Reisetagebuch September 2004

 

 

108. Tag

Mittwoch, 1. September 2004

Lohe > südlich von Bückeburg

32 km (3.339 km)

 

01.09.2004 22:40 (SMS)

Habe in Wiedensahl Wilhelm Busch’s Geburtshaus besucht. Danach Wanderung den Mittellandkanal entlang. Vor der Jägerkaserne in Bückeburg eine Wurst gegessen. Über den Aerg nach Schermbeck. Habe bei der SCHINKENKRUSE AUF DER HÖHE gegessen und mein Zelt aufgeschlagen. Der Wirt leuchtet mir. Gute Nacht! Wolfgang.

 

 

   269. Mittellandkanal bei Rinteln

 

 

  

 

270. Das Bett von W. Busch.                                  271. Schade, zwei Wochen zu früh in Wiedensahl 

       Da haben sie dem Wilhelm aber zwei

       Heiligenbilder an die Wand gedübelt…!

  

 

 

109. Tag

Donnerstag, 2. September 2004

südlich von Bückeburg > Spork

36 km (3.375 km)

 

02.09.2004 22:30 (SMS)

Sonnentag. Enge Straßen. Um 20:00 h bin ich in Spork angekommen. In der Gaststätte „ZUR KRONE“ gibt es ein tolles Essen, Herforder Pils und einen ebenen Zeltplatz mit Wasserkran im Garten. Gute Nacht! Wolfgang

 

(Anmerkung der Redaktion: Auf seiner Wanderung hat Wolfgang einige Kilo abgespeckt, jetzt scheint ihm die gute deutsche Küche zu munden, verdient hat er es sich. Quatsch: In unserem Land sind nun mal offene Feuer strengstens verboten, also fällt das Kochen in Freien aus. Sein Kochgeschirr, nur noch Ballast, hat er uns beim Treffen in Twistenbostel mitgegeben.)

 

 

 

272. Fürstenweg bei Bückeburg. Das ist Deutschland! „Durch Feld und Buchenhallen…“

 

 

 

 

273. „Hier sittet jümmer dei, dei jümmer hier sittet.“ …In allen Dialekten in unserem Land zu finden.

 

 

 

 

274. Liebevoll gepflegte Traditionen an den Fachwerkhäusern Ostwestfalens, rechts die lippische Rose. Unsere Altvorderen sind mit ihrer Gläubigkeit gut gefahren: Auf Gott vertraut, das Haus gebaut…

 

 

 

110. Tag

Freitag, 3. September 2004

Spork > Bad Lippspringe

44 km (3.419 km)

 

04.09.2004 09:30 (SMS)

Umweg! Aber die Sandalen haben nach ca. 1.500 km ihren Geist aufgegeben! Brandsohle durch! Outdoor in Paderborn – SMS eines Freundes – hat den Preis um 50 % gesenkt! Ich spare 50,00 €!! In Bad Lippspringe springe ich in den Stadtbus und bin um 18:00 h vor dem Laden. Glück gehabt – 50,00 € im Sack. Gruß Wolfgang.

 

 

   275. „Outback-Ausrüster“ und Ritter – OTFRIED PREITZ 

 

 

   276. Schloss Wendlinghausen – herrliche Renaissance

 

 

   

 

277. Schlosspark mit Spinne. Die Psyche von Louise Bourgeois möchte ich nicht unbedingt haben…

 

 

Reisebericht (per Diktat)

Vor 8:00 h bin ich schon auf der Straße. Im Schlosspark von Wendlinghausen steht eine haushohe große Spinne von Louise Bourgeois und auf dem Schosshof fällt ein englischer Spruch in der Renaissance-Stimmung auf.

 

   278. Spruch am Schloss – dem Hausherrn scheint er wichtig zu sein, mir nicht ganz verständlich. Dir?

 

 

Doch meine Sandalen sind nun endgültig durchgelaufen. Ich spüre jedes Steinchen. Anruf aus der Heimat: „In Paderborn haben sie den Preis der Supersandalen um 50 % gesenkt.“ Also: Umweg Richtung Paderborn. Doch um 18:00 h schließt der Laden. Ein sehr heißer Tage heute – über 30 ° C. Um 17:45 h bin ich in Bad Lippspringe und springe in den Paderborner Stadtbus. Der macht auch noch eine Ehrenrunde um die halbe Stadt.Strasse: Jesuitenmauer. Outdoorladen. „Wir haben heute bis 18:30 h geöffnet!“ Na also, wieder Glück gehabt. Die Information mit den Sandalen stimmt, nur noch 49,99 €.. Und noch etwas: Diese findigen Leute lösen für 2€ mein Rucksackriemenschlupfproblem, sogenannte Stropklemmen gibt es; die werden über den Riemen geschoben und zugeklippt. Basta! Ich brauche keine Knoten mehr machen!! Auf drei Briefe von Axel hat die Firma Lowe nicht einmal geantwortet. Die Paderborner lösten das Problem. Danke!

 

 

   279. Im Paderborner Dom

 

 

Nun aber auch noch zum Hohen Dom. Vor dem Rathaus ist eine Künstlerparty. Der Bürgermeister HEINZ PAUS begrüßt mich als Santiagopilger. Er hat den Camino auch schon begangen. Wahlkampf. Hätte er mir ein „schäumendes Gerstengetränk“ gereicht, hätte ich es geschrieben und es hätte ihm bestimmt ein paar Stimmen mehr gebracht, aber vielleicht ist er mir deshalb sympathischer! Das Bier aber hätte mir gefallen.

 

 

 

   280. Pilgerpass – Seite 1

 

 

Im Dom bin ich fast allein. Ein junges Pärchen horcht mich auf den Treppen aus. Heute sehe ich leider etwas abgekämpft aus.  In der Dämmerung laufe ich Husener Straße aus der Stadt hinaus. Bäume voller Pflaumen halten mich auf. So lande ich vor der Start- und Landebahn des Sportflughafens. Jetzt wird wohl nichts mehr landen! Ich gehe über die Bahn zu dem erleuchteten Flugplatzrestaurant, bekomme Bier und ein empfehlenswertes preiswertes Essen. Da landet doch noch eine Maschine…

 

Nach gestilltem Hunger fällt mir eine Sünde ein: Ich bin bei GESINE DE CASTRO und Prof. Dr. THEODOR HERR mit dem Stadtbus vorbeigefahren. Sie hatten mir sehr bei den Vorbereitungen nach Santiago geholfen. Sie sind die guten Seelen des „Freundeskreises der Jakobspilger Paderborn“ (HERMANDAD SANTIAGO), die regelmäßige Treffen mit Vorträgen organisieren. Um 21:30 h habe ich endlich die Telefonnummer ausfindig gemacht. Es gibt keine Diskussion. Ich muss bei ihnen übernachten, dass Bett sei schon gemacht, man hole mich sofort ab.

 

Die Bedienung gibt eine Wegbeschreibung, denn GESINE muss durch die ganze Stadt fahren, ich bin schon im Süden Paderborns. Um 22:00 h ist sie da. Zu Hause wird erzählt, und um Mitternacht sinke ich in ein Schaffellbett.

 

 

   281. GESINE DE CASTRO und Prof. Dr. THEODOR HERR

 

 

 

04.09.2004 09:40 h (Telefonat mit der Redaktion)

Abgesehen von der vorgenannten Veranstaltung in Altenbüren, einen angemesseneren Empfang kann man unserem Musikus, Wanderer und Heimkehrer Wolfgang kaum bieten. Wie aber auch schon an anderer Stelle beschrieben, hat er für Veranstaltungen einen Riecher. So rein zufällig ist dann auch noch ein Mega-Event in Obermarsberg mit riesigem Handwerkermarkt, das dann am Sonntag zu besuchen ist. Presse hat sich angesagt.

 

Ein Aufruf der Redaktion:

Also liebe Freunde von Wolfgang Andreas: Macht Euch heute und morgen mit auf den Weg ins Sauerland, die Übernachtung wird improvisiert, und lasst uns den 2. Balken des Andreas-Kreuzes, ein so genanntes Bergfest, gehörig mit ihm feiern. Glaubt bitte nicht, dass wäre eine Überraschung für ihn, er rechnet schon fest mit einigen. Also müssen wir ihn mit „Masse“ erschlagen. Auf, auf alle lieben Menschen und Freunde unseres Pilgers!

 

 

 

111. Tag

Samstag, 4. September 2004

Bad Lippspringe > Altenbüren

46 km (3.465 km)

 

(Reisebericht per Diktat)

Gefrühstückt wird um 7:30 h. Der Professor liest immer noch die Messe, außer samstags. Der Rhythmus wird nicht umgestellt. GESINE bringt mich wieder auf die Höhe des Flugplatzes, und ich laufe in Richtung Brilon.

 

In Etteln werden die letzten Vorbereitungen zum Kreisschützenfest des Altkreises Büren getroffen. Eine gewaltige Organisationsaufgabe für das Dorf! 30.000 Gäste werden erwartet. Sofort bekomme ich ein Warsteiner, obwohl man alle Hände voll zu tun hat. Ein Jakobspilger bei der Jakobs-Schützenbruderschaft Etteln! Ich müsse unbedingt bleiben. Doch Altenbüren ruft! Der Tag heute ist heißer als gestern. In Etteln, Haaren und Bad Wünnenberg trinke ich mindestens drei Liter Radler. Am späten Nachmittag erreiche ich Alme.

 

 

 

282. Kreisschützenfest in Etteln. 30.000 Schützen werden erwartet. Die fleißige Dame brachte dem Jacobus-Pilger sofort ein Bier – gratis!

 

 

 

Erlebnisprotokoll von Sohn DOMINIK  (per eMail)

Heute warten wir; CLAUDIA und ich,  auf die Ankunft meines Vaters. Nach einem kurzen Telefonat erfahren wir, dass sich Wolfgang irgendwo zwischen Bad Wünnenberg und Alme befindet. Wir ins Auto – auf der Suche nach dem lustigen Wandersmann.

 

CLAUDI sieht ihn als Erste in weiter Entfernung am Wegesrand. Doch als die Distanz kürzer und kürzer wird, stellen wir fest, dass es sich um eine friedlich weidende, sauerländische Kuh handelt, die allerdings vier sehr durchtrainierte Beine besitzt…

 

Einige Kurven später sehen wir dann aber wirklich den Gesuchten: Erst den Pilgerstock, dann die Jakobsmuschel und die Schwedenfahne und schließlich auch Wolfgang selbst. Die Freude ist natürlich riesig und wir suchen uns ein schattiges Plätzchen, wo wir Wolfgang erst einmal mit „Bonaqua Sportswater mit extra viel Magnesium“ versorgen (wenn schon, denn schon!!!)

 

 

                                                                                                                        

 

283. CLAUDIA, DOMINIK und Freunde BERND WITTKOP mit KARIN WEBER empfangen mich in Alme

 

 

Nach ein paar Minuten gesellen sich BERND WITTKOP mit Freundin KARIN zu uns und wir sprechen über Gott und die Welt. Wir bieten Wolfgang an, sein Gepäck die letzen Kilometer mitzunehmen – überflüssig zu erwähnen, dass wir das natürlich nicht dürfen.

 

Nach 45 Minuten macht sich Wolfgang wieder auf seinen Weg, schließlich freute er sich auf seine Besucher und das Musikfest in Altenbüren ist ja schon im vollen Gange.

 

Die ersten 50 m merkt man, dass sich die Knochen nach der Pause erst mal wieder sortieren müssen – aber dann verfällt er wieder in sein gewohnt, schnelles Schritttempo.

 

 

Erlebnisprotokoll der Redaktion

Gegen 18:30 h machen wir nach einen Testanruf von KLAUS STUKOVNIK und unter Mithilfe von DOMINIK ANDREAS seinen Vater neben einer Landstraße vor Brilon ausfindig. In unverkennbaren Laufschritt, den Oberkörper nach vorn gebogen, gibt Wolfgang auf den letzten Metern vor zu Hause richtig Gas. Der rhythmische Ton seines Pilgerstabes ist mir aus einigen Telefonaten der letzten Monate bekannt. Wir drehen meinen Wagen, positionieren KLAUS neben den Weg im Gras, wenden wiederum und ich nehme die Verfolgung auf.

 

 

    284. KLAUS erwartet seinen Freund

 

 

Ich entscheide mich ihn barfuss joggend zu überholen, grüße kurz und ein: „Tach!“ kommt zurück. Nach einigen Metern Vorsprung drehe ich mich und erfasse seinen Live-Kommentar per Video. Wolfgangs Frage: „Wo hast Du denn die anderen versteckt?!“ Wir setzen den Weg gemeinsam fort, schon von weitem erspäht er seinen langjährigen Freund STUKI alias KLAUS sinnierend am Wegesrand sitzend. Dieser motzt in unvergleichbarer Art den Pilger an: „Wo bleibst Du eigentlich, ich sitze hier schon seit Wochen rum!“ Beide liegen sich herzlich in den Armen.

 

 

    285. „Anmache“ auf unvergleichbare Art

 

 

CHRISTEL KRISCHBACH und DOMINIK stoßen lachend hinzu. Wolfgang fühlt sich ein zweites Mal an diesem Tag aufgehalten und drängt darauf weiterzukommen.

 

 

    286. Herzliche Begrüßung durch CHRISTEL

 

 

Wir empfangen ihn mit Schnaps und Snacks um 20:15 h am Ortsschild von Altenbüren, kurze Fotosession. Wolfgang läuft zielstrebig der Schützenhalle entgegen und wirft nur einen kurzen Blick auf sein ‚Gehöft’ am linken Straßenrand. Eine Anwohnerin kombiniert: „War das etwa Herr Andreas?“ Ich scherze zu meiner Frau: „Gib’s den wirklich?“ Die Nachbarin lässt uns wissen, dass ihre Tochter die Route seit Wochen im Internet verfolgt und unser Duisburger KFZ-Kennzeichen wohl den Ausschlag zu ihrer Vermutung gibt.

 

 

    287. Ankunft in Altenbüren

 

 

Der Musikverein von Altenbüren e. V. von 1954 begeht heute das 50. Jubiläum in der Schützenhalle. Das schwäbische Blasmusikorchester hält inne und Wolfgang wird den ca. 400 anwesenden Gästen von MICHAEL AUFMKOLK vorgestellt.

 

 

     288. Dirigent MICHAEL AUFMKOLK

 

 

Tobender Applaus, persönliches Schulterklopfen, anerkennende Blicke allerorten. Rasch mischen wir uns unter die Fünfer- oder eher Zehnerreihe vor der Theke.

 

 

    289. Sauerländisches Thekengetümmel

 

 

 

 

291. Sohn DOMINIK ANDREAS – Minimum zwei Biere zugleich: alles Krombacher –Heimatbier.

 

 

Dieser Platz wird eigentlich bis zum frühen Morgen nicht mehr von uns aufgegeben. Viele Bekannte von Wolfgang begrüßen ihn in unserer Runde. Die „Eingeborenen“ füllen uns mit Bier ab. Zeitweise hatte ich drei volle Biergläser zur gleichen Zeit in den Händen. Es fällt mir zunehmend schwerer, die Videokamera wackelfrei zu führen.

 

 

 
    292.GERHARD und ANNELIE TEERBORG

   293. GÜNTHER und RENATE „Gasthaus KIEVEL“

   294. immer wieder erklärt Wolfgang die Route mit Abweichungen

   295. Kirchenvorstand RICHARD SCHLÜTER

274. Stadtverordneter THEO HOMANN. Kommt wohl jetzt in den Kreistag.

 

296. Schützenmajor MANFRED GÖKE und STUKI. An sauerländer Schützen kommt keiner vorbei. Auch nicht an der Theke.

 

Gegen 23:00 h haben auch noch MIKE DOHMEN mit ANNE und SARAH den Weg ins Sauerland auf sich genommen, um dem Ex-Pfadfinderfreund ihre Glückwünsche zum Bergfest, die Hälfte der beiden Bahnschranken sind abgelaufen, zu überbringen.

 

 

 

297. Duisburger Connection – KLAUS trinkt tandem. Bereits im Nebel…!

 

 

Zum Absacker spielt Wolfgang noch zu Hause ein Landsknechtlied am Klavier und KLAUS entscheidet sich urplötzlich, doch nicht in der Nacht mit uns nach Duisburg zu fahren.

 

 

 

112. Tag

Sonntag, 5. September 2004

Ausflug nach Obermarsberg

0 Fuß-km (3.465 km)

 

Erlebnisprotokoll von MIKE (per eMail)

Selbstverständlich musste abends – oder besser gesagt morgens – noch die Hymne der Namibia-Fahrer („Hart wie Kameldornholz …“) und das Handwerkerlied („… denn unser Handwerk, das ist verdorben …“) geschmettert werden. Dazu gib’s den mitgebrachten Ananas-Wein, den wir gnadenlos vernichten, so dass wir gegen 3:30 h die rechte Bettschwere erreichen. Einzig ein Glas Wasser bleibt übrig, das sich am nächsten Morgen als Obstler vom Kaliber 60 Volt entpuppt – STUKI hatte sich ein Weißbierglas aus einer Mineralwasserflasche gefüllt, die er seit Wolfgangs Abflug in Duisburg aufbewahrt hatte. Als sich auch SARAHS hartnäckigster Verehrer heimwärts auf den Weg macht (hoffentlich hat er ihn noch gefunden!), können wir einige wenige Stunden Schlaf genießen.

 

Am nächsten Morgen – nach opulentem Frühstück, das uns endgültig wieder auf die Beine bringt  – geht’s nach Obermarsberg zum mittelalterlichen Handwerkermarkt. Inzwischen sind auch noch FERDI und FEMIA VAN EYMEREN mit Enkelkind aus dem fernen Moers zu uns gestoßen. Ausnahmsweise fahren alle mit dem Auto, auch Wolfgang, der rechtzeitig für die Presse bereitstehen will, denn das Frühstück dauert doch ein wenig länger als gewöhnlich.

 

 

 

298. KLAUS STUKOVNIK auf dem historischem Markt in Obermarsberg – Stand BOXBERGER

 

 

Mit seinem Hut, dem Rucksack und seinen Krachledernen wählt Wolfgang gerade die richtige Kleidung – er wirkt in diesem Ambiente wie ein Handwerker auf Reisen und fällt überhaupt nicht auf. Am Stand der mittelalterlichen Drucker reiht er sich ein und verteilt die Autogrammkarte aus polaren Gefilden an alle, die sich für sein Abenteuer interessieren.

299. Autogrammkarte, Geschenk der Druckerei BOXBERGER. Noch mit Bauch!

 

Da Wolfgang am Stand BOXBERGER  geradezu festgewachsen scheint, müssen wir den Markt allein besichtigen und erfreuen uns an Handwerksständen vom Schmied über Schreiner, Filzer und Apotheker, sehen dem Feuerschlucker zu, lauschen der mittelalterlichen Musik auf historischen Instrumenten, stärken uns mit mittelalterlichen Speisen und genießen die schöne Atmosphäre bei bestem Wetter. Schließlich – gegen 17:00 h – müssen wir scheiden, denn am nächsten Morgen soll die Schule wieder beginnen. Im Laufe des Nachmittags gibt er auch noch der Westfalenpost ein Interview.

300. LOTHAR, WILLI, GEROLD: ehemalige Kollegen aus dem Berufskolleg Olsberg nebst Ehefrauen.

       Rechts außen UDO BOXBERGER in historischer Druckerkleidung.

 

 

Presseveröffentlichung 11. September 2004

 

 

301. Presseveröffentlichung „Westfalenpost“

 

 

 

113. Tag

Montag, 6. September 2004

„Dienstreise“ nach Duisburg

0 Fuß-km (3.465 km)

 

Fotoauswahl, digitale Bildbearbeitung, chronologischer Einbau der ausgewählten Aufnahmen in den August-Reisebericht, kaum ohne kleine Dönekes, die mich immer wieder zu Träumereien hinreißen, durchführbar und somit den ganzen Abend füllen. Ausklang mit STUKI und Axel in der Siedlerklause Werthacker. FRIEDHELM GOSSENS outet sich als treuer Fan.

 

 

 

114. Tag

Dienstag, 7. September 2004

Begleite Axel nach Wuppertal

0 Fuß-km (3.465 km)

 

Homepage gestaltet sich zu einem umfangreichen „Buch“, das ich Korrektur lesen muss. Dies geht nicht ohne Zwischenauskunft und Abstimmung mit meiner Redaktion. Dank an seinen Kunden und an die netten Mitarbeiter der FairGroup, die mich mehr oder weniger kannten. Die Fotomontage, denn heute bin ich nur in ziviler Kleidung, vor dem Schloss Lüntenbeck ist ein typischer Axel-Scherz. Insider erkennen die Nordkapkleidung (Jacke, lange Lederhose) und natürlich noch den dicken Bauch.

 

   302. FairGroup, Schloss Lüntenbeck, Wuppertal

 

 

   303. Pilgerpass

 

 

In Duisburg im Eiscafé Behrends treffen wir auf STUKI. Die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) kündigt sich telefonisch für morgen an. Wer das wohl eingestielt hat? Die nächsten Stunden verbringen wir im Büro. Abends lade ich CHRISTEL und Axel zum Steakessen ein.

 

 

  

115. Tag

Mittwoch, 8. September 2004

Büro-Arbeitstag in Duisburg

0 Fuß-km (3.465 km)

 

Homepage: Korrektur lesen, Ergänzungen, Bildbeschriftungen, Verschieben und Austausch von Fotos.

 

Gegen Mittag treffe ich den WAZ-Reporter STEFAN TILLMANN mit seiner Fotografin. Da ich in zivil in Duisburg weile und als einziges Requisit meine Landkarte bei habe, rollen wir diese für ein Foto mit mir auf der Treppe vor dem Medienhaus aus.

 

Ich verbringe den ganzen restlichen Tag am PC. Die Augen schwimmen. Am späten Abend schaue ich dann noch Axel über die Schulter, wie er Bilder digital bearbeitet (ich glaube nichts mehr) und meine Korrekturen bis 2:00 h ins Netz einpflegt.

 

 

Presseveröffentlichung 11. September 2004

 

 

 

 304. Presseveröffentlichung „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“

 

 

 

116. Tag

Donnerstag, 9. September 2004

Büro-Arbeitstag in Duisburg

0 Fuß-km (3.465 km)

 

In Axels Büro 18:30 h, Ende offen.

Um 7:30 h sollte ich aufstehen, um mit Axel zu frühstücken, es wird 8:30 h und Axel hat am PC schon einige Septemberpassagen getippt. Frühstücke alleine. Während ich am Neben-PC spiele – ein Schrei! Der ganze Morgen um sonst! Ungesichert hat der PC alles wieder heraus geworfen. (Anmerkung der Redaktion: letzteres ist technischer Bullshit.) Ich muss ihn trösten: „Da hättest Du auch länger schlafen können“, – ich gehe hinter dem Schreibtisch in Deckung. Den ganzen Tag sind wir nun am Scannen, Sichten, Laden, Sichern, Korrigieren – weiß der geneigte liebe Leser das überhaupt zu schätzen? Ab heute weiß  i c h  es jedenfalls. 

 

 

 

117. Tag

Freitag, 10. September 2004

Duisburg > Altenbüren

0 Fuß-km (3.465 km)

 

(eMail)

Langsam habe ich die Nase von der Büroarbeit voll! Ich fühle mich in meine Korrekturzeiten zurückversetzt. Heute ist Abflug ins Sauerland. Wie immer: Geordneter Rückzug! Axels Büro ist immer aufgeräumt. Ich versuche meine Spuren zu vernichten, während er mit seinem Moppett durchs Märkische knattert. Den runden Ordner soll er gefälligst selber füllen. Wenn der PC wieder abstürzt und die Unterlagen entsorgt sind, höre ich schon seine Schreie bis Altenbüren. Also: Im Westen und Osten nichts Neues. Der Süden ruft.

 

 

 

118. Tag

Samstag, 11. September 2004

Altenbüren

0 Fuß-km (3.465 km)

 

11.09.2004 07:30 (SMS)

Wollte eigentlich das Büro haben oder dem Anrufbeantworter berichten. Wichtig! Heute hat die WP (Westfalenpost)den Artikel gebracht mit Hinweis auf die Homepage. Es sind wahnsinnig viele Zugriffe zu erwarten. Wenn Dein Einpflegen der zerstörten Seite nicht möglich ist, sollte man lieber auf eine Totehosenzeit ausweichen. Schade, dass ich CHRISTEL störte! Ich dachte Büro… Wolfgang.

 

(Anmerkung der Redaktion: Dank an TINO ZAUN, der aus einem italienischem Internetcafé Support leistete. Die Nacht wurde mal wieder lang und der September weitestgehend rekonstruiert. WP-Bericht ist schon im Netz. Heute berichtete die WAZ im Duisburger Lokalteil.)

 

 

 

 

119. Tag

Sonntag, 12. September 2004

Altenbüren

0 Fuß-km (3.465 km)

 

14.09.2004 17:30 (SMS)

Hausarbeit ohne besondere Vorkommnisse.

 

 

 

 

305. „Bergfest“ (die Hälfte der Gesamtstrecke), Pilgerpass km-Eintragungen vom 2. Balken des Andreaskreuzes

 

 

 

 

120. Tag

Montag, 13. September 2004

Altenbüren

0 Fuß-km (3.465 km)

 

14.09.2004 17:30 (SMS)

Wellnesstag mit Massage in Bad Arolsen. Keine besonderen Vorkommnisse.

 

 

 

121. Tag

Dienstag, 14. September 2004

Korbach > Bischhausen

34 km (3.499 km)

 

14.09.2004 17:30 (SMS)

Ausrüstung fertig machen. Zeltnähte abdichten. Hausarbeiten. Morgen um 9:00 h steht Ritter ODO (ohne Rittergut!) auf der Matte und bringt mich zurück auf meine Linie Korbach > Bad Wildungen. On the Road again! Ziel und Kilometer folgen morgen. Grobe Richtung lautet Fulda. Zur Zeit bin ich in Bad Zwesten. Gruß Wolfgang.

  

15.09.2004 02:05 h (SMS)

Bischhausen, 400 Seelen. Glücksfall. Gasthaus „ZUM TREFFPUNKT“ ist heute Partyort. STEPHAN und GABY RESSEL kochen gut. Die Knobelgäste singen mit: „Die alten Saufbrüder sind gestorben!“ Auf einmal hab’ ich einen leeren Bierdeckel und ein Bett im Vorzelt. Keine Diskussion! Das gibt’s eben nur bei den RANDSCHWÄLMERN… (am Rand der Schwalm!) Deutschland wird immer schöner! Ende 2:05 h. Ein herrlicher Wandertag. Wolfgang.

 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 16.9.2004) 

Die Tage zu Hause haben gut getan, man merkt aber, dass sich das „normale Leben“ sehr schnell zurückmeldet: Anrufe, Formulare, Sonderangebote, Garten… Seit Santiago weiß ich, dass ich nicht wichtig bin und schnell ausgewechselt werden kann. Lies nach bei Wilhelm Busch: „Wirklich, er war unentbehrlich.“ (Kritik des Herzens oder Schein und Sein). Also: Die notwendigsten Sachen klären und dann Tschüss! Nur so geht’s! Wenn dich die Krakenarme des Alltags erst mal wieder zu fassen kriegen, hast du verloren und schneidest die Rasenränder mit der Nagelschere.

 

 

 

306. OTTFRIED setzt mich aus. Ruft oft an. Immer in Sorge um mich. Kennt Europa wie seine Westentasche.

 

 

Freund OTFRIED steht um 8:00 h auf der Matte und bringt mich auf meine alte Linie Korbach > Bad Wildungen, die ich in Bad Meinberg verließ. Er hat sein Klapprad im Wagen und will einen Freizeitvollzugsweg radeln. Kurorte kann man nur mit dem Kompass durchqueren. Jedes Café, jedes Sanatorium, jeder Tingeltangelladen hat einen Wegweiser, nur die Hauptrichtungen fehlen. So lande ich einen Kilometer vor Reinhardshausen, wieder zurück. Die Sonne hilft mir. Mit den Wanderwegschildern ist es ebenso. Wenn die nicht konsequent angebracht werden, sind sie für den Fremden nutzlos. Für einen Fernwanderer wie mich sowieso, da sie immer wieder zum Ausgangscafé zurückführen…

 

In Bischhausen laufe ich in der Dämmerung ein und studiere die Speisekarte des BISCHHÄUSER HOFES (ich rechne alles noch die D-Mark um, €G verzeihe mir!) Die Preise weisen das Lokal als einen „allseits bekannten Landgasthof“ aus und ich will schon wieder weitergehen, da sehe ich ein handgemaltes Schild: „Bis Gaststätte  ZUM TREFFPUNKT frei!“ Nach 150 m bin ich dort und lerne eine neue Rasse kennen: „Free-Knobler.“

 

 

 

307. Jeder „Free-Knobler“ hat seinen eigenen Becher. Das Leben ist ein Würfelspiel?

 

 

In einem Regal hat jeder seinen Knobelbecher deponiert, wie die Stammsäufer im Hofbräuhaus ihre Maßkrüge und ein unregelmäßiges Krachen verkündet, dass man an der Arbeit ist. STEPHAN und GABY RESSEL führen die Kneipe und ich lasse meinen inzwischen genormten Spruch los: „Ehe ihr mich ausfragt: Mein Name ist Andreas und ich laufe vom Nordkap bis Sizilien. Ich möchte essen und trinken und brauche zwei Quadratmeter Rasen für mein Zelt.“

 

 

 

 

308. „Zum Treffpunkt“ GABY und STEPHAN RESSEL und die Randschwälmer Wurst

 

 

Es wird ein wunderbarer Abend. Plötzlich ist mein Bierdeckel weg, STEFAN hat ihn ausgetauscht und einer der Gäste telefoniert mit seiner ihn abholenden Frau, sie solle für den Wanderer eine Wurst mitbringen. Und die können hier Wurst machen! Friseur, Bauer, Handwerker, Lehrling, Hausfrau alles sitzt durch Knobeln vereint am Tresen. Dass mein Liederschatz, die Mundharmonika und die 60 %ige Gitarre das alles geschaffen haben, brauche ich nicht zu schildern. Als Lied fiel mir glücklich ein: „Das Leben ist ein Würfelspiel – wir würfeln alle Tage…“, was zwar nicht meinem Denken entspricht, passte hier aber wie A… auf Eimer. Morgen gäbe es Frühstück und man habe mir ins Partyzelt eine Liege gestellt. Guten Morgen: 2:05 h. Kaffee gäbe es ab 8:00 h, ich bin eingeladen.

 

 

    309.  Wurstübergabe. Auch meine geklebte Gitarre spielt.

 

  

  

122. Tag

Mittwoch, 15. September 2004

Bischhausen > Ottrau

39 km (3.538 km)

 

15.09.2004 23:15 h (SMS)

Angenehmer Wandertag. Bin etwa 34 km hinter Fulda. Bericht folgt. Gehe heute früh ins Bett. Mein Zelt steht im Garten der „KALKBERGSCHÄNKE“. Gruß Wolfgang.

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 16.9.2004)

Hier kann man sich nicht verlaufen, aber ich muss viele Querstrecken gehen, die mich dem Ziel München langsamer zutragen. Ein Truppenübungsplatz bremst mich auch wieder aus und ich muss über Neukirchen laufen. Grobe Richtung Fulda. Beim Friseur BECKER in Zimmersrode bin ich angekündigt. Er schneidet super meine Haare und – ich muss nichts bezahlen. Der Abend war so schön gewesen. So sind die „RANDSCHWÄLMER“ klärt man mich auf. Hier herrscht wirklich noch Ordnung! Von Gastfreundschaft ganz zu schweigen! Das eigentliche Knüllgebirge liegt vor mir. Für einen Sauerlandkundigen kein Problem.

In Ottrau gibt es einen guten normalen Gasthof. In der Dunkelheit erreiche ich ihn, nach 39 km, er ist geschlossen. Ist nur drei Tage in der Woche geöffnet. Was nutzt eine solche Kneipe? Das erste Mal auf der Reise bin ich aufgelaufen. Es ist 20:30 h und der Ort wirkt tot. Die Kneipe im Bürgerhaus hat geöffnet, schenkt aber nur Bier aus, die Aushilfswirtin hat schon zu Hause gegessen – man sieht’s.

 

 

310.   …im herrlichen, von der Wirtin gepflegten Garten der „KALKSCHÄNKE WE’ISSENBORN“

 

 

Eine Kegeldame, MARIANNE SCHÄFER, denkt nach und sagt: „Ich bringe sie dahin, wo es noch was zu essen gibt.“ Es geht in den Nachbarort Weißenborn, wo die KALKBERGSCHÄNKE noch geöffnet hat. Strammer Max und dunkles Weizenbier. Die BATTENBERG’S (siehe Lord Mont Batten!) führen den Gasthof. Groß, gepflegt, menschlich. Ich bin heute endlich einmal Randfigur und das Hauptthema ist kommunalpolitisch. 2.000 Einwohner, verteilt auf fünf Dörfer. Wer ist das Schönste im ganzen Land? Strukturschwach – herrliche Landschaft. Zwei Busse am Tag. Deutsche Dörfer hat die Privatisierung von Post und Bahn abgehängt. Das notwendige Auto belastet die Menschen hier wahnsinnig – Spritpreise, Bahn- und Buspreise. Die Politik der Ballungsräume macht das Land kaputt! Sind ja nur ein paar Stimmen… Diesmal bin ich schon um 23:00 h im Bett – kein Problem im herrlichen, von der Wirtin gepflegten Garten.

 

 

 

123. Tag

Donnerstag, 16. September 2004

Ottrau > Knüll

39 km (3.577 km)

 

17.09.2004 13:10 h (SMS)

Nach herrlicher Wanderung durch das Knüll fährt mich VEIT aus Fulda zur Röhntherme, wo ich meine Knochen sortiere. Um punkt 22:00 h nimmt mich JÜRGEN weiter nach München mit. SCHORSCH und JOSEFINE (Hausmeister a. D.) müssen wir herausschellen. Gegen 2:30 h schlafen wir.

 

Melde mich bis Sonntag wegen Wies’n ab. Den ganzen Samstag sitzen wir auf dem Oktoberfest von 10:00 – 22:00 h (ca. 15 m schräg links vom Kapellmeister BRUNO GRESS aus gesehen)im Zelt der „Ochsenbraterei“ nahe der U-Bahn Teresienwiese. Wir freuen uns, wenn Ihr vorbeikommt. Wolfgang.

 

 

 

124. Tag

Freitag, 17. September 2004

München

0 Fuß-km (3.577 km)

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 22.9.2004)

Über die Wies’n brauche ich mich als Pilgersmann nicht auslassen, nur: Es war ein beschaulicher Freitag in den Isarauen bei Kloster Schäftlarn. Leider sausten keine Flöße (mit Musik!) die längste Floßrutsche Europas hinab; JÜRGEN und ich waren zu früh dort.

 

Dafür erlebten wir die brechend volle, herrlich renovierte, Rokokokirche: Das Internat hatte Schulanfangsgottesdienst. Die Benediktiner müssen einen Zulauf haben! Kein Wunder bei den Ergebnissen der 68iger-Pädagogik. Ein Pater meinte, sein erstes Ziel bei den Sextanern wäre es, sie den Wert des Wassers erleben zu lassen. „Manche meinen, wenn ihnen nicht zu jeder Zeit die eisgekühlte Cola aus dem Kühlschrank falle, begänne schon der Notstand!“

 

 

 

311. KAJA (AARONS „Freundin“), Opa Wolfgang mit Enkeln DAVID und AARON. Kurzer Halt und gleich Drachen steigen lassen

 

 

 

125. Tag

Samstag, 18. September 2004

München

4 Wies’n-km (3.581 km)

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 22.9.2004)

Der Samstag auf der Wies’n: um 9:30 h schon brechend volle Zelte. Ein Tisch war gerade noch frei in unserer Stammregion der „Alt-Starnbergerin“. Reihe 9. Wir waren zu zehn. Vier nette Damen gesellten sich dazu. Sie waren froh, dass sie einen Platz fanden – und wir, dass Damen den Männertisch verschönten. SCHORSCHI verlor zwei Maß Bier an mich, so dass sich meine Ausgaben in Grenzen hielten. Weswegen? Ruft ihn doch an: 01 70 / 6 16 65 87!

 

 

312. KARIN WEBER, GEORG SIEBERTZ und ANDREAS WEBER aus Brilon zu späterer Stunde in der Ochsenbraterei.

       „Ja, er lebt noch, er lebt noch…!“ „…Take me home country-road…!“

 

 

Irgendwann am Nachmittag war mir das (zu frühe) moderne Gedudel zu viel und ich dirigierte mit GABY II auf der Schulter „Preußens Gloria“ – zackig. Das ist immer eine Herausforderung für die Bayern und der Bayerische Defiliermarsch ließ auch nicht lange auf sich warten. Nun war wieder Ordnung in der Festmusik, denn die Discorhythmen fangen eigentlich erst ab 20:00 h an! GABY II hat sich beachtlich mutig auf meiner Schulter gehalten. Nächsten Samstag wollen GABY I, GABY II, SILLY und SINA wieder da sein.

 

 

313. In guter Stimmung mit SINA aus Sachsen, ansässig in München – man erkennt es

 

  

 

314. SILLY, GABI 2, GABI 1, SINA und JÜRGEN WREDE. Bier, Handy und Zigaretten. Sächsisch-bayerische Mafia.

 

 

Der Rückzug wird nach dem Brathendl geordnet um 22:00 h angetreten und ein Duschbad – heiß – bringt ein Plus von zwei Stunden Schlaf.

 

 

 

126. Tag

Sonntag, 19. September 2004

Landvolkshochschule Volkers

0 Fuß-km (3.581 km)

 

Während die anderen sich STOIBER und den Festzug ansehen, nutze ich die Zeit noch zur Tochter CLAUDIA, OLLI, AARON und DAVID zu fahren. JÜRGEN kommt gegen 14:30 h nach Heimstätten und wir umfahren den 20-km-Stau (obligatorisch) von München-Nord bis Holledau über Erding-Freising. Der nächste Stau erwischt uns vor der Albabfahrt, dazu eine Dame von hinten. Wenig zu sehen am Twingo – aber JÜRGEN nimmt die Abwicklung vor.

 

Wir haben viel Zeit verloren und sind erst gegen 21:00 h im Raum Fulda. In Uttrichshausen soll mich JÜRGEN einfach absetzen, dann fällt mir nur ein, dass sich gerade in den Wäldern um Rastplätze viele Ganoven herumtreiben. Die Jugendherberge Brückenau gibt es nicht mehr. In Volkertsberg ist eine Landvolkshochschule des Bistums Würzburg. Ohne Klärung schicke ich JÜRGEN weg. Seine SIMONE wartet! Das Riesenhaus wirkt tot. Überall Schellen aber keinen antwortet. Da endlich, eine dünne Damenstimme (Schwester ?) sagt, dass sie mir auch nicht helfen können (22:00 h), ich solle einmal rechts, links, geradeaus und wieder links gehen.

 

 

 

Ich lande in der Gastwirtschaft. zwei Gäste und der Wirt. Köln gegen Aachen 3:0. „Hier wäre absolut keine Übernachtungsmöglichkeit! Wir sind hier ein Kloster!“ Ich glaube das nicht, außerdem bin ich katholisch und habe einen Pilgerpass und ich möchte jemanden sprechen, der was zu sagen habe. Er wählt. Was er denn sagen solle? Hier sei ein Santiago-Pilger der Übernachten möchte. Wie ich später erfuhr, hatte er die Schwester Oberin aus dem Bett geholt. Frage: „Ob ich bereit sei?“ „Klar!“ „Ob ich Hunger habe?“ Aha! ANDREAS BRUST führt mich durch ein Labyrinth zur Pforte.

 

Herzliche Begrüßung, nicht ohne Charme. Ein herrliches Zimmer mit Dusche wartet auf mich. In der Gaststätte das Abendessen. Ich verstehe ja, wenn da ein abenteuerlicher Mensch, nachts um 22:00 h, nahe der Autobahn, aus dem Busch kommt… Ich habe ausgesprochen gut geschlafen. Das Frühstück war phantastisch und der Preis im Rahmen (€ 21,00). Herzlichen Dank – echt christlich. Gleich fährt jemand nach Fulda und setzt mich in Hattendorf ab. Ich will die Rhön doch voll erleben! Es wird wieder gelatscht.

 

 

 

315. Fränkischer Passionsspielort Sömmersdorf. Freilichtbühne, kein Soldatenfriedhof.

 

 

 

  316. Mitten in den Feldern. Kreuz bei Obbach. Es wird langsam katholisch.

 

 

 

127. Tag

Montag, 20. September 2004

Hattendorf > Arnshausen

44 km (3.625 km)

 

21.09.2004 00:10 h (SMS)

In Bad Brückenau habe ich 2 l Heilwasser getrunken. Die Wirkung zeigte sich prompt! Lagere auf freiem Feld unter einem Apfelbaum. Gruß Wolfgang.

 

 

   317. Bad Brückenau – SISSIs Kurort

 

 

   318. „Drink“ aus allen Zapfhähnen, gratis, Bad Brückenau

 

 

  

319. BAROCK MARTERL                             320. Ernten tun nur noch die Opas. Die können es nicht lassen – wenn sie noch können.

 

  

 

128. Tag

Dienstag, 21. September 2004

Arnshausen > Waigolshausen (Retour nach Werneck)

36 km (3.661 km)

 

22.09.2004 00:35 h (SMS)

Laufe den ganzen Tag querfeldein durch die herrliche unterfränkische Hügellandschaft mit grandiosen Fernblicken. Schlafe privat bei GABY und JÖRG. Es folgen weitere Informationen. Wolfgang.

 

 

(29.9.2004 Nachtrag per Post)

Ein herrlicher Tag durchs Frankenland. Wer kann schon lokalisieren, wo Ober-, Unter- und Mittelfranken sich befindet? „Unter“ ist jedenfalls ganz oben und „Ober“ im Nordosten und „Mittel“, das ist auf der Landkarte „unten“. Wenn man 30 km von der „Grenze“ weg ist, wissen es viele Franken selbst nicht und es gibt Diskussionen, welches Dorf zu „Unter“ oder „Mittel“ gehört. Ungefähr bei Iphofen hörte auf meinem Weg Unterfranken auf.

 

Der Tag beginnt an meinem Platz unter dem Apfelbaum, den ich um 23:00 h belegt hatte. Zum Frühstück muss ich einen Kilometer ins Dorf zurück, da hatte ich bei meinem Ausmarsch nachts eine Bäckerei gesehen. In Deutschland sind Bäckereien mein Frühstücksplatz. Selten existieren noch Geschäfte ohne Filialen. Neben dem Gasthofsterben hat es auch die Bäcker erwischt. Ob sie mit ihrem Kaffeeangebot die sehr überteuerten Tankstellen ausstechen können, bleibt abzuwarten; das muss der Geldbeutel klären! Noch scheint Geld da zu sein, wenn jemand aus Schusseligkeit die 100 % teuere Butter an der Tankstelle zapft.

 

Heute gehe ich zu 90 % über Feldwege, manchmal sogar über abgeerntete Felder, denn die Eigenart der fränkischen Kulturlandschaft erlaubt das: Man sieht hinterm Hügel zuerst die Kirchturmspitze und beim Näherkommen den Ort: Man kann von Dorf zu Dorf „höppen“. Wie schreibt Victor von Scheffel: „Die weite stromdurchglänzte Au, ich wollt’ mir wüchsen Flügel!“ In den Senken besitzlose Obstbäume jeder Sorte. Nur selten abgeerntet, von – Opa. Die Jugend kauft den verpestizidesten Sch… im Supermarkt (siehe „Geldbeutel“, oben!). Jedenfalls muss ich hier keine Vitamintabletten mehr nehmen.

 

In Obbach, mitten im Ort eine alte fränkische Wirtschaft. Als ich eintrete, merke ich, dass ich bei Gyros gelandet bin. Es gibt auch „deutsches Essen“: Schnitzel mit Aufgussvarianten Zigeuner, Jäger und pur – mit Pommes und Salat. Der Türke gibt sich Mühe. Die Gäste loben ihn: Er passt sich gut an. Wenigsten haben wir wieder eine „Wettschafft“! Ich hatte mich so auf die fränkische Gasthofatmosphäre gefreut und die Speisen. In Schleerieth ist die Dorfschänke griechisch – man sei aber jetzt in Griechenland! Ich solle 10 km weiter gehen, nach Waigolshausen, da könne man noch „normal“ fränkisch essen. Es ist 18:30 h.

 

In Werneck brauche ich erst gar nicht anhalten, die hätten schon die deutschen €uro-Krankheit: Wenig tun und schnell reich werden. Ich halte dennoch in der „POST“, immer ein Signum solider deutscher Gastlichkeit. Eine Santiago-Muschel-Vitrine empfängt mich. Bücher über den Jakobsweg. Der Hausherr scheint, ihn wohl mal etwas gegangen zu sein. Hier lass uns drei Hütten bauen! Die Speisekarte weist auf die Kategorie „ABLG“ (allseits bekannter Landgasthof) hin und der Übernachtungspreis (mal sehn’, ob noch was frei ist!) liegt bei stolzen € 47,00. Ich bin schon wieder draußen und verkneife mir ein „Der heilige Jakobus sei mit Dir“ zu sagen. Ob der große Jakobspilger sich erinnert, dass die Übernachtungen auf dem „Camino de Santiago“ meistens gratis waren und in den Refugien von den Pilgern ein kleines Entgelt erhofft wurde. Selten, dass ein Preis von 2 – 3 €uro verlangt wurden – fast immer in den Städten, um dem Missbrauch vorzubeugen.

 

Also weiter in die Dunkelheit hinein. Gas geben! Die „fränkische Wirtschaft“ hat Ruhetag. Mittwoch: „Machen schon Dienstagnachmittag zu. Alte Leute.“ Da wäre aber noch das Sportheim. Ein Grieche führt es als Pächter. Hat sogar einen Stammtisch. Ich werde an diesen gebeten und muss erzählen. Ich esse griechisch und bekomme das Bier ausgegeben. Als ich nach meinen 2 m² Wiese frage, bieten mir Leute vom Nachbartisch ein Bett an. Es sei ihnen eine Ehre! Ich schlage sofort zu. Später erfahre ich, dass sie vor dem Angebot erst MAX den Hund testen ließen, ob er mich mag. MEXLE gab seine Einwilligung. So kam ich wieder einmal in den Genuss eines herrlichen Bettes bei GABY und JÖRG KAMPE. Allerdings ging es zurück nach Werneck. Rotwein, heiße Dusche, gut geschlafen. Deutschland, du bist noch nicht verloren!

 

 

 

321. Aufgelesen von GABY und JÖRG KAMPE. Absacker mit Rotwein. Mir fallen schon die Augen zu.

 

 

 

129. Tag

Mittwoch, 22. September 2004

Waigolshausen > vor Castell

44 km (3.705 km)

 

23.09.2004 14:40 h (SMS)

Im Gasthaus „ZUM SCHWAN“ bei FRANZ habe ich endlich eine Schweinshaxe mit Kraut bekommen! 6,00 €. Den ganzen Tag über wollte es regnen, starker Wind aus Westen, wie am Nordkap. Eisenheim, Volkach alles Weinorte, schön und zu teuer. Viele geschlossene Gasthäuser. Der Regen beginnt wieder mit der Dämmerung. Glück gehabt, Gruß Wolfgang. 

 

 

 

130. Tag

Donnerstag, 23. September 2004

vor Castell > Ulteraltenbernheim

42 km (3.747 km)

 

26.09.2004 14:35 h (eMail)

Ein regnerischer und stürmischer Tag. Da kann einem glatt die Lust vergehen. Keine Wirtschaft gefunden. Hatte Verpflegung noch im Sack. Vollkornbrot, Butter und Schokolade. Zeltaufbau ohne Regen.

 

 

 

131. Tag

Freitag, 24. September 2004

Ulteraltenbernheim > Weihenzell (kurz vor Ansbach)

16 km (3.763 km)

 

26.09.2004 14:35 h (eMail)

Früh aus der Kiste. Es war ja auch ungemütlich!!! bin aber nicht nass geworden. Möchte gerne Axel und KLAUS in München am Bahnhof empfangen (langsam stinkt mir die Logistikerei oder Generalstabsarbeit!) Ein Klempner nimmt mich mit dem Lieferwagen bis Ansbach und setzt mich am Bahnhof ab. Bayernticket – wunderbare Sache. 15 €, Single. Bin gegen 11:30 h in Pullach und um 12:30 h am Hauptbahnhof.

 

Die beiden Oktoberfesttouristen kommen mir erwartungsvoll entgegen. Fahrt nach Pullach zum „RABENWIRT“: Die herrliche Isartal-Terrasse. Trotz Windstärke 4 und einigen Regentropfen genießen wir den Blick und bestellen zweimal Weißwürste und ebenso viele Biere. Stolzer Preis: 40,00 €.

 

Dann wünschen die Herren ein Mittagsschläfchen zu nehmen und um 15:00 h geht es mit der S 7 Richtung Oktoberfest. Axel nimmt einen „Geschäftstermin“ auf der Landwirtschaftlichen Ausstellung wahr.  

 

   

 

322. KLAUS, MANGO und FRANZL LIEBETON                              323. Weinprobe – fruchtiger Südafrikaner

       vor dem BACCHUS-Messestand          

 

 

Im Anschluss kehren wir mit FRANZL LIEBETON, einem ehemaligen Pfadfinder- Kameraden, und zwei seiner Mitarbeiter in den Festzelten von KÄFER und WILDMOSER ein. Das Letztere nehmen wir durch Beziehungen (Dank an die beiden Bacchus-Mitarbeiter: HEINZ REHBERGER und ROLF RECHT) durch die Hintertür, bekommen einen herrlichen Platz neben der Musik, genießen sechs halbe knusprige Enten mit reichlich Maß-Bier.

 

 

   324. KLAUS tanzt Sirtaki beim WILDMOSER

 

 

 

325. FRANZL zu später Stunde nach langem Messetag. Radetzkimarsch für die Firma BACCHUS

 

 

 

326. Vorbeugung ist alles!

 

 

 

132. Tag

Samstag, 25. September 2004

München

0 Wander-km (3.763 km)

 

(Bericht der Redaktion)

Es fällt nicht einfach, freiwillig an einem Samstagmorgen um 7:30 h aufzustehen. Noch schlimmer die Vorstellung, um 10:00 h vor einer Maß zu sitzen, aber es kam noch bitterer. Nach kurzem Stehfrühstück bei MÜLLER in Pullach, S-Bahnfahrt – davon das erste Stück als Schwarzfahrer, da wir in der Eile nicht den richtigen Wochenendtarif dem unmenschlichen Automaten entlocken konnten – betreten wir Drei gegen 9:00 h die Ochsenbraterei auf dem Oktoberfest. Es fließt schon reichlich Bier und das Festzelt ist sehr gut besetzt.

 

Jetzt werden Wolfgangs Beziehungen deutlich, denn wir sind die Ersten, die von den beiden fleißigen Kellnerinnen NICOLE und CHRISTA, beide für insgesamt 8 Tische zuständig, die Erlaubnis zum Platznehmen bekommen. Schlechte Karten für am Tisch nach der zweiten Maß einschlafende Italiener sind an diesem Wochenende unerwünscht. Für Wolfgang wie eh und je: Seine Reihe 9, Abstand zur Musik 15 m.

 

 

     327. CHRISTA und NICOLE – immer lächelnd schuftende „Arbeitstiere“

 

 

Mir wird unwohl beim Gedanken an die erste Maß und KLAUS ist noch schlecht, ihm ist wohl die Ente am Vortag auf den Magen geschlagen. Wolfgang schneidet Rettich, üppig gesalzen und Käse. Eine Plastiktüte wird unter dem Tisch fixiert, um den Müll über Tag aufzunehmen, was sich zum Abend hin wirklich bewährte. „Unsere Tischdamen“ lassen nicht lange auf sich warten. Quatsch, einfach nett, unverbindlich hatte sich Wolfgang vergangenes Wochenende verabredet, zwischendurch einige SMS und nun werden uns SILLY, GABY

II und SINA mit Freund JÖRG von ihm vorgestellt. Klar, dass sie ihre Fotos schon im Internet bewundert hatten und sich über den interessanten Wanderer eingehend informierten.

  

Die restlichen drei Plätze am Tisch werden so lange es ging, inzwischen haben wir Weißwürste und die zweite Maß angetrunken, verteidigt. Wolfgangs Tochter CLAUDIA, FRANZL LIEBETON und GREGOR PETERS hatten sich schließlich angesagt. Dem netten Augenaufschlag von einigen Girls, ob denn noch zwei Plätze frei seien, konnte ich nicht widerstehen und antworte: „Bedauerlich, denn wir haben nur drei Plätze frei!“ Als wenn sie es wussten, nehmen zufällig STEFFI, MONIKA und ANDREA bei uns Platz und SUSI lässt auch nicht lange auf sich warten. Letztere wird noch so eben durchgeschleust, wir rutschen zusammen. Es dauert noch eine Stunde bis die Musik um 12:00 h anspielt und schon lässt der Sicherheitsdienst niemanden durch, so ergeht es auch CLAUDIA und FRANZL, die frustriert aufgeben. Im Laufe des Tages lernen wir viel über die Eigenarten in einem Oktoberfestzelt.

 

 

 

 

328. Serviette mit sogenannter Tischordnung – auf die Idee kommen nur Lehrer – auch pensionierte

 

 

Rasch stellt sich heraus, dass es nicht jedermanns Sache ist und KLAUS fühlt sich nicht wohl. Geht es ihm wirklich nicht gut oder denkt er nur an die Arbeit zu Hause. Eigentlich können sich 100.000 Leute, die etwa über einen Sitzplatz in den 20 Zelten verfügen nicht irren. Ein Lob der Logistik, den fleißigen Kellnerinnen, den ordentlichen Speisen etc. Ich komme wieder!

 

 

 

329. Unser Tisch ist immer sauber. Die Tischordnung ist zwischenzeitlich durcheinander geraten.

 

 

Die Stimmung im Zelt und am Tisch ist super. Morgen bekomme ich vor lauter Schreierei wohl keinen Pips mehr raus. Am frühen Nachmittag stehen wir immer häufiger auf den Bänken, singen und tanzen mit. Gott sei Dank werden wir nach jedem zweiten Lied aufgefordert: „Ein Prosit, ein Prosit…“, ich sage Euch, jedes Mal eine „Disziplinarstrafe“, wenn man jetzt mit der Maß wackelt oder gar schon anstößt, denn dies ist erst beim „Suffa“ erlaubt, sonst würde man glatt das Trinken vergessen. Einfache Rechnung: 6.000 Schluck Spatenbräu entsprechen ca. 6 Hekto-Liter Bier-Umsatz.

 

   331. Wer sitzen bleibt ist vornehm oder hat genug. Axel, STEFFI, JÖRG und SINA.

 

 

Irgendeiner bestellt immer zwischendurch etwas zu Beißen und ich würde mal behaupten, dass man uns die 7. Maß nicht anmerkt. Irgendwie haben sich DIETHER, ein ehemaliger Kollege von Wolfgang, mit Tochter DOROTHEA zu uns an den Tisch durchgeschlagen. Natürlich lässt unser Wahlbayer oder –ruhrgebietler oder -sauerländer es sich nicht entgehen, wie eh und je „Ordnung in die Musik zu bringen“ und dirigiert mit preußischem Zack das BRUNO-GRESS-ORCHESTER. „Preußens Gloria“ bietet die Kapelle ihm schon freiwillig an, man kennt ihn. Der zweite geplante Auftritt mit STEFFI auf seiner Schulter kommt bedauerlicherweise nicht zu Stande. Gegen 18:30 h legt die Kapelle eine längere Pause ein und die Livemusik erobert eine andere, jüngere Zielgruppe.

 

 

 

332. Dirigent mit beachtlichen Waden – im Hintergrund tobt unser Tisch.

       Preußens Gloria, mit Locke. Tadatammtammtammtamm…  

 

 

„Der Bär tobt!“ Und ich breche ein, nicht durch den Alkohol; KLAUS zuliebe schlage ich vor, nicht bis zum Ende im Zelt auszuharren. Rascher Abschied von den hübschen „Tischdamen“, vielleicht sieht man sich ebenso unverbindlich beim Skifahren wieder. Für Wolfgang eine unvorhergesehene Koordination. Schließlich sind NADINE (die Radlerin vom Nordkap) mit Freund JOSEF auf dem Weg zu den Wies’n.

 

Trotz alledem brechen wir auf in die City, um im „DONISL“ zur Brotzeit einzukehren. Alles in allem habe ich hier etwa eine halbe Stunde verschlafen. Irgendwie bekommt Wolfgang doch wieder Kontakt zu den Beiden, die es sich nehmen lassen, uns ins Restaurant zu folgen.

 

 

   334. JANIN und JOSEF um 22:30 h im „DONISL“

 

 

Genug Andrealin für mich, jetzt die Augen wieder aufzuhalten. Mit der S-Bahn geht es gegen 22:30 h nach Pullach. Wir fallen erschöpft auf unsere Matratzen. Laut KLAUS ist Wolfgang rehabilitiert, nicht dieser schnarcht, sondern ich! Und am Ende gewinnt er den für ihn stressigen Tag doch noch etwas positives ab: „Ich habe selten so viele attraktive weibliche Geschöpfe auf einen Haufen gesehen!“ Von mir ist dem nur zuzufügen, dass die Bayern auf Grund ihres Brauchtums zu beneiden sind, denn dafür sind auch die Jugendlichen zu haben, sei es durch die zahlreiche Trachtenkleidung oder ihrer Begeisterung auch an der Blasmusik.    

 

 

 

133. Tag

Sonntag, 26. September 2004

München

0 Wander-km (3.763 km)

 

26.09.2004 14:35 h (eMail)

Ich bringe KLAUS STUKOVNIK und Axel zum IC. Am Münchener Hauptbahnhof überarbeiten wir noch die Bildbeschriftungen gemeinsam auf dem Notebook.

 

 

335. Wahnsinn, Modifikation der Homepage bis auf die letzte Minute am Münchener Bahnhof 

 

 

Nach der Verabschiedung der Beiden besuche ich noch einen kroatischen Gottesdienst in St. Michael. Die Riesenkirche ist brechend voll und man singt kroatisch. Ein frommer Menschenschlag. Dann Fahrt nach Kirchheim, wo mich DIETHER und DOROTHEA (sie fahren zurück ins Sauerland) abholen werden. Ca . 150 Fuß-km liegen bis München noch vor mir.

  

 

   336. DIETHER und Tochter DOROTHEA fahren mich zurück gen Norden 

 

 

 

 

133./134. Tag

Sonntag/Montag, 26./27. September 2004

Jobstgreuth > Wernsbach

28 km (3.791 km)

 

(29.9.2004 Nachtrag per Post)

 

Reisebericht: „Zwei Pfarrer an einem Tag“

Die Fahrt mit DIETHER und DORO zurück zu meinem Startpunkt bei Weihenzell verläuft im Regen und ehe ich mir in der Dunkelheit etwas suche, fahre ich nach Jobstgreuth, wo ich auf dem Gelände der Kath. Pfadfinder schon einmal problemlos übernachtet hatte. Es ist sogar jemand da – PATER HÖNISCH persönlich. Da wir noch nichts gegessen haben und DIETHER und DORO morgen in die Schule müssen, kläre ich meine Übernachtung und fahre mit ihnen in ein tatsächlich fränkisches Gasthaus „HAAGHOF“, wo wir einen köstlichen Karpfen verspeisen – gebacken, krumm auf dem Teller liegend!

 

Ich schlafe schon wieder in einem Bett und um 8:00 h feiert PATER HÖNISCH die Heilige Messe im lateinischen Ritus. Wir beide allein in der Kapelle. Ein Schott hilft mir, die lateinischen Texte in Erinnerung zu rufen! 40 Jahre liegt meine Ministrantenzeit zurück. Was man nicht alles behält. Sogar das Confiteor.

 

Nach dem Frühstück versuche ich „Hausaufgaben“ zu machen: Hose nähen, Schlafsack flicken, endlich meine Fähnchen annähen, Berichte schreiben – eine Menge zu tun. Aber der Computer ist eine alte Kiste, liefert nur Hackwerk und PATER HÖNISCH muss weg. Leider fährt er nicht gen Süden wie ich hoffte, sondern gegen Osten nach Nürnberg.

 

Es wird bestimmt ein Bus Richtung Ansbach fahren. Denn die Strecke zweimal laufen, das wollte ich mir nicht antun. Es wurde aber so. Ein Bus morgens und einer abends, oder überhaupt keiner. Keine Chance in deutschen Landen. Wie schon in Niedersachsen: Die Dörfer wären ohne Autos verloren!! Diese werden immer teurer gemacht – ein Schlag ins Gesicht der Landbevölkerung. So macht man Ballungsraumpolitik – auf kaltem Wege! Im Ruhrgebiet und in München müsste man blöd sein, wenn man in der Stadt mit dem Auto herumführe. Doch hier?

 

 

 

337. August Graf von Platen – leider ohne Kopf. Geboren in Ansbach, gestorben in Syracusa/Sizilien (das liegt auf meinem Weg:

       „Wer wusste je das Leben recht zu fassen…“

 

 

Mit Wut und Trotz laufe ich – allerdings über andere Dörfer – die Strecke noch einmal und erreiche in der Dämmerung Wernsbach. Gasthof „ZUR LINDE“. Hoffentlich fränkisch? Ohja! Preiswert und gut. 0,5 l Bier 1,80 €. Großes Essen 7,00 €. Doch eine Wiese haben sie nicht, nur Parkplatz wird mir etwas schnodderig gesagt. „Am alten Pfarrhaus wär’ eine Wiese!“ erbarmt sich ein Gast. Na ja!

 

Zu später Stunde kommt JOHANNES WACHOWSKI, Pfarrer, evangelisch, trinkfest in die Gaststube. Die Leute mögen ihn. Ich auch. Ach, was! Zelt? Er habe eine große Couch und auch Internetanschluss. Da können wir gleich mal in die Homepage schauen. Es wird spät. Der Tresterschnaps des Wirts hat es in sich und wenn JANIN in München meckerte: „Wolfgang, durch Deutschland geht’s bei dir aber langsamer!“ Hatte sie recht? Der Grund ist die deutsche Gemütlichkeit. Ich muss nur schauen, dass ich vor dem Wintereinbruch über den Brenner komme!!

 

 

 

338. Im Gasthaus „ZUR LINDE“: 2. v. re. ev. Pfarrer WACHOWSKI

       Die Leute mögen ihn: UWE, ULLI 2, i, Herr Pfarrer und ULLI 1 

 

 

Wieder Frühstück mit einem Pfarrer und endlich habe ich Platz und Zeit um Berichte zu schreiben und Muße für eine Putz- und Flickstunde am Morgen.

 

 

Presseveröffentlichung 6. Oktober 2004

 

 

339. Presseveröffentlichung „FRÄNKISCHE LANDESZEITUNG“ 

 

 

 

135. Tag

Dienstag, 28. September 2004

Wernsbach > Dittenheim

47 km (3.838 km)

 

29.09.2004 22:55 (SMS)

Viel Gas gegeben. Der zweite Wies’naufenthalt hat schlechtes Gewissen hinterlassen. Ab in den Süden! Der Sonne hinterher! In Dittenheim ist endlich Ruhe und ein ordentlicher Gasthof „ZUM SCHWARZEN ADLER“. 0,5 l Bier kosten 1,70 €! Das Zelt steht diesmal unterm Pflaumenbau. Bayern siegt 4:0 gegen Ajax Amsterdam. Kein Handyempfang. Gruß Wolfgang.

  

 

     340. Wanderweg im Altmühltal : „Wohlauf die Luft geht frisch…“

 

 

 

136. Tag

Mittwoch, 29. September 2004

Dittenheim > Konstein

44 km (3.882 km)

 

29.09.2004 23:15 (SMS)

Herrlicher Wandertag im Altmühltal! Einmal rechts einmal links der Altmühl. In Altendorf ist Schluss mit der Schleifenlauferei! Ein KFZ-Mechaniker fährt mich 4 km aus dem Tal nach Haunsfeld. Und ich verlaufe mich hoffnungslos im finsteren Wald. Endlich Lichter – Konstein, da wollte ich hin! In dem Gasthof „ZUR LUFT“, den gab’s noch nie(!) gibt’s Käseplatte und ein Maß Paulaner-Oktoberfestbier zu 4,20 €. Zeltplatz eines Gastes gegenüber. Deutschland ist schön! Gute Nacht, Wolfgang.

 

 

   341. „Morgengesellschaft“ im Wirtshaus „ZUR LUFT“. 1:30 h!

 

 

     342. Museumslok am Eisenbahnknotenpunkt in Treuchtlingen

 

  

     343. 12 Apostel im Altmühltal

 

   344. Radweg im Altmühltal

 

 

 

137. Tag

Donnerstag, 30. September 2004

Konstein > Jetzendorf

44 km (3.926 km)

 

(2.10.2004 Nachtrag per Post)

CLAUDIA hat heute Geburtstag. Ich will unbedingt in den S-Bahnbereich Münchens kommen. Am besten Petershausen. Schon um 7:00 h  losmarschiert. Frühstück in Wellheim. Bei Neuburg durchs Moos, die Leute sollen dort komisch sein. Ich merke nichts. In Jetzendorf nehme ich 5 km den Bus. In Petershausen die Münchener S-Bahn. Um 21:00 h bin ich bei CLAUDIA. Das Abendessen neigt sich dem Ende zu. 12 Personen. Kraut, Knödel und Schweinebraten, passt. Bin müüüde!