Oktober 86. Tag: München 15 km target=“xml“ content=“namespace prefix = o ns = \“urn:schemas-microsoft-com:office:office\“ /“>?>
Oktober 87. Tag: München – Altenbüren 8 km
Oktober 88. Tag: Altenbüren 0 km
Oktober 89. Tag: Altenbüren 0 km
Oktober 90. Tag: Altenbüren – München 8 km
Oktober 91. Tag: München 10 km
Oktober 92. Tag: München – Altenbüren 0 km
Oktober 93. Tag: Daheim 0 km
Oktober 94. Tag: Daheim 0 km
Oktober 95. Tag: Daheim 0 km
Oktober 96. Tag: Daheim ´ 0 km
Oktober 97. Tag: Daheim 0 km
Oktober 98. Tag: Daheim (Sa. 13.10.) 0 km
Oktober 99. Tag: Fahrt nach Stuttgart (Enkelkinder!) 0 km
Oktober100.Tag: Stuttgart 0 km
Oktober101.Tag: Stuttgart (16.10) 0 km
Oktober102.Tag: Stuttgart – Polen, Ende der Ferien! 0 km
Oktober103.Tag: Gleiwitz (18.10)
86. Tag
Montag, 1.10.2007, 15 km
München, wiesenfreier Tag, Bummel in München, Olympiapark
Bummel durch die Stadt ist angesagt. Bei Beck am Rathauseck erstehe ich in geistiger Umnachtung einen Reißverschluss für meine Jacke… 14 €, den bringe ich wieder zurück und kaufe mir eine neue Jacke! Um 14 Uhr bin ich mit Willi am Olympiaturm verabredet und wir verleben einen gemütlichen Nachmittag auf der Alm. Willis Schlacht- und Wurstkünste muss ich mir in Bodenwerder einmal vorführen lassen. -Wenn ich den Teich am Turm sehe, muss ich immer an den kleinen Jungen denken, der dort ins Eis einbrach und im brusttiefen Wasser ertrinken musste, weil die gaffende Menge ja die Feuerwehr gerufen hatte…Institutionalisierte Hilfsbereitschaft. Alles fährt vorbei, die gelben Engel kommen schon, denn alle anderen sind Bösewichte. Solche Sprüche werden von bestimmter Seite gefördert. Eine besondere Form von caritativer Monopolpolitik.
Als sich mein Freund Wolfgang Spiller nachts am Grand Canyon den Fuß brach und fror, wurde ich unter Androhung von Haft vom Ranger daran gehindert ihm eine Decke unterzulegen. Sind Sie Arzt? Aber die erste Frage des Krankenwagenfahrers an den Verletzten war: „Have you a Creditcard?“ Wie weit sind wir davon entfernt? Vielleicht schon mitten drin!
Morgen geht es mit Willi, der heim nach Bodenwerder fährt, in mein Haus nach Altenbüren. Da wartet Arbeit auf mich!!! Als ich nach Pullach fahren will, ist die S7 gesperrt. Heimeranplatz ist zu! Was tun? Die Wiesnmassen stauen sich schon. Finde das Schlupfloch: Zurück zum Marienplatz und mit der S6 zum Harras und von dort weiter nach Pullach. Wecken ist um 5.30h.
87. Tag
Dienstag, 2.10.2007, 8 km
München – Altenbüren (im Auto mit Willi T.)
Um 7 Uhr werfe ich Willi und Fred aus der Molle, hole Semmeln und wir frühstücken. Gegen 15 Uhr sind wir schon in Altenbüren und ich lade Willi in das Restaurant Kievel zum Pfeffersteak ein. Vorher waren wir noch bei der Druckerei Boxberger in Marsberg, die mir 400 neue Karten drucken wollen. Ist das ein großartiger Laden! Hier verbindet man Tradition und Zweckmässigkeit miteinander. Auf dem Abstellgleis , aber immer noch in Schuss, eine alte Heidelbergmaschine. Damit haben wir Deutschen die Welt bepflastert! Beherrschend in der Druckerei ist ein riesiges Gemälde an der Wand, das ich Euch demnächst hier zeigen werde. Allseitiges Erstaunen bei Ute, Ansgar und Stefanie (die meine Karte in den aktuellen CDU-Farben gestaltet hat, wie meine Tochter Claudia bemerkte…? mit dieser Farbgestaltung habe ich nichts mit am Hut!), dass ich nicht mehr in Polen herumlaufe. Einige schauen sich schon meine Seite an!
88. Tag
Altenbüren
Tag der Deutschen Einheit! Hätte ich bald vergessen. Frühstücke bei Marcel, da mein Kühlschrank leer ist. Jule kommt in die 2. Klasse und muss nun schreiben wie richtig geschrieben wird, nicht Mutta, sondern Mutter…Am Nachmittag spielt mein Verein, in dem ich einige Jahre Vorsitzender war, TUS Elmerborg Altenbüren 1923, A-Liga, ein Pokalspiel gegen Rot-Weiss Erlinghausen, die drei Spielklassen höher spielen. Nur 0:3 verloren. Der Cup war von einer der größten Brauereien Deutschlands gestiftet…der Pokal für den 3.und 4. Sieger musste für den 1. und 2. erst einmal gespült werden. Und 100 l Bier bekam die Siegermannschaft, die strikt soetwas nicht trinkt. Da werden bei den Brauereien zig Prozente für Werbung hinausgehauen und da zeigt man sich kniepig und hängt noch Fahnen mit Stockflecken auf…! Seit 15 Jahren beliefert unseren Verein die Veltins-Brauerei. Da hätte es so etwas nie gegeben.- Es muss einfach einmal gesagt werden: Wären die lebendigen Vereine nicht in unseren Dörfern, getragen von ihren vielen ehrenamtlichen Helfern, wären diese Dörfer weitgehend tot, nur Wohnflecken. Das 1500-Seelen-Dorf Altenbüren hat einen Schützenverein, Sportverein,eine 40-Mann/Frau-Blaskapelle, Gesangverein, Frauen-, Alten-, Heimat -… bestimmt hab ich noch einen vergessen. Ich bin jetzt auf Schlesien gespannt, wo ja vor dem Kriege eine blühende Vereinslandschaft bestand. Wo grosse Dichter , Musiker geboren sind. Neben Schwaben das fleißigste Volksliedland! Wem Gott will rechte Gunst erweisen…Oh Täler weit oh Höhen. Ob in Kreuzburg eine Tafel an Gustav Freytags Haus angebracht ist? Jedenfalls das Eichendorff-Denkmal in Ratibor hat nicht die Inschrift „Eichdorfu“ sondern Josef Freiherr von Eichendorff, und auf den Grabplatten in Neisse, liegen immer frische Blumen. Sie sind nicht zerstört. Haben die Polen in Schlesien etwas Adäquates aufbauen können? Ich bin gespannt.
89. Tag
Donnerstag, 4.10.2007, 0 km
Altenbüren
Früh ins Krankenhaus, um mich durchchecken zu lassen. Ich spürte in letzter Zeit gelegentlich einen Schmerz im linken Schulterbereich, was man ja nicht unterschätzen sollte. Das Belastungs-EKG ist aber in Ordnung. Bei 100 Watt wurde abgebrochen. Laufen sie weiter, so Dr. Krahn, morgen früh gibts die Blutwerte. Da ich mit dem Laufen und dem Atmen nie Probleme hatte, dachte ich mir schon, dass es sicher eine muskuläre Angelegenheit sei, die vom Tragegurt des Rucksacks herrührt. Jakobus sei Dank. Ultreia!!
Morgen nimmt mich Ralf Hinterläutner, von uns auch “ Ralf Vorderglöckner“ genannt… wieder nach München zurück. Die Winterausrüstung ist im Sack!! Noch einmal: oans – zwoa – drei …!
90. Tag
Freitag, 5.10.2007, 8 km
Fahrt von Brilon nach München
Den Brilonern habe ich versprochen für Sie an diesem Wochenende mit der Unterkunft in München bereitzustehen. So ganz ungern fahre ich nie in diese Stadt, aber nun wird es mir doch ein wenig zu viel mit der Wiesn. Aber was tut man nicht alles, wenn man gebeten wird!
Ralf holt mich um 5.15 Uhr ab, was 4.30 Uhr Wecken heißt. In Bad Wünnenberg wird Andrea abgeholt und wir sind kurz vor 10h in München. Kurz vor der Ausfahrt Oberhaching gibt es dann doch noch einen Stau, den wir aber geschickt umfahren. Andrea musste mal…
Mich wundert es schon sehr, dass alle nicht sofort auf die Wiesn wollen und einen Spaziergang in München vorziehen, was mir sehr entgegenkommt. Wir landen aber im Hofbräuhaus, wo wir in eine Familie Amerikaner geraten. Eine tolle Stimmung kommt auf und wir stellen fest, dass wir kaum etwas bezahlen müssen. Lauscheppen liegt uns wirklich fern – aber es was alles schon beglichen. Es kann über das Hofbräuhaus gesagt werden was man will, das Essen ist gleichbleibend gut, die Musik zünftig und man findet immer schnell Anschluss und nette Leute dort. Macht es die Luft, die Musik oder einfach die Vorgabe, dass es hier lustig sein muss?
Bernd Wittkopp, immer gut für originelle Einfälle, ordert am Marienplatz ein „Sternfahrrad“. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen! 7 Leute sitzen mit dem Fahrer sternförmig auf einer Art Fahrrad, breit wie ein Auto, alle müssen trampeln und der Fahrer hat ein Lenkrad. Ich sitze mit dem Rücken gegen die Fahrtrichtung und man hat in dieser trampelnden Runde das Gefühl Galeerensträfling zu sein! Der junge Busche, der das Gefährt lenkt, macht es großartig, wir treten richtig in die Pedalen, damit wir kein Verkehrshindernis und so schnell wie die Autos sind. Die Polizei, die lange hinter uns herfährt, filmt dem Vorgang. Der Betreiber dieser Attraktion muss natürlich immer „volles Rad“ haben, sonst wird es für den Einzelnen Schwerstarbeit und das Gefährt wird zum Verkehrshindernis. Zum Glück hat er aber auch eine Fangemeinde, die sich schon einmal zum Trampeln auf die Radspinne bitten lässt. (Foto wird nachgereicht!) An der Wiesn angelangt, ist der Alkohol vom Hofbräuhaus verdunstet… Bummel. Es ist schon 21 Uhr. Ralf und Andrea sind so müde, dass es nicht einmal mehr zu einem Absacker im Rabenwirt reicht.
91. Tag
Samstag, 6.10.2007, 10 km
Ochsenbraterei, Bummel,
Bernd, Karin, Andreas alle mit Familiennamen W., dazu Gaby II halten uns Pullachern drei Plätze frei…Ihre Kommentare dazu ähneln meinen vor einer Woche (s.d.), denn Ralf und Andrea hatten beschlossen länger zu schlafen…doch gegen 10 Uhr sind wir da und der Kampf hat ein Ende. Ein gemütlicher Wiesentag schließt sich an und auch Bernd ergründet die Geheimnisse um Reservierungsgelder, Boxenkosten, Bedienungsbestechung und mit welchen Tricks man in ein geschlossenes Bierzelt kommt. Banker interessieren sich halt immer für verworrene Wege, die zum Erfolg führen und für Außenstehende nicht ganz durchsichtig sind…weshalb ich es mir hier auch verkneife, diese Wege anzugeben.
Wir haben nette Leute am Tisch; drei hübsche Kurzüberdreißigerinnen aus Sachsen in netten Dirndeln, die dann spät auch ihre Männlein finden. Leider sind es vier und Andreas W. betrachtet interessiert den Verteilungskampf. Hat er doch auf ähnliche Art und Weise vor Jahren seine Gaby II erobern müssen. Das war 2004 und sie sind noch mit Fotos in meinem Marsch vom Nordkap verewigt. Die Wiesn kann auch dauerhafte Bande knüpfen!
Bernd und Karin, die mit mir schon bald 20 Jahre mit nach München fahren, haben auch ihr traditionelles Wiesenreglement: Brezel, Mandeln, Bierzelt, Teufelsrad, Aufblick zur Bavaria (für die Treppenstufen reicht es meist nicht mehr!), Schichtl, Käfer von außen (ob nicht ein Großkopferter aus dem Heuboden auf das gemeineVolk herunterschaut …), Vogeljakob, Fischsemmel und …Klamotten kaufen…- nichts für ihn. Dieses Jahr ist etwas Ledernes in Karins Tüte. Bei den Schickimickiboxen und -emporen, habe ich immer die Assoziation vom Osterspaziergang im Faust, wie Faust und Wagner dem feiernden Volke zuschauen. Wie langweilig haben sie es selbst und wie lustig ist das Volk… ohne das sie gar nicht da säßen. Man schaue sich nur mal die Gesichter in den Boxen an! „Was machen wir nur mit den restlichen Gutscheinen? Da hätten wir noch das Hendl! Wer will es haben?“ Nicht mal beim Prosit bekommen alle die Krüge hoch. Und die Neulinge aus der Firma, meist toll herausgeputzt, wirken teilweise verstört ob dieses Treibens. Man stelle sich nur einmal die Boxen alleine vor!- Ein Kenner taxiert meine Lederhose und meint sie müsse von meinem Urgroßvater stammen. Ich sage ihm nicht, dass man mit einer neuen nur vom Nordkap nach Sizilien und von St. Petersburg nach Polen laufen müsse, damit sie so aussähe.- Morgen ist Heimfahrt nach Brilon. Ich habe wegen der vielen aufzuarbeitenden Dinge meine Rückfahrt nach Polen aufschieben müssen. Besonders ärgert mich mein Landesamt mit Einspruchsfristen. Das scheint Methode und Sport bei den Sesselfu…. zu werden. Rentner kann man so mit Schriftkram und Fristen bombardieren, dass man da richtig Gewinne in die Landeskasse NRW buchten kann. Punktsammeln für die nächste Beförderung! Auch mit Leuten die nicht so lange fort waren wie ich, kann man dieses Spielchen betreiben. Gar nicht auszudenken, wenn die Betroffenen geistig unbeweglicher werden, oder gar Pflegefälle sind!!! Das ist eine Form von elegantem Betrug.(Gerade höre ich von einem aus der Verwaltung, dass dieses Spielchen uralt ist.)
92. Tag
Sonntag, 7.10.2007, 0 km
Heimfahrt nach Brilon: München-Fürth-Neustadt-
Dachsbach-Schweinfurt-Bad Wildungen – Brilon
Abfahrt ist gegen 12.30 Uhr und wir geraten prompt in zwei Dauerstaupunkte: München-Ost und München Nord. Von der Holledau hören wir erst später. Ich muss wohl im Fond laut geschnarcht haben, dass ich Ralf nicht Erding, Freising sagen konnte, um dann in Allershausen wieder auf die A9 zu fahren. Dabei wollteRalf doch mit seinem tollen Nochschrauber-BMW richtig Gas geben! Mit unserem Karpfenessen im Aischgrund wird wohl nichts werden. Wir werden erst gegen 16 Uhr dort sein und da sind die Küchen meist zu. Doch wir haben Glück! Wer in Dachsbach bei Neustadt den „Brandenburger Adler“, und deren betagte Küchenfee „Betti“ kennt, der weiß, dass sie flexibel ist und er kann dort einen der besten gebackenen Karpfen im ganzen Frankenland essen. Es war so. „Könnt ihr noch haben!“Wenn ein grosser Karpfen dann 8,5 € mit Beilage kostet, hofft man im Stillen, dass sich die fränkische Wirthauskultur noch lange so halten möchte. Mit Mark gleich Euro hat sich die Gastronomie ihr grösstes Eigentor geschossen. Die Rechnung ging nicht auf: Verdoppelst du die Preise, mußt du halb so wenig arbeiten und verdienst genau so viel. So hat man die Gäste aus den Wirtschaften gejagt!; im Verein mit den Brauereien, die die Flaschenbierpreise billiger als die Fassbierpreise anbieten und so den Wirten „eine reinwürgen“und das Saufen im Stillen fördern. Die Franken haben es nicht ganz so doll getrieben, weshalb wir auch um diese Zeit noch einfache Leute in der Wirtschaft finden, die ihren Schoppen trinken. Viele europäische Länder hatten damals bei der Euroumstellung einen Preisstopp ausgerufen; wir Deutsche konnten das wohl nicht, weil die grössten Preistreiber die Regierung selbst und die Städte und Gemeinden sein wollten. So hätte man sich ja selber die Kandarre angelegt! Vor lauter Abgaben fragt man sich manchmal wirklich, warum man überhaupt noch Steuern zahlen muss! Da sind wir wieder bei einer der vornehmsten Aufgabe der Regierenden, der „Zuteilenden Gerechtigkeit“(iustitia distributiva, so mein Philosophieprofessor Josef Pieper in Münster!), die heutzutage oft auf der Strecke bleibt. Dafür hat man die „Abzockende Gerechtigkeit“ installiert; möglichst viel kurz nach den Wahlen abzocken, Spendierhose an für potentielle Wählergruppen vor den Wahlen. Es geht schon langsam damit los! –
Da Erlangen und Biebelried stundenlang „zu“ sind, kommt uns die Abkürzung über Neustadt ganz gelegen und nach dem Karpfenessen nehmen wir die Schnellstrasse über Gerolzhofen, um hinter Schweinfurt dann auf die Kasseler Autobahn zu fahren. Es lief wunderbar ohne einen Stau. Die armen Unflexiblen an diesem Tag! Sie sassen stundenlang fest. Diese Massen konnten doch nicht alle vom Oktoberfest kommen…! Oder doch?
93. Tag
Montag, 8.10.2007, 0 km
Altenbüren
Was alles so liegenbleibt, wenn man 3 Monate nicht zuhause war! Vom Staub ist gar nicht zu sprechen, da muss es eine Generalreinigung geben. – Weshalb ich nicht von München nach Polen fuhr?
1. Bin ich mit dem ganzen Schriftkram doch nicht fertig geworden.
2. Ich habe leichte Zahnschmerzen und da ich einen Zahnarzt kenne, der keine Turbobohrer hat, Wurzelbehandlungen selbstverständlich macht und mir alle meine Zähne bisher erhalten hat, werde ich zurück nach Brilon fahren.
Siegfried K. holt mir auch von meiner Beihilfestelle Geld zurück, die aus einem dreiwurzeligen Zahn einfach einen zweiwurzeligen machte. Mit diesem Geld kann ich in Polen schon wieder eine Woche leben.
94. Tag
Dienstag, 9.10.2007, 0 km
Altenbüren
Arbeit
95. Tag
Mittwoch, 10.10.2007, 0 km
Altenbüren
Mir geht es nicht anders als vielen anderen: Kehrt man nach langer Zeit heim, stellt man Fragen. Was ist passiert? Erst kommen die Toten, dann die Katastrophen: In meinem nächsten Bekanntenkreis sind viermal die
F r a u e n „ausgezogen“. Mit kleinen und kleinsten Kindern! Ich liste auf: 3,6,4,6,7,9,5,7,9,10,12 Jahre alt. Alles von Männern, die – wie ich ziemlich sicher zu sagen wage (ja, ja da steckt man nie ganz
dahinter…) – treusorgende und fleissig schaffende Ehemänner waren. Einfach ausziehen, wenn er mal Überstunden für den Familienluxus macht. Bei dieser geballten Sch…. ist ein empirisches Urteil erlaubt. „Verallgemeinern Sie nicht!“ Doch! Was hier an Leid in die Welt gesetzt wird, ist so ungeheuer, dass man dazwischen gehen möchte. Denn wenn die Schmetterlinge im Bauch verschwunden sind, geht es mit den Problemen erst richtig los. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Also hat das Ganze ja auch mit Dummheit und Klugheit zu tun, wenn man nach jedem Streit das Weite mit Sack und Pack sucht.
Ich erinnere mich an ein Interview vor ca. 20 Jahren: Ein Ehepaar wurde auf der Diamantenen Hochzeit befragt. „Haben sie denn niemals an Scheidung gedacht?“ Der Ehemann darauf: „An Scheidung??!! An Mord!“ Und es renkte sich immer wieder ein.
Die eine Frau.
Tagesablauf:
1.In ihrer überschnell gemieteten neuen Unterkunft, 6 km von dem bisherigen Eigentum entfernt, weckt sie ihre beiden Kinder.
2.Fährt die beiden Kinder in die bisherige Grundschule.
3.Geht einer Arbeit nach.
4.Die Kinder gehen zu Opa zum Mittagessen.
5.Irgendwann werden sie dann vom Abstellgleis mit flexiblen Zeiten abgeholt. Und, wenn demnächst der neue Kerl auftaucht, auch dagelassen!
Die andere Frau.
Sie schickt den Mann wegen Unpässlichkeit mit einem der Kinder allein in den bereits gebuchten Urlaub, als er zurückkommt, ist die Bude leer und sie 180 km weiter mit einem Macker in einer Großstadt am Rhein. Wenn die Schmetterlinge …
Kinder, was muss das ein Leben mit selbstverwirklichenden Müttern werden! Und für den Staat – das sind wir teuer, teuer, teuer.
Wenn man inzwischen versucht die Hölle abzuschaffen, gibt es doch auch so etwas wie Verantwortung für das was man in die Welt gesetzt hat.
Ich hatte eine glückliche Kindheit. Meine Mutter war immer für uns da. Sie war nur Hausfrau. Ach, was war sie unterdrückt! Sie stand früh auf, machte Feuer, wir frühstückten gemeinsam und wenn ich aus der Schule kam war das Essen fertig. Ach, was war sie unterdrückt! Es gab auch schon mal Krach mit Vater, doch die Wogen glätteten sich sehr schnell. Sie hatte nicht die Chance wegen jedem Pieps auszuziehen und dem Vater die Kinder und den Kindern die Kindheit zu nehmen! Ach, was war sie unterdrückt!
Wenn ich die Väter vergessen habe, liegt das an den empirischen Erfahrungen der letzten Jahre…
Um 1900, in einer Zeit als Deutschland vor Wohlstand strotzte, hat Wilhelm Busch geschrieben:
Wer Bildung und Moral besitzt,
Der wird bemerken, dass anitzt,
Fast nirgend mehr zu finden sei,
Die sogenannte Lieb und Treu.
Wir haben die Jahrhundertwende 2000 gerade hinter uns. Geschichte soll sich wiederholen. Hoffentlich nicht im 100-Jahr-Rhythmus.
(Und nach all meinen miesen Erfahrungen der letzten Tage, wirft auch Kerner noch die Hermann aus der Talkshow, damit er mit den restlich verbliebenen Typen das politisch korrekte Süppchen weiter kochen kann. Da das ganze ja eine Aufzeichnung war, wird man das Gefühl einer Inszenierung nicht los. Da schau ich mir doch lieber die Schmierenkomödie beim Schichtl – siehe Oktoberfest! – an.)
In der Sache hat Frau Hermann recht: Wenn die 68er den Kindern in Lesebüchern lehrten: „Wenn Eltern um die Ecke glotzen, sollst du ihnen in die Fresse rotzen!“, welche Werte haben dann diese Kinder ihren Kindern mitgegeben? In Estland sagte mir ein Mann: Deutschland sei „reif für den Abschuss“. Protest! Diese Linie hat noch nicht gesiegt, wenn sie auch an vielen Dingen die Schuld trägt. Die meisten Familien stimmen noch.
PS: Das alles kann ich nur schreiben, weil ich keinen Sponsor mag.
96. Tag
Donnerstag, 11.10.2007, 0km
Altenbüren
Zivilisationsbedingten Schriftkram erledigt. Ein besonderes Augenmerk habe ich darauf richten müssen, wo man mich wieder über den Tisch ziehen will. Mein liebes uraltes Wohnmobil wird abgemeldet. Als ich 4 Jahre meine Mutter pflegte, hatte ich es angeschafft, damit wir beide beweglicher waren. Die drastische Erhöhung Steuern führt zur Abmeldung. Hoffentlich machen das viele Besitzer ihrer sauer verdienten mobilen Altersheime. Daraufhin Fotos der Reise gesichtet und Dominik zum Scannen übergeben. Demnächst gibt es also viele neue Bilder in der Homepage! Von Juli an.
97. Tag
Freitag, 12.10.2007, 0 km
Altenbüren
Im Berufskolleg ist Tag der offenen Tür. Die Rentner sind zum Kaffee eingeladen. Herzliches Wiedersehen. Die Küche hat ein tolles Buffet gezaubert und wir spenden ordentlich in die Kaffeekasse. Als ich die Schule 1999 verließ, hat sich manches verändert: die Schüler sind noch stärker parfümiert, die Kollegen können noch weniger von ihnen
verlangen, das Berufsgrundschuljahr ist stärker geworden, technische
Fächer gehen zurück, der soziale Bereich wächst, das Sportabitur ist
der Renner. Passt alles!-
Abends lange bei Kievel. Versackt bis in den frühen Morgen.
98. Tag
Samstag, 13.10. 2007, 0 km
Altenbüren
„Gebirge“ heiratet Annika. Domi und Claudi sind schon seit Tagen mit
den Nachtrauungsassessoires beschäftigt. Was muss das Brautpaar nicht
alles bewältigen, um aus der Kirche ins Auto zu kommen! Drehen,
Klopfen, Schneiden, Rätseln und am Ende springt auch noch der Macke
aus dem Karton.
Morgen will ich nach Stuttgart zur Tochter Claudia und Aaron, David
und Julius. Aus Versehen komme ich im Netz an Mitfahrgelegenheiten.de,
nachdem ich mir schon einen Weg mit dem Wochendticket ausgedruckt
hatte. Für 25? nimmt mich Merlin nach Stuttgart mit.
Packen für Polen.
99. Tag
Sonntag, 14.10.2007, 0 km
Autofahrt Brilon – Stuttgart
Drei Studenten sitzen im Auto und ich alter Knacker. Meine neue Gitarre und mein Pilgerstock sind etwas sperrig, aber es klappt schon. Es wird eine nette zügige Fahrt und da Kaltental Richtung Uni liegt,
setzt mich Merlin auch gleich vor Claudias Haustüre ab.
100. Tag
Montag, 15.10.2007, 0km
Stuttgart- Kaltental
Nun beginnt das Opaspiel: Julius bewachen, David in den Kindergarten bringen und abholen, Aaron zur Schule bringen und abholen. Drei Jungen 2-4-6 Jahre. Eine Rasselbande! Der Jüngste wird von den älteren liebevoll mitgetragen. Wenn meine Oma mit 9 Kindern klar kam und uralt wurde, ist hier die Lösung an Mütter mit nur einem Souvenirkind: Das soziale Verhalten ist bei mehreren Kindern viel viel viel besser entwickelt als bei nervenden Einzelkindern. Claudia ist wieder im Beruf und hat das Umfeld „geregelt“.
101. Tag
Dienstag, 16.10.2007, 0 km
Stuttgart-Kaltental
Heute wird ein größeres Projekt in Angriff genommen: Bau eines hölzernen „Indianerwigwams“ im Garten. Alle helfen mit – auch das Nachbarskind. Als das Zelt am Abend fertig ist, wird darin ein Feuer entzündet. Aaron sinniert noch im Einschlafen davon.
Bei 2 Flaschen Wein werden Erinnerungen ausgetauscht, was in unserer Familie früher alles angestellt worden war. Ich hatte mit dem Wigwambauen begonnen, nun haben Marcel und Claudia eines. Nachahmen eine nachhaltige pädagogische Handlung: Dicke Eltern-dicke Kinder, lügnerische Eltern-lügnerische Kinder, faule Eltern-faule Kinder, wertelose Eltern-wertelose Kinder…
Morgen geht es nach Polen! On the road again!
102. Tag
Mittwoch, 17.10.2007, 0km
Stuttgart – Gleiwitz (Gliwice)
Vor einigen Tagen hatte ich online schon die Fahrkarte bestellt und ausgedruckt. Eurolines. 45 Euro. Mit diesem Blatt fahre ich zum Busbahnhof in Stuttgart. Die paar Haltestellen kosten 2,30 Euro. 4 Mark sechzig! Das kann doch nicht wahr sein! Gleiches System wie in München. Wirrwarr, zig Kartensorten. Fuer einen „Auslaender“ eine Unverschaemtheit. Ich frage einfach zwei ältere Leute, ehe ich mich ans Durchlesen mache. Die Tram wäre dann weg. Wie billig und einfach ist das in Rom oder Paris! -Am Gotowalaschalter des Busbahnhofs werfe ich mit meinem Rucksack zwei Werbetafeln um, die genau, wirklich genau vor dem Eingang platziert waren, damit immer nur einer Person in den Container treten kann. Obwohl nichts kaputt ging, kommt von dem Typen am Schalter ein Geschrei und eine Schimpfkanonade mit polnischem Akzent, wie ich nie meine Schüler angeschnautzt hätte. Das wäre schon öfter passiert, sagt der Mensch. Ich darauf: Dann stehen die Schilder da bestimmt falsch… Wieder Geschrei.
Würden Sie dort jemals eine Fahrkarte kaufen?
Der Bus ist pünktlich und ich bekomme den Platz 33. Hinten.Alles ist streng getrennt nach Männlein und Weiblein, welche vorne sitzen dürfen. Der Bus ist weitgehend leer, denn es ist Mittwoch und kein arbeitender Pole fährt heim. Montag und Mittwoch gibt es deswegen Sonderpreise. Der halbbesetzte Bus ist 90 Minuten früher in Gleiwitz. Und in der Hetze vergesse ich meine Armbanduhr, die an den Vordersitz gehängt hatte. Bei Michael kann ich schon schellen, Studentenhaushalt, Richard schläft noch.
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