Reisetagebuch August 2004

 

 

77. Tag

Sonntag, 1. August 2004

vor Arbol > vor Ed im Wald

26 km (2.378 km)

 

2.08.2004 9:45 (SMS)


30° sind hier seit Tagen keine Seltenheit. Ich lasse mir schon meine kurze Lederhose nach Göteborg schicken. Habe von 14-21:00 h an einem Badplats (so heißt es auf Schwedisch) zugebracht und bin dann bis 23:00 h gelaufen. Vier Elche gesehen. Bin jetzt zeitweise auf dem Handy nicht erreichbar, da ich mich auf kleinsten Wegen an Göteborg heranpirsche. Schweden ist hier ganz anders geworden und die Leute gehen auf einen zu. Die Läden sind länger auf und die Dosen am Straßenrand sind ausschließlich aus Dänemark. Die Autofahrer gehen auch mehr auf einen zu…   Gruß Wolfgang.

 

 

   200. Große Mode in Schweden

 

 

2.08.2004 11:20 (SMS)

Hi a! Komm nicht in die Juliseite und zahle mich duselig. Wolfgang.

 

(Anmerkung der Redaktion: Es dauert nun mal eine Zeit, bis man die Bilder nach Wolfgangs Faxvorgaben chronologisch eingepflegt hat!)

 

 

 

2.08.2004 11:20 h (eigener Gästebucheintrag)

Hallo Freunde!

Jetzt scheint doch Schweden computervoller zu werden. Der Campinplats hat 8 Plätze im Cafe. Teuer, klar. Herzlichen Dank an alle Schreiber und Grüßer! Hier besonders an BRUNO GÖDDE sein herrlich gedrechselter Pilgerstock wird bewundert und auch an Herrn REERMANN AUF DER HÖHE, der ihn durch seine Messinghülse auf die Höhe gebracht hat, sie hält ihn super zusammen. Ich rechne später mal die Stöße aus, die er ertragen musste. Gruß Wolfgang.

 

 

 

201. Stillgelegte Strecke – Draisenen für Touristen (Drainen = Straße) – teuer und an der Straße entlang

 

 

 

78. Tag

Montag, 2. August 2004

Vassändra > Ed > Röllanda > Gesäter > Kolsäter

34 km (2.412 km)

 

2.08.2004 23:00 (SMS)

Bei diesen Strecken muss ich wohl die Örtchen angeben! Die kleinen Straßen sind ruhig, es ist aber auch nichts los! Weder Läden, noch Handy, noch… Ich habe Glück: in Kolsäter fand auf einem Hügel 1305 der Friedensschluss zwischen den Herrschern der Region statt. Wie wir das vom Dreisesselberg her kennen: Gedenkstein, Hütte, Tischgruppe, Klo. KARL INGVAR KOLSTÄTTBY ist Initiator und guter Geist der Stätte. Er macht mir Feuer, bringt mir Wasser. Ich habe nur noch Suppe und Tee. Morgen ist um 9:00 h Fototermin. Wolfgang.

 

 

  202. Kolsätter – KARL INGVAR KOLSTÄTTBY

 

 

 

79. Tag

Dienstag, 3. August 2004

Kolsäter > Hedekas > hinter Münkedal

42 km (2.454 km)

 

3.08.2004 23:55 (SMS)

Auf dem ganzen Weg regnete es, morgen schießen die Pilze! Pizzeria hatte noch um 21:30 h auf. Sonst tote und nasse Hose! Morgen scheint die Sonne oder ich gehe ins Vandrahem. Gruß Wolfgang.

 

 

  

203. Trödelladen

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 9.8.2004) 

 

 

Abhängen

Man muss nicht lange in Schweden suchen: Wo Geschäfte, wo schöne Stellen sind, Parks – da steht auch eine Bank-Tisch-Einheit. Für mich als Wanderer ein oft erlösendes Inventar. Hier brauchte ich den Rucksack nicht auf dem Boden abstellen, hier konnte man sich auch schon einmal lang machen. Zuerst brach auf dem Weg nach Süden Kil mit dieser schönen Sache und Grums stellte nur noch Bänke auf.

 

 

   204. Zeltpack als Nackenrolle 

 

Ich begann nur noch dort zu kaufen, wo auch Bank-Tisch-Gruppen standen und meine Flucht aus Kil nach Karstad hatte auch mein Frühstück im Stehen ausgelöst. An diesen Tischen kann sich jeder ausbreiten. Häufig aß ich da zu Mittag oder frühstückte. Der Einkauf erfolgte im Geschäft (einschließlich) des Kaffees. Die Statoil-Tankstellen zeichneten sich durch netten Service aus: Bei Regen kann man sich drinnen gemütlich hinsetzen und essen. Bei Kaffee zahlt man oft nur die erste Tasse, wenn dieser nicht grundsätzlich gratis ist. Einige ICA-Läden hatten regelrechte Kaffee-Tee-Plätzchen-Sitzecken angeboten – gratis!

 

Der Schwede liebt es also, „abzuhängen“. Auffallend war, dass diese Plätze der Erholung im Süden abnahmen – mit Sicherheit hatte die Tankstelle eine Fast-Food-Bude. Natürlich fragte ich dann provokativ nach der Sitzgruppe und erhielt dann verschämt gestotterte Entschuldigungen.

 

 

Reiseberichte

Wer meinen Weg seit dem 26. Juli 2004 verfolgt stellt fest: Jetzt macht er einen Umweg. Richtig! Ich versuche die 172 zu erreichen, denn die 45 ist mörderisch! Das habe ich nun schon häufiger dargestellt. Bengtsfors muss ich erreichen, und dann auf dieser Nebenstrecke über Kiddevalla Richtung Göteborg marschieren. Ich mache noch einen Umweg, denn die 172 ist genauso voll wie die 45. Über Ed und Munkedal, dann über die Inseln Orust und Tjörn kann ich mich auf kleinen Wegen an Göteborg heranpirschen. Auch liegt Torslanda – wo ich von GÖRAN und PIA NORÉN erwartet werde, ca. 15 km westlich von Göteborg. Es sollte eine gute Entscheidung werden, ein Umweg der sich lohnte.

 

 

 

80. Tag

Mittwoch, 4. August 2004

hinter Münkedal > Högas > vor Henan

40 km (2.494 km)

 

5.08.2004 8:45 (SMS)

Bin heute 10 km umsonst gelaufen. Sackgasse war nicht angezeigt, dafür traf ich am Ende auf Hafsten-Camping, für 210 kr. Jetzt heben sie total ab! Eine Person, 2 m², Massendusche, Internet pro Minute 1 kr, mindestens 25 kr. Ich fragte, ob das hier der Camplatz vom Hilton wäre? Die denken: wer einmal in der Sackgasse ist… Also wieder 5 km zurück! Der Platz in Vindön will 100 kr, aber es ist schon zu spät. Ich gehe noch etwas und finde einen schönen Platz mit WC am Fjord für 0 kr. Doch mit den Pfifferlingen gibt es nichts mehr! Morgen früh. Brandenburger parken auch neben mir. Wolfgang.

 

  205. So begann HAFSTENs Camping

 

 

 

81. Tag

Donnerstag, 5. August 2004

vor Henan > Skapes

33 km (2.527 km)

 

6.08.2004 7:45 (SMS)

Durchwanderte heute die gesamte Insel Orust. Habe das Zelt an malerischer Stelle auf einem Felsen aufgeschlagen. Tagesbericht folgt. Gruß Wolfgang.

 

 

 

   206Insel Orust – Meerwasser 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 9.8.2004)

Durch eine Nachlässigkeit wäre ich beinahe außer Gefecht gesetzt worden. Meine Sandalen haben zusätzlich zu der Strecke nach Santiago schon 800 km gelaufen. Ich tausche sie nicht gegen neue, weil ich denke, dass sie es noch ein paare Meilen tun… Nun hatte sich bei dem schwedischen Reibeisenasphalt die Grundsohle etwas durchgescheuert, ein kleines Loch war entstanden. In dieses Loch schob sich ein Holzstückchen, das ich bei der Lauferei im Regen nicht sonderlich registrierte. Doch es hinterließ eine Druckstelle auf der Fußsohle! Als der Schmerz stärker wurde, forschte ich nach der Ursache und fand das Holzstück – doch es war zu spät. Erst als ich die Trekkingschuhe anzog, ließ der Schmerz etwas nach. Es brauchte drei Tage, ehe er ganz verschwunden war. Wie mir ein Fachmann versicherte, war das Weiterlaufen unter Schmerzen, mit störungsfreier Laufsohle genau das Richtige. Nach drei Tagen war alles überwunden.

 

 

   207. Fjord – Felslagerplatz

 

 

Am Abend betrete ich bei Skåpesund die Insel Tjörn. Ein Rastplatz lädt zum Verweilen ein. Grandiose Felsformationen sind in unmittelbarer Umgebung zu bestaunen. Doch einen Grill – wie sonst üblich – haben sie hier vergessen. Ich schlage mich in die Felsen und finde einen herrlichen Platz. Brate Steak und Pfifferlinge (mit Ei!) und errichte mein Zelt auf einem flachen Felsbrocken. Beim Essen hatte ich schon einen Schatten durch die Bäume gesehen, habe die Erscheinung aber abgetan: Was will ein Bösewicht hier? Doch siehe da! Plötzlich taucht 10 m vor mir ein Fuchs auf. Ein Jungtier mit schon langen Beinen. Er ist sehr neugierig und nicht einmal der Fotoblitz kann ihn in die Flucht jagen. Er bleibt noch ein wenig in der Nähe!

 

 

   208. Felslagerplatz mit Fuchsbegegnung

 

Das Errichten des Zeltes soll ein Spaß sein. Doch wo die Heringe einschlagen? Felsspalten, Bäume und Felsbrocken ermöglichen die Aufstellung. Der Felsen war so aufgeheizt, dass ich die ganze Nacht am Rücken gewärmt wurde.

 

   209.

 

 

 

82. Tag

Freitag, 6. August 2004

Skapes > Rönnäng

22 km (2.549 km)

 

6.08.2004 16:25 (SMS)

Schweden ist geschafft! Um 15:10 h in Rönnäng auf der Insel Tjörn angekommen. Muss nur noch mit der Fähre nach Göteborg übersetzen. Habe 1 ½ l Radler in der Pizzeria bei ALAN und NAZI (das ist ein kurdischer Mädchenname!) JOSEF getrunken. Sehr gemütlich. Radler in Ermangelung eines Maßkruges in einer Kanne gemixt. Das war’s! Abhängen. Jetzt gehe ich im Meer baden. Gruß Wolfgang.

 

 

   210. Pizzeria vor der Fähre

 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 9.8.2004)

Morgentoilette und Frühstück auf dem Rastplatz und am Spätnachmittag erreiche ich Rönnäng, wo es eine Fähre nach Tjuvkil geben soll. Ich trinke erst mal ein selbst gemixtes Radler (das kennt man hier nicht!) in der nun schon dritten kurdisch geführten Pizzeria (Munkedal, Kallekärt, Rönnäng). Doch die Fähre ruft. Diese geht nur bis zum Inselchen St. Dyrön und von dort nach Tjuvkil. In Dyrön steige ich aus, esse erst einmal und frage dann nach der Fähre. Heute nicht mehr. Morgen vom Südhafen aus, d. h. eine Nacht auf St. Dyrön verbringen.

 

 

      211. Auf der Fähre nach Dyrön

 

 

Der Hafen ist voller Yachten. Baden und Grillen. Mein Wanderaufzug erregt Aufsehen und CHRISTER TORNINGER und MARIE VIKTORSSON helfen mir mit dem Grill aus und wir sitzen bis 23:00 h am Tisch und sprechen über Gott und die Welt. Ich verziehe mich mit meinem Zelt auf die nahe Bergspitze und gebe noch ein Nachtkonzert. Es muss gut gewesen sein, denn am nächsten Morgen erhalte ich viel Lob von den Skippern.

 

 

     212. Auf der Insel Dyrön

 

 

 

Nachtrag (Fotos per eMail 23.08.2004)

 

Hi Axel,

we met with Andreas Kreutz in Sweden this summer. We where out sailing and arrived to an island called Dyrön (north of Gothenburg).

In the evening when we where sitting with the barbeque we met an interesting person who told us he where walking from Nordkap to Sicily. We had a nice evening in his company and took a couple of pictures that he also asked us to send to this address. So here it comes.

 

  213. Im Yachthafen von Dyrön mit MARIE und CHRISTER 

 

Pictures with us and Wolfgang on the island Dyrön where he got stuck for a day after having arrived with a ferry. The last ferry that he where supposed to take to go on from Dyrön to Torslanda (outside Gothenburg) had already left for that day. He had to spend the night at Dyrön.

 

We hope everything is fine with Wolfgang and that he had a good walk down through Denmark.

Best regards

MARIE VIKTORSSON and CRISTER TORINGER.

 

 

 

83. Tag

Samstag, 7. August 2004

Inselchen St. Dyrön Personenfähre > Tjuvkil

zu Fuß weiter nach Kärna-Säve

25 km (2.574 km)

 

8.08.2004 00:15 (SMS)

GÖRAN NORÉN holte mich die letzten 10 km mit dem Auto zu sich nach Torslanda. Liege jetzt im richtigen Bett! Es war ein brüllend heißer Tag, über 30°. Meine kurze Hose ist noch nicht da. Morgen ist Ausschlafen angesagt. Wolfgang.

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 9.8.2004) 

Die Schlange im ICA-Laden ist lang. Bin ich mit den Langschläfern hier? Um 12:13 h geht meine Personenfähre nach Tjuvkil, ich erreiche sie nicht mehr, doch der Fährmann kommt auf mein Rufen hin zurück. Trinkgeld ist fällig. Es sind ca. 35° C im Schatten und ich bade nach der Landung erst einmal. Gegen 14:30 h marschiere ich los gen Torslanda los und um 19:00 h bin ich noch ca. 10 km davon entfernt.

 

GÖRAN ruft mich an  und holt mich mit dem Wagen ab. Duschen, trinken und schlafen in einem Bett. Danke GÖRAN und PIA!!

 

 

  

84. Tag  (Reisebericht per Fax)

Sonntag, 8. August 2004

Torslanda

7 km (2.581 km)

 

Ich habe ausgemacht: Wenn sie an meine Türe klopfen werde ich zum Frühstück erwartet. Das passiert um 9:00 h. Ein herrlich gedeckter Tisch steht bereit und – Marmelade, die ich ja lange entbehren musste. Meine Lederhose ist im Schritt wieder offen und ich beschließe zu kleben und zu nähen. Das dauert 1 ½ Stunden!

 

Nun geht es an den Computer und zur Stadtrundfahrt. GÖRAN macht es geschickt: Zuerst auf einen Berg, um die Übersicht zu bekommen und dann geht es in die Stadt hinein. Die Klimaanlage ist an! Außentemperatur 32° C! Göteborg ist eine schön gepflegte, übersichtliche Stadt. Als wir über die Brücke fuhren, muss ich wohl eingeschlafen sein.

 

 

   214. Mit PIA und GÖRAN über Göteborg

 

 

Zurück in Torslanda stürzen sich meine Gastgeber sofort auf Grillvorbereitungen, während ich Berichte für Axel schreibe. Am Abend kommt SABINE VON BORGENSTEDE (ihre Eltern sind aus Berlin!) und fragt mich aus; kräftig unterstützt von GÖRAN und PIA. Auf diesen Artikel bin ich gespannt. Welch ein angenehmer Abend ist zu Ende gegangen. Man schickt mir immer nur die hübschesten Reporterinnen. Morgen soll es mit dem Boot auf eine Insel gehen und ich koche abends bayrisch. Schweden ist in der Endphase ganz anders geworden.

 

 

   215. Bootsfahrt mit WILLI und GÖRAN

 

 

 

85. Tag (Reisebericht per Fax)

Montag, 9. August 2004

Torslanda

8 km (2.589 km)

 

Das Paket mit der kurzen Lederhose ist da! Im Supermarkt abzuholen. Viele Supermärkte haben in Schweden eine Poststelle integriert. Verkäufer übernehmen die Postdienste: Personalausweis vorzeigen, die Dame tippt ihren Code in den Türöffner des Lagerraums – und meine Hose ist da! JANINE ruft an. Sie ist mit JOSEF in der Nähe von Göteborg und sie können mit ihrem Wohnmobil bei GÖRAN stehen und erhalten Strom und Dusche.

 

Mit PIA kaufe ich für das Abendessen ein: Als Dank koche ich heute, sie soll mir nur die Personenzahl sagen. Wir kommen auf 12. Also: Fleischsuppe, Schweinebraten (leider ohne Kruste! Fett säbeln die Schweden fast vollständig weg und meinen, sie werden davon schlanker…), Sauerkraut, Rotkohl, selbst gemachte Kartoffelknödel (2/3 roh, 1/3 gekocht),

 

Das ganze kostet laut beigefügter Billhälls-Kassenbeleg 494,98 kr. Das war das Abendessen für 12-15 Personen ohne Getränke, ca. 3 kg Fleisch. Auf Dyrön bezahlte ich in einem Restaurant ohne Tischdecke: 2 Bier (0,5 l) 94,00 kr, ca 200 g Fisch mit 3 Kartoffeln und etwas Dill 99,00 kr, zuzüglich Trinkgeld 7,00 kr, total 200,00 kr. So war das doch heute recht preiswert.

 

Zum Nachtisch mein spezieller Streuselkuchen mit Erdbeer-Himbeer-Auflage. In 2 ½ Stunden ist alles fertig. Die Gäste kommen um 19:15 h, JANIN und JOSEF kommen früher und helfen. Die Küche wird richtig bekocht – GÖRAN macht hinterher alles sauber. PIA hatte die Kartoffeln geschält, Zwiebeln und Äpfel geschnitten. Wir speisen im Garten und nach zögerlichem Beginn holen alle Nachschlag. Der Koch sonnt sich in den – hoffentlich – ehrlichen Komplimenten. Der Ausklang erfolgt bei Rotwein und einem Sammelsurium an Anti-Mücken-Mitteln, denn jetzt um 23:00 h kommen sie richtig – und ich hatte gedacht in Mora wäre alles vorbei…!

 

 

 

216. Schweinebraten, Knödel, Sauerkraut, Rotkohl, Suppe

 

 

   

 

217. Essen bei GÖRAN                                218. im Garten

 

 

    219. Am Ende waren wir zu 14 

 

 

Skandinavien – das war die Hälfte!

Das urige, stille, wilde, Natur belassene, einsame, leere, freundliche, hilfsbereite, endlos lange, ewig helle, freie Nordeuropa ist geschafft. Bei GÖRAN und PIA in Torslanda, bei Göteborg, ging es zivilisiert zu Ende. Gleich bringt mich GÖRAN zur Stena-Fähre und LARS PETTERSSON wird mir das Freifahrt-Ticket nach Frederikshavn überreichen.

 

 

   220. Gratisticket. Danke LARS und der StenaLine! 

 

Schweden – ade! Etwas Wehmut beschleicht einen schon, denn der Weg und die Erlebnisse waren schön. Eine glückliche Landschaft Europas! Hier lässt man einen in Frieden – wenn man will und umarmt einen herzlich und gastfreundlich – wenn man will… Nicht so wie bei uns, wo man alles, was Spaß macht, mit oft teuren Auflagen verbindet – oder gleich verbietet. Allemannsrecht gegen Allemannsverbot. Natürlich hängt das alles an der geringen Einwohnerzahl von 9 Millionen in einem riesigen Land, aber muss denn bei uns alles so reglementiert werden – oft nur deshalb, damit wieder jemand einem das Geld aus der Tasche ziehen kann… Das haben schon viele Deutsche erkannt, die ich hier traf und die hier gerne – vällkommen! – leben.  Ich kehr gerne nach Schweden zurück.

 

 

 

86. Tag (Reisebericht per Fax)

Dienstag, 10. August 2004

Torslanda > mit der Fähre nach Frederikshavn (Dänemark)

0 km (2.589 km)

 

 

JANIN und JOSEF fahren ab und nehmen meine Lederhose, Schlafsack und sonstigen überflüssigen Klimbim mit. Sie wollen am Wochenende in München sein. Ich fahre heute um 16:00 h mit der Fähre ab. GÖRAN bringt mich hin. Es ist schon großartig, mit welcher Selbstverständlichkeit die beiden mich betreuen. Die Nachbarn kommen und bedanken sich noch einmal fürs gestrige Mahl – der Rest des Tages kommt per SMS. Ab jetzt wieder unter der deutschen Nummer: 01 60 / 6 42 34 65. Gruß Wolfgang.

 

 

 

86. Tag

Dienstag, 10. August 2004

Frederikshavn > Sæby

10 km (2.599 km)

 

11.08.2004 06:15 (SMS)

Fortsetzung des Fax: Schöne Fahrt mit der Stena-Fähre JUTLANDICA über Skagerak und Kattegatt. Hier gab es also anno dazumal die großen Seeschlachten! Laufe noch 10 km Richtung SÆBY. Abendessen in der Tankstelle.22:30 h gute Nacht. Die schwedische Handykarte funktioniert auch in Dänemark, ich nehme an mit Roaming! Werde mich am Meer entlang halten. Wolfgang.

 

 

 

   221. Einfach schön! 

 

    

   222. Schon wieder ein Schattenbild .

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Beginnen wir damit, dass mich GÖRAN an die Fähre bringt, ich hoffe, ich habe ihn nicht zu lange von seiner Arbeit abgehalten. Er bringt mich bis zum Eintritt auf die Fähre und klärt die verdutzten Kontrolleure über mich auf. Gast der Stena-Linie, Nordkap usw. Etwas Wehmut beschleicht einen schon, wenn man Schweden und GÖRAN verlässt. Ich sehe mich gar nicht mehr um. Die Fähre JUTLANDICA ist ein Riesenpott. Ich wählte extra diese langsame Verbindung. Mit Hoovercraft hätte ich das Meer ja gar nicht registriert.

 

 

 

 

So geht es über die kleine Meeresfläche, wo einmal große Seeschlachten stattfanden. Wie vogelfrei muss man sich auf solch einem Schlachtschiff gefühlt haben. Frederikshavn empfängt mich – still und mit einem Schild: Messina 2.800 km! Ich laufe noch 10 km am Meer entlang, bevor ich mich in der Dunkelheit entschließe einen Lagerplatz 30 m neben der Straße zu besetzen. Am nächsten Morgen wurde mir der Wert meines Zeltes wieder bewusst: Ich hatte es doch fast auf einem Ameisenhaufen gesetzt. Das ganze Zelt wimmelt von Ameisen – aber keine kam ins Zelt hinein!

 

 

 

11.08.2004 17:00 (SMS)

Homepage-Statistik

Juli: am Tag durchschnittlich 24 Besucher, insgesamt wurde der Reisebericht 759 mal angeklickt;

August: täglich 21 Kontakte und bisher schon 241 Besucher.

Insgesamt haben 1.473 Leute meine Homepage seit Mai 2004 gesehen…

 

 


87. Tag

Mittwoch, 11. August 2004

Sæby > vor Asaa

31 km (2.630 km)

 

11.08.2004 21:40 (SMS)

In Sæby, so wird es geschrieben, bekam ich in SCOTT TORKELSENS Klinik eine längst fällige Massage. Er ist ein Münchener. Dann lief ich den ganzen Tag am Strand entlang. Gegen 21:00 h fand ich einen herrlichen Lagerplatz, inmitten duftender Kräuter auf einer Felsnase im Meer. Morgen Regen? Gruß Wolfgang.

 

 

   223. Bei SCOTT in der Praxis, er verschiebt Knochen…

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Der Tag ist heiß und ich nehme nur die beste Wanderzeit: SCOTT – ein Münchener – hat eine Klink für „Kiropraktic“. Diese Leute können auch massieren. Nach 1.000 km wäre das wieder dringend nötig. SCOTT TORKELSEN ist ein Gleitschirmflieger, oft in Bassano und als er die Stuttgarter Gang mit P und Co. erwähnt, Bilder zeigt, ist die Welt wieder einmal klein geworden. Ich war schon dort beim Pro-Secco und meine Tochter CLAUDIA schwärmt immer noch von der Bassano-Atmosphäre. SCOTT knetet mich ordentlich durch. Ja, ich könne am Meer entlanglaufen, da dürfen keine Zäune sein.

 

   224. Ein Tag als Strandläufer

 

 

Rund 20 km halte ich das aus, immer nahe am Wasser, wo der Sand fest ist, dann fliehe ich wieder ins Landesinnere. Uns Deutsche zieht das Meer immer an. Falsch! Beschwerlich und jede Bucht wird genommen. Doch zum Übernachten gehe ich wieder 800 m bis zum Strand, der hier ganz anders ist. Hier hätte ich gar nicht herlaufen können. Das Wasser geht bis nahe an die Böschung (nachts dann bis vor mein Zelt!) Ich finde den schönsten Lagerplatz der bisherigen Reise: Einen Meter vom Wasser entfernt, inmitten duftender Kräuter (die Fachleute mögen mich anhand der Fotoanalyse aufklären!) und mit dem Blick aufs Meer: Osten, Sonnenaufgang.

 

 

   225. Blick aus meinem Zelt von gaaanz hinten

 

 

   226. Sonnenaufgang

 

 

   227. Mein schönster Zeltplatz

 

 

   228. Wer kennt die Kräuter die so dufteten?

 

 

11.08.2004 22:40 (SMS)

Was ist denn in Unterschleißheim los?!

 

(Anmerkung der Redaktion: Ich hatte zuvor eine SMS mit Grüßen einiger Altpfadfinderkollegen aus Bayern an ihn aufgegeben, u. a.: HDS, HEINZ-DIETER SÜLTENFUSS, äußerste seine Enttäuschung, dass Du nicht durch das Skagerag geschwommen bist. Soeben ist Dein Schnarchen ein Thema, jeder, auch die Damen, berichten über ihre persönlichen Erfahrungen damit.)

 

HDS heißt hier eine Tankstellenkette! Schön, dass Du die letzten Texte bekommen hast. Apropos Schwimmen: frei nach Morgenstern:

Die Nacht war kalt und Sternenklar,

da schwamm im Meer bei Norderney ein Suaheli-Schnurrbarthaar.

Die nächste Schiffsuhr wies auf drei.

Mir scheint da mancherlei nicht klar:

Man fragt doch – wenn man Logik hat:

Was sucht ein Suahelihaar des Nachts um 3 am Kattegat?

Einen schönen Abend noch – so ihr den wünscht. Gruß Wolfgang.

  

 

 

12.08.2004 19:00 h (Online)

Unterschleißheim bei München

 

  229. 

 

Grußbotschaft aus der ausgebuchten Pension MONI an unseren Wanderer und Altpfadfinderfreund Wolfgang.

Das Gruppenfoto entstand kurz vor dem großen Unwetter.

Von links nach rechts, oben:

AXEL, HELGA, HDS, EVI, CHRISTEL, MONI, BERND, GABY, ELMAR;

unten: ANSELM, ANDREA, Oma GIEMULLA, JOHN-PETER

 

 

 

230. Büchereibus mit Internetanschluss. Ich durfte dran.

 

 

 


88. Tag

Donnerstag, 12. August 2004

vor Asaa > vor Hou, hängen geblieben im Vandererhejm

21 km (2.651 km)

 

13.08.2004 06:50 (SMS)

Herrlicher Sandstrand, die erste Kneipe seit dem Nordkap, der Wirt: Die Schweden sind viel moralischer als die Dänen… ! Die Gitarre spielt Freibier bis zum Abwinken ein. Dänen, Schweizer (ARTHUR konnte jodeln!) und Norweger hielten bis 2:00 h durch. Nehme ein Vollbad, da die Dusche sich nicht einschalten ließ. Wolfgang.

 

 

 

    231. Der 2. von links jodelte – ARTHUR

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Über den heißen Tag lass’ ich mich nicht aus. Als ich ein Bier im Vandrerhejm, (so heißt das jetzt auf dänisch) von Hou trinke, weiß ich, dass ich heute schon nach 21 km Schluss mache: Eine richtige gemütliche Kneipe. Das Carlsberg schmeckt und der Preis hält sich in Grenzen – obwohl es das einzige Bier sein wird, das ich bis 2:00 h bezahlen muss. 175 dkr. das Zimmer – aber man gönnt sich ja sonst…

 

Zuerst zum Strand, schwimmen, dann Einkaufen (Steak, Kartoffeln, Zwiebeln). Nach dem Essen ein Bier – es wurden 20, wenn man in 0,2 l rechnet, denn mir wurde als „Bayer“ immer ein Maßkrug gefüllt – ständig! Als ich die Kneipe des Vandrerhejm betrete, empfangen mich ARTHUR und MARIA aus der Schweiz. Der Wirt muss einen Maßkrug aufstöbern und ARTHUR gibt einen aus. Wie danke ich: Ich hole aus meinem Zimmer die Mundharmonika, an der Wand hängt eine große Gitarre und ich spiele dem ARTHUR den alten Gassenhauer: „Mein Vatter is a Appenzeller… er frisst den Kaas mitsamt dem Teller“. Die Jodeleinlagen bringt ARTHUR perfekt, sodass die Biere aus der ganzen Wirtschaft auf uns einstürmen. Nun haben ARTHUR und ich Freibier. Aus Erfahrung hatte ich am Nachmittag dem Wirt die Gretchenfrage gestellt, wie lange er „auf“ habe. Antwort: so 8:00 bis 8:30 h, wie Gäste da sind.

 

Um 2:00 h packe ich die Gitarre ein und leere das Maß. Mit HEINER – einem ehemaligen Schulleiter und Stabsfeldwebel – verlasse ich das Lokal. Er wird mich morgen um 11:30 h abholen und nach Aalborg zum „Ochsenweg“ bringen, er führt mich dann bis Flensburg auf kleinsten Wegen, denn diese suche ich in dem verkehrsdichteren Dänemark.

 

 

 

89. Tag

Freitag, 13. August 2004

Hou > Jamborettplats südlich von Skørping

32 km (2.683 km)

 

14.08.2004 16:00 (SMS)

Da geht man schon in der Dunkelheit durch den Wald, um laut Karte einen „primitiven Zeltplatz“ zu finden und stößt auf den dänischen Jamboreeplatz auf dem Sir Robert Baden Powell häufiger geweilt haben soll, wie mir am Morgen ein Däne sagte. Keine Tafel, nur ein Wegweiser. Bericht folgt. Laufe auf dem herrlichen Hærvejheerweg bis Schleswig. Gruß Wolfgang.

 

 

    232. Einfach stark – die Pfosten  

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 31.8.2004) 

Am nächsten Morgen lese ich, dass es der Jamboree-Platz (Weltpfadfindertreffen) Dänemarks ist. Ich mache Feuer an der großen Lagerstelle und koche meinen Kaffee. Viele Wespennester müssen in der Gegend sein. Bleibt noch zu berichten; als ich gestern Abend 100 m vom Wohnmobil entfernt war, wurde der Motor gestartet und man entfernte sich. Treu dem alten Seemannsspruch meines Bruders WERNER: Gott schütze uns vor bösem Wind – und Deutschen, die im Ausland sind. Den „primitiven Zeltplatz“ passiere ich am Morgen nach 500 m.

 

 

 

   233. Guten Morgen, liebe Sorgen! 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Zuerst fährt mich HEINER SÖRENSEN in die Kaserne seiner ehemaligen Einheit, stakst in die Serganten-Messe. Ein Bier. Die Atmosphäre ist wie in unseren Messen: etwas laut, derb, fröhlich und kameradschaftlich: ich fühle mich in meine Bundeswehr-Zeit versetzt. Hauptmann und Major sind auch anwesend: „ Hier ist das Bier billiger…“ sagt HEINER. Dann bringt er mich an den Heer- oder Ochsenweg No. 3.

 

Kurzer Imbiss und dann bin ich wieder allein mit meinen Beinen. Ich laufe bis in die Dunkelheit hinein. In einem Waldstück nach Skørping soll es einen „primitiven Lagerplats“ geben. Als ich auf eine große Lichtung komme ragen da – 6 m getrennt – zwei 15 – 20 m hohe Pfosten in den Mondhimmel hinein. Zwischen beiden schlage ich das Zelt auf, trinke noch meinen Liter Milch und schlafe selig. Es war Freitag, der 13.

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 31.8.2004)

Die Küstenlatscherei bin ich nun leid und da ich das Konto eines Freundes auflösen soll, muss ich in eine größere dänische Stadt. HEIN SÖRENSEN fährt nach Aalborg, dort ist die Bank und Aalborg ist nur westlich versetzt zu Hou. Also keine Angst, Wolfgang mogelt nicht. Durch Aalborg geht der berühmte „Heerweg“ oder „Ochsenweg“, Route 3, die will ich laufen!

 

Doch zuerst geht es in eine Nato-Kaserne und dort in die Serganten-Messe. Ich erinnere mich an meine Bundeswehr-Zeit. Soldaten-Messen sind offensichtlich gleich: rau, herzlich, direkt, kameradschaftlich! Offiziere (bis zum Major) sind auch anzutreffen: Hier ist das Bier billiger. Ein Wolkenbruch geht nieder und HEINER rast hinaus. Schiebedach schließen. Alles lacht sich kaputt.

 

Nach einiger Faxerei erhalte ich das Geld meines Freundes und HEINER bringt mich an den Beginn des „Hærvej“. Ein angenehmes Laufen ist das auf den kleinen Wegen. In Volsted kürze ich sogar den Heerweg ab. Werde von einem Wolkenbruch überrascht, der sich gewaschen hat… Bald schein die Sonne und alles trocknet schnell. In Skørping ist noch eine Pizzeria auf und in der Dämmerung mache ich mich auf den Weg zu einem „primitiven Zeltplats“, wie es in der Karte heißt.

 

Mein Handy beleuchtet mir meine Karte und ich gehe einige Kilometer durch Wald und Dunkelheit. Schön ist das! Plötzlich öffnet sich der Wald und auf einer Riesenlichtung stehen zwei 20 m hohe Holzpfosten. Das kann doch nicht der Zeltplatz sein! 300 m weiter steht ein deutsches Wohnmobil. Ich klopfe. Aus dem Inneren höre ich ängstliche Stimmen. „Ich tue Euch nichts, ich bin ein Deutscher und schlage hier in der Nähe mein Zelt auf. Also, keine Angst!!“ Ich gehe zurück zu den Pfosten und spanne mein Zelt dazwischen auf.

 

 

 

 

90. Tag

Samstag, 14. August 2004

Skørping > Hobro

29 km (2.712 km)

 

15.08.2004 09:15 h(SMS)

Am Morgen habe ich Fotos von meiner „Hundehütte“ zwischen den riesigen Jamboreepfosten gemacht. Heißer Marschtag. In Hobro bittet mich eine junger Mann in den Garten. Alles Männer. Laute Musik. Alkohol. Dreck. Silberschmuck. Tätowierungen. Polizei kommt. Musik zu laut. Geordneter Rückzug. Campingplatz: 55 dkr, Duschmarke gratis. Ich gefalle auch hier…

 

 

    234. „Wolfgang, das war kein Alkohol…!“

 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004) 

  

Am Morgen lese ich auf einem Wegweiser, dass ich auf dem Jamborree-Platz übernachtet habe. Sonst ist hier kein Hinweis. Nur Lord-Robert-Baden-Powell-of-Gilwell – der Gründer der weltweiten Pfadfinderbewegung – soll hier häufig Gast gewesen sein, sagt ein Morgenwanderer (was nachzuschauen wäre!?).

 

Ein herrlicher Weg der Bahnstrecke entlang, erst sonnig, dann Regen: Als ich in Hobro einlaufe, bin ich wieder trocken. Campingplatz! Doch ein etwa 19-20 jähriger holt mich ein, Fahne, freier Oberkörper, Tatoos: Ich müsse unbedingt bei ihm einkehren. So einem Kerlchen schlägt man nichts ab. Ich gehe 300 m zurück (ganz selten auf meinem bisherigen Weg!!). Sie wären ein paar Freunde und ich bekomme was zu trinken. Durst hatte ich! Die Tür wird aufs Klopfen hin nicht geöffnet, so gehen wir in den Garten.

 

Dort sitzen zwei angeduselte Männer 22-25 Jahre: „Stört Dich mein Glas?“ „Nein!“ (Ich habe bis heute noch kein Herpes!) Die Art Rumtopf aus der mir eine Art Arrak eingegossen wird ist voller Früchte. Die Atmosphäre ist nett aber indifferent. In solchen Fällen stochere ich immer mit meinem Hirschfänger in den Zähnen herum und versuche, mir aus der Flasche eine Birne zu angeln. Sehr laute Metal-Musik dröhnt vom Haus über Garten und schlafendes Hobro.

 

Hier kannst du dein Zelt nicht aufschlagen. Langsam an geordneten Rückzug denken! Die Polizei erscheint (habe ich einmal in Schweden und einmal in Dänemark gesehen). Verhandlungen, zu laut. Sie wissen genau was hier abläuft! Ich werde mit einem Seitenblick gestreift. Nach 20 Minuten verabschiede ich mich, nicht ohne vorher noch einen gefritteten (Anmerkung: ein Wort aus der Stahlsprache, d. h. etwas glühendes zugeben) O-Saft umgekippt zu haben. Der Junge von Anfangs begleitet mich. „Wolfgang“ meinen Namen hat er sich gemerkt! „das war gerade kein Alkohol, das war Opium“! Ich klopfe ihm auf die Schulter. Er solle sich um mich keine Sorgen machen! Ich wäre ein Irrer, der vom Nordkap hierher gelaufen sei… Ich bin ihm sympathisch… Der Campingplatz von Hobro kostet 55 dkr. und ist super. Kochen und Schlafen.

 

 


91. Tag

Sonntag, 15. August 2004

Hobro > Rødding

32 km (2.744 km)

 

15.08.2004 23:10 (SMS)

JENS MELDARD in Vammen war der erste Landwirt auf meiner Tour, den ich um Wasser bat und war überrascht, dass ich gleich ein Bier und eine Pepsi dazu bekam. In Rødding bei HENNIN GRILS VESTER mein Zelt im Garten auf. Ich durfte mich duschen und seine Frau kochte mein Essen. Dazu gab es Bier, Kaffee und Plätzchen. Darf ich jetzt schon sagen, dass die dänischen Bauern ausgesprochen nett und gastfreundlich sind!? Sagenhaft! Hier ist die Kornfruchternte in vollem Gange. Mein Radweg ist zwar ruhig, macht aber Umwege und meidet Versorger. Gute Nacht! Wolfgang.

 

  

     235. VESTERS herrlicher Hof 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Ich esse in der ehemaligen Wikingerburg Fyrkat. Heute soll mein Begegnungstag mit der dänischen Landwirtschaft werden! Es ist heiß! Gegen 18:00 h gehe ich zu JENS MELDGARD auf den Hof und bitte um Wasser. Na klar! Er läuft ins Haus und bringt mir ein Bier und eine Pepsi, eisgekühlt.

 

Nach einigen Kilometern stehe ich vor einem herrlichen Hof. Ziegelstein, Blumenschmuck, Einfahrtsweg. Ich mache ein Foto. HENNING R. VESTER vom Korsbakgaard kommt. Wir kommen ins Gespräch. Wo ich denn heute schlafe? Ja, gute Frage. Wenn er Platz im Garten habe. Natürlich! Während ich die Dusche benutze, kocht die Frau nur meinen Kartoffelpüree mit Wursteinlage. Bier und Kaffee, Tomaten und Gurken – alles inbegriffen. Mit Sohn MARTIN sehen wir in die Homepage, was Axel da in München gebastelt hat. Danke!

 

 


92. Tag

Montag, 16. August 2004

Viborg > Hjøllund, 49 km + 7 km nach und in Viborg

56 km (2.800 km)

 

16.08.2004 23:10 (SMS)

Da fällt doch einem Altpfadfinden ein, dass er noch ein Konto in Viborg mit halb verschimmelten Kronen habe. Das sollte ich auflösen! Fax hin, Fax her. Ich hab das Geld. Bis 16:00 h im Regen gelaufen, deshalb die hohe km-Leistung! Bin nur mit Handwerkern auf dem Platz. Es sind keine Touristen hier. Habe die Sachen getrocknet und schlafe im Aufenthaltsraum. Man soll nichts übertreiben! Es sind noch ca. 140 km bis zur Grenze. In Deutschland gibt es erst einmal zwei Tage Pause!!! Wolfgang, dauernd einnickend…

 

 

     236. Regen und Wind von achtern

 

 

 

 

93. Tag

Dienstag, 17. August 2004

Hjøllund > 4 km vor Vejle

41 km (2.841 km)

 

18.08.2004 14:50 (SMS)
Habe den Heerweg verlassen. Dazu später ein Bericht! Das Wetter ist durchwachsen. Schnurgerader Fahrradweg bringt Kilometer. Ich will jetzt endlich nach Deutschland! Gruß Wolfgang.

 

 

Hærvej – Heerweg – Ochsenweg

 

Der uralte Weg nach Norden verläuft nicht über die Vogelfluglinie, sondern über Frederikshavn – Göteborg. Erst die Technik machte mit ihren Brücken den Weg frei. Heerweg oder Ochsenweg wurde er genannt; so heißt nun auch der Rad- und Wanderweg. Man soll aber nicht denken, dass man sich dann auf der historischen Route befindet (mit den so genannten „Jakobuswegen“ ist es das gleiche).

 

Der moderne Tourismus leitet die Wanderer und Radler von den Hauptstraßen weg. Dieser Hang ist spürbar, wenn der Heerweg plötzlich im Zick-Zack verläuft und einen über Bergkuppen führt. Kein Ochsenkarren wäre auf die Idee gekommen im Zick-Zack über einen Berg zu karren, wenn er es viel kürzer auf ebener Strecke hätte haben können…! Wann sie einen wieder in die Montagne schicken, ist mit einer guten Karte schnell herauszufinden. Ich möchte nicht das 100. Hünengrab von Piesemockel sehen, sondern bald in Sizilien sein! Also: Heerweg verlassen und wieder betreten, so muss man es machen! Und keine historischen Empfindungen mit manchen Routen verbinden, die einem die Touristenbüros suggerieren.

 

      237. Ochsen- oder Heerweg-Zeichen

 

 


94. Tag

Mittwoch, 18. August 2004

Vejle > Kolding

30 km (2.871 km)

 

20.08.2004 11:15 (SMS)

Vadererhjem (dänisch!), bis hier und nicht weiter!! 135 dkr mit Frühstück! Bin sehr früh angekommen, da Dauerregen. Da heißt es nur: Durchlaufen! Es wird immer Deutscher! Die Jugendherberge von Kolding liegt herrlich zentral und wird hervorragend geführt. Hier nimmt sogar der Chef den Staubsauger in die Hand! Verständlich, dass er die Gäste bittet Bier und Wein hier zu kaufen. Koche heute mal wieder groß. BIRGIT aus dem Schwarzwald fragt mich aus. Sie zieht für ein Jahr nach Tampere zum Studieren. Früher ging es mal anders herum! Wolfgang.

 

 


95. Tag

Donnerstag, 19. August 2004

Kolding > Hoptup

42 km (2.913 km)

 

20.08.2004 11:30 (SMS)

Sonne, Wolkenbruch und starker Wind von vorne, den ganzen Tag! Bis auf einen Cafébesuch in Christiansfeld bin ich bis Haderslev durchgelaufen. Das Vadererhjem hat nur noch die teuren Zimmer anzubieten. Für nasse und späte Gäste ist immer nur das Teuerste vorhanden! Ein einfacher Campingplatz kostet 85 dkr. Ich gehe noch bis Hoptrup, so trocknen die Sachen auch! Finde gegen 22:00 h einen Schlafplatz auf einem Sportplatz. Gruß Wolfgang.

 

 

 
96. Tag

Freitag, 20. August 2004

Hoptup > Kruså

36 km (2.949 km)

 

21.08.2004 12:15 (SMS)

4 km von der deutschen Grenze entfernt habe ich im Garten bei PAUL LOIDL’S „a hereford beffstouw“ übernachtet. Fax folgt!

                    

Nachtrag (Reisebericht per Post vom 21.8.2004)

Um 8:00 h bin ich von meinem Sportplatzlager weggekommen. Ein Mann spricht mich an: Woher, wohin? Es ist bedeckter Himmel, gelegentlich Pieselregen. Die Straße ist schnurgerade. Fahrradweg! Einen Mirabellenbaum hat der gestrige Sturm leergefegt. Klaube den Hut voll auf und lege mich auf eine Wiese: Nach rechts in den Hut greifen und nach links Kerne spucken.

 

Hätte ich geahnt, dass nach Aabenraa bis Kruså nichts mehr kommt, hätte ich Lebensmittel eingekauft. Ich dachte: So was gibt’s nur in Lappland. 4 km vor Kruså taucht ein Restaurant auf „A HEREFORD BEEFSTOUW“. Es sieht nicht nach Fast-Food aus, ist es auch nicht! Nicht billig – aber endlich einmal ein gemütliches Gasthaus. PAUL LOICHTL aus Traismauer an der Donau (St. Pölten) führt es. Nach dem Essen wird sich verständigt und es gibt zum Nachtisch noch einen österreichischen Abend: „Es zog ein Regiment vom Ungarland herauf…“ Im Garten des Restaurants darf ich mein Zelt aufschlagen. Gute Nacht! 0:30 h.

 

 

     238. Traismauerer – Österreichischer Abend. 

 

 

 

Nachtrag (Post vom 21.8.2004)

 

Skandinavische Sauberkeit

 Wenn jemand die Sauberkeit erfunden hat, dann sind es die Skandinavier! Allerdings mit Nord-Süd-Gefälle, denn in Dänemark geht’s nicht mehr so ganz sauber zu. (Eine Pizzeria muss nicht immer eine Toilette haben…) Aber gemessen an den Dreckspatzen Mittel-, Ost- und vor allem Südeuropas, ist das immer noch das Paradies! Fast 2.000 km begleitete mich die Skandinavische Dreieinigkeit: H-S-T (Haus-Schuppen-Toilette); fein säuberlich getrennt, das „T“ in deutlich größerem Abstand. Im „H“ wohnt man, im „S“ spaltet und stapelt man Holz und das „T“ ist klar! Wer Plumpsklo sagt, tut diesen Bauwerken unrecht! Es sind oft kunstvoll ausstaffierte Wohnteile mit allerhand Schnickschnack versehen. Der Sitz, schon gar kein Balken, sondern oft zum Zurücklehnen mit Styropor gepolstert, was vor allem bei Minusgraden zum Tragen kommt! Das ist der einzige Dreieinigkeitsteil, der nicht verschlossen ist. Bestimmt nicht deshalb, weil man es oft eilig hat, nein, man hat an einsame Wanderer wie mich gedacht, die – hoffentlich verziehen – das Allemannsrecht eindeutig überschritten und gelegentlich ein solches Bauwerk aufsuchten. (Papier hatte ich immer dabei!) Eine große Anzahl voller Rollen rundet das Bild der Sauberkeit ab. Nur einmal – wirklich nur einmal – vergriff ich mich an einem Frischtüchlein deutscher Herkunft.

 

Es ist erahnbar, wenn sich in der Landschaft irgendwo mehr als fünf Leute versammeln könnten, dann ist auch das „T“-Teil zu finden – selbstverständlich hat auch jedes Gotteshaus eine solche Anlage – aber das ist wohl mehr lutherisch, denn das gibt’s bei uns auch. Die Katholiken haben bei ihrer – in Relation gesehen – vollen Kirchen, diese Einrichtungen – a priori – aus den heiligen Hallen verbannt…

 

Erst die Kläranlagen des Südens haben die Dreieinigkeit gestört: Man sieht nur noch „H-S“. Abfalleimer auf Schritt und Tritt. Den Skandinavier kann man nicht verscheißern, in dem man ihm erklärt, dass ein „abfallfreier Parkplatz“ dem Umweltschutz diene. Nein, seinen Müll wird der Steuerzahler hier immer los! Der Gemeindearbeiter erhält auch weiterhin seine Schmutzzulage!

 

In skandinavischen Badezimmern kann man sich austoben: Sie sind komplett mit einer starken wasserdichten Folie ausgeklebt. Wer das Reinigungszimmer verlässt, muss allerdings den immer stationierten Flitscher betätigen, um seine Haar- und Schuppenteile in den Abfluss zu kratzen. Ich habe mich immer penibel verhalten, bin aber sicher, dass die Hausfrau nach einem Mitteleuropäer das Zimmer immer noch einmal einer gründlichen Reinigung unterzieht.

 

Die Häuser sind Schmuckkästchen! Meist rotbraun (oder kann man sagen „skandinavisch-braun“) gestrichen. Der Rasen um das Haus – was danach kommt ist ja meist schlimmste Wildnis – ist eben und kurz gemäht. Da die meisten Häuser des Nordens Wochenendhäuser sind, geht der Skandinavier auch am Sonntagmorgen nicht in die Kirche, sondern schmeißt seinen Rasenmäher an. Jedoch nicht, bevor er sich die Gehörschützer übergestülpt hat. So knattern am Sonntagmorgen im ganzen Land die Rasenmäher. Herrlich, ohne Gehörsturz, durch eine friedliche Natur zu wandern, wie es mir beschieden war.

 

Den Fenstern – allen – wird besonderes Augenmerk gewidmet! Neulich sah ich einen Kuhstall, dessen Fenster mit Spitzenvorhängen und Tischlampen bestückt waren. Ich erinnerte mich an meine Schulleiterin in Giershagen, die einen unnützen Nagel in der Wand mit einem hübschen Schlüssel verzierte… ich hätt’ ’nen rausgezogen!

 

Wenn alles so sauber ist, was geschieht erst mit dem Geschirr nach dem Essen? Das ist oft Männersache und artet zu wahren Orgien aus, wie ich an Campingplätzen oft sehen konnte. Mit Unverständnis wurde meine außen mit Birkenruß versehene Bratpfanne betrachtet. Unsinn hatten mir die Lappen erklärt. Also: Pfanne in einen Plastikbeutel und dann rein ins Gepäck!

 

Ja, gibt es denn gar keinen schmutzigen Fleck hier oben? Doch, von Tischdecken halten sie nicht viel; hier ist die Liebe zum Holz stärker! Und die Dosen an den Straßenrändern? Das machen sowieso die Ausländer, die zum Kap vor- und zurückrasen und keine Zeit haben, an einem Abfalleimer zu halten! Skandinavische Sauberkeit? „Kein Kunststück“, sagte neulich mein Freund OTTO P. am Telefon: „bei den paar Männekes!“

 

 

Nach Sizilien? Ach so!

Das hörte ich oft, bevor man stutzt: So ist ein Spinner nicht ausgerüstet! Nach einigen ernsthaften Sätzen wollen die Leute dann aber auch alles wissen. Sind wir da angelangt, gebe ich ihnen meine Business-Card mit der ich 99 % der Fragen abgedeckt habe.

 

Die Frage nach dem „warum“ löse ich zuerst mit Leib – Seele – Geist. Will man mehr wissen, muss man sich schon setzen. Ich bin sicher, dass viele in die Homepage hineinschauen, sonst wären die hohen Zugriffsdaten für eine so unwichtige Aktion nicht zu verstehen!

 

Für viele Menschen ist es überraschend, dass ich in Flensburg schon über die Hälfte des Weges hinter mir habe: „Warum ist der noch nicht in der Lüneburger Heide…?!“ Wie schon oft gesagt: kein Stress! Ob Oktober oder November, oder… und immer: so Gott will!

 

Das Faszinierende an meiner Fußreise ist die langsame Veränderung von Natur und Mensch, die man als Motor-Reisender (auch schon als Radfahrer!) gar nicht mitbekommt. Schritt für Schritt (im wahrsten Sinne des Wortes) verändert sich da etwas! Man braucht dafür noch nicht einmal ein Auge zu haben, das wird vom Weg geliefert! Oft habe ich mich in die Rolle der Handwerksburschen hineinversetzt gefühlt. Viele Wanderlieder geben die Situation wieder: Ich trag in meinem Ranzen.., Auf Du junger Wandersmann…, Wach auf, Du Handwerksgesell… u. v. a. m. Die Leute wurden gefordert und gefördert, was offensichtlich zusammen gehört. Ohne Fordern kein Fördern! Wir bemitleiden seit 40 Jahren…

 

 

Musik

 Musik gehört zu meinem Lebensstil – das deutsche Volkslied ist herrlich. Es ist ein Stück Volksseele. Deshalb wird es auch von einer Sorte Menschen, die stolz darauf sind, sich das Lachen abgewöhnt zu haben, bekämpft. Bisher habe ich Musik für mich alleine gemacht. Es blieb mir auch gar nichts anderes übrig: Es gab keine Menschen! Und wo sie da waren, habe ich zaghaft Gitarre und Mundharmonika herausgeholt und damit Vielen Freude bereitet.

 

Glücklicherweise verfüge ich über einen unergründlichen Liederschatz, so dass selten „Hängen im Schacht“ mangels Texten ist. Als sich in Hou ARTHUR als Schweizer vorstellt, brachte ich ihn mehrmals am Abend zum (wirklich guten) Jodeln. Dank des Liedes „Mei Vatter is a Appenzeller… er frisst den Kaas mitsamt dem Teller!

 

Mit der Gitarre begleite ich und mit der Mundharmonika spiele ich die Melodie oder mit beiden Instrumenten die Melodie… Holzboden kann die Trommel ersetzen… Wer es erleben will, wandere doch ein paar Tage mit! Schön wäre es, er bringt auch ein Instrument mit. Wer meint, ich laufe da mit der Klampfe und einem schlichten Volkslied auf den Lippen durch die Gegend, hat sich getäuscht. Die Gitarre kommt nur am Abend oder bei längeren Rasten aus dem Rucksack; mit der Mundharmonika habe ich manche 100 Kilometer bezwungen. Musik befreit – wie es auch auswendig gekonnte Gedichte bewirken!

 

Ach ja: Lehrplan, Hauptschule, NM, „blaues Wunder“: Der Schüler der Klasse 10 soll eine Partitur lesen können. Jau, jau! – nicht mal ’ne Note kennt er! Dabei vergeht einem glatt das Lachen.

 

Auf zwei Musikfesten durfte ich auftreten. Besser: Wurde ich gebeten zu spielen, als „Special Guest…“ Ich spielte dann immer ein Böhmisches-Bayerisches Potpourrie. Die Wäldler-Musik und mein Hinterwäldlerisches Outfit führten in den folgenden Tagen auf der Straße zu freudigen Hupkonzerten. Einer noch 200 km nach Vemdalen.

 

 

Sehenswürdiges

Wer denkt, ich laufe mit dem Baedecker vor der Nase durch die Gegend und lasse im Umkreis von 20 km nichts aus, was mehr als zwei Sterne hat, hat sich getäuscht! Mein willkürlicher Weg ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten. In seltenen Fällen verlasse ich deswegen den Weg nach Sizilien! Was am Wegesrand lieg, wird mitgenommen! Und das ist reichlich! In wie viele Festivitäten bin ich einfach ohne Wissen „hineingeschneit“! Wo Menschen sind, gehören Arbeit und Fest zusammen: Bei der Arbeit war ich nicht – aber auf den Festen!

 

Und diese Feste haben fast immer einen kulturhistorischen Hintergrund! Ich war erstaunt über die vielen regen Heimatvereine und das heimatgeschichtliche Wissen der Skandinavier. Nun mögen sie ein wenig zu viele uralte Holzhäuser konservieren, aber die Freilichtmuseen der Orte, sind geschickt zu Veranstaltungszentren ausgebaut. Da wird getanzt, da wird Theater gespielt, da wird musiziert, da werden Vorträge gehalten. Viele „Folketshuser“ (Volksvergnügungshäuser), für die Schweden seit den 50iger Jahren bekannt ist, fand ich in schlechtem Zustand und ohne Leben. Dagegen brachten die Stätten mit historischem Hintergrund die Menschen zu Hunderten zusammen. Dieses Goethewort: „Was du ererbt von deinem Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen…“ war besonders in Schweden „lebendig“.

 

 

 

97. Tag

Samstag, 21. August 2004

Krusa > Flensburg Jugendherberge

15 km (2.964 km)

 

21.08.2004 12:15 (SMS)

um 11:54 h die deutsche Grenze überschritten. Aufatmen: Kein Rooming mehr! Knapp 3.000 km seit dem Nordkap. Viele Grüße und Spaß mit der Harley… Doch es gibt keine Cafes mehr, wo man mit ihr vorfahren kann. Wolfgang.

 

 

     239. Noch einen Kilometer bis Deutschland 

 

 

  

21.08.2004 13:00 (weitergeleitete SMS)

N’abend! Kapankunft am 58. Tag nach gut 3.900 km. Fantastische Sicht! Seit Finnland nur Regen und Kälte. Radeln nahe der russischen Grenze. Hoffen, Du bist gesund! Liebe Grüße REBEKA und BASTIAN.

 

 

 

 

 

 

 

21.08.2004 22:45 (SMS)

An der Grenze flattern nur noch die Flaggen von Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und die 5. kannte ich nicht, das Foto wird es klären! Deutschland empfängt mich mit dem schönsten Wanderweg. Direkt am Ufer der Flensburger Förde. Herrlich! Gammeltag. Gruß Wolfgang.

 

 

      240. Der nordische Clan: Rechts außen Island! 

 

 

  

 

241. Flensburg: 5 leere evangelische und eine volle katholische… 

 

 

    242. Noch ein „altes Stück“ Deutschland

 

 


98. Tag

Sonntag, 22. August 2004

Flensburg > Hünning

45 km (3.009 km)

 

22.08.2004 23:55 (SMS)

Ein kleines Nest, aber mit urigem Campingplatz. Heuhotel! Kürze auch bei uns nicht mehr ab. Versumpfte Flussläufe sind natürliche Grenzen! Wolfgang.

  

 

    243. Heuhotel – ich schlief im Zelt 

 

 

    244. Gedenkstätte in Oeversees

 

 

   245. Steingrab in Oeversees

 

 

 

 

246. Hier hatte die dänische Nachhut einen „Riegel“ versucht aufzubauen

 

 


99. Tag

Montag, 23. August 2004

Hünning > Bergenhusen

36 km (3.045 km)

 

24.08.2004 7:20 (SMS)

Ein Glücksfalldorf! Mitten im Moorkoog gelegen. Das storchenreichste Dorf in Deutschland (15 Paare, 12 haben gebrütet, 26 junge Störche). JOHANN’s Krug ist noch auf! Glück! Denn so ein bisschen Dänen sind die hier auch! Brät mir noch ein Schnitzel. Mit MIGGE und GÜNTER jagt ein Köm den anderen. Gruppenfoto mit Storch. Zu guter letzt schenkt mir JOHANN noch einen, schön kuschelig und vakuumverpackt! Schlafe beim Haus im Garten. Um 8:00 h ist Frühstück angesagt, JOHANN besorgt Brötchen. Deutschland ist schön! Gruß Wolfgang.

 

 

 

 

247. JOHANN, GÜNTHER, ich mit Storch-Stofftier, und MIGGE 

 

 

     

 

248. „Wenn der Bauer nicht mehr mäht,                         249. Storchenstatistik

       der Storch auch geht!“

 

 


100. Tag

Dienstag, 24. August 2004

Bergenhusen > Tellingstedt

33 km (3.078 km)

 

25.08.2004 7:30 (SMS)

Hausaufgaben bei JOHANN in der Wirtschaft gemacht: Filme verpackt und Berichte geschrieben. Bin erst um 11:30 h weggekommen und habe viele Storche gesehen. In einigen Tagen starten sie nach Süden. Bis Erfde geht es auf einsamen Wegen durch trockengelegte Moore. Überall Protestschilder der Bauern: Naturschutz nur mit den Menschen! Jahrhundertlange Knochenarbeit wird überflutet. Es geht um Vogelschutz. Massage bei STEFAN RAHN in Tellingstedt. Schlafe in seinem Anbau. Sehr nett. Draußen sind Donner, Blitz und Wolkenbruch. Wolfgang.

 

 

 

250. Ich dachte immer Deutschland sei eine Kulturlandschaft 

 

 

 

251. Wahlkampf in Niedersachsen.

       Text in der Mitte, wahrscheinlich später von „einem Freund“ aufgeklebt:

       „Die DICH VERARSCHEN, die hast DU SELBST gewählt,

       darum lass sie DEINE STIMME hör’n, weil JEDE STIMME zählt.“

 

 

 


101. Tag – Mittwoch, 25. August

Tellingstedt > vor Brunsbüttel

41 km (3.119 km)

 

25.08.2004 21:45 (SMS)

Habe mein Zelt 20 m neben dem Nord-Ostsee-Kanal aufgestellt und warte immer noch auf den Tanker, der den ganzen Kanal ausfüllt. Morgens Wolkenbrüche, sonst bedeckter Himmel mit Neigung zum Regnen. Bin die ganze Strecke in Sandalen gelaufen. Davon fast 30 km direkt den Treidelweg am Kanal entlang. Viele Schiffe, zum Anfassen nah, gesehen. Ein interessanter Tag geht vorbei. Morgen überquere ich die Elbe. Westfalen kommt näher heran. Bitte jetzt nur noch meine deutsche Mobilnummer anwählen. Am besten SMS, da ich oft in Funklöchern bin. Gruß Wolfgang.

 

 

    252. Nord-Ostsee-Kanal, große Pötte ganz nah 

 

 


102. Tag

Donnerstag, 26. August 2004

Brunsbüttel > Wiepenkothen

33 km (3.152 km)

 

27.08.2004 2:15 (SMS)

Kutscherstube. Wirtin WILMA, ASTRID, WERNER und ich sitzen, trinken Krombacher und singen noch um 1:15 h. Mehr bin ich unfähig zu schreiben. Wolfgang.

 

 

  

 

253. Frau Wirtin rechts. Alle hatten Spaß am „gepflegten Vagabunden“

 

 

 

103. Tag

Freitag, 27. August 2004

Wiepenkothen > Twistenbostel

35 km (3.187 km)

 

(Reisebericht der Redaktion)

Schon vor 14 Tagen habe ich Altpfadfinderfreunde ermuntert, Wolfgangs Ziel für den Freitagabend auszuspionieren, da ich auf der Motorradtour-Rückfahrt von Polen irgendwo den einsamen Wanderer in Schleswig-Holstein überraschen will. Den ersten Hinweis gibt HELGA SÜLTENFUSS gegen Mittag, als ich mich noch mit ULI WEINREICH, auch einer unserer Altpfadfinderfreunde aus St. Elisabeth, Duisburg-Duissern, an einer Fischbude im Norden von Rügen befinde. Zur Zeit hält sich Wolfgang etwa auf der Höhe von Stade auf und das Tagesziel sei Werden an der Aller(?!). Dabei kam ihr zu Gute, dass Wolfgang bereitwillig Auskunft gab, weil durch meine einwöchige Reise, seine Homepage nicht gepflegt wurde.

 

Zu diesem Zeitpunkt ist schon eine SMS für den Spätnachmittag vorbereitet, um das exakte Ziel in Erfahrung zu bringen und um ihn weiter abzulenken.

„Hi Wolfgang, Tages-Kilometer von gestern fehlen. Gehe jetzt in Danzig ins Internetcafé. Bitte sende gleich auch den Reisebericht von heute. Bis nächste Woche. Gut Pfad! Axel.“

 

Tankstopp in Lübeck:

 

27.08.2004 14:10 (SMS)
Hi Axel! Langsam steigern sich die Anrufe, was eigentlich los sei. Wir verlieren Kunden! Nachtrag zum 26.8., 33 km. Bericht folgt. Schönen Bikertag noch! Es pieselt auch in Deutschland. Wolfgang.

 

 

So ein Mist, jetzt überschneidet sich die km-Frage von mir, aber egal, vielleicht begründet er es mit einer zeitversetzten SMS nach Polen. Komme der Rückrufforderung von FERDI VAN EYMEREN nach, er hat jedoch Wolfgang mobil nicht erreichen können, steckt wohl in einem Funkloch. Da wir südlich von Stade auf Landkarten Werden nicht finden, wird FERDI zwischenzeitlich im Internet recherchieren. Also erst mal weiter Richtung Hamburg-Harburg und Überquerung der Elbe.

 

Eine gute und eine schlechte Nachricht: Präzise Positionsangabe, wie nie zu vor, doch wer hat unseren Überraschungsbesuch verpfiffen?

 

 

27.08.2004 19:00 (SMS)
Fest im Super-Clubheim vom MC-Heideadler 82. Zeltplatz dabei. Idyllisch. Ganzer Tag Regen. Wollen mal sehen. Man erwartet nicht so viele Biker bei dem sch… Wetter. Wolfgang.

 

 

FERDI wird angehalten, ihn jetzt nicht mehr zu kontakten und bekräftigt, uns nicht verraten zu haben. Das „Kuhdorf“ war nicht so leicht ausfindig zu machen und liegt am Rande eines militärischen Sperrgebietes 50 km nördlich von Bremen. Die zutreffende Generalkarte in einem brauchbaren Maßstab ist vergriffen. Weitere 70 km Nachfahrt bei strömenden Regen über die A 1 mit anschließendem „Blindflug“ über Alleen ab Sittensen Richtung Zeven. Durchnässt und mit Nullbock auf Zelten erkundigen wir uns in Selsingen nach dem Zielgebiet und buchen optional ein Hotelzimmer.

 

In Haaßel werden wir von freiwilligen Feuerwehrleuten angehalten und in einen Weg geschickt. Wir wollen nicht zu dem von ihnen angepriesenen Motorradtreffen in Twistenbostel, aber der Zeltplatz sei unmittelbar daneben. Von lederbekleideten „Altrockern“ werden wir freundlich empfangen und gleich aufgefordert uns in Richtung Wiese zu bewegen. ULLI und ich outen sich als Hobby-Motorradfahrer und fragen nach der Parzelle 82. Herzliches Gelächter, so was gäbe es nicht, obwohl bis zu 600 Biker in den nächsten 15 Stunden erwartet werden. Wir fragen nach einem Wanderer. Klar, der ist bestens bekannt und auf der Diele zu finden.

 

 

Wir betreten ein Bauernhaus anno 1882, laute Rockmusik strömt entgegen, ein Beamer projiziert Bilder auf die Bühne und an der Theke machen wir Wolfgang in seiner altbekannten bayrischen Ledertracht, in angeregter Unterhaltung mit einer Bikerin, aus. ULLI klemmt sich an der Theke neben ihn, er guckt nur kurz und grüßt nett zurück, stutzt jedoch als er zusätzlich mit Wolfgang angesprochen wird. Verwundert betrachtet er meinen Reisepartner von oben nach unten, und erkennt diesen in seiner Motorradkluft nicht.

 

 

    254. Überraschungsmoment – ULRICH WEINREICH

 

Die Überraschung scheint doch gelungen. Bevor er nachhaken kann, trete ich hinzu und wir liegen uns herzlich in den Armen.

 

Die Missverständnisse der „Ohnesorg-lastigen“ SMS-Komödie, oder auch Konzentrationsschwächen,  werden rasch aufgeklärt, dabei lachen wir lauthals und es kostet wenig Mühe, uns, nach einem Begrüßungsschluck, zum Bleiben zu überzeugen. An dieser Stelle muss ich meine Vorurteile über Motorradclubs revidieren. Problemlos dürfen wir unsere nassen Klamotten im Obergeschoss trocknen und durchwandern staunend die unterschiedlichen Clubräume der Heideadler, 23 Mitglieder, gegründet 1982.

 

Wir schlagen gemeinsam mit Wolfgang unser Zelt auf einer beleuchteten Wiese hinter mehreren idyllischen Teichen auf. Einfach perfekt, das Gelände, hierher dringt keine Musik, denn die Party geht für einige durch, Frühstück gibt es ab 9:00 h, hierzu sind wir herzlich eingeladen.

 

Im Laufe des Abends lernen wir einige Clubmitglieder kennen und erfahren, dass die Wild Summer-Party seit Jahren am letzten Augustwochenende zelebriert wird. Näheres ist zu erfahren unter:

 

www.heideadler-mc.de

 

Bis 2:00 h morgens halten wir bei preiswertem Essen und Trinken durch. Neben unserem Gedankenaustausch zur bisherigen Reiseberichterstattung kümmert sich der Präsi(denten) HELMUT BÄTJE um uns und wir erfahren weiteres über deren perfekte Organisation und ihre Club-Location. Natürlich kommen zur Party generell alle Anwohner, Twistenbostel verfügt über einen Bauernhof und mehrere Wochenendhäuser.

 

 

    255. Wild war die Sommernacht 

 

 

Wolfgang hat mal wieder ins Schwarze getroffen. Wie ist es möglich, dass jemand einem Hinweisschild am Wegesrand folgt, auf einer riesigen Bikerfete, als Special-Guest gehandelt wird und wir zufällig, ausgerechnet an diesem Abend, standesgemäß gekleidet, ihn aufstöbern?

 

Samstag, 28. August 2004

Wir schlafen erstmals bis 9:00 h und werden mit einem fröhlichen „Steht-auf-Liedchen“ durch Wolfgang geweckt. Später setzt er sich auf mein Moped, singt und spielt Mundharmonika synchron zur Gitarre. Klar, dass das Frühstück sich länger hinzieht als gedacht, auch jetzt wird angeregt mit den wenigen Bikern, alle in ihren mit Aufnähern versehenen Vereinswesten gekleidet, diskutiert. Weitere Gäste aus dem Ruhrgebiet reisen an und schlagen ihr Zelt neben dem unsrigen auf, während wir zusammenpacken. Sofort erhalten wir eine Einladung  zur MC-Pandora’s-Bikerparty Anfang Oktober in Essen. Die beiden Jungs kommen seit Jahren nach Twistenbostel und sind – wie wir eben auch – hellauf begeistert.

 

 

    256. Harley mit Pilgerdekoration 

 

 

Wolfgang holt sich den obligatorischen Stempel für sein Reisenotizbuch und wir formieren uns vor dem Bauernhaus zum Abschiedsfoto unter der Clubfahne.

 

 

 

 

257. ULRICH WEINREICH, Axel, Präsi(dent) HELMUT BÄTJE, Kojak ANDREAS JUNGE mit Sohn SÖREN und Hund MAX.

 

 

    258. „Altrocker“ mit Gerät. Axel und ULLI 

 

 

Es fällt uns schwer, die mehrfache Aufforderung zu bleiben auszuschlagen, denn die Party gehe ja erst heute Nachmittag richtig los. Wir wissen nicht so recht zu danken, denn für das Zelten und das Frühstück dürfen wir nichts bezahlen. Bei allerbestem Bikerwetter düsen wir los. Wolfgang verabschiedet sich nicht wirklich und avisiert, die nächste Nacht nochmals bei den Heideadlern zu verbringen. Nach einem ordentlichem Marsch Richtung Süden wolle er sich von seinem ihm entgegen reisenden Freund mit dessen Auto nochmals zurück chauffieren lassen. Unglaublich, aber eine verständliche Idee bei dermaßen Gastfreundschaft.

  

Nachtrag (Reisebericht per Fax)

Gegenüber der Kutscherstuben ist ein Industriegebiet angesiedelt. Im Baumarkt finde ich ein schönes Café und kann in Ruhe frühstücken. Draußen plästert es. Ich bin also gerade richtig weggekommen. Auf kleinsten Straßen über Schwinge, Wedel erreiche ich am Abend, als ein Wald- und Moorweg in Ferienhäusern endet, Twistenbostel.

 

MC Heideadler hat hier sein Clubhaus mit herrlichem Gelände und feiert eine Party. Man mag sich, nicht erst nachdem ich meine Motorradvergangenheit über (Quickly, Zündapp 200, Horex und BMW) preisgebe. Als KLAUS fragt, ob es sich um die Regina handelte, wusste ich, dass die Jungs Ahnung haben. Die Überraschung kam dann mit ULI und Axel – ich dachte ich träume! Doch das könnt Ihr ja im Report der Redaktion besser nachlesen!

           

     

29.08.2004 11:00 (weitergeleitete SMS)

Hallo Wolfgang, Altstadtfest in Brilon: Regen, Regen, Regen! Studiere gerade die Landkarte. Marschrichtung Bremen? Viel Glück! Tapfer, tapfer! JÜRGEN WREDE

 

 

 
104. Tag – Samstag, 28. August 2004

Twillingbostel > vor Verden/Aller

38 km (3.225 km)

 

29.08.2004 17:00 (Diktat per Telefon)

Freund MANFRED VOLLMER trifft mich und wir fahren wieder zurück zu den netten Heideadlern. Werde mit Hallo begrüßt und bekomme bei der Siegerehrung einen Pokal vom MC-Präsi(denten) HELMUT BÄTJE überreicht für den längsten Fußweg zur Wild-Summer-Party-2004. Tosender Applaus von ca. 200 angereisten Bikern. Gegen 3:00 h falle ich müde ins Zelt.

 

 

   259. MANFRED VOLLMER pickt mich auf! 

 

 

 

260. Freebiker (ohne Club) „Balu der Bär“ DETLEF WEBER und „Der Jevermann“ KLAUS DIETER SPATHMANN

 

 

 

105. Tag

Sonntag, 29. August 2004

Verden/Aller > (Nienburg) Wietzen

27 km (3.252km)

 

29.08.2004 17:00 (Diktat per Telefon)

MANFRED bringt mich wieder bis vor Verden und ich laufe über Hoyer Richtung Nienburg an der Weser. Sonne und Regen wechseln ab. Ganz schön teuer, das Ferngespräch von einer öffentlichen Zelle. Die Telekom spinnt wohl!

 

   261. Wanderweg an der Weser

 

           

Nachtrag (Reisebericht per Fax)

Ich hatte es schon in Flensburg gemerkt: In Deutschland spürt man noch, dass es Sonntag ist. Kein Rasenmäher knattert und kein Gehämmer wie in Skandinavien. Eine Seelenruhe liegt über dem Land.

 

 

 

262. Am Sonntag ist in Deutschland Ruhe befohlen!

       Kein Hämmern, kein Rasenmähen, keine laute Musik, keine Generatoren.

       Gemäß Satzung ist an allen Werktagen Ruhe zu halten

       Montag – Samstag Mittagsruhe von 13:00 – 15:00 h, abends ab 19:00 h

       An Sonn- und Feiertagen ist ganztägig Ruhe.

 

 

Erhalten wir uns das. MANFRED bringt mich an den gestrigen Endpunkt vor Verden und ich laufe über Hoja in Richtung Nienburg, gebe auch schon Axel per Telefon Nienburg und die Kilometer durch, da erhalte ich eine SMS von meinem Jüngsten (DOMI oder MOSH), dass der Bekannte, den ich aufsuchen möchte nicht in Nienburg, sondern in Steyerberg wohnt.

 

GEORG NÜTZMANN mit Frau SILKE, die zwei Optikläden in Nienburg und Stolzenau führen. GEORG war schon mehrfach bei mir in Altenbüren, da er nach Santiago pilgern will. Inzwischen ist er voller Informationen und wird wohl bald starten. DOMI hatte mir die Telefonnummer besorgt, aber GEORG meldet sich nicht.

 

 

   263. SILKE und GEORG NÜTZMANN 

 

Ich verlasse die Richtung Nienburg und biege nach Holtrup ab. Auf herrlichen Wegen erreiche ich Wietzen. Die Dorfwirtschaft „TOM GNADDERIGEN FRITZ“ hat noch auf. FRITZ ist tatsächlich gnadderig (Anmerkung: norddeutsches Wetter, siehe Mikes Lie und als de oll nu flucht und gnaddert…..), doch ich bekomme zu später Stunde noch ein ordentliches Essen. Immer wieder trifft man diese Art von Wirten. Mein Alter, mit philosophischen Fähigkeiten, kurz und herzlich, direkt und hochinteressiert. FRIEDRICH unterhält seine Gäste und hat sie voll im Griff. FRITZ gibt einen auf seinen Geburtstag aus (einer meint, er habe jeden Tag Geburtstag) und als Dank spiele ich ihm ein Bückeburger Soldatenlied. Man ist fast dem Weinen nahe…

 

 

   264. Schlafplatz an der Kirche in Wietzen 

 

Über den Schlafplatzsoll ich mir keine Gedanken machen! Entweder am Schwimmbad oder im Schatten der Kirche – er sei der Verwalter. Ich wähle die Kirche und schlafe herrlich unweit des Ehrenmals von 19/18.

 

 

 

106. Tag

Montag, 30. August 2004

Wietzen > Wasserstraße

39 km (3.291 km)

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax)

Schulbusse wecken mich. Vor meiner Nase ist eine Bushaltestelle. In der nahen Bäckerei frühstücke ich. Gegenüber rüstet sind eine Schulklasse zur Klassenfahrt. Manches Gepäckstück ist größer als das Kind.

 

GEORG ruft an. Sie kamen gestern spät nach Hause. Wir machen aus, dass ich an Steyerberg vorbeilaufe und er mich am Abend, nach Geschäftsschluss, abhole. Ich komme bis Wasserstraße direkt an der Weser. An den Äußerungen der Leute – man überhäuft den armen Wandersmann mit Äpfeln – höre ich, dass man auch hier eine Kulturlandschaft der Überflutung preisgeben will. Naturschutz ohne den Menschen. Ein Jäger erzählt mir, dass er bis in die Slowakei fahren müsse, damit eine Prüfung seines Hundes bei uns anerkannt werde. Immer wieder Naturschutz, nur mit den Menschen.

 

Gegen 19:00 h gabelt mich GEORG auf und wir fahren die kurze Strecke nach Steyerberg, wo seine Frau SILKE in lichten Räumen ein herrliches Abendbrot bereitet hat. Hier wohnen Käseliebhaber! Mit Rotwein schließt der Tag auf dem Freisitz – wobei mir dauernd schon um 23:00 h die Augen zufallen.

 

 

 

107. Tag

Dienstag, 31. August 2004

Wasserstraße > Lohe

16 km (3.307 km)

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax)

SILKE nimmt mich „ZURBRILLE“ nach Stolzenau mit und ein Mitarbeiter fährt mich nach Wasserstraße. Doch vorher hetzt GEORG die Presse auf mich.

 

Zuerst erscheint der Redakteur der „HARKE“, der kurz neben SILKES Laden sein Büro hat. Ich soll ihn dort besuchen. THORSTEN BECKER ist ein intellektueller Typ, der mich herzlich empfängt und sich mit klugen Fragen an mich heranpirscht. Bin mal gespannt was „DIE HARKE“ bringt.

 

Nach einigen „Hausaufgaben“ in SILKES Laden laufe ich los. Werde aber schon nach wenigen Kilometern vom „MINDENER TAGEBLATT“ (MT) eingeholt. In der Döhrener Wassermühle stellt ULRICH WESTERMANN seine Fragen und fotografiert. Herr WESTERMANN ist offensichtlich schon lange für die MT tätig, denn viele Leute winken ihm freundlich zu. Wolkenbrüche gehen nieder: „Es ist bestimmt unter Ihrer Ehre, wenn ich Sie jetzt ein Stück mitnehme?!“ Die Sache hat aber 1 ½ Stunden gedauert und es ist gleich 18:00 h.

 

Ich rufe GEORG an. Ich sei erst 10 km gelaufen. Er lässt mich nach zwei Stunden vom Fahrdienst BÖTTCHER abholen. Morgen geht’s wieder zum Zielort Lohe. Ein Glücksentscheid, denn so lerne ich GEORG und SILKES reizende Töchter KATRIN und ILKA kennen; beide studieren in Köln und sind zu Besuch gekommen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es einen phantastischen „Käseabend“ gab. 

 

 

Presse-Veröffentlichung vom 03.09.2004

 

Zu Fuß vom Nordkap nach Sizilien

Wolfgang Andreas erwandert großes ,Andreaskreuz“ auf der europäischen Landkarte

   265. Presseveröffentlichung „Mindener Tageblatt“

Auch strömender Regen konnte Wolfgang Andreas in Döhren nicht stören. Nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserflaschesetzte er seinen Wegfort. Foto: Ulrich Westermann

Von Ulrich Westermann

Petershagen-Döhren (Wes). Fernwandere rWolfgang Andrea snahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche. Dann setzte er seinen Weg von der Mühle in Plaggenholz in Richtung Bundesstraße fort.

Auch strömender Regen konnte ihn nicht stören. ,Ich bin heute den 107. Tag unterwegs. Sonne, Hitze, Schnee am Nordkap, starke Niederschläge, ich habe in den vergangenen Wochen viel erlebt“, berichtete der 64-Jährige. ,Unzählige Gespräche wurden geführt. Viele Türenhaben sich geöffnet“.

Nicht anders war es in Plaggenholz. Als eine Döhrenerin den Gast bei seiner Rast im Regen unter einem Vordach der Wassermühle entdeckte, händigte sie ihm sofort einen Schlüssel aus, so dass er sich im Innenraum des Kulturdenkmals aufhalten konnte.

,Laufen konnte ich schon immer ganz gut. Auf der Flucht aus meiner schlesischen Heimat, als Pfadfinder, Lehrer und als Sportler, immer habe ich mich und die Menschen in meiner Umgebung zum Laufen gebracht“, so der pensionierte Pädagoge aus Brilon-Altenbüren.

Das Wahre sei die Reise zu Fuß. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Leib, Seele und Geist der Natur nicht näher sein könnten.

Inneren Schweinehund überwunden

Der64-Jährigehatte die Idee, über Europa ein  ,Andreaskreuz“ zu erwandern. Die Anfänge gehen auf das Jahr 2000 zurück, als ihn ein Arzt nach der Frühpensionierung ermunterte, sich einen Hund anzuschaffen, um sich täglich an der frischen Luft zu bewegen.

,Nach diesem Vorschlag war ich anfangs etwas hilflos, da ich durch meinen inneren Schweinehund damals vom Laufen abgehalten wurde“, erinnert sich
Wolfgang Andreas. Schließlich habe erden Entschlussgefasst, auf Schusters Rappen den Jakobusweg über 3000 Kilometer von Paderborn in die spanische Wallfahrtsstadt Santiago de Compostela zurückzulegen. ,Im Frühjahr 2004 stellten sich dieselben Zipperlein wie vor vier Jahren ein. Es ist tatsächlich so: Wer rastet der rostet.“

Da ihn das Fernwandern bereits auf dem Jakobusweg gesund gemacht habe, sei er nun erneut unterwegs, um in etwa fünf Monaten die Strecke vom Nordkap bis nach Sizilien zuschaffen. Auch danach wird er seine Wanderschuhe nicht in die Eckestellen.

Um das Andreaskreuz zu vollenden, fehlt noch die Strecke von Ufa am Ural (Russland) bis nach Paderborn. ,Wenn ich gesund bleibe, werde ich mich erneut auf den Wegmachen.“

Großen Wert legt er darauf, andere Menschenkennen zu lernen, Ich habe in verschiedenen Ländern die Erfahrung gemacht, dass in Gesprächen das Eis sehr schnell bricht“, so der 64-Jährige.

Mit Lederhose und rotem Halstuch

Am Tag legt er ohne Stressdurchschnittlich 30 bis 40Kilometer zurück. Sein Rucksack ist mit Zelt, Isomatte, Wäsche, Reservekleidung, Fotoapparat, Multifunktionsmesser und einem zweiten Paar Schuhe gefüllt. Zu seinem markanten Erscheinungsbild tragen kurze Lederhose, Kniestrümpfe, Hut und rotes Halstuch bei.

Im Regen trägt erein grünes Cape. Dann tauscht er die hohen Schuhe gegen Sandalen, in denen er barfuß läuft. Zum Gepäck gehören auch Gitarre und Mundharmonika.

Andreas übernachtet überwiegend im eigenen Zelt oder in Jugendherbergen. ,In Schwedenhabe ich häufig mein Lager im Freien aufgeschlagen. Dort besteht das Recht, eine Nacht in der Landschaft zucampieren und auch ein Lagerfeuer anzuzünden.“

In einem Tagebuch werden viele Einzelheiten über die Tourfest gehalten. Zu einem späteren Zeitpunkt hat der 64-Jährige vor, ein Buch über die Erlebnisse auf seiner Andreaskreuz-Wanderung zu schreiben.

In seinem Reisebericht hat ernotiert, dass er am 17. Mai am Nordkap war. Nach dem obligatorischen Foto an der Weltkugel trat er bei Sonnenschein und geschlossener Schneedecke den Weg nach Honningsvag an. ,Ich bin ein freier Mann. Meine finanziellen Auslagen unterwegs halten sich in Grenzen“, so
Wolfgang Andreas, der hin und wieder in Gesellschaft seine Musikinstrumente auspackt.

 

 

Veröffentlichung vom03.09.2004

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Presse-Veröffentlichung vom 07.09.2004

 

   266. Presseveröffentlichung „Die Harke“

 

 

    267. Abtropfen nach dem Wolkenbruch – nur der Regenbogen schaut zu