruch im Hotel Repvag. Für hier billig, für uns teuer. Die Fischsuppe bleibt unvergessen! Das ganze Hotel ist aus Treibholz und Strandgut gebaut: Tische, Stühle, Treppen . Der Wirt hat sogar Holzleim, um meine zerbrochene Gitarre zu leimen.
27. Gitarrenbruch. Verkehrsschild im Tunnel tuschiert.
28. Riesenfang
29. Dorsch-Trockenfisch
30. Repvag, Kirche
31. Fischereihafen und -fabrik Repvag; Akiviert durch „Angelsport“. Jeder darf maximal 25 kg „angeln“.
32. Hotel Repvag
4. Tag
Donnerstag, 20. Mai 2004
Repvag > vor Olderfjord
25 km (122 km)
20.05.2004 11:30 (SMS)
Schönen Vatertag! Wenn Du weitere Fragen hast, kannst du mich ja mal vom Festnetz anrufen. Repvag Fjord-Hotell. +47-784-75440. Man spricht deutsch. Gruß Wolfgang.
20. Mai 2004 (Reisebericht)
Aufbruch im Regen. Ölzeug angelegt. Man kennt jetzt langsam die Buchten. Ein langweiliger Tag. Keine Menschen. Wenige Häuser. Nach 30 km frage ich in einem Haus ob ich an dem Gartentisch unten am Meer mein Zelt aufbauen dürfe. Ja, ja, ist alles. Sonst sah ich von den Leuten nichts mehr.
33. 34.
35.
5. Tag
Freitag, 21. Mai 2004
vor Olderfjord > Olderfjord
29 km (151 km)
21. Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Als ich gepackt hatte, und loslaufen wollte, steht auf einmal Pastor Lechner aus Kaufbeuren mit Hündin Nala hinter mir. Wir hatten uns schon in Karasjok getroffen und verstanden. Er hatte mich beim Vorbeifahren – immerhin auf 100 m Entfernung – erkannt. Er will jetzt zum richtigen Nordkap, das andere habe er schon von einer anderen Reise erleben dürfen, das habe ihm gereicht. Wie? Richtiges Nordkap? War ich nicht dort? Nein, das wäre das Nordkap für Touristen. Zum eigentlichen, genannt „Knivskjelodden“, muss man 11 km durch Schnee und Stock und Stein laufen, nichts für Kreuzschiffpassagiere. Er wolle zum richtigen Kap. Ich auch.
Ich fahre mit Gerhard wieder zurück, und wir erreichen nach mühevollem Hinweg das reigentliche Nordkap: 71 Grad 11 Minuten 8 Sekunden genau um 14:31 h. Der Ruckweg war noch schwerer, da der Schnee inzwischen weicher geworden war. Stramme Leistung lieber Pastor, mit 71 Jahren.
Ich lade ihn zu der sagenhaften Fischsuppe in R. ein und er spendiert zwei kleine Bier, die genau so teuer sind wie eine teure Fischsuppe. Da ich ja mindestens 22 km zusätzlich gelaufen bin, nimmt mich Gerhard bis Olderfjord mit, wo sein Wohnwagen steht.

36 .13:13 h, kurz vor dem richtigen Nordkap: Den Hang hinunter und einen Kilometer links
37. 13:56 h Nordkap 71° 11′ 8″ 38. Im Hintergrund das
„Knivskjelodden“ ‚falsche‘ touristische Nordkap 71° 10′ 21″
39. Pastor GERHARD mit Wolfgang und Hund
40. Rückweg vom Nordkap
6. Tag
Samstag, 22. Mai 2004
Olderfjord > hinter Skaldi
34 km (185 km)
22.Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Start in Olderfjord erst um 14:00 h, da ich meine nassen Sachen vom richtigen Nordkap trocknen musste. Über Skaldi hinaus finde ich einen wunderschönen Waldplatz vor der Passhöhe. Der Esssack wird mit einer Birke nach oben befördert und ich schlafe selig.
41. Esssack vor wilden Tieren in Birken gesichert
7. Tag
Sonnstag, 23. Mai 2004
hinter Skaldi > vor Alta
46 km (231 km)
23. Mai 2004 (Reisebericht per Fax)
Starte gegen 9:00 h zu meinem bisher härtesten Tag, der mich bis ca. 38 km vor Alta führen sollte. Absolutes norwegisches Sibirien! Kaum Häuser, immer bergauf, öde Landschaft, keine Bäume, um 0° C, starker Wind von rechts. Keine Möglichkeit für das Zelt, alles Felsbrocken und Pfützen. Das Wasser kann man hier jetzt überall trinken!
42.
Endlich gegen 21:30 h einsame Hütten. Bis hierher und nicht weiter! Die schönen Hütten sind verschlossen, die schäbigen offen. Ich habe keine Lust, mit Mäusen zu schlafen und schlage auf der Wiese mein Zelt auf. Ich bin ganz erschrocken, dass plötzlich eine Dame vor mir steht. Ihr gehört eine der besseren Hütten und sie wollte jetzt nach Hause, das heißt nach Alta fahren. Ob sie mich mitnehmen soll, dort gäbe es ein Wandererheim. Ich laufe! Sie bekommt meine Business-Karte und sie meint, dass ich auch in ihrer Hütte schlafen könne, den Schlüssel kann ich ja dann nach Alta bringen.

43. Zelt vor INGAS Hütte. „Im inter kommen auch schon einmal Wölfe vorbei!“
Das Zelt steht, ich bleibe im Zelt! Doch wenn in der Hütte ein Ofen sei, würde ich gerne noch etwas kochen. Inga heizt an und ich koche mir die wieder entdeckte Erbswurst mit Schinkeneinlage, so wie wir sie in unserer Jugendzeit auf Fahrt immer gegessen haben. Herzlichen Dank an Inga, die mich einlädt, ihre Familie in Alta zu besuchen. Sie bekommt die Filme, die dann entwickelt zu Axel müssen. Inga macht noch einen Kaffee und dann verabschieden wir uns. Ich schlafe gut auf der Wiese bei leichtem Nachtregen, der hier häufig gegen 3:00 h einsetzt.
44 INGA und Wolfgang
45. Tische gehören immer zu einem Haus
46. Hängebrücke bei Skaldi
47. Kirche auf Passhöhe nach Olderfjord
8. Tag
Montag, 24. Mai 2004
vor Alta > Alta
38 km (269 km)
24. Mai 2004 (Reisebericht)
Gegen 9:00 h aufgebrochen. Wieder kalt, etwas Regen. Im Tale wird es dann wärmer. Bis es schließlich nur noch bergab nach Alta geht. Die Straße jedoch ist jetzt viel enger geworden. Für jedes Rentier stoppt man, aber für Fußgänger die es hier ja kaum gibt – ist weder Platz noch nimmt man Rücksicht. Am Ortseingang von Alta rufe ich Inga an. Sie kommt mit einem riesigen Offroad-Auto-Chevrolet und bringt mich zum Fotoshop. Jedes Bild fast eine Mark! Das Wandererheim ist natürlich geschlossen, aber Gerhard ist in Alta eingetroffen und lädt mich zu sich auf den Campingplatz ein. Inga fährt mich sofort dorthin. Freudiges Wiedersehen mit Hund und Pastor. Gerhard kocht gut. Morgen soll es ins Museum und zu Inga gehen, wo ein PC steht, damit ich Euch diese ersten Zeilen senden kann.
48. Pastor GERHARD, Alta, nicht beim Morgengebet
9. Tag
Dienstag, 25. Mai 2004
Alta-Museum (Ruhetag)
6 km (275 km)
25.05.2004 22:30 (SMS)
Ruhetag in Alta. Altamuseum. Berühmt wegen vorgeschichtlicher Felsmalereien. Inga leitet ein Altenheim. PC ist abgestürzt. Drei Nationen bemühen sich: Norwegen, Sri Lanka, Deutschland. 3 Stunden. Peinlich. Wolfgang.
49. Felsmalereien im Alta Museum

50. Auch vor 4.000 Jahren: „Die Sorge wie man Nahrung findet, ist häufig nicht so unbegründet.“ schrieb Wilhelm Busch.
10. Tag
Mittwoch, 26. Mai 2004
Alta > vor Masi
38 km (313 km)
26.05.2004 22:30 (SMS)
38 km. Anfangs grandiose Canyon-Landschaft. Dann wieder Tundra. Zugefrorene Flüsse. Unter 0° C. Keine Menschen, koche am offenen Feuer vor dem Zelt. Wolfgang.

51. Trockenfischgestelle im Altafjord (hier parkte auch einmal die Tirpitz.)
11. Tag
Donnerstag, 27. Mai 2004
vor Masi > Masi
36 km (349 km)
27.05.2004 23:00 (SMS)
Bis Masi, 36 km. Tundra, wie am Vortag. Also im Norden nichts Neues. Wolfgang.
12. Tag
Freitag, 28. Mai 2004
Masi > Kautokeino
46 km (395 km)
28.05.2004 22:30 (SMS)
Masi nach Kautokeine 46 km. Regentag. Es marschiert sich gut! Herrlicher Wasserfall am Weg. Campingplatz. Wolfgang.
52. Wasserfall vor Masi

53. Ein kurzes Stück durch Finnland
13. Tag
Samstag, 29. Mai 2004
Kautokeino > hinter Grenze Finnland
51 km (446 km)
29.05.2004 23:00 (SMS)
Kautokeino bis 5 km hinter der finnischen Grenze. 48 km Tundrastrecke. Nichts Neues. Nur schien den ganzen Tag die Sonne. Warm wird es nie. Habe wieder Erbsenwurst gekocht. Liege eingemummt im Zelt und habe steife Finger: SMS. Dass hier an jeder Ecke ein PC steht ist wohl ein Traum! Ausführliches später. Ihr seht ja selber, auf zig km kein Ort. Wolfgang.
54. Erbswurst
14. Tag
Sonntag, 30. Mai 2004
hinter Grenze Finnland > Wald vor Kultima
26 km (472 km)
31.05.2004 00:30 (SMS)
Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen… Nicht nur bei Goethe, auch hier! Herrlicher Wandertag, nur 26 km. Nach Lachsessen liege ich bei ca. 3° C am Lagerfeuer bei Mitternachtssonne in einer Wanderschutzhütte im Wald vor Kultima. Jetzt bin ich erst LAPPE. Kothenverräuchert. Finnland empfing mich nett und mit menschlichen Preisen. Wolfgang.

55. So genanntes „Schutzschild“ mit Grill und Holz am Wanderweg
15. Tag
Montag, 31. Mai 2004
Wald vor Kultima > Wald bei Kuttanen
37 km (509 km)
31.05.2004 20:00 (SMS)
Schutzhütte nach Leppäjärvi bis 18 km vor Karesuando,Tagesleistung 37 km, davon 24 km Wanderweg direkt an einer Kieferngrenze entlang. Sandboden, mühsam aber schön. Morgen erreiche ich Schweden. Gruß Wolfgang.
Wegstrecke · Fotos 1–15 · Fotos 16–30 · Fotos 31–45 · Fotos 46–60 · Fotos 61–75 · Fotos 76–89 · Fazit
Vorbereitung · Reisetagebuch · Mai 2004 · Juni 2004 · Juli 2004 · August 2004 · September 2004 · Oktober 2004 · November 2004 · Dezember 2004 · Januar 2005 · Februar 2005 · März 2005 · April 2005
Juli 2007 · August 2007 · September 2007 · Oktober 2007 · Teil 1 · Oktober 2007 · Teil 2 · November 2007 · Dezember 2007 · Aktuelles seit Januar 2008
Home · Kontakt · Impressum · Datenschutz