Reisetagebuch Juni 2004

16. Tag
Dienstag, 1. Juni 2004
Wald bei Kuttanen > Karesuando
23 km (532 km)
01.06.2004 21:30 (SMS)
Wald bei Kuttanen bis Karesuando, 23 km. Gegen 24:00 h wache ich auf, herrliche Mitternachtssonne. Ich schieße Fotos. Morgens setzt starker Regen ein. Packen, Frühstück im Biwakzelt! Koche dennoch Tee. Ich werde langsam zum Waldläufer. Abmarsch im Ölzeug. Über Muanioflus liegt Schweden. Im freundlichen Infocenter heizen sie extra die Sauna an. Saunieren, Wäsche waschen, Zeltplatz. Gruß Wolfgang.
56. Mitternachtssonne, 24:00 h

02.06.2004 00:20 (SMS)
Nur 23 km bis Kaaresuvanto (finnische Seite). Über den Fluss geht es nach Schweden. Dort heißt die Stadt Karansuoto. Angebot der Infostelle zu verlockend: Internet und Sauna sind kostenlos. Meine erste, die angeheizt war! Hier gibt es kaum Touristen. Im Camp habe ich mit dem Besitzer die Hauptwasserleitung repariert. Schweden zeigt sich jetzt schon anders als Norwegen. Die Menschen verstecken sich nicht mehr so. Obwohl auch einsam, also Samen, denn „Lappen“ wäre eine Beleidigung. Guten Morgen Wolfgang..
17. Tag
Mittwoch, 2. Juni 2004
Karesuando > Wildniss
39 km (571 km)
02.06.2004 12:30 (SMS)
Hi a! Jetzt ist Schluss! Hab‘ schon 140 Euro durch das Handy gejagt. Ab und an werde ich mal die deutsche Karte reintuen. Für Euch ist die Billig-Nr. am besten: vielleicht 01015 und dann +46706378465. Wolfgang.
Pressebericht (recherchiert im Internet am 27.11.2004)
NORDKAPP SICILIEN
Läs intervjun om Andreas Kreuz från Tyskland, som ska promenera från Nordkapp till Sicilien i sommar. Ann-Kristin Simma passade på att intervjua honom när han passerade Karesuando den 2. juni 2004.
Foto: Ann-Kristin Simma
Andreas Kreuz kommer från Paderborn i Tyskland. Han är 63 år och jobbat tidigare som tekniklärare på gymnasieskolan.
Varifrån har du börjat att gå?
Jag började gå från Honningsvåg, Nordkapp den 17. maj 2004.
Var är ditt slutmål?
Jag ska gå till Sicilien i Italien och enligt mina planer ska jag vara framme i Sicilien i september eller oktober.
Hur många kilometer går du varje dag?
Jag går omkring 45 km varje dag.
Varför gör du detta?
Jag går därför att det är bra för hälsan. Bra för kropp och själ och bra för tankarna.
Vad känner du när du går?
Jag känner frihet
Hur känns det för dig att vara i Karesuando?
Det är fint här men det är så ljust här att jag har svårt att sova. Jag tror att folk som bor här har väldigt hårt liv under vintertid på grund av att det är så kallt här. Det är nog därför det bor så lite människor här.
Vad tycker du om Karesuando?
Jag tycker infrastrukturen fungerar bra. Affärer och Turistinformationen var öppet. På många ställen i Norge och Finland var allt stängt men i Karesuando var allt öppet. De människor jag har träffat har varit öppna och vänliga.
http://www.karesuando.se/intervju/kreuz.htm
02.06.2004 22:00 (SMS)
057. Rastplatz am See
18. Tag
Donnrstag, 3. Juni 2004
Wildniss > Övre Soppero
26 km (597 km)
03.06.2004 21:20 (SMS)
Rasthütte bis vor Övre Soppero, 26 km. Am Nachmittag habe ich gesagt: „Ich bin kein Raser durch Europa. Nordkap – Gibraltar in 20 Tagen überlasse ich den Guinessbuch-Rekordlern und Hiphoppern!“ Ich reise, wenn auch beschwert, stets im Kampf mit der Natur. Aber das macht gesund! So darf auch heute früh bei den Baptisten Ende mit dem Laufen sein. Die Leute sind nett im Tagungshaus „Zum guten Hirten“. Liebevoll eingerichtet und ein reizendes Museum! „Waren sie schon in der Kirche?“ „Ich gehe immer erst in die Kirche!“ lautete die Antwort. Ich bekomme Essen, ein Zimmer und bin die ganze Nacht alleine in diesem Riesenhaus. Gruß Wolfgang.

58. Baptisten-Kirche, Övre Soppero, rechts das Taufbecken
19. Tag
Freitag, 4. Juni 2004
Övre Soppero > vor Vittangi
33 km (630 km)
04.06.2004 22:00 (SMS)
Hütte ca. 10 km vor Vittangi, 33 km. Wolfgang.
20. Tag
Samstag, 5. Juni 2004
vor Vittangi > Svappavaara
36 km (666 km)
05.06.2004 22:10 (SMS)
Vor Vittangi bis ca. 8 km vor Svappavaara, 36 km. Ein Sch…-Tag. Bin nur im Regen gelaufen. Ich nenne ihn Pieselregen. Kaum wahrzunehmen, dringt aber überall durch. Vittangi hat nur 1.000 Einwohner! Ich liege im Birkenwald im Zelt. Es ist noch trocken. Essen im Liegen. Der Pieselregen wird langsam zum Regen! Bitte nur noch meine schwedische Rufnummer +46 / 706 / 37 84 65 anwählen. Ich denke an Conny: „Lieber Gott, lasse die Sonne wieder scheinen.“ Wolfgang.
21. Tag
Sonntag, 6. Juni 2004
Svappavaara > weit vor Gällivare
34 km (700 km)
06.06.2004 22:40 (SMS)
Waldlager, ca. 17 km vor Svappavaara bis ca. 55 km vor Gällivare. Nach der letzten SMS setzte dann der richtige Regen ein. Die ganze Nacht! Morgens hört er auf dachte ich – Schneefall. Alles ist klamm und feucht. Um 0° C. Ich marschiere in Sandalen ohne Strümpfe los. Graupelschauer. Wenn die Sonne kommt, ist es sofort angenehm warm. Frühstück. Um 14:00 h habe ich mich in einer Tankstelle aufgewärmt. Es bleibt weiter kalt. Wiedenbrücker holen mich nach dem Zeltaufbau in ihr Wohnmobil. Zwei Dosen Veltins. Danke! Zum Essen gehe ich an den Parkplatztisch. Sie haben leider nur eine Forelle. Im Zelt ist es fast warm, gehe jetzt ins Bett. Gruß Wolfgang.
08.06.2004 08:50(SMS von Inga an Wolfgang)
Hi Wolfgang! So you are in Gällivare already? I hope you are in good health and have nice days! I am planning to begin studying German, so I can read your book. I find youre walking and thinking very interesting! So I hope I will learn German language fast. My aunt is doing business with 2 German companies in Wuppertal. Also therefore I should be known with the German language. Now I communicate by English with the companies in Wuppertal. Inga.
22. Tag
Montag, 7. Juni 2004
weit vor Gällivare > Kalix
4 km (704 km)
07.06.2004 12:30 (SMS)
Die Hütte war so schön, ich musste schon nach 4 km bleiben. Wolfgang
23. Tag
Dienstag, 8. Juni 2004
Kalix > vor Gällivare
53 km (757 km)
09.06.2004 00:10 (SMS)
Hütte vor Skaulo bis 6 km vor Gällivare, 53 km. Wollte erst in ein Goldgräberlager (echt!) gehen, gehe dann aber weiter und schlage am Fluss vor Gällivare mein Lager auf. Jetzt weiß ich es: Die Geschäfte haben eine Kaffeeecke gratis. Es ist kalt, Graupelschauer, Sonne Regen. Ich schieße seltener Fotos. Am Rastplatz verrosteter Wehrmachts-LKW-Haufen. Das Nummernschild ist noch lesbar. Liege an idyllischem Platz am Fluss und habe Tee und Champignonsuppe gekocht. Bei der SMS fallen mir dauernd die Augen zu. Gute Nacht Wolfgang.
059. Lüften am Morgen
060. Kirche von Gällivare

061. Kinder üben für den Schulabschluss-Gottesdienst
24. Tag
Mittwoch, 9. Juni 2004
vor Gällivare > Gällivare
11 km (768 km)
10.06.2004 00:45 (SMS)
Gällivare, Eine reiche Stadt. Minenstadt Europas. Muss endlich meine Wäsche waschen! Obwohl ich nicht stinke, wie mir ehrliche Reisende bestätigten. So liege ich im Wanderheim, wasche Wäsche und bin Mitglied im schwedischen Jugendherbergsverband. Das wird sich lohnen! Am Abend kommen noch zwei Europawahlkämpfer (Sverige Demokraterna) in die Jugendherberge. Sie sind hungrig und mache ihnen Würstchen. Wolfgang.

062. Protestierer gegen meine Mitgäste in der Jugendherberge von den „Severige Demokraterne“
063. Rallanstiegen durch die Sümpfe nach Jokkmokk
25. Tag
Donnerstag, 10. Juni 2004
Gällivare > vor Porjus
26 km (794 km)
10.06.2004 21:50 (SMS)
Gällivare-Sümpfe vor Porjus, 26 km. Fehlschlag: Die Bibliothek-PCs waren auf Stunden durch Schwarzafrikaner belegt. Bestes Wetter, ich laufe! Nach 11 km kann ich nicht widerstehen und verlasse die Straße, um dem Wanderweg nach Abborträsk via Porjus zu folgen, der weite Strecken über Stege durch Sümpfe führt. Strümpfe aus! Nur Sandalen an. Es ist trocken. (Anmerkung: Wolfgangs SMS-Kürzel werden von Tag zu Tag schwieriger zu entschlüsseln, da er jede Silbe und Leertaste einspart. Bei dem nachfolgenden Schlusssatz bin ich überfragt!) „steleSTETnunMEIZELTu.iSCHREIBsms“. Gruß Wolfgang
064. Lappland ist schön
065. Ballance-Akt auf Rallanstiegen
26. Tag
Freitag, 11. Juni 2004
vor Porjus > Stausee nach Porjus
38 km (832 km)
11.06.2004 22:30 (SMS)
Sumpfplatz bis 10 km nach Porjus, 38 km, davon 16 km im Muddus Nationalpark. Der Nachmittag war verregnet. Wunderbar. Habe Fotos im Sumpf geschossen. Müsste morgen bis Jokkmokk kommen, wo es die größten Mücken gibt. Wolfgang.
606. Schatten im Sumpf
067. Mittagessen, Rallanstiegen kreuzen den Bachlauf
27. Tag
Samstag, 12. Juni 2004
Stausee nach Porjus > Insel vor Jokkmokk
36 km (868 km)
12.06.2004 18:40 (SMS)
Stausee nach Projus bis 2 km vor Jokkmokk, 36 km, 18:00 h Ende mit dem Laufen, denn ich sehe eine kleine Insel 20 x 30 m, die mit Durchwaten erreichbar ist. Liege schon mal im Zelt und sende SMS an Axel. Das Wetter ist durchwachsen. Tomatensuppe wird später noch gekocht. Zuerst ausruhen! Es fängt gerade an zu regnen. Schei…, aber im Zelt ist es gemütlich. Aus der Suppe wird jetzt nix. Die Alternative; Haferflocken-Schokolade. Aber der Platz ist super. Gruß Wolfgang.
068. Schlitten am Wegesrand
13.06.2004 8:30 (SMS)
Die Nacht war ruhig, der allgemeinen Wetterlage zufolge und immer heller werdend wegen der Mitternachtssonne. Hunger auf Tomatensuppe, gab diese dann doch noch um 21:00 h. Ist zwar nicht so gut wie bei KIEVEL in Altenbüren, denn in den Topf gehört Sahne rein und die habe ich nicht. In Jokkmokk gibt es übrigens ein Wanderheim. Das werde ich morgen aufsuchen, um mal wieder ins degenerierte Leben zu tauchen! Suche auch einen PC, der ja laut Axel an jeder Ecke zu finden ist. Wolfgang.
13. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Das Laufen
Der eine fragt mich penetrant, wie viele km ich denn heute gemacht habe und ob ich nicht noch etwas zulegen könne, der andere meint ich müsste jeden PC ansteuern, um Berichte zu senden und zwar so, dass ich sie sofort in meine Homepage feuere, sozusagen ein Selbstläufer für Delegierer.
Nein, Freunde, ich will nicht nach Sizilien rasen um ins Guinessbuch zu kommen oder irgendwo in der Ecke liegen. Die PCs stehen hier so herum, wie etwa bei uns an jeder Ecke ein Bayer mit ´nem Maßkrug und ´nem Radi in der Hand. Also muss ich mich im Moment auf das Wesentliche beschränken, um es per SMS oder Fax zu senden.
069. Schattenbild des einsamen Wanderers
Für mich ist das Wichtigste das LAUFEN. Dass ich täglich ohne Beschwerden an Leib und Seele ca. 30 km überstehe und glücklich die ganzen 5.000 km bewältige: Schuhe also, aber so einfach nicht! Das Schuhwerk ist heute fast durchgängig super. Da spricht man von Schuh-Technologie. Das Gewicht war bei mir entscheidend wie fast bei allem, was ich bei mir habe und zu hoch durften sie nicht sein. Das Fußgelenk muss sich locker bewegen lassen! Die Füße brauchen kein Korsett! Also: Strümpfe! Bei der Polsterung der Schuhe braucht man bald keine Strümpfe mehr Natürlich hab´ ich welche, möglichst dünn und von bester Qualität. Hier oben muss ich schon wegen der Kälte Kniestrümpfe tragen, im Süden werden es nur noch Socken sein. Und 1/3 der Strecke bin ich bereits in Sandalen gelaufen: Bei Regen sowieso, aber ich hatte mir seitlich am Fuß eine Wunde durch einen Ast zugezogen, sodass diese bei dem dauernden Gescheuer des Schuhs nicht heilte. Also Sandalen an, mit oder ohne Strümpfe. Erst nach Tagen war die Wunde zu. Ganz entscheidend für die Bewältigung meiner Aufgabe ist auch das was ich esse.
Die Ausrüstung
070. Das ist alles im Rucksack
071. Lowe! „Alles im Sack!“
Die Verpflegung
Wir wollen nicht soweit wie der Philosoph Strauß gehen: Der Mensch ist was er isst! Aber ein wichtiger Teil ist das schon. So manche junge Leute, die nach 30 km auf Brustwarzen daher krochen, suchten immer Pillen bei mir. Hat und wie hat er sich gedopt? Richtig! Ich esse Tabletten: Magnesium, Multivitamin und Kalzium! Von Aldi! Wenn nur alle 50 km mal ein Laden mit Tankstelle kommt, wie will ich da sonst einen gewissen Mangel ausgleichen? Ansonsten nehme ich nichts!
Die ersten 1.000 km vom Kap habe ich mit folgender Verpflegung hinter mich gebracht: Brot, Haferflocken mit Zucker und Rosinen, Butter, Bananen, Milch Salz, Schokolade, Erbswurstsuppe, sonstige Suppen, Jausenspeck und alter Amsterdamer. Salz und Zucker sind in Filmdosen abgefüllt, Butter in einem Plastikbehälter, Haferflocken in Gefriertüten. Bananen und Milch trinke ich an Ort und Stelle. Ein Segen, dass man aus allen Bächen und Flüssen bisher bedenkenlos trinken konnte. Wasser brauche ich nicht zu transportieren, das wird bis Sizilien so bleiben! Ab Dänemark werde ich wieder an Häusern wieder um Wasser bitten. Ein Liter, auf einmal getrunken, reicht für ungefähr 15 km. Beim Wasserbitten hat man auch schnell Kontakt mit den Leuten.
Das Kochen beherrsche ich nun wie ein Lappe: Anhalten, Feuer machen, fertige 3-Minuten-Suppe. Dauert 10 Minuten. Kein Frühstück ohne heißen Tee oder Kaffee! Das Feuer wird ohne Papier gemacht: Birkenrinde, dünnes Holz, dickeres Holz, Pfanne darüber gehalten. Die große Bodenfläche der Pfanne nimmt die Hitze sofort auf. Essen gehen? Die Spitzenrestaurants sind unbezahlbar und das andere ist Fastfood. Das erspare ich mir für später in Deutschland, Österreich und Italien!
072. Feuer ohne Papier entzünden
Wenn ich ein Zimmer nehme, nur solche mit Selbstverpflegungsmöglichkeit (Küche). Dann schlage ich richtig zu: Da wird an Steaks nicht gespart! Auch dabei ist mir nun klar, warum Skandinavienfahrer sich den Wohnwagen voll Lebensmittel knallen: schwere Sachen unten, leichte Sachen in die oberen Stauräume! Ich muss alles tragen und teuer bezahlen!
28. Tag
Sonntag, 13. Juni 2004
Insel vor Jokkmokk > Jokkmokk
6 km (874 km)
14.06.2004 11:10 (SMS)
Insel vor Jokkmokk bis ins Vandrarhem, 6 km. Heute ist Sonntag und ich war in der Jugendherberge: Dusche, Wäsche, Faxe an Axel. Menü gekocht (Gemüsesuppe, Steak mit Champignons, Kartoffelpüree, Bananen). Gruß Wolfgang.
073. Kirchen – immer in Holz
14. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Die Kleidung
Am Körper trage ich so genannte Funktionswäsche, sie transportiert den Schweiß sofort nach draußen, ist leicht waschbar und trocknet extrem schnell! Am Körper also: Unterwäsche, Hemd, , Kniebundstrümpfe, Leder-Kniebundhose (wird in Deutschland gegen eine kurze Lederhose gewechselt!), Anglerweste aus Leder mit vielen Taschen, Hosenträger, Halstuch, Hut mit breiter Krempe. Im Rucksack bei Bedarf: Regenponcho mit Rucksackteil, Fliesjacke, Regenhose, kurze Sporthose, wasserfeste Sandalen. Zum Wechseln im Rucksack: kurzärmliges Hemd, Socken.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass diese Kleidungsstücke alle von höchster Qualität sein müssen. Als demnächst zu entsorgendes Kleidungsstück habe ich noch eine wattierte Skijacke mitgenommen, die ich zu Hause nie mehr getragen hätte; hier erfüllte sie ihren Zweck blendend. Es tut mir jetzt schon Leid, wenn ich sie demnächst einem Container übergebe. Es wird von Tag zu Tag wärmer. Die eigentlich schwere Lederkleidung (Weste und Kniebundhose) hat sich bestens bewährt: warm und unempfindlich. Ich sah eigentlich immer sauber mit meinen goldbestickten Hosenträgern aus.
Das Wetter
Als Wanderer spricht man darüber nicht. Entweder man ist ausgerüstet für Sonne, Kälte, Wind, Regen, Schnee oder – man bleibt zu Hause!
Die Preise
Analog könnte ich jetzt schreiben: Über Geld spricht man nicht, das hat man. Mit welcher Selbstverständlichkeit man hier hohe Preise gestaltet (immer im Vergleich zur restlichen Welt, ausgenommen die Emirate ) setzt einen als Deutschen schon in Erstaunen! Norwegen ist Spitzenreiter. Nach Finnland hin schwächt sich die Preisgestaltung ab. Kupfermünzen kennt man dort gar nicht, sind nicht im Verkehr! Dabei sind doch 5 Cent ein Groschen! Hoher Verdienst, hohe Preise. Aufgebaut auf Erdöl und Fisch. Wie soll ein solches System mit Europa klappen?
Wir Deutsche mussten von unseren niedrigen Preisen hochgehievt werden, das spüren wir bei uns auf Schritt und Tritt und hier ist man gar nicht dabei, die Schweden wollen keinen Euro. In England ist es ähnlich, von Dänemark ganz zu schweigen. Im sanftesten Ton kann man das als Egoismus bezeichnen. Wie lange kann das gut gehen? Die Supermärkte hier sind voller deutscher Waren zu horrenden Preisen. Ein Beispiel: Mein Röhrchen Kalzium-Tabletten kostet fast 6,00 , 100 g Milchschokolade 2,40 usw. Die Übernachtung heute hier in Jokkmokk in der Jugendherberge 24,00 . Und das ist ausgesprochen billig! Wie schrieb nur einer: Augen zu und durch! Wahrlich, aber der Weg ist noch weit! Ich schätze, dass ich Ende Juni bis Mitte Juli in Göteborg sein werde. Bis vor kurzem hatte ich noch überlegt, ob ich wegen dieser Preise hier über Finnland gehen soll, dann wäre aber der Grundplan gestört worden. Also: Augen zu
Die Tiere
Das Rentier ist überall gegenwärtig. Die Autofahrer stoppen und lassen die Tiere gemächlich passieren. Mir scheint nicht aus Achtung, sondern eher aus Angst vor der Unberechenbarkeit der Tiere, die attackiert in alle Richtungen springen können. Und dann ist das schöne Auto kaputt. Vögel gibt es in einer großen Vielfalt und Raubtiere wohl auch, denn ich sah manches Rentier, das bis auf das Gerippe abgenagt war. Die ersten Rehe habe ich gestern gesehen. Sie sind genau so unscheu wie die Rentiere und ließen mich bis auf 20 m herankommen. Da ich mich ja meistens an Verkehrsstraßen aufhalte, die Tiere wie Bär, Luchs usw. sowieso meiden, bekomme ich diese nicht zu Gesicht. Die Elche kommen wohl erst noch.
074. Rentier-Kadaver
Das Übernachten
Die Statistik für 28 Tage: 2 x Vandrahem (Jugendherberge), 3 x Rasthütte, 22 x Zelt. Es war mir klar, dass ich meine Reise nicht nach Hotelplätzen planen kann! Es gab Strecken von Fjäll, da war über 50 km kein Haus! Aber schön war es! Mein Biwakzelt, ganz aus Goretex ist Gold wert! Es ist blitzschnell aufgebaut und absolut wasserdicht. Nur, wo der Wind her bläst, drückt er mir schon einmal Wasser durch die Plane. Wenn ich ganz geschlossen schlafen muss, sammelt sich ca. ½ l Schwitzwasser an. Hilfreich ist eine Zeitung, die das Wasser aufsaugt. Woher? Ihr ahnt es gar nicht, was alles am Straßenrande liegt. Das bekommt einen eigenen Artikel! Zur Not saugt mein Filzhut auch eine Menge Wasser auf! Das Zelt ist außen am Rucksack montiert und in 3 Minuten bezugsfertig. Es muss auch manchmal schnell gehen, denn das Wetter wechselt hier blitzartig von Sonne auf Regen und umgekehrt. Fast alle meine Schlafplätze waren am Wasser gelegen. Einmal bei starkem Regen habe ich doch öfter in der Nacht nach dem Pegelstand des Flusses geschaut
Wer mich kennt weiß, dass ich zu jeder Zeit und jedem Ort schlafen kann und zwar tief! Autogenes Training ist das Geheimnis. Hier machte mir doch anfangs die Mitternachtssonne zu schaffen, wenn auch noch um 24:00 h die strahlende Sonne lacht! Oft merkt man gar nicht, dass es schon 1:00 h ist. Jetzt, nach einem Monat, habe ich mich an den Spuk gewöhnt. Ich gehe nach Uhrzeit zu Bett und ziehe den Schlafsack über den Kopf!
Schlafsack! Da ich ja mit Minustemperaturen rechnen musste, habe ich lange gerungen, welchen Schlafsack ich mitnehmen soll. Denn das Gewicht ist hier wieder entscheidend! In der letzten Stunde vor der Abfahrt entschied ich mich für einen leichteren Sack für Temperaturen um 0° C. Ausgleichen konnte ich mit Kleidungsstücken, die ich im Schlafsack trug. Alle überflüssigen Textilteile nahm ich mit in den Schlafsack. Außen drauf hilft nicht! Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn ich morgens nur widerwillig aus der Molle stieg! Als Unterlage hatte ich die feinste Matratze der Welt, wie der Hersteller schreibt. Denn von unten muss es warm sein! Zelt und Unterlage sind ein Tipp meines Freundes Otfried Preitz, dem ich viel in Ausrüstungsfragen zu verdanken habe. Letzten Winter hatte ich häufig mit Erkältungen zu kämpfen. Hier habe ich nichts davon gespürt, im Gegenteil, ich fühle mich von Tag zu Tag gesünder. Also! Bewegung, Sauerstoff und keine überheizten Wohnungen! Nur der Hygiene und der Schreiberei willen, wähle ich schon mal eine Unterkunft.
075. morgendliches „Lüften“
29. Tag
Montag, 14. Juni 2004
Jokkmokk > 101 km vor Arvidjaur
52 km (926 km)
15. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Der 14. Juni war der längste Tag. Jokkmokk, dieses brave, saubere, ruhige Städtchen (so waren alle bisher!) in das ich auch noch dazu am Sonntagmorgen (13.6.) einmarschierte, ist nun am Montagmorgen etwas lebendiger. Um 10:00 h hat man das Vandrarheim zu verlassen! Den Rest meiner Sachen packe ich vor dem Haus. Es geht auf die 94 und nach ca. 8 km wird der Polarkreis angekündigt: Infotafeln und Kaffee. Nettes Gespräch mit Herrn WITTE vom Institut für Erdmessung der Uni Hannover und seiner Assistentin, die mit einem Bulli voller Geräte in den Norden düsen, um das sich immer noch verschiebende Skandinavien zu messen.
076. Mein „Büro“ im Polarkreis-Café
077. Kunst am Stausee

078. Postkarte vom Polarkreis, damit Jule und Aaron wissen, wie Opa jetzt lebt!
Im Café mache ich mich breit und schreibe Karten: Für meinen Freund PREITZ in Brilon die einzig mögliche: Eine riesige, Jokkmokk-Mücke. Mir jokkmokkt es jetzt schon. Alle Karten erhalten den Polarkreis-Stempel gratis!
Vor der Strecke Jokkmokk Arvidsjaur hat man mich schon gewarnt: Endlos, öde, nix los auf 153 km. Scheint auch so zu sein. Erstaunt bin ich nur, dass es heute so mühelos läuft. Ich beschließe möglichst viele Kilometer zu machen. Es werden 52 km sein 23:30 h, volle Sonne. Morgens von vorne und um Mitternacht von hinten. Mein Schatten ist ca. 25 m lang. Drei offensichtlich angetrunkene Jugendliche kommen ganz langsam an mir vorbeigefahren. Ich setzte wieder meinen Stechschritt ein, der Pilgerstab aus Esche tut das weitere: Sie geben Gas!
Ich bin es nun leid, 52 km, Lagerplatz suchen! Was hier so beerengrün aussieht, ist eigentlich überwuchertes Geröll, dicke Wackermänner und es ist gar nicht so leicht, 2 m² ebenen Boden zu finden. Eine etwas flachere Stelle ist bewachsen mit dem Moos, das bei uns auf den Beerdigungskränzen zu finden ist: fein gekräuselt bläulich-grün. Hier ist alles voll davon. Das Zelt steht und im Liegen wird gegessen und geschrieben, Axel braucht Stoff.
079. … langsam kennt ihr meine „Plörren“

080. Wenn man im Moos auf dem Rücken liegt…
30. Tag
Dienstag, 15. Juni 2004
101 km vor Arvidjaur > vor Arvidjaur
35 km (961 km)
15. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Um 7:30 h geht es aus dem Schlafsack. Der Platz eignet sich weder zum Feuermachen noch zum Frühstück, außerdem habe ich kein Wasser mehr. Also wird gepackt und auf die Strecke gegangen bis Wasser kommt. Das lässt nicht lange auf sich warten. Nach 1 km wird gefrühstückt. Steine, Baumrinde, dürres Holz und nach 5 Minuten ist der heiße Tee fertig. Gemütlich ist es hier im Wald gleich neben der Straße! Weiter geht es.
Bald kommt Kitajaur, eine Station der Inlandsbahn, die ab 18. Juni wieder zweimal am Tag bis Östersund verkehrt. Eine nostalgische Touristeneisenbahn, z. T. sogar mit Dampflok. Der ehemalige Bahnhof ist reizend als Cafè, Restaurant und Museum ausgestattet. Die Wirtin ist nett, das Essen ist gut und am Abend fährt sie zu jemandem der ein Faxgerät hat. Klar, dass ich die Chance ergreife, Euch einen Reisebericht zu schreiben, denn dieses SMS-Getippe geht mir langsam auf den Geist und man denkt immer an 160-Zeichen-Pakete. Jetzt ist es schon 15:00 h was soll das heute geben, ich habe erst 12 km gemacht Ich kann ja wieder bis Mitternacht gehen, denn es gibt immer das Gleiche zu sehen: Birken, Kiefern, Steine (bemoost) und Wasser! Gruß Wolfgang.
081. Hier kann man Renntierfelle für 500 kr kaufen
15.06.2004 22:10 (SMS)
Nach Terrajaur bis weit vor Moskosel, 35 km. Als ich im Cafe Kitajaur bei der netten Wirtin schrieb, schien die Sonne. Als ich dann aufbrach, plästerte es stundenlang. Zeltaufbau im Regen. Wolfgang.
31. Tag
Mittwoch, 16. Juni 2004
vor Arvidjaur > vor Moskosel
39 km (1.000 km)
16.06.2004 23:50 (SMS)
Bis vor Moskosel, 39 km. 1.000 km seit dem Nordkap. Werde unterwegs vom Mann der Wirtin mit Milch und Bierknackern versorgt. Das passte, denn ich hatte nur noch Haferflocken. Ich lagere in einer Fischerhütte an einem See. Wolfgang.
082. Platz vor der Hütte
083. Blockhaus am See, gratis

084. Waschen aus der Flasche, der Bauch ist noch da!
32. Tag
Donnerstag, 17. Juni 2004
vor Moskosel > vor Arvidjaur
47 km (1.047 km)
17.06.2004 23:15 (SMS)
Vor Moskosel bis vor Avidsjaur, 47 km. Ein schöner Wandertag, bedeckter Himmel. Mosk hat einen Laden mit fast allem. Vor dem ich jedoch wegen der Mittagspause eine Stunde warten musste. Ich hatte nichts mehr. Das Ziel ist, möglichst nah an Avidsjaur heran zu kommen, damit ich morgens Erledigungen machen kann. Die Schweden öffnen spät und machen die Läden früh zu. Ich liege mitten im Wald, die Wasserflasche ist gefüllt. Ich habe viele Rentiere gesehen und Müüüüücken. Gruß Wolfgang.
085. Und immer wieder Rentiere
086. „Sumpfgemeinschaft“
087. Zelt am See bei Arvidsjaur
33. Tag
Freitag, 18. Juni 2004
vor Arvidjaur > Arvidjaur
16 km (1.063 km)
20.06.2004 16:15 (SMS)
18.06. Bis Arvidsjaur, 16 km. Regentag. Ein Ehepaar aus Niederkrüchten versorgt mich mit Zucker, Salz, Pfeffer und Maoam… aus dem Wohnmobil. Gehe ins Lappugla Vandrahem. 130 kr Super. Toll gekocht: 600 g Steak mit Kartoffeln und Salat. Milch mit Sahne verwechselt. Habe nun 1 l Sahne!
088. Ehepaar aus Niederkrüchten (20.6.)

089. Postkarte: Älgfamiljen i Arvidsjaur, Konstnär: GUNAR PERSSON
34. Tag
Samstag, 19. Juni 2004
Arvidjaur
0 km (1.063 km)
20.06.2004 16:15 (SMS)
19.06. Bleibe noch einen weiteren Tag in Arvidsjaur und nehme einen Termin beim Masseur wahr. Das musste mal sein. Abends Lettland (Anmerkung: Fußball-EM gegen Deutschland). Wenn der lange Lettenkeeper mir die dritte Ecke aus der Luft wegschnappt, muss Herr FRINGS sich mal was anderes ausdenken! Danach Singen am Lagerfeuer. Wolfgang.
090. in der Ortsmitte von in Arvidsjaur
35. Tag
Sonntag, 19. Juni 2004
Arvidjaur > vor Slagnäs
43 km (1.106 km)
20.06.2004 20:55 (SMS)
Vor Slagnäs, 43 km. Hat sich noch keiner gefragt, warum ich den Riesenumweg über Arvidsjaur laufe? Wollte von der 94 hinter dem Polarkreis nach Sorsele abkürzen. Nach 10 km Militärsperrgebiet. Da kann man fluchen! Zurück zur 94, über 20 km für den A… Schöne Seenlandschaft bei Avaviken. Dann das Übliche: Kiefern und Wasser. Ikea war für Schwedens Wälder ein Segen. Gruß Wolfgang.
091. Lappland pur
092. Wegzehrung für Kleintiere
36. Tag
Montag, 21. Juni 2004
vor Slagnäs > hinter Sorsele
53 km (1.159 km)
21.06.2004 22:30 (SMS)
Hinter Sorsele bin ich auf den Campingplatz gegangen, 53 km. Regen und Sonne. Es dämmert jetzt schon etwas. Die Mitternachtssonne ist nicht mehr zu sehen. Morgen will ich bis Storumann ins Vandrarhem. Fußball! Wolfgang.
093. Schatten in der Mitternachtssonne, ca. 40 m
22. Juni 2004 19:20 (Reisebericht per Fax)
Begegnungen (2. Teil, der erste Teil ist noch mit der Post unterwegs!)
Jetzt kenne ich eine neue Rasse: Eisenbahntouristen! Menschen, die in die ganze Welt reisen, um in fremden Eisenbahnen Platz zu nehmen. Sobald diese Schienen sehen, schlägt ihr Herz höher. (Könnte es sein, dass wir auch in Altenbüren diese Rasse in Person von GÜNTER K., P. SOMMER und L. KREUTZMANN haben?)
094. Eisenbahnfans in Arvidsjaur
Ich traf diese Leute auf ihren Schienenbus wartend an der Inlandsbanan in Arvidsjaur, wohin sie eine Dampflok gebracht hatte. Allesamt honorige Personen. Zwei trafen sich zuletzt in Kalifornien Ich tippte nur an, dass ich schon einmal mit der Pyrenäenbahn in Frankreich gefahren sei, schon sprudelten alle Daten heraus: Stationen und Loks, Spurweiten und Fahrpläne. Es fehlten eigentlich nur noch die Weichenstellungen. Eine liebenswürdige Gruppe. Es ärgert mich jetzt, dass ich mir nicht den Typ der Lok aufgeschrieben habe. Der Kenner möge es mir verzeihen! Er wird ihn sich aber bestimmt aus dem Internet herausklicken können.
Härtefall in einem Waldcafé: Mittagszeit, Mittagessen. Oma (73 Jahre) betritt Gastraum und bestellt das gleiche preiswerte Mittagsgericht wie ich. Aus Wahlstedt, Annemarie SCHMIDT. Ja, sie wäre allein wie schon oft hier im Norden unterwegs. Mit einem umgebauten Lieferwagen. Zwei Monate. Ihre Trekkingkleidung lässt Fragen offen: Ich schaue mir das Auto an: Neuer VW mit kleinem Laderaum, nur in Hocke betretbar. Darin ein Pritschenbett mit Schlafsack, mobiler Kocher und einige Kisten unterm und neben dem Bett. 20 cm Platz dazwischen. Das ist Omas Wohnmobil! Der Autoatlas liegt aufgeschlagen auf dem Beifahrersitz. Etwas hatte sie mir voraus: Sie hörte Richard Wagner aus dem Restaurantlautsprecher als ich noch gar nichts hörte! Die Kenner meiner Hörfähigkeit werden sagen: Kein Wunder!
095. Fischrestaurant Sandsjörgården
Da sich alles auf der 94 gen Norden bewegt ist es kein Wunder, dass ich fast jedem etwas langsameren Typen begegne. Als Fußgänger über lange Distanzen bin ich wohl der einzige, das haben sie noch nicht erlebt! Aber Radfahrer jeder Alterskategorie treffe ich; von einigen habe ich ja schon geschrieben. Heute kommt mir nur JOOB aus Eindhoven in die Quere: 61 Jahre, Ausbilder, Radler. Schon häufig in Europa unterwegs, er hat zwei Überfälle in Litauen und Polen hinter sich. Kann es nicht lassen. Nachdem er sein Süppchen gegessen hat, lade ich ihn zu meinen Frikadellen mit Salat und Rotwein ein.

096. JEAN-LUC LANNOY aus Tervuren auf dem Weg zum Kap
097. GUILLAUME aus Chartes, auch auf dem 098. Schwede mit Katze im Anhänger
Weg zum Kap, hat Probleme mit dem Anhänger
Wie sich Motive und Menschen der Reisenden durch Lappland gleichen! Alle wollen etwas Abenteuerliches erleben und wissen, dass das nur über das Sich-Quälen möglich ist. Ich glaube, alle schönen Dinge auf der Welt muss man sich mit Arbeit, Mühe und Schweiß erkämpfen. Wie stand es doch auf Omas Küchentransparent: Ohne Arbeit früh und spät, wird dir nichts geraten! Der Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nicht den Spaten
Die wirklich hier in Lappland unterwegs sind, d. h. die nicht im wohltemperierten 6-m-Wohnmobil zum Nordkap düsen und dann wieder zurück, verbindet dieses Sich-Quälen: gegen das Wetter, gegen die Mücken, gegen viele Unwegsamkeiten, gegen den dicken Bauch Manchmal hat man das Gefühl, dass es eine Beleidigung Lapplands ist, wenn man es ohne Mühe zu erschließen versucht. Das wäre auch eine Erklärung für die Scheu der Lappen. Man müsste schon einmal seitab der 94 durch das Fjäll ziehen. Das ist bei meinem Vorhaben nicht drin, werde ich aber nachholen!
Meine Fotos
Ich schleppe zwei Leicas mit mir herum: Leicaflex mit Summicron-R 1:2/50 und eine Leica mini zoom mit Vario-Elmar 35-70. Die Leicaflex trage ich im Rucksack, die Mini-Leica am Gürtel, immer griffbereit. Die Leicaflex hole ich nur bei wichtigen Landschaftsaufnahmen heraus, oder wenn ich noch nicht müde bin. Tatsächlich ringe ich manchmal mit mir: Soll ich sie rausholen? Mein Pilgerstock hat im Kopf zwei Muttern eingearbeitet; eine kleine Schraube kann Kameras und Stock verbinden fertig ist das Stativ für Quer- und Hochformat! Bei Selbstauslöseraufnahmen eine Superlösung!
099. Wanderstab zum Fotostativ umfunktioniert
Wenn ich das Gästebuch nur ansehe, ist das Echo auf die Fotos besonders gut. Danke! Manche Aufnahme hat richtig Mühe gemacht. Da ich die Filme Axel zuschicke, kenne ich die Fotos erst aus dem Netz. Die eine oder andere Beschriftung wird noch geändert werden, aber Axel ist da sehr logistisch denkend vorgegangen fast alles stimmt. Das Bild mit Zelt und weißem Klappstuhl gehört zu Ingas Hütte, er stand da zwischen den Stugors herum und so was kralle ich mir natürlich für ein bisschen Komfort. Mein Freund Slomi wird stolz auf mich sein, habe ich doch bei ihm einige Semester Fotografie in Essen studiert. Herzliche Grüße Josef Albert SLOMINSKI in Neuhäusl! Ich mache auf Slomis Rat hin nur noch Papierbilder. Von diesen dann Dias zu fertigen, die leichter beeinflussbar sind, ist einfacher und besser! Fotografiere mit 100, 200 und 400 ASA. Die 1.600er Filme sind noch nicht im Einsatz. (Anmerkung der Redaktion: Neuerlich werden alle Filme vom Labor zusätzlich digital auf CD gebrannt übernommen, um diese u. a. auf der Homepage einfacher einzusetzen.)
37. Tag
Dienstag, 22. Juni 2004
hinter Sorsele > vor Storuman
46 km (1.205 km)
22.06.2004 21:40 (SMS)
Bis kurz vor Storuman, 46 km. Sehr schöner, aber strammer Tag. Tochter CLAUDIA bewahrte vor Streckenrekord. Heute wäre erst Dienstag und das Fußballspiel ist erst morgen! Ich liege mit Zelt im Wald. Regen? Nein! Aber Milliarden Mücken. Denen wird auch ein Extrablatt gewidmet. Habe ein super Mittel! Ich sollte gestern und heute gar nicht laufen, warnte ein Insider: denn hier wären alle betrunken. Sonnenwende! Gestern nicht, aber heute dachte ich dreimal, der Mann hatte Recht! Vom 24. bis 26. Juni setzt sich das fort: Mittsommernacht!! Ich werde vorsichtshalber im Vandrarhem bleiben. Sensation: Erster von 8:00 bis 22:00 h geöffneter Laden. Gute Nacht Wolfgang.
100. Grasbüschel so weit das Auge reicht
38. Tag
Mittwoch, 23. Juni 2004
vor Storuman > vor Vilhelmina
43 km (1.248 km)
24.06.2004 00:10 (SMS)
Nach Storuman, 43 km. Insgesamt 1.141 km. HANNELORE und ROLAND WIGGERT aus Niebüll mit süßem Hund Zorro laden mich zum Steak, Bier und Fußball ins Wohnmobil ein. Danke! Jetzt ist also wieder der Völler schuld! Lächerlich! Die großen Vereine und der DFB sind es!Miese Jugendarbeit. Es ist ja so einfach der Einkauf von Spielern. Da kann man schön in der Welt herumfahren! An manchem Wochenende schießt kein Deutscher ein Tor! Wo sollen unsere Jungs das lernen? Fußball ist nun mal ein Kampfsport. Der Hang dazu ist rückläufig für momentane Trallalasportarten.Typisch für unsere Weichlinge. Wenn ein Fußballer schon viel Zeit für sein Bartstyling aufbringt…der Torwart mit gegelten Haaren rumspringt… diese Zeiten sollten sie mal lieber fürs Training nutzen. 2000 suchte Berti Vogts „Spieler die sich noch quälen“.(Ich füge hinzu: Die keinen Trainerrauswurf benötigen, um auf einmal wieder kicken zu können. Ein Trauerspielen ist das alles.Aber die anderen Nationen werden uns schon Beine machen!!) Rudi hat diese Typen noch weniger gefunden! Die Bundesliga lebt nur mit ausländischen Stürmern!Rumfahren, einkaufen und einbürgern, liebe Vereine! Toll, woll?! Arme Nationalmannschaft! Bald machen wir uns wieder etwas für die WM 2006 vor…!Da muß grundlegend aufgeräumt werden!!Ich höre schon die jaulenden Statements der Stars…sie sind nicht berücksichtigt worden…armer Nationaltrainer…Am besten Redeverbot und mit neuen Leuten im Sinne Herbergers arbeiten… aber was sollen die Presseleute dann schreiben? Die Leute benötigen Events, leider immer mehr! Die Presse demnach auch. Skandale brauchen wir!!! Krach des Trainers mit Spielern, aber unser … ist nicht dabei im Aufgebot.. usw. Berti läßt grüßen!- Schöner Wandertag heute. Gruß Wolfgang.
101. Wohnmobilbekanntschaft aus Niebüll
39. Tag
Donnerstag, 24. Juni 2004
vor Vilhelmina > Vilhelmina
36 km (1.284 km)
24.06.2004 21:40 (SMS)
Vilhelmina. Faulenzertag, 36 Tag. Endlich konnte ich an meine eMails. Herzlichen Dank für die vielen netten Zeilen aus ganz Europa! Mein Mittsommeressen morgen wird sein: zu Rentiersteak, Auberginen in Butter geröstet, Kartoffelpüree, eine Flasche Chatelle du Languedoc. Hier gibt es alles! War das erste Mal in einem Alkoholladen: McDonalds und Straßenverkehrsamt! Alle Flaschen dieser Welt. Nummer ziehen, Aufruf abwarten, an ein Desk treten und bestellen. Die Konsummenge soll registriert werden. Alles sauteuer! Über das Thema gibt es ein Extrablatt. Wolfgang. PS: Wenn ich am Vortag meinem Ärger über unseren Fußball Luft machte, so sprech ich aus Erfahrung: Fußballjugend seit 1969 trainiert, natürlich kleine Dorfvereine…ehrenamtlich. Aki Watzke kenne ich noch als Jugendspieler im Nachbardorf von Giershagen! Jugendarbeit heißt nicht nur das Kicken erlernen. Ich sah Jugendarbeit im Fußball immer ganzheitlich, anfangs oft belacht! Ich fuhr mit den Jungen von Westfalen bis Wien und Clermont auf dem Fahrrad. Machte wochenlange Bollerwagenfahrten mit ihnen. Pfadfinderisches Leben. Gegen die Natur bestehen. Das schweißte die Jungen zusammen und half mehr auf dem Spielfeld als stundenlanges Training!!!Sie blieben bis ins hohe Fußball-Alter zusammen! Erfolgreich! Was wir also brauchen? Total neuer Aufbau mit normalen Spielern. Frisch – fromm -fröhlich – frei! Frei auch von dem Medienrummel. Das geht gegen diese Geier nur mit Abschottung. Wie war das nochmal mit Herberger: Elf Freunde müßt ihr werden…!!Keine Stars mit Hackordnung (wer darf das Tor schießen?), nicht immer nur an die Knete denken, ohne Psychiater auskommen…und natürlich verlernen, daß immer der Trainer schuld ist!Weil das alles nicht zu machen ist, müssen wir halt einpacken! Das bringt aber auch genügend Schlagzeilen… Was man nicht alles für Gedanken bekommt in der klaren Nordluft! Guten Morgen.
102. Mittsommertanz
103. Mittsommertanz
40. Tag
Freitag, 25. Juni 2004
Vilhelmina > Abstecher nach Fatmomakke
14 km (1.298 km)
26.06.2004 5:00 (SMS)
Vilhelmina > Samenkultort Fatmomakke > Vilhelmina, 14 km. Nach dem Aufstellen des Maienkreuzes und den Tänzen wollte ich noch etwas laufen. Mein Fotografieren reizte so, dass man mich und JOOP, einen Radler aus Eindhoven einlud, 120 km zum zweiten Auftritt nach Fatmomakke mit zufahren. Ein Samentreffen. Frau INGER BLOMSTRAND, Lehrerin, erklärte: ein über 1.000 jähriger Samenthingplatz. Darüber berichte ich noch. Es war großartig! Wir waren um 4:00 h Zurück in Vilhelmina. Werde jetzt gleich loslaufen! Morgenstund… Werde einige Kilometer machen und dann schlafen gehen! Gruß Wolfgang.
104. Chor aus Vilhelmina in Fatmomakke

105. Errichten des Mittsommerbaumes in Fatmomakke
106. Nach dem Schautanz tanzen alle mit
41. Tag
Samstag, 26. Juni 2004
Vilhelmina > Meselefors
27 km (1.325 km)
26.06.2004 23:00 (SMS)
Meselefors, Campingplatz, 28 km. Es war richtig, dass ich loslief! Nur eine Hand voll Autos waren unterwegs. Habe im Wald eine halbe Stunde geschlafen und bin um 11:30 h in Meselefors angekommen. Dann habe ich vier Stunden geschlafen und den starken Regen gar nicht bemerkt! Meine Gitarre muss wieder geleimt werden. jetzt kommt eine Schraube durch! Fußball Schweden : Niederlande, klar! Bitte mein zugesandtes Tagebuch nur aufbewahren bzw. für Bildunterschriften nutzen. Wolfgang.
26. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Das Kirchweihjubiläum von Fatmomakke (ich denk dabei immer an Macke unser Stürmeras beim TUS Elmerborg) ist um 02:00 h zu Ende und um 04:00 h auch die Rückfahrt nach Vilhelmina. Wie komme ich an mein Gepäck, das im Restaurant weggesperrt ist? Ich kann es gut durch die Scheiben sehen. Joop, der Oranjer, trollt sich schon zu seinem Zelt. Aber die Leute hier haben mitgedacht: An der Tür hängt ein Zettel: WALKING MAN FROM BERLIN (!) KNOCK AT THE BACK DOOR! Na also! Aufs erste Klopfen wird reagiert und ich kann mein Gepäck holen.
Was soll ich machen? Die ganze Nacht habe ich nicht geschlafen und bin aufgedreht. Jetzt Zelt aufbauen und versuchen zu schlafen? Nein! Duschen, Teekochen, Würstchen heiß machen und Abmarsch Richtung Dorotea. Herrlich marschiert es sich am Morgen. Habe nur die Mundharmonika umgehängt und spiele ein Marschlied. Irgend so ein Ohrwurm ist fast jeden Tag ein Hit. Heute: Auf du junger Wandersmann. Das ist ja genau meine Situation, dieses Lied. Lest es mal nach! bis man kommt nach Innsbruck rein, wo man trinkt Tirolerwein… Dauert noch ein bisschen. Von Müdigkeit keine Spur, das kommt wohl erst bei 25 km. Quer über den Fluss sehe ich einen Campingplatz. Leer. Weiter oder Schluss machen?
107. mit der Mundharmonika läuft es sich besser
Ich will mich nicht weiter aufziehen und biege ab: Meselefors Vandrarheim & Camping. Das Besitzerehepaar sitzt draußen, trinkt Kaffee. Zelt kostet 90 Kr. Ich mosere etwas. Ich zahle genau so viel, als wenn einer hier mit dem Wagen ankommt und seine Zeltstadt errichtet. Die Kategorie Wandersmann mit Minizelt fehlt weil es die ja auch selten gibt. Was ich denn sonst bezahle? 70 Kr. Dann zahlen Sie eben 70 oder 50! Der Mann mag mich, die Frau auch, denn ich bekomme sofort einen Kaffee und ein Stück Torte! Wenn ich so sitze kommt jetzt doch die Müdigkeit heraus, dazu der Kaffee, der für mich Schlafmittel ist (Milch macht mich munter!), jedenfalls nicke ich im Gartenstuhl ein.
108. Postkarte Meselefors, Vandrarhem
Jetzt aber Zelt aufbauen und schlafen: Ich merke den Wolkenbruch nicht, schlafe bis 18:00 h durch. Jetzt scheint die Sonne. Als ich zur Erbauung etwas Gitarre spielen will, stelle ich fest, dass das Instrument wieder mal geleimt werden muss! Der Halsansatz löst sich vom Körper! Ja, er habe eine Schraubzwinge. Diesmal kommt nur eine Schraube rein! Trockenzeit bis morgen Vormittag.
Da geht ein junger Mann zu seiner Hütte, nein, das sei eine Deutsche, die mit dem Rad zum Kap unterwegs ist. JANINE aus München, Studium der Skandinavistik (hoffentlich ist das richtig geschrieben!) abgeschlossen, geht jetzt aufs Nordkap los! Von München! Macht jeden Tag so um die 100 km. Der Bauch sei weg, die Oberschenkel gewachsen ein nettes Mädchen und mutig, als Frau alleine. Ihr Mann kommt mit dem Wohnmobil in zwei Wochen nach. Jetzt ist Schweden gegen Tschechien angesagt. Morgen weint ganz Schweden! Auf dem Campingplatz entsorge ich meinen dicken Anorak. Der Besitzer bedankt sich.
42. Tag
Saonntag, 27. Juni 2004
Meselefors > Dorotea
33 km (1.358 km)
27.06.2004 07:50 (SMS)
Dorotea, 33 km. Kam erst spät gegen 12:00 h los. Es sind kaum noch Rentiere zu sehen. Habe jetzt die dicke Jacke entsorgt, hoffentlich nicht zu früh. Die Mücken und Preise steigen auch, 70-90 KR wollen sie für mich und mein Zeltchen haben. Da die Kategorie „Wanderer mit Zelt“ fehlt. Einsichtige Platzhalter, wie schon in Meselefors. Jetzt in Dorotea sagte man 50 kr, sie haben ein gutes Restaurant hier. Habe dort gegessen und dabei das Europameisterschaftsviertelfinale Tschechien : Dänemark geschaut. Wahrlich, da gehört unsere Nationalelf im Moment auch nicht hin! Ist Fußball nicht ein Spiegelbild unserer gesamten Lage: wenig arbeiten aber utopisch verdienen. Viel Geld dafür haben wollen und schwere Arbeit von Ausländern machen lassen, große Klappe haben und die Schuld immer beim anderen suchen… Vielleicht denke ich auf dem Marsch zuviel… Gruß Wolfgang.
109. Sticker Dorotea
27. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Kaufe Brötchen zum Aufbacken im Backrohr und lade JANINE dazu ein, die ihr Brot mümmelt. Weil immer der Frohe dem Fröhlichen borgt, drum Brüderchen ergo bibamus. Das ist der Bohnenkaffee, der auf einmal von der Besitzerin des Platzes in der Thermoskanne gebracht wird, dazu Margarine. Wenn die wüsste, dass ich Butterfan bin und als einzigen Luxus eine Dose mit Butter herumschleppe! Aber herzlichen Dank. Auch JANINE nimmt meine Butter. Gruppenbild und gutes Trampeln.
Ich werde von allen fotografiert und als ich losziehen will, ruft WERNER SCHIMION aus Dorsten an. Uns verbindet seit 42 Jahren eine gute Freundschaft. 28 Minuten opfert er und ich setze mich erst mal wieder in den Plastikstuhl. Er liest mir alle Gästebucheinträge vor. Danke! Glückwunsch dem Königspaar MORGENROTH-GÖKE! Werner will mich auch auf dem Laufenden halten.
Abmarsch! Die Angriffe auf den Fußgänger sind rabiater geworden! Die Restalkoholiker fahren heim! Hätte doch hören sollen! Aber jetzt gehts durch! Ein Krimineller überholt von hinten ein großes Wohnmobil mit über 100 Sachen, ich, links auf gleicher Höhe!! 20 cm, Luftzug! Schlafe eine Stunde auf dem Schlitten einer Gattersäge abgestellt!
110. Restalkoholiker
Um 19:00 h marschiere ich in Dorotea ein. Offen ist nur die Tankstelle. Buttermilch und Bananen! Der Zeltplatz ist 2 km hinter Dorothea. Preiskampf: Weil Du wanderst, zahlst Du eben 50 Kr! Dass ich dann eine Zeche von 125 Kr mache, hat er mir bestimmt angesehen. Die Mücken werden langsam zur Plage. Fußball Dänemark Tschechien. Koller wieder eine Bundesliga-Züchtung schießt das erste Tor!
43. Tag
Montag, 28. Juni 2004
Dorothea > über Hoting hinaus
33 km (1.391 km)
28.06.2004 23:55 (SMS)
Bis hinter Hoting, ein Waldlager am See. Bin heute 33 km im Regen gelaufen. Um 14:00 h habe ich Lappland verlassen. Wollte eigentlich nur bis Hoting und dort auf den Campingplatz. Die Rezeptionsdame tat so vornehm, dass ich dachte, ich bin im Vierjahreszeiten in München. Als sie dann auch noch 110 KR wollte ging ich. Nun liege ich im Wald für 0 KR. Wolfgang.
28. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Wolkenbrüche lassen mich erst um 13:00 h weg. Eine nette, lockere Mannschaft in dem Doro Camp Lappland. Essen gut, Bier preiswert, sauber der Laden. Nutze die Wolkenbrüche um Berichte und Filme an Axel zu verschicken. Auch 1.400 km Kartenband werden abgeschnitten und dazugepackt. Alles kräftig verklebt.
Als um 13:00 h der Regen immer noch fließt, gehe ich los. Nach 10 km kommt ein Naturcampingplatz. Eine schwedisch-polnische Ehe führt ihn und als wir feststellen, dass wir Grotniki bei Lodz kennen und auch noch Personen dort (!!) spendiert mir der Wirt das Bier zum Mittagessen. So klein ist die Welt! So ein Anhalten kostet immer 1,5 bis 2 Stunden.
Ich komme also nach Hoting, als die Läden bereits geschlossen sind. Der Konsum öffnet extra noch einmal für mich. Grundversorgung: Milch, Wurst, Bananen, Haferflocken. Ich war blank! Der Zeltplatz ist hinter dem Ort und es stehen 2 3 Wohnwagen drauf. Als ich die Rezeption betrete, ahne ich schon, hier bleibst du nicht! Die Dame, die auch die Tourist-Info betreut, rauscht im Festornat aus dem Nebenraum an. Ich, nass, verschwitzt, frage wie immer jetzt in Schweden nach dem Preis. 110 Kr, kein Lächeln, stures Gesicht. Die mag nur Luxuscamper, ich verkörpere Straße, Wald und Nässe bis auf die Knochen! Danke! Wenn ich bis Göteborg diese Preise zahlen muss, ist 80 % des Gesamthaushaltes in Schweden und Norwegen geblieben.
Also, Waldlager, trotz Regen, da bin ich stur. Morgen gibts dann ein Vandrarhem! Ein Segen und Dank der Gemeinde Hoting: Nach 1 km ein herrlicher Rastplatz mit warmer Raststube. Auch einige Wohnmobile parken hier. Denen ist der Preis 200 m weiter auch zu blöd! Nach dem Essen marschiere ich los, und schaffe bestimmt noch 15 km. Habe den Blinker am Hut angeschaltet. Wenig Verkehr. Also; nachts laufen? Schöner Platz, an einem See, ich Trottel, uns Deutsche zieht es immer ans Wasser(!), doch jetzt lerne ich nicht nur die Hot-Preise, sondern auch die Hot-Mücken von Hotings kennen. Trotz Pieselregen stürzen sich die einmotorigen Verbände auf mich. Doch ins Zelt kommt keine! Die Technik hab ich raus! Davon später im Extrablatt Mücken. Die ganze Nacht pieselt es durch. Am Morgen ist alles klamm. Das erste Mal habe ich nasses Zeug (29.6.) verpackt. Im Vandrarhem Stromsund wird gewaschen!
111. Essenzubereitung
112. Mittagessen
Die Strecke
Wie auf der Landkarte erkennbar, folgt meine Route dem Stück Nordkap Göteborg. Dass dabei die Straße No. 45 herauskam ist kein Zufall, sondern uralte Straßenführung: Von Göteborg nach Federikshavn war eben die kürzeste Übersetzung zum Festland. Ich war schon etwas erstaunt, als ich merkte, dass ich eigentlich immer die No. 45 laufen musste. Natürlich ist es öde, dem Straßenband zu folgen, aber im Norden, bis ca. Östersund, gibt es keine Alternative. Ich habe das ja erlebt!! Aber ich will nach Sizilien! Ab Dänemark kann ich dann Wanderwege bzw. kleine Straßen wählen. Also wieder einmal: Augen zu – und durch.
Man entwickelt bei solch einem Laufen ein sagenhaftes Gefühl für die Landschaft. Wo ist Wasser, wo sind Menschen angesiedelt, in welche Richtung fließt das Wasser, geht es also weiter bergauf oder bergab. Menschen bauen ihre Städtchen immer geschützt, selten auf den Hochflächen da habe ich nichts zu erwarten. Wenn aber ein Berg in der Ferne auftaucht, und die Straße bergab geht, liegt dort mit großer Sicherheit ein Örtchen, wo ich mich versorgen kann. Denn es ist immer noch so, um mit Wilhelm Busch zu sprechen.
Die Sorge, wie man Nahrung findet, ist häufig nicht so unbegründet! Das neueste Zeichen für totale Einsamkeit ohne menschliche Ansiedlung sind die Mobilfunkantennen. Entweder stehen sie auf der höchsten Erhebung am A der Welt oder kündigen den Ort schon aus weiter Ferne an.
Nun, in Dorotea, wo ich diesen Bericht schreibe, sind es noch über 1.000 km nach Göteborg. Das ist noch ein Stiefel zu laufen! Man ist immer erstaunt, was man so an Kilometer hinter sich bringt, wenn man stetig läuft.
Dass ich wie in den ersten Tagen jede Steigung misstrauisch registrierte, hat sich gelegt. Wenn sie nicht über 10 % geht, wird sie gar nicht wahrgenommen. Oft merkt man Steigungen gar nicht, wenn die Straße geradeaus führt. Nur, wenn es etwas schwerer geht, kommt man auf die Idee, dass es bergauf gehen könnte Also, weiter mit Johnny Cash: I (work) walk the Line
Gruß Wolfgang
44. Tag
Dienstag, 29. Juni 2004
Wald nach Hoting > Tullingsås
46 km (1.437 km)
29. Juni 2004 (Reisebericht per Fax)
Ich muss am Vorabend doch mehr gelaufen sein! Bin bald in Lövberga. Ich korrigiere den Vortag: 38 km. Das erste Mal habe ich nasses und feuchtes Zeug eingepackt. Trotz Pieselregen immer noch Mückenschwärme! Strömsund zieht mich mächtig an. Heute muss ich eine Unterkunft mit Waschmaschine und Trockner haben und das haben Vandrarheme! Aber Strömsund hat keines!
Ein paar Kilometer weiter die 94 in Tullingsås wäre eines! Wie anders als auf der bornierten Rezeption von Hoting ist hier die Aufnahme! Waschpulver? Kein Problem! Bezahlen? Aber nein. Bekomme ein schönes Zimmer für 150 Kr. Viele Schweden – und vor allem Holländer nutzen diese bezahlbaren Unterkünfte, die auch immer eine Küche und einen Fernseher im Aufenthaltsraum haben. Wasche alles! Die Versorgung mit Lebensmittel ist okay. Gut, dass ich nur ein Steak im Strömsund gekauft hatte. Kartoffelpüree hab ich noch und sonst steht auch von Vorgästen noch einiges an Lebensmitteln hier herum. Satt werde ich. Die Herberge liegt ausnahmsweise nicht an einem See. Dieser ist aber in 1 km Entfernung zu sehen. Herrlicher Anblick nur leider verregnetes Wetter zum Fotografieren nicht geeignet! Sitze draußen und musiziere etwas allein versteht sich. Hier scheint jeder seine Mauer gebaut zu haben. Eingerissen wird diese offenkundig mit Alkohol. Nicht-Guten-Morgen sagen ist hier üblich, das merke ich schon seit 1.400 km, vor allem bei den jungen Leuten ist das Grüßen aus der Mode.
Ich glaube es ist mal wieder Zeit zusammenhängende Tagesberichte zu senden, denn in den SMS-Sendungen bleibt doch so manches auf der Strecke. Ich sitze also hier im Vandrarhem von Tullingsås, das liegt hinter Strömsund, in warmem Zimmer und habe Zeit. Die Herbergsmutter will die Zettel morgen per Fax an Axel senden! Habe dann bis 24:00 h Berichte geschrieben.
45. Tag
Mittwoch, 30. Juni 2004
Tullingsås > vor Loras
41 km (1.478 km)
30.06.2004 22:10 (SMS)
Vor Loras im Wald, 41 km. Langsam reicht mir die 45! Wollte einen Nebenweg über Gaxjö gehen. Der Hausmeister des Vandrarhems kam mir mit dem Rad extra nachgefahren und riet mir davon ab. Wieder 45! In Hammerdal werden bei ICA, der beherrschende Landversorger, Lebensmittel getankt. Weiter. Vielleicht schaffe ich es morgen bis Östersund! Vor Loras ist Schluss! Gute Nacht, Wolfgang.

113. ICA-Supermarkt, gratis Kaffee und Plätzchen
Wegstrecke · Fotos 1–15 · Fotos 16–30 · Fotos 31–45 · Fotos 46–60 · Fotos 61–75 · Fotos 76–89 · Fazit
Vorbereitung · Reisetagebuch · Mai 2004 · Juni 2004 · Juli 2004 · August 2004 · September 2004 · Oktober 2004 · November 2004 · Dezember 2004 · Januar 2005 · Februar 2005 · März 2005 · April 2005
Juli 2007 · August 2007 · September 2007 · Oktober 2007 · Teil 1 · Oktober 2007 · Teil 2 · November 2007 · Dezember 2007 · Aktuelles seit Januar 2008
Home · Kontakt · Impressum · Datenschutz