199. Tag
Mittwoch, 1. Dezember 2004
Sorrento > Atrani
37 km (5.151 km)
1.12.2004 21:40 h (SMS)
Abschied vom netten Zimmergenossen BENJAMIN RENNER. Regen. Die Straße von Sorrento über Amalfi nach Salerno ist eine der schönsten der Welt! Bei Sonne wäre sie noch schöner gewesen. Ich dachte ich sei in Norwegen. Bucht rein, Bucht raus. Meist 200 m hoch über der Brandung. Der PKW-Fahrer sieht nichts! Nehme eine private Jugendherberge in Atrani . 20,00, 4 Betten. Diesmal gar kein Fenster. Nennen wir es Bunkerzimmer! Nicht geheizt! Morgen Salerno ? Hoffentlich bei Sonnenschein. Gruß Wolfgang.
512. Traumstrasse und Traumküste 513. Das ist Mittelmeerarchitektur! Atrani.
(4.12.2004 Nachtrag per Fax)
Traumstraßen
Es gibt eine Menge Bücher, die mit Die schönsten
beginnen: Autos, Lieder, Kirchen, Brücken, Frauen und eben auch Straßen. Doch alles ist hier relativ. Besonders klar fällt das bei der vorletzten Aufzählung auf. Wer ist schon die Schönste? Spieglein, Spieglein an der Wand
? Was sind auch die Kriterien für schön? Die Küstenstraße von Sorrento bis Salerno ist für meinen Begriff sehr schön für den LKW-Fahrer und noch mehr für mich, den Fußgänger; denn der PKW-Fahrer sieht vor lauter Mauern nichts! Eine Alternative ist der Linienbus. Aber bitte rechts außen Platz nehmen und die Richtung Sorrento – Salerno wählen!
Ich lief die Straße, zwei Tage in ganzer Länge, wenn auch am ersten Tag die letzten Kilometer in der Dunkelheit bis Atrani . Der zweite Tag, bis Salerno , war ein strahlender Sonnentag, während der erste regnerisch, diesig, gelegentlich sonnig war. Die Straße ist so gewunden, dass ich morgens dachte, die Sonne gehe im Westen auf. Die Autofahrer sind hier ja, rücksichtsvoll. Rasen nicht wie die Bekloppten und hupen vor jeder schärferen Kurve. Das sagt alles! Ich laufe gegen meine Gewohnheit rechts, wobei ich nach bewährter Manier den Pilgerstock waagerecht in der linken Hand halte. Eisenspitze nach hinten. Das garantiert mir einen Mindestabstand und ein gelegentliches Halten hinter mir. Man wird also nicht rasiert wie die armen Radfahrer. PS: Bei Serpentinenstraßen muss man sowieso ständig die Seite wechseln. Linkskurven rechts gehen, Linkskurven rechts.
514. Nur rechts hat man die schönen Ausblicke
515. Einen ganzen Tagesmarsch nur Schönheiten
Die Straße und die Städte an ihr zeugen von einem menschlichen Willen, der auf der Welt seines gleichen sucht. Gelegentlich sind Haltebuchten ausgebaut, die dem Fußgänger herrliche Blicke auf Küste, Orte und Meer eröffnen. Passt in die Bucht nur ein Auto, steht man allerdings in einem Meer von Kondomen
sodass ich zum gruselnden Hinabgucken die größeren Buchten vorzog. Nach Seegang muss die Gischt hier 50 und mehr Meter hoch spritzen, noch weit, weit entfernt von der Straße! Hotels zeigen sich als mickeriges Häuschen von 5 x 5 m. Gibt die nächste Serpentine den Blick rückwärts frei, weiß man, dass das Häuschen nur der Lift war, der zu einem fünfstöckigen Mehrsternehotel führt. Atemberaubend in der Steilküste verankert. Wahnsinn!
516. Versteckte Luxushotels – oben steht nur ein kleines Häuschen
Die meisten Hotels haben geschlossen und das Ganze sieht aus der Nähe etwas trostlos aus. Wir schreibt Rilke von Venedig im Spätherbst:
und aus den Gärten hängt der Sommer wie ein Haufen Marionetten, kopfüber, müde, umgebracht
Man setzt hier seine Kraft noch richtig ein. Jetzt sind viel Maurer am werkeln, im Februar kommen die Poliere. Doch die Frage stellt sich nur immer wieder: Kommen die Touristen noch bei diesen Preisen? Sicher, man lockt damit wie in der Toskana eine gewisse Auslese an. Aber von dieser kann Italien nicht leben! Kurz vor Salerno hält mitten auf der Straße ein Rollerfahrer. Stört sich nicht an dem Verkehr und umarmt mich. LUCIANO aus Battipáglia . Er habe ein Caseficio für Baullen-Mozerella und ich darf bei ihm nicht vorbeilaufen! Wir tauschen unsere Karten aus und weiter knattert er. Wir werden sehen. Domani mi sento un Torro
! Soll – glaube ich – heißen: Morgen lass´ mich ein Stier sein! Auweia –
517. Neue Ernte – alles frisch
Kurz vor Amalfi sehe ich rechts eine Kirche. Erleuchtet. 17:00 h. Liegen sie am Wegesrand, gehe ich auch für ein kurzes Gebet hinein. Erstaunlich: Kleine Kirche, Mittwoch, Gottesdienst, volle Kirche. Wie in Polen, dachte ich unwillkürlich, bevor der Konsumrausch kam. Da kann man leichter den Lieben Gott vergessen! Die Italiener wissen schon worauf es ankommt und lassen sich das Wichtigste nicht nehmen! Ich bleibe bis zum Ende der Messe und frage auf Hilfe hoffend wo die Jugendherberge sei. An Lazarro wäre ich schon vorbei, die nächste wäre in Atrani , 5 km. Mehrere Personen halten mir die gespreizte Hand hin: fünf! Es dunkelt, es regnet, aber keiner sagt wie oft in Frankreich: kommen sie mit, ich habe eine Couch. Oder: Die paar Kilometer fahre ich sie eben. So etwas würde ich in dieser Situation annehmen. Ist das zu viel erwartet? Ich, jedenfalls, würde so handeln.
Nicht ganz eine Stunde, sagt einer noch. Ich bin schon auf dem Weg. Misstrauen dem Fremdling gegenüber auch wenn er als Pilger unverkennbar ist, müde, verschwitzt, nass
der Pfarrer hätte doch wenigstens was tun müssen, als ich ihm sagte, dass ich in Santiago war. Misstrauen? Wie sagte einer in Neapel : Seit dem Turo versinkt Süditalien in der Kriminalität. Das ist bestimmt übertrieben. Nur die sich häufenden bettelnden Menschen und die großkotzig herumrasenden Karossen sind ein Nachdenken wert.
518. Atrani – total verlaufen in den Fußweggassen
Um 19:00 h bin ich in Atrani und werde zu einem OSTELLO, einer privaten Jugendherberge geschickt. Besser: der Mann, dem sie gehört, stand selbst mit dem Ortspfarrer in dem Kreis, den ich ansprach. 20,00. Er ist großzügig. Alleine im 4-Bett-Zimmer ohne Fenster, gutes Bett. Für die Küste momentan ist das ausgesprochen günstig. In dem „Häuserpaket“ Atrani , wo Haus an Haus steht, verbunden mit Treppen und 1-m-Gassen, verirre ich mich. Schließlich nur noch runter und irgendwann spuckt mich eine Gasse an den Strand vor die Kulisse der donnernden Brandung aus. Da ist auch gleich eine Pizzeria, ARCATE und ich esse eine Pizza, eine kleine Vorspeise dazu, ein Liter italienisches Bier für 18,50. Dagegen ist nichts zu sagen.
519. Meine Pizza, ganz hinten rechts außen
In Salerno , nächsten Tag, bin ich früh. Die Jugendherberge lobte schon BENJAMIN RENNER in Sorrento . Freundlicher Empfang, sauberes Zimmer, 14,00 mit Frühstück. Von 10:00 15:00 h geschlossen. Ich werde zwei Tage bleiben, denn Salerno gefällt mir und ich habe viel zu schreiben, zu kleben und zu flicken. Das Leder hält, nur die Nähte von Hose und Weste lösen sich. Also Putz- und Flicktag.
520. Wahnsinn, wo die überall etwas hinbauten
200. Tag
Donnerstag, 2. Dezember 2004
Atrani > Salerno
27 km (5.178 km)
3.12.2004 11:40 h (SMS)
Sonnentag. Viele Kilometer doch wenig Strecke! Grandiose Ausblicke. Jugendherberge Salerno 14,00. Bericht über die Traumstraße folgt per Post. In den geballten Steinansammlungen der Städte habe ich nur eingeschränkten Handyempfang. Wolfgang.
521. Wellenspiel nach Atrani – hier knallt das rein Wahnsinn 522. Reklamedreirad eines der vielen
typischen Keramikfabriken
201. Tag
Freitag, 3. Dezember 2004
Salerno
8 km (5.186 km)
4.12.2004 10:10 h (SMS)
Putz- und Flicktag. Bummel durch Salerno. Es ist warm. Gruß Wolfgang.
523. Flickstunde vor Salerno
524. Salerno bei Nacht
525. Vor Amalfi
(11.12.2005 Reisebericht per Fax)
Essen in Italien
Will man in Italien essen gehen wie bei uns, muss man sich viel Geld einstecken was wiederum relativ ist
In einem normalen Restaurant ist eine Person locker 40,00 los, wenn sie den Essgewohnheiten der Italiener folgt: 1. Vino (da Casa!), 2. Antipasti, 3. 1. Platte, 4. 2. Platte, 4. Dessert, 5. Espresso. Nicht zu vergessen, dass am Ende Kleinteile und Schmiermittel (siehe heimische KFZ-Rechnung) drauf gehauen werden: Coperto. Früher hieß es Pane et coperto (Brot und Gedeck), heute heißt es nur noch coperto, weil man bedacht hat, dass Brot zu jedem italienischen Essen selbstverständlich dazugehört. Der Ärger der Touristen ist offensichtlich so laut, dass viele Restaurants auf coperto verzichten und das gleich auf den Preis draufhauen gehüpft wie gesprungen. Coperto bewegt sich zwischen 1,00 und 3,00 und steht meistens als Kleingedrucktes ganz unten.
Am besten fährt man wie in Frankreich wenn man sich ein Menü bestellt. Das hält sich an die oben genannten 2. 4. Gänge und oft ist ½ l Wein dabei, das wird extra angezeigt.
Die Antipasti ist überteuert; man lässt sie einfach weg. Denn was soll ich für drei gegrillte Auberginenscheiben in Oliven 10,00 bezahlen obwohl ich das Zeug gerne esse. Aber es lohnt einfach nicht. Auch den am Ende immer drangehängten Espresso habe ich inzwischen weggelassen. Ein Schluck kalter Kaffee (ganz selten war er heiß!) für 1,50. Nein Danke!
Die Qualität der Speisen ist gut, steht aber in keiner Relation zu dem Wert. Eigentlich schade. Hier hat der uro wie bei uns furchtbar gewütet. Aber: Wie schon oft erwähnt: Man rudert nicht nur in Südtirol zurück! Die Linie Salerno scheint mir sowieso eine Preisgrenze zu sein: Gerade zahlte ich für eine Pizza Margherita 2,30, allerdings zum Mitnehmen.
Beim Übernachtungspreis ist das Frühstück nicht immer eingeschlossen. Das ist auch gut so, denn das was ich an Frühstücken bisher erlebte, kann man als Deutscher, schon gar als Engländer, vergessen. Da gibt es einen Café-Latte und irgendein croisssant-ähnliches Fettgebäck das war es dann. Ich hole dann mein Brot, meine Butter und meinen Schinken heraus und bestelle mir nacheinander noch 2 3 Café-Latte. Also, das Frühstück gestaltet man sich tunlichst selbst, auch morgens in den Cafés. Wenn man Café und ein Gebäck bestellt, haben die durchaus Verständnis für den hungrigen Tedesco.
Bleibt natürlich noch zu sagen, dass das Restaurant die höchste Stufe der Esskultur darstellt. Darüber hinaus lassen sich die Wirte für die eventhungrigen Menschen unserer Tage so manches einfallen: In einem Restaurant wird man wie ein König, in dem anderen wie der letzte Dreck behandelt ( die Garderobe wird einem vor die Türe geworfen…), in einem servieren Gladiatoren, in dem anderen Nubier usw. wir kennen das in D auch.
526. Edelparkplatz in der Keramikgegend an der Amalfiküste
202. Tag
Samstag, 4. Dezember 2004
Salerno > vor Paestum
42 km (5.228 km)
5.12.2004 20:15 h (SMS)
Wer die besterhaltenen griechischen Tempel sehen will, fahre nach Italien : Paestum und Agrigento ! Der Sand ist schuld: Erst zugeweht, dann wieder frei geweht. Viele Kilometer geht es einen Radweg am Meer entlang. Wollte nach 30 km am Pinienstrand zelten, aber hier haben die Italiener ihre Afrikaner stationiert, wie die Schweden in Gällivare ! Muss also weiterlaufen bis zur Jugendherberge in Paestum . Fällt mir sehr schwer. Fehler in der offiziellen JH-Karte. Die Jugendherberge ist in Agropoli . Fünfzehn Kilometer weiter. Schlafe auf der Wiese vor einem Tempel. Bin fertig. Keine SMS. Von 19:00 h bis 5:00 h durchgeschlafen! Wolfgang.
527. Tempel über Tempel Paestum
(11.12.2005 Reisebericht per Fax)
Von Salerno geht es geradeaus am Meer entlang. Die Linie zog mich ein Fehler, denn Paestum kenne ich mit seinen grandiosen griechischen Tempeln! (So seht Ihr sie wenigstens). Ich laufe nämlich in eine Art Halbinsel hinein und muss aus dieser wieder heraus auf die große Linie Salerno > Reggio ! Wie ich das gelöst habe, erfahrt Ihr noch!
528. Barfuss am Strand entlang bis der Fluss kam
529. Meer beruhigt
Jedenfalls läuft es super, immer am Meer entlang! Viele Müllhaufen, tote Restaurants, geschlossene Campingplätze. Auch der Platz ISOLA VERDE, wo ich mit meinen Schülern mindestens 15 Mal für 2-3 Tage von dem Italienstress Pause machte. FRANCO und BARBARA gibt es nicht mehr. Andere Leute führen den Platz. Versunken in Erinnerungen laufe ich den Platz ab, wo vor 20 Jahren unsere Zelte standen. Wo MICHAEL B. mir einen der schlimmsten Tage in meinem Lehrerleben bereitete. Er hatte wohl etwas zuviel von dem einfachen Rotwein genossen
wir fanden ihn nach Mitternacht Gott sei Dank nicht im nahen Sumpf des Tusciano-Flusses , sondern nach vollem Einsatz des ganzen Campingplatzes unter einem Wohnwagen. Das war einer der größten Steine, die in meinem Leben von meinem Herzen fielen.
Doch es geht weiter: Plötzlich sehe ich nur Nordafrikaner um mich. Algerier, Marokkaner. Eigentlich wollte ich vor Paestum im Pinienwald mein Zelt aufschlagen. Das geht nicht, denn alle 100 m steht auch noch eine afrikanische Prostituierte und als alter Fuhrmann hat man zu wissen, wie das Umfeld einer solchen Szene aussieht. Weiter nach Paestum ! An einem Supermarkt tanke ich Milch und Bananen und werde von zig Herumlungernden angegafft. Wie immer in solchen Fällen demonstriere ich männliche Stärke. Was das ist? Zielgerichtete Bewegungen, festes Aufstampfen mit meinem Pilgerstock, kein ängstliches Herumschauen, Blick auf den Hirschfänger freigeben
Jedenfalls kommen zwei auf dem Fahrrad hinter mir her: Ah, parle francaise?… Sie horchen mich aus, weil es bereits dämmert
was tut so einer in dieser Gegend? Ich laufe meinen 7-km-Schritt. Rums rums. Sie mit dem Fahrrad neben und hinter mir (Achtung!) her. Ich bin ein alter Soldat (stimmt, Gefreiter der Reserve) auf dem Marsch vom Nordkap nach Sizilien
Jetzt bin ich am Fragen: Immer bei 7 km/h! Ihr seid doch keine Franzosen! Qui! No! Na, endlich: Marokko Agadir. Leutseligkeit ist in diesen Situationen meine Stärke. Nach drei Kilometer kommt irgendein Schieber und sie haben kein Interesse mehr an mir. Lederhose Hirschfänger Pilgerknüppel Soldat nein, Danke! Hier also haben die Italiener ihre Asylanten aus Nordafrika geparkt? Ich erinnere mich an Gällivare .
Mein Problem jedoch ist jetzt Paestu m: 15 km und touristische High-Tech-Zone, mit herumtippelnden Amerikanerinnen: Von hier haben wir Amis euch Italiener doch befreit! Das Grand-Hotel hat auch kein schwarz-rot-goldenes Fähnchen.
Plötzlich auf dem Radweg ein offensichtlich wichtiger Schlüsselbund: 10 Schlüssel. Tresorschlüssel, Schlüssel mit Kennnummer. Im nächsten Laden bitte ich die Dame die Polizei anzurufen. Ich soll die Schlüssel hinbringen, 4 km. Keiner will die Schlüssel haben. Am nächsten Tag in Agropoli komme ich bei den Carabineris vorbei. Grazie. Man öffnet mir bei Rausgehen die Tür.
In der Nähe der Tempel und keinem Hund schlage ich mein Zelt auf. 20:00 h. Ausschlafen kann ich in Italien wirklich gut.
203. Tag
Sonntag, 5. Dezember 2004
vor Paestum > vor Fasan
44 km (5.272 km)
5.12.2004 20:15 h (SMS)
Tempelfotos, Messe in Basilika 5. Jahrhundert. Marschiere barfuss am Meer entlang. Die Jugendherberge hat geschlossen. Nix mit Faulenzertag! Mit Paestum habe ich mir was eingebrockt! Nach Agropoli Gebirge und Serpentinen ohne Ende. Doppelte und dreifache Wegstrecke! Komme wieder in die Dunkelheit hinein, weil ich kein Wasser habe. Endlich eine Tankstelle. Schlage mich in die Büsche und finde ein im Bau befindliches Gewächshaus mit Plastikdach. Zelt im Zelt. Seltsam: Der Tag heute fiel mir leichter als der Vortag. Sind die faulen Tage gar nicht so gut? Soeben läuft mir ein riesiger Füßler durchs Zelt. Habe ihn wohl 44 km getragen. Gute Nacht Wolfgang.
530. Paestum-Tempel , nirgendwo besser erhalten als hier
(11.12.2005 Reisebericht per Fax)
Um 7:00 h haben mich zwei Hunde in der Nachbarschaft entdeckt. Nix wie weg. Die bellen was das Zeug hält. So früh am Morgen ist die Tempelstadt Paestum ein besonderes Erlebnis. Die christliche Basilika ist aus dem 5. Jahrhundert und um 7:45 h ruft die Glocke zum Gottesdienst: 200 m vom Tempel der Hera entfernt, der man nicht nur Tiere opferte. Das Heidentum steckt den Italienern noch heute in den Knochen wahrscheinlich ehren sie deshalb das Christentum so. Daran rüttelt hier keiner.
Und mancher deutsche Bischof sollte einmal zu Exerzitien nach Italien geschickt werden! Fünf Messen hält der Pfarrer am Sonntag. Er scheint mir über 70. In unseren Städten muss man schon suchen, nur einen Gottesdienst vor 9:00 h zu finden. In Brilon wurden die Frühmessen abgeschafft: Es kommt ja kaum einer
Merke: Wo zwei oder drei in meinem Namen
Haben wir eine verschlafene Priesterschaft? In Italien jedenfalls kann man kaum ein Gotteshaus betreten in dem nicht gerade eine Messe gefeiert wird.
531. Ruinengrundrisse der alten Stadt Paestum 532. Der berühmte Torre von Paestum .
Sonntagmorgen.
In Agropoli gehts hinauf ins Gebirge. Stundenlang bergauf. Es gibt Zeltplätze für mich, aber ich habe kein Wasser. So komme ich wieder in die Dunkelheit hinein. Endlich: Tankstelle, Wasserstelle. Jetzt wird das Suchen des Lagerplatzes ein Problem. Ich gehe einfach von der Straße ab in die Dunkelheit. Klettere einen Hang hinauf und stehe vor einem – neuen wunderschönen – Plastikzeltdach. Neuer Estrichboden. Hier sollen wohl einmal Landmaschinen untergestellt werden. Herrlich! Ich baue das Zelt auf und esse zu Abend. 300 m sind Ort und Hunde entfernt; nachts gehen stundenlang Wolkenbrüche herunter
ich höre mir gelegentlich das Getrommel auf dem Plastikdach an. Heiliger X hat mir im Dunkeln wieder einmal den Weg gezeigt
533. Zelt unter dem Plastikdach – ein Glück. Die ganze Nacht 534. Mir haben sie extra einen für das Foto
Wolkenbrüche, das war ein Geprassel. gespielt: Adventstradition
204. Tag
Montag, 6. Dezember 2004
vor Fasan > Ascea > (Bahnfahrt) Maratea > (zu Fuß) Praia
34 km (5.306 km)
(11.12.2005 Reisebericht per Fax)
Strahlender Sonnenschein. Frühstück kaufen. Jetzt kenne ich die virtuelle Preisgestaltung: 100 g Schinken, vakuumverpackt, Strichcode mit 1,54 ist überklebt mit 2,50. Locker 1,00 draufgehauen und wahrscheinlich im Supermarkt gekauft
535. Frühstück – ich war 10 Jahre bei Ford
An Valia laufe ich vorbei ich habe jetzt genug Ruinen gesehen. Paestum hat mich in die Halbinsel hineingezogen. Nun bin ich weit westlich. Ich hatte zu meinem Käsebauern nach Battipaglia gehen sollen, um mich dann im Calore-Tal , nähe Autobahn, Richtung Reggio zu bewegen.
In Ascea besteige ich den Zug und fahre östlich bis Maratea . Dass dieser dabei fünf lange Tunnel durchfährt, sagt genug über die Landschaftsformationen aus. Die letzten zwei Tage bin ich sowieso nur Serpentinen gelaufen. In Gedanken ziehe ich diese immer auseinander und betrachte neidisch die gradlinige andere Strecke.
536. Aus Brunnen kann man in Italien immer trinken
Von Maratea geht es noch bis kurz vor Praia , wo ich einen Platz mit Meeresblick finde natürlich im Dunkeln um 18:00 h. Wasser habe ich dieses Mal nicht vergessen.
537. Herrlich, nie langweilig, immer am Meer entlang.
Belvedere , Yachthafen
205. Tag
Dienstag, 7. Dezember 2004
Praia > Marina Di Belvedere
37 km (5.343 km)
7.12.2004 19:50 h (SMS)
Das erste Mal habe ich das Gefühl, dass ich es bis Weihnachten nicht schaffen könnte. Warum? Es sind noch runde 400 km und mein linkes Fußgelenk macht mir erstmals zu schaffen. 20 km weiter ist der Kurort Terme Luigiane , dort will ich morgen mal hin! Über den Schlafplatz gibt es einen erfreulichen Bericht über den Pfarrer. Ehrlich!! Drückt mit die Daumen Gebet ist besser. Wolfgang.
538. Katerfrühstück hinter der Tankstelle
(11.12.2005 Reisebericht per Fax)
Viele streuende Hunde bringen mich früh aus dem Bett. Das übliche Zeremoniell. Mit seltenen Abstechern ans Meer, halte ich mich an die SS 18, die Superstrada, wie die Leute sie hier nennen. Badestrände tot, wie nach Salerno . Mehrere Flüsse geben mir recht, die Straße zu laufen. So bin ich einigermaßen flott in Belvedere Marittimo , ein munterer Ort mit herrlicher Promenade. An schönster Stelle eine neue Kirche.
Heute, mein Entschluss, gehst du zu einem Pfarrer und fragst nach einem sicheren Zeltplatz. Mich reizt der Versuch. Per SMS bitte ich Pater HÖFER in Rom , mir folgenden Satz zu übersetzen: Ich brauche kein Geld, kein Essen und kein Zimmer. Ich suche nur einen sicheren Platz für mein Zelt! Prompt kommt die Antwort-SMS: NO HO BISOGNO DI SOLDI, MANGIARE, CAMERA. SOLO UN POSTO SICURO DOVE METTERE LA MIA TENDA. Ich frage nach dem Pfarrhaus. Es sei im Ort bei einer kleinen Kirche. Im ersten Stock geht ein Fenster auf. Haushälterin. Pfarrer ist nicht da. Fenster zu. Entweder stimmt es oder sie soll mich abwimmeln.
Stur bleiben, Wolfgang. Fenster auf. Ich warte, ich hätte Zeit. Auf einem Blumenkübel setze ich mich und schreibe in mein Tagebuch. Bloß nicht nach oben schauen! Mehrere Leute gehen ins Haus, darunter auch der Pfarrer, wie ich später dann merke. Man stellt die Krippe auf. Das Fenster ist immer besetzt. Jetzt ein offener Blick nach oben. Schwupps, sind zwei Gesichter weg
539. Nachtlager in Belvedere , Pizza und Bier kam vom Pfarrer. Zum Abschied ein Regenschirm.
Nach 1 ½ Stunden kommt der Pfarrer und fragt, was ich wolle. Er hat die linke Hand in Gips. Ich sage hocherfreut dass ich ihn doch noch treffe mein Sprüchlein auf. Ein kurzes Durchatmen und dann ein Gespräch mit seinem Fahrer (er kann ja nicht!) geht es zu der neuen Kirche. Alles geht sehr schnell. Jugendraum. Boden. Prima. Pizzeria? Nein, der Küster holt mir eine, ich würde bestimmt Bier trinken. Da fällt mir ein, dass meine Leica auf dem Blumenkübel liegen blieb. Mit Fahrer ins Auto. Durch die engen Gassen gerast. Leica steht noch brav da. Bravo Italia! Der Küster sorgt sich rührend um mich. Habe gut geschlafen. Danke. Das ist auch Italien?
Hat man die sichere Erkenntnis über eine Sache erhalten, wird nahtlos gehandelt. Dann, aber erst dann, verlässt man das Oberflächliche und geht in die Tiefe. Wir Deutsche bleiben bei der Beurteilung des Italieners meist an der Oberflächlichkeit haften und heben nach Wilhelm Busch den Zeigefinger:
wie wolltest du dich unterwinden,
kurzweg die Menschen zu ergründen.
Du siehst sie nur von außenwärts
Du siehst die Weste, nicht das Herz!
Dass unser erhobener Zeigefinger plötzlich auf uns selber zeigt, ist spaßig und zugleich nachdenkenswert. Wer die grandiosen Bauwerke Italiens kennt, weiß, dass ich recht habe. Ich meine dabei nicht nur die antiken Ruinenhaufen, sondern auch die Musik, die Literatur, die Malerei, die Technik. Mit Ferrari blasen sie uns Deutschen momentan ganz schön den Marsch. Die Kombination, romanische Innovationsfreudigkeit, deutsche Gründlichkeit und slawische Stärke könnten das neue Europa zu ungeahnter Blüte führen! Mit Ferrari und Schumacher wäre ja schon ein Anfang gemacht. Und die geistige Verknüpfung kann nur das Christentum sein. Es ist in allen drei Kulturräumen Europas(slawisch, germanisch, romanisch) nicht wegzudenken. Ich spüre es auf Schritt und Tritt.
540. Rückkehr nach St. Fili – Demo, legt Verkehr lahm: Arbeitslosigkeit u. hohe Preise
206. Tag
Mittwoch, 8. Dezember 2004
Marina Di Belvedere > Paola
45 km (5.388 km)
10.12.2004 12:00 h (SMS)
So weit kommt man nur, wenn ich um 7:00 h loslaufen kann, denn um 17:00 h ist es dunkel. Die wunderbare Betreuung durch den Pfarrer von Belvedere zeigte psychosomatische Wirkung. Mir geht es erstaunlich gut. Doch ich will nur 20 km in die Therme. Doch alles ist chiuso. 4 km umsonst den Berg rauf. Keine Busse. Alles tot! Dann 16 km weiter nach Paola . In San Fili , östlich von Rende , ist eine Jugendherberge. Kombikarte Zug/Bus. Bus fährt nicht feiertags, muss 10 km laufen. Nach 3 km halte ich für ein Bier. Mit einem Mal habe ich drei vor mir und GARMINE fährt mich zur Jugendherberge. Sie ist sehr nett. Ich bin müde. Wolfgang.
541. Die Füße im Feuer – nur qualmende Socken, Jugendherberge St. Fili
207. Tag
Donnerstag, 9. Dezember 2004
Paola > (Castiglione) > San Fili
8 km (5.396 km)
10.12.2004 12:10 h (SMS)
Wieder nach San Fili 8 km für die Katz. Nette Reisetante in der Jugendherberge kennen gelernt. SONJA R. aus Münster. Im Zug zurück nach Paola fällt mir ein, dass ich mein Hemd 2 in der Jugendherberge ließ. Raus aus dem Zug und zurück. Kein Bus fährt, da Arbeiter die Straßen blockieren: hohe Preise niedrige Löhne. Entlassung, Nachtigall ich hör dir trapsen! Was sage ich seit dem Brenner?! Das wird hier noch schlimmer! Muss nach San Fili laufen. Da es wie aus Eimern schüttet bleibe ich noch eine weitere Nacht. Zum Handyempfang muss ich 200 m den Berg hinaus. SMS geht gerade noch. Wolfgang.
542. SONJA RÖSKE aus Münster, nette Reisetante.
10.12.2004 16:30 h (SMS)
Bin heute fast immer auf Festnetz unter +39 098 246043 zu erreichen. Eventuelle die Ortsvorwahl-Null weglassen. Bin auf der Suche nach einem Faxgerät, tiefstes Calabrien . Parlare senor Andreas.
543. Kartenspieler in Campora , gutes preiswertes Zimmer in der ALBERGO AZURRA,
Wirtsfrau stammt aus Gevelsberg
208. Tag
Freitag, 10. Dezember 2004
San Fili > San Giovanni
35 km (5.431 km)
10.12.2004 20:30 h (SMS)
Mit dem ersten Bus aus San Fili fort. Castiglione > Paola mit dem Zug durch einen 14 km Tunnel. Ab Paola Richtung Süden. Längster Tunnel seit dem Nordkap-Tunnel gelaufen: 1 km. In der COSTA AZZURA bekomme ich ein herrliches Zimmer für 13,00. Schönes Wetter. Lag eine Stunde am Strand. Sonst meist die 18 gelaufen. Hole mir gleich eine Pizza! Habe schon fünf Seiten für Axel geschrieben. Gruß Wolfgang.
544. Gräber italienisch – Schubfächer für die Toten
209. Tag
Samstag, 11. Dezember 2004
San Giovanni > San Eufemia
34 km (5.465 km)
12.12.2004 20:30 h (SMS)
Schnurgerade am Meer entlang. Orangenstrände mit der jetzigen Ernte. Die Blätter sind noch dran. Gebe deutschem Lastwagenfahrer Brief mit vier Filmen an Axel mit. Besuche zum ersten Mal einen Friedhof. Die Toten kommen hier entweder in kleine Häuser der Familie oder in Schubfächer, die mit einer Grabplatte verschlossen werden. Habe Fotos gemacht. Herrliches Wetter. Nähere mich einem großen Flughafen und einer Halbinsel, die ich wieder durchqueren will. Heute wird gezeltet. Wolfgang.
(Anmerkung der Redaktion: Damit hätten wir dann 62 Filme, abgesehen von denen, die noch von einer Bekannten von Wolfgang seit Monaten an mich unterwegs sind.)
545. Hilfe – das größte Problem war die Hände wieder sauber zu bekommen – mit Zitronensaft gings
210. Tag
Sonntag, 12. Dezember 2004
San Eufemia > Paravati
36 km (5.501 km)
13.12.2004 06:50 h (SMS)
Bedeckter Tag. Es kam allerdings erst zum Regen als ich ins Gebirge komme, klar, Steigungsregen! In Mileto gaffen mich die Leute wie ein Weltwunder an. Ich will heute wieder einen Padre um einen trockenen Platz auf dem Boden bitten. Laufe in das kleinere Pavarati , ein Fehler! Es sollte der Tiefpunkt an Gastfreundschaft (oder Nächstenliebe?) auf meiner bisherigen Pilgerreise werden: Abendmesse ist gerade aus. Viele Jugendliche. Bericht Herbergssuche folgt, wenn ich wieder trocken bin. Zelte im Ölberg. Stiller, nasser Advent. Wolfgang.
(16.12.2004 Nachtrag per eMail)
Einen Platz für mein Zelt zu finden ist in Italien von all den durchreisten Ländern am Schwierigsten. Neben der hohen Besiedlungsdichte spielt hier das Misstrauen gegenüber dem Fremden eine große Rolle. Alle Völker wollten ja immer nach Italien … der Sonne wegen – und sie wollten den Leuten auch etwas wegnehmen und wenn es der Platz an der Sonne war. Heute lässt man ihn sich bezahlen… In keinem der bisher bereisten Länder fand ich so viele Zäune, Gitter Tore, Portale, Mauern, Schilder, um das Eigentum herum wie in Italien . Privato!
Der Weg an diesem Sonntag war langweilig genug und als ich eine Art Halbinsel vor Vibo Valentina abschnitt, wusste ich, dass es im Gebirge regnen wird. Das tat es dann auch ausgiebig auf den letzten Tageskilometern. Heute gehst du nun wieder zum Pfarrer. Ich bettle ja nicht, ich will nur einen sicheren Platz und heute ein Dach über dem Kopf.
Mileto ist mir zu groß. Ich gehe bis Pavarat i. Bereitwillig zeigt man mir den Weg zur Kirche. Gerade ist die Messe aus und viele Jugendliche stehen in Grüppchen zusammen. Der Pfarrer käme gleich aus der Sakristei! Ich solle mich erst einmal hinsetzen! Zwei junge Damen sprechen Englisch. Ich erkläre ihnen mein Anliegen. Von allen Seiten werde ich ausgefragt. Wirr durcheinander. Ich zeige meine Karte, meinen Pilgerpass. Da kommt Hochwürden, hoch, 1,90, schwarzer Anzug, tadellos, Kreuz. Alter 65-70. Ich sage ihm mein Sprüchlein auf. Von Anfang an spüre ich Widerstand. Nein, er habe keine Möglichkeit, ich solle nach Mileto gehen! Nein, hier wäre nichts! Ich bemerke zu der reiferen jungen Dame, dass man das auch so ungefähr mit Maria und Josef in Bethlehem gemacht habe… die Dame ist auf meiner Seite. „Habt ihr das gehört …! Ein Riesengeschnatter. Ich frage nach, ob sie ein Problem mit mir hätten und wirklich keine Stelle mit einem Regendach… das Geschnatter geht weiter. Der Pfarrer dreht sich ab, ich auch.
Packe zusammen, ziehe den triefenden Poncho wieder über, Hut, Pilgerstock. Mir ist das zu blöd. „Warten Sie doch, vielleicht ….“ die Dame gibt sich Mühe und ich will ihr diese ersparen! Mit „Grazie“ stampfe ich aus der Kirche hinaus. Was der Pfarrer wohl seiner Gemeinde am Heiligen Abend wieder erzählen wird? Noch laufe ich und hoffe insgeheim, dass mir ein Auto nachkommt 1-2-3 Kilometer. Dunkelheit, Nässe – nichts tat sich. Auf einem Auffangnetz unter einem Ölbaum baue ich mein Zelt auf. 50 m weiter sausen die Autos vorbei. Und das alles muss auch noch kurz vor Weihnachten passieren! Nach der Klimaempfindlichkeit haben mich die Leute von Pavarati in Schnee und Eis hinausgehen lassen, „weil in der Herberge kein Platz war.“ (Lk 2,7)
546. Wäsche vor der Quetscherei Saftfabrik 547. Orangen wie Unkraut
211. Tag
Montag, 13. Dezember 2004
Paravati > Palmi
40 km (5.541 km)
13.12.2004 23:00 h (SMS)
Die Oliven, Orangen und Mandarinenernten sind in vollem Gange. Kann alles beim Gehen pflücken. Genug Vitamin C. Die Oliven schmecken bitter. Habe zwei Bier ausgegeben bekommen: Ein vom Malermeister CARMELO in Rosarno und eins von der Hotelfrau in Palmi , die mit ihrem Preis von 30,00 aber nicht runtergehen wollte. Liege hoch über Palmi. Grandiose Nachtsicht über Bucht und Stadt. Bin noch ca. 25 km von der Fähre entfernt: Villa San Giovanni . 6:00 h raus. Morgen setzte ich über. Dann ist das Meer endlich mal links… Noch 200 km! Pressetermin am 3. Januar 2005 um 14:30 h in Duisburg geht okay! Ist das Foto bei der WP? Gute Nacht, Wolfgang.
548. „Kauftempel“ bei Palmi – Textilien…
212. Tag
Dienstag, 14. Dezember 2004
Palmi > Villa San Giovani > Scaletti (Sizilien)
25 km (5.566 km)
14.12.2004 15:30 h (SMS)
Ja, über die Autobahn! Küstenstraße 35! Jetzt wird das Festland seit Frederikshavn verlassen. Bekam gerade von GIANNI CAUPI, der mich im Tunnel bei Amatea sah, eine Bratpfanne geschenkt. Umarmte mich. Ich müsste mir doch ein paar Spiegeleier braten können. Die Deutschen äßen doch so viel Eier. Als erstes drücke ich Zitrone in ihr aus. Liegen hier wie Abfall herum.
549. Serpentinenabkürzung durch den Ort – 550. Eine Pfanne für den Mann aus Germania
nicht mehr weit bis Reggio unterm Weihnachtsbaum – der vielen Eier wegen
15.12.2004 03:40 h (SMS)
Fahre auf Anraten eines Passagiers an den Stadtrand von Messina , Tremestere und laufe dann noch 10 km in die Dunkelheit hinein. Passiere unvorstellbar Massen an Wohlstandsmüll. Gut, dass es dunkel wird. Finde einen Platz am Meer. Morgen werde ich mal sehen, wo ich mich hingeplatzt habe
überall lauernde Gestalten. Muss mir hier doch Hotels nehmen. Wolfgang.
551. Bauchbild – den Atlas in der Hose
213. Tag
Mittwoch, 15. Dezember 2004
Scaletti > Taormina
29 km (5.595 km)
15.12.2004 22:30 h (SMS)
Jugendherbergen trotz Daten im europäischen Jugendherbergsverzeichnis geschlossen. Will man hier nicht haben!! Finde zum Glück Bed & Breakfast. Berichterstatter sucht Faxgerät, Ihr sollt es auch wissen: Ich bin die Lauferei jetzt langsam leid…! Wolfgang.
552. Nähstunde im Bett – da nicht geheizt ist und ich nur eine lange Hose besitze…
(16.12.2004 Nachtrag per eMail)
Die Geldmach- und Geldfressmaschine
An Taormina habe ich meine Schülerbusse immer vorbeigelenkt. Noch eine Vesuvstraße wollte ich meinem Busfahrer GÜNTER STEIN aus Borgholz nicht zumuten. Doch heute ist Taormina dran. Ich bin schon früh da. Meine miese Umgebung hat mich schon kurz nach 6:00 h weggejagt. In Taormina gibt es eine Jugendherberge d.h.Nepp in Grenzen. Nach dem internationalen Herbergsführer ist sie geöffnet. Vica San Francesco 9. Ich muss den endlosen Berg hinauf. Taormina liegt malerisch auf einem Berg. 2.400 Jahre alt. Griechen, Römer, Normannen – alle waren sie hier zum Zerstören und Aufbauen. Schweißtriefend stehe ich vor der Herberge. Der Zustand signalisiert mir sofort: geschlossen. Dezent klemmen ein Paar Buiseness-Cards im Türrahmen: Bed & Breakfast. Ich rufe die Nummer an. Oh, ja! 20,00. Gut, ich komme.
553. Amphitheater Taormina , siehe hierzu SMS von 554. Taormina – Bühneninnereien des Theaters
SONJA KRISCHBACH vom 4.11.2004
Mein Weg führt durch die Konsum-Meile „Corso Umberto I „- absoluter Geschäftstempelwahnsinn. Alles schillert und riecht und blitzt und leuchtet und rattert und säuselt… Unten der Dreck und in der Oberstadt keine Schmuddelkinder. Der Wirt ist etwas enttäuscht, er hatte mit zwei Personen gerechnet. Aber er bleibt bei seinen 20,00. Stillschweigend zieht er das Frühstuck ab, mit diesem wären es 5,00 mehr. Nein Danke, ich kenne die italienischen Frühstücke! Hier kann ich gut leben, mit einem märchenhaften Blick auf die Bucht von Taormina .
555. Taormina 556. Ehrenmal im Park von Taormina
Schnell ins griechische Theater, zu den byzantinischen Grabschubfächern und dann gibt es halt wieder Nachtfotos mit der M3, die ich nun „frei nach Schnauze “ belichten muss. Mein Lunasix fiel aufs Pflaster. Es wird schon einigermaßen ohne ihn klappen. Endlich treffe ich einen Italiener der Zeit hat und ein gutes Deutsch spricht. Durchschnittsverdienst eines normalen Arbeiters : 1.000 1.200. Wie sie bei den Wahnsinnspreisen leben könnten? Mit etwas Schwarzarbeit… und viele junge und alte Leute betteln inzwischen… verstecken ihre Armut. Kriminalität steigt. Ich frage, wer das Geld denn einstreiche? Keine Antwort. Gestern sagt mir eine Frau – nicht ohne sich vorher drei Mal umgeschaut zu haben: Die hohen Preise setzen sich zusammen aus Kosten, plus Geldgier und … Nebenkosten. Ich solle schnell weitergehen!
557. In den Italienischen Kirchen ist ständig Gottesdienst 558. „Kaufkirche“ mit „Altar“
– die Pfarrer sind fleißig!
Taormina brummt jedenfalls. Noch! Man müsste bescheuert sein, wenn man hier etwas kaufte.Wie im Kauffernsehen „Kaufen Sie jetzt, jetzt…“ Capri ist gegen Taormina ein Waisenknabe! Doch nun Schluss mit dem uro . Schön ist es hier oben, doch ich kann die Schmuddelkinder unten nicht vergessen. Ganz unten geht mein Weg entlang, Catania, Syracusa und dann Capo delle Correnti . Es ist nicht mehr weit. Ach so! Noch eine wichtige Aussage eines Italieners. Die Deutschen, die Engländer, die Amerikaner bleiben seit vier Jahren aus, mit steigender Tendenz. Dafür kommen aus dem fernen Osten die Neureichen… dass man die Stammkundschaft, die Taormina seit 1800 aus der Lethargie zur jetzigen Blüte führte, so einfach auswechselt? Soviel Dummheit traue ich den Taorminen allerdings nicht zu. Warten wird es ab, ob sie die Kurve kriegen.
559. Nachtbrunnen – in Italien immer Lebensquellen
560. Taormina – die Einkaufsmeile- Konsumterror- schöööön…
214. Tag
Donnerstag, 16. Dezember 2004
Taormina > vor Catania
41 km (5.636 km)
16.12.2004 18:00 h (SMS)
Den ganzen Tag Pieselregen. Nur Grandhotels um mich herum. Liege auf der Terrasse eines Berges mit Meerblick. Bin schon im Zelt. Morgen früh raus. Frühstück in Catania . Weiter nach Syracusa . Endspurt ist angesagt. Heute eine Stunde im Internet-Point für Axel Berichte getippt. Wurde hinauskomplimentiert. Wer denkt als Deutscher schon an die heilige Siesta!! Wir sind in Sizilien! Bin nicht sehr nass, habe mit trocken gelaufen. Die Strümpfe sind etwas feucht. Ich lasse sie einfach an. Nach einer halben Stunde im Schlafsack sind sie trocken geschlafen. Gruß Wolfgang.
561. Sonnenuntergänge am laufenden Band – wie beim kleinen Prinzen von Exypery: Straße von Messina
16.12.2004 19:30 h (SMS)
Lief den ganzen Tag am Ätna (Hier: Etna) entlang, konnte ihn nur nicht sehen. Alles dicht! Als Axel mich mittags anrief, gab es 5 m neben mir einen schweren Autounfall. Alle Airbags draußen. Offensichtlich keine Verletzten. Heiliger X hat wieder geholfen. Habe das Zelt unter einem Überdach aufgeschlagen. Draußen gehen Wolkenbrüche nieder. Gute Nacht Wolfgang.
562. Caspar David Friedrich… Denker im Nebel
17.12.2004 05:25 h (weitergeleitete SMS)
Cia Wolfgang! Ich hoffe es geht Dir gut und Deine Füße tragen Dich gesund bis ans Ende Italiens, Vielen Dank noch einmal für Deine Hilfe. ich wünsche Dir noch viele schöne Erfahrungen und Eindrücke! SONJA
P.S. Fotos gehen wie versprochen an Axel.
17.12.2004 05:30 h (weitergeleitete SMS)
Crikey mate! We just came out of the woods and are back into the land of phone coverage. Just finished five weeks solid, working young. Heading two petriolo tomorrow, then 5 days in Roma . FILI
17.12.2004 05:50 h (weitergeleitete SMS)
Looking at your photo today. Where are you man? I thought you would be well finished and home by now… How are the days treating you? Were unsure where well be for Christmas. How about you? GREG & LISA
Moin Axel, heute Nacht haben viele an mich gedacht: SONJA aus S., FILI, GREG & LISA aus der Toskana . Nicht bei meinen, sondern bei den englischen Abkürzungen kommt man schnell ins Rudern.
(Anmerkung der Redaktion: Wolfgang, wenn Du wüsstest!?)
563 Tagebuch – jede Gelegenheit muss zum Schreiben genutzt werden – Axel braucht Futter
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