Reisetagebuch Juli 2004

 

 

 

 

46. Tag

Donnerstag, 1. Juli 2004

vor Loras > vor Östersund

47 km (1.525 km)

 

03.07.2004 00:50 (SMS)

1.7. Vor Östersund auf dem Campingplatz, 47 km. Der Bericht folgt.

 

(Reisebericht per Fax)

Östersund

 

Endlich eine Stadt für die Bleibe. Nach einem Tag war ich schon auf und davon! Der Sterne-Campingplatz wollte mir gleich zudem für 160 kr eine interne Campingkarte andrehen, das Schwimmbad drehte mir mit Erfolg ein Schloss an, der Frisör, Maschinenschnitt 1 cm, kostete 270 kr, was somit der teuerste Haarschnitt meines Lebens war (SUSANNE aus Altenbüren: Schneide in Schweden Haare!!) und das Vandrarheim schickte mich durchnässten „letzten Wanderer Schwedens“ um 17:00 h wegen Platzmangel in den strömenden Regen hinaus. Zum Trost erhielt ich ein STF-Täfelchen Schokolade.

 

Das Heim war gefüllt mit älteren Herrschaften, die ihre dicken Kisten vor der Jugendherberge parkten. Wetten, dass noch ein Bett frei war. Wie oft schlief ich in Vierbettzimmern alleine. Nach dem EM-Spiel wollte ich noch etwas essen. Um 22:00 h war die ganze Stadt dicht – bis auf McDonalds. Hier zeigte sich wieder der satte Wohlstand. Spät anfangen zu arbeiten und früh zumachen: Nach 17:00 h hat man in Geschäften fast kaum noch eine Chance. Mein Freund Otto hat darauf immer die Erklärung parat: „Bei den paar Männekes!“ Vielleicht hat er recht.- Vor dem EG-Eintritt war man hier fast auf dem Boden: jetzt ist die EG an allem Schuld!? Östersund – nie wieder!

 

 

 

   115. Freilichtmuseum von Östersund

 

 

47. Tag

Freitag, 2. Juli 2004

vor Östersund > Valla

17 km (1.542 km)

 

03.07.2004 00:50 (SMS)

2.7. War in Östersund im Schwimmbad. Abends Abmarsch. Treffe ein nettes Radlerpärchen: BASTIAN aus Potsdam und REBECCA aus Basel. Haben bei Valla ein gemeinsames Lager aufgeschlagen und im Regen gekocht. Riesiges Lagerfeuer. 17 km.

 

 

  116. Kochen mit REBEKKA und BASTIAN

 

  117. Lagerplatz mit REBEKKA und BASTIAN

 

 

 

48. Tag

Samstag, 3. Juli 2004

Valla > Måläng

27 km (1.569 km)

 

04.07.2004 09:00 (SMS)
Måläng,
27 km. Schweden ist nach Östersund anders geworden. GUNAR und KRISTINA rasten und holen mich zum Apfelsaft in den Garten. Sie schenken mir eine Wanderkarte, denn ich kann erstmalig richtig die Straße verlassen, denn Måläng findet ihr nie! Dort zieht mich ein feuerrotes Oldsmobil von 1957 in den Bann, das hier bei ERIKSONS restauriert wurde. Es ist 20:00 h und ich darf im Garten auf wunderbarem Rasen – übrigens das erste Mal – das Zelt aufschlagen. Sohn und Freundin bringen Bier und wir sitzen gemütlich im Dämmerlicht vor dem Zelt. Morgen um 9:00 h ist Frühstück angesagt! Sagenhaft! Wolfgang.

 

 

  118. Im Garten mit CHRISTINA und GUNAR

 

  119. Oldsmobile anno 1957 in Måläng

 

    120. Zeltplatz in Måläng

 

 

(Reisebericht per Fax)

Die Mücken

 

Zwei Dinge beschäftigen einen Skandinavienreisenden permanent: Die Preise und die Mücken. Über die ersteren habe ich mich schon ausgelassen, nun ein Loblied auf die anderen: In einer Stuga stand – frei übersetzt aus dem Schwedischen: „Dem Himmel sei Dank für die Mücken, denn sie halten uns die Touristen vom Leibe!“ Es existieren demnach so viele Anti-Mückenmittel, wie es Potenzmittel gibt, die alle helfen sollen. Zwei sollen wirklich helfen: Alkoholkonsum und Knoblauch. Vom Erstgenannten ist abzuraten und  Knoblauch esse ich – jeden Tag zwei Zehen. Mich haben die Biester bisher verschont.

 

Mein Out-Back-Ausstatter OTFRIED gab mir ein Kopfmückennetz mit, so, wie wenn man einem Freund ein Amulett in die Tasche schiebt: Behüt’ Dich Gott! Ich habe das Netz bisher nur einmal zur Probe aufgesetzt, pardon, übergestülpt und stellte fest, dass man darunter Mundharmonika spielen konnte und – wenn tatsächlich eines der Biester da rein käme, alles erst richtig losginge. Seit Bonaparte wissen wir, dass die Kleinsten die schlimmsten sind – so auch bei den Mücken! Diese hier stechen nicht, sondern hobeln richtig die Haut weg, wir mir JANINE aus München zeigte. Das kann zu bösen Entzündungen führen!

 

 

121. In Måläng im Garten, Versuch unterm Netz Mundharmonika zu spielen

 

Es gibt also keine Landschaft der Welt, wo mehr Menschen mit den Armen um sich schlagen als Skandinavien. – Warum haben sie mich bisher verschont? Sicher ist, dass die Viecher manche besonders mögen, was mit der Konstitution und der Ernährung zusammenhängt. Ich ernähre mich ziemlich normal, bestimmt nicht überzuckert. Weiterhin esse ich Knoblauch, was ja bekanntlich die schönsten Frauen zurückschrecken lässt und schließlich bewege ich mich. Mücken brauchen ruhende Flächen. Also: Verschmutzt, verschwitzt, daliegend nach der Anstrengung. So bist du für sie ein gefundenes Fressen…

 

Und beim Schlafen? (Anmerkung der Redaktion: Grundsätzlich haben Mücken in der Nacht etwas gegen Schnarcher!?) Nun, da habe ich eine „Erfindung“ gemacht, sodass ich in keiner Nacht dieses böse Gesumme am Ohr hören musste: Meine „Hundehütte“ ist so klein und hermetisch abschließbar, dass sich meine Erfindung nur auf Geräte dieser Bauart anwenden lässt! Ich stelle das Zelt geschlossen auf. Postiere alles, was ins Zelt muss vor dem Eingang. Nun öffne ich das Zelt einen Spalt und befördere alles, nicht, ohne es vorher ausgeschüttelt zu haben hinein. Zuletzt öffne ich einen größeren Spalt und Krieche selbst rein. Hinter mir wird schnell geschlossen! Nun lege ich mich auf den Rücken und warte. Da mein Zelt einen durchscheinenden Himmel hat, setzt sich jede Mücke zuerst dort ab, wo ich sie platt mache. ( Eine gewisse Sorte von Tierschützern, verzeiht mir auch das nicht, macht nichtssssss! )  Dann ziehe ich mich in Ruhe um.

 

Da ich zu Hause und unterwegs bei jedem Wetter bei offenem Fenster schlafe, die Fenster hier aber oft nicht geöffnet werden können, fehlt mir in den Vandrarhemen oft der Sauerstoff zu einem erquicklichen Schlaf. Die Rast- und Übernachtungsplätze wähle ich zurzeit nicht mehr an Gewässern, wohin es uns Deutsche ja immer magisch hinzieht. Da sind zu viele Brutstätten. – Ich laufe mit Kniebundhose und kurzen Socken, kurzärmeligem Hemd. Raste ich, hülle ich mich in meinen Poncho. Über den ökologischen Wert der Mücken brauche ich mich ja hier nicht auslassen; und wer immer noch nicht genug von den Mücken hat, besuche das Mückenmuseum im Bahnhof von Avvakjjo.

 

PS: Dass Jokkmokk die größten Mücken haben soll kann ich nicht bestätigen – es fehlte das Messwerkzeug.

 

 

Bezahlen

Zu 95 % werden Kreditkarten akzeptiert. Barzahlen hat schon einen Hauch von Schwarzarbeit… Die Kreditkarte erfordert jedoch gelegentlich den Personalausweis, wenn man nicht über einen PIN verfügt. Dann wird unsere unendliche Nummer eingetippt. In einem solch scheinbar reichen Land wie Schweden verliert man schnell die Bodenhaftung zu dem bei uns sauer verdientem Geld. Das spiegelt sich in der Preisgestaltung wider.

 

In den Schwimmbädern muss man ein Schloss haben, um seinen Spind abzuschließen. In Östersund sagte man mir, man könne das für 25 kr leihen. Von wegen! Rent hieß buy und man findet es ganz normal, jedem Gast der Stadt ein Mordsschloss anzudrehen. Ich habe der erstaunten Dame das Schloss unter Protest geschenkt. 3 x darf man raten, was die damit gemacht hat. Auf die miese Methode einem Gast Östersunds gegenüber hingewiesen, war die gelächelte Antwort: 90 % der Badbesucher seien Einheimische. Da fiel mir nur die Methode der ehemaligen DDR ein, jedem Transitreisenden, der keinen Feuerlöscher im Auto hatte, einen 50-kg-Minimax-Löscher zu „leihen“. Es ist also so, dass man nicht viel Bargeld mitschleppen muss. Ein großer Vorteil.

 

 

 

49. Tag

Sonntag, 4. Juli 2004

Måläng > Svenstavik

47 km (1.616 km)

 

05.07.2004 00:15 (SMS)

Svenstavik, Waldplatz im Regen, 47 km. Mit dem Frühstück war nichts. Als sich um 9:00 h noch nichts rührte, bin ich losmarschiert. In Fåker habe ich eine Regenpause in der Barockkirche eingelegt und Kirchenlieder auf dem Klavier gespielt. Die Kirchen sind alle offen und machen den Eindruck einer katholischen Kirche ohne Weihwasser, ewigem Licht, Kniebänke, Kreuzweg und Beichtstuhl. Die Bischöfe tragen den gleichen Ornat wie unsere katholischen. In Hackas habe ich dann gebadet und mich gesonnt. Es sollten nur noch 13 km nach Svenstavik sein. Denkste! 18 km – Trottel vom Straßenamt. Deshalb habe ich das EM-Finale verpasst. Wolfgang.

 

 

  122. Die Faker-Kirche musste man fotografieren!

 

 

  123. Klavierspiel in Fåker – Santa Maria

 

 

… und das Christliche?

 

Ein Freund meinte etwas scherzhaft beim Abschied in Altenbüren: „Und Du willst in Europa „Das christliche Antlitz“ finden?…“ „Dass ich nicht lache“, hat er nicht gesagt aber vielleicht gemeint.

 

Gar keine Frage! Ich habe es gefunden und finde es jeden Tag neu. Das „Christliche“ ist zwar hier sehr blank poliert – wie soll es auch bei diesem Wohlstand anders sein! Aber es ist auf Schritt und Tritt erfahrbar: im Handeln der Menschen und in ihren Bauwerken. Natürlich stellt sich der Zweifler die Frage: Bauwerke verstehe er ja, aber Handeln? Was ist das: Christliches Handeln, haben das andere nicht auch? Nein! Ich will es einmal kurz formulieren, wie es Ignatius von Loyola tat: „Gott sehen in allem! Daraus folgt auch: In jedem Menschen das Gute sehen. Christentum ist in erster Linie eine Haltung und nicht eine Religion. Ende der Predigt!!“

 

Wegkreuze gibt es hier nicht. Die Kirchen sind Holzbauten mit oft eigenwilligen Grundrissen. Sie stehen immer an markanten Stellen, im gepflegten Umfeld, mit Mauer oder starkem Zaun umgeben, sind fast immer offen und häufig von meist jungen Leuten bewacht, die am Eingang Kaffee und Plätzchen dem Besucher anbieten. Der Innenraum ist geschmückt und ausgestattet wie in katholischen Kirchen. Vor Bildern hat man keine Scheu. Nur Ewiges Licht, Kniebänke, Kreuzweg und Weihwasser am Eingang fehlen.

 

Innen liegt ein Gästebuch aus. Die meisten ausländischen Einträge stammen von Niederländern. Die Schweden haben ihre Holzkirchen bis weit nach Polen hineingetragen. Die dort so genannten „Schrottholzkirchen“ zeugen heute noch davon, z. B. im oberschlesischen Kreis Rosenberg.

 

Die Leute fragen sehr intensiv nach, wenn es nicht um den sportlichen, sondern um den „geistigen Teil“ meiner Reise geht. Die meisten sind meiner Meinung von dem fundamentlosen Europa, von dem man nur Euro Euro hört.Die Nagelprobe wird die Europäische Verfassung sein. Nur mit Euro und ohne „geistiges Band“ wird sie scheitern! Dass aber arme und reiche Staaten sich in einem Boot vereinigen, und der Starke dem Schwachen hilft, ist zutiefst christlich – Europa, du bist noch nicht (im Materialismus) verloren!

 

Ob wir Deutsche uns das Christliche so gut erhalten hätten wie die Schweden, die ja ewig keine Not und keinen Krieg hatten, wage ich zu bezweifeln. Bei uns geht ja vieles im Moment den Bach hinunter und dann suchen sich diese ausgehöhlten Köpfe Füllungen in Esoterik und fernöstlichen Meditationen. Wie reich wäre unser Christentum an diesen Dingen: Aquin, Benedikt, Augustinus, Loyola… die Reihe ist endlos!!!!!

 

 

 

  124. Alte Mühle bei Hakås 

 

 

 

50. Tag

Montag, 5. Juli 2004

Svenstavik > Åsarna

17 km (1.633 km)

 

05.07.2004 23:35 (SMS)

Årsarna, 18 km, Vandrahem mit eigenem Zimmer, 120 kr. Habe Sachen getrocknet, war einkaufen und koche jetzt. Auf dem Weg zum Konsum sehe ich eine Masseurtafel. Ein Wunder! Ich bekomme eine gute Massage! Werde noch einen Mückenreport schreiben. Gute Nacht, Wolfgang.

 

  

 

125. Holzschnitzer und Wirt: Wildmarkscafé    126.  Typisch für Öffnungszeiten: 11:00 – 14:00 h

       in Åsarna

 

 

 

51. Tag

Dienstag, 6. Juli 2004

Åsarna > vor Vemdalen

39 km (1.672 km)

 

06.07.2004 23:25 (SMS)

Vor Vemdalen, 39 km. Endlich konnte ich die 45 verlassen. Die sich steigernde Angriffslust der PKW-Fahrer auf den einsamen Wanderer waren nur noch schwer zu ertragen. Herrlicher Wandertag: Sonne und Wind! Kam spät aus Åsarna weg. Habe den Mückenreport verfasst! Konnte bis 22:30 h laufen. Hatte heute viele nette Anrufe. Danke. Laufe hier durch ein großes Skigebiet. Wenig Verkehr und herrliche Landschaft. Wozu schleppe ich eigentlich eine Matratze mit, wenn der Waldboden so weich wie ein Himmelbett ist?! Umgeben von Kiefernduft. Habe zudem nette Leute getroffen. Wolfgang.

 

  127. Andreas-Kreuze für den Schneescooter

 

 

 

52. Tag

Mittwoch, 7. Juli 2004

Passhöehe ?? > Vemdalen

19 km (1.691 km)

 

(Reisebericht per Fax)

In den Morgenstunden fror ich, zog mir meine Fließjacke an. Nanu, werde ich krank? Und um diese Uhrzeit ständig Autos auf der Straße? Als es mich schon um 7:00 h aus der Molle trieb, sah ich die Bescherung: Leichte Schnee- und Hagelschauer, immer intervallmäßig, daher das wiederkehrende Rauschen in den Kiefern. Wegen der vielen umgestürzten Bäume, werde ich wohl mein Lager nur noch im Niedrigstwald aufschlagen.

 

Der Wind kommt eisig von West als ich ohne Frühstück aufbreche. Als ich dann lese, dass Schwedens höchstgelegenes Dorf fast auf meiner Route liegt und die Skigebiete zunehmen. Die Berge um mich herum sind um die 1.000 m! Und ich habe auf der Passhöhe gezeltet. Als ich diese überwunden habe, wird es wärmer, deutlich, und in Vemdalen ist es dann wieder fast normal.

 

Als ich dort am Vormittag einmarschiere, fällt mir sofort das Internet-Café von RAGNAR DILLNER auf. Das darf doch nicht wahr sein. Große Städte hatten keins und hier in diesem Kaff ist eins. Das Café ist wohl Nebensache, RAGNAR gestaltet Homepages für ganz Schweden! Er lässt mich gratis an seine Maschine und wir sehen uns gemeinsam meine Homepage an. Sie gefällt ihm. Telefonische Abstimmung mit Axel zu weiteren ins Netzt zu stellende Fotos und ab ins Vandrarhem.

 

 

 

128. Wolfgang im totalen Glück, endlich online im Internet Vision Center bei RAGNAR DILLNER:

http://www.vemdaleninfo.se

 

 

150 kr. für ein winziges Zimmer. Die Hausküche ist groß und ich nutze die Chance, wieder ordentlich zu kochen: Schweinebraten, selbst gemachte Knödel und –Sauerkraut!! Man betrachtet mich etwas erstaunt und neidisch. Auf die Idee richtig zu kochen, kommt hier keiner. Aber so ein ausgehungerter Wandersmann ist eben zu allem fähig.

 

Der Ort Vemdalen hat eine Bettenkapazität von 15.000. Dieses Potenzial ruht natürlich jetzt im Sommer. Die Küche ist eine Kostbarkeit: Barock und achteckig. Herrliche Kerzenleuchter schmücken den Raum. Noch eine Seltenheit: Sie besitzt einen Campanile (das sind die freistehenden Glockentürme in Italien), natürlich aus Holz. In der Herberge habe ich wenig Kontakt, gehe nach einigen Berichten früh ins Bett. Heute mal keine SMS, dafür morgen ein Fax an Axel. Gruß Wolfgang.

 

 

 

53. Tag

Donnerstag, 8. Juli 2004

Vemdalen

12 km (1.703 km)

 

 

8.07.2004 13:15 h (eigener Gästrebucheintrag)

Herzlichen Dank ihr lieben Schreiber. Freue mich über jede Mitteilung… auch über „Du musst vielleicht ein Spinner sein! “ Habe keine Angst! Wer es mir nachmacht erhält ein genau so grosses Herz! o.k.? Nochmals Danke fuer die netten Zeilen.Wolfgang in Vemdalen.

 

 

(Reisebericht per Fax) 

Ich will in Vemdalen bleiben. RAGNAR will mir den Flugplatz zeigen, ich möchte die Gegend erkunden und am Abend gibt es ein kleines Volksmusikfest im Freilichtmuseum von Vemdalen. Ich packe im Vandrahem, lasse das Gepäck dort und gehe zu RAGNAR ins Café, um Axels Fotos zu beschriften.

 

     129. „Wetterstein“ auf dem Flugplatz

 

  

    130. Kochen ist seine Leidenschaft

 

 

Danach lade ich RAGNAR zum Essen ein, dann zeigt er mir den Flugplatz, dessen gute Seele er ist. http://www.vemdaleninfo.se/hedlanda.

Eine 1.000 m Asphaltlandebahn hat man hier, angeflogen aus ganz Schweden, vor allem Stockholm. Golf und Ferienhäuser. Treffe einen Würzburger, der schon 40 Jahre hier in Schweden lebt. Warum: Freiheit und Natur!

 

FRIDA SJÖDIN von der „Östersunds-Posten“ hat sich angekündigt. Sie will eine Seite mit mir machen. Eine kluge und ausgesprochen hübsche Reporterin. Am nächsten Tag wäre der Artikel schon in der Zeitung. Für die Fotos muss ich mein „Geschirr“ anlegen.

 

Im Garten von RAGNAR schlage ich mein Zelt auf, obwohl er mir seine Stuga (Hütte) anbietet. Wenn meine Hundehütte in 3 Minuten steht, macht man keine Umstände.

 

Nach dem Essen geht es dann zur Volksmusik: Da ich „Special Guest“ bin, brauche ich keinen Eintritt (100 kr.) bezahlen. Ungefähr 300 Besucher sitzen auf Bänken vor einer Bühne auf der eine Musikgruppe (Gitarre, Bass, Akkordeon) zusammen mit den Besuchern musiziert und singt. In der Pause gibt es Gebäck und typische, eigenartige Speisen, deren Grundlage meist Milchprodukte sind.

 

   131. Musikfest. Vemdalen

 

 

Ich hole meine Gitarre mit Mundharmonika und werde gebeten, auf der Bühne etwas zum Besten zu geben. Ich spiele und singe 3 böhmisch-bayerische Stücke unter rhythmischem Geklatsche der Zuhörer und als Zugabe die „Saufbrüder“ obwohl es keinen Alkohol gibt.

 

   132. Wolfgang in „seinem Element“

 

 

Der Abend klingt gemütlich vor RAGNARs Haus aus, der ein Lagerfeuer gemacht hat. Ergebnis: 3 Flaschen französischer Rotwein. Gruß Wolfgang.

 

P.S. Vorher, um 20:50 h hatten wir vergeblich versucht, ein offenes Lokal zu finden, zwecklos! Die Atmosphäre auf dem Festival war totale „Heile Welt.“

 

    133. Grillen bei RAGNAR

 

 

 

 

134http://www.vemdaleninfo.se  Ausschnitt mit Link auf Wolfgangs Homepage

 

 

 

54. Tag

Freitag, 9. Juli 2004

Vemdalen > Sveg

0 km (1.703 km))

 

(Reisebericht per Fax)

RAGNAR ist Frühaufsteher (7:15 h). Ich hole Brötchen und wir frühstücken gemeinsam. Erstaunlich wie ordentlich und sauber sein Junggesellenhaus ist! Im Café sehe ich, dass Axel schon einen Teil der Bilder neu beschriftet hat. Die Faxe sind also angekommen. RAGNAR muss weg. Ich darf in seinem Büro bleiben und weiter schreiben. Welch’ ein Vertrauen. Bald ist Aufbruch, kleine Straße, Richtung Sveg. Eine Nachtwanderung steht bevor.

 

 

(weitergeleitete eMail)

 

Betreff: Wolfgang Andreas in Vemdalen tipsar dig om en artikel

 

Erfaren pilgrim på väg till Italien

Wolfgang Andreas från Tyskland ska gå från Nordkap till Sicilien.

Ja, gå.

Utrustad med lederhosen, vandrarstav och beslutsamhet stegade han in i Vemdalen. Läs mer på

http://www.op.se/index.php?visa_id=390205

 

 

Lieber Axel!

Gestern war eine ausgesprochen hübsche Reporterin hier bei RAGNAR im Inter Vision Center und heute schon ist der Artikel in der „Östersund-Posten“. Weiterhin war gestern ein musikalischer Auftritt von mir vor 300 Leuten auf einer Volksmusikshow. RAGNAR sendet Dir die Bilder.

 

Avsändare:

Wolfgang Andreas in Vemdalen

 

 

  135. FRIDA SJÖDIN von „Östersunds-Posten“

 

 

 

Freitag, 9. Juli 2004 (Online-Presseveröffentlichung Östersund-Posten)

 

   136. Pressefoto

 

Ovan: Snäckan som sitter på vandrarhatten är en internationell symbol för pilgrimmer som är ute och vandrar. Wolfgang Anderas fick den i Spanien och har mött många som vill hjälpa honom när de fått syn på den. Vänster: Har ni sett den här mannen? Wolfgang Andreas är på väg från Nordkap till Sicilien. Han började i maj och beräknas vara framme i oktober.

Foto: Frida Sjödin

 

   137. Pressefoto

 

Ovan: Snäckan som sitter på vandrarhatten är en internationell symbol för pilgrimmer som är ute och vandrar. Wolfgang Anderas fick den i Spanien och har mött många som vill hjälpa honom när de fått syn på den. Vänster: Har ni sett den här mannen? Wolfgang Andreas är på väg från Nordkap till Sicilien. Han började i maj och beräknas vara framme i oktober.

Foto: Frida Sjödin

 

Erfaren pilgrim på väg till Italien

VEMDALEN, ÖP
Wolfgang Anderas från Tyskland ska gå från Nordkap till Sicilien. Ja, gå. Utrustad med lederhosen, vandrarstav och beslutsamhet stegade han in i Vemdalen.

Vid 62 års ålder fick Wolfgang Andeas problem med hälsan och var tvungen att sluta sitt jobb som lärare i teknik och historia. Hans läkare ordinerade promenader.
    År 2000 gick han från Paderborn i Tyskland till Santiago de Compostella i Spanien. Sträckan på 3 000 kilometer tog honom 101 dagar att avverka.
    Nu ger han sig i kast med Sverige. Men de olika sträckorna är ingen slump. När alla strapatser är klara ska det tillsammans bli figuren av ett Andreaskors på kartan. För planen är att han efter den här trippen ska ge sig i kast med den sista armen på korset, och den kommer gå från Uralbergen till Paderborn.
    Så det finns andra syften med hans promenader än bara medicinska. De vilar även på politisk och religiös grund.
    – Vi kan inte bygga Europa enbart på euron som politikerna vill. Jag tycker det finns en annan grund som är viktigare, nämligen religionen. Politiker kämpar mot referenser till Gud i konstitutionen, och det tycker jag är fel, säger han.
    När han gör sina resor är han därför övertygad om att den kristna andan kommer visa sig genom hela kontinenten. Det är den som ska vara grunden och hålla Europa samman, anser Wolfgang Andreas. Dagsetapperna ligger på 20-50 kilometer och han började gå från Nordkap 17 maj.
    Packningen väger 18 kilo och nätterna tillbringas till största delen i skogen. Vägen går relativt rakt genom Sverige, nu har han följt väg 45 en lång bit.
    – Busschaufförerna börjar känna igen mig. De brukar tuta och hälsa på mig på morgonen och sedan igen på kvällen när de kommer tillbaka, säger han.
    Valet av motionsform ångrar han inte för en sekund.
    – Jag mår otroligt bra nu. De första åtta dagarna är värst, sedan bara går man, säger Wolfgang Andreas.
    Han kommer passera Sveg om en eller två dagar, och beräknar vara framme i Sicilien någon gång i oktober.
    Frida Sjödin
    +46-680-10680
    frida.sjodin@op.se

 

 

 

 

   138. 9. Juli 2004 Veröffentlichung Östersund-Posten

 

 

 

10.07.2004 6:55 (SMS von JANINE an Wolfgang)

Hej, Du tüchtiger und inzwischen prominenter Wandersmann! Ich trudle morgen in Alta ein. Mit Hammerfestabstecher bin ich Freitag am Kap (ich fahre zu beiden).

Hälsningar! JANINE (Radlerin, aus Meselefors, München-Nordkap)

 

 

 

55. Tag

Samstag, 10. Juli 2004

Vemdalen > Sveg

64 km (1.767 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Gegen 13:00 h verließ ich am Vortag Vemdalen. Endlich eine richtige kleine Straße! Ab und zu mal ein Auto. Gegen 14:00 h komme ich an einer Trabrennbahn(!), Travbana auf Schwedisch, vorbei und ich muss Ölzeug anlegen, denn es pieselt.

 

Um 20:00 h halte ich auf dem Fischercamp Vemhåns und lerne somit eine neue Rasse kennen: Angler. Während in Repvag die Angelei mehr fabrikmäßig ablief und ich eher den Eindruck hatte, dass die Leute arbeiteten, um ihren Riesenfang von der Nacht zu filetieren, hatte ich es hier mit Sportlern zu tun. Viele Deutsche. Der Wirt BERTIL spricht und liest erstaunlich gut Deutsch und hat Sinn für allerlei nette Spielereien auf seinem Fischercamp. Kaum eine Ecke, wo nicht eine Überraschung auf einen wartet: ich drücke aus Neugier einen Knopf am Tresen, schon beginnt ein Riesenhummer Twist zu tanzen, einen Automatenraum nennt er Las Vemhåns, elektronisch gesteuerte Verrücktheiten überall. BERTIL der Bastler. Es ist gemütlich, das Bier schmeckt und da ich nicht auf den Preis achte, kommt um 1:00 h auch eine stattliche Rechnung von 235 kr heraus. Dass er mir das teuerste Bier andrehte ist Wirtsrecht. Bei dieser Zeche kann er mir schon anbieten, gratis zu übernachten, aber ich starte um 1:15 h zu meiner ersten Nachtwanderung.

 

 

   139. Nachtwanderung gegen 4:00 h morgens 

 

 

   140. Bin nun Mitglied, ohne einen Fisch gefangen zu haben 

 

In 4 Stunden begegnen mir 2 Autos! Ein herrliches Laufen! Es ist ein Dämmerlicht, das gegen 3:30 h durch die Sonne gebrochen wird. Nebelschleier liegen über den Sümpfen, denn ich bin in der Wildnis der bärenreichsten Gegend Schwedens: Härjedalen. Lange überlege ich, ob ich bis Sveg durchlaufen soll, doch gegen 5:00 h schlage ich mein Zelt auf und schlafe durch bis 10:30 h.  Ein wunderbarer Schlaf, ich hätte gut weiterlaufen können, aber man soll nichts übertreiben! Nach dem Aufstehen ist „Putz- und Flickstunde“ angesagt: Etwas ist da immer zu nähen. Heute das Schweißband im Gran Lusso, den mir SLOMI  nach Santiago mitgab und ein Knopf der Lederhose muss angenäht werden. So sitze ich im Wald auf herrlichem silbernem Moos und nähe mit Fallschirmseide, Nadel und Zange (an meinem Schweizer Messer). Erstaunlich wenig Mücken.

 

Endlich weiß ich, was „Café und Loppis“ heißen: Kaffee & Trödel. Ein Bauer hat aus seinem Hof ein Geschäft gemacht. Dass ich von allen Seiten (wispernd) betrachtet werde sagt nur, dass der nette Zeitungsartikel von FRIDA SJÖDIN seine Wirkung zeigt. Oft werde ich angesprochen. Angeregt durch den Trödel beschließe ich, die nur haufenweise an der 84 liegenden Dosen und Flaschen zu sammeln: ein Zwiebelsack klappert nun 35 km an meinem Rucksack und ich hebe nur die mir nahesten Dosen und Flaschen auf. Alles, was noch eine Code-Nr. hat, soll der Automat im Konsum schlucken. Das Geld liegt in Schweden am Straßenrand! In Sveg wirft mir der Automat einen Gutschein heraus: 72 kr. Das Pfandthema bekommt einen eigenen Artikel.

 

Während ich in der Sitzecke des Supermarktes meinen „Bananen-Milchstoߓ zelebriere, spricht mich ein Mann an. TOR-ERIC, Mittdreißiger, Glatze, Fahrrad. Er ist an meiner Idee interessiert, er las den Artikel in den Östersund-Posten. Wir kommen ins Gespräch und ich bitte ihn, nach dem Weg zum Vandrarhem zu fragen. Er bietet mir an, in seinem Haus zu schlafen. Ich sorge für das Abendessen: Bier, Frikadellen, Sauerkraut, neue kleine Kartoffeln in der Pfanne gebraten. Am Abend kommt NILS, sein Freund dazu und nach oberflächlichen Gesprächen kommt man zum Wesentlichen. NILS Thematik kreist den gesamten Abend um das Problem der Übervölkerung der Erde und ringt mit diesem Thema in ernsthafter Manier, allerdings komplexhaft, so dass mir Faust einfällt: „Ein Kerl der spekuliert, ist wie ein wildes Tier auf dürrer Heide, von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt und rings umher liegt schöne grüne Weide.“ Beide Männer, Norweger ringen ernsthaft mit sich selbst.

 

   141. TOR-ERIC in Sveg

 

Für mich wird es um 2:00 h langsam Zeit, doch ich bin jetzt aufgedreht… 25 km bei großer Hitze, Nacht durchgelaufen, 2 l Bier (5,3 %) und philosophische Gespräche in Englisch über 6 Stunden. Ich sage den Beiden, dass ich jetzt das Handtuch werfe. Beeindruckt von der Gesprächstiefe schlafe ich auf meinem Lager in der Küche schnell ein. Da legst di nieder! Wo man überall hingerät!! Gruß Wolfgang

 

 

 

56. Tag

Sonntag, 11. Juli 2004

Sveg > Lillhärdal

29 km (1.796)

 

(Reisebericht per Fax)

Frühstück bei TOR-ERIC. Wunderbar! Brötchen, Eier, endlich Marmelade! Eigentlich wollte ich die Berichte gestern schreiben, kam nicht dazu. TOR liegt auf dem Sofa und schläft, ich sauge mir die letzten Nachtgespräche aus dem Finger. Wenn mir die Berichterei zu stressig wird, gibt es ein paar Tage „Aus dem Norden nichts Neues…!“ Will jetzt gleich nach dem aufgewärmten Sauerkraut Richtung Lillhärdal aufbrechen.

 

Gegen 14:00 h verlasse ich Sveg über eine Brücke besonderer Art: Zug und Straße. Wenn ein Zug kommt, wird sie durch Schranken gesperrt. Die Inlandsbana nach Mora fährt einmal täglich in den Sommermonaten. Im Winter steht sie still. Wer soll auch die Bewältigung der Schneemassen bezahlen, denn Sveg hat oft Temperaturen von -35° C.  Inzwischen häufen sich die Steinhäuser. Es fängt an zu regnen und hört bis Lillhardal nicht mehr auf. Die Landschaft Härjedalen hat mir bisher gut gefallen, Mensch und Landschaft. Bis auf die Autofahrer: Da begegnet ihnen auf 500 km mal ein Fußgänger und sie sind unfähig ihre Kiste auf die Überholspur zu lenken – und das bei Regen!! Dass sie heute so aggressiv sind, mag vielleicht wieder mit dem Restalkohol zusammenhängen – das Wochenende ist vorbei. Es ist also kein angenehmes Laufen. In ein paar Tagen liefere ich Euch eine ziemlich genaue Typologie der skandinavischen Autofahrer, nach fast 2.000 km darf ich das. TOR-ERIC begleitet mich bis zum Ortsausgang. Nach 20 km soll ich ihn wieder sehen, wenn er mir meine „Waffe“ bringt, eine Eisenspitze, die ich auf den Pilgerstock schraube, wenn ich durch „suspekte Gegenden“ marschiere. Da fährt der Mann 20 km auf dem Rad, bei Regen (!) um mir das Sch…ding zu bringen. Danke!

 

Nach 15 km hatte ich in einem Schutzhaus für auf den Bus wartende Schulkinder Rast gemacht. Die Bank ist so verstaubt, dass man annehmen muss, dass es keine Schulkinder mehr gibt… Gegen 19:00 h marschiere ich in Lillhärdal ein. Nicht nass, aber feucht. Seit dem Zeitungsartikel im Östersund-Posten fühle ich mich erkannt und betreut. Autofahrer hupen freudig und vor dem Touristbüro wartet ein Mann: Der Campingplatz wäre geschlossen, ein Vandrarhem haben sie nicht, aber „sie“ hätten Zimmer. Aha! Preis 150 kr. Jetzt noch weitergehen in die fast 100 km dauernde Elch- und Bärenwildnis bis Älvdalen? Ich sage zu. Nachdem ich am Computer nicht in meine Seite komme, zeigt mir der Chef vom Büro mein Zimmer: Riesendoppelbett, Riesenküche, Riesenkonferenzraum, Bad und Toilette. Der Kühlschrank voll – diese tief gefrorenen Bratkartoffeln könne ich mir machen! Die Türe solle ich morgen einfach nur ins Schloss ziehen! Weg ist er! Ob sich mein freundlicher Bericht über Östersund herumgesprochen hat? Manchmal habe ich den Eindruck. Wenn die merken, dass man schreibt, werden die Menschen sowieso ganz anders… Heute bin ich zum Schreiben nicht mehr fähig und sinke um 22:00 h ins Doppelbett.

 

 

   142. Tourist-Byra in Lillhärdal

 

 

    143. Hausaufgaben für Axel

 

 

(Reisebericht per Fax)

Um 7:00 h sitze ich schon bei Kaffee am Küchentisch und schreibe für Axel. Wenn um 9:00 h die Bürodame kommt, will ich mal sehen, was er da wieder schönes gebastelt hat.

 

Vandrarhem – Jugendherbergen

Neben den Campingplätzen die einzige Form, einigermaßen preiswert über die Runden zu kommen. Die STF-Heime sind unsere Jugendherbergen in denen man um 30 % teurer auch ohne Mitgliedsausweis übernachten kann. Aber viele Orte haben Vandrarheme die sie selbst führen. Meist besser ausgestattet aber etwas teuerer. Als Mitglied zahlt man im STF-Vandrarhem 100–165 kr. Die privaten nehmen fast immer 150 kr (eine Stelle ab + etwas mehr = €uro). Viele Vandrarheme sind in der Obhut von Hotels, was sich vor allem im Preis zeigt (Stordman 200 kr). Dass diese Vandrarheme von den sauteueren Hotels (Einzelzimmer Arvidsjaur 640 kr, Honnigsvag 1.250 Nkr!) nicht geliebt sind, ist klar und dass hier „feindliche Übernahmen zum Plattmachen“ stattfinden, kann man sich auch denken.

 

    144. Jugendherberge

 

Die Vandrarheme werden meist von Familien und Rentnern besucht. Ihre Existenz ist vielen Ausländern gar nicht bekannt. JANINE, die allein, ohne Zelt unterwegs war und andere habe ich auf diese wunderbare Einrichtung aufmerksam gemacht. Sie zahlten oft für die Hütten (Stugor) die überall am Wegesrand angeboten werden 200 kr und mehr und haben bei weitem nicht den Komfort, die die Vandrarheme bieten: Voll ausgestattete Küchen, Fernsehen, Internetanschluss (gegen Bezahlung, 20 min. 40 – 50 kr), Waschmaschine und Trockner, Aufenthaltsraum mit gemütlichen Sitzecken. Ich hatte bisher immer ein Einzelzimmer. Mehrbettzimmer sind billiger, doch bei meiner Schnarchleistung!!

 

   145. Stugor

 

Es ist also angebracht grundsätzlich in einem Ort nach dem Vandrarhem zu fragen. Wenn dort keines ist, ist mit der Frage schon der Weg zu einem preiswerten Zimmer geebnet. Billigflieger gibt es bei den Unterkünften! In Gällivare habe ich nur einen STF-Ausweis gekauft, der in den Jugendherbergen der ganzen Welt gültig ist. Der Nachteil des Vandrarhems ist, dass man allein bleibt, denn hier kocht jeder sein eigenes Süppchen. Auf dem Campingplatz hat man schneller Kontakt mit dem Nachbarn, mit Landsleuten – und das brauche ich auch als Einzelkämpfer ab und zu einmal, da ich ja den ganzen Tag allein latsche.

 

Jedenfalls, hier in Lillhärdal, wo ich diesen Artikel schreibe, habe ich es hervorragend angetroffen und ich werde, bevor ich in die Bären- und Elchwildnis verschwinde, einige Fotos von der Unterkunft machen.

 

 

 

12.07.2004 14:30 (SMS)
Ha, haste wieder eine Nacht- und Morgenschicht gemacht? Hoffe die Faxe von Sveg (wollte ERIK abschicken, 2 Seiten) und meine 4 Seiten von heute Mittag sind eingetroffen? Bisher noch nichts von Lowe zu Deiner Rucksack-Mängelrüge gehört. Wolfgang

 

 

 

57. Tag

Montag, 12. Juli 2004

Lillhärdal > hinter Lillhärdal

25 km (1.821 km)

 

 

12.07.2004 20:15 (SMS)

Nach Lillhärdal, 25 km. Das Glück ist mit den Doofen: gehe einsamen Waldweg, nach 25 km kommt ein Artik-Moos-Bauer und zeigt mir im Wald versteckt das Hüttendorf eines Hotels. B & B (Bett und Bullerofen) gratis und mit echter Petroleumlampe. Der Ofen heizt zu gut und draußen lauern die Mücken! Wolfgang

 

   146. Meine möblierte Hütte im Wald

 

 

 

 

(Reisebericht per Fax)

Im Touristenbüro von Lillhärdal konnte ich noch gut meine Faxe loswerden. Die Leute sind sehr nett. Axel verpacke ich 3 Filme, stecke noch einige Elchkarten hinein und marschiere los. Gleich nach Lillhärdal gehe ich eine Nebenstrecke über Östansjö, denn weiter nach einer Brücke links, soll es einen herrlichen Weg nach Älvdalen geben. Nur Wald und immer am Fluss entlang. Die Leute grüßen hier auffallend freundlich. Also nicht nur die Kassiererin im Konsum hat den Artikel gelesen! Ich fühle mich fast durch Herjedalener getragen. Ob das mit rechten Dingen alles zugeht? Wenn ja, so haben die Herjedalener eine gute Geheimpolizei…

 

   147.

 

Ich biege in den Waldweg ab. Herrlich. Es ist schon spät, ich habe aber erst 25 km gelaufen. Da naht ein Lastwagen von hinten. Der Fahrer, ein Artik-Moos-Bauer hält an und fragt mich, woher, wohin und wer mir diesen alten Weg gezeigt habe. Er sammle Moos und verschickt es in die ganze Welt. Das war mir ja schon aufgefallen und ich habe bestimmt gute Bilder von der Moos-Fabrik. Er wünscht mir gute Reise und nach 50 m hält er an: Da im Wald stünden Hütten von einem Hotel, da könne man zur Not auch übernachten. Gut getarnt! Nach dem Dickicht geht es über eine Sumpfstiege und dann taucht urplötzlich ein „Urwalddorf“ auf. Eine Hütte ist offen: 4 Betten mit Bettzeug, Schlafsäcke, Tisch, Bullerofen. Phantastisch, das Abenteuer wieder einmal perfekt gelungen!! Im Ofen ist schnell Feuer gemacht und neben der vollen Taschenlampe steht eine echte Petroleumlampe „Feuerhand“, 276, Baby, Made in Germany. So wurde sie schon vor 150 Jahren gebaut!! Solide, simpel, sicher. Technisch ausgereift!

 

   148. Schreibtisch für Axels grenzenloses Info-Verlangen

 

Doch was wird gekocht? Ich durchforste den Esssack: Brühwurst, Kartoffelpüree, Haferflocken, bereits mit Rosinen versetzt… mehr habe ich nicht, ich dachte ich treffe auf einen Laden. In den Püree schneide ich die Wurst, dazu kommen Haferflocken mit den Rosinen, aufgekocht, fertig! Es schmeckt sogar. Denn süß und Wurst, gehören geschmacksmäßig mit dem Ketchup zur deutschen Küche. 1962, als ich das erste mal Schweden mit meiner Zündapp bereiste, berichtete ich zu Hause vom süßen Senf auf der Bratwurst und alle schüttelten sich!! Nach dem Essen spiele ich am malerischen Fluss noch etwas Gitarre. Danach schreibe ich dann diesen Bericht beim Schein der Petroleumlampe. Jeremias Gotthelf, bekannt unter seinem bürgerlichen Namen Albert Bitzius schrieb seine oft gruseligen Geschichten immer am offenen Kaminfeuer… diesem Bericht merkt man es hoffentlich nicht an!

 

Docht runtergedreht, gute Nacht! Stopp! Docht wieder hoch! Von innen sichere ich die Tür mit meinem Pilgerstock – so ein Schnarcher ist wehrlos. Aber welcher Ganove kommt schon in eine solche Wildnis! Ich fühle mich sicher. Wolfgang.

 

  

   149. Badefässer bei meiner Hütte, im Winter heiß

 

 

 

58. Tag

Dienstag, 13. Juli 2004

Waldhotelhütte > Waldplatz vor Älvdalen

62 km (1.883 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Gegen 10:00 h komme ich aus meiner Hüttenidylle weg, das Ende wird um 23:30 h nach 62 km sein, kurz vor dem nächtlichen Dauerregen. Ich laufe den alten Weg weiter, treffe den Litauer, der gestern beim Artik-Moos-Bauer im Lastwagen saß und nun in Paletten das Artik-Moos zupft. Kleine Bällchen muss das Moos haben, dann ist es brauchbar. Den ganzen Tag im Bücken…

 

 

    

 

150. Littauer füllt im Wald die Paletten            151. Moospaletten, in die das Artic-Moos im Wald gezupft wird

 

Polen, Litauer, Letten, Russen verrichten auch bei uns die „Bückarbeiten“ wie: Spargel stechen, Erdbeeren pflücken, Beeren sammeln und … Moos zupfen … wie lange noch? Dann kommen die Chinesen. Dieser Zupfer macht mir unmissverständlich klar, dass einige Kilometer weiter Bären ordentliche Haufen neben die Straße gesetzt haben. Die Art wie und wie groß sie gemacht wurden weiß ich jetzt genau…

 

 

   152. So sammelt ein anderer Artic-Moos-Bauer

   

   153. 10 Minuten vor der Bärenbegegnung

 

Es müssen 3 km gewesen sein, da huschte ein Meister Petz mit zwei Kleinen über die Straße. Ich hatte keine Zeit, die Kamera zu ziehen und war der Bärin völlig gleichgültig. Später sagte mir ein Fischer, dass sie den Geruch von Menschen widerwärtig finden. Also, völlig ungefährlich, wenn man ihnen nicht zu nahe auf den Pelz rückt, vor allem wenn sie Junge haben. CLAUDIA teilte mir mit, dass in Nordamerika mehr Unfälle durch Elche als durch Bären passieren, immer wenn sie Junge haben.

 

Anfangs ging es schwerer, bis ich merkte, dass ich eine Passhöhe von fast 700 m erreicht hatte. Langsame stetige Steigungen erkennt man schwer. Abwärts über Ulvsjön läuft es dann wie geschmiert. Muss es auch, denn bis Älvdalen ist nichts! Totale Wildnis, wie in der Finnmark, nur grün! Um 23:30 h schlage ich mein Zelt auf. Es wird die ganze Nacht durch regnen!

 

 

 

59. Tag

Mittwoch, 14. Juli 2004

Waldplatz vor Älvdalen > Rot

18 km (1.901 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Nass eingepackt und ohne Frühstück los! Nach einigen Kilometern setze ich mich an ein Häuschen und frühstücke alle Reste, die noch im Sack sind: Haferflocken, Rosinen, Butter und Wasser. In Rot, kurz vor Älvdalen gehe ich in das Café des Heimatvereins und merke sofort, dass die Jungs rege sind. Das erste Sandwich muss ich noch bezahlen, das nächste nicht mehr. Man beschließt, dass ich heute hier bleiben muss, denn abends sei ein Musikfest. Nun wird überlegt, wo ich schlafen kann. „Urlaub auf dem Bauernhof“ kostet 300 kr, das also nicht! Als ich das Abmühen merke, schlage ich vor und auf – mein Zelt. Schöner Platz hinter dem Museum. Heute Abend wieder Special Guest…

 

 

154. Ein Kaffee und ein Brötchen – der Rest war gratis. Im Heimatmuseum von Rot

 

PER-ERIK HEDÉN bemüht sich sofort um mich. Er ist hier im Heimatmuseum der „gute Geist“. Diese guten Geister gibt es also auch hier in Schweden – Ehrenamtler. Ihre Arbeit ist unbezahlbar und sie schaffen mit Liebe!! Bei PER-ERIK geht alles langsam – aber sicher. In ihm habe ich eine neue Rasse kennen gelernt: Wetterfrosch, pardon! Wetterstationsleiter. Seit drei Generationen beschäftigen sich die HEDÉNs mit Wetteraufzeichnungen. Erst privat, dann amtlich. Der Blick von PER-ERIK geht immer zuerst zum Himmel, wenn er aus dem Hause tritt, dann blinzeln die Augen – oder nicht, dann wird die Nase eingesetzt und der Kopf wie eine Wetterfahne gedreht: Wolken, Sonne, Windrichtung, Temperatur werden so registriert. Dann lebt PER-ERIK  ständig mit der Zeit: 8:00 h erste Meldung, Ablesen der Geräte. Nun ist es vorbei damit, denn das Wetteramt hat ihm eine vollautomatische Wetterstation auf die Wiese vor dem Haus gesetzt und PER-ERIK muss nur noch warten und etwas kontrollieren. Doch er macht weiter und vergleicht die Daten der alten mit der neuen Anlage. Welche Katze kann schon das Mausen lassen. Und wie freut er sich, wenn er noch Dinge melden kann, die der Automat falsch oder gar nicht sieht. Ich klettere mit ihm überall hin: taunasses Gras bis zum Kinn Langsam aber sicher! Dreimal wird jede Zahl kontrolliert. PER-ERIK hat seine eigene Homepage eingerichtet:

www.ehf.w.se/vaeder

 

 

 

155. PER-ERIK vor seiner vollautomatischen Wetterstation

 

 

Älvdalen hat seine eigene Sprache, die mehr dem „Wikingerisch“ ähnelt und näher dem Deutschen ist als dem Schwedischen. Hochinteressant. Sie haben hier einen Verein für Sprachforschung. Rot, wo sich das alles abspielt, ist ein eigenwilliger Vorort von Älvdalen mit einer regen Mannschaft, die in einer Festung von 1677 arbeitet.

 

Am Abend ist dann Musikfest, doch dazu ist ein Bericht fällig! Ich werde mit meiner Gitarre – ganz anders als in Vemdalen – alleine gelassen und liege schon um 21:40 h im Bett. Doch PER-ERIK steht plötzlich vor dem Zelt. Er müsse noch im Museum arbeiten, ob ich nicht in Haus kommen wolle? So wird es 23:00 h. Es wird 3° C werden. Bergland! Nächsten Morgen hat sich eine Zeitung angesagt.

 

 

Musikfeste

der Sommer ist hier kurz: 3 Monate und so muss sich alles konzentrieren! Mitten in der Woche kommen 600 Leute aller Altersschichten meist in die zu Theatern gestalteten Freilichtmuseen! Beginn 18:30 h. Um 21:30 h ist der Platz leer! So war es in Vemdalen, so ist es auch hier. Eine Pause ist eingebaut – Essen und Trinken, kein Alkohol! Da alles draußen sitzt, wundere ich mich, dass kaum einer zu den schwarzen drohenden Regenwolken aufschaut: Gelassenheit und Optimismus. Als es dann regnet, läuft keiner weg, sondern spannt gemächlich seinen Schirm auf – oder nicht. Man weiß, dass der Schauer schnell vorbeigeht. Während die Gruppe in Vemdalen reine Volksmusik spielte, hat die Band hier in Rot eine größere Palette im Angebot. Ein Sänger singt im Dialekt der Hiesigen. Ich spiele drei Stückchen „böhmisch – bayerisch“ und bekomme ordentlichen Beifall. Die Leute klatschen im Takt mit. Ansprechen wie in Vemdalen tut mich keiner. Es wundert mich sehr, dass man die Band unter einem mannshohen Schutzzelt spielen lässt ohne Podest und ohne Scheinwerferlicht. Man spielt versteckt im kleinen Zelt! Doch niemanden stört das offensichtlich.

 

  

 

156. Musikfest in Rot                                  157. Mein zweiter Auftritt auf einem Musikfest

 

Es gibt hier noch einen besonderen Volkssport: Ich nenne es einmal „Quiz-Gerenne“. Ich hatte das 1.000 km vorher schon zweimal registriert. Aber jetzt das dritte Mal!? Frei im Gelände – auch manchmal etwas versteckt – sind Zettel mit Fragen aufgestellt. Und jeder, wirklich jeder (!) geht mit einem Zettel an den Stationen vorbei und macht seine Kreuzchen. Kurz vor Schluss ist dann die Siegerehrung mit Preisverleihung. Die Lautstärke der Beschallung hält sich – nicht wie bei uns – im Rahmen. Und wie schon gesagt: Um 21:30 h ist der Platz leer, da fegt nur noch Frau Wirtin den Tanzboden aus!

 

 

   158. „Kanal von Korinth“

 

14.07.2004 21:30 (SMS)
Komme morgen früh wieder an ein Fax um die fehlenden Seiten nochmals zu senden. Hatte gerade wieder einen Auftritt vor 400 Leuten. Ist das Fax von Sveg, mit Namen TOR-ERIC da? Die Filme aus Asarna schicke ich Dir noch ohne Nummern! Digitale Bilder Theke und Oldsmobil? Wolfgang.

 

 

 

   159.

 

15.07.2004 14:20 h (eMail von Claudia Braitmaier)

Anbei mal ein Uralt-Foto von meinem Vater anno 1964 auf der MS Neckar, das Wolfgang beim „Wegfinden“ zeigt. Gruß Claudia

 

 

60. Tag

Donnerstag, 15. Juli 2004

Rot > hinter Evertsberg

22 km (1.923 km)

 

16.07.2004 16:00 (SMS)
Bis zu einem Campingplatz hinter Evertsberg, 22 km. Die Gegend des Vasalaufes. Alle Sieger sind in Stein gemeißelt und die Schrift in Gold ausgelegt. Zwei Deutsche haben es bisher geschafft: JOCHEN BEHLE aus Willingen. Gruß an PETRA und JOCHEN! Aber hier ist im Sommer „der Hund begraben“. Alle Läden sind spät auf und schließen früh. Eigentlich wollte ich Einkaufen und ins Vandrarhem. Ehe ich wieder allein hause, laufe ich weiter bis zum Campingplatz. Dort treffe ich ein holländisches Ehepaar mit drei netten Kindern 6, 9 und 12 Jahre alt. Es ist eine fröhliche Truppe trotz ihrer Mückenstichgesichter. Mir wird mit Brot geholfen. Kartoffelpüree habe ich noch! Um 23:00 h ist Sense. Gruß Wolfgang.

 

 

   160. Die Sieger des Vasalaufes, 1996 JOCHEN BEHLE, Tyskland 

 

 

    

 

161. Dauernd kreuzt die Vasalauf-Loipe meinen Weg  

 

 

 

61. Tag

Freitag, 16. Juli 2004

hinter Evertsberg > vor Öje

41 km (1.964 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Regentag. In Vanjan esse und trinke ich bei ANKE und JÖRG, die hier eine neue Existenz aufgebaut haben. Marschiere am Abend noch weiter. Ein Bauer, der seine Kühe sucht, zeigt mir ein Schutzschild und macht Feuer. Herrlicher Platz am Flugplatz. Als aber zwei Litauer langsam vorbeifahren, schlafe ich nicht in dem Schutzschild, sondern schlage mich in den Wald. (Die Litauer arbeiten in den Pilzen und Beeren und suchen kostenlose Schlafmöglichkeiten). Am Morgen kehre ich zu dem Platz zurück und nehme im Fluss ein Morgenbad. Nach gestrigem Regentag sehr nötig!

 

  

 

 

162. Den Kiosk in Venjan führen ANKE und JÖRG HAGEDORN aus Bad Kreuznach. Endlich ein Maß!

 

 

 

         163.

 

  

 

164. Realität: Morgenwäsche im Fluss. Allein mit dem Selbstauslöser!

 

 

 

62. Tag

Samstag, 17. Juli 2004

vor Öje > Malung

28 km (1.992 km)

 

17.07.2004 23:00 (SMS)
Bis Malung, 32 km. Marschiere um 19:00 h in den Ort ein. Überall ist Halligalli. Tanzfestival. 10 Bands spielen ab 20:00 h und ich werde von der Straße her um Essen und Trinken eingeladen, Wahnsinn. Ich muss keinen Eintritt von 200 kr bezahlen! Dazu gibt es einen Extrabericht! Wo bin ich gelandet? Schlafe gratis im Zelt. Der Rummel geht weiter! Wolfgang.

 

 

 

Nachtrag (Reisebericht per Fax vom 9.8.2004)

Dansbana

 

Wer es nicht sah, glaubt es nicht! Mein Bruder Werner sagte schon 1962, die Schweden hätten ein interessantes System des Tanzens: Die Gemeinschaftshäuser (Folketshus), meist auch noch mit Bibliothek verbunden, organisieren  am Wochenende Tanzfeste. Zwischen zwei aufsteigenden Tribünen ( Frauen- und Männertribünen) befindet sich die Tanzfläche. Die unterste Bankreihe hat das Recht zu tanzen und muss sich nach dem Tanz wieder hinten einreihen. Beginnt die Musik zu spielen, rasen die Männer auf die andere Seite und schnappen sich, wenn sie es schaffen, ihre Flamme. Ein Tanz am Abend war immer Damenwahl und der „letzte Tanz’“ war immer ein „Knutschtanz“. Jede Reihe erhoffte und forderte gegen Ende den Knutschtanz…

 

Ganz so ist es nicht mehr! Als ich in Malung (gegen 17 Uhr) in meiner „Waldtracht“ einmarschierte wurde ich sofort von einer heiteren Gesellschaft an den Tisch gebeten und verpflegt. Ich war völlig ahnungslos bis man mir erklärte: In den Dansbansan würden 10 Kapellen spielen und das begänne um 20:00 h. Ich solle erst mal essen! Eine Dame wurde als Geburtstagskind vorgestellt und ich brachte ihr – was kann ich sonst bieten – ein Ständchen mit Gitarre und Mundharmonika! Die Tische rasten!

 

 

 

165. Tanzfest in Malung. Werde an den Tisch dieser super Truppe gezerrt!

 

 

Für mich wurde zuerst einmal nach einem Quartier gesucht: Frau Wirtin wollte für das Massenlager 200 kr haben, für das Zelt im Garten 100 kr. Die Gesellschaft war der Meinung, dass dies Wucher sei und KJELL-ANKE HEDIN meinte, dass ich neben seinem Wohnwagen das Zelt aufschlagen soll, das wäre Gemeindegrund – und kostenlos. Ich schlug sofort zu, trank die feinen Sachen in meinen Gläsern aus und baute das Zelt auf.

 

KJELL-ANKE schmiss sich in die Gala eines Entertainers und dann zogen wir zur Dansbana. Ich wurde als der Johnnie Walker vom Nordkap gratis rein gelassen (200 kr!),  KJELL machte das mit meiner „Business-Card“ und drinnen waren wir in dem „magischen Feld“. Acht große Tanzflächen, Essstände und Biergarten waren zu sehen.

 

An den Zäunen hingen Taschen und Rucksäcke. Wie ich später erfuhr, bringen sich viele ihre Verpflegung (außer alkoholischen Getränken) mit. So sieht man in den Tanzpausen viele Tänzer zu ihrem Verpflegungssack wandern. Ganz so, wie es mein Bruder erzählte, ist es nicht mehr.

 

 

 

 

166. Rucksäcke mit Verpflegung am Zaun! Tausend tanzwütige Schweden in der Tanzbana.

 

 

Doch die Damen stehen am Rand der Tanzbahn und warten, dass sie jemand auffordert. Tanzvergnügen pur! Heute käme es schon vor, dass eine Dame einen Herrn anspricht, ob er mit ihr tanzen möchte. Früher wäre das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Ehepaare trennen sich gewöhnlich am Eingang und jeder sucht sich Partner und Dansbana. Die Musik ist nach Tanzboden verschieden, aber durchweg amerikanisch. Da ich mit meiner Wanderausrüstung schlecht tanzen konnte, bestand mein Genuss im Beobachten dieser gewaltigen Show und bei manchem Bierchen. 

 

 

18.07.2004 23:43 h (eMail von KJELL-ÅKE HEDIN)

Hallo Here com som pictures from Malung 17/7 Sorry for sam pictures (to low range)

KJELL-ÅKE HEDIN

 

      

167.                                         168.                                        169.

 

 

 

 

63. Tag

Sonntag, 18. Juli 2004

Malung > vor Torsby

44 km (2.036 km)

  

18.07.2004 20:20 (SMS)
Nach Stöllet, 43 km. Habe Elch und Fuchs gesehen. Liefen über die 45 auf der ich leider wieder bis Torsby wandern muss. Nichts los. Nur dass der Camping Malung 230 kr haben wollte. Gruß Wolfgang.

 

 

 

 

64. Tag

Montag, 19. Juli 2004

Stöllet > Överbyn

28 km (2.064 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Stehe schon um 7:30 h auf und packe. Da ich kein Wasser habe, will ich später frühstücken. Da höre ich aus dem Wohnmobil von ROLF und HARRIET aus Örnsköldvik (Anmerkung der Redaktion: Das ist der Ort in dem die Rover im Sommer 1972 auf dem Weg zum Nordkap den ersten Motorschaden hatten und an den sie für ein 10-tägiges Camp gerne nach dem zweiten Motorschaden in Finnland zurückgekehrt sind.) ein Rufen. HARRIET steht im Nachthemd in der Tür und sagt mir, dass bei ihnen gefrühstückt werde! 10 Minuten! ROLF baut die Tischgruppe auf und dann gibt es Kaffee. Ich brauche nichts aus meinem Esssack.

 

 

 

170. ROLF und HARRIET laden mich zum Frühstück ein

.

 

Als ich losmarschiere – nach den üblichen Fotos! – werde ich häufig von hinten freudig angehupt. Entweder sind das Kap-Rückkehrer die mich auf der Hinfahrt sahen oder ist mein Artikel heute in der „Moratidning“ erschienen? (Anmerkung der Redaktion: Leider ist bis dato unter http://www.moratidning.com  noch nichts über Wolfgang erschienen.) Jedenfalls nach dem gestrigen Horrortag auf der 45 will ich heute nicht weit gehen. Nach etwa 20 km kommt ein freundlicher Rastplatz mit Tischen und Feuerstellen an einem Badesee. Erst mache ich Feuer, springe dann ins Wasser und dann koche ich, was ich noch habe: 2 Würste und Kartoffelpüree, dazu Tee. Das muss nacheinander gehen, da ich ja nur die Pfanne habe!

 

Jetzt fängt es an zu regnen. Packe schnell zusammen und laufe los. Dann treffe ich auf das internationale Zeichen für Jugendherbergen, Tanne mit Haus. Also hin. Als ich eintrete, frage ich ob das ein Hotel oder ein Vandrarhem sei. Beides, ist die Antwort. Erwarte „Mischkalkulation“, hohes Niveau. Also 180 kr mit Frühstücksbuffet 320 kr. Danke, ich bin schon draußen. Jugendherbergsgedanke? Vorbei. Das alles in Vägsjöfors, einem Ort von vielleicht 300 Einwohnern.

 

Stampfe weiter und zähle aus Spaß exakt auf einem Kilometer die Dosen und Flaschen am Straßenrand: 84 Dosen und 16 Flaschen verschiedener Größen. Dosen 42 kr, Flaschen 22 kr = 64 kr. Nun entscheide ich mich zu sammeln: Ein ansehnlicher Haufen kommt bis zum „Campingplatz 45“ von DORO und FRANK zusammen. Er geht bei dem Einzelwanderer mit dem Preis runter und lädt mich zum Hechtessen ein, das DORO am offenen Feuer bereitet: Hecht in Alufolie und Gemüse. Es ist halt so: Die kleinen Plätze muss man ansteuern! 50 kr. Das ist für mich auf die Dauer bezahlbar. FRANK aus Schleswig-Holstein hat den Platz im Juni erst übernommen und arbeitet bis spät in die Nacht.

 

 

Flaschen- und Dosenpfand in Schweden

oder

In Schweden liegt das Geld am Straßenrand

Schon die Wirtin vom WILDMARK-CAFÈ in Kitajaur sagte, dass ihre Rente am Straßenrand läge und FRANK meinte, dass die Litauer und Polen keine Blaubeeren pflücken, sondern Dosen sammeln sollten, das gäbe einen weitaus besseren Stundenlohn! Der 45iger Straßenrand ist besonders fruchtbar: im Durchschnitt liegen je Kilometer 50 Dosen (à 50 Öre) und 10 Flaschen (1-4 kr). 20 % sind dänischer Herkunft, Codezahl 5, dafür gibt es nix! Die Schwedischen haben den Code 7 und werden in jedem Geschäft zu Geld. Wenn man nichts zu tun hat, kommt man auf die Idee Dosen und Flaschen zu sammeln, wie ich im Reisebericht vom 19. Juli beschrieben habe.

 

 

 

171. FRANK und ich mit meinem Dosenpfand am freundlichen Campingplatz 45

 

 

Mein Bruder WERNER, der als Kapitän häufig sein Schiff nach Skandinavien lenkte, erzählte mir schon in den 60iger Jahren, dass die Schweden ein tolles System der Leergutrücknahme hätten. Die Amerikaner auch schon seit vielen Jahren. Wenn man dann das Affentheater in unserem Land vor diesem Hintergrund betrachtet kann man nur weinen, lachen oder Mitleid zeigen: Jeder Supermarkt, jede Tankstelle etc. nehmen hier das Leergut zurück, das die Codenummer 7 hat. Alles andere wirft er wieder heraus oder es gibt kein Geld. Drei Löcher sind da zu sehen: Eins für Dosen, eins für Pet-Flaschen, eins für Glasflaschen, dazu ein Fach für ganze Kisten. Rein mit meinen Dosen und Flaschen vom Straßenrand, raus kommt der Gutschein. Einlösbar, auch gegen Bargeld, an der Kasse. Wir erlauben es uns in Deutschland, eine ganze Industrie platt zu machen. Weiterhin ist die netteste Geschenkidee für ausländische Freunde auch durch diese legislative Stümperei zu teuer geworden. Deutsches Dosenbier.

 

Also noch mal, damit jeder unser jämmerliches Polit-Spiel versteht: Seit vielen Jahren in Schweden: Jede schwedische Dose oder Flasche in die jeweiligen Löcher und es kommt ein Gutschein heraus! Alles klar in Berlin? Hatt Du Kopp wie Sieb, muttu aufschreibn!

 

P.S.: Um 0:30 h habe ich erst einmal einen jungen Polen über das Geheimnis des schwedischen Flaschenpfandes aufgeklärt, der hier 1 kg Blaubeeren für 7 kr zupft! Er wird jetzt wohl erst einmal Dosen zupfen – bücken muss er sich in jedem Fall.  (Anmerkung  der Redaktion: Zudem gut: Minderung der Umweltbelastung und der Waldbrandgefahren) 

 

 

1

72. Polen – 10 kg Pfifferlinge oder 100 kg Blaubeeren pro Tag gesammelt. Am Abend fehlt der Wodka!

 

 

19.07.2004 07:50 (SMS von Janine an Wolfgang)
Grüße vom Nordkap! Ist ein supergeiles Gefühl, dort nach 3.956 km anzukommen, und da hört die Strecke auf! Geht es Dir gut? Ist der nächste Auftritt schon terminiert? JANINE. 

 

 

 

65. Tag

Dienstag, 20. Juli 2004

Överbyn > hinter Torsby

22 km (2.086 km)

 

20.07.2004 23:40 (SMS)
Bis hinter Torsby, 25 km. Kam erst spät weg. Das Pfandgut schenkte ich FRANK, er hat einiges für mich getan. Es ist sehr heiß heute auf der schönen Nebenstrecke nach Torsby. Schnarche mindesten eine Stunde mittags vor einem ICA-Laden. Die Leute sehen mich so amüsiert an. Müde erreiche ich das Vandrarhem! Das Handy fällt mir dauernd aus der Hand. Gute Nacht Wolfgang.

 

 

     

 

173. Enkel Aaron aus München gratuliert                 174. Happy Birthday scheint Klaus (mit Leierkasten) zu singen

       am 21. Juli 2004 zum 64. Geburtstag                       Wer ist nur der Mann mit Gitarre und dem Hut!?

 

 

21.07.2004 23:15 (SMS)
PS: Um 21:00 h standen BIRGIT und Bedienung mit brennender Geburtstagstorte am Tisch und sangen mir ein Ständchen. Das Essen brauche ich nicht zu bezahlen, auch nicht die Übernachtung! Ich sei ihr Gast. 500 kr. Gruß Wolfgang

 

21.07.2004 23:25 (SMS von Axel)
Hi Wolfgang, was ist los? Ich bin impressed! Deine erste SMS seit Wochen ohne Kauderwelsch, sogar mit Leertasten zwischen den einzelnen Worten. Schöne Party, aber wer ist BIRGIT? Gut Pfad und viele Grüße aus der Siedlerklause Werthacker.

 

21.07.2004 23:40 (SMS)
PS! Da liegen also zwischenzeitlich Faxe zuhause! RADIO SVERIGE VÄRMLAND war da. Morgen gegen ca. 11:00 h wird gesendet! Die reichen mich weiter bis zum TV! Mafia. Wolfgang

 

 

 

66. Tag

Mittwoch, 21. Juli 2004 mein 64. Geburtstag

Torsby > nur bis Lysvik

20 km (2.106 km)

 

(Reisebericht per Fax)

Jetzt haben sie mich geortet!! Mitten auf der Nebenstraße am Frykersee nach Sunne hält ein Auto von RADIO SERIGE VÄRMLAND. Er will den Wanderer nach Sizilien interviewen… Glück hat er gehabt, denn ich bin seit einem Kilometer erst wieder auf der Straße. Vorher lief ich durch den Busch – eine uralte Straße – wie der Herbergsvater sagte. Nun, als CLAUDIA zum Geburtstag gratulierte (18 Minuten), verlief ich mich und stand plötzlich bis zu den Waden im Schlamm. Obwohl eine Hausbesitzerin mir bestätigte, dass ich hier nach Sunne komme, winkte ich ab. Ich habe keine Stiefel aus Gummi, mit denen die Schweden durch ihr Land liefen… Also zurück! Das 2. Mal auf der Tour. Man sollte sich an die Hauptstraßen halten!!!

 

Aber schön ist es hier! Also, kaum auf der Straße, kommt der Radiowagen. Er will das Interview hier an Ort und Stelle machen. (Ich hoffte, er fährt mich in die nächste Kneipe!) Ein netter Kerl, LENNART NORDENSTEIN vom RADIO VÄRMLAND. Es läuft in Englisch ab. Das Übliche: Warum? Wie lange? Woher? Wie war’s? (Vor Lappland haben die hier alle Respekt!!) Ein nettes Gespräch. Es soll am 22. Juli gegen 11:00 h gesendet werden. Mal sehen. Gerne möchte ich ein Foto mit dem Ü-Wagen. LENNART will wiederkommen: Treffpunkt auf dem Zeltplatz von Lysvik. LENNART handelt erst einmal den Preis runter. Ich spiele ihm bayerisch-böhmisch vor und dann noch das einzige Lied, das ich aus Schweden kenne: Im Frühtau zu Berge! – Ein Wandersong, auch hier. LENNART ist froh und ich bin bester Laune. Am Ende will er mir 100 kr geben. Ich winke ab. No Sponsoring! Ich weiß, dass ich einen weiteren Freund in Schweden habe! Er lässt es sich aber nicht nehmen und spendiert zwei Bier.

 

 

   175. Radio Sveriges – LENNART NORDENSTEIN

 

 

Die Chefin des Frykens Pärla, BIRGIT, stammt aus Berlin und das Restaurant ist auch für deutsche Verhältnisse gut geführt: Kein Fast Food! Das erste, das ich auf 2.200 km besuche. Heute ist Geburtstag: Krabben-Cocktail, Wildplatte und eine Flasche „El Coto“, Rioja, 2001, Oyon, Spanien. Das ganze wird ca. 350 kr kosten. Sehr schön ist es hier. LENNART will an Axel ein Tonband von dem Interview senden – na ja. Das kann er nicht ins Netz feuern! (Anmerkung der Redaktion: Ihr werdet Euch noch wundern…) Ich liege auf Platz 38. Mal sehen wie das Wetter wird. Und das zieht jetzt um 19:33 h etwas bedrohlich herauf. Nach dem Essen setze ich mich auf die Terrasse mit dem Rest der Flasche Wein.

 

 

Strandgut

Die 45 führt durch einsame Gegenden, tote Hose, sagen manche. Die Dosen und Flaschen sind schon genug gewürdigt, sie sind das Strandgut schlechthin! Doch – was findet sich da noch alles am Wegesrand!! Tote Tiere, Nähmaschinen, Slips, Jogginganzüge, Schrauben und Muttern, Schutzbleche von Lastwagen (immer die gleichen!!), Zierleisten, Fotoapparate und… und… und… Als ich die zweite Hansa-Bierdose fand, sagte ich mir: Der hat Durst. Nach 1 ½ km kam die dritte Dose. Also: 1 ½ km eine Dose, bei ca. 120 km/h ergibt 120.000 x 1,5 / 60 = 3.000. Der Hansa-Typ braucht alle 3 Minuten eine Dose Bier! Stimmt’s? Auf solche Gedanken kommt man, wenn die Straße nicht enden will.

 

 

176. Husquarna – auch ein Statussymbol Schwedens! Strandgut.

 

 

Gestern fand ich ein Sonnenschutzschild mit „Pippi Langstromp“. Pipi neben einem riesigen Pferd. Ich klemmte mir das Schild an den Rucksack und hatte nun alle Autofahrer von hinten auf meiner Seite. Weiterhin beschloss ich, nicht über Arvika zu laufen, sondern über Märbacka, wo „SELM LAGERLÖFS HEM“ steht. Es wird kein Umweg, so wird man durch das „Strandgut“ an der 45 inspiriert.

 

Ein Jammer, dass ich die 4 Paletten Bierdosen (leer), 96 Stück, einem Wohnmobilfahrer anempfohlen habe! So was ist für mich nicht tragbar! Wollen wir mal sehen, was sich da alles noch findet – hoffentlich keine Leiche…

 

 

 

177. 96 Dosen à 0,50 kr stehen neben der Abfalltonne. Gnädige Frau aus Norge, mitnehmen! Ich helfe.

 

 

 

21. Juli 2004

Presseveröffentlichung

 

     178. Presseveröffentlichung auf der Homepage

 

 

Till fots genom Europa
Tyske vandraren Andreas Kreutz
gjorde ett stopp i Älvdalen

 

ÄLVDALEN

Det är långt från Nordkap till Ragusa på Sicilien. Särskilt om man går hela sträckan till fots. Men det bekymrar inte Andreas Kreuz från tyska Brilon.

Den glade vandraren passerade nyligen Älvdalen på sin väg söderut.

– Heter man Andreas Kreuz så är det lämpligt att skapa ett Andreas-kors, skrattar Andreas, medan han gör sig klar för att vandra vidare mot Evertsberg och så småningom hela vägen till Sicilien.

Det där med Andreaskorset kräver sin förklaring. Andreaskorset är ett lutande kors, ungefär som bokstaven X. Aposteln Andreas lär ha avrättats på ett Andreaskors. Lägger man ut ett liknande kors på Europas karta med centrum i tyska Brilon, då hamnar ytterpunkterna i Santiago de Compostela, Nordkap, Ragusa och Ufa i Uralbegen.

– Jag har redan klarat av delen Brilon till spanska Santiago de Compostela. Nu är jag på väg från Nordkap till Ragusa och sedan återstår det att vandra från Ufa till Brilon, säger Andreas Kreuz.

Som pensionerad lärare har man tid för upplevelser om intresset finns. – Att färdas är berikande, åker man bil missar man alla naturupplevelser. Cyklar man får man med sig en del, men vandrar man, då är man mitt i naturen, säger Andreas.

De vägar han väljer är ofta småvägar vid sidan om de stora färdstråken och det är där man kan få de riktiga upplevelserna.

– På vägen mellan Lillhärdal och Älvdalen stötte jag på en man som plockade mossa. Han berättade att längre in på skogsvägen hade han sett en björnfamilj. Så jag gick närmare två kilometer in på vägen och fick då se en björnhona med två ungar! Någon älg har jag däremot inte sett ännu.

Framme i Älvdalen sökte han upp hembygdsgården Rots skans och fick där uppleva en riktig fest. Något som fick Andreas att plocka fram sitt munspel och den lilla gitarren, som är en del av hans 18 kilo tunga packning. Han blev där en del av „Onsdagskväll på Rots skans“.

Dagen därefter fortsatte Andreas sin vandring mot Evertsberg och så småningom Sicilien. Sedan återstår bara delen Ufa-Brilon för den glade vandraren.

– Snart ska det väl också bli lite varmare så jag kan göra mig av med vinterkläderna och lätta packningen från 18 till 13 kilo, säger Andreas Kreuz.

 

   179. Presseveröffentlichung Mora Tidning, 21. Juli 2004

 

 

 

67. Tag

Donnerstag, 22. Juli 2004

Lysvik > vor Lagerlöfs Haus

34 km (2.140 km)

 

22.07.2004 20:50 (SMS)
Kurz vor SELMA LAGERLÖFS HAUS in Mårbacka. Bin den ganzen Tag im Regen gelaufen! Das gibt Kilometer! Man hat keine Zeit zum Verweilen. Im Schutz eines Traktorschuppens habe ich zu Mittag „gespeist“. In Sunne ist wieder Tanzbanafest. Die Stadt ist in Aufruhr. Nach dem Lebensmitteltanken geht es weiter: LAGERLÖFS HAUS. Mache heute Allemannsrecht

 

(Anmerkung der Redaktion: Das Recht in Skandinavien auch Privateigentum zu nutzen mit der Auflage, den Ort oder die Natur exakt so wieder zu verlassen, wie man sie vorgefunden hat.)

 

Liege im dichten Wald. Alles um mich herum trieft. Im Zelt ist es trocken und gemütlich. Morgen brauche ich ein Zimmer! RADIO SVERIGE muss wohl gesendet haben, denn ich werde oft angehupt. Sch… Wetter, wie bei Euch. Gruß Wolfgang.

 

 

22.07.2004 22:00 (SMS)
Ach so, km vergessen! 34 heute. Weiterhin schreibe ich nur von bis sowieso… Das „von“ sieht man ja am Vortag! Weiterhin sollten wir die 1. Zeile normen: Tag/Wochentag/Datum/bis…/Tages-km/Gesamt-km. Geht das zu machen? Nicht rückwirkend!

 

(Anmerkung der Redaktion: Sie bemüht sich seit Beginn darum und hat einiges aus Fragmenten zusammengedichtet. Leider wurden einige Fragezeichen bis dato von Wolfgang noch nicht beantwortet.)

 

Es wird hier wieder duster. Ich kann nicht mehr am Abend Schreiben. insgesamt heute 2.155 km. Man muss das mal nachrechnen. Wolfgang.

 

 

23.07.2004 14:00 (SMS)
Artikel erschien: MORA TIDNING am 21. Juli. Vielleicht und Älvdalen: Kryssar Till Fots. Gruß Wolfgang.

 

(Anmerkung der Redaktion: Schon längst durch einen eMail-Hinweis von PER-ERIK erfasst. Der Zeitungsartikel ist per Post von ihm unterwegs. Danke.)

 

 

 

            181. SELMA LAGERLÖF HEM

 

180. SELMA LAGERLÖF (1858-1940, bekam 1907 als erste Frau den Nobelpreis 1909 für Literatur),

siehe auch:  http://www.jiii.de/dichterinnen-2002/Lagerlof/ 

Sie wohnte 1897-1907 in Falun (Landschaft Dalama) und schrieb dort u. a. Nils Holgersson

 

 

    

 

182. Vor SELMA LAGERLÖFs HAUS

 

 

(Reisebericht per Fax)

Die Häuser der Großen

 

Überall stehen sie herum! Letztes Jahr sah ich gleich zwei Chopins, in Polen und auf Mallorca. Karl Mays ärmliches Geburtshaus, Goethes Gartenhaus, George Sands Haus in Mittelfrankreich… Beethoven fehlt mir, der soll auch rund 40 Mal umgezogen sein. Alle diese Häuser besucht man, um ein wenig von den Großen zu schnuppern. Das Arsen, mit dem sie Bonaparte auf St. Helena umgelegt haben, werde ich wohl nie schnuppern – nur Schiffe fahren in die Mitte des Südatlantiks.

 

Die Häuser der großen Frauen haben immer herrliche Gärten – so auch SELMA LAGERLÖFS in Mårbacka. SELMA hat im Testament verfügt, dass ihr Haus unverändert der Nachwelt zugängig ist. So ist es auch seit 1940 als sie starb. Die herrlichen Räume atmen noch – ich will nicht zu wolkig werden, aber das passt so! Ihre Bücher – sehr viele deutsche! – stehen noch in den Regalen, und am Schreibtisch meint man, sie säße leibhaftig noch da. Die Führung ist in Schwedisch, doch hilft mir ein deutsches Faltblatt bei der Eigenführung. Ich weiß schon: Heute gibt es einen Gammeltag! Am Café setze ich mich in den Garten und lese in Gösta Berling. Irgendwo stand das abgegriffene Buch herum.

 

   183. Plörren trocknen vor LAGERLÖFS HAUS 

 

Malerisch habe ich über der Hecke meine nassen Sachen ausgebreitet. Das stört hier keinen. Eher: Armer Kerl, ist nass geworden im Fjäll. Dass ich am Abend dann doch noch 21 km mache, lag an der Zufriedenheit, die ich von SELMAS HAUS mitgekommen hatte.

 

 

 

68. Tag

Freitag, 23. Juli 2004

vor Lagerlöfs Haus > Östra Ämtervik

21 km (2.161 km)

 

24.07.2004 23:45 (SMS) 

Bis Östra Ämtervik (ALMA-LÖV-MUSEUM), 21 km (2.181 km)

Bin 5 Std. im SELMA LAGERLÖFS HAUS und Park gewesen (Nils Holgerson, Gästa Berling!) Alle Sachen getrocknet! Führung durchs Haus mitgemacht und Karten geschrieben. Sehr gut zu Mittag gegessen in Solbacka, doch für das Zimmer wollen sie 500 kr haben. Danke! Brauche kein Zimmer. Alles trocken. Bin beim Wasserholen bei LARS und DAVID hängen geblieben. Netter Abend in herrlicher Seelandschaft. Morgen will ich in das ALMA-LÖV-MUSEUM. Wolfgang.

 

 

   184. Östra Ämtervik – LARS und DAVID

 

 

 

69. Tag

Samstag, 24. Juli 2004

Östra Ämtervik > vor Kil

26 km (2.187 km)

 

24.07.2004 23:10 (SMS)

A 24 (lt. Telefonat etwa noch 280 km bis Götebourg), Zuerst das ALMA-LÖV-MUSEUM besucht, dann in die Blaubeeren, Himbeeren und Pfifferlinge. Bin bis 22:30 h gelaufen. Bericht folgt per Fax. Allemannsrecht. Gute Nacht Wolfgang. 

 

   185. Beeren – von der Hand in den Mund leben

 

 

(Reisebericht per Fax)

LARS MAGNUSSON und Sohn DAVID FREDLY haben für 9:00 h zum Frühstück eingeladen. Ich war schon um 8:00 h aus dem Schlafsack – das Packen und Trocknen dauert immer seine Zeit! Nachts hatte es etwas geregnet. Pünktlich um 9:00 h steht LARS auf der Treppe und ruft „Breakfast“. Die beiden Junggesellen haben ein Frühstücksbuffet aufgebaut – gegessen wird draußen am Tisch. Sitzen geht innen nicht, sie verlegen Fußbodenheizung im ganzen Haus, gespeist von einer Wärmepumpe, 150 m tief. Endlich Marmelade – diesen schweren Luxus leiste ich mir nicht, die Butter reicht!

 

Ich darf noch einmal in meine Homepage und finde die wunderschönen Geburtstagsgrüße, besonders den von der Schaukel. Das Foto mit dem Sextanten zeigt mich auf dem Schiff meines Bruders Werner „MS Neckar“ 1963 in schwedischen Gewässern!

 

Abschied von LARS und DAVID und nun ab ins ALMA-LÖV-MUSEUM, das nur 200 m entfernt liegt. Experimentelles Künstlerschaffen soll geboten werden. Ist künstlerisches Schaffen nicht immer experimentell? Ich dachte hier leben und arbeiten Künstler mehrerer Nationen – wie z. B.  in der Villa MASSIMO in Rom, nein der „Oberkünstler“ lebt mit Familie alleine auf einem riesigen Areal und bietet Künstlern die Möglichkeit in einem guten Dutzend Pavillons ihre Experimente auszustellen. Die Pavillons sind in einem erbärmlichen Zustand und man sollte sie wenigsten etwas rein halten – vielleicht ist das schon das Experimentelle an dem über-übersauberen Schweden… Ich bin der erste Besucher, zahle meine 40 kr Eintritt, erhalte einen Gratiskaffee und werde dann in das Gelände ohne Marschplan entlassen.

 

 

     

 

186. Kunstpavillon und                                 187. Atelier im ALMA-LÖV-Museum

 

 

Meinen Rucksack stelle ich vor dem Atelier ab und finde ihn nach zwei Stunden draußen im Garten wieder; notdürftig mit einem kaputten Regenschirm gesichert, denn inzwischen war ein ordentlicher Wolkenbruch über die Anlage herein gebrochen. Er muss in einer Pfütze gestanden haben, denn im unteren Teil ist alles pitschnass. Hätte er in seiner Riesenhütte nicht ein Plätzchen dafür gefunden, wenn er die Besucher gestört haben sollte?

 

Er ist Holländer. Entweder mag er keine Pilger – denn die Niederländer orten sofort die Muschel – oder er mag wirklich keine Deutschen… Sein gutes Recht! Jedenfalls ist das Atelier – wo auch die Verkaufsschau stattfindet – das Beste des Museums. Vor allem die Bilder gefallen mir. Ich mache einige Fotos und gehe dann. Richtung Kil.

 

Die Sonne scheint und ich beschließe Blaubeeren zu pflücken, dann Himbeeren und zu guter Letzt Pfifferlinge. Die erstgenannten aß ich sofort, die letzten schmorten abends zum Steak und neuen Kartoffeln in der Pfanne. Es kommen heute also nicht so viele Kilometer zusammen. Ich wollte es eigentlich verschweigen: Verlaufen habe ich mich auch noch. Damit wenigsten etwas zusammenkommt, laufe ich bis nach 22:00 h. Vorher hatte ich an einem herrlichen Platz, einem schwimmenden Bootssteg gekocht.

 

Mein Qualm war aber so stark gewesen, dass mich jemand entdeckte. Nun konnte ich hier nicht schlafen. In der Wildnis alleine schlafe ich ungeortet. So komme ich also noch bis in die Sichtweite von Kil und schlage hinter Siloballen mein Zelt auf. Dass die ganze Nacht – es wird ja jetzt wieder dunkel – eine nahe Diskothek über die schwedische Stille donnert, hatte ich nicht bedacht, ist aber bei meiner Schwerhörigkeit auch nicht so wichtig. 

 

 

 

70. Tag

Sonntag, 25. Juli 2004

Kil > Karlstad

19 km, ohne Bahnfahrt (2.206 km)

 

(Reisebericht per Fax)

„Ob der nicht mal doch ’nen Bus nimmt?!“ wurde mein Freund WILLI MORGENROTH gefragt. Seine Antwort: „Der nicht!“ Ätsch, ich bin mit der Bahn gefahren!! Ein paar Minuten, aber bei Tempo 80 bringt das schon was. Also: Kil ist ein ruhiges Nest am Sonntagmorgen. Die Kirche, hoch auf der Höhe, war schon um 8:00 h geöffnet. Man schleppte Blumen. Hog-Mäss ist um 11:00 h. Hier kann ich auf die Toilette und mich waschen. Alle schwedischen Kirchen haben im Vorraum eine Toilette!

 

Der Supermarkt ist geöffnet. Das erste Mal, dass vor einem ICA-Markt keine Tischgruppe steht, das stinkt mir schon. Frühstück im Stehen. Als mir dann ein Kunde von dem wunderschönen Karlstad erzählt, das nur in 12 Minuten mit der Bahn erreichbar ist, steige ich in den Zug der gleich hinter dem Markt hält. 15 kr bis Karlstad.

 

In Karlstad empfängt mich gleich ein Discountschild: Sommerpreis, Einzelzimmer 590 kr. Na also, Südschweden naht. Die Stadt hat schöne Stilhäuser – alle Sorten. Der Klärälven bildet hier ein Delta von fünf Armen, was einen Haufen von Brücken und Brückchen nötig macht. Das wurde mir auch gleich zum Verhängnis, denn auf dem Weg zum Vandrarhem verpasse ich eine Brücke. Schwimmen oder Riesenumweg zurück! INGEMAR BENGTSSON, der gerade im Hause werkelt und einen weiß besprenkelten Blaumann trägt, fährt mich zum Vandrarhem, nicht ohne mir vorher die kulturellen Brennpunkte der Stadt gezeigt zu haben.

 

 

   188. Wegweiser –  INGEMAR BENGTSSON

 

 

Das Vandrarhem öffnet erst um 17:00 h. INGEMAR nimmt mich wieder in die Stadt zurück. Bus Nr. 32 muss ich dann nehmen. Schaue nur die Stadt an, kaufe noch ein und bin um 10 vor 5 wieder im Vandrarhem. Der Umweg nach Karlstad hat sich gelohnt. Im Vandrarhem wird wieder richtig gekocht: Steak, Bratkartoffeln, Melone. Zwei Mittdreißiger JÖRGEN RENSTRÖM und PATRIC ERIKSSON interessieren sich für mich und während des Minigolfspiels quetschen sie alles aus mir heraus! Ich schlafe in einem 8-Bett-Zimmer mit noch einer Person für 140 kr. Morgen geht es Richtung Esruns zurück.

 

 

 

71. Tag

Montag, 26. Juli 2004

Karlstad > hinter Grums

32 km (2.238 km)

 

26.07.2004 23:10 (SMS)

Damit kein Missverständnis aufkommt: Meine Bahnfahrt hat meine Strecke verlängert!! Und ich muss wieder die 45 laufen. Bald kann ich sie wieder verlassen. Hier ist sie mörderisch! Habe 3 km neben der 45 vorgeschichtliche Steingräber besichtigt und danach hoffnungslos im Urwald verlaufen. Deshalb die hohe Kilometerleistung. Ich werde in Schweden nie wieder abkürzen. Liege im Wald. Allemannsrecht. Gute Nacht. Wolfgang.

 

27.07.2004 07:20 (SMS)
Bei Grums ist ein richtiger Ami-Truckstop entstanden. Was soll der Hinweise hier in der Pampa: Kosten Parken? „Nur“ 40 kr soll der bezahlen, der nachts hier stehen bleibt. Nicht mal eine Grillstelle ist hier! HERBERT und MELANIE MÜLLER versorgen mich mit Kaffeebeuteln und Marmeladenportionen. Sie fahren jetzt Heim nach Hannover. Digitalbilder werden Dir gesandt. Wolfgang.

 

 

 

 

189. MELANIE und HERBERT MÜLLER aus Hannover

 

 

   190. Sonnenuntergang an der A 45

 

 

 

72. Tag

Dienstag, 27. Juli 2004

hinter Grums > Borgvik

23 km (2.261 km)

 

27.07.2004 23:55 (SMS)

Wollte erst bis Amal auf der 45 laufen, das aber nicht ging. Mörderisch! Bin wieder zurück nach Grums. Gehe jetzt über Nysetter, Bengtsfors, Uddevalla nach Göteborg. Habe heute nette Leute aus Kassel getroffen, die mich zum Bier und Abendessen eingeladen haben. Alles Sportfischer. Gehen jetzt auf Zander… und ich ins Bett. Gute Nacht! Wolfgang.

 

 

 

73. Tag

Mittwoch, 28. Juli 2004

Borgvik > Långerud, Richtung Svaneholm

31 km (2.292 km)

 

30.07.2004 07:30 (SMS)

Es ist brüllend heiß. Steinpilzkolonien entdeckt, einige mitgenommen und gebraten. Übernachtung im Naturbyn nach Angserud in netter Gesellschaft von sieben, sich von hyperaktiven Kindern erholender, Frauen. Das Hüttendorf liegt malerisch.

 

(Reisebericht per Fax)

Immer komme ich zu spät weg. Das muss sich ändern, denn in der Mittagsglut laufen ist mörderisch, aber da ist noch dies und jenes zu tun, zu schreiben, zu flicken und zu trödeln… Pilze wachsen am Wegesrand: Pfifferlinge und Röhrlinge (das sind die braunen mit dem gelben Schwamm!) Kenne ich noch aus der Jugendzeit in München, wenn Mutter nach der Schule sagte: „Wolfgang, hole mir mal Pilze!“ (Der Wald befand sich direkt hinter unserem Haus.) Damals holte ich auch Täublinge. Die lasse ich hier stehen, denn Steinpilze und Röhrlinge gibt es satt. Anrösten, Butter, Salz und Pfeffer – fertig ist die Pilzpfanne! Natürlich am offenen Feuer. Die Röhrlinge haben oft einen Durchmesser von 20 – 25 cm. Da reichen drei Stück. Was muss ich alles stehen lassen!!

 

 

   191. Röhrlinge – ich lebe noch

 

 

In Nysätter wird gebadet und in Långerod erfreue ich drei Iraner mit meinem Aufzug. Nun, wo ich kleine Wege gehe, gibt meine Riesenkarte nichts her. Es geht nicht mehr Straße No. 45 und „druff“! Also verlaufe ich mich etwas und gelange in ein Naturbyn (Naturdorf) in der Dämmerung. Sieben Frauen sitzen um ein Lagerfeuer. Nach dem ersten Schreck werde ich versorgt, was mich nicht abhält meine Pilze später zu braten. Ob ich hier mein Zelt aufschlagen könne? Ja, ja. Die Frauen (alles „gestresste“ Mütter) bewohnen mit 7 eine Stuga für 500 kr.

 

 

   192. Gestreßte Mütter im Naturdorf 

 

 

Der Platz ist malerisch. Völlig natur belassen. Die nötigen Geräte diskret versteckt. Man kann sich Kanadier mieten und baden in kristallklarem Wasser. Die Damen haben – wie das bei solchen „Therapietagen“ ist, viel zu besprechen und ich bleibe allein am Lagerfeuer zurück. Brate Pilze und spiele Gitarre. Ein Ehepaar muss wohl noch eine Hütte bewohnt haben. Jedenfalls erhalte ich am nächsten Tag ihren ungeteilten Beifall.

 

 

   193. (Badende Damen) auf dem Naturplatz

 

 

 

28.07.2004 16:30 (eMail von HERBERT und MELANIE MÜLLER)

Viele Grüsse von Wolfgang aus Schweden 225 km vor Göteborg.

Wir haben Ihn auf dem Rastplatz an der Einmündung der 45 auf die E18 vorgestern Abend getroffen, sollen die Fotos mailen. Sind gestern Abend 19:00 h wieder wohlbehalten in Hannover-Döhren angekommen. Nachträglich an Wolfgang alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg zum neuem Lebensjahr. HERBERT + MELANIE aus Hannover EXPO Stadt 2000.

  

 

  

74. Tag

Donnerstag, 29. Juli 2004

Långerud > ca. 10 km hinter Svaneholm

25 km (2.317 km)

 

30.07.2004 07:30 (SMS)
Bis zu einem See vor Edsleskog.

Wieder klebt der Asphalt! Habe wieder Steinpilze und Pfifferlinge gesammelt. Herrlich freier Campingplatz. Werde mit Hallo von Schweden am Lagerfeuer begrüßt. Man putzt und brät meine Pilze, während ich Gitarre spiele. Die Unterkunft in Göteborg ist gebongt. Gruß Wolfgang.

 

 

    194. Schwammerl – die Pinsel sind zum Säubern der Pfifferlinge

 

 

(Reisebericht per Fax)

Ich wollte früh weg – aber: Putz- und Flickstunde ist angesagt. Sitze allein am See und nähe die Lederhose: Im Schritt ist sie offen und ein Knopf blieb beim Pilze sammeln auf der Strecke. Ein Glück, dass ich mein Schweizer-Messer mit Zange habe. So kann ich die Nadel herausziehen – eine mühselige Arbeit. Der Platz ist inzwischen leer und ich bade im Adamskostüm zwischen der Flickerei, da spar ich mir das Mitschleppen der nassen Turnhose.

 

Apropos Adamskostüm: Man hörte immer in Schweden sei das Nacktbaden verbreitet. Von wegen! Nur alleine bei den Tausenden von Gewässern! Sonst muss man das hier schon als ein prüdes Land – oder uns als schamloses Land bezeichnen! Alles streng nach Männlein und Weiblein getrennt! Sauna getrennt! Ich weiß nicht, wie es im Süden ist. Bisher war es jedenfalls so. Wenn sich jemand hier „freier“ verhält – und sei es nur, dass er sich bedeckt am Strand und nicht in der Kabine umzieht – so ist er ein Deutscher! Das hat wohl seinen Ursprung in gewissen Richtungen des Protestantismus, wie wir es auch von manchen amerikanischen Gegenden kennen.

 

Die Damen jedenfalls gingen im Badeanzug zum See und als ich mein Kochgeschirr säubern wollte, fiel eine Nixe, von der man nur den Brustansatz sehen konnte – vor lauter Schreck rückwärts ins Wasser. (Man hatte sich also des Kostüms entledigt!) Ich versicherte hinterher unter Gelächter, dass ich gegen die Sonne wirklich nichts gesehen habe. Aber so war und ist Schweden bisher. Ich bin schon gespannt was man mir ins Guestbook schreiben wird.

 

Ein Liechtensteiner Pärchen erschien als ich losmarschierte und man tauschte sich aus. Schweizer sind hier übrigens häufig anzutreffen. Da stimmt das Preisniveau besser!

 

Am späten Nachmittag sammle ich wieder Pilze fürs Abendbrot. Gegen 20:00 h lande ich auf einem freien Zeltplatz hinter  Svaneholm. Eine Lagerfeuerrunde begrüßt mich mit Hallo, GÖRAN NORÈN aus Göteborg putzt meine Pilze und ich muss Gitarre spielen. Das Schnitzel, Erdnüsse, Salat und Rotwein erhalte ich als Beilage. Man eröffnet mir, dass ich in Göteborg ihr Gast – mit einem Bett! – bin, ich solle nur kurz vorher anrufen! Dass ich auch noch eine Freifahrkarte für die Fähre nach Frederikshavn erhalte, eröffnete man mir später. Schweden ist also ganz anders geworden!

 

 

 

  195. GÖRANs kostenloser Campingplatz

 

 

 

75. Tag

Freitag, 30. Juli 2004

Baden und 6 Pilz-Kilometer (2.323 km)

 

31.07.2004 08:00 (SMS)

Baden und Pilze sammeln, Der Platz war so schön und kostenlos, das Wetter so heiß, die Leute so nett, das Wasser so klar, dass ich geblieben bin. Jetzt habe ich auch noch ein Gratisticket für die Fähre nach Frederikshavn. GÖRAN NORÉN telefonierte. Einziges Pech: ich trat auf die Gitarre. Jetzt ist sie fast schrottreif! Wollte im 6:00 h los. Nun wird wohl erst geleimt! Wolfgang.

 

 

   196. 3. Gitarrenbruch (nachts)

 

 

(Reisebericht per Fax)

So muss es auch einmal sein: Der Platz ist großartig, die Leute nett… (siehe SMS), also bleibe ich noch einen Tag hier. Es handelt sich um einen Natur-Campingplatz auf dem die Gemeinde ein Toilettenhaus errichtet hat. Der See ist in 20 Schritten erreichbar, kristallklar. Nur wenige Camper stehen hier: Wohnwagen, Wohnmobile. Kostenlos. Hier kann man ausspannen.

 

Ein Radlerpärchen aus der Lüneburger Heide ist auch hier und ein allein erziehender Vater aus Wuppertal mit fünf Kindern, der älteste ist 14!! Alle super erzogen, fröhlich, unkompliziert, sagenhaft wie der Vater das organisiert. Während RIKE in Svaneholm Verpflegung holt, gehe ich mit der ganzen Gesellschaft Pilze sammeln. Da es lange nicht geregnet hat, ist die Beute nicht sehr groß – aber reichlich. Zwei Pfannen werden voll. RIKE macht mit den Kindern Stockbrot und zum Angeln fährt man mit dem Kanadier hinaus. Der Abend klingt schön am Lagerfeuer aus.

 

 

   197. RIKE macht Stockbrot

 

 

Beim Gang zum Zelt stolpere ich und drücke die Decke der Gitarre ein. Es scheint schlimm zu sein. Morgen wird es sich zeigen, denn ich habe als „Taschenlampe“ nur das Handy. Meinen Stirn-Halogen-Strahler habe ich wegen der Mitternachtssonne ja nach Hause geschickt. Wie ist das mit den Versicherungen: Wenn man sie braucht, hat man sie gerade gekündigt.

 

 

 

76. Tag

Samstag, 31. Juli 2004

ca. 10 km hinter Svaneholm > vor Arbol

29 km (2.352 km)

 

31.07.2004 22:30 (SMS)

Ca. 170 km bis Göteborg. Habe ab 5:30 h meine Gitarre geleimt und bin gegen 8:30 h abmarschiert. Es war ein sehr heißer Tag. Ich musste schon nach 8 km erstmals rasten, Bin um 15:00 h in Bengtfors zum Einkaufen gewesen. Das Vandrahem will 140 kr im Mehrbettzimmer und 320 kr für ein Einzelzimmer berechnen. Ich danke ab. Lande auf dem Campingplatz für 70 kr und bin dadurch noch ein Stück weiter gekommen. Meine Gitarre hält. Gruß Wolfgang.

 

 

    198. Göteborg kommt näher

 

   199. Kanalboot